Manchmal sind es genau diese etwas ungewöhnlicheren Fantasygeschichten, die mich neugierig machen. Hexen, Werwölfe und Feen allein sind natürlich noch nichts völlig Neues, aber kombiniert mit einer düsteren Unterwelt, einem geheimnisvollen Club, gefährlichen Spielen und einer ordentlichen Portion Romance klang „Witch’s Gambit – Die Räume der Erfüllung“ von Jessica Wismar definitiv nach einem Buch für mich.
Besonders gespannt war ich auf die Honor Games. Die Grundidee hat mich ein wenig an „Die Tribute von Panem“ erinnert – nur eben in einer vollkommen anderen, magischen Welt. Und tatsächlich steckt in diesem Buch ziemlich viel: Machtkämpfe, Intrigen, unterschiedliche übernatürliche Wesen, eine komplizierte Familie, gefährliche Entscheidungen und mittendrin eine Protagonistin, die sich eigentlich nur eines wünscht: selbst über ihr Leben bestimmen zu dürfen.
Worum geht es in „Witch’s Gambit“?
Mia ist die Erbin eines mächtigen Hexenclans, doch mit den Vorstellungen ihrer Mutter über ihre Zukunft kann sie herzlich wenig anfangen. Denn Hera hat bereits sehr genaue Pläne und möchte ihre Tochter mit einem Werwolf-Alpha verbinden. Mia dagegen will sich weder ihre Zukunft noch ihre Liebe vorschreiben lassen.
Mit ihrem eigenen Club und den geheimnisvollen Räumen der Erfüllung hat sie sich längst etwas Eigenes aufgebaut und versucht, außerhalb ihres Clans genügend Macht und Ansehen zu erlangen, um endlich frei entscheiden zu können. Doch ihre Mutter ist nicht bereit, Mia so einfach ziehen zu lassen. Ein alter Hexenschwur bringt sie schließlich in eine Situation, aus der es kaum einen Ausweg zu geben scheint.
Ihre Hoffnung liegt ausgerechnet auf den gefährlichen Honor Games. Der Gewinn könnte ihr die Chance geben, sich aus ihrem Schicksal zu befreien. Allerdings verlangen diese Spiele Dinge von Mia, die allem widersprechen, woran sie selbst glaubt.
Und als wären tödliche Spiele, Magie und Intrigen noch nicht kompliziert genug, gibt es da auch noch gleich mehrere Männer, deren Absichten nicht immer leicht zu durchschauen sind.
Meine Meinung
Mia war für mich ganz klar das Highlight dieser Geschichte.
Ich mochte sie wirklich gerne, weil sie eine Protagonistin ist, die ziemlich genau weiß, was sie will. Sie ist mächtig, rebellisch, selbstbewusst und nicht bereit, sich einfach dem Leben zu fügen, das andere für sie ausgesucht haben. Gerade ihr Wunsch nach Selbstbestimmung hat mir gefallen, denn im Grunde kämpft sie die ganze Zeit darum, endlich ihre eigenen Entscheidungen treffen zu dürfen.
Dabei bleibt sie aber nicht einfach nur „die starke Protagonistin“. Hinter ihrem Selbstbewusstsein steckt auch eine verletzliche Seite und gerade diese Kombination hat sie für mich interessant gemacht. Sie kann sich behaupten, sie kann kämpfen und sie lässt sich nicht so schnell einschüchtern – trotzdem gehen die Dinge, die um sie herum passieren, natürlich nicht spurlos an ihr vorbei.
Dadurch konnte ich mich gut auf sie einlassen und habe gerne verfolgt, welchen Weg sie geht.
Auch die Beziehungen innerhalb der Geschichte haben mir richtig gut gefallen. Denn natürlich bleibt es nicht nur bei Magie, Macht und gefährlichen Spielen. Die Romance nimmt ebenfalls ihren Raum ein – und da wird es durchaus ziemlich prickelnd.
Mia hat es gleich mit mehreren Männern zu tun, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Ein eher eiskalter Spielleiter, ein Feenprinz, dessen Absichten nicht unbedingt leicht zu durchschauen sind, und ein Werwolfkrieger bringen jeweils eine ganz eigene Dynamik in die Geschichte. Gerade dieses Spiel mit Vertrauen, Anziehung und der Frage, wer eigentlich welche Ziele verfolgt, fand ich spannend.
Und ja, die romantischen Momente haben mir definitiv gefallen.
Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass Mia plötzlich nur noch über ihre Beziehungen definiert wird. Ihr Wunsch nach Freiheit und einem selbstbestimmten Leben bleibt für mich der Kern ihrer Geschichte. Das war mir wichtig, denn bei mehreren potenziellen Love Interests kann eine Handlung schnell komplett in Richtung Romance kippen. Hier hatte ich dagegen das Gefühl, dass Mia selbst weiterhin im Mittelpunkt steht.
Sehr gut gefallen hat mir auch die Welt, die Jessica Wismar rund um ihre Figuren aufgebaut hat.
Der Schreibstil ist bildlich und detailreich und gerade dadurch konnte ich mir die düstere Unterwelt unglaublich gut vorstellen. Mias Club, die Räume der Erfüllung, die verschiedenen magischen Wesen und später natürlich auch die Honor Games ergeben zusammen eine Welt, die ihren ganz eigenen Charakter hat.
Ich hatte beim Lesen wirklich viele Bilder im Kopf und genau das mag ich bei Fantasy sehr gerne. Wenn ich nicht nur lese, dass ein Ort düster, gefährlich oder magisch ist, sondern irgendwann das Gefühl bekomme, selbst eine Vorstellung davon zu haben, dann funktioniert das Worldbuilding für mich.
Allerdings lag genau hier für mich gleichzeitig einer der kleinen Schwachpunkte der Geschichte.
Denn es gibt ziemlich viel zu entdecken – und entsprechend bekommt man auch viele Informationen und Charaktere präsentiert. Teilweise waren es mir tatsächlich etwas zu viele Personen und Zusammenhänge auf einmal. Zwischendurch musste ich überlegen, wer noch einmal wer war und wie einzelne Figuren zusammenhängen.
Dadurch wurde mein Lesefluss an einigen Stellen ein wenig ausgebremst. Ich hätte mir gewünscht, dass manche Charaktere und Informationen etwas nach und nach eingeführt worden wären, sodass man ein bisschen mehr Zeit bekommt, alles richtig einzuordnen.
Nichtsdestotrotz fand ich die Welt selbst richtig spannend und gerade die Mischung der unterschiedlichen Wesen hat für mich gut funktioniert.
Die Honor Games – tolle Idee, aber da wäre für mich noch mehr gegangen
Besonders neugierig war ich natürlich auf die Honor Games.
Schon die Ausgangslage hat etwas, das ich bei Fantasygeschichten einfach gerne mag: Ein gefährlicher Wettbewerb, viel Macht, unterschiedliche Interessen und eine Protagonistin, für die deutlich mehr auf dem Spiel steht als nur Sieg oder Niederlage.
Von der Grundidee her hatte ich dabei ein wenig „Tribute von Panem“-Vibes, auch wenn „Witch’s Gambit“ natürlich eine vollkommen eigene Geschichte erzählt und das Ganze mit Magie, Hexen, Werwölfen und Feen verbindet.
Gerade deshalb hatte ich an diesen Teil wahrscheinlich ziemlich hohe Erwartungen.
Und hier hätte ich mir tatsächlich noch etwas mehr Tempo gewünscht. Die Honor Games bieten so viel Potenzial für Spannung und Nervenkitzel, dass sie für meinen Geschmack stellenweise noch intensiver hätten sein dürfen. Ich wollte dieses Gefühl haben, nicht zu wissen, was auf der nächsten Seite passiert, und genau das hat mir zwischendurch ein bisschen gefehlt.
Langweilig fand ich die Geschichte deshalb aber keineswegs. Dafür passiert drumherum einfach zu viel und auch die Intrigen und Beziehungen sorgen dafür, dass man wissen möchte, wie es für Mia weitergeht. Trotzdem hätte gerade dieser Teil für mich noch einmal eine Schippe drauflegen können.
Vielleicht liegt es auch daran, dass mir die Grundidee der Honor Games so gut gefallen hat und ich deshalb einfach noch mehr davon wollte.
Ein Ende, das mich noch einmal richtig bekommen hat
Und dann kam das Ende.
Natürlich werde ich an dieser Stelle nichts darüber verraten, denn das würde definitiv einiges vorwegnehmen. Aber nachdem ich während der Geschichte hier und da kleinere Kritikpunkte hatte, konnte mich das Ende noch einmal richtig abholen.
Das war tatsächlich einer dieser Momente, bei denen meine Aufmerksamkeit sofort wieder komplett da war und ich dachte: Okay, damit hast du mich jetzt.
Und genau dieses Gefühl hat dafür gesorgt, dass ich das Buch am Ende noch einmal deutlich positiver zugeschlagen habe.
„Witch’s Gambit – Die Räume der Erfüllung“ von Jessica Wismar ist für mich eine spannende Urban-Fantasy-Geschichte, die vor allem durch ihre ungewöhnliche Welt und ihre starke Protagonistin lebt.
Mia war ganz klar mein Highlight. Ich mochte ihre rebellische und selbstbewusste Art, aber genauso ihre verletzlicheren Seiten. Ihr Kampf darum, ihr Leben endlich selbst bestimmen zu können, hat sie für mich zu einer Figur gemacht, deren Geschichte ich gerne verfolgt habe.
Dazu kommen eine düstere, sehr bildlich beschriebene Welt, Hexen, Werwölfe und Feen sowie einige ziemlich interessante Männer und eine Romance, bei der es ordentlich knistert.
Ganz perfekt war die Geschichte für mich allerdings nicht. Durch die vielen Charaktere und Informationen habe ich zwischendurch ein wenig den Überblick verloren und bei den Honor Games hätte ich mir noch mehr Tempo und Spannung gewünscht. Gerade weil die Idee dahinter so viel Potenzial bietet, wäre für mich an dieser Stelle noch ein bisschen mehr Nervenkitzel drin gewesen.
Trotzdem hatte ich mit dem Buch definitiv meinen Spaß. Die Welt konnte mich neugierig machen, Mia hat mir richtig gut gefallen und das Ende hat mich schließlich noch einmal ordentlich abgeholt.
Eine düstere Urban Fantasy für alle, die Lust auf Magie, Machtkämpfe, gefährliche Spiele, eine selbstbewusste Protagonistin und natürlich eine gute Portion prickelnde Romance haben.