Stürmisch, düster und voller Emotionen – „Vows and Ruins“

Manche Reihen schaffen es schon mit dem ersten Band, sich einen festen Platz im Herzen zu sichern. Genau so ging es mir mit „Die Legenden von Thezmarr“ von Helen Scheuerer. Der Auftakt hat mich damals völlig mitgerissen – mit seiner Mischung aus Magie, Ausbildung, gefährlichen Prüfungen und dieser intensiven Dynamik zwischen den Figuren. Umso größer war natürlich meine Vorfreude auf Band zwei: „Vows and Ruins“.

Und das Schönste zuerst: Der Einstieg gelingt nahtlos.

Man wird sofort wieder in diese Welt gezogen, als hätte man das Buch nie aus der Hand gelegt. Keine lange Eingewöhnungsphase, kein mühsames Erinnern – plötzlich ist man wieder mitten in Thezmarr, mitten im Training, mitten im drohenden Krieg.

Für Althea hat sich seit dem ersten Band vieles verändert. Ihre Welt steht buchstäblich Kopf, seit sie herausgefunden hat, dass sie über magische Kräfte verfügt. Eine Erkenntnis, die nicht nur neue Möglichkeiten eröffnet, sondern auch neue Gefahren mit sich bringt. Denn plötzlich geht es nicht mehr nur darum, eine gute Kriegerin zu werden – sondern darum, ihre Magie zu verstehen, zu kontrollieren und gleichzeitig die Wahrheit über ihre Herkunft zu akzeptieren.

Als wäre das nicht schon genug, wird ausgerechnet Wilder Hawthorne offiziell zu ihrem Mentor.

Und wer Band eins gelesen hat, weiß: Wilder ist alles andere als ein sanfter Lehrer. Er verlangt Härte, Disziplin und absolute Hingabe. Er treibt Thea an ihre Grenzen – manchmal sogar darüber hinaus. Denn er ist überzeugt, dass nur diejenigen überleben, die bereit sind, zu zerbrechen und sich wieder neu zusammenzusetzen.

Was mir besonders gefallen hat, ist, wie sich die Beziehung zwischen Thea und Wilder weiterentwickelt. Die Spannung zwischen den beiden war schon im ersten Band spürbar – aber hier wird sie noch intensiver. Ihre Dynamik ist emotional, kompliziert und voller unausgesprochener Gefühle. In diesem Band wird sie außerdem deutlich leidenschaftlicher, was der Geschichte noch einmal eine zusätzliche Ebene gibt.

Trotzdem muss ich ehrlich sagen: Der Einstieg hat mich nicht ganz so stark gepackt wie der erste Band.

Gerade im Mittelteil gab es einige Szenen, die für mich etwas zu schnell erzählt wirkten. Manche Entwicklungen hätten ruhig mehr Raum bekommen dürfen, und auch das Magiesystem bleibt weiterhin eher vage. Gerade hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht – mehr Hintergrund, mehr Erklärung, mehr Verständnis für die Regeln dieser Welt.

Doch dann kommt der Punkt, an dem die Geschichte plötzlich wieder an Fahrt aufnimmt.

Die Spannung zieht spürbar an, neue Gefahren tauchen auf, Geheimnisse kommen ans Licht und die Handlung entwickelt eine ganz eigene Wucht. Besonders Theas Entwicklung hat mir dabei sehr gefallen. Sie wächst über sich hinaus, stellt sich Herausforderungen und beweist immer wieder Mut, Stärke und Intelligenz.

Gleichzeitig lernen wir auch mehr über die Welt außerhalb der Mauern von Thezmarr kennen. Die Landschaft, die unterschiedlichen Gegner, ihre Fähigkeiten und ihre Gefährlichkeit – all das erweitert die Geschichte und macht deutlich, wie groß die Bedrohung tatsächlich ist.

Der Schreibstil von Helen Scheuerer bleibt dabei gewohnt fesselnd.

Auch wenn ich persönlich die Ich-Perspektive oft lieber lese und mich hier erst wieder an die Erzählweise gewöhnen musste, hat mich die Geschichte doch schnell wieder in ihren Bann gezogen. Die Kapitel lesen sich flüssig, die Emotionen sind greifbar und die Spannung bleibt konstant präsent.

Und dann kommt dieses Ende.

Ich kann es nicht anders sagen: Es hat mich komplett überrascht.

Ein Plot Twist, den ich so absolut nicht habe kommen sehen. Ein Moment, der alles verändert und einen mit offenem Mund zurücklässt.

Und als wäre das noch nicht genug, endet das Buch mit einem wirklich fiesen Cliffhanger. Einer von denen, bei denen man das Buch zuschlägt und sofort denkt: Wie soll ich jetzt bitte auf den nächsten Band warten?

Auch wenn ich den zweiten Teil insgesamt minimal schwächer als Band eins empfunden habe – besonders im Mittelteil – hat mich das Finale wieder komplett abgeholt. Die Emotionen, die Spannung und die Entwicklungen der Figuren machen dieses Buch zu einer würdigen Fortsetzung.

Für mich bleibt „Vows and Ruins“ eine klare Leseempfehlung für alle, die epische Fantasy mit starken Figuren, intensiver Spannung und einer guten Portion Romantik lieben.

Jetzt bleibt mir nur noch eines:

Sehnsüchtig auf Band drei warten.

⭐ 4,5 von 5 Sternen – und definitiv eine Reihe, die ich jedem Fantasy-Fan ans Herz legen würde.


Trockener Humor, kluge Ermittlungen und ein Fall voller Überraschungen – „Die Witwe“

Nachdem meine letzte Lesewoche stark von Fantasy geprägt war, hatte ich plötzlich wieder Lust auf etwas Bodenständigeres. Kein Drachenfeuer, keine Magie, keine epischen Schlachten – sondern einen guten, clever konstruierten Kriminalroman. Genau deshalb griff ich zu „Die Witwe“ von M. W. Craven, dem vierten Band der Reihe rund um DS Washington Poe und die brillante Analytikerin Tilly Bradshaw.

Und was soll ich sagen: Es fühlte sich ein bisschen an wie ein Wiedersehen mit alten Bekannten.

Schon der Einstieg macht neugierig. Washington Poe wird zu einem Mordfall in ein Hinterhofbordell in Carlisle gerufen – eine eher ungewöhnliche Ausgangslage für ihn, denn normalerweise hat er es mit deutlich größeren Kalibern zu tun, meistens mit Serienmördern. Dieser Fall scheint zunächst fast banal: ein eskalierter Streit mit einem Zuhälter, ein Mord, der auf den ersten Blick relativ klar wirkt.

Doch Poe wäre nicht Poe, wenn er sich mit dem Offensichtlichen zufriedengeben würde.

Schon bald fällt auf, dass am Tatort etwas fehlt: eine kleine Keramikfigur in Form einer Ratte. Auf den Fotos der Spurensicherung ist sie noch deutlich zu erkennen, doch später ist sie verschwunden. Das bedeutet, dass jemand aus dem Ermittlerteam sie genommen haben muss. Ein Detail, das zunächst unscheinbar wirkt – und doch der Beginn einer Spur ist, die in eine ganz andere Richtung führt.

Hier kommt Tilly Bradshaw ins Spiel.

Mit ihrem unglaublichen Gedächtnis und ihrer analytischen Denkweise erinnert sie sich an einen alten, ungeklärten Banküberfall aus der Vergangenheit. Damals wurde nichts gestohlen – stattdessen wurde ebenfalls eine Keramikratte zurückgelassen. Eine merkwürdige Visitenkarte, die plötzlich eine Verbindung zwischen zwei völlig unterschiedlichen Ereignissen herstellt.

Je tiefer Poe und Tilly graben, desto komplizierter wird der Fall. Was zunächst wie ein isoliertes Verbrechen wirkt, entpuppt sich als Teil eines viel größeren Geflechts. Plötzlich taucht sogar der MI5 auf der Bildfläche auf, und aus einem scheinbar kleinen Mordfall wird eine Angelegenheit von internationaler Bedeutung.

Was ich an dieser Reihe besonders liebe, sind die Figuren.

Washington Poe ist kein klassischer Ermittlerheld. Er ist stur, unbequem und hat ein großes Talent dafür, sich mit Vorgesetzten anzulegen. Regeln betrachtet er eher als Vorschläge, und Machtspiele kann er überhaupt nicht ausstehen. Gleichzeitig ist er brillant, hartnäckig und besitzt ein Gespür für Zusammenhänge, das ihn immer wieder auf die richtige Spur bringt.

Seine Partnerin Tilly Bradshaw ist dabei der perfekte Gegenpol. Ein mathematisches Genie, eine brillante Analystin – und gleichzeitig jemand, der sich mit sozialen Feinheiten lange schwergetan hat. Gerade diese Mischung macht sie zu einer unglaublich spannenden Figur. In diesem Band merkt man außerdem, dass sie sich weiterentwickelt. Sie gewinnt mehr Sicherheit im Umgang mit Menschen, ohne dabei ihre einzigartige Art zu verlieren.

Die Dynamik zwischen Poe und Tilly ist für mich weiterhin das Herz dieser Reihe.

Sie vertrauen einander blind, ergänzen sich perfekt und stehen füreinander ein – selbst dann, wenn die Situation kompliziert wird.

Ein kleines bisschen schade fand ich allerdings, dass einige Nebenfiguren diesmal weniger Raum bekommen haben. DI Flynn fehlt leider komplett, und auch die von mir sehr geschätzte Rechtsmedizinerin Estelle Doyle taucht nur kurz auf. Dafür bekommen wir es mit neuen Figuren zu tun, darunter der Geheimdienstchef Alastair Locke, der eine interessante Rolle spielt und Poe mehr als einmal überrascht.

Der Schreibstil von M. W. Craven bleibt auch in diesem Band gewohnt flüssig und angenehm zu lesen. Besonders mag ich den trockenen britischen Humor, der immer wieder durchblitzt und selbst in ernsten Situationen für kleine, subtile Schmunzler sorgt.

Eine Besonderheit dieses Falls ist außerdem der militärische Hintergrund, der immer wieder auftaucht. Das entsprechende Fachvokabular wirkt anfangs etwas ungewohnt, wird aber gut erklärt – was vermutlich auch damit zusammenhängt, dass Craven selbst viele Jahre in der britischen Armee gedient hat.

Die Ausgangssituation unterscheidet sich zudem deutlich von den vorherigen Bänden. Dieses Mal geht es nicht darum, einen Serienmörder zu jagen, sondern zunächst darum, die Sicherheit eines internationalen Gipfels zu gewährleisten. Doch wie so oft entwickelt sich der Fall ganz anders als erwartet.

Besonders spannend fand ich die technischen Aspekte der Ermittlungen.

Die Fähigkeiten von Tilly – und auch die des Täters – im Bereich Technik und digitale Tricks waren faszinierend zu lesen. Obwohl ich mich selbst nicht als völligen Computer-Laien bezeichnen würde, gab es hier einige Dinge, die mich wirklich überrascht haben.

Der Spannungsbogen bleibt dabei konstant hoch und trägt die Geschichte bis zum Ende. Die Handlung schlägt mehrere unerwartete Richtungen ein, und genau das hat mir besonders gefallen: Nichts läuft so, wie man es zunächst vermutet.

Was Poes persönliche Geschichte betrifft, passiert in diesem Band allerdings nicht allzu viel. Seine eigene „Agenda“, die sich durch die Reihe zieht, tritt etwas in den Hintergrund. Dafür deutet sich am Ende eine neue Bekanntschaft an, die in zukünftigen Bänden durchaus noch wichtig werden könnte.

Für mich bleibt die Washington-Poe-Reihe von M. W. Craven eine der spannendsten Krimiserien der letzten Jahre. Auch „Die Witwe“ hat mich wieder bestens unterhalten – clever konstruiert, mit starken Figuren und einer Geschichte, die immer wieder überrascht.

Ein Krimi, der Spannung, Humor und intelligente Ermittlungsarbeit wunderbar miteinander verbindet.

⭐ 4 von 5 Sternen – und eine klare Empfehlung für alle, die britische Krimis mit Charakter lieben.


Wenn Götter fallen und Monster aufstehen – meine Gedanken zu „The Dawn of the Cursed Queen“

Es gibt diese Reihen, die einen von der ersten Seite an begleiten und einfach nicht mehr loslassen. Geschichten, in denen man sich verliert, Figuren, mit denen man mitfiebert, und eine Welt, die sich immer weiter entfaltet. Genau so eine Reihe ist für mich „Götter und Monster“ von Amber V. Nicole. Schon die ersten beiden Bände haben mich vollkommen gepackt – und jetzt bin ich tatsächlich schon bei Band drei, „The Dawn of the Cursed Queen“, angekommen. Und damit wieder mitten in einer Geschichte, die größer, dunkler und emotionaler wird.

Nach den dramatischen Ereignissen zuvor steht diesmal besonders Dianna im Mittelpunkt. Sie hat etwas geopfert, um Samkiel zu retten – ein Opfer, das sie vor ihm geheim hält. Während Samkiel versucht, sich von allem zu erholen, was passiert ist, wird schnell klar, dass er nicht mehr derselbe ist. Seine Macht hat ihn verlassen, seine Verbündeten sind zerbrochen, und der Verrat, den er erleben musste, hat tiefe Spuren hinterlassen. Während er noch versucht zu heilen, zieht sich der Schatten eines neuen Konflikts immer enger zusammen.

Denn währenddessen verfolgt Nismera, die grausame Göttin des Krieges, ihre eigenen Pläne. Ihr Ziel ist klar: der Thron. Und sie ist bereit, alles zu zerstören, was sich ihr in den Weg stellt. Die große Frage, die über allem schwebt, lautet also: Können Dianna und Samkiel sie aufhalten – oder werden sie selbst zu Opfern dieser Macht?

Was mich beim Einstieg dieses Bandes zunächst überrascht hat, war die Atmosphäre. Die Geschichte fühlt sich am Anfang anders an als zuvor. Ruhiger. Fast ungewohnt still. Wer hier sofort Blut, Rache und Chaos erwartet, wird vielleicht kurz stutzen. Stattdessen nimmt sich Amber V. Nicole Zeit für ihre Figuren, für ihre inneren Kämpfe und für die vielen Fäden, die sich inzwischen durch diese Welt ziehen.

Hinzu kommt, dass es inzwischen noch mehr Perspektiven gibt. Grundsätzlich liebe ich das – mehrere Blickwinkel machen Geschichten oft vielschichtiger und lebendiger. Gleichzeitig braucht es aber einen Moment, um wieder vollständig in alle Handlungsstränge hineinzufinden. Gerade am Anfang hatte ich das Gefühl, mich erst einmal neu orientieren zu müssen.

Rückblickend muss ich aber sagen: Dieser langsame Aufbau ist absolut notwendig. Denn all diese scheinbar ruhigen Momente legen die Grundlage für das, was später passiert.

Besonders spannend fand ich, dass wir diesmal auch tiefer in die Gedanken der sogenannten „Villains“ eintauchen. Figuren, die man bisher vielleicht einfach als böse eingeordnet hat, bekommen plötzlich mehr Tiefe. Motive werden greifbarer, Entscheidungen verständlicher. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen immer stärker – und plötzlich befindet man sich mitten in einer Welt voller moralischer Grauzonen.

Fast alle Figuren bewegen sich irgendwo zwischen Licht und Dunkelheit. Loyalität, Verrat, Liebe und Macht greifen ineinander und machen es unmöglich, jemanden eindeutig einzuordnen. Bis auf Samkiel natürlich. Er bleibt für mich der moralische Anker der Geschichte – auch wenn er selbst längst nicht mehr unverwundbar ist.

Und dann, ungefähr nach den ersten zweihundert Seiten, nimmt die Geschichte plötzlich Fahrt auf.

Ab diesem Punkt fühlt sich alles wieder vertraut an. Die Welt wird dunkler, brutaler, intensiver. Zerstörung, Wut, Rache, Blut und Magie kehren zurück – aber gleichzeitig auch die anderen Seiten dieser Geschichte: Liebe, Familie, Hoffnung, Loyalität und Stärke.

Die Handlung verdichtet sich, Geheimnisse kommen ans Licht, neue Fragen tauchen auf. Durch die vielen Perspektiven und die relativ kurzen Kapitel entsteht ein Gefühl von permanenter Bewegung. Man hat fast den Eindruck, ständig über die Schulter schauen zu müssen, weil überall gleichzeitig etwas passiert.

Und dann kommt das Ende.

Oder besser gesagt: dieser Moment, in dem man denkt, jetzt ist wirklich alles vorbei.

Mehr als einmal hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass die Geschichte an einen Punkt gekommen ist, an dem nichts mehr zu retten scheint. Die Ereignisse überschlagen sich, Entscheidungen werden getroffen, und plötzlich steht alles auf dem Spiel.

Als ich schließlich die letzte Seite umgeschlagen habe, saß ich erst einmal da – und wusste nicht so recht, wohin mit mir. Dieses typische „Buchloch“-Gefühl hat mich sofort erwischt. Obwohl der dritte Band für mich ganz knapp kein absolutes Highlight war, bin ich immer noch völlig überzeugt von dieser Welt, diesen Figuren und der Geschichte, die Amber V. Nicole hier erzählt.

Die Charaktere sind komplex, emotional und voller Widersprüche. Die Welt ist düster, gefährlich und faszinierend zugleich. Und genau deshalb will ich unbedingt wissen, wie alles endet.

Eines ist jedenfalls sicher:

Ich kann es kaum erwarten, das große Finale dieser Reihe endlich in die Hände zu bekommen.

Für mich bekommt „The Dawn of the Cursed Queen“ starke 4,5 von 5 Sternen – und eine ganz klare Leseempfehlung für alle, die düstere Fantasy mit moralisch grauen Figuren, intensiven Emotionen und einer epischen Geschichte lieben.


Beklemmend, düster und erschreckend nah an der Realität – Die Farm der Mädchen

Auf diesen Thriller habe ich mich wirklich gefreut. Hans Rosenfeldt steht für Spannung mit psychologischer Tiefe, für Figuren, die nicht glattgebügelt sind, sondern Ecken, Kanten und Narben tragen. Und genau das habe ich mir auch hier erhofft.

Schon die ersten Seiten ziehen einen hinein in eine Szene, die kaum beklemmender sein könnte: Mitten in der Nacht fliehen zwei hochschwangere Frauen durch die schwedischen Wälder. Panisch. Gehetzt. Ihre Verfolger sind ihnen dicht auf den Fersen. Diese Bilder setzen sich sofort fest – Dunkelheit, Kälte, Atem, der in der Nachtluft gefriert. Man spürt förmlich die Angst.

Kurz darauf wird Polizistin Hannah Wester mit einem Fall konfrontiert, der ihr alles abverlangen wird: Tief im Unterholz wird ein totes Baby gefunden. Von der Mutter fehlt jede Spur.

Hannah ist gerade erst zurück im Dienst. Ein Jahr zuvor hat sie ihren Mann verloren. Und als wäre das nicht genug, trägt sie selbst eine offene Wunde mit sich herum: Ihre eigene Tochter wurde vor Jahren entführt. Sie weiß bis heute nicht, was mit ihr geschehen ist. Dieser Schmerz ist nie verschwunden – er ist nur leiser geworden. Und genau deshalb trifft sie dieser Fall mit voller Wucht.

Als wenig später eine tote Frau gefunden wird, die vermutlich die Mutter des Babys ist, beginnen die Ermittlungen, sich zu verdichten. Und was zunächst wie ein tragischer Einzelfall wirkt, entwickelt sich nach und nach zu einem Netz aus Korruption, Babyhandel und Menschenhandel.

Ich muss sagen: Dieses Thema hat mich tief getroffen. Gerade als Mutter. Der Gedanke, ein Kind zu verlieren – oder nie zu wissen, was mit ihm passiert ist – ist kaum auszuhalten. Rosenfeldt schildert diese Abgründe nüchtern, beinahe sachlich, und genau das macht sie so erschreckend.

Hannah ist keine Superheldin. Sie ist müde. Verletzlich. Manchmal überfordert. Und trotzdem kämpft sie. Besonders ihre private Situation hat mich bewegt: Ein Vater, der an Demenz leidet und seine Erkrankung nicht wahrhaben will. Der sie plötzlich infrage stellt. Der behauptet, sie sei nicht seine Tochter. Diese Szenen waren leise – aber emotional unglaublich intensiv.

Zum Glück steht ihr Gordon zur Seite. Ihr Vorgesetzter, ihr Vertrauter, eine konstante Stütze in all dem Chaos. Ihre Verbindung ist geprägt von Respekt, Vertrauen und einer Nähe, die nicht kitschig wirkt, sondern gewachsen.

Atmosphärisch ist das Buch stark. Die Kälte Schwedens, die düsteren Wälder, das Gefühl von Isolation – all das trägt zur beklemmenden Stimmung bei. Man merkt, dass hier nichts zufällig konstruiert wurde.

Und dennoch: Ganz ohne Kritik komme ich nicht aus. Stellenweise zog sich die Handlung. Manche Ermittlungsstränge wirkten ausgedehnt, einige Namen und Perspektivwechsel haben mich kurzzeitig aus dem Lesefluss gebracht. Es ist kein Thriller, den man „mal eben“ nebenbei liest. Man braucht Konzentration – und Geduld.

Aber wer bereit ist, sich darauf einzulassen, bekommt einen vielschichtigen, psychologisch dichten Thriller mit einem Thema, das noch lange nachhallt.

„Die Farm der Mädchen“ ist kein reines Spannungsfeuerwerk. Es ist eine Geschichte über Verlust, Abgründe und die dunklen Seiten menschlicher Gier. Beklemmend. Intensiv. Und erschreckend realitätsnah.

Von mir gibt es 4/5 ⭐️

Eine klare Leseempfehlung – besonders für alle, die Thriller mit Tiefgang und emotionaler Wucht schätzen.


„A Sky Beyond the Storm“ von Sabaa Tahir

Abschied von einer Welt, die sich wie Zuhause angefühlt hat

Ich liebe diese Autorin. Und ich liebe diese Reihe. Nicht nur, weil die Bücher optisch jedes Regal verschönern – mit Farbschnitt, epischem Cover und dieser ganz eigenen Ausstrahlung. Sondern weil sie mich über Jahre begleitet haben. Weil sie mich mitgerissen, zerstört, wieder aufgebaut und emotional komplett auseinandergenommen haben.

Und jetzt? Jetzt heißt es Abschied nehmen.

Mit „A Sky Beyond the Storm“ von Sabaa Tahir endet die An Ember in the Ashes-Reihe. Ein Finale, auf das ich sehnsüchtig gewartet habe – und vor dem ich gleichzeitig Angst hatte. Denn wenn eine Geschichte so viel bedeutet, dann weiß man: Das wird wehtun.

Das Imperium ist gefallen. Doch Frieden bedeutet das noch lange nicht. Keris Veturia sitzt nun auf dem Thron – grausam, skrupellos, machtgierig. Mit dem Nachtbringer an ihrer Seite entfesselt sie eine Dunkelheit, die alles zu verschlingen droht. Laia, Helena und ihre Verbündeten stehen vor der letzten, alles entscheidenden Schlacht. Und Elias? Er ist an seinen Eid gebunden – als Seelenfänger, zerrissen zwischen Pflicht und Liebe.

Was ich an diesem Finale so bewundere: Es ist kompromisslos.

Sabaa Tahir schenkt uns kein bequemes Ende. Kein glattgebügeltes „Und dann wurde alles gut“. Sie zwingt ihre Figuren – und uns Leser:innen – durch Schmerz, Verlust und Opfer. Und ja, ich habe geweint. Mehr als einmal. Manche Verluste haben mich wirklich getroffen. Es sind Figuren gegangen, die ich über vier Bände hinweg ins Herz geschlossen habe. Und genau das zeigt, wie sehr diese Geschichte gewachsen ist.

Diese Reihe war nie nur Fantasy.

Sie war immer mehr.

Sie handelt von Unterdrückung und Widerstand. Von Freundschaft, die stärker ist als Angst. Von Loyalität. Von moralischen Grauzonen. Von Menschen, die Fehler machen und trotzdem kämpfen. Von starken Frauen, die nicht perfekt sind – aber mutig. Und von Liebe, die leise wächst, sich verändert, leidet und dennoch Bestand hat.

Gerade Helena und Laia haben für mich eine Entwicklung durchgemacht, die ich selten so intensiv erlebt habe. Zwei Frauen, so unterschiedlich, so geprägt von Schmerz – und doch bereit, alles für ihre Überzeugungen zu geben. Keine von beiden ist makellos. Und genau das macht sie so stark.

Und dann Elias. Seine innere Zerrissenheit, sein Opfer, sein Ringen mit sich selbst – das ging mir besonders nah. Dieses Finale fordert ihn – und uns – emotional bis zum Äußersten.

Was Sabaa Tahir meisterhaft beherrscht, ist diese Mischung aus epischen Schlachten und ganz stillen Momenten. Zwischen all dem Krieg gibt es Szenen voller Zärtlichkeit. Kleine Gesten. Blicke. Abschiede. Diese Kontraste machen das Buch so kraftvoll. So schmerzhaft schön.

„A Sky Beyond the Storm“ ist herzzerreißend. Mächtig. Und auf eine fast quälende Art wunderschön.

Ich lese inzwischen nicht mehr oft YA-Fantasy. Aber diese Reihe war für mich immer mehr als ein Genre. Sie war ein Wegbegleiter. Eine Reise. Eine Welt, in die ich immer wieder zurückkehren wollte.

Jetzt ist sie zu Ende.

Und ich sitze hier mit diesem bittersüßen Gefühl im Herzen. Dankbar für diese Geschichte. Traurig über den Abschied. Und ein kleines bisschen leer.

Wenn ihr epische Fantasy liebt, mit starken Charakteren, Found Family, Freundschaft, dunklen Themen, moralischen Konflikten und einer Prise Romance – dann ist diese Reihe ein absolutes Muss.

Und deshalb gibt es für dieses Buch – und für die gesamte Reihe – ohne jedes Zögern:

5/5 ⭐️ Ein Highlight. Eine Herzensreihe.

Und eine Geschichte, die ich niemals vergessen werde. Und manche Geschichten enden nicht wirklich. Sie bleiben einfach ein Teil von uns.


„Oxen. Interregnum“

Warum habe ich von dieser Reihe nicht früher gehört? Und wieso steige ich bitte erst bei Band 7 ein?

Manchmal frage ich mich wirklich, wo ich literarisch unterwegs war, während andere längst mitten in einer Reihe steckten, die inzwischen Kultstatus hat. Die Niels-Oxen-Reihe von Jens Henrik Jensen ist so ein Fall. Sieben Bände. Sieben! Und ich stolpere erst jetzt darüber. Spätzünderin? Offenbar.

Mit „Oxen. Interregnum“ bin ich also direkt im siebten Band gelandet. Ja, man kann ihn unabhängig lesen – aber man merkt natürlich, dass hier eine Geschichte mitschwingt, die über Jahre gewachsen ist. Beziehungen, alte Wunden, vergangene Kämpfe – all das schwingt zwischen den Zeilen mit. Und genau das macht es gleichzeitig reizvoll und herausfordernd.

Im Zentrum stehen erneut Niels Oxen und Margrethe Franck. Zwei Figuren, die man sofort als gezeichnet erkennt – nicht im Sinne von schwach, sondern im Sinne von geprägt. Oxen trägt Narben, sichtbar und unsichtbar. Franck ist klug, strategisch, entschlossen. Und gemeinsam geraten sie wieder in den Sog einer alten Verschwörung: Der Geheimbund Danehof, den sie einst zerschlagen glaubten, scheint zurück zu sein. Oder war er nie ganz verschwunden?

Axel Mossman, wieder im Amt als Geheimdienstchef, bittet die beiden erneut um Hilfe. Und plötzlich geht es nicht mehr nur um alte Rechnungen, sondern um ein internationales Geflecht aus Macht, Manipulation und Spionage. Als ein mutmaßlicher Anführer tot in einem schwedischen See auftaucht und gleichzeitig der mysteriöse Tod eines chinesischen IT-Studenten Fragen aufwirft, wird klar: Hier läuft etwas Größeres im Hintergrund. Und jede falsche Bewegung könnte eine Kettenreaktion auslösen.

Was mich besonders fasziniert hat, war der starke Realitätsbezug. Die Thematik rund um internationale Spionage, digitale Überwachung und der mögliche Druck auf chinesische Studierende, Informationen weiterzugeben – das ist kein überzogenes Thriller-Szenario, sondern erschreckend nah an unserer Gegenwart. Genau das macht das Buch so intensiv. Es geht nicht um fiktive Super-Schurken, sondern um Systeme, Strukturen und Machtmechanismen, die durchaus plausibel wirken.

Und trotzdem – ich muss ehrlich sein: Der Einstieg war für mich zäh. Sehr zäh. Die Handlung nimmt sich viel Zeit. Vielleicht bewusst. Vielleicht, um die Mühsal von Ermittlungsarbeit realistisch darzustellen. Aber ich habe gemerkt, dass ich Geduld brauchte. Viel Geduld. Es dauert lange, bis sich die Fäden sichtbar verbinden und das Tempo anzieht.

Doch dann kam dieses Ende.

Fulminant. Verdichtet. Spannend. Alles, was vorher langsam aufgebaut wurde, entlädt sich in einem Finale, das keine Fragen offenlässt und emotional nachhallt. Und plötzlich ergibt die Länge Sinn. Plötzlich merkt man, wie sorgfältig alles vorbereitet wurde.

„Interregnum“ ist kein schneller Pageturner für zwischendurch. Es ist ein komplexer, politischer Spionage-Thriller mit Tiefgang. Einer, der Aufmerksamkeit verlangt. Und einen langen Atem. Aber wer bereit ist, sich darauf einzulassen, wird belohnt.

Für mich ein intensiver Einstieg in eine Reihe, die ich definitiv weiterverfolgen möchte – auch wenn ich jetzt wohl ganz von vorne anfangen muss.

4,5 von 5 Sternen. Und die leise Erkenntnis: Manchmal lohnt es sich, auch spät noch einzusteigen.


„The Final Act“

Wenn das Rampenlicht dunkler ist als jeder Schatten

Hollywood. Allein dieses Wort löst Bilder aus. Roter Teppich. Blitzlichtgewitter. Perfekte Lächeln. Große Träume. Und irgendwo dazwischen Menschen, die an genau diesen Träumen zerbrechen.

Genau in diese Welt entführt uns Lisa Gray mit „The Final Act“ – und ich war vom ersten Moment an mittendrin.

Es sind zwanzig Jahre vergangen, seit Madison James zuletzt im Rampenlicht stand. Eine Schauspielerin, die einst kurz davor war, ganz groß zu werden – und dann plötzlich verschwand. Nicht von der Bildfläche, aber aus dem kollektiven Gedächtnis Hollywoods. Bis zu dem Tag, an dem ihre Handtasche in einem Park in Los Angeles auftaucht. Gefunden von einer TikTokerin. Gepostet. Geteilt. Kommentiert. Und innerhalb kürzester Zeit wird aus einem Fundstück eine nationale Sensation.

Plötzlich spricht ganz Amerika über Madison James. Über ihr Verschwinden. Über ihr Leben. Über Gerüchte.

Und genau hier setzt der Thriller an.

Die Detectives Sarah Delaney und Rob Moreno von der Missing Persons Unit übernehmen den Fall. Zwei Ermittler, die mir sofort sympathisch waren, weil sie nicht geschniegelt und geschniegelt wirken, sondern geerdet, klug und mit einem feinen Gespür für Zwischentöne. Besonders Sarah Delaney bringt eine ruhige, analytische Art mit, die perfekt in diese Geschichte passt.

Was mich sofort abgeholt hat, war das Setting. Dieses Hollywood jenseits des Glamours. Castings, die Karrieren zerstören. Produzenten mit Macht. Eitelkeiten. Abhängigkeiten. Der Druck, jung, schön und relevant zu bleiben. Lisa Gray zeigt sehr deutlich, dass hinter der glänzenden Fassade oft Risse verlaufen. Und genau diese Risse sind es, die hier spannend werden.

Der Einstieg fiel mir unglaublich leicht. Der Schreibstil ist klar, flüssig und besitzt genau diese Sogwirkung, die ich an Thrillern liebe. Man gleitet durch die Kapitel, ohne es zu merken – und jedes endet so, dass man sich sagt: „Nur noch eins.“ Und dann noch eins. Und noch eins.

Die Geschichte nimmt sich Zeit. Sie ist kein Action-Feuerwerk, sondern entfaltet ihre Spannung langsam, fast schleichend. Und das mochte ich sehr. Denn dieses Tempo passt zu einem Vermisstenfall. Zu einem Puzzle, das Stück für Stück zusammengesetzt wird. Zu einer Wahrheit, die sich nicht aufdrängt, sondern freigelegt werden muss.

Besonders gelungen fand ich, wie Vergangenheit und Gegenwart ineinandergreifen. Mit jeder Enthüllung wird klarer, dass Madison James mehr war als nur eine „ehemalige Schauspielerin“. Und dass ihr Verschwinden weit über ein mediales Spektakel hinausgeht. Ruhm, Macht, Manipulation – all das spielt hier eine Rolle.

Ich hatte zwar bei einigen Entwicklungen eine Ahnung, wohin die Reise gehen könnte. Aber selbst als sich meine Vermutungen bestätigten, blieb die emotionale Wucht bestehen. Vielleicht gerade deshalb. Weil man zusieht, wie sich die Schlinge immer enger zieht.

Und trotzdem – bei aller Spannung, bei aller Atmosphäre – hat mir am Ende dieses kleine, schwer greifbare Etwas gefehlt. Dieser letzte Schlag in die Magengrube. Dieser Moment, der alles noch einmal komplett dreht oder emotional zerreißt. Das Finale ist stimmig, logisch, gut aufgebaut – aber nicht ganz so überwältigend, wie ich es mir gewünscht hätte.

Unterm Strich ist „The Final Act“ ein dichter, atmosphärischer Thriller, der die Schattenseiten Hollywoods klug beleuchtet. Eine Geschichte über Ruhm und Vergessenwerden. Über Macht und Abhängigkeit. Über die Frage, wie gut wir Menschen wirklich kennen – besonders jene, die wir nur aus der Ferne bewundern.

Spannend, atmosphärisch und absolut lesenswert.

⭐️⭐️⭐️⭐️ 4/5 Sterne