„The Sword of Kaigen“ von M. L. Wang

Manche Bücher lesen sich wie eine Geschichte. Und manche fühlen sich eher an wie ein Sturm, der sich langsam zusammenbraut, nur um einen irgendwann mit voller Wucht zu treffen. „The Sword of Kaigen“ von M. L. Wang gehört für mich ganz klar zur zweiten Kategorie.

Ich bin ohne große Erwartungen hineingegangen – und habe etwas bekommen, das sich nur schwer in Worte fassen lässt. Kein klassisches Fantasy-Abenteuer, kein typisches „Gut gegen Böse“. Stattdessen eine Geschichte, die sich Zeit nimmt. Für ihre Figuren. Für ihre Konflikte. Für all das, was zwischen den Zeilen passiert.

Im Mittelpunkt steht die Familie Matsuda. Und schon nach wenigen Seiten wird klar: Hier brodelt es. Nicht laut, nicht dramatisch inszeniert – sondern leise. Fast unscheinbar. Wie Spannungen, die sich über Jahre aufgebaut haben und nur darauf warten, irgendwann zu explodieren.

Mamoru, der Sohn, wächst mit einem klaren Bild seiner Zukunft auf. Kämpfen. Dienen. Stark sein. So, wie es von ihm erwartet wird. Doch je mehr er hinter die Fassade seines Reiches blickt, desto mehr beginnt dieses Bild zu bröckeln. Zweifel schleichen sich ein, Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Seine Entwicklung ist ruhig erzählt, aber genau das macht sie so glaubwürdig.

Und dann ist da Misaki.

Ganz ehrlich: Sie ist das Herz dieses Buches.

Eine Frau, die versucht hat, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen. Die sich entschieden hat für ein Leben als Ehefrau, als Mutter, als Teil eines Systems, das sie eigentlich längst hinter sich gelassen hatte. Doch genau dieses System beginnt zu wanken. Und mit ihm alles, was sie sich aufgebaut hat.

Was mich an Misaki so beeindruckt hat, ist diese stille Intensität. Diese unterdrückte Wut, dieses ständige Funktionieren, dieses Gefühl, dass da noch so viel mehr ist. Sie ist keine klassische Heldin. Sie ist komplex, widersprüchlich, manchmal schwer greifbar – und genau deshalb so unglaublich stark.

Man spürt ihre Gedanken, ihre Zweifel, ihre Erinnerungen. Und irgendwann merkt man, dass man nicht nur über sie liest, sondern mit ihr fühlt.

Die Geschichte selbst ist dabei lange erstaunlich ruhig. Fast schon entschleunigt. Es passiert nicht ständig etwas Großes, Spektakuläres – und trotzdem fühlt sich jede Szene wichtig an. Weil sie etwas vorbereitet. Weil sie etwas aufbaut.

Und dann kommt die zweite Hälfte.

Ich wusste, dass dieses Buch intensiv sein soll. Aber ich war nicht darauf vorbereitet, wie sehr es mich treffen würde.

Plötzlich kippt alles. Die Spannung entlädt sich, die Emotionen brechen durch, und man sitzt da und merkt, wie sehr man eigentlich schon längst in dieser Geschichte steckt. Die Kampfszenen sind nicht nur actionreich – sie sind roh, direkt und oft schwer zu ertragen, weil sie nicht glorifizieren, sondern zeigen, was Krieg wirklich bedeutet.

Und genau das ist es, was dieses Buch so besonders macht.

Es geht nicht nur um Magie, um Kämpfe oder um ein Reich, das verteidigt werden muss. Es geht um Familie. Um Erwartungen. Um Traditionen, die hinterfragt werden müssen. Um ein System, das funktioniert, weil niemand es infrage stellt.

Und genau hier setzt die Geschichte an. Sie zeigt, wie gefährlich es sein kann, Dinge einfach hinzunehmen. Wie wichtig es ist, Fragen zu stellen. Und wie schwer es ist, sich gegen das zu stellen, was man sein ganzes Leben lang gelernt hat.

Natürlich gibt es auch Punkte, die mich kurz haben innehalten lassen. Manche Entwicklungen wirkten fast zu einfach, manche Kräfte zu mächtig, als dass sie nicht schon viel früher alles hätten verändern können. Auch das System selbst – die Art, wie wenig hinterfragt wird – hat mich stellenweise irritiert.

Aber das sind Gedanken, die erst im Nachhinein kommen.

Während des Lesens war ich einfach drin. Gefangen in dieser Welt, in diesen Emotionen, in dieser Geschichte.

„The Sword of Kaigen“ ist kein Buch, das man nebenbei liest. Es fordert Aufmerksamkeit, Geduld und die Bereitschaft, sich wirklich darauf einzulassen. Aber wenn man das tut, bekommt man eine Geschichte, die nachhallt.

Für mich ist es ein Roman, der mich überrascht, bewegt und stellenweise auch überfordert hat – im positiven Sinne.

Ein Buch, das nicht perfekt ist, aber unglaublich viel Gefühl und Wucht mitbringt.

4 von 5 Sternen ⭐️
Und eines dieser Bücher, bei denen man nach dem Zuklappen erstmal einen Moment braucht.


„Red as Royal Blood“ von Elizabeth Hart

Manchmal greift man zu einem Buch, ohne große Erwartungen zu haben – und genau diese Geschichten sind es dann, die einen am meisten überraschen. So ging es mir mit „Red as Royal Blood“ von Elizabeth Hart. Ich habe es beendet und saß erst einmal da… ein bisschen sprachlos, ein bisschen begeistert – und definitiv überrascht, wie sehr mich diese Geschichte gepackt hat.

Die Ausgangssituation klingt fast wie ein Märchen mit dunklem Twist: Eine einfache Dienstmagd wird plötzlich zur Königin ernannt. Doch was zunächst wie ein unerwartetes Geschenk wirkt, entpuppt sich schnell als gefährliches Spiel. Denn der König ist tot – und nicht nur das: Er wurde ermordet. Und ausgerechnet Ruby soll seinen Mörder finden… während sie selbst womöglich das nächste Ziel ist.

Was mir besonders gut gefallen hat, ist die Art, wie man als Leser gemeinsam mit Ruby in diese Welt hineingeworfen wird. Sie versteht genauso wenig wie wir, warum sie ausgewählt wurde. Es gibt keine klaren Antworten, nur Hinweise, Zweifel und dieses konstante Gefühl, dass hinter allem mehr steckt. Genau dieses Miträtseln hat für mich einen großen Reiz ausgemacht.

Ruby selbst war für mich ein echtes Highlight. Ich mochte sie von der ersten Seite an. Sie ist klug, aufmerksam und vor allem jemand, der nicht einfach aufgibt. Besonders ihr Talent fürs Schachspiel zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte – und ich fand es unglaublich spannend, wie sie viele Situationen tatsächlich wie ein Spiel betrachtet. Züge vorausdenkt, Strategien entwickelt, Risiken abwägt. Das hat perfekt zu dieser Welt voller Intrigen und Machtspiele gepasst.

Gleichzeitig bleibt sie aber bodenständig. Trotz der neuen Rolle verliert sie sich nicht in Macht oder Status, sondern versucht, das Richtige zu tun. Für sich, aber auch für das Land. Genau diese Mischung aus Stärke und Menschlichkeit hat sie für mich so greifbar gemacht.

Ein kleines, unerwartetes Highlight war übrigens das Kätzchen, das Ruby rettet. Diese kleine, leicht divenhafte Begleitung hat für einige Momente gesorgt, die mich wirklich zum Schmunzeln gebracht haben – gerade in einer ansonsten doch eher angespannten Atmosphäre.

Und genau diese Atmosphäre ist es, die das Buch so trägt.
Der königliche Hof wirkt wie ein Ort voller Masken. Jeder hat etwas zu verbergen, jeder könnte ein Verbündeter sein – oder eben nicht. Ich habe wirklich jeden irgendwann verdächtigt. Es gab Momente, in denen ich dachte: Jetzt hab ich’s. Nur um kurz darauf wieder alles zu hinterfragen. Dieses ständige Zweifeln, dieses Spiel mit Vertrauen und Misstrauen – das hat unglaublich viel Spaß gemacht.

Auch die Nebenfiguren haben ihren Teil dazu beigetragen. Einige waren mir sofort sympathisch, andere konnte ich von Anfang an nicht einschätzen – und genau das macht eine gute Murder Mystery für mich aus. Man weiß nie so ganz, woran man ist.

Zwischen all dem gibt es auch eine zarte Liebesgeschichte, die sich ganz leise entwickelt. Nichts Überstürztes, nichts Künstliches – sondern kleine Momente, Blicke, Annäherungen. Genau das hat es für mich so authentisch gemacht. Es war nie der Mittelpunkt der Geschichte, aber eine schöne Ergänzung, die das Ganze emotional abrundet.

Was mich am meisten überrascht hat, war aber wirklich die Auflösung.
Ich hatte eine Vermutung, was Rubys Herkunft angeht – und lag damit sogar richtig. Aber alles andere? Habe ich so nicht kommen sehen. Und genau das liebe ich. Wenn sich am Ende plötzlich alles zusammenfügt und man merkt, wie durchdacht die Geschichte eigentlich aufgebaut ist.

Die Wendungen waren gut gesetzt, die Auflösung schlüssig und für mich absolut stimmig. Nichts wirkte erzwungen, nichts überzogen – sondern einfach clever konstruiert.

Für mich ist „Red as Royal Blood“ eine dieser positiven Überraschungen, bei denen ich mich frage, warum so wenig darüber gesprochen wird. Es ist spannend, atmosphärisch, mit einer starken Protagonistin und einer Geschichte, die einen wirklich miträtseln lässt.

Ein Einzelband, der mich mehr als gut unterhalten hat – und definitiv im Gedächtnis bleibt.

4 von 5 Sternen ⭐️
Und eine klare Empfehlung für alle, die Intrigen, Geheimnisse und starke Heldinnen lieben.


„Bachelorette Party“ von Camilla Sten

Manchmal sind es genau diese Geschichten, die einen sofort neugierig machen: eine abgelegene Insel, eine Gruppe von Freundinnen, ein lang gehütetes Geheimnis – und das unterschwellige Gefühl, dass dieses Wochenende alles andere als harmlos verlaufen wird. Genau so ging es mir mit „Bachelorette Party“ von Camilla Sten.

Die Ausgangssituation klang für mich nach genau der Art Thriller, die ich eigentlich liebe. Ein Junggesellinnenabschied auf einer schwedischen Schäreninsel – das verspricht erst einmal Leichtigkeit, Sommer, Freundschaft. Doch schon bei der Ankunft liegt etwas in der Luft, das sich nur schwer greifen lässt. Diese feine, fast unmerkliche Gänsehaut, die sich durch die ersten Kapitel zieht, hat mir wirklich gut gefallen.

Vor allem das Setting konnte mich direkt abholen. Diese Abgeschiedenheit, das Gefühl, von der Außenwelt abgeschnitten zu sein, die Weite des Meeres – all das sorgt für eine Atmosphäre, die wie gemacht ist für einen Thriller. Eine Insel, von der man nicht einfach wegkommt, hat immer etwas Beklemmendes. Und genau dieses Gefühl schwingt hier immer wieder mit.

Besonders spannend wird es durch die Verbindung zur Vergangenheit. Vor zehn Jahren sind genau an diesem Ort vier Frauen spurlos verschwunden – ein Cold Case, der nie aufgeklärt wurde. Die Idee, diese beiden Zeitebenen miteinander zu verknüpfen, fand ich grundsätzlich richtig stark. Vergangenheit und Gegenwart greifen ineinander, und als Leser versucht man ständig, die Puzzleteile zusammenzusetzen.

Allerdings hat genau dieser Aufbau für mich nicht immer so gut funktioniert, wie ich es mir gewünscht hätte. Die Wechsel zwischen den Zeitebenen waren stellenweise eher verwirrend als spannend, gerade zu Beginn musste ich mich erst einmal orientieren. Dadurch ging für mich ein Teil der eigentlich möglichen Spannung verloren.

Im Mittelpunkt steht Tessa, eine Journalistin, die den alten Fall nicht vergessen kann. Sie bringt eine gewisse Grundspannung mit, weil sie Dinge hinterfragt und Zusammenhänge sieht, die andere vielleicht übersehen. Trotzdem ist sie mir emotional nicht wirklich nahgekommen. Auch ihre Entscheidungen konnte ich nicht immer ganz nachvollziehen, was es mir schwer gemacht hat, wirklich mit ihr mitzufiebern.

Ähnlich ging es mir mit den anderen Figuren. Die Dynamik innerhalb der Freundinnengruppe wirkte auf mich oft distanziert. Es fehlte dieses Gefühl von Vertrautheit, von echter Verbindung. Stattdessen hatte ich eher den Eindruck, dass zwischen ihnen vieles unausgesprochen bleibt – was zwar zur Geschichte passt, aber es gleichzeitig schwieriger macht, eine Bindung zu den Charakteren aufzubauen.

Der Schreibstil selbst ist dagegen sehr angenehm. Flüssig, klar und durch die eher kurzen Kapitel kommt man gut voran. Gerade zum Ende hin entwickelt das Buch auch eine gewisse Sogwirkung, die mich nochmal deutlich stärker gepackt hat.

Der Mittelteil hingegen zog sich für mein Empfinden etwas. Die Spannung bleibt lange eher auf einem unterschwelligen Niveau, ohne sich richtig zu entfalten. Dabei hätte gerade das Zusammenspiel aus Vergangenheit, Geheimnissen und der isolierten Insel so viel Potenzial gehabt, um noch intensiver zu wirken.

Erst im letzten Drittel zieht das Tempo spürbar an. Ereignisse überschlagen sich, die Bedrohung wird greifbarer und man merkt, dass die Geschichte auf ihren Höhepunkt zusteuert.

Die Auflösung hat mich dann mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Einige Entwicklungen waren für mich relativ früh absehbar, andere wirkten dagegen etwas konstruiert oder nicht ganz rund. Gerade nach dem eher langsamen Aufbau hätte ich mir hier einen stärkeren, vielleicht auch überraschenderen Abschluss gewünscht.

Trotzdem bleibt „Bachelorette Party“ ein solider Thriller. Die Grundidee ist spannend, das Setting atmosphärisch dicht und der Schreibstil macht es leicht, dranzubleiben. Für mich hat das Buch jedoch nicht ganz das Potenzial ausgeschöpft, das in dieser Geschichte gesteckt hätte.

Ein Thriller, der gut unterhält, aber nicht lange nachhallt.

3 von 5 Sternen ⭐️


A Curse so Divine von Emily Bähr

Es gibt Reihen, die liest man – und dann gibt es diese Geschichten, die einen über mehrere Bände hinweg begleiten, wachsen lassen und Stück für Stück tiefer hineinziehen. A Curse so Divine von Emily Bähr gehört für mich genau in diese zweite Kategorie. Und mit „Der Fluch, der uns vereint“ ist nun der Abschluss dieser Trilogie gekommen – ein Moment, auf den ich mich gefreut habe und vor dem ich gleichzeitig ein wenig Respekt hatte.

Denn ein Finale muss so vieles leisten. Es soll Antworten geben, offene Fragen schließen, Emotionen auffangen – und gleichzeitig diesem Gefühl gerecht werden, das sich über die gesamte Reihe aufgebaut hat.

Der dritte Band setzt direkt dort an, wo der vorherige geendet hat. Ohne große Umwege geht es zurück in eine Welt, die sich im Laufe der Geschichte immer weiter verdichtet hat. Aethra wirkt düsterer, angespannter, gezeichnet von Hunger, Angst und den Konsequenzen der Vergangenheit. Man merkt sofort: Hier steht alles auf dem Spiel.

Ligeia ist wieder mittendrin. Ihre Reise hat sich über die Reihe hinweg stark verändert – und genau das macht sie zu einer so spannenden Figur. Sie ist nicht mehr dieselbe wie am Anfang. Ihre Entscheidungen tragen Gewicht, ihre Gefühle sind greifbarer, ihre Ziele klarer. Und doch bleibt sie sich in ihrer Art treu: entschlossen, emotional und bereit, alles zu riskieren.

An ihrer Seite Apsinthion – oder Thion – dessen Entwicklung ich über alle drei Bände hinweg besonders mochte. Die Verbindung zwischen den beiden ist es, die diese Geschichte trägt. Keine laute, überdramatisierte Liebe, sondern eine, die gewachsen ist. Die sich durch Zweifel, Schmerz und Distanz hindurch entwickelt hat. Eine Liebe, die nicht perfekt ist, aber genau deshalb so echt wirkt.

Was mir im Finale besonders gefallen hat, ist, wie viele Handlungsstränge zusammengeführt werden. Fragen, die sich über mehrere Bände aufgebaut haben, bekommen endlich Antworten. Zusammenhänge werden klarer, Entscheidungen verständlicher. Es entsteht ein Gesamtbild, das sich stimmig anfühlt und zeigt, wie durchdacht diese Geschichte eigentlich ist.

Der Schreibstil von Emily Bähr ist dabei wie gewohnt sehr einnehmend. Flüssig, atmosphärisch und voller Gefühl. Man gleitet durch die Seiten, taucht ein in diese Welt, ohne darüber nachdenken zu müssen. Gerade die emotionalen Szenen – vor allem die Dialoge zwischen Ligeia und Thion – haben mir wieder besonders gut gefallen. Sie geben der Geschichte trotz aller Dunkelheit immer wieder kleine, leise Momente, die berühren.

Trotzdem muss ich sagen, dass sich der Einstieg für mich etwas holprig angefühlt hat. Mir hat eine kleine Rückführung gefehlt – ein Moment des Ankommens, ein kurzes Auffangen der Ereignisse aus Band zwei. So musste ich mich erst wieder orientieren, bevor ich wirklich in die Geschichte zurückfinden konnte.

Auch im Verlauf gab es für mich ein paar Längen. Einige Passagen hätten etwas straffer sein dürfen, da sich das Tempo zwischendurch leicht gezogen hat. Das hat meinen Lesefluss zwar nicht komplett gestört, aber ich habe es gemerkt.

Der größte Knackpunkt für mich war jedoch tatsächlich das Ende.

Nicht, weil es schlecht gewesen wäre – ganz im Gegenteil. Es passt zur Geschichte, zu den Figuren, zu dem, was aufgebaut wurde. Aber emotional hat es mich nicht ganz so erreicht, wie ich es mir gewünscht hätte. Vielleicht lag es an meinen Erwartungen, vielleicht daran, dass ich mir einen anderen, etwas sanfteren Ausklang erhofft hatte.

Es ist eines dieser Enden, bei denen man versteht, warum es so gewählt wurde – aber es hinterlässt nicht dieses ganz tiefe Gefühl, das man sich nach einer so intensiven Reise wünscht.

Und trotzdem: Dieses Finale macht vieles richtig.

Es schließt die Geschichte ab, ohne sie zu überstürzen. Es gibt Antworten, ohne alles zu erklären. Und es bleibt sich selbst treu – in seiner Stimmung, in seiner Emotionalität, in seiner Welt.

Für mich ist „Der Fluch, der uns vereint“ ein starker Abschluss einer besonderen Reihe. Nicht perfekt, aber stimmig. Und vor allem getragen von zwei Figuren, die diese Geschichte zu etwas Eigenem gemacht haben.

4 von 5 Sternen ⭐️
Eine Reise, die ich gerne gegangen bin – auch wenn ich mir am Ende ein kleines bisschen mehr Gefühl gewünscht hätte.


Neuzugänge

Manchmal sollte ich meinem Gefühl vielleicht einfach nicht so sehr vertrauen – zumindest nicht, wenn es um meine Neuzugänge geht. 😄

Denn ganz ehrlich: In meinem Kopf war die Sache völlig klar. „Diesen Monat wird’s entspannt, vielleicht so vier… maximal fünf Bücher.“

Ja… von wegen.

Denn wie das eben so ist: Man schaut nur mal kurz hier, entdeckt ganz zufällig da etwas – und plötzlich steht man vor einem Stapel, bei dem man sich denkt:
„Okay… wann genau ist das passiert?“

Ich habe meine Neuzugänge diesen Monat wirklich unterschätzt. So richtig.
Und gleichzeitig musste ich beim Auspacken und Einsortieren immer wieder schmunzeln, weil jedes einzelne Buch diesen typischen Moment hatte: Das wollte ich unbedingt lesen.

Und genau das liebe ich daran.
Dieses Gefühl, wenn neue Geschichten einziehen. Wenn jedes Buch für sich schon ein kleines Versprechen ist – auf neue Welten, neue Figuren, neue Emotionen.

Natürlich kommt dann auch direkt die Realität um die Ecke und flüstert ganz leise:
„Du weißt aber schon, dass du die auch alle lesen willst… oder?“ 😅

Ja. Weiß ich.
Und ich will auch. Wirklich.

Denn wenn ich mir meinen Stapel so anschaue, wächst die Vorfreude auf den Mai direkt mit. Mehr Lesezeit, mehr Ruhe (hoffentlich 😄) und vor allem: endlich all die Geschichten entdecken, die gerade noch ungelesen auf mich warten.

Ich liebe diesen Moment zwischen „gerade eingezogen“ und „gleich gelesen“. Dieses Kribbeln, diese Entscheidung: Womit fange ich an?

Und genau da stehe ich jetzt.
Mit zu vielen guten Optionen – und absolut keiner Ahnung, welches Buch ich zuerst greifen soll.

Aber ganz ehrlich?
Genau so darf es sein. 📚✨

Auf welches Buch freut ihr euch aktuell am meisten?


Spannungsmomente im April

Manchmal frage ich mich wirklich: Wo ist eigentlich dieser Monat hin verschwunden?

Ganz ehrlich – ich habe das Gefühl, der April hat einmal kurz Hallo gesagt, mir ein paar Termine vor die Füße geworfen… und ist dann einfach wieder gegangen. Ohne sich nochmal umzudrehen. 😅

Denn wenn ich so zurückblicke, war dieser Monat alles – nur nicht ruhig.
Kommunion, Osterferien, Alltag mit drei Kindern (allein das ist ja schon ein eigenes Genre 😂) – und dann kam noch etwas dazu, womit ich so gar nicht gerechnet hatte: der Abschied von unserem Kater. Die letzten Wochen waren intensiv, emotional und ehrlich gesagt auch ziemlich kräftezehrend.

Und irgendwo dazwischen… war ich. Mit meinem Bücherstapel. Der mich vermutlich auch einfach nur leicht vorwurfsvoll angeschaut hat.

Denn nein – ich habe im April definitiv nicht so viel gelesen, wie ich es mir vorgenommen hatte. Aber wisst ihr was? Ich habe gemerkt, dass das auch okay ist. Manchmal verschieben sich Prioritäten einfach. Und das Leben schreibt eben doch die dramatischeren Geschichten.

Was mich dann aber wirklich überrascht hat: Wie viele Bücher ich euch trotzdem vorgestellt habe.

Offenbar funktioniert mein Kopf nach dem Motto: „Wenn schon Chaos, dann wenigstens mit Büchern.“ 😄

Und ganz ehrlich – die Auswahl kann sich wirklich sehen lassen:

Ich durfte mit „All the Lost Souls“ in eine düstere, magische Welt eintauchen, habe mit „Kometenschauer“ wieder Sternzeichenmagie erlebt und wurde von „Der gefrorene Fluss“ komplett emotional abgeholt – eines meiner absoluten Highlights diesen Monat.

Auch „Gilded Ruin“ und „The Will of the Many“ haben mich mit ihren Welten und komplexen Geschichten richtig gepackt, während „Velvet Falls“ mich zwar nicht komplett überzeugen konnte, aber trotzdem neugierig auf mehr gemacht hat.

Mit „The Never List“ gab es spicy Fantasy, bei der ich definitiv nicht gelangweilt war, und „Mother of Death and Dawn“ hat mich emotional nochmal richtig erwischt – ebenfalls ein Highlight.

Dann gab es noch tiefgehende Einblicke mit „Die Psyche des Bösen“, düstere Intrigen in „Society of Death“ und eine Fortsetzung mit Höhen und kleinen Längen bei „The Robin on the Oak Throne“.

Und dann dieses Buch…
„Der Fährmann“ – keine Sternebewertung, sondern einfach nur: absolute Empfehlung.

Auch „Dire Bound“ hat mich mit seiner Welt überzeugt und gezeigt, wie viel Potenzial noch in der Reihe steckt.

Wenn ich das alles so sehe, denke ich mir:
Vielleicht war der April gar nicht so „buchlos“, wie er sich angefühlt hat. Vielleicht war er einfach… anders.

Ein Monat voller Gegensätze. Zwischen Stress und stillen Momenten. Zwischen Abschied und kleinen Auszeiten mit einem Buch.

Und jetzt?
Jetzt hoffe ich ehrlich gesagt einfach auf ein bisschen mehr Ruhe. Mehr Lesezeit. Mehr Zeit für all die Geschichten, die hier schon ungeduldig auf mich warten. Denn glaubt mir – mein SuB hat definitiv nicht weniger Verständnis als meine Kinder. 😅📚

Wie war euer April? Eher entspannt oder auch so ein kleines Chaos?


„REM“ von Sebastian Fitzek und Annika Strauss

 Manchmal stolpert man über ein Buch, dessen Grundidee einen sofort einfängt. So ging es mir mit „REM“ von Sebastian Fitzek und Annika Strauss.

Ein Thriller über Träume, die nicht einfach verschwinden, sondern aufgezeichnet werden können – und vielleicht mehr mit der Realität zu tun haben, als uns lieb ist? Allein dieser Gedanke hat bei mir direkt Neugier ausgelöst. Denn Träume sind ja ohnehin schon etwas Unfassbares, etwas, das wir kaum greifen können. Und genau damit zu spielen, fand ich unglaublich reizvoll.

Der Einstieg in die Geschichte gelingt auch wirklich gut.
Man wird direkt hineingezogen in diese düstere, beklemmende Atmosphäre. Die Szene aus Alysees Kindheit – dieser verzweifelte Vater, der sie anfleht, wach zu bleiben – hat sofort etwas in mir ausgelöst. Dieses Gefühl von Angst, von Kontrollverlust, von etwas, das man nicht versteht. Und genau diese Stimmung zieht sich zunächst sehr stark durch die ersten Kapitel.

Alysee selbst ist eine Figur, die viel Potenzial mitbringt. Ihre Vergangenheit, die Angst vor dem Einschlafen, dieses Trauma, das sie nie wirklich loslässt – all das macht sie interessant und greifbar. Auch die Verbindung zu Nico und ihre gemeinsame Geschichte hätten für mich eine noch tiefere emotionale Ebene bieten können.

Der Schreibstil ist dabei typisch packend und sehr zugänglich. Man kommt schnell voran, die Seiten fliegen nur so dahin. Gerade zu Beginn hatte ich wirklich das Gefühl, dass sich hier etwas Größeres aufbaut – eine komplexe Geschichte, die Realität und Traum geschickt miteinander verwebt.

Und genau hier liegt für mich auch der Knackpunkt.

Denn je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass viele dieser spannenden Ansätze nicht ganz ausgeschöpft werden. Die Idee rund um die Träume, ihre Bedeutung und die Auswirkungen auf die Realität bleibt zwar präsent, aber ich hätte mir gewünscht, dass sie noch konsequenter und tiefer ausgearbeitet wird.

Auch die Figuren bleiben für mich stellenweise ein wenig auf Distanz. Man begleitet sie, man versteht grob ihre Beweggründe – aber diese ganz tiefe emotionale Verbindung, dieses Mitfiebern, hat mir an einigen Stellen gefehlt.

Die Spannung ist definitiv da, aber sie hält sich nicht durchgehend auf dem gleichen Niveau. Es gibt immer wieder Momente, die wirklich fesseln, die einen kurz innehalten lassen – aber dazwischen gibt es auch Phasen, in denen die Geschichte etwas an Fahrt verliert.

Gerade zum Ende hin hatte ich mir noch einmal mehr Intensität gewünscht. Mehr Konsequenz. Mehr „Wow“. Stattdessen blieb bei mir eher das Gefühl zurück, dass hier noch mehr möglich gewesen wäre.

Und das ist eigentlich das, was dieses Buch für mich am besten beschreibt:
Eine richtig starke Idee, ein vielversprechender Anfang – aber eine Umsetzung, die nicht ganz das erreicht, was sie hätte sein können.

Trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen.

Es lässt sich gut weglesen, die Atmosphäre ist düster und interessant, und allein die Grundidee bleibt im Kopf.

Für mich ist „REM“ ein solider Thriller mit einem spannenden Konzept, der mich gut unterhalten hat, aber nicht komplett überzeugen konnte.

3 von 5 Sternen ⭐️
Ein Buch, das neugierig macht – aber sein volles Potenzial leider nicht ganz ausschöpft.


„All the Lost Souls“ von Amie Jordan

Nachdem mich Band eins von All the Hidden Monsters schon so positiv überrascht hatte, war für mich völlig klar: Ich muss wissen, wie es mit Sage und Oren weitergeht. Und genau diese Vorfreude habe ich mit in „All the Lost Souls“ von Amie Jordan genommen – und wurde definitiv nicht enttäuscht.

Schon beim Einstieg war ich wieder direkt in der Geschichte drin. Dieses besondere Zusammenspiel aus Urban Fantasy, Crime-Elementen und einer Prise Humor hat für mich einfach einen ganz eigenen Reiz. Und genau das wird auch im zweiten Band wieder wunderbar aufgegriffen und sogar noch ein Stück weiter ausgebaut.

Sage hat sich ihren Platz als Ermittlerin hart erkämpft, und ich mochte es sehr, sie in dieser Rolle weiter zu begleiten. Sie ist klug, ehrgeizig und gleichzeitig immer noch dabei, ihren eigenen Weg zu finden. Dass sie nun einen neuen Fall übernehmen soll, der auf den ersten Blick fast harmlos wirkt, passt dabei perfekt ins Bild – denn natürlich bleibt es nicht bei einer simplen Schlichtung zwischen Werwölfen und Hexen.

Das Setting im Jura-Gebirge bringt nochmal eine ganz andere Atmosphäre in die Geschichte. Es wirkt abgeschiedener, rauer, fast schon bedrohlich – und genau das spiegelt sich auch in der Handlung wider. Die Spannungen zwischen den verschiedenen Spezies sind greifbar, und man merkt schnell, dass hier mehr im Verborgenen liegt, als zunächst sichtbar ist.

Und dann ist da natürlich Oren.

Ganz ehrlich – ich mochte ihn schon im ersten Band, aber hier hat er für mich nochmal deutlich gewonnen. Seine Entwicklung ist wirklich spürbar. Er wirkt weniger distanziert, weniger verschlossen, fast schon… zugänglicher. Gleichzeitig bleibt er sich aber treu, was ich sehr wichtig finde. Besonders spannend fand ich, wie er sich in dieser neuen Situation zurechtfinden muss – mitten im WG-Leben, umgeben von Menschen (und Wesen), die so ganz anders sind als er selbst. Diese Momente hatten nicht nur Charme, sondern auch einen schönen, oft humorvollen Unterton.

Die Dynamik zwischen Sage und Oren ist nach wie vor eines der Highlights der Reihe. Beruflich funktionieren die beiden unglaublich gut zusammen – sie ergänzen sich, gleichen sich aus, bringen jeweils ihre Stärken ein. Privat hingegen… ist es komplizierter. Und das ist wahrscheinlich noch freundlich formuliert.

Ich liebe Slow-Burn-Romance, wirklich. Aber bei den beiden hatte ich zwischendurch schon das Bedürfnis, sie ein kleines bisschen anzuschubsen. Es passiert einfach immer wieder irgendetwas, das sie voneinander fernhält. Gleichzeitig macht genau das aber auch einen großen Teil der Spannung zwischen ihnen aus. Dieses Knistern, diese unausgesprochenen Gefühle – das ist definitiv da.

Was mir in diesem Band besonders gefallen hat, war die insgesamt etwas düsterere, intensivere Atmosphäre. Der Fall selbst entwickelt sich nach und nach zu etwas deutlich Größerem, Gefährlicherem. Uralte Magie, verlorene Seelen und dieser tödliche Nebel – das alles sorgt für eine spürbare Bedrohung, die sich langsam aufbaut und immer weiter zuspitzt.

Der Crime-Anteil war für mich wieder richtig gelungen. Ich liebe es, wie sich die Ermittlungen organisch in die Geschichte einfügen und nicht nur Beiwerk sind. Man rätselt mit, stellt Vermutungen an, wird überrascht – genau so, wie ich es mir wünsche.

Auch die Nebenfiguren haben wieder ihren Platz gefunden und tragen viel zur Atmosphäre bei. Gerade diese Found-Family-Vibes, die sich immer mehr entwickeln, geben der Geschichte etwas Warmes, Vertrautes – einen schönen Kontrast zu den düsteren Elementen.

Insgesamt hat mir „All the Lost Souls“ wirklich richtig gut gefallen. Es ist eine gelungene Fortsetzung, die die Stärken des ersten Bandes aufgreift und weiterentwickelt. Mehr Spannung, mehr Tiefe, mehr Entwicklung – auch wenn ich mir bei der Romantik vielleicht ein kleines bisschen mehr Tempo wünschen würde.

Aber genau das macht ja auch den Reiz aus: zu wissen, dass da noch mehr kommt.

Für mich sind es 4 von 5 Sternen ⭐️

Und ich freue mich jetzt schon darauf, zu sehen, wohin die Reise für Sage und Oren noch geht.