Fakten über mich…

Manche Menschen sammeln Briefmarken.

Ich sammle Bücher. Und zwar in einem Ausmaß, bei dem selbst meine Regale langsam anfangen, mich besorgt anzuschauen.

Eigentlich wollte ich ja nur ein Buch kaufen. Wirklich. Ich bin mit den besten Vorsätzen in die Buchhandlung gegangen. Zielstrebig. Vernünftig. Erwachsen.
Und plötzlich stand ich dreißig Minuten später mit einem Stapel Fantasyromane, einem Thriller, zwei Special Editions „weil der Farbschnitt schön ist“ und einem weiteren Buch für meinen SUB da.
Für alle, die nicht in dieser Welt leben: SUB bedeutet „Stapel ungelesener Bücher“.
Für uns Leseratten bedeutet es allerdings eher: emotionale Sicherheitsreserve.

Ich liebe Bücher nicht einfach nur.

Ich lebe zwischen ihnen.
Zwischen Seiten voller Magie, Herzschmerz, Drachen, Geheimnisse, morally grey Männern und Heldinnen, die stärker sind als mein Wille, keine neuen Bücher mehr zu kaufen.

Mein Kopf besteht gefühlt zu 80 % aus Geschichten, 15 % aus Kaffee und die restlichen 5 % sind pures Chaos mit Glitzer.

Und ja — ich bin organisiert.
Zumindest äußerlich.
Innerlich herrscht ein kreativer Sturm aus Plotideen, To-do-Listen, spontanen Lebensplänen und der Frage, warum ich um 2 Uhr nachts plötzlich denke:
„Vielleicht sollte ich doch noch schnell ein neues Bücherregal bestellen.“

Lesen ist für mich kein Hobby.

Lesen ist Therapie. Flucht. Zuhause. Abenteuer.
Es gibt Tage, da reichen ein Kaffee, eine Decke und ein gutes Buch aus, um die Welt wieder ein kleines bisschen leiser zu machen.

Natürlich rede ich mir ständig ein, ich würde erst meinen SUB abbauen, bevor neue Bücher einziehen.
Diese Lüge hält ungefähr so lange, bis ich TikTok öffne, durch Bookstagram scrolle oder irgendwo den Satz lese:
„Wenn dir ACOTAR gefallen hat, musst du unbedingt dieses Buch lesen.“

Muss ich?
Ja. Offenbar schon.

Und dann stehe ich wieder da.
Mit leuchtenden Augen.
Mit zu wenig Platz im Regal.
Mit zu vielen offenen Tabs.
Und mit einem weiteren Paket auf dem Weg zu mir.

Aber ganz ehrlich?
Es gibt schlimmere Süchte.

Denn zwischen all dem Chaos, den Kaffeeflecken auf meinen Notizen, den zerlesenen Seiten, den spontanen Mitternachtsideen und den Bücherstapeln finde ich immer wieder kleine Welten, die mich retten.

Vielleicht bin ich also nicht chaotisch.
Vielleicht bin ich einfach nur ein Mensch mit zu vielen Geschichten im Herzen.

Und während andere Menschen schlafen, sitze ich wahrscheinlich irgendwo mit einem Buch auf dem Sofa und sage zum fünften Mal:

„Nur noch ein Kapitel.“

Wir alle wissen:
Das ist die größte Leserlüge überhaupt.


„Kingdom of the Black Crescent – Lure of Death“ von Lexy v. Golden

Kennt ihr das, wenn ihr einen Reihenauftakt wirklich liebt, euch monatelang auf die Fortsetzung freut – und dann sitzt ihr nach dem Lesen da und denkt einfach nur: Was ist hier passiert? 🥲

Genau so ging es mir mit „Kingdom of the Black Crescent – Lure of Death“ von Lexy v. Golden.

Und glaubt mir:
Das hier zu schreiben fällt mir wirklich nicht leicht.

Denn ich mochte den ersten Band unglaublich gern. Klar, die Geschichte war nicht komplett neu erfunden, aber sie hatte etwas Eigenes. Die Atmosphäre war düster, spannend und geheimnisvoll, die Dynamiken haben funktioniert und ich bin damals regelrecht durch die Seiten geflogen.

Vor allem mochte ich, dass der Fokus stärker auf Spannung und Story lag und nicht permanent auf Spice – was für die Autorin eher untypisch war. Genau das hat die Geschichte für mich so besonders gemacht.

Und natürlich endete Band eins mit einem dieser Cliffhanger, bei denen man sofort weiterlesen möchte.

Die Erwartungen an Band zwei waren also ziemlich hoch. Vielleicht sogar zu hoch.

Denn leider konnte mich die Fortsetzung überhaupt nicht mehr so packen wie der Auftakt.

Dabei beginnt die Geschichte eigentlich mit einer spannenden Ausgangslage. Kaythara wurde entführt, politische Spannungen eskalieren, tödliche Wettkämpfe stehen bevor und mitten in diesem Chaos muss sie Entscheidungen treffen, die nicht nur ihr eigenes Leben beeinflussen, sondern ganze Reiche.

Eigentlich perfektes Material für eine intensive Fantasy-Fortsetzung.

Aber genau hier begannen für mich die Probleme.

Ich hatte während des Lesens immer wieder das Gefühl, dass die Geschichte ihre eigene Grundlage aus Band eins teilweise vergessen hat. Es gab mehrere Momente, die sich widersprüchlich anfühlten oder nicht mehr ganz zu dem passten, was vorher aufgebaut wurde.

Dadurch entstand leider oft Verwirrung statt Spannung.

Gerade bei den Figuren hatte ich das Gefühl, dass Entwicklungen plötzlich anders dargestellt wurden oder Dynamiken nicht mehr dieselbe Intensität hatten wie zuvor.

Und das war für mich besonders schade, weil genau die Charaktere im ersten Band einer der größten Pluspunkte waren.

Auch emotional konnte mich die Geschichte diesmal deutlich weniger erreichen. Während Band eins trotz aller düsteren Elemente viele intensive Momente hatte, fehlte mir hier oft genau dieses Gefühl. Vieles wirkte eher wie ein Abarbeiten von Handlungspunkten als wie eine organische Entwicklung.

Dazu kamen einige Aspekte, die mich leider stark an andere bekannte Geschichten erinnert haben.

Teilweise fühlte sich das Ganze stellenweise wie eine Mischung aus Die Tribute von Panem und Twilight an – allerdings ohne wirklich etwas Eigenes daraus zu machen. Gerade die Wettkampf-Thematik und manche Dynamiken wirkten für mich zu vertraut.

Und obwohl die Geschichte eigentlich voller Konflikte, Intrigen und emotionaler Entscheidungen steckt, blieb vieles erstaunlich oberflächlich.

Was mich zusätzlich gestört hat, waren die vielen kleinen Unstimmigkeiten innerhalb der Handlung. Immer wieder gab es Momente, in denen ich kurz innehalten musste, weil etwas nicht logisch wirkte oder sich widersprochen hat.

Dadurch wurde ich leider immer wieder aus der Geschichte herausgerissen.

Trotzdem möchte ich auch sagen: Der Schreibstil liest sich weiterhin angenehm flüssig. Man kommt grundsätzlich schnell durch das Buch und einzelne Szenen oder Ideen hatten definitiv Potenzial.

Vielleicht liegt ein Teil meiner Enttäuschung auch einfach daran, wie sehr mich der erste Band überrascht hatte. Denn genau deshalb waren meine Erwartungen an die Fortsetzung vermutlich besonders hoch.

Und gerade deswegen fiel der Unterschied für mich umso stärker auf.

Ich bin nach wie vor ein großer Fan der Autorin und mag besonders ihre Dark-Romance-Bücher wirklich gern. Umso mehr hätte ich mir gewünscht, dass diese Dilogie für mich genauso stark endet, wie sie begonnen hat.

Leider war das für mich diesmal nicht der Fall.

Deshalb bleiben für „Lure of Death“ am Ende leider nur gut gemeinte 3 von 5 Sternen ⭐️


„A Light Will Spark“ von Beril Kehribar

Der zweite Band von School of Darkness hat mich wieder genau dorthin zurückgezogen, wo ich nach Band eins eigentlich gar nicht mehr hinwollte – und gleichzeitig unbedingt wieder hinmusste: in diese düsteren Flure voller Geheimnisse, Misstrauen und dieser unterschwelligen Gefahr, die sich durch jede Seite zieht.

Mit „A Light Will Spark“ von Beril Kehribar kehrt man zurück an die Hill Cove Boarding School – einen Ort, der gleichzeitig vertraut und bedrohlich wirkt. Und genau diese Atmosphäre macht die Reihe für mich so besonders. Dieses Internat fühlt sich nicht einfach nur wie ein Setting an. Es lebt. Die Schatten, die dunklen Gänge, das flackernde Licht und die Geheimnisse, die überall zwischen den Mauern lauern, erschaffen wieder diese intensive Dark-Academia-Stimmung, die mich schon im ersten Band komplett abgeholt hat.

Besonders gelungen fand ich, wie schnell man wieder mitten in der Geschichte drin ist. Die Spannung baut sich direkt auf und man merkt sofort, dass sich die Situation weiter zuspitzt. Die Dunkelheit ist greifbarer geworden, bedrohlicher – und gleichzeitig wächst auch der emotionale Druck auf die Figuren.

Vor allem Aurelia hat mir in diesem Band unglaublich gut gefallen. Ihr innerer Konflikt wirkt viel intensiver als noch zuvor. Sie versucht ihre Kräfte zu verstehen, kämpft mit Zweifel, Angst und gleichzeitig mit dem Wunsch, endlich Antworten zu finden. Gerade diese Mischung aus Verletzlichkeit und Stärke macht sie für mich zu einer sehr greifbaren Protagonistin.

Und dann ist da Nathanael…

Ganz ehrlich, diese Dynamik zwischen den beiden lebt wirklich von dieser bittersüßen Spannung. Von Gefühlen, die eigentlich nicht sein sollten, von Sehnsucht, Distanz und dieser permanenten Gefahr, die über allem schwebt. Ihre Verbindung fühlt sich nie leicht oder unkompliziert an – sondern eher wie etwas, das jederzeit auseinanderbrechen könnte. Genau das macht die romantischen Momente aber auch so intensiv.

Man merkt beiden Figuren an, wie sehr sie miteinander kämpfen und gleichzeitig gegeneinander. Diese Mischung aus verbotenen Gefühlen und äußerer Bedrohung sorgt dafür, dass selbst ruhige Szenen eine gewisse Spannung behalten.

Auch die Handlung selbst entwickelt sich deutlich dynamischer weiter. Alte Mächte regen sich, Geheimnisse verdichten sich und die Gefahr wächst spürbar mit jeder Seite. Dabei mochte ich besonders, dass die Geschichte nicht nur auf Action setzt, sondern viel über Atmosphäre funktioniert. Dieses konstante Gefühl, dass etwas Dunkles näherkommt, zieht sich durch das gesamte Buch.

Hill Cove wird dabei fast selbst zu einer Figur. Ein Ort voller Schatten, Erinnerungen und ungelöster Geheimnisse. Genau solche Settings liebe ich in Romantasy-Geschichten.

Das Finale bringt dann nochmal ordentlich emotionale Wucht mit. Vielleicht haben mich nicht alle Wendungen komplett überrascht, aber das hat der Wirkung kaum geschadet. Gerade emotional funktioniert das Ende unglaublich gut und hinterlässt dieses typische Gefühl von: Ich brauche sofort den nächsten Band.

Für mich ist „A Light Will Spark“ eine starke, düstere Fortsetzung, die besonders von ihrer Atmosphäre, den emotionalen Konflikten und der intensiven Dynamik zwischen Aurelia und Nathanael lebt.

Eine Geschichte voller Schatten, verbotener Gefühle und Magie, die sich immer weiter verdichtet.

4 von 5 Sternen ⭐️


„Daughter of Smoke and Bone“ von Laini Taylor

 Es gibt Bücher, bei denen man schon nach wenigen Seiten merkt, dass sie sich irgendwie anders anfühlen. Ruhiger vielleicht. Atmosphärischer. Weniger darauf ausgelegt, möglichst schnell den nächsten Schockmoment oder die nächste spicy Szene zu liefern – und stattdessen viel stärker darauf fokussiert, eine echte Welt und echte Emotionen aufzubauen.

Genau dieses Gefühl hatte ich bei „Daughter of Smoke and Bone“ von Laini Taylor.

Und ganz ehrlich?
Dieses Buch hat mich komplett daran erinnert, warum ich Jugendfantasy früher so geliebt habe.

Geht es euch auch so, dass man bei älteren Jugendbüchern oft einen deutlichen Unterschied merkt? Ich kann gar nicht genau benennen, woran es liegt, aber viele dieser Geschichten fühlen sich einfach anders an als ein Großteil der neueren Titel. Sie nehmen sich mehr Zeit für Atmosphäre, für Charaktere und für ihre Welt. Nicht alles dreht sich sofort um Romance oder Spice, sondern darum, wirklich eine Geschichte zu erzählen.

Und genau das macht „Daughter of Smoke and Bone“ für mich so besonders.

Dabei startet die Geschichte eigentlich direkt mitten im Chaos. Karou lebt ein seltsames Doppelleben zwischen Kunststudentin in Prag und gefährlichen Aufträgen für den geheimnisvollen Chimärenhändler Brimstone. Allein diese Ausgangslage fand ich unglaublich faszinierend.

Denn nichts daran wirkt gewöhnlich.

Karou selbst ist sofort eine unglaublich spannende Figur. Diese Mischung aus Geheimnissen, Melancholie, Stärke und gleichzeitig einer gewissen Rastlosigkeit macht sie unglaublich greifbar. Man merkt schnell, dass sie selbst nicht wirklich versteht, wer sie eigentlich ist oder wo sie wirklich hingehört.

Und genau dieses Gefühl zieht sich durch die gesamte Geschichte.

Besonders beeindruckt hat mich aber das Worldbuilding.

Laini Taylor erschafft hier eine Welt, die sich gleichzeitig märchenhaft, düster und völlig einzigartig anfühlt. Chimären, Engel, alte Konflikte und diese ganze mystische Atmosphäre wirken nie künstlich oder überladen. Stattdessen entfaltet sich alles Stück für Stück ganz natürlich.

Und genau das liebe ich.

Man wird nicht mit endlosen Erklärungen überschüttet. Niemand setzt sich hin und erklärt dem Leser auf zehn Seiten sämtliche Regeln der Welt. Stattdessen entdeckt man alles gemeinsam mit Karou und versteht nach und nach immer mehr Zusammenhänge.

Dadurch fühlt sich die Geschichte unglaublich lebendig an.

Vor allem Prag als Schauplatz hat für mich perfekt funktioniert. Diese leicht melancholische, fast verwunschene Stimmung passt einfach unglaublich gut zur gesamten Atmosphäre des Buches.

Und dann ist da natürlich Akiva.

Auch hier mochte ich besonders, dass die Liebesgeschichte zwar ein zentraler Bestandteil der Handlung ist, aber niemals die komplette Geschichte dominiert. Sie entwickelt sich ruhig, emotional und mit einer Tiefe, die man heute gerade im Jugendbuchbereich oft vermisst.

Es geht nicht nur um Anziehung oder große Dramatik, sondern um Schuld, Vergangenheit, Schmerz und Hoffnung.

Und genau dadurch wirkt die Beziehung zwischen Karou und Akiva so intensiv.

Der Schreibstil von Laini Taylor war für mich dabei eines der absoluten Highlights. Poetisch, atmosphärisch und gleichzeitig unglaublich leicht zu lesen. Manche Szenen fühlen sich fast wie ein Traum an, ohne dabei jemals kitschig oder künstlich zu wirken.

Dieses Buch lebt nicht von ständigem Tempo oder permanenten Wendungen. Es lebt von seiner Stimmung, seinen Figuren und diesem Gefühl, dass hinter allem noch etwas Größeres verborgen liegt.

Und genau deshalb konnte ich es irgendwann kaum noch aus der Hand legen.

Was mich besonders begeistert hat: Die Geschichte traut sich, emotional und ruhig zu sein, ohne langweilig zu werden. Sie setzt auf Tiefe statt auf schnelle Effekte – und genau das macht sie für mich so zeitlos.

Für mich ist „Daughter of Smoke and Bone“ deshalb eines dieser Bücher, die mich daran erinnern, warum Fantasy so besonders sein kann.

Eine faszinierende Welt, starke Figuren, wunderschöne Sprache und eine Liebesgeschichte, die ohne Spice mehr Gefühl transportiert als manche Bücher mit zehn expliziten Szenen.

Ganz klare 5 von 5 Sternen ⭐️
Und eine absolute Leseempfehlung für alle, die atmosphärische Fantasy mit Herz und Tiefe lieben.


„Tief“ von Rebekka Moser

Es gibt Bücher, die spannend sind. Bücher, die einen gut unterhalten, einen fesseln oder überraschen. Und dann gibt es Bücher, die etwas ganz anderes mit einem machen. Bücher, die nicht einfach nur gelesen werden, sondern sich irgendwo festsetzen. Die nachhallen. Die wehtun. Genau so ein Buch war „Tief“ von Rebekka Moser für mich.

Und ehrlich gesagt fällt es mir schwer, die richtigen Worte dafür zu finden.

Als ich den Thriller begonnen habe, dachte ich zunächst, mich würde einfach ein atmosphärischer Bodensee-Thriller erwarten. Ein spannender Fall, düstere Stimmung, Ermittlungen – all das eben, was ich an Thrillern normalerweise liebe.

Was ich stattdessen bekommen habe, war eine Geschichte, die mich emotional völlig überrollt hat.

Schon der Titel passt erschreckend gut zu diesem Buch. „Tief“ beschreibt nicht nur den Bodensee oder die Verbrechen, sondern vor allem die emotionale Wucht der Geschichte. Denn alles daran geht tiefer, als man zunächst erwartet.

Die Handlung beginnt mit einem grausamen Leichenfund am Bodensee. Ein Mann wurde ermordet und auf seinem Körper befindet sich eine verstörende Botschaft. Doch schnell wird klar, dass hinter diesem Fall viel mehr steckt als ein klassischer Thrillerplot.

Die Ermittlungen führen immer weiter hinein in Themen wie Flucht, Abschiebung, Radikalisierung, Verlust, Menschlichkeit und die Frage, wann ein Mensch an den Punkt kommt, an dem er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

Und genau das macht dieses Buch so besonders.

Es geht hier nicht nur um das Wer, sondern vor allem um das Warum.

Rebekka Moser erzählt diese Geschichte dabei mit einer sprachlichen Intensität, die mich wirklich beeindruckt hat. Selten habe ich einen Thriller gelesen, der gleichzeitig so brutal ehrlich und gleichzeitig so unglaublich feinfühlig geschrieben ist.

Die Autorin scheut sich nicht davor, weh zu tun.

Und genau deshalb funktioniert dieses Buch so gut.

Es gibt Szenen und Gedanken, die mich während des Lesens regelrecht getroffen haben. Immer wieder musste ich innehalten, weil bestimmte Themen oder Schicksale einfach unglaublich schwer auszuhalten waren.

Besonders die Passagen rund um Flucht und menschliche Verzweiflung gingen mir extrem nah. Nicht, weil das Buch moralisch belehren will – sondern weil es zeigt. Weil es Menschen sichtbar macht. Weil es Perspektiven öffnet.

Und genau das fand ich so stark.

Die Geschichte arbeitet dabei mit mehreren Zeitebenen, die sich nach und nach miteinander verweben. Anfangs wirkt vieles noch lose, fast fragmentiert – doch je weiter die Handlung voranschreitet, desto deutlicher erkennt man die Zusammenhänge.

Dabei entsteht nach und nach ein Gesamtbild, das emotional unglaublich intensiv ist.

Was mir besonders gefallen hat, ist, dass das Buch keine einfachen Antworten liefert. Es zwingt einen als Leser regelrecht dazu, die eigenen moralischen Vorstellungen zu hinterfragen.

Wann wird ein Mensch zum Täter?
Wie entstehen radikale Gedanken?
Wie viel Schuld trägt jemand wirklich?
Und wie oft schauen wir weg, obwohl wir eigentlich genauer hinschauen müssten?

Genau diese Fragen ziehen sich durch die gesamte Geschichte.

Die Figuren selbst tragen enorm viel zur Wirkung des Buches bei. Niemand wirkt glatt oder perfekt. Selbst die Ermittler haben Ecken, Kanten und teilweise Einstellungen, die unbequem sind. Aber genau dadurch wirken sie authentisch.

Sie spiegeln eine Gesellschaft wider, die voller Widersprüche ist.

Auch die Spannung kommt dabei keineswegs zu kurz. Trotz der emotionalen und gesellschaftskritischen Themen bleibt „Tief“ ein unglaublich packender Thriller. Die Geschichte entwickelt konstant Sogwirkung und ich wusste nie, was mich auf der nächsten Seite erwartet.

Besonders gelungen fand ich, dass nicht die reine Täterfrage im Mittelpunkt steht, sondern die Hintergründe und Beweggründe der Taten. Genau das macht die Geschichte so viel intensiver als viele klassische Thriller.

Gleichzeitig muss man aber auch sagen: Dieses Buch ist keine leichte Lektüre.

Die behandelten Themen sind hart, teilweise erschütternd und emotional belastend. Für empfindliche Leser wäre eine Triggerwarnung definitiv sinnvoll gewesen. Gerade bestimmte Szenen und Schicksale gehen extrem unter die Haut.

Und trotzdem halte ich genau solche Bücher für unglaublich wichtig.

Weil sie unbequem sind.

Weil sie zum Nachdenken anregen.
Weil sie nicht einfach nur unterhalten, sondern etwas auslösen.

Für mich war „Tief“ deshalb weit mehr als nur ein Thriller. Es war ein Buch, das mich emotional erschöpft, bewegt und gleichzeitig unglaublich beeindruckt zurückgelassen hat.

Ein Roman voller Schmerz, Menschlichkeit, Wut und der wichtigen Erinnerung daran, dass wir nicht wegschauen dürfen.

Für mich ein Meisterwerk an Atmosphäre, Tiefe und emotionaler Wucht.

4,5 von 5 Sternen ⭐️


„Dungeon Crawler Carl“ von Matt Dinniman

Es gibt Bücher, bei denen man schon nach wenigen Seiten merkt, dass hier gerade kompletter Wahnsinn passiert – und zwar genau die gute Sorte Wahnsinn. „Dungeon Crawler Carl“ von Matt Dinniman war für mich genau so ein Fall.

Und ehrlich?
Ich hatte keine Ahnung, worauf ich mich da eigentlich eingelassen habe.

Der Klappentext klingt schon völlig drüber: Aliens übernehmen die Erde, die Menschheit wird in eine sadistische Reality-Show gezwungen und plötzlich muss ein Typ in Boxershorts gemeinsam mit einer Showkatze ums Überleben kämpfen.

Klingt absurd?

Ist es auch.
Aber genau das macht dieses Buch so genial.

Die Grundidee ist komplett irre – irgendwo zwischen Die Tribute von Panem, einem völlig eskalierten Videospiel und einer Gameshow, bei der niemand jemals die Sicherheitsbestimmungen gelesen hat. Die Erde wird buchstäblich zu einem Dungeon umgebaut und die Überlebenden müssen sich Level für Level durchkämpfen, während ein intergalaktisches Publikum dabei zusieht wie bei einer gigantischen Streaming-Show.

Und mitten in diesem Chaos stehen Carl und Princess Donut.

Ganz ehrlich: Princess Donut ist jetzt schon eine Legende.

Diese Katze hat mehr Persönlichkeit als manche komplette Fantasy-Casts. Diva, Showstar, Chaosmaschine – und gleichzeitig überraschend clever. Die Dynamik zwischen ihr und Carl war für mich definitiv eines der Highlights des Buches.

Überhaupt lebt die Geschichte unglaublich stark von ihren Figuren. Carl wirkt dabei angenehm bodenständig für jemanden, dessen Leben innerhalb weniger Stunden komplett eskaliert. Er reagiert nicht wie der typische übermächtige Held, sondern oft genauso überfordert und genervt, wie man es selbst vermutlich wäre.

Und genau dadurch funktioniert der Humor so gut.

Denn dieses Buch ist unfassbar witzig.

Nicht nur gelegentlich schmunzeln-witzig, sondern wirklich absurd-chaotisch-lachend-vor-dem-Buch-sitzend-witzig. Explodierende Goblins, drogendealende Lamas, komplett kaputte Spielmechaniken und ein System, das ständig versucht, alles noch schlimmer zu machen.

Aber – und das ist der Punkt, der mich wirklich überrascht hat – hinter all diesem Chaos steckt deutlich mehr Substanz, als ich erwartet hätte.

Denn Dungeon Crawler Carl ist nicht einfach nur „Haha, Gamer-Humor“. Hinter dem Wahnsinn steckt eine ziemlich bissige Gesellschaftskritik. Diese ganze intergalaktische Unterhaltungsshow fühlt sich an wie eine völlig eskalierte Version unserer eigenen Medienwelt, in der Einschaltquoten wichtiger sind als Menschenleben.

Und genau dadurch bekommen viele Szenen plötzlich eine ganz andere Wirkung.

Die Action selbst macht dabei unglaublich viel Spaß. Die Kämpfe sind kreativ, brutal und komplett unvorhersehbar. Gleichzeitig schaffen es die Spielmechaniken tatsächlich, sich wie ein echtes Game anzufühlen, ohne dass das Buch jemals trocken oder übertechnisch wird.

Gerade das fand ich beeindruckend.

Oft verlieren LitRPGs mich irgendwann mit endlosen Skilllisten oder Erklärungen. Hier dagegen bleibt alles dynamisch und unterhaltsam. Man versteht die Mechaniken, ohne dass sie den Lesefluss zerstören.

Und dann ist da dieses Tempo.

Dieses Buch kennt gefühlt keine Pause. Ständig passiert irgendetwas Neues, ständig eskaliert die Situation weiter und ständig denkt man sich: Okay, nur noch ein Kapitel.

Spoiler:
Es bleibt natürlich nie bei einem Kapitel.

Trotz des Humors funktionieren aber auch die emotionalen Momente überraschend gut. Hinter all der Action steht immer das Gefühl, dass echte Konsequenzen existieren. Dass Figuren tatsächlich verlieren können. Dass dieses System grausam ist.

Und genau deshalb fiebert man irgendwann viel stärker mit, als man anfangs erwartet hätte.

Natürlich lebt das Buch stark von seinem überdrehten Stil. Wer mit Gaming-Humor, absurden Situationen oder völlig eskalierenden Geschichten nichts anfangen kann, wird hier wahrscheinlich nicht glücklich. Aber wenn man sich darauf einlässt, bekommt man eine der unterhaltsamsten Fantasy/Sci-Fi-Mischungen, die ich seit Langem gelesen habe.

Und ja… natürlich endet das Ganze genau so, dass man sofort Band zwei braucht.

Zum Glück existieren schon mehrere Teile, denn ich bin definitiv noch nicht fertig mit diesem komplett verrückten Dungeon.

Für mich ein herrlich chaotischer, brutaler und überraschend cleverer Genre-Mix mit extrem hohem Suchtfaktor.

4,5 von 5 Sternen ⭐️