Himmel, was für eine Fortsetzung!
Nach QuickSilver war klar: Ich brauche mehr. Mehr Kingfisher, mehr Saeris, mehr Magie, mehr Chaos. Kaum hatte ich Brimstone – Königin der Finsternis. Krieger der Wölfe aufgeschlagen, war dieses vertraute Kribbeln wieder da. Fae, Vampire, düstere Machtspiele und ordentlich Spice – Callie Hart weiß einfach, wie man mich abholt.
Der Einstieg hat sich für mich allerdings etwas Zeit gelassen. Die ersten Kapitel fühlten sich stellenweise zäh an, fast so, als würde die Geschichte erst einmal tief Luft holen, bevor sie losrennt. Nach etwa zweihundert Seiten war es dann aber vorbei mit jeder Zurückhaltung: Ab diesem Punkt war ich komplett gefangen, emotional investiert und konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen.
Saeris’ Entwicklung ist für mich eines der größten Highlights dieses Bandes. Aus dem Mädchen, das einst mit einem goldenen Handschuh durch die Gegend streifte, ist eine Königin geworden – hart, entschlossen und bereit, Entscheidungen zu treffen, die wehtun. Und trotzdem wirkt sie nie künstlich oder überzeichnet. Ihre innere Zerrissenheit, die Last der Krone und der brennende Wunsch, ihren Bruder zu retten, machen sie greifbar und unglaublich stark. Ich habe jede ihrer Entscheidungen mitgetragen, auch wenn sie mir manchmal das Herz zusammengeschnürt haben.Überraschenderweise haben sich meine heimlichen Favoriten verschoben. Carrion und Onyx haben mein Leserinnenherz im Sturm erobert. Wer das Buch gelesen hat, weiß genau, warum. Carrion ist für mich eine dieser Figuren, die jede Szene ein bisschen heller – oder gefährlicher – machen. Seine Dynamik mit Kingfisher, dieses Zusammenspiel aus Reibung, Widerstand und langsam wachsendem Vertrauen, war großartig. Ganz ehrlich: Ich hoffe inständig, dass der dritte Band ihm endlich eigene Perspektiven schenkt.
Kingfisher selbst hat mich zwiegespalten zurückgelassen. Der einst so unnahbare, gefährliche Fae-Krieger wirkt hier deutlich weicher, fast schon zahm. Natürlich ist diese Veränderung nachvollziehbar – Liebe verändert, Liebe entwaffnet. Trotzdem hat mich seine Darstellung nicht immer überzeugt. Sein innerer Wandel fühlte sich für mich stellenweise zu glatt, zu brav an. Gerade im Vergleich wirkten Nebenfiguren wie Lorreth, Ren oder Tal lebendiger, kantiger und ehrlicher gezeichnet. Das hat mich ein wenig enttäuscht, auch wenn ich die emotionale Verbindung zwischen ihm und Saeris weiterhin sehr mochte.
Inhaltlich zieht Brimstone die Zügel deutlich an. Die Geschichte ist dunkler, komplexer und gefährlicher als ihr Vorgänger. Viele Fragen werden beantwortet – nur um direkt neue aufzuwerfen. Ich hatte mehrfach Gänsehaut, habe an manchen Stellen geschluckt und an anderen tatsächlich geweint. Gegen Ende fühlte ich mich, als hätte man mich einmal komplett durch den Wolf gedreht: nervlich am Ende, emotional ausgelaugt und trotzdem vollkommen begeistert.
Der Spannungsbogen im Finale ist brutal gut gesetzt. Jede Seite schraubt die Intensität weiter nach oben, bis man eigentlich nur noch weiterlesen will. Ein kleiner Dämpfer war für mich der Übersetzungsfehler ganz am Schluss, der im Kontext des Cliffhangers leider eine nicht unerhebliche Bedeutung hat. Das hat kurz den Zauber gebrochen – meine Vorfreude auf die Fortsetzung aber kein bisschen geschmälert.
Unterm Strich ist Brimstone für mich ein starker zweiter Band, der die Welt erweitert, die Figuren weiterentwickelt und emotional ordentlich austeilt. Nicht perfekt, aber intensiv, düster und absolut mitreißend. Ich bin mehr als bereit für Band drei.
4 von 5 Sternen ⭐⭐⭐⭐
Und jetzt bitte ganz schnell die Fortsetzung.
