Brimstone – Königin der Finsternis. Krieger der Wölfe

Himmel, was für eine Fortsetzung!

Nach QuickSilver war klar: Ich brauche mehr. Mehr Kingfisher, mehr Saeris, mehr Magie, mehr Chaos. Kaum hatte ich Brimstone – Königin der Finsternis. Krieger der Wölfe aufgeschlagen, war dieses vertraute Kribbeln wieder da. Fae, Vampire, düstere Machtspiele und ordentlich Spice – Callie Hart weiß einfach, wie man mich abholt.

Der Einstieg hat sich für mich allerdings etwas Zeit gelassen. Die ersten Kapitel fühlten sich stellenweise zäh an, fast so, als würde die Geschichte erst einmal tief Luft holen, bevor sie losrennt. Nach etwa zweihundert Seiten war es dann aber vorbei mit jeder Zurückhaltung: Ab diesem Punkt war ich komplett gefangen, emotional investiert und konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen.

Saeris’ Entwicklung ist für mich eines der größten Highlights dieses Bandes. Aus dem Mädchen, das einst mit einem goldenen Handschuh durch die Gegend streifte, ist eine Königin geworden – hart, entschlossen und bereit, Entscheidungen zu treffen, die wehtun. Und trotzdem wirkt sie nie künstlich oder überzeichnet. Ihre innere Zerrissenheit, die Last der Krone und der brennende Wunsch, ihren Bruder zu retten, machen sie greifbar und unglaublich stark. Ich habe jede ihrer Entscheidungen mitgetragen, auch wenn sie mir manchmal das Herz zusammengeschnürt haben.

Überraschenderweise haben sich meine heimlichen Favoriten verschoben. Carrion und Onyx haben mein Leserinnenherz im Sturm erobert. Wer das Buch gelesen hat, weiß genau, warum. Carrion ist für mich eine dieser Figuren, die jede Szene ein bisschen heller – oder gefährlicher – machen. Seine Dynamik mit Kingfisher, dieses Zusammenspiel aus Reibung, Widerstand und langsam wachsendem Vertrauen, war großartig. Ganz ehrlich: Ich hoffe inständig, dass der dritte Band ihm endlich eigene Perspektiven schenkt.

Kingfisher selbst hat mich zwiegespalten zurückgelassen. Der einst so unnahbare, gefährliche Fae-Krieger wirkt hier deutlich weicher, fast schon zahm. Natürlich ist diese Veränderung nachvollziehbar – Liebe verändert, Liebe entwaffnet. Trotzdem hat mich seine Darstellung nicht immer überzeugt. Sein innerer Wandel fühlte sich für mich stellenweise zu glatt, zu brav an. Gerade im Vergleich wirkten Nebenfiguren wie Lorreth, Ren oder Tal lebendiger, kantiger und ehrlicher gezeichnet. Das hat mich ein wenig enttäuscht, auch wenn ich die emotionale Verbindung zwischen ihm und Saeris weiterhin sehr mochte.

Inhaltlich zieht Brimstone die Zügel deutlich an. Die Geschichte ist dunkler, komplexer und gefährlicher als ihr Vorgänger. Viele Fragen werden beantwortet – nur um direkt neue aufzuwerfen. Ich hatte mehrfach Gänsehaut, habe an manchen Stellen geschluckt und an anderen tatsächlich geweint. Gegen Ende fühlte ich mich, als hätte man mich einmal komplett durch den Wolf gedreht: nervlich am Ende, emotional ausgelaugt und trotzdem vollkommen begeistert.

Der Spannungsbogen im Finale ist brutal gut gesetzt. Jede Seite schraubt die Intensität weiter nach oben, bis man eigentlich nur noch weiterlesen will. Ein kleiner Dämpfer war für mich der Übersetzungsfehler ganz am Schluss, der im Kontext des Cliffhangers leider eine nicht unerhebliche Bedeutung hat. Das hat kurz den Zauber gebrochen – meine Vorfreude auf die Fortsetzung aber kein bisschen geschmälert.

Unterm Strich ist Brimstone für mich ein starker zweiter Band, der die Welt erweitert, die Figuren weiterentwickelt und emotional ordentlich austeilt. Nicht perfekt, aber intensiv, düster und absolut mitreißend. Ich bin mehr als bereit für Band drei.

4 von 5 Sternen ⭐⭐⭐⭐

Und jetzt bitte ganz schnell die Fortsetzung.


Bailey Seybolt – Coram House

Es gibt diese Thriller, die man liest und danach sofort wieder vergisst. Und dann gibt es jene, die sich langsam festsetzen – mit Atmosphäre, mit einem Gefühl von Unbehagen, das bleibt, selbst wenn man das Buch längst zugeschlagen hat. Genau deshalb greife ich immer wieder so gern zu diesem Genre. Gute Thriller schaffen es, Spannung nicht nur über Tempo zu erzeugen, sondern über Stimmung, Figuren und Fragen, die einen nicht mehr loslassen.

Und genau so ein Buch war für mich Coram House.

Bailey Seybolt – Coram House

Schon die Ausgangslage hat mich sofort neugierig gemacht: ein verlassenes Waisenhaus, ein verschwundener Junge und ein Geheimnis, das seit Jahrzehnten im Dunkeln liegt. Vermont, Ende der 1960er-Jahre. Ein heißer Sommertag, ein neunjähriger Junge verschwindet spurlos – und niemand kann bis heute sagen, was wirklich geschehen ist. Allein diese Vorstellung hat etwas zutiefst Beunruhigendes.

Fünfzig Jahre später betritt Alex Kelley diese Geschichte. Sie ist keine Ermittlerin, keine Polizistin, keine typische Thriller-Heldin. Alex ist True-Crime-Autorin – angeschlagen, erschöpft, beruflich und emotional an einem Tiefpunkt. Der Auftrag, über Coram House zu schreiben, wirkt zunächst wie ein Rettungsanker. Doch je tiefer sie in alte Akten, Zeugenaussagen und vergessene Dokumente eintaucht, desto klarer wird: Dieser Fall ist alles andere als abgeschlossen.

Was mich von Anfang an gepackt hat, war die Atmosphäre. Bailey Seybolt versteht es hervorragend, Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Das winterliche Vermont, der See, die Kälte, die Einsamkeit – all das fühlt sich greifbar an. Das verlassene Waisenhaus wirkt dabei wie ein stiller Zeuge, der mehr weiß, als er preisgibt. Diese bedrückende Stimmung zieht sich durch das ganze Buch und verleiht der Geschichte eine Tiefe, die weit über einen klassischen Thriller hinausgeht.

Besonders gelungen fand ich den Aufbau auf mehreren Zeitebenen. Die Vergangenheit und die Gegenwart greifen immer wieder ineinander, ohne verwirrend zu sein. Stattdessen entsteht langsam ein Mosaik aus Erinnerungen, Andeutungen und unbequemen Wahrheiten. Auch die Schicksale der Kinder, die einst in Coram House lebten, haben mich sehr berührt. Hier geht es nicht nur um einen einzelnen Fall, sondern um Verlust, Schuld und die Frage, was passiert, wenn Unrecht nie wirklich aufgearbeitet wird.

Die Spannung ist dabei eher leise, fast unterschwellig. Coram House setzt nicht auf permanente Action oder Schockmomente, sondern auf psychologischen Druck. Man spürt ständig, dass etwas nicht stimmt – und dass Alex sich mit jeder neuen Erkenntnis selbst in Gefahr bringt. Als dann plötzlich ein weiterer Todesfall auftaucht, kippt die Stimmung endgültig, und aus Recherche wird Überlebenskampf.

Ganz perfekt war das Buch für mich dennoch nicht. An manchen Stellen war ich als Leserin gedanklich ein kleines Stück voraus, und beim Finale hätte ich mir gewünscht, dass bestimmte Enthüllungen noch etwas feiner vorbereitet worden wären. Das hat meinen Lesefluss nicht zerstört, aber es hat verhindert, dass mich das Ende komplett umgehauen hat.

Trotzdem bleibt Coram House ein intensiver, atmosphärisch dichter Thriller, der sich Zeit nimmt und genau dadurch wirkt. Wer schnelle, laute Hochspannung sucht, wird hier vielleicht nicht fündig. Wer jedoch psychologische Spannung, starke Settings und Geschichten liebt, die langsam unter die Haut gehen, sollte dieses Buch unbedingt lesen.

Für mich ist es ein sehr gelungenes Debüt mit einer spannenden Hauptfigur und viel erzählerischem Potenzial.

Ich vergebe 4 von 5 Sternen – und bin mir ziemlich sicher, dass ich Bailey Seybolt im Auge behalten werde.

Und jetzt interessiert mich eure Meinung:

Welcher Thriller hat euch zuletzt wirklich gepackt?


Rauhnächte von Ellen Sandberg

Die Rauhnächte üben schon seit Jahren eine ganz eigene Anziehungskraft auf mich aus. Diese geheimnisvolle Zeit zwischen den Jahren, voller alter Bräuche, Aberglauben und stiller Magie – eigentlich wollte ich sie längst bewusst erleben und zelebrieren. Als mir also dieses Buch begegnete, war sofort klar: Das muss ich lesen.

Hinter dem Namen Ellen Sandberg verbirgt sich Inge Löhnig, eine Autorin, deren Krimis ich schon lange sehr schätze. „Rauhnächte“ ist eine überarbeitete und neu adaptierte Fassung eines älteren Jugendbuchs, das hier für ein erwachsenes Publikum neu erzählt wurde. Da ich die ursprüngliche Version nicht kenne, kann ich keine Vergleiche ziehen – ich bin ganz unvoreingenommen in diese Geschichte eingetaucht.

Schon rein optisch hat mich das Buch sofort abgeholt. Das Cover ist wunderschön: die winterliche Kälte, die stille Landschaft, der Fuchs – all das wirkt ruhig und gleichzeitig unheimlich. Nach der Lektüre kann ich sagen: Dieses Cover passt perfekt zur Geschichte und fängt ihre Stimmung erstaunlich gut ein.

Im Mittelpunkt steht Pia, 22 Jahre alt, deren Welt an Heiligabend ins Wanken gerät. Ein aufgeschnapptes Gespräch ihrer Eltern bringt eine Wahrheit ans Licht, die alles verändert: Pia ist adoptiert. Plötzlich ergibt dieses diffuse Gefühl des Andersseins, das sie ihr Leben lang begleitet hat, einen Sinn – und wirft gleichzeitig unzählige neue Fragen auf. Auf der Suche nach Antworten reist sie nach Wasserburg am Inn, in die Heimat ihrer leiblichen Mutter. Dort, inmitten von Raureif, alten Gassen und schaurigen Maskengestalten, beginnen die Rauhnächte – und mit ihnen kehren Geheimnisse zurück, die lange verborgen lagen.

Was dieses Buch für mich ganz klar auszeichnet, ist seine Atmosphäre. Sie ist düster, kalt, stellenweise richtig unheimlich und passt damit perfekt in die dunkle Jahreszeit. Immer wieder gab es Szenen, die mir eine Gänsehaut beschert haben, einfach weil die Stimmung so dicht und greifbar war. Diese unterschwellige Bedrohung, dieses Gefühl, dass etwas nicht stimmt, zieht sich konsequent durch die Geschichte.

Auch die Einbindung der Rauhnächte hat mir sehr gefallen. Die alten Bräuche, der Glaube an Geister, das Öffnen der Grenzen zwischen den Welten – all das verleiht dem Roman eine mystische Tiefe. Ich habe einiges über diese Zeit gelernt und fand es spannend, wie selbstverständlich Aberglaube und Realität hier miteinander verwoben werden.

Trotzdem hatte ich mit dem Buch meine Schwierigkeiten. Die Geschichte empfand ich stellenweise als sehr langatmig, teilweise sogar langweilig. Gerade in der Mitte zog sich der Plot für mein Empfinden unnötig in die Länge, ohne wirklich neue Impulse zu setzen.

Am meisten gestört hat mich jedoch die Hauptfigur. Mit Pia bin ich bis zum Schluss nicht warm geworden. Sie handelt oft impulsiv, wirkt naiv und emotional unreif. Immer wieder stößt sie Menschen ohne nachvollziehbaren Grund vor den Kopf, und ihr Verhalten fühlte sich für mich häufig unnatürlich an. Leider entwickelt sich dieser Eindruck im Verlauf der Geschichte kaum weiter.

Auch die plötzlich eingefügte Liebesgeschichte konnte mich überhaupt nicht überzeugen. Sie kam aus dem Nichts, entwickelte sich viel zu schnell und blieb für mich emotional völlig leer. Die Gefühle wirkten nicht glaubwürdig und schienen für den eigentlichen Plot vollkommen überflüssig. Für mich fühlte sich dieser Teil eher wie ein Relikt aus der ursprünglichen Jugendbuchfassung an – auch wenn das natürlich nur eine Vermutung ist.

Unterm Strich bleibt für mich ein Buch mit einer großartigen Idee, einer starken Atmosphäre und einem faszinierenden Setting, das sein Potenzial jedoch nicht vollständig ausschöpft. Die Rauhnächte selbst haben mich gepackt – die Geschichte und ihre Figuren leider nur bedingt.

⭐️⭐️⭐️ / 5

Stimmungsvoll und atmosphärisch, aber insgesamt zu zäh und mit einer Protagonistin, zu der ich keinen Zugang gefunden habe.


Eine dieser Reihen, die man einfach nicht aufgibt

Wenn es eine Krimireihe gibt, die meine Mutter und mich seit Jahren begleitet, dann sind es ganz klar die Bücher rund um Inspector Lynley und Barbara Havers von Elizabeth George. Wir sind seit Band eins dabei – und ja, inzwischen sind wir bei Band 22 angekommen. Allein das fühlt sich irgendwie verrückt an.

Elizabeth George – Wer Zwietracht sät (Band 22)

Ein Mord im eigentlich idyllischen Cornwall erschüttert die kleine Gemeinde Trevellas. Der angesehene Unternehmer Michael Lobb wird brutal getötet, und schnell wird klar: Hinter der hübschen Fassade brodelt es gewaltig. Ein umstrittenes Bauprojekt, familiäre Spannungen, eine deutlich jüngere Ehefrau mit neuem Vermögen – Verdächtige gibt es genug. Und dann führt eine Spur auch noch direkt zu Thomas Lynley selbst. Spätestens da war ich natürlich wieder voll dabei.

Oder sagen wir: Ich wollte es sein.

Denn der Einstieg hat mir ehrlich gesagt etwas Mühe gemacht. Es tauchen sehr viele Figuren auf, sehr viele Namen, sehr viele Nebenhandlungen – und Lynley und Havers lassen sich ziemlich lange Zeit, bis sie überhaupt auftreten. Und genau da liegt für mich der Knackpunkt: Ich lese diese Reihe wegen Lynley und Havers. Nicht wegen seitenlanger Ausflüge in das Drama diverser Nebenfiguren.

Elizabeth George verliert sich hier für meinen Geschmack wieder zu sehr im Drumherum. Es gibt einfach zu viele Personen, zu viele Verwicklungen, die die Geschichte nicht voranbringen, sondern eher ausbremsen. Das kennen wir leider schon aus den letzten Bänden. Immer wieder saß ich da und dachte: Worum geht es jetzt eigentlich gerade?

Positiv fand ich immerhin, dass gesellschaftspolitische Themen dieses Mal deutlich zurückhaltender eingebaut sind als zuletzt. Das tat der Geschichte gut. Trotzdem bleibt Lynley selbst erstaunlich blass. Er ist da, ja – aber eher am Rand. Lynley und Havers werden irgendwie zu Nebendarstellern und die gesamte Polizeiarbeit zu einer lieblos dargestellten Nebenhandlung degradiert.  Zeitweise hatte ich den Eindruck, die Autorin habe sich nicht ganz entscheiden können, ob sie einen klassischen Kriminalroman oder ein psychologisches Familiendrama erzählen möchte.

Dazu kommen Wiederholungen. Viele Gedanken, Konflikte und Beobachtungen werden mehrfach durchgekaut, teilweise sogar mit sehr ähnlichen Formulierungen. Das hat bei mir leider immer wieder Langeweile erzeugt – und das tut weh, wenn man diese Reihe eigentlich so liebt.

Besonders enttäuschend fand ich die Auflösung. Schon relativ früh vor Schluss ist der Fall gelöst, ohne großen Knall, ohne Twist, ohne diesen typischen Aha-Moment. Nach so vielen Seiten hatte ich mir da deutlich mehr erhofft.

Was mir ebenfalls fehlt: eine echte Entwicklung bei Barbara. Ihr Privatleben tritt weiterhin auf der Stelle, und ich hätte mir so sehr gewünscht, dass sich hier endlich etwas bewegt.

Unterm Strich war ‚Wer Zwietracht sät’ für mich kein Highlight. Es war aber auch kein Totalausfall – und tatsächlich besser als einige der direkten Vorgänger. Trotzdem merkt man einfach, dass die Reihe ihre stärksten Zeiten hinter sich hat.

Und doch: Ich werde weiterlesen. Weil Lynley und Havers für mich dazugehören. Weil ich hoffe, dass da noch einmal ein Band kommt, der mich wirklich packt. Und weil man alte Buchliebe eben nicht so leicht aufgibt.

⭐️⭐️⭐️ / 5

Solide, stellenweise zäh – aber als Fan der Reihe bleibe ich trotzdem dabei.


Kristen Ciccarelli – Rebel Witch

Zwischen Begeisterung und dem Gefühl: Da hätte noch mehr kommen dürfen

Könnt ihr euch noch erinnern? Heartless Hunter, der erste Band, hat mich damals komplett abgeholt. Ich war drin – emotional, gedanklich, mit Herzklopfen. Entsprechend groß war meine Vorfreude auf die Fortsetzung. Ich wusste, worauf ich mich einlasse: eine Dilogie. Und meistens denke ich bei Trilogien ja eher „Das hätte man auch kürzer erzählen können.“

Hier war es genau andersherum. Diese Geschichte hätte für mich definitiv ein Buch mehr gebraucht.

Kristen Ciccarelli – Rebel Witch - Der rote Nachtfalter (Band 2)

Rune ist auf der Flucht. Seit ihre wahre Identität als Hexe bekannt ist, steht ihr Leben auf dem Spiel – und als wäre das nicht genug, schmerzt der Verrat durch Gideon noch viel mehr. Der Hexenjäger, der ihr Herz erobert hat. Trotz allem müssen die beiden wieder zusammenarbeiten, denn eine alte Feindin droht, die Macht an sich zu reißen. Nähe und Misstrauen liegen gefährlich dicht beieinander – und Gefühle lassen sich eben nicht einfach abschalten.

Was mir beim Lesen immer wieder durch den Kopf ging:

In Band 1 standen wir ganz klar auf der Seite der Hexen. In Band 2 verschiebt sich dieser Fokus – und plötzlich fühlt sich vieles wieder unausgewogen an. Genau hier hätte ich mir einen dritten Band gewünscht, um dieses Ungleichgewicht aufzufangen und der Geschichte mehr Raum zu geben.

Optisch ist das Buch wieder ein absoluter Traum. Das Cover passt perfekt zum ersten Band, der Stil wurde konsequent beibehalten, und der rote Buchschnitt macht sich einfach wunderschön im Regal. Da gibt es wirklich nichts zu meckern.

Auch sprachlich bleibt Kristen Ciccarelli sich treu. Der Schreibstil ist flüssig, atmosphärisch und sehr gut lesbar. Ich war sofort wieder drin und bin schnell durch die Seiten geflogen. Manchmal hätte ich mir allerdings gewünscht, dass der Fokus etwas weniger auf Gideons Statur und dafür mehr auf Welt, Magie und Hintergrund gelegen hätte – aber das ist Jammern auf recht hohem Niveau.

Emotional war Rebel Witch für mich eine echte Achterbahnfahrt. Rune und Gideon sind und bleiben das Herz der Geschichte. Ihre Beziehung lebt von Spannung, unausgesprochenen Gefühlen und diesem ständigen inneren Konflikt zwischen Vertrauen und Verrat. Allerdings hatte ich im Mittelteil oft das Gefühl, dass sich ihre Dynamik im Kreis dreht: Ich liebe dich, aber ich kann dir nicht trauen. Das war irgendwann etwas ermüdend – auch wenn die Chemie zwischen den beiden weiterhin stimmt und es immer wieder kleine, schöne Momente gab.

Rune selbst fand ich diesmal schwieriger zu greifen. Sie ist mutig und impulsiv, aber oft auch naiv und sehr in ihren eigenen Gedanken gefangen. Mehr als einmal hätte ich sie am liebsten geschüttelt. Gideon hingegen war für mich deutlich weniger präsent als im ersten Band, was ich schade fand – gerade seine innere Zerrissenheit mochte ich zuvor sehr.

Auch die Handlung hatte für mich Höhen und Tiefen. Der Einstieg war spannend, danach folgte eine längere Phase, in der sich vieles wiederholt hat und der große Konflikt eher im Hintergrund blieb. Die Antagonistin, die im ersten Band noch richtig bedrohlich wirkte, blieb hier überraschend blass. Das Ende kam dann sehr plötzlich, sehr rasant – fast ein bisschen zu schnell für all das, was vorher aufgebaut wurde.

Was mir insgesamt gefehlt hat, war mehr Welt, mehr Magie, mehr Tiefe. Das Setting hat so viel Potenzial, ebenso die Nebenfiguren, die leider oft nur angerissen werden.

Unterm Strich bleibt für mich ‚Heartless Hunter‘ der stärkere Band. Trotzdem bin ich froh, die Geschichte abgeschlossen zu haben. Rune und Gideon werden mir im Kopf bleiben – auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass ihre Geschichte mehr Raum zum Atmen bekommen hätte.

⭐️⭐️⭐️⭐️/ 5


Fearful – Kitts Schicksal

Wie steht ihr eigentlich zu Novellen?

Für die einen sind sie ein schönes Extra, ein Bonus für Fans, ein tieferer Blick hinter die Kulissen. Für andere eher ein unnötiges Anhängsel, das mehr kaputtmacht als ergänzt. Ich schwanke da ja immer – manchmal liebe ich sie, manchmal wünsche ich mir, ich hätte sie einfach ausgelassen. Und leider gehört Fearful – Kitts Schicksal für mich eindeutig zur zweiten Kategorie.

Eigentlich war ich neugierig. Eine Novelle, die sich um Kitt dreht? Nach allem, was in Powerless – Der Thron passiert ist? Da war Hoffnung. Wirklich. Vor allem, weil Kitt eine Figur ist, die so viel Potenzial hat – innerlich zerrissen, moralisch kompliziert, emotional aufgeladen. Genau deshalb hat mich diese Novelle auch so frustriert zurückgelassen.

Mara hatte sich geschworen, nie wieder einen Fuß nach Ilya zu setzen – und steht dann doch wieder mitten im Geschehen, ausgelöst durch eine Entscheidung von Kitt, die angeblich alles verändern soll. Klingt erstmal spannend. War es für mich leider nicht. Denn statt wirklich bei Kitt zu bleiben, statt sein Schicksal, seine Gedanken, seine Entwicklung in den Mittelpunkt zu stellen, verliert sich die Geschichte in Nebenschauplätzen, neuen Prioritäten und Entscheidungen, die ich emotional überhaupt nicht greifen konnte.

Mein größtes Problem: Es ging viel zu wenig um Kitt. In seinem eigenen Buch. Ich saß ständig da und dachte: Warum erzählst du mir das – und nicht das, was wirklich wichtig wäre? Sein Charakter fühlt sich an manchen Stellen fremd an, fast so, als hätte man ihn verbogen, damit er in eine bestimmte Richtung passt. Und Mara? Mit ihr bin ich leider gar nicht warm geworden. Vieles, was relevant sein sollte – Wahrheiten, Einordnungen, Bedeutungen – wird gefühlt in Klammern ausgelagert. Statt Klarheit gab es bei mir vor allem Verwirrung.

Dazu kam noch, dass ein weiblicher Nebencharakter plötzlich enorm viel Raum bekam. Einer, mit dem ich schon vorher meine Probleme hatte. Und auf einmal hatte ich das Gefühl, ich muss mich jetzt mit ihr versöhnen. Nein. Einfach nein. Für mich fühlte sich das respektlos an – vor allem gegenüber Adena. Das ging emotional für mich überhaupt nicht klar und hat mir beim Lesen ehrlich gesagt richtig Wut im Bauch gemacht.

Statt Antworten gab es neue Fragezeichen. Statt Abschluss eher das Gefühl eines halbfertigen Übergangs. Ich weiß, dass viele sagen werden: „Das ist Absicht, da kommt bestimmt noch mehr.“ Mag sein. Aber genau da liegt mein Problem. Wenn eine Novelle mehr Schaden anrichtet als Neugier, dann funktioniert sie für mich nicht. Ich habe mich schon über das Ende von Der Thron geärgert – auch wenn das Buch für mich trotzdem ein Highlight war. Fearful hat diese Enttäuschung leider verstärkt.

Und ja: Der Schreibstil ist nach wie vor gut. Lauren Roberts kann schreiben, das steht außer Frage. Selbst die Erzählung in der dritten Person, die ich sonst oft schwierig finde, hat grundsätzlich funktioniert. Nur konnte ich es diesmal nicht genießen, weil mich der Inhalt einfach zu sehr gestört hat.

Ich habe auch die Diskussionen mitbekommen, ob man Der Thron und Fearful im Tandem lesen sollte. Meine ehrliche Meinung: Bitte nicht. Wirklich nicht. Meiner Meinung nach tut man sich damit keinen Gefallen – im Gegenteil. Ich würde Band 3 ganz in Ruhe lesen und diese Novelle maximal dann anfassen, wenn tatsächlich noch ein weiteres Buch angekündigt wird. Und selbst dann nur mit sehr gedämpften Erwartungen.

Für mich war Fearful leider ein unbefriedigendes, seltsames und emotional frustrierendes Leseerlebnis. Eine Novelle, die mehr Fragen aufwirft als klärt und Figuren in ein Licht rückt, das ich nicht annehmen kann.

⭐️ 2,5 von 5 Sternen

Schade. Wirklich schade.


Carissa Broadbent – Daughter of No Worlds (War of Lost Hearts 1)

Düstere Romantasy in einem epischen High-Fantasy-Setting

Die Bücher von Carissa Broadbent gehören für mich schon lange zu jenen, die ich verschlinge, sobald sie erscheinen. Ihr Schreibstil, ihre Welten, ihre Charaktere – all das hat mich bisher immer sofort in den Bann gezogen. Als ich gehört habe, dass sie mit Daughter of No Worlds eine neue Reihe startet, war mir klar: Dieses Buch brauche ich. Und ich wurde nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil – ich habe es geliebt, jede einzelne Seite davon.

Schon auf den ersten Seiten spürt man, dass Broadbent keine halben Sachen macht. Sie wirft uns mitten hinein in eine Welt, die düster, grausam und gleichzeitig von einer so berührenden Schönheit ist, dass man kaum atmen mag. Wir begleiten Tisaanah, eine junge Frau, die das Unmögliche geschafft hat: Nach Jahren der Unterdrückung hat sie sich mit Gold freigekauft – doch an Freiheit ist sie noch lange nicht angekommen. Ihr Weg führt sie aus den Schatten von Threll zum Mitternachts-Orden, einer Organisation, die Magie hütet, aber auch kontrolliert. Dort will sie lernen, ihre Kräfte zu beherrschen, um eines Tages jene zu befreien, die noch immer in Ketten liegen.

Doch ausgerechnet Max, ein verbitterter, gebrochener Krieger, wird ihr Lehrer. Er, der mit der Welt abgeschlossen hat, trifft auf sie – voller Feuer, Hoffnung und Trotz. Und während beide aneinander geraten, aneinander wachsen und sich an ihren eigenen Wunden stoßen, wird deutlich: Diese Geschichte ist mehr als ein Kampf gegen äußere Feinde. Es ist ein Kampf gegen das, was in uns selbst tobt – gegen Schmerz, Schuld und die Angst, wieder zu verlieren.

Carissa Broadbent schreibt mit einer Intensität, die einen regelrecht einsaugt. Ihr Stil ist bildhaft, wortgewandt und von einer poetischen Härte, die perfekt zu dieser Geschichte passt. Jede Szene, jeder Blick, jedes unausgesprochene Wort zwischen Tisaanah und Max trägt Gewicht. Ich konnte mir die Welt so klar vorstellen – die düsteren Gassen, das kalte Licht des Ordens, das Flirren der Magie in der Luft. Es war, als würde ich mit den Figuren durch Sturm und Blut gehen.

Was mich besonders beeindruckt hat, ist, wie gut Broadbent es schafft, schwere Themen wie Sklaverei, Menschenhandel und Gewalt in die Handlung einzubetten, ohne sie zu verharmlosen oder zu überzeichnen. Diese Elemente sind keine bloße Kulisse, sie sind das Fundament der Geschichte – das, was Tisaanah antreibt, formt und verletzt. Manche Szenen sind brutal, keine Frage, aber sie sind notwendig, um zu zeigen, wie tief der Schmerz sitzt, wie teuer Freiheit sein kann.

Die Romantik spielt hier eine leise, aber kraftvolle Rolle. Keine aufgesetzte, übertriebene Liebesgeschichte, sondern etwas, das langsam wächst – schmerzhaft, ehrlich, unvollkommen. Die Chemie zwischen Tisaanah und Max ist greifbar, aber nie dominant. Es geht nicht um große Gesten, sondern um Vertrauen, um Nähe, die man sich erkämpfen muss. Und genau das macht es so real.

Der Spannungsbogen bleibt konstant hoch. Intrigen, Machtspiele, Geheimnisse – man weiß nie, wem man trauen kann. Broadbent spielt mit unseren Erwartungen, bricht sie, lässt uns hoffen und dann wieder zweifeln. Es gibt Momente, da ist man sicher, den Weg zu kennen – und dann steht man wieder im Dunkeln.

Und dann kommt dieses Ende.

Heftig. Bitter. Herzzerreißend.

Ein Cliffhanger, der einen mit offenem Mund und wild klopfendem Herzen zurücklässt. Ich saß da, völlig fassungslos, und wollte einfach nur weiterlesen. Ich brauche Band 2. Sofort.

Daughter of No Worlds ist ein kraftvoller Reihenauftakt voller Emotion, Schmerz, Stärke und Hoffnung. Ein Buch, das unter die Haut geht und dort bleibt. Carissa Broadbent erzählt von Freiheit, Mut und der Liebe in einer Welt, die alles zerstören will – und sie tut das mit einer sprachlichen Tiefe, die ihresgleichen sucht.

Einige Passagen hätten beim Worldbuilding noch etwas mehr Raum vertragen, aber das schmälert das Leseerlebnis kaum. Dieses Buch ist düster, roh, wunderschön – und absolut empfehlenswert.

⭐️ 4 / 5 Sterne

Ein mitreißender Auftakt, der zeigt, warum Carissa Broadbent zu den spannendsten Stimmen der modernen Romantasy zählt.


Thriller-Rückblick November

Zwischen Gänsehaut, Melancholie und stiller Spannung

Der November war nicht nur magisch, sondern auch dunkel, kalt und nervenaufreibend – genau die richtige Zeit für Thriller. In diesem Monat habe ich mich durch unterschiedlichste Spielarten der Spannung gelesen: warmherzige Cosy Crimes, forensische Ermittlungen, psychologische Abgründe und leise, nachhallende Krimis. Nicht jedes Buch wollte schocken – manche wollten vielmehr unter die Haut gehen. Und genau das hat diesen Thriller-Monat so besonders gemacht.


Richard Osman – 

Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code

⭐ 4 / 5

Ein Wiedersehen mit alten Freunden. Humorvoll, warmherzig und klug erzählt, auch wenn der eigentliche Kriminalfall stellenweise hinter den zwischenmenschlichen Geschichten zurücktritt. Kein Hochspannungsthriller, aber ein charmanter, melancholischer Cosy Crime, der einfach gut tut.


A. K. Turner – 

Was die Toten sehen

⭐ 4 / 5

Der vierte Band der Cassie-Raven-Reihe hat mich wieder voll abgeholt. Forensisch, düster, sehr britisch und mit konstantem Spannungslevel. Kein lauter Thriller, aber clever konstruiert und mit einem überraschend abgründigen Ende.


Catherine Shepherd – 

Verstummte Narben

⭐ 4,5 / 5

Ein atmosphärischer, eiskalter Thriller und für mich einer der stärksten Bände der Julia-Schwarz-Reihe. Der Einstieg ist unheimlich, der Weg dorthin extrem packend. Lediglich das sehr schnelle Ende lässt minimal Luft nach oben.


Harlan Coben & Reese Witherspoon – 

Ohne ein letztes Wort

⭐ 3 / 5

Eine spannende Grundidee, solide umgesetzt – aber ohne den typischen Coben-Wow-Effekt. Gut lesbar und unterhaltsam, bleibt jedoch eher an der Oberfläche und wirkt stellenweise glatt.


Michael Robotham – 

Die weiße Krähe

⭐ 3,5 / 5

Ein psychologisch tiefgehender Kriminalroman mit starken Figuren. Weniger Thriller, mehr Charakterstudie. Ruhig, atmosphärisch und menschlich – nicht Robothams stärkstes Buch, aber absolut lesenswert.


Simon Beckett – 

Knochenkälte

⭐ 5 / 5

Ein meisterhaft erzählter siebter Fall für David Hunter. Düster, intelligent, langsam eskalierend und voller Atmosphäre. Kein Effekthascherei-Thriller, sondern Spannung mit Substanz. Für mich ein echtes Highlight.


Jussi Adler-Olsen – 

Tote Seelen singen nicht

⭐ 4 / 5

Ein leiser, intensiver elfter Band für das Sonderdezernat Q. Weniger Action, mehr Tiefe, Abschied und Neuanfang. Ein Thriller, der nicht schreit, sondern lange nachklingt.

Der Thriller-November war vielseitig: von gemütlich-klug bis eiskalt-intensiv, von humorvoll bis tief melancholisch. Nicht jedes Buch wollte mich atemlos machen – aber viele haben mich genau dort berührt, wo Spannung am stärksten wirkt: im Kopf und im Gefühl.

Welche Thriller haben euch im November begleitet?

Und mögt ihr es lieber laut und brutal – oder leise und psychologisch?