Manchmal begegnet man Büchern, deren Grundidee sofort neugierig macht. Ein Podcast über Leben und Tod, zwei beste Freunde, die scheinbar alles miteinander teilen – und dann verschwindet plötzlich einer von ihnen. Genau diese Mischung aus Freundschaft, Geheimnissen und psychologischer Spannung hat mich bei „This Story Might Save Your Life“ von Tiffany Crum sofort angesprochen.
Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Joy und Benny, die gemeinsam einen erfolgreichen Podcast betreiben. Ihr Motto lautet: Was dich nicht umbringt, lässt dich überleben. In ihrem Format erzählen sie Geschichten über außergewöhnliche Erfahrungen, über Menschen, die dem Tod entkommen sind oder schwere Schicksalsschläge überstanden haben. Die beiden sind ein eingespieltes Team – und wirken nach außen hin unzertrennlich.
Doch eines Morgens ist plötzlich alles anders.
Joy ist verschwunden.
Und ihr Ehemann Xander ebenfalls.
In Joys Badezimmer finden sich zerbrochene Gegenstände und Spuren eines Kampfes. Schnell wird klar: Freiwillig ist sie ganz sicher nicht gegangen. Die Polizei beginnt zu ermitteln – und richtet ihren Verdacht ausgerechnet auf Benny, der doch angeblich Joys bester Freund ist.
Während die Ermittlungen laufen, versucht Benny selbst verzweifelt herauszufinden, was passiert ist. Doch dann stößt er auf etwas, das alles verändert: ein Manuskript von Joy. Ihre Memoiren.
Was darin steht, stellt vieles infrage, was Benny – und auch wir als Leser – bisher über sie geglaubt haben. Die Texte erzählen von Geheimnissen, von gefährlichen Begegnungen und von einer großen Liebe. Doch das Manuskript bricht plötzlich ab, mitten in der Geschichte.
Und damit beginnt ein Wettlauf mit der Wahrheit.
Der Einstieg in das Buch gelingt sehr leicht. Man ist schnell in der Handlung und lernt Joy und Benny zunächst als enge Freunde kennen, die gemeinsam ihren Podcast aufbauen und immer tiefer in diese besondere Welt der Geschichten über Leben und Tod eintauchen. Gleichzeitig erfahren wir auch mehr über Joys Privatleben – vor allem über ihre Beziehung zu Xander.
Ein wichtiger Bestandteil der Geschichte ist außerdem Joys Narkolepsie, also ihre Schlafkrankheit. Dieses Thema wird immer wieder aufgegriffen und beeinflusst auch einige entscheidende Momente in der Handlung.
Besonders interessant fand ich die Erzählstruktur. Die Geschichte wird einerseits aus Bennys Perspektive erzählt, während wir gleichzeitig über Auszüge aus Joys Manuskript immer mehr über ihre Gedanken und ihre Vergangenheit erfahren. Dadurch entsteht ein spannender Kontrast: Als Leser sind wir Benny in manchen Punkten einen Schritt voraus, während er selbst noch verzweifelt nach Antworten sucht.
Gleichzeitig sorgt diese Struktur dafür, dass sich nach und nach ein ganz neues Bild von Joy entwickelt. Die Frau, die wir am Anfang kennenlernen, scheint nicht die ganze Wahrheit über sich preisgegeben zu haben.
Neben den beiden Hauptfiguren tauchen im Laufe der Geschichte viele Nebencharaktere auf – und genau hier beginnt das große Rätselraten. Fast jede Figur wirkt auf ihre eigene Art verdächtig, und man fragt sich ständig, wer vielleicht etwas zu verbergen hat. Die Autorin spielt geschickt mit diesem Misstrauen und legt immer wieder falsche Fährten aus.
Trotzdem muss ich sagen, dass es im Mittelteil einige Längen gab. Die Handlung verliert dort kurzzeitig etwas an Tempo, bevor sie sich zum Ende hin wieder stärker verdichtet.
Was mir jedoch sehr gut gefallen hat, ist die Art, wie Tiffany Crum ihre Figuren gestaltet hat. Sie wirken vielschichtig, nicht eindeutig einzuordnen und oft widersprüchlich – genau das macht sie interessant. Niemand ist vollkommen durchschaubar, und gerade das hält die Spannung aufrecht.
Das Finale bringt schließlich eine Auflösung, die gut durchdacht wirkt und die wichtigsten Fragen beantwortet. Besonders positiv fand ich, dass am Ende keine großen offenen Handlungsstränge zurückbleiben.
Insgesamt hat mir „This Story Might Save Your Life“ als Debüt gut gefallen. Es ist ein spannender Roman über Freundschaft, Vertrauen und die Frage, wie gut man die Menschen wirklich kennt, die einem am nächsten stehen.
Allerdings würde ich das Buch eher als Spannungsroman denn als klassischen Thriller einordnen. Die Geschichte setzt mehr auf psychologische Entwicklungen und Geheimnisse als auf rasante Action.
Für mich ein solides Debüt mit einer interessanten Idee und viel Potenzial für zukünftige Bücher der Autorin.
⭐ 3,5 von 5 Sternen – und definitiv ein Autorinnenname, den ich im Auge behalten werde.





