Bookstagram Gedanken

Es ist irgendwie lustig, dass ausgerechnet bei 30 Grad auf der Terrasse, irgendwo zwischen Sonnenuntergang, völliger Erschöpfung durch die Hitze und diesem typischen „Ich denke nur kurz über etwas nach“-Moment plötzlich wieder so eine kleine Bookstagram-Existenzkrise entsteht. 😅

Aber genau da saß ich letztens und habe gemerkt, dass mir eine Frage immer häufiger im Kopf herumspukt: Machen Sternebewertungen eigentlich wirklich Sinn?

Und ich meine das völlig ernst.

Ich glaube nämlich, dass wir uns als Leser*innen mittlerweile so sehr an diese Sterne gewöhnt haben, dass man sie oft automatisch vergibt, ohne überhaupt noch groß darüber nachzudenken. Rezension fertig? Zack, irgendwo zwischen drei und fünf Sternen einsortieren und weiter geht’s.

Aber je länger ich Bücher bespreche, desto schwieriger fällt mir genau das.

Denn was sagen Sterne eigentlich wirklich aus?

Ist ein Buch automatisch „besser“, nur weil es 5 Sterne bekommt?
Oder schlechter, weil es nur 3 sind?

Und vor allem:
Kann man ein Leseerlebnis überhaupt so einfach in Zahlen pressen?

Wenn ich ehrlich bin: Eigentlich nicht.

Denn eine Rezension besteht doch aus so viel mehr als nur aus der Frage „gut oder schlecht“. Bücher treffen uns in völlig unterschiedlichen Momenten unseres Lebens. Unsere Stimmung beeinflusst das Lesen mehr, als wir oft zugeben wollen.

Lese ich einen brutalen Thriller an einem Abend, an dem mein Kopf sowieso schon voller Chaos ist, dann kann das Buch gar nicht düster, brutal oder verstörend genug sein. Da will ich Eskalation, Abgründe und maximalen Nervenzusammenbruch. 😅

Lese ich dagegen eine Romantasy an einem Tag, an dem mein Mann vielleicht mal wieder den Hochzeitstag vergessen hat, dann können die Protagonisten noch so perfekt geschrieben sein — ich sitze trotzdem da und denke mir: „Mädchen, FALL NICHT DARAUF REIN!“ 😂

Und genau das ist doch der Punkt:
Lesen ist emotional.
Lesen ist situativ.
Lesen hängt von uns selbst ab.

Manchmal lieben wir ein Buch genau wegen seiner Fehler.
Manchmal erwischt uns eine Geschichte zur richtigen Zeit und wird dadurch plötzlich zu einem Highlight.
Und manchmal lesen wir objektiv „gute“ Bücher, die uns trotzdem komplett kaltlassen.

Wie bewertet man sowas fair mit Sternen?

Ich merke immer mehr, dass mir der eigentliche Text meiner Rezension viel wichtiger geworden ist als die Zahl am Ende. Denn ich hoffe ehrlich gesagt nicht, dass jemand ein Buch nur liest, weil ich 5 Sterne vergeben habe.

Ich hoffe eher, dass meine Worte erklären können, warum mich etwas berührt hat.
Oder eben nicht.

Warum mich eine Atmosphäre gepackt hat.
Warum mich Figuren genervt haben.
Warum ich nachts weiterlesen musste.
Oder warum ich am liebsten alles gegen die Wand geworfen hätte. 😅

Denn genau DAS ist doch das Spannende an Rezensionen:

Nicht die Zahl.
Sondern die Emotion dahinter.

Und trotzdem erwische ich mich immer wieder dabei, wie ich nach dem Lesen überlege:
„Aber wie viele Sterne sind das jetzt?“

Als müsste ich das gesamte Gefühl am Ende doch wieder in irgendeine Kategorie pressen.

Vielleicht, weil wir Menschen Bewertungen mögen.
Vielleicht, weil Sterne Orientierung geben.
Vielleicht auch einfach, weil Bookstagram und Goodreads uns daran gewöhnt haben.

Aber aktuell bin ich wirklich an einem Punkt, an dem ich mich frage, ob ich Sternebewertungen überhaupt noch brauche.

Ob ich nicht lieber einfach nur erzählen möchte, was ein Buch mit mir gemacht hat.

Ohne Zahl.
Ohne Ranking.
Ohne dieses Gefühl, ein komplettes Leseerlebnis auf ein paar Sterne reduzieren zu müssen.

Und genau deshalb interessiert mich eure Meinung gerade wirklich sehr:

Braucht ihr Sternebewertungen bei Rezensionen?
Achtet ihr darauf?
Oder sind euch die eigentlichen Gedanken und Gefühle hinter einer Rezension wichtiger?


„Empire of Blood- We Who Will Die“ von Stacia Stark

Düstere Vampir-Fantasy mit Gladiatoren-Vibes, Intrigen und tödlichen Wettkämpfen? Ganz ehrlich – „Empire of Blood- We Who Will Die“ von Stacia Stark hatte mich eigentlich schon beim Klappentext. 😅

Und dieses Buch hat genau das geliefert, was ich mir erhofft hatte: eine brutale, atmosphärische Fantasywelt voller Machtspiele, gefährlicher Figuren und ständigem Misstrauen.

Im Mittelpunkt steht Arvelle, die in einem der gefährlichsten Distrikte des Reiches lebt und eigentlich nur eines will: ihre Familie schützen. Doch um ihren schwer kranken Bruder zu retten, geht sie einen magischen Schwur ein, der sie mitten in ein tödliches Spiel zieht. Plötzlich muss sie an der Auslese teilnehmen – brutale Arenakämpfe, in denen nur die Stärksten überleben und am Ende in die Elitewache des Imperators aufgenommen werden.

Allein diese Idee hat mich direkt gepackt.

Diese Prüfungen sind hart, blutig und unglaublich intensiv beschrieben. Man merkt schnell, dass in dieser Welt niemand Rücksicht nimmt und genau das sorgt dafür, dass die Spannung dauerhaft hoch bleibt.

Was ich an der Geschichte besonders mochte, war die rohe Atmosphäre. Die Welt fühlt sich dreckig, gefährlich und ständig bedrohlich an. Nichts wirkt weichgezeichnet und genau dadurch bekommt die Geschichte diese starke Intensität.

Der Einstieg war für mich zwar erstmal etwas überwältigend, weil die politischen Strukturen und Intrigen ziemlich komplex aufgebaut sind. Gerade am Anfang musste ich mich erstmal orientieren: Wer verfolgt welche Ziele? Wem kann man trauen? Und wer manipuliert hier eigentlich wen?

Aber genau dieses Chaos hat die Welt für mich auch spannend gemacht.

Je tiefer ich in die Geschichte eingetaucht bin, desto mehr wollte ich verstehen. Hinter jeder Figur scheint noch etwas anderes zu stecken und ständig tauchen neue Geheimnisse auf.

Arvelle selbst fand ich als Protagonistin richtig spannend. Sie wirkt stark, aber nie unnahbar. Gleichzeitig merkt man schnell, dass sie viel mehr verbirgt, als andere ahnen. Ich hatte permanent das Gefühl, dass ihre Geschichte noch deutlich größer ist, als sie selbst glaubt.

Besonders interessant fand ich aber die Dynamik zu den männlichen Figuren.

Vor allem Rorrick hat bei mir sofort Aufmerksamkeit bekommen. 😅 Diese unterschwellige Spannung, dieses Gefühl, nie genau zu wissen, ob man ihm vertrauen kann oder nicht – genau sowas liebe ich in Fantasygeschichten.

Generell lebt das Buch stark davon, dass man ständig unsicher bleibt. Niemand scheint komplett gut oder böse zu sein und genau dadurch wirkt vieles deutlich spannender und unberechenbarer.

Auch die fantastischen Elemente haben mir richtig gut gefallen. Die verschiedenen Wesen und die düstere Magie machen die Welt unglaublich atmosphärisch und ich hoffe wirklich, dass die Folgebände hier noch tiefer eintauchen.

Der Schreibstil selbst ist sehr direkt, temporeich und intensiv. Gerade die Actionszenen haben einen richtig mitgerissen und gleichzeitig funktionieren auch die ruhigeren Momente gut, weil sie den Figuren Raum geben.

Ein kleiner Kritikpunkt waren für mich lediglich manche Nebencharaktere. Teilweise hatte ich Schwierigkeiten, alle direkt auseinanderzuhalten, weil manche etwas blasser geblieben sind.

Trotzdem hatte die Geschichte für mich unglaublich viel Sogwirkung.

Düstere Fantasy, brutale Prüfungen, Intrigen, Vampire und Figuren, denen man nie ganz vertrauen kann – genau diese Mischung hat das Buch für mich so spannend gemacht.

Für mich definitiv ein starker Auftakt, der unglaublich Lust auf die Fortsetzung macht.

4,5 von 5 Sternen ⭐️

Dunkelzeichen

Manchmal gibt es Reihen, bei denen man irgendwann das Gefühl hat, die Figuren wirklich zu kennen. Man leidet mit ihnen, hofft für sie, verzweifelt an ihren Entscheidungen – und genau so ging es mir mit der Dunkel-Trilogie von Corry Fock. Mit Dunkelzeichen endet diese Geschichte nun und ganz ehrlich? Ich habe auch diesen Band wieder regelrecht verschlungen.

Schon nach wenigen Seiten war ich wieder komplett in dieser düsteren, melancholischen Atmosphäre gefangen. Schwarze Umschläge, Todesdrohungen, mittelalterliche Hinrichtungsszenen und die Schatten der Vergangenheit, die immer näher rücken – dieses Buch erzeugt von Anfang an eine intensive Spannung, die einen kaum noch loslässt.

Besonders beeindruckend finde ich weiterhin, wie stark die Figuren geschrieben sind.

Sie wirken nicht glatt oder perfekt, sondern zutiefst menschlich. Voller Wut, Trauer, Schuld und Verzweiflung. Gerade dadurch fühlt sich ihre Geschichte so intensiv an.

Gawain trägt seine Wut permanent wie eine offene Wunde mit sich herum. Man hat ständig das Gefühl, dass nur ein kleiner Funke reicht, damit alles eskaliert. Gleichzeitig steckt auch in Mila unglaublich viel Schmerz und aufgestaute Emotion – nur geht sie ganz anders damit um. Das Tanzen wird für sie zu einem Ventil, zu etwas, das sie irgendwie zusammenhält.

Und genau diese emotionale Schwere zieht sich durch das gesamte Buch.

Auch Georgina spielt wieder eine wichtige Rolle und ihr Absturz war stellenweise wirklich schwer mit anzusehen. Dasselbe gilt für Sybil, die diesmal noch stärker mit sich selbst kämpft als ohnehin schon. Fast alle Figuren befinden sich an einem Punkt, an dem sie kurz davor stehen, sich selbst zu verlieren.

Trotzdem gibt es zwischen all der Dunkelheit immer wieder kleine Momente von Hoffnung. Und genau das macht die Geschichte emotional so stark.

Besonders gelungen fand ich erneut die zweite Zeitebene. Die Rückblicke ins Ostpreußen des Jahres 1944 geben der Geschichte unglaublich viel Tiefe. Nach und nach wird deutlicher, welche Geheimnisse und Traumata die Familie Sullivan seit Generationen begleiten und wie eng Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpft sind.

Gerade diese Kapitel haben mich oft besonders berührt.

Sie sorgen nicht nur für zusätzliche Spannung, sondern helfen auch dabei, viele Figuren und ihre Entscheidungen besser zu verstehen. Die beiden Erzählstränge greifen dabei unglaublich gut ineinander und ergeben am Ende ein sehr rundes Gesamtbild.

Und dann ist da natürlich noch das Setting.

Corry Fock schafft es wieder mühelos, diese raue Küstenatmosphäre lebendig werden zu lassen. Beim Lesen hatte ich ständig das Gefühl, selbst in Wales zu stehen, den Wind auf der Haut zu spüren und das Meer riechen zu können. Diese Atmosphäre trägt enorm zur Wirkung der Geschichte bei.

Der Schreibstil selbst ist unglaublich fesselnd und emotional dicht. Die Seiten fliegen nur so dahin, obwohl die Themen alles andere als leicht sind.

Die Spannung baut sich dabei sehr schnell auf und lässt einen kaum noch durchatmen. Immer wieder passieren Dinge, die einen erschüttern oder sprachlos zurücklassen. Gleichzeitig lebt die Geschichte nicht nur von ihren Thrillerelementen, sondern vor allem von den emotionalen Konflikten ihrer Figuren.

Und genau das macht „Dunkelzeichen“ für mich zu weit mehr als nur einem klassischen Kriminalroman.

Es ist eine Geschichte über generationsübergreifende Schuld, Verlust, Traumata und die Frage, wie sehr die Vergangenheit unser Leben bestimmen kann.

Eine intensive, düstere und unglaublich atmosphärische Geschichte, die mich emotional komplett mitgenommen hat und definitiv noch lange nachhallen wird.

4 von 5 Sternen ⭐️


„The Wicked and the Damned“ von Rebecca Robinson

Es gibt Fortsetzungen, die solide weitermachen. Und dann gibt es diese seltenen zweiten Bände, bei denen man nach wenigen Kapiteln merkt: Okay… das hier setzt gerade wirklich nochmal einen drauf. Genau so ging es mir mit „The Wicked and the Damned“ von Rebecca Robinson.

Ich hatte hohe Erwartungen an die Fortsetzung der Dark Inheritance-Trilogie – und trotzdem wurden sie komplett übertroffen.

Schon nach den ersten Seiten merkt man: Die Welt ist zwar dieselbe geblieben, aber die Geschichte fühlt sich plötzlich deutlich düsterer an. Brutaler. Gefährlicher. Die Intrigen werden größer, die Figuren skrupelloser und die gesamte Atmosphäre wirkt noch intensiver als im Auftakt.

Und genau das habe ich geliebt.

Vaasa steht diesmal noch stärker im Mittelpunkt politischer Machtspiele. Zurück in ihrer Heimat muss sie sich durch ein Netz aus Verrat, Manipulation und Geheimnissen kämpfen, während sie gleichzeitig immer weniger weiß, wem sie überhaupt noch vertrauen kann.

Besonders spannend fand ich, wie viele neue Intrigen und Rätsel sich ständig auftun. Kaum glaubt man, einen Überblick über die Situation zu haben, kommt schon die nächste Enthüllung um die Ecke.

Und Vaasa? Ich liebe ihre Entwicklung.

Sie ist intelligent, strategisch und denkt immer mehrere Schritte voraus. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, wie sehr die Ereignisse sie verändern. Sie muss härtere Entscheidungen treffen, skrupelloser handeln und immer wieder zwischen Herz und Pflicht abwägen.

Gerade das macht sie für mich zu einer unglaublich starken Protagonistin.

Was den zweiten Band für mich aber nochmal deutlich stärker gemacht hat: Reid. Dass wir diesmal auch seine Perspektive bekommen, war ein absoluter Gewinn für die Geschichte. Während Vaasa mitten in politischen Intrigen gefangen ist, setzt Reid buchstäblich Himmel und Hölle in Bewegung, um sie zurückzubekommen.

Und ganz ehrlich? Dieser Mann ist wütend. Richtig wütend.

Dadurch bekommt die Geschichte nochmal eine ganz andere Dynamik und deutlich mehr Tempo. Seine Kapitel haben für mich unglaublich viel Spannung reingebracht.

Außerdem lernen wir über ihn einige neue Figuren kennen – und ich muss unbedingt über Saschia reden. Diese Frau war einfach großartig. Eine Piratin. Eine Hexe. Freches Mundwerk. Chaotische Energie. Und plötzlich hatte die Geschichte stellenweise fast schon leichte Piraten-Vibes, die überraschend perfekt zur Atmosphäre gepasst haben. Ich hätte ehrlich gesagt gerne noch viel mehr von ihr gelesen.

Überhaupt erweitert der zweite Band die Welt enorm. Neue Verbündete, neue Feinde und immer größere politische Konflikte sorgen dafür, dass sich alles viel epischer anfühlt als zuvor.

Dabei bleibt die Handlung konstant spannend. Dieses Buch lebt von Intrigen, Machtspielen und strategischem Denken – und genau das muss man mögen. Politik spielt wieder eine riesige Rolle und ich persönlich liebe genau solche Geschichten, in denen niemand offen seine Karten zeigt.

Was mir außerdem unglaublich gut gefallen hat: Die Romance tritt diesmal etwas stärker in den Hintergrund. Aber genau dadurch wirkt sie für mich sogar noch stärker.

Es gibt keine künstlichen Missverständnisse oder unnötiges Drama zwischen Vaasa und Reid. Stattdessen stehen die beiden trotz allem geschlossen zueinander und kämpfen gemeinsam gegen das Chaos um sie herum.

Und genau das war unglaublich angenehm zu lesen. Natürlich bleibt das Ende nicht ohne Eskalation.

Aber diesmal hatte ich nicht dieses komplett zerstörerische Cliffhanger-Gefühl, sondern eher dieses: Okay, ich brauche das Finale trotzdem sofort.

Für mich war „The Wicked and the Damned“ tatsächlich noch stärker als der erste Band – düsterer, intensiver und voller großartiger Intrigen.

Ein absolutes Highlight für alle, die politische Romantasy mit starken Figuren, Magie und gefährlichen Machtspielen lieben.

Ganz klare 5 von 5 Sternen ⭐️

„39 Grad“ von Quentin Peck

Es gibt Thriller, die spannend sind. Und dann gibt es diese Bücher, bei denen man irgendwann merkt, dass man komplett in der Geschichte festhängt, weil das Kopfkino einfach keine Pause mehr macht. Genau so ging es mir mit „39 Grad“ von Quentin Peck.

Schon „Minus 22 Grad“ konnte mich richtig packen, aber mit diesem zweiten Band legt Quentin Peck für mich nochmal deutlich nach.

Und ja, theoretisch kann man „39 Grad“ auch unabhängig lesen. Aber ganz ehrlich? Wenn ihr Psychothriller liebt, solltet ihr euch Band eins definitiv nicht entgehen lassen.

Die Geschichte startet direkt mitten im Geschehen – ohne langes Vorgeplänkel. Eine brutal ermordete Frau wird gefunden, arrangiert wie eine makabre Inszenierung: weißes Kleid, ein unnatürliches Lächeln im Gesicht und rätselhafte Zahlen auf ihrer Haut.

Allein diese Bilder haben sich sofort in meinem Kopf festgesetzt.

Der Täter stalkt seine Opfer wochenlang, bevor er zuschlägt, und hinterlässt immer neue Botschaften. Schnell wird klar: Hier geht es längst nicht nur um die Morde selbst. Der Killer spielt ein perfides Spiel – und Kommissar Lukas Johannsen steht dabei längst persönlich im Fokus.

Was ich an Quentin Pecks Thrillern besonders mag, ist dieses permanente Gefühl von Unruhe. Man weiß nie, wann die nächste Wendung kommt oder welche Information plötzlich alles verändert. Genau wenn man denkt, man hätte verstanden, wohin die Geschichte läuft, zieht einem der Autor wieder komplett den Boden unter den Füßen weg.

Und genau das macht dieses Buch so unglaublich fesselnd.

Der Schreibstil ist direkt, schnell und unglaublich bildgewaltig. Viele Szenen waren so intensiv beschrieben, dass ich beim Lesen das Gefühl hatte, mitten in der Handlung zu stehen. Dieses Buch erzeugt wirklich Kopfkino – und zwar die Sorte Kopfkino, die man auch nach dem Lesen nicht direkt wieder loswird.

Besonders gelungen fand ich auch die Rückblicke in die Vergangenheit des Täters. Quentin Peck zeigt hier sehr schonungslos, wie psychische Abgründe entstehen können und welche Folgen traumatische Erlebnisse haben. Dabei wird nichts beschönigt und genau dadurch wirken viele Szenen umso intensiver.

Was mir diesmal außerdem deutlich besser gefallen hat als im ersten Band: Lukas Johannsen selbst.

Während er im Vorgänger für mich teilweise etwas blass geblieben ist, steht er hier viel stärker im Mittelpunkt. Man merkt deutlich, wie sehr ihn der Fall belastet und wie persönlich alles wird. Gemeinsam mit Profilerin Berit Pernstein trägt er die Geschichte unglaublich gut.

Die Dynamik zwischen den beiden funktioniert für mich inzwischen richtig stark.

Und dann dieses Ende…

Ich hatte tatsächlich eine Ahnung, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln könnte. Trotzdem hat mich die finale Wendung komplett sprachlos zurückgelassen. Genau diese Mischung aus Vorahnung und trotzdem völliger Eskalation macht für mich einen richtig guten Psychothriller aus.

„39 Grad“ ist düster, intensiv und unglaublich spannend. Ein Thriller voller falscher Fährten, psychologischer Abgründe und Szenen, die sich wirklich festsetzen.

Für mich definitiv eine große Empfehlung für alle, die intelligente und atmosphärische Psychothriller lieben.

4 von 5 Sternen ⭐️


„Die Erhabenen – Liebe, so rot wie Blut“ von Sofia Mars

Vampirbücher sind für mich immer so eine kleine Wundertüte. Entweder sie überraschen mich komplett – oder sie verlieren sich irgendwo zwischen Klischees, bekannten Mustern und derselben alten „gefährlicher Vampir verliebt sich“-Geschichte. Genau deshalb war ich unglaublich neugierig auf „Die Erhabenen – Liebe, so rot wie Blut“ von Sofia Mars.

Und ich muss sagen:
Dieses Buch hat mich definitiv positiver überrascht, als ich erwartet hätte.

Schon die Grundidee fand ich spannend. Eine Welt, in der Vampire – hier die sogenannten Erhabenen – indirekt die Macht innehaben, ihre Gefühle kontrollieren können und sich Menschen deutlich unterordnen müssen, bringt direkt eine interessante Dynamik mit.

Dazu dann noch dieses abgelegene Winter-Institut auf einer Insel in der Keltischen See, auf der plötzlich genau diese Fähigkeiten nicht mehr richtig funktionieren.

Allein dieses Setting hatte sofort etwas Düsteres, Kaltes und gleichzeitig Geheimnisvolles an sich.

Und genau diese Atmosphäre zieht sich durch das gesamte Buch.

Besonders gut gefallen hat mir dabei, dass die Geschichte nicht versucht, möglichst viele typische Vampir-Klischees abzuarbeiten. Stattdessen fühlt sich vieles angenehm anders an. Natürlich gibt es bekannte Elemente wie verbotene Gefühle, Machtgefälle und Geheimnisse – aber die Umsetzung wirkt deutlich eigenständiger, als ich zunächst erwartet hatte.

Vor allem die Welt der Erhabenen fand ich unglaublich interessant.

Diese Vorstellung von Wesen, die Emotionen kontrollieren und unterdrücken können, sorgt automatisch dafür, dass Gefühle plötzlich etwas Gefährliches bekommen. Etwas, das nicht passieren sollte. Und genau dadurch wirken selbst kleine emotionale Momente plötzlich viel intensiver.

Amalia mochte ich als Protagonistin wirklich gern.

Obwohl sie selbst eine Erhabene ist, merkt man schnell, dass sie anders denkt als viele ihrer Mitschüler. Sie wirkt empathischer, reflektierter und hinterfragt Dinge, die andere einfach akzeptieren.

Gerade ihre Entwicklung fand ich deshalb besonders spannend.

Man merkt deutlich, wie sie beginnt, ihre Welt und alles, was sie gelernt hat, immer stärker infrage zu stellen. Diese Veränderung passiert nicht plötzlich oder überzogen, sondern entwickelt sich Schritt für Schritt – und genau dadurch wirkte sie für mich glaubwürdig.

Bei Caelan bin ich dagegen noch etwas unsicher.

Er bleibt lange schwer greifbar und vieles an ihm wirkt bewusst geheimnisvoll gehalten. Einerseits macht ihn das natürlich spannend, andererseits hatte ich manchmal das Gefühl, noch gar nicht richtig einschätzen zu können, wer er eigentlich ist.

Trotzdem mochte ich die Dynamik zwischen ihm und Amalia grundsätzlich.

Allerdings muss ich auch sagen, dass genau hier mein größter Kritikpunkt liegt.

Die Beziehung entwickelt sich für mein Empfinden viel zu schnell intensiv. Nach sehr kurzer Zeit fallen emotional schon unglaublich viele Mauern und genau dadurch fehlte mir etwas Tiefe. Vieles wirkte eher wie starke Neugier und körperliche Anziehung als wie wirklich gewachsene Gefühle.

Gerade weil die Welt und die Figuren eigentlich so viel Potenzial für eine langsame, intensive Entwicklung gehabt hätten, fand ich das etwas schade.

Ich hoffe deshalb sehr, dass die Beziehung der beiden im zweiten Band noch mehr emotionale Tiefe bekommt.

Der Schreibstil selbst hat mir dagegen wirklich gut gefallen. Flüssig, bildhaft und angenehm zu lesen, ohne dabei unnötig kompliziert zu wirken. Besonders die Atmosphäre des Winter-Instituts und der Insel wurde richtig gut eingefangen.

Diese Mischung aus Isolation, unterschwelliger Bedrohung und Geheimnissen hat perfekt zur Geschichte gepasst.

Auch die zusätzlichen Perspektiven zwischendurch fand ich gelungen, weil sie die Welt größer wirken lassen und weitere Einblicke ermöglichen, ohne den Fokus komplett von Amalia wegzunehmen.

Spannend fand ich außerdem die gesellschaftlichen Strukturen innerhalb der Geschichte. Dass die Erhabenen eigentlich Macht über die Menschen besitzen, die Inselbewohner sich dieser Kontrolle aber nicht einfach unterwerfen wollen, bringt eine interessante politische Ebene mit hinein.

Auch wenn dieser Aspekt im ersten Band noch eher im Hintergrund bleibt, steckt darin definitiv Potenzial für die Fortsetzung.

Und dann dieses Ende…

Ganz ehrlich?
Das war wirklich gemein.

Genau die Art Ende, die dafür sorgt, dass man sofort wissen möchte, wie es weitergeht.

Für mich ist „Die Erhabenen – Liebe, so rot wie Blut“ deshalb eine wirklich spannende Vampir-Romantasy, die mit einem atmosphärischen Setting, interessanten Ideen und einer starken Hauptfigur überzeugen konnte.

Nicht perfekt – vor allem die Liebesgeschichte hätte für mich langsamer und intensiver aufgebaut werden dürfen – aber definitiv eine Geschichte, die neugierig auf mehr macht.

4 von 5 Sternen ⭐️


„The Exes“ von Leodora Darlington

Manchmal gibt es Bücher, bei denen man schon nach wenigen Seiten merkt: Das hier wird entweder genial oder komplett drüber. 😅 Genau dieses Gefühl hatte ich bei „The Exes“ von Leodora Darlington.

Die Grundidee klang für mich erst einmal unglaublich spannend: Eine Frau, deren Ex-Freunde alle tot sind. Zufällig natürlich. Oder eben auch nicht. Dazu ein Psychothriller über Liebe, weibliche Rache und dunkle Abgründe – eigentlich genau mein Ding.

Und anfangs hatte das Buch mich auch wirklich.

Die Atmosphäre ist direkt unangenehm, düster und voller unterschwelliger Spannung. Man merkt schnell, dass mit Natalie irgendetwas nicht stimmt. Gleichzeitig bleibt lange offen, ob sie tatsächlich gefährlich ist oder ob man ihr vielleicht komplett unrecht tut.

Genau dieses Spiel mit Misstrauen und Wahrnehmung fand ich zunächst richtig stark.

Allerdings wurde das Buch für mich mit jeder Wendung chaotischer.

Was als psychologischer Thriller beginnt, entwickelt sich immer mehr zu einem Verwirrspiel voller neuer Enthüllungen, Verdächtiger und Theorien. Ständig musste ich alles wieder hinterfragen – was grundsätzlich nichts Schlechtes ist. Aber irgendwann wurde es für mich einfach zu viel.

Es stapeln sich tote Exfreunde, Geheimnisse und potenzielle Täter so sehr übereinander, dass die Geschichte für mich zunehmend an Glaubwürdigkeit verloren hat. Irgendwann wirkte vieles eher absurd als spannend.

Mein größtes Problem war allerdings Natalie selbst.

Sie ist ganz klar als unlikable Character angelegt: distanziert, moralisch fragwürdig und emotional schwer greifbar. Ich verstehe absolut, warum genau das für viele Leser*innen reizvoll ist – aber ich habe dabei wieder gemerkt, dass ich persönlich einfach schwer Zugang zu Geschichten finde, wenn ich überhaupt keine emotionale Verbindung zur Hauptfigur aufbauen kann.

Dadurch blieb für mich vieles auf Distanz.

Ich habe die Spannungsidee gesehen, ich habe auch verstanden, was das Buch erzählen wollte – aber emotional hat es mich leider nie wirklich erreicht.

Trotzdem glaube ich, dass das Buch definitiv seine Zielgruppe finden wird. Wer psychologische Thriller mit unzuverlässigen Figuren, vielen Twists und bewusst unangenehmen Charakteren liebt, könnte hier richtig gut unterhalten werden.

Für mich persönlich hat die Geschichte leider nicht funktioniert.

Schade, denn die Grundidee hatte wirklich Potenzial.

2,5 von 5 Sternen ⭐️

Fakten über mich…

Manche Menschen sammeln Briefmarken.

Ich sammle Bücher. Und zwar in einem Ausmaß, bei dem selbst meine Regale langsam anfangen, mich besorgt anzuschauen.

Eigentlich wollte ich ja nur ein Buch kaufen. Wirklich. Ich bin mit den besten Vorsätzen in die Buchhandlung gegangen. Zielstrebig. Vernünftig. Erwachsen.
Und plötzlich stand ich dreißig Minuten später mit einem Stapel Fantasyromane, einem Thriller, zwei Special Editions „weil der Farbschnitt schön ist“ und einem weiteren Buch für meinen SUB da.
Für alle, die nicht in dieser Welt leben: SUB bedeutet „Stapel ungelesener Bücher“.
Für uns Leseratten bedeutet es allerdings eher: emotionale Sicherheitsreserve.

Ich liebe Bücher nicht einfach nur.

Ich lebe zwischen ihnen.
Zwischen Seiten voller Magie, Herzschmerz, Drachen, Geheimnisse, morally grey Männern und Heldinnen, die stärker sind als mein Wille, keine neuen Bücher mehr zu kaufen.

Mein Kopf besteht gefühlt zu 80 % aus Geschichten, 15 % aus Kaffee und die restlichen 5 % sind pures Chaos mit Glitzer.

Und ja — ich bin organisiert.
Zumindest äußerlich.
Innerlich herrscht ein kreativer Sturm aus Plotideen, To-do-Listen, spontanen Lebensplänen und der Frage, warum ich um 2 Uhr nachts plötzlich denke:
„Vielleicht sollte ich doch noch schnell ein neues Bücherregal bestellen.“

Lesen ist für mich kein Hobby.

Lesen ist Therapie. Flucht. Zuhause. Abenteuer.
Es gibt Tage, da reichen ein Kaffee, eine Decke und ein gutes Buch aus, um die Welt wieder ein kleines bisschen leiser zu machen.

Natürlich rede ich mir ständig ein, ich würde erst meinen SUB abbauen, bevor neue Bücher einziehen.
Diese Lüge hält ungefähr so lange, bis ich TikTok öffne, durch Bookstagram scrolle oder irgendwo den Satz lese:
„Wenn dir ACOTAR gefallen hat, musst du unbedingt dieses Buch lesen.“

Muss ich?
Ja. Offenbar schon.

Und dann stehe ich wieder da.
Mit leuchtenden Augen.
Mit zu wenig Platz im Regal.
Mit zu vielen offenen Tabs.
Und mit einem weiteren Paket auf dem Weg zu mir.

Aber ganz ehrlich?
Es gibt schlimmere Süchte.

Denn zwischen all dem Chaos, den Kaffeeflecken auf meinen Notizen, den zerlesenen Seiten, den spontanen Mitternachtsideen und den Bücherstapeln finde ich immer wieder kleine Welten, die mich retten.

Vielleicht bin ich also nicht chaotisch.
Vielleicht bin ich einfach nur ein Mensch mit zu vielen Geschichten im Herzen.

Und während andere Menschen schlafen, sitze ich wahrscheinlich irgendwo mit einem Buch auf dem Sofa und sage zum fünften Mal:

„Nur noch ein Kapitel.“

Wir alle wissen:
Das ist die größte Leserlüge überhaupt.