Manche Reihen schaffen es schon mit dem ersten Band, sich einen festen Platz im Herzen zu sichern. Genau so ging es mir mit „Die Legenden von Thezmarr“ von Helen Scheuerer. Der Auftakt hat mich damals völlig mitgerissen – mit seiner Mischung aus Magie, Ausbildung, gefährlichen Prüfungen und dieser intensiven Dynamik zwischen den Figuren. Umso größer war natürlich meine Vorfreude auf Band zwei: „Vows and Ruins“.
Und das Schönste zuerst: Der Einstieg gelingt nahtlos.
Man wird sofort wieder in diese Welt gezogen, als hätte man das Buch nie aus der Hand gelegt. Keine lange Eingewöhnungsphase, kein mühsames Erinnern – plötzlich ist man wieder mitten in Thezmarr, mitten im Training, mitten im drohenden Krieg.
Für Althea hat sich seit dem ersten Band vieles verändert. Ihre Welt steht buchstäblich Kopf, seit sie herausgefunden hat, dass sie über magische Kräfte verfügt. Eine Erkenntnis, die nicht nur neue Möglichkeiten eröffnet, sondern auch neue Gefahren mit sich bringt. Denn plötzlich geht es nicht mehr nur darum, eine gute Kriegerin zu werden – sondern darum, ihre Magie zu verstehen, zu kontrollieren und gleichzeitig die Wahrheit über ihre Herkunft zu akzeptieren.
Als wäre das nicht schon genug, wird ausgerechnet Wilder Hawthorne offiziell zu ihrem Mentor.
Und wer Band eins gelesen hat, weiß: Wilder ist alles andere als ein sanfter Lehrer. Er verlangt Härte, Disziplin und absolute Hingabe. Er treibt Thea an ihre Grenzen – manchmal sogar darüber hinaus. Denn er ist überzeugt, dass nur diejenigen überleben, die bereit sind, zu zerbrechen und sich wieder neu zusammenzusetzen.
Was mir besonders gefallen hat, ist, wie sich die Beziehung zwischen Thea und Wilder weiterentwickelt. Die Spannung zwischen den beiden war schon im ersten Band spürbar – aber hier wird sie noch intensiver. Ihre Dynamik ist emotional, kompliziert und voller unausgesprochener Gefühle. In diesem Band wird sie außerdem deutlich leidenschaftlicher, was der Geschichte noch einmal eine zusätzliche Ebene gibt.
Trotzdem muss ich ehrlich sagen: Der Einstieg hat mich nicht ganz so stark gepackt wie der erste Band.
Gerade im Mittelteil gab es einige Szenen, die für mich etwas zu schnell erzählt wirkten. Manche Entwicklungen hätten ruhig mehr Raum bekommen dürfen, und auch das Magiesystem bleibt weiterhin eher vage. Gerade hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht – mehr Hintergrund, mehr Erklärung, mehr Verständnis für die Regeln dieser Welt.
Doch dann kommt der Punkt, an dem die Geschichte plötzlich wieder an Fahrt aufnimmt.
Die Spannung zieht spürbar an, neue Gefahren tauchen auf, Geheimnisse kommen ans Licht und die Handlung entwickelt eine ganz eigene Wucht. Besonders Theas Entwicklung hat mir dabei sehr gefallen. Sie wächst über sich hinaus, stellt sich Herausforderungen und beweist immer wieder Mut, Stärke und Intelligenz.
Gleichzeitig lernen wir auch mehr über die Welt außerhalb der Mauern von Thezmarr kennen. Die Landschaft, die unterschiedlichen Gegner, ihre Fähigkeiten und ihre Gefährlichkeit – all das erweitert die Geschichte und macht deutlich, wie groß die Bedrohung tatsächlich ist.
Der Schreibstil von Helen Scheuerer bleibt dabei gewohnt fesselnd.
Auch wenn ich persönlich die Ich-Perspektive oft lieber lese und mich hier erst wieder an die Erzählweise gewöhnen musste, hat mich die Geschichte doch schnell wieder in ihren Bann gezogen. Die Kapitel lesen sich flüssig, die Emotionen sind greifbar und die Spannung bleibt konstant präsent.
Und dann kommt dieses Ende.
Ich kann es nicht anders sagen: Es hat mich komplett überrascht.
Ein Plot Twist, den ich so absolut nicht habe kommen sehen. Ein Moment, der alles verändert und einen mit offenem Mund zurücklässt.
Und als wäre das noch nicht genug, endet das Buch mit einem wirklich fiesen Cliffhanger. Einer von denen, bei denen man das Buch zuschlägt und sofort denkt: Wie soll ich jetzt bitte auf den nächsten Band warten?
Auch wenn ich den zweiten Teil insgesamt minimal schwächer als Band eins empfunden habe – besonders im Mittelteil – hat mich das Finale wieder komplett abgeholt. Die Emotionen, die Spannung und die Entwicklungen der Figuren machen dieses Buch zu einer würdigen Fortsetzung.
Für mich bleibt „Vows and Ruins“ eine klare Leseempfehlung für alle, die epische Fantasy mit starken Figuren, intensiver Spannung und einer guten Portion Romantik lieben.
Jetzt bleibt mir nur noch eines:
Sehnsüchtig auf Band drei warten.
⭐ 4,5 von 5 Sternen – und definitiv eine Reihe, die ich jedem Fantasy-Fan ans Herz legen würde.
