Beim ersten Schärenlicht – Ein Fall für Thomas Andreasson von Viveca Sten

Seit ich die Åre-Morde gelesen habe, bin ich ein großer Fan von Viveca Stens Büchern. Sie hat für mich genau das, was einen richtig guten skandinavischen Krimi ausmacht: keine übertriebene Action, keine künstlich erzeugte Spannung, sondern Geschichten, die sich langsam entfalten, dabei aber immer tiefer unter die Haut gehen.

Als ich gesehen habe, dass der dtv Verlag die Sandhamn-Reihe neu auflegt, war für mich sofort klar, dass ich diese Bücher unbedingt kennenlernen möchte.

Und schon nach wenigen Seiten wusste ich wieder, warum ich den Schreibstil der Autorin so gerne mag.

Viveca Sten braucht keine spektakulären Explosionen oder blutigen Schockmomente, um Spannung zu erzeugen. Stattdessen beginnt alles mit einer Szene, die sofort Fragen aufwirft und mich neugierig gemacht hat. Ein verängstigtes Mädchen bricht vor den Augen der Polizei zusammen, gleichzeitig verschwindet ein junges Mädchen spurlos und wenig später wird ein Jugendlicher tot am Strand gefunden.

Von da an entwickelt sich die Geschichte in dem typisch skandinavischen Erzähltempo, das ich inzwischen richtig zu schätzen gelernt habe.

Man merkt schnell, dass hier nicht nur ein Mord aufgeklärt werden soll. Vielmehr geht es um Menschen, ihre Beziehungen, ihre Geheimnisse und die Abgründe, die sich oft hinter einer scheinbar perfekten Fassade verbergen.

Genau das liebe ich an Scandi Crime.

Die Schäreninsel wirkt auf den ersten Blick wie der perfekte Ort für einen Sommerurlaub. Boote im Hafen, Mittsommerfeiern, traumhafte Landschaften und dieses Gefühl von Freiheit. Ehrlich gesagt hatte ich beim Lesen ständig Fernweh und hätte am liebsten sofort meinen Koffer gepackt.

Doch genau diese idyllische Kulisse macht die Geschichte so wirkungsvoll.

Denn während die Insel nach außen hin friedlich wirkt, brodelt unter der Oberfläche längst etwas ganz anderes. Nach und nach kommen Geheimnisse ans Licht, Beziehungen bekommen Risse und plötzlich stellt sich immer wieder die Frage, wem man überhaupt noch vertrauen kann.

Diese Gegensätze zwischen wunderschöner Natur und menschlichen Abgründen sind für mich eine der größten Stärken des Buches.

Auch die Figuren haben mir wieder richtig gut gefallen.

Viveca Sten schreibt Charaktere, die nicht perfekt sind. Sie haben Fehler, treffen fragwürdige Entscheidungen und kämpfen mit ihren eigenen Problemen. Genau deshalb wirken sie so glaubwürdig. Ich hatte nie das Gefühl, dass hier einfach nur Ermittler ihren Job machen. Stattdessen begleiten wir Menschen, die genauso mit ihrem Privatleben zu kämpfen haben wie mit dem aktuellen Fall.

Besonders Thomas Andreasson und Nora Linde waren mir schnell sympathisch. Ihre langjährige Verbindung verleiht der Geschichte eine angenehme Vertrautheit und sorgt dafür, dass man sich auf ihre gemeinsamen Szenen immer wieder freut.

Allerdings muss ich zugeben, dass ich zu Beginn kurz verwirrt war.

Ich hatte das Gefühl, mitten in eine bereits laufende Geschichte einzusteigen. Es tauchten viele Namen auf, Beziehungen waren bereits gewachsen und ich fragte mich ständig, ob ich vielleicht etwas übersehen hatte.

Bis ich nachgeschaut habe.

Dabei habe ich festgestellt, dass „Beim ersten Schärenlicht“ ursprünglich bereits der fünfte Fall von Thomas Andreasson ist. Durch die Neuauflage der Reihe erscheint er jetzt nach und nach wieder im dtv Verlag.

Damit war meine anfängliche Verwirrung sofort erklärt.

Zum Glück hat sich das während des Lesens schnell gelegt und ich konnte den Figuren problemlos folgen. Im Gegenteil – jetzt freue ich mich sogar darauf, die ersten vier Bände ebenfalls kennenzulernen und die Entwicklung der Figuren von Anfang an mitzuerleben.

Besonders gefallen hat mir außerdem, dass Viveca Sten ihre Geschichte nicht nur als klassischen Kriminalfall erzählt. Immer wieder greift sie aktuelle gesellschaftliche Themen auf und verbindet diese mit einer intelligent aufgebauten Handlung. Nichts wirkt übertrieben oder konstruiert. Stattdessen entwickelt sich die Geschichte Schritt für Schritt und überrascht immer wieder mit neuen Wendungen.

Mehr als einmal war ich überzeugt zu wissen, wohin die Ermittlungen führen würden.

Und jedes Mal hat mich die Autorin eines Besseren belehrt.

Genau diese ruhige, aber raffinierte Art, Spannung aufzubauen, gefällt mir unglaublich gut.

Wer einen rasanten Actionthriller sucht, wird hier vermutlich nicht fündig.

Anfangs war ich allerdings kurz verwirrt. Beim Lesen hatte ich ständig das Gefühl, ich hätte einen Band verpasst. Die Figuren kannten sich bereits, Beziehungen waren gewachsen und immer wieder wurden Ereignisse erwähnt, die offensichtlich schon vorher passiert waren. Erst später habe ich erfahren, warum: Der dtv Verlag legt die komplette Sandhamn-Reihe aktuell neu auf – gestartet wurde dabei aber nicht mit Band 1, sondern ausgerechnet mit Band 5. Die vorherigen Bände erscheinen erst nach und nach ebenfalls als Neuauflage. 

Als ich das wusste, ergab plötzlich alles Sinn. Meine anfängliche Verwirrung war schnell verflogen und stattdessen hat sie etwas anderes ausgelöst: Jetzt möchte ich die ersten vier Fälle unbedingt noch nachholen. Ich freue mich richtig darauf, Thomas Andreasson und Nora Linde von Anfang an kennenzulernen und ihre Entwicklung chronologisch mitzuerleben.

Wer aber atmosphärische Krimis liebt, in denen Figuren genauso wichtig sind wie der eigentliche Fall, wird an Viveca Stens Büchern wahrscheinlich genauso viel Freude haben wie ich.

Für mich war „Beim ersten Schärenlicht“ ein wunderbarer Einstieg in die neu aufgelegte Sandhamn-Reihe. Ein traumhaftes Setting, vielschichtige Figuren und eine klug konstruierte Geschichte haben dafür gesorgt, dass ich am liebsten direkt den nächsten Band lesen möchte.

Und ganz ehrlich?

Die Schären stehen nach diesem Buch ziemlich weit oben auf meiner Liste möglicher Urlaubsziele.

🖤 4,5 von 5 Herzen


Killer Trail – Dreh dich nicht um von Eliza Jabore

Kennt ihr diese Thriller, bei denen schon der Klappentext nach einem perfekten Leseabend klingt?

Ein abgelegener Wanderweg. Dichte Wälder. Drei Freundinnen. Ein ehemaliger Tatort eines Serienkillers. Und dann noch die Frage, ob der Mörder wirklich gefasst wurde.

Ganz ehrlich?

Damit hatte mich das Buch sofort.

Ich liebe Thriller, die fernab der Zivilisation spielen. Je einsamer das Setting, desto besser. Wälder, Berge, verlassene Hütten und das Gefühl, dass Hilfe kilometerweit entfernt ist – genau das sorgt bei mir für Gänsehaut. Deshalb war ich überzeugt, dass „Killer Trail“ genau mein Ding werden könnte.

Der Einstieg hat mich auch direkt abgeholt.

Der Schreibstil von Eliza Jabore liest sich angenehm und flüssig. Man fliegt förmlich durch die Seiten und merkt schnell, dass die Geschichte bewusst auf Tempo setzt. Gerade bei einem eher kurzen Thriller finde ich das grundsätzlich genau richtig. Lange Vorgeschichten braucht es hier nicht, stattdessen ist man schnell mitten im Geschehen.

Auch das Setting hat mir wirklich gefallen.

Der Bones Hollow Trail mit seiner düsteren Vergangenheit bringt eigentlich alles mit, was ich mir von einem Survival-Thriller wünsche. Dichte Wälder, ein abgelegener Wanderweg und das ungute Gefühl, dass hinter jedem Baum jemand stehen könnte. Leider hatte ich beim Lesen immer wieder das Gefühl, dass dieses Potenzial nicht vollständig genutzt wurde. Die Natur hätte für mich noch viel bedrückender, gefährlicher und präsenter sein dürfen. Ich wollte dieses Gefühl haben, gemeinsam mit den Figuren völlig verloren zu sein – genau das blieb für mich leider etwas auf der Strecke.

Was für mich allerdings deutlich schwieriger war, waren die Figuren.

Mit Jade konnte ich noch am ehesten etwas anfangen. Auch wenn ich manche ihrer Entscheidungen überhaupt nicht nachvollziehen konnte, war sie für mich noch die greifbarste der drei Freundinnen.

Steph blieb dagegen ziemlich blass.

Und dann war da noch Zoe.

Ich kann mich ehrlich gesagt kaum daran erinnern, wann mich eine Figur das letzte Mal so genervt hat.

Wirklich.

Jedes Mal, wenn sie den Mund aufgemacht hat, musste ich innerlich mit den Augen rollen. Ich habe selten eine Figur erlebt, die bei mir so konsequent für Frust gesorgt hat. Das Problem war dabei nicht einmal, dass sie unsympathisch ist – auch unsympathische Figuren können großartig geschrieben sein. Aber ihr Verhalten wirkte auf mich häufig so überzogen und teilweise so unüberlegt, dass es mir immer schwerer fiel, die Geschichte ernst zu nehmen.

Und genau das war letztlich mein größtes Problem.

Wenn man mit keiner Figur wirklich mitfiebert, verliert selbst ein spannender Plot einen Teil seiner Wirkung.

Ab ungefähr der Hälfte des Buches war ich tatsächlich an einem Punkt, an dem ich kurz überlegt habe, ob ich abbrechen soll. Nicht, weil die Geschichte langweilig gewesen wäre, sondern weil mich die Charaktere zunehmend aus der Handlung gerissen haben.

Am Ende hat dann doch meine Neugier gesiegt.

Ich wollte einfach wissen, ob meine Vermutungen stimmen.

Und leider… Sie haben gestimmt.

Als jemand, der sehr viele Thriller liest, waren die meisten Wendungen für mich relativ früh erkennbar. Immer wieder hoffte ich noch auf eine Überraschung oder einen Twist, der mich komplett auf dem falschen Fuß erwischt.

Dieser Moment kam leider nicht.

Das Ende konnte mich deshalb ebenfalls nicht vollständig überzeugen. Zwar werden die offenen Fragen beantwortet und die Geschichte findet einen Abschluss, dennoch wirkte das Finale auf mich etwas überhastet. Mir fehlte einfach dieser letzte Aha-Moment, bei dem ich das Buch zuklappe und denke: Damit hätte ich niemals gerechnet.

Eine Kleinigkeit ist mir außerdem noch aufgefallen.

Trotz aller Kritik möchte ich aber auch sagen, dass das Buch keineswegs schlecht ist.

Es liest sich schnell, ist kurzweilig und sorgt immerhin dafür, dass man wissen möchte, wie alles ausgeht. Gerade Thriller-Einsteiger oder Leserinnen und Leser, die noch nicht unzählige Bücher dieses Genres gelesen haben, könnten hier deutlich mehr Überraschungen erleben als ich.

Für mich persönlich blieb „Killer Trail“ allerdings hinter seinen Möglichkeiten zurück. Das spannende Grundkonzept, das atmosphärische Setting und die flotte Erzählweise konnten die für mich schwachen Figuren und die vorhersehbaren Wendungen leider nicht ganz ausgleichen.

Trotzdem werde ich Eliza Jabore definitiv im Auge behalten. Der Schreibstil hat mir gefallen und ich kann mir gut vorstellen, einem weiteren Buch der Autorin noch einmal eine Chance zu geben.

🖤 2,5 von 5 Herzen


A World of Ruins von Rina Vasquez

Manchmal stolpert man völlig zufällig über eine Buchreihe und merkt schon nach wenigen Seiten, dass sie etwas ganz Besonderes ist.

Genau so ging es mir mit der „A World of Ruins“-Trilogie.

Ohne große Erwartungen habe ich damals den ersten Band angefangen – und plötzlich konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen. Seitdem habe ich jeden Band regelrecht verschlungen und bis heute keine Sekunde bereut, dieser Geschichte eine Chance gegeben zu haben.

Denn mal ehrlich…

Gestaltwandler, Drachen, Magie, magische Wesen und eine Welt voller Gefahren – was will man als Fantasy-Fan eigentlich mehr?

Nach dem Ende des zweiten Bandes war für mich sofort klar, dass ich unbedingt wissen musste, wie Naras Geschichte endet. Gleichzeitig hatte ich aber auch dieses typische Gefühl, das man bei Reihen hat, die einem ans Herz gewachsen sind: Ich wollte unbedingt weiterlesen, aber eigentlich wollte ich mich auch noch gar nicht verabschieden.

Zum Glück hat mich der Abschluss noch einmal komplett in diese Welt gezogen.

Rina Vasquez hat einen Schreibstil, der sich unglaublich leicht lesen lässt. Bildhaft, emotional und flüssig – genau so, dass man völlig in der Geschichte versinken kann. Besonders gefallen hat mir wieder, dass nicht nur die großen Kämpfe oder die Magie im Mittelpunkt stehen, sondern vor allem die Figuren und ihre Entwicklung.

Nara hat sich über die drei Bände hinweg unglaublich weiterentwickelt.

Aus einer jungen Frau, die vor allem von Rache angetrieben wurde, ist jemand geworden, der beginnt, vieles zu hinterfragen. Immer wieder muss sie Entscheidungen treffen, bei denen es kein eindeutiges Richtig oder Falsch gibt. Gerade diese inneren Konflikte haben sie für mich zu einer glaubwürdigen und starken Protagonistin gemacht.

Auch die Beziehung zwischen Nara und Darius hat mir wieder gut gefallen.

Sie entwickelt sich nicht nur durch romantische Momente, sondern vor allem durch gemeinsame Erlebnisse, Vertrauen und schwierige Entscheidungen. Genau das macht ihre Verbindung für mich so authentisch. Gleichzeitig spielen Themen wie Loyalität, Herkunft und die Frage, wem man überhaupt noch vertrauen kann, eine große Rolle und verleihen der Geschichte zusätzliche Tiefe.

Natürlich dürfen auch die Drachen nicht unerwähnt bleiben.

Ich liebe Drachen in Fantasybüchern ohnehin, aber auch die Gestaltwandler und die vielen magischen Wesen machen Zerathion zu einer Welt, in die ich jedes Mal gerne zurückgekehrt bin. Das Worldbuilding bietet unglaublich viele spannende Ideen. Ich hätte mir stellenweise sogar gewünscht, noch etwas mehr darüber zu erfahren, weil diese Welt so viel Potenzial mitbringt. Im Abschlussband rückt der Fokus allerdings etwas stärker auf die Figuren und ihre Beziehungen, wodurch die Fantasywelt selbst manchmal ein wenig in den Hintergrund tritt.

Gestört hat mich das aber nur selten.

Denn die Geschichte schafft es trotzdem, durchgehend spannend zu bleiben. Immer wieder gibt es Momente, in denen man mitfiebert, hofft und sich fragt, wie all das überhaupt noch gut ausgehen soll.

Und genau so wünsche ich mir einen Reihenabschluss.

Spannend, emotional und mit einem Ende, das die Geschichte zufriedenstellend abschließt, ohne sich überhastet anzufühlen. Als ich die letzte Seite gelesen hatte, war ich einerseits glücklich darüber, wie alles zusammengeführt wurde – andererseits fiel mir der Abschied aus Zerathion erstaunlich schwer.

Für mich ist „A World of Ruins“ ein gelungener Abschluss einer Trilogie, die meiner Meinung nach viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Wer Fantasy mit Drachen, Gestaltwandlern, Magie, starken Figuren und einer emotionalen Geschichte liebt, sollte sich diese Reihe unbedingt einmal ansehen.

Ich werde sie auf jeden Fall noch sehr lange in guter Erinnerung behalten und kann sie euch von Herzen empfehlen.

🖤 4 von 5 Herzen


The Whispering Dead – Gravekeeper (Band 1) von Darcy Coates

Manchmal entdeckt man ein Buch eher zufällig – und plötzlich eröffnet sich einem ein ganz neues Genre.

Genau so ging es mir mit „The Whispering Dead“.

Ich wusste zwar, dass ich einen Thriller in den Händen halte, aber erst später ist mir aufgefallen, dass er als Gothic-Thriller eingeordnet wird. Ehrlich gesagt habe ich mich vorher nie bewusst in dieser Ecke der Buchhandlung umgesehen. Nach diesem Buch? Das könnte sich definitiv ändern.

Denn genau diese Mischung aus Thriller, Mystery und düsterer Gothic-Atmosphäre hat mich total begeistert.

Schon der Einstieg macht neugierig. Keira erwacht verletzt mitten im Wald, ohne zu wissen, was passiert ist. Sie erinnert sich nur noch an ihren Namen und daran, dass sie offenbar vor jemandem auf der Flucht war. Auf ihrer Suche nach Sicherheit landet sie ausgerechnet an einem Friedhof – und stellt dort fest, dass sie die Toten sehen und mit ihnen sprechen kann.

Allein diese Ausgangssituation hat mich sofort gepackt.

Darcy Coates nimmt sich Zeit, ihre Geschichte aufzubauen. Statt von der ersten Seite an auf Schockmomente zu setzen, erschafft sie eine Atmosphäre, die sich ganz langsam unter die Haut schleicht. Mit jeder Seite wird die Stimmung ein bisschen düsterer, ein bisschen unheimlicher und irgendwann hatte ich das Gefühl, als würde ständig etwas zwischen den Grabsteinen auf mich warten.

Genau das hat mir unglaublich gut gefallen.

Blighty ist dabei der perfekte Schauplatz.

Eigentlich wirkt die kleine Stadt ruhig, gemütlich und fast idyllisch. So ein Ort, an dem jeder jeden kennt und an dem man sich sofort willkommen fühlen könnte. Wäre da nicht dieser alte Friedhof, der ständig im Nebel liegt und mit seinen verwitterten Grabsteinen eine ganz eigene Stimmung ausstrahlt. Dieser Kontrast zwischen der friedlichen Kleinstadt und den unheimlichen Ereignissen macht einen großen Teil der Atmosphäre aus.

Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, selbst durch den Nebel zwischen den Gräbern zu laufen.

Auch die Figuren haben mir richtig gut gefallen.

Keira wirkt durch ihren Gedächtnisverlust zunächst eher zurückhaltend und vorsichtig. Das ist absolut nachvollziehbar, schließlich weiß sie selbst nicht einmal mehr, wer sie eigentlich ist. Gerade deshalb fiel es mir leicht, mit ihr mitzufühlen. Gemeinsam mit ihr entdeckt man Stück für Stück die Wahrheit und versucht herauszufinden, wem sie überhaupt noch vertrauen kann.

Mein heimlicher Liebling war allerdings Zoe.

Sie ist das komplette Gegenteil von Keira. Laut, chaotisch, herrlich schräg und überzeugt davon, dass hinter allem irgendeine Verschwörung steckt. Immer wieder musste ich über ihre Theorien schmunzeln. Gerade weil die Geschichte stellenweise ziemlich düster wird, sorgt Zoe immer wieder für kleine, humorvolle Momente, die alles wunderbar auflockern.

Während des Lesens musste ich übrigens ständig an die Serie Ghost Whisperer denken.

Nicht, weil die Geschichten identisch wären, sondern wegen der Grundidee. Keira hilft den Toten dabei, ihre letzten offenen Angelegenheiten zu klären, und genau diese Schicksale haben mich oft sehr berührt. Hinter jedem Geist steckt eine eigene Geschichte und nicht jede davon ist gruselig. Manche sind traurig, manche erschütternd und manche haben mich noch lange beschäftigt.

Obwohl der erste Fall am Ende vollständig aufgeklärt wird, bleiben genügend Fragen offen.

Vor allem Keiras eigene Vergangenheit interessiert mich unglaublich. Wer ist sie wirklich? Wer hat sie verfolgt? Und warum besitzt sie diese besondere Gabe?

Genau diese offenen Fragen sorgen dafür, dass ich unbedingt weiterlesen möchte.

Und wisst ihr, worüber ich mich im Nachhinein ein bisschen geärgert habe?

Dass ich das Buch mitten im Sommer gelesen habe.

Eigentlich schreit diese Geschichte nach einem regnerischen Herbstabend. Draußen Nebel, drinnen Kerzen, eine Tasse Pumpkin Spice Latte und vielleicht der Regen, der gegen die Fensterscheiben prasselt. Ich glaube, unter diesen Bedingungen wäre die Atmosphäre sogar noch intensiver gewesen.

Für mich war „The Whispering Dead“ eine richtig gelungene Mischung aus Thriller, Mystery und Gothic-Horror. Nicht übermäßig blutig, nicht auf billige Schockeffekte aus, sondern atmosphärisch, spannend und genau die richtige Portion unheimlich.

Ich freue mich jetzt schon darauf, wieder nach Blighty zurückzukehren.

🖤 4,5 von 5 Herzen


Steingladiole – Erde vergisst nie von Liza Grimm

Es gibt Reihen, bei denen ich mich jedes Mal frage, warum sie nicht viel mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Die Elementaria-Reihe von Liza Grimm gehört für mich ganz klar dazu.

Ich habe die ersten beiden Bände bereits verschlungen und beide waren echte Highlights für mich. Umso größer war natürlich die Vorfreude auf „Steingladiole“. Und zum Glück kann ich direkt sagen: Auch der dritte Band hat mich kein bisschen enttäuscht.

Was diese Reihe für mich so besonders macht, ist ihre Grundidee.

In einer Zeit, in der viele Fantasybücher vor allem über Romance und Spice definiert werden, erzählt Liza Grimm eine Geschichte, die komplett ohne auskommt – und trotzdem fehlt mir absolut nichts. Im Gegenteil. Hier stehen die Welt, die Magie, die Figuren und die Handlung im Mittelpunkt. Genau das wünsche ich mir von einer richtig guten High Fantasy.

Allein die Idee der Seelenbücher, der Buchbinder und der Elementarmagie hat mich vom ersten Band an begeistert. Man merkt einfach, wie viel Liebe und Kreativität in dieser Welt steckt. Es fühlt sich nicht wie eine Fantasywelt an, die man schon hundertmal gesehen hat, sondern wie etwas Eigenes.

Mit jedem Band entdeckt man neue Facetten und genau deshalb freue ich mich jedes Mal darauf, wieder nach Elementaria zurückzukehren.

Auch diesmal war ich sofort wieder mitten in der Geschichte.

Nara gehört inzwischen zu den Figuren, die ich einfach gerne begleite. Sie trägt unglaublich viel Verantwortung auf ihren Schultern und versucht trotzdem immer, das Richtige zu tun. Manchmal vertraut sie Menschen vielleicht etwas zu schnell und wirkt dadurch ein wenig naiv. Aber genau das macht sie für mich so sympathisch. Sie ist keine unfehlbare Heldin, sondern jemand, der Fehler macht und daran wächst.

Mindestens genauso gerne verfolge ich inzwischen Katsos Entwicklung.

Wenn ich daran denke, wie er zu Beginn der Reihe war, hätte ich nie gedacht, dass er mir einmal so ans Herz wachsen würde. Anfangs war er impulsiv, egoistisch und hat oft zuerst an sich selbst gedacht. Mittlerweile merkt man, wie sehr ihn seine Erlebnisse verändert haben. Er übernimmt Verantwortung, denkt an andere und entwickelt sich mit jedem Band weiter. Solche Figuren liebe ich, weil ihre Entwicklung glaubwürdig wirkt und nicht einfach plötzlich passiert.

Überhaupt sind die Charaktere eine der größten Stärken dieser Reihe.

Jeder bringt seine eigene Geschichte mit, jeder hat seine Ecken und Kanten und genau deshalb fühlen sie sich so lebendig an.

Der Schreibstil von Liza Grimm trägt seinen Teil dazu bei. Er liest sich unglaublich angenehm, erschafft wunderschöne Bilder im Kopf und sorgt dafür, dass man komplett in diese Welt eintaucht. Besonders gefallen hat mir wieder, dass die Geschichte abwechselnd aus der Sicht von Nara und Katso erzählt wird. Dadurch erlebt man viele Situationen aus unterschiedlichen Blickwinkeln und versteht beide Figuren viel besser.

Und dann wäre da natürlich noch die Handlung.

Ich hatte wirklich keine einzige Stelle, an der mir langweilig wurde.

Ganz im Gegenteil.

Mit jeder gelesenen Seite kommen neue Fragen dazu, alte Geheimnisse werden gelüftet und immer wieder gibt es Wendungen, mit denen ich überhaupt nicht gerechnet habe. Mehr als einmal musste ich das Buch kurz zur Seite legen, weil ich erst einmal verarbeiten musste, was gerade passiert ist.

Gerade die Enthüllungen rund um Naras Vergangenheit haben mich komplett überrascht. Nach und nach setzt sich alles zusammen und plötzlich ergibt vieles einen Sinn, was vorher nur lose Fäden waren. Genau solche Momente liebe ich beim Lesen.

Und obwohl in diesem Band schon unglaublich viel passiert, habe ich das Gefühl, dass die Geschichte noch längst nicht alles erzählt hat.

Das Ende hat mich deshalb vor allem mit einem Gefühl zurückgelassen:

Ich brauche den nächsten Band. Sofort.

Für mich gehört die Elementaria-Reihe zu den Fantasyreihen, über die viel mehr gesprochen werden sollte. Sie beweist, dass eine Geschichte weder Spice noch eine riesige Liebesgeschichte braucht, um zu fesseln. Stattdessen bekommt man eine fantastische Welt, außergewöhnliche Magie, Figuren, die einem ans Herz wachsen, und einen Plot, der einen immer wieder überrascht.

Wenn ihr High Fantasy liebt und nach einer Reihe sucht, bei der die Geschichte wirklich im Mittelpunkt steht, dann kann ich euch diese Bücher von Herzen empfehlen.

Für mich bleibt „Steingladiole“ ein weiteres Highlight und der beste Beweis dafür, dass diese Reihe viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

🖤 5 von 5 Herzen