Der zweite Band – und meine Güte, was habe ich mich darauf gefreut. Schon Band 1, Der Trailer, hatte mich komplett abgeholt. Und das, obwohl ihr mich mit Camping wirklich jagen könnt. Für mich gibt es kaum ein schlimmeres Urlaubs-Horror-Szenario als Zelt, Gemeinschaftsduschen und matschige Schuhe. Aber sobald ein Thriller in dunklen Wäldern, auf abgelegenen Campingplätzen und an Orten mit düsterer Vergangenheit spielt, bin ich sofort dabei.
Mit Das Camp (Donkerbloem 2) von Linus Geschke ging es also zurück nach Donkerbloem – an einen Ort, der eigentlich endlich zur Ruhe kommen sollte, es aber einfach nicht schafft, das Böse loszuwerden. Tief in den Ardennen gelegen, abgeschieden und voller dunkler Geschichte, bekommt der Campingplatz mit Wout einen neuen Besitzer und mit Tayfun einen neuen Verwalter, der alles daransetzt, hier einen friedlichen Ort zu schaffen. Doch wie so oft in dieser Reihe scheint Donkerbloem eine magische Anziehungskraft auf Abgründe zu haben.
Während dort langsam so etwas wie Normalität entstehen soll, treibt hunderte Kilometer entfernt ein verstörender Killer sein Unwesen. Eine Mordserie im Osten Deutschlands bringt Kommissarin Frieda Stahnke selbst in Gefahr. Sie fühlt sich verfolgt, manipuliert und kann bald niemandem mehr trauen. Schließlich sieht sie nur noch einen Ausweg: Sie flieht nach Donkerbloem. Ausgerechnet dorthin. Für Wout ist das eine Katastrophe, denn er mag Frieda nicht und ist überzeugt, dass sie mit ihrem Auftauchen alle in Gefahr bringt. Tayfun hingegen steht ihr zur Seite, auch weil er heimlich Gefühle für sie hat. Und so kehrt mit Frieda nicht nur eine alte Bekannte ins Camp zurück, sondern auch eine Bedrohung, die alles ins Wanken bringt.
Besonders gefallen hat mir wieder, wie lebendig die Figuren wirken. Wout, der sture, misstrauische Besitzer. Tayfun, der sanfte Riese mit großem Herzen. Frieda, die immer mehr unter Druck gerät und zwischen Stärke und Verzweiflung schwankt. Kathinka, die ebenfalls ihren Platz in dieser Geschichte hat. Man merkt, dass man diese Menschen schon kennt, dass sie sich weiterentwickeln und nicht einfach auf der Stelle treten. Genau das macht für mich den Reiz dieser Reihe aus.
Auch in diesem Band arbeitet Linus Geschke wieder mit mehreren Handlungssträngen, die sich zunächst getrennt anfühlen, sich aber nach und nach immer stärker verweben. Anfangs rätselt man noch, was genau zusammengehört, doch je weiter man liest, desto klarer wird das große Ganze. Ich liebe dieses Gefühl, wenn plötzlich alles Sinn ergibt und man merkt, wie geschickt die Fäden von Anfang an gelegt wurden.
Der Spannungsbogen bleibt von der ersten bis zur letzten Seite hoch. Es gibt kaum ruhige Momente, keine unnötigen Längen, kein Durchatmen. Stattdessen reiht sich Bedrohung an Bedrohung, Verdacht an Verdacht, und man liest immer weiter, weil man unbedingt wissen will, wie alles zusammenhängt. Dieses „nur noch ein Kapitel“-Gefühl ist hier wieder extrem stark.
Und dann dieses Ende. Wirklich. Ich war mental auf einen Cliffhanger vorbereitet – schließlich ist es der zweite Band. Aber das hier war noch einmal eine andere Liga. Gemein, fies, perfekt. Es fühlt sich an wie der direkte Startschuss für Band 3 und lässt einen mit offenen Fragen und großer Vorfreude zurück.
Für mich ist Das Camp ein rundum gelungener zweiter Band, der die Atmosphäre von Teil 1 aufgreift und noch intensiver macht. Düster, spannend, emotional und clever konstruiert. Die Figuren tragen die Geschichte, das Setting bleibt beklemmend, und die Handlung reißt nie ab.
Auch wenn ich im echten Leben niemals freiwillig campen würde – literarisch liebe ich Donkerbloem.
⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ 5/5 Sterne
Ein starker Nachfolger, der die Reihe auf ein neues Level hebt und mich sehnsüchtig auf Band 3 warten lässt.





