Es gibt Reihen, bei denen freut man sich auf den nächsten Band. Und dann gibt es Reihen, bei denen man den Erscheinungstag wochenlang im Kalender markiert, jede kleine Ankündigung verfolgt und innerlich schon längst weiß, dass an diesem Tag sowieso nichts anderes mehr passieren wird. Götter & Monster gehört für mich ganz klar in die zweite Kategorie. Seit dem ersten Band liebe ich diese Reihe einfach und jedes neue Buch fühlt sich ein bisschen so an, als würde man nach Hause kommen – nur eben in eine Welt voller Götter, Monster, Chaos und emotionalem Herzschmerz.
Entsprechend groß war natürlich auch meine Vorfreude auf The Wrath of the Fallen. Nach den Ereignissen des dritten Bandes musste ich einfach wissen, wie es mit Samkiel und Dianna weitergeht. Und ganz ehrlich? Kaum hatte ich das Buch in den Händen, war alles andere erst einmal nebensächlich. Ich wollte einfach nur zurück in diese Welt.
Die Geschichte knüpft direkt an die Ereignisse des Vorgängers an. Der Krieg rückt immer näher und inzwischen geht es längst nicht mehr nur darum, einzelne Kämpfe zu gewinnen. Es steht das Schicksal ganzer Reiche auf dem Spiel. Samkiel hat seine Macht zurückerlangt, doch genau das bringt neue Probleme mit sich. Denn mit der Macht wächst auch die Dunkelheit in ihm und immer wieder stellt sich die Frage, wie lange er sie noch kontrollieren kann. Gleichzeitig erfährt Dianna endlich mehr über ihre Vergangenheit und ihre Herkunft. Fragen, die die Reihe schon seit Beginn begleiten, werden langsam beantwortet und genau das hat mir unglaublich gut gefallen.
Was ich an dieser Reihe so liebe, ist die Tatsache, dass sie trotz aller epischen Schlachten nie vergisst, worauf es eigentlich ankommt: die Figuren. Natürlich gibt es spektakuläre Kämpfe, Magie und Götter, die ganze Welten erschüttern können. Aber im Mittelpunkt stehen für mich immer Samkiel, Dianna und all die Menschen, die sie begleiten. Genau deshalb treffen einen die emotionalen Momente jedes Mal mitten ins Herz.
Samkiel gehört inzwischen ohne Zweifel zu meinen liebsten Fantasy-Charakteren. Er ist mächtig, furchteinflößend und gleichzeitig unglaublich verletzlich. Seine Zweifel wirken nie künstlich, sondern vollkommen nachvollziehbar. Man merkt auf jeder Seite, wie schwer die Verantwortung auf seinen Schultern lastet und wie groß seine Angst ist, genau die Menschen zu verlieren, die ihm am meisten bedeuten. Gerade dieser innere Kampf zwischen Licht und Dunkelheit macht ihn für mich so spannend. Er ist kein perfekter Held, sondern jemand, der jeden Tag darum kämpfen muss, nicht an sich selbst zu zerbrechen.
Aber auch Dianna hat mich wieder vollkommen überzeugt. Ich mochte sie schon im ersten Band unglaublich gern, doch hier gewinnt ihre Figur noch einmal deutlich an Tiefe. Endlich erfahren wir mehr über ihre Vergangenheit und vieles ergibt plötzlich Sinn. Gleichzeitig bleibt sie genau die starke, schlagfertige und manchmal herrlich impulsive Frau, die ich von Anfang an ins Herz geschlossen habe. Sie lässt sich nicht kleinmachen, trifft ihre eigenen Entscheidungen und wächst trotzdem immer weiter an den Herausforderungen, die vor ihr liegen.
Besonders begeistert mich nach wie vor die Beziehung zwischen den beiden. Natürlich knistert es gewaltig und auch der Spice kommt nicht zu kurz, aber ihre Verbindung lebt für mich von etwas ganz anderem. Von Vertrauen, Loyalität und der Bereitschaft, füreinander durchs Feuer zu gehen. Ihre Beziehung fühlt sich nie oberflächlich an. Sie streiten, sie zweifeln, sie verletzen sich gegenseitig und trotzdem merkt man in jeder gemeinsamen Szene, wie tief ihre Gefühle füreinander inzwischen geworden sind. Genau deshalb gehören Samkiel und Dianna inzwischen zu meinen absoluten Lieblingspaaren im Fantasybereich.
Und dann ist da natürlich noch die Found Family. Ich glaube, kaum eine Reihe hat es geschafft, dass mir die Nebenfiguren genauso sehr ans Herz wachsen wie die Hauptcharaktere. Cameron, Xavier, Reggie – inzwischen freue ich mich jedes Mal, wenn sie auftauchen. Ihre Dynamik lockert die Geschichte immer wieder auf und sorgt dafür, dass zwischen all den düsteren Ereignissen auch Platz für Humor und kleine Wohlfühlmomente bleibt. Gerade diese Mischung macht die Reihe für mich so besonders.
Auch das Worldbuilding entwickelt sich mit jedem Band weiter. Immer wieder lernen wir neue Orte kennen, erfahren mehr über die verschiedenen Reiche und entdecken Zusammenhänge, die schon seit Band eins im Hintergrund vorbereitet wurden. Man merkt einfach, wie durchdacht diese Welt ist. Nichts wirkt zufällig oder schnell zusammengeschrieben. Stattdessen fügt sich mit jedem Kapitel ein weiteres Puzzleteil an seinen Platz und genau das liebe ich an großen Fantasyreihen.
Der Schreibstil von Amber V. Nicole trägt natürlich seinen Teil dazu bei. Bildgewaltig, emotional und unglaublich mitreißend. Es gibt Szenen, bei denen ich Gänsehaut hatte, andere haben mich zum Lachen gebracht und wieder andere haben mich einfach nur fassungslos zurückgelassen. Mehr als einmal musste ich das Buch kurz zur Seite legen, weil ich verarbeiten musste, was gerade passiert war.
Und über dieses Ende…
Nein.
Darüber sprechen wir heute lieber nicht. 😭
Sagen wir einfach so: Amber V. Nicole weiß ganz genau, wie man seine Leser emotional komplett zerstört und sie trotzdem sehnsüchtig auf den nächsten Band warten lässt.
The Wrath of the Fallen hat für mich wieder alles geboten, was ich an dieser Reihe so liebe: großartige Figuren, emotionale Momente, epische Fantasy, düstere Atmosphäre, spannende Wendungen und eine Found Family, die ich inzwischen genauso ins Herz geschlossen habe wie Samkiel und Dianna selbst.
Für mich gehört Götter & Monster nach wie vor zu den besten Dark-Fantasy-Reihen der letzten Jahre und auch Band 4 hat daran nichts geändert.
Jetzt heißt es nur wieder: warten.
Und ich kann jetzt schon sagen, dass mir das überhaupt nicht gefallen wird.
5 von 5 schwarzen Herzen. 🖤



