Neu oder gebraucht?

Es gibt diese Tage, an denen einfach nichts nach Plan läuft – und genau so ein paar Tage liegen jetzt hinter mir. Eigentlich war alles ganz normal, bis plötzlich aus dem Nichts ein Moment kam, der mir noch immer einen kleinen Schauer über den Rücken jagt.

Meine beiden alten Bücherschränke, die mich schon so lange begleiten, haben einfach ihren Geist aufgegeben. Und nicht auf die harmlose Art.

Mein Sohn wollte ganz nichtsahnend Geld in seine Spardose legen, öffnet den Schrank – und plötzlich kommt ihm die schwere Flügeltür mit Glas entgegen.

Dieser Moment… wirklich ein absoluter Schreck. Für uns alle.

Im ersten Augenblick zählt nur eines: Ist etwas passiert? Und wir hatten so unfassbares Glück. Es ist nichts passiert. Kein Kratzer, nichts.

Aber genau in diesem Moment war mir klar: Das war kein „Ach, wird schon wieder“. Das war eine echte Sicherheitsgefahr.

Und so sehr ich an Dingen hänge – das konnte ich nicht ignorieren. Die Schränke mussten weg. Oder zumindest verändert werden.

Also habe ich direkt angefangen zu planen. Ikea geöffnet, geschaut, verglichen… und dann kam dieser typische Moment: „Okay… das wird teuer.“ 😅

Und da war sie wieder – diese innere Stimme, die einfach nicht gerne Dinge wegwirft. Ich liebe es, alten Sachen neues Leben einzuhauchen. Upcycling ist einfach genau mein Ding.

Also bin ich am nächsten Morgen aufgestanden, hab mir gedacht: „Das krieg ich auch so hin.“

Und dann ging’s los.


Bücher ausräumen… und ganz ehrlich – ich wusste, dass es viele sind, aber SO viele?! Ich stand da und dachte nur: „Wann ist das bitte so eskaliert?“ 😅

Zum Glück hat das Wetter auch noch mitgespielt.

Die Sonne schien, es war warm – also habe ich kurzerhand meine drei Kinder, den Hund und meinen Mann in den Garten verfrachtet. 😄

Die beste Entscheidung überhaupt.

Plötzlich hatte ich Platz. Ruhe. Luft zum Atmen.

Und vor allem die Möglichkeit, mich komplett auf das Chaos im Wohnzimmer zu konzentrieren, ohne ständig über irgendwen oder irgendwas zu stolpern.

So stand ich dann da – mitten im Bücherchaos, umgeben von Stapeln, Staub und gefühlt meinem halben Besitz – und konnte endlich in Ruhe räumen, sortieren, schieben und schrauben.

Beste Entscheidung!

Und ich?

Stand am Ende acht Stunden (!) im Wohnzimmer.

Aber ganz ehrlich? Es hat sich gelohnt.

Ich habe die Schränke retten können.

Die gefährlichen Türen mussten gehen, aber der Rest steht wieder – stabil, sicher und irgendwie sogar schöner als vorher.

Jetzt überlege ich noch, ob ich ihnen vielleicht einen neuen Anstrich verpasse. Ein bisschen frische Farbe, ein neuer Look – das hätte schon was.

Und das Beste?

Ich liebe dieses Gefühl danach.

Dieses „Ich hab was verändert“.

Dieses „Ich hab’s selbst geschafft“.

Und das alles, ohne viel Geld auszugeben.

Okay… und ich habe sogar 20 Cent gefunden.

Also ganz klar: Gewinn gemacht. 😂

Jetzt sitze ich hier, schaue mir alles an – und bin einfach zufrieden.

Manchmal braucht es genau solche ungeplanten Momente, um etwas Neues zu schaffen. Auch wenn sie im ersten Moment einfach nur Chaos sind.

Was sagt ihr – Team neu kaufen oder Team upcyclen?


Highlight Reihe

Manche Reihen liest man – und manche begleiten einen. Sie wachsen einem ans Herz, schleichen sich in die Gedanken und bleiben dort, lange nachdem man die letzte Seite gelesen hat. Genau so ging es mir mit der War of Lost Hearts-Trilogie von Carissa Broadbent. Und deshalb war dieses Finale für mich nicht einfach nur „der letzte Band“. Es war ein Abschied. Einer, auf den ich mich unglaublich gefreut habe – und vor dem ich gleichzeitig großen Respekt hatte.

„Mother of Death and Dawn“ beginnt genau da, wo das Herz noch nicht bereit ist loszulassen. Ohne Umschweife, ohne sanften Einstieg zieht einen die Geschichte wieder zurück in diese Welt, die so düster, so grausam und gleichzeitig so faszinierend ist. Es ist, als hätte man das Buch nie wirklich aus der Hand gelegt. Alles ist sofort wieder da: die Spannung, die Emotionen, die Verbundenheit zu den Figuren. Und genau das hat mich von der ersten Seite an wieder komplett gefesselt.

Was dieses Finale so besonders macht, ist die Intensität, mit der sich die Geschichte entfaltet. Es gibt kaum Pausen, kaum Momente, in denen man wirklich durchatmen kann. Der Krieg ist allgegenwärtig, die Bedrohung spürbar in jeder Szene. Entscheidungen müssen getroffen werden – und sie haben Konsequenzen. Keine leichten, keine bequemen, sondern solche, die wehtun. Und genau das macht diese Geschichte so ehrlich.

Tisaanah und Max…

Ich glaube, ich habe selten eine Verbindung zwischen zwei Figuren gelesen, die sich so echt anfühlt. So tief, so getragen von Vertrauen und gegenseitigem Verständnis. Ihre Beziehung ist nicht laut, nicht übertrieben dramatisch – und gerade deshalb so stark. Sie basiert auf Respekt, auf gemeinsamen Erfahrungen, auf dem Wissen, dass der andere einen versteht, selbst in den dunkelsten Momenten. Für mich sind sie das perfekte Beispiel dafür, wie sich Liebe in einer Geschichte entwickeln kann, ohne jemals an Tiefe zu verlieren.

Gerade in diesem Band wird ihre Verbindung auf die Probe gestellt.

Nicht nur durch äußere Umstände, sondern auch durch das, was sie jeweils mit sich selbst tragen. Max, gefangen in seiner eigenen Vergangenheit, gezeichnet von Erinnerungen, die ihn fast zerstören. Und Tisaanah, die zwischen Pflicht und Gefühl steht, zwischen dem Wunsch, zu retten – und der Realität eines Krieges, der keine einfachen Lösungen zulässt.

Und dann ist da Aefe.

Ihre Geschichte war schon immer besonders – aber in diesem Band erreicht sie eine Tiefe, die mich wirklich überrascht hat. Ihr innerer Konflikt, ihre Entwicklung, dieses Ringen mit sich selbst und mit dem, was von ihr erwartet wird – all das wurde so eindringlich erzählt, dass ich oft das Gefühl hatte, ihre Zerrissenheit selbst zu spüren. Ihr Weg ist nicht einfach, nicht gradlinig – und genau das macht ihn so glaubwürdig.

Es gibt Figuren, die begleiten eine Geschichte.

Und es gibt Figuren, die sie tragen.

Aefe gehört für mich definitiv zur zweiten Kategorie.

Was ich an diesem Finale außerdem besonders liebe, ist die Art, wie alle Handlungsstränge zusammengeführt werden. Nichts wirkt überhastet, nichts wird einfach „abgehakt“. Stattdessen entsteht nach und nach ein Gesamtbild, in dem jede Entscheidung, jede Entwicklung ihren Platz hat.

Auch die Nebenfiguren spielen dabei eine wichtige Rolle. Caduan, Ishqa, Sammerin, Brayan, Serel – sie alle bringen ihre eigenen Geschichten, ihre eigenen Emotionen mit und machen die Welt dadurch noch lebendiger. Es sind genau diese Figuren, die dafür sorgen, dass sich alles größer anfühlt. Bedeutender.

Und dann diese Atmosphäre…

Diese Mischung aus düsterer Magie, politischem Konflikt und emotionaler Tiefe ist einfach unglaublich gut gelungen. Man spürt die Schwere des Krieges, die Angst, die Hoffnung – und gleichzeitig diese leisen Momente dazwischen. Momente, in denen es nicht um große Entscheidungen geht, sondern um kleine Gesten. Blicke. Worte. Nähe.

Genau diese Kontraste machen das Buch für mich so stark.

Und natürlich – es wäre kein Finale ohne Schmerz.

Es gibt Szenen, die wirklich unter die Haut gehen. Entscheidungen, die man als Leser vielleicht nicht treffen würde – aber genau deshalb so nachvollziehbar sind. Dieses Buch fordert einen emotional. Es lässt einen mitfühlen, mitleiden, hoffen – und manchmal auch einfach nur dasitzen und das Gelesene verarbeiten.

Als ich die letzten Seiten gelesen habe, hatte ich dieses ganz typische Gefühl: Dieses „Ich bin noch nicht bereit, das loszulassen“.

Weil diese Geschichte mehr war als nur Unterhaltung.

Weil diese Figuren mehr waren als nur Namen auf Papier.

„Mother of Death and Dawn“ ist ein Finale, das seiner Reihe mehr als gerecht wird. Intensiv, emotional, episch – und gleichzeitig unglaublich nahbar.

Es ist ein Abschluss, der nicht nur die Geschichte beendet, sondern ihr noch einmal mehr Tiefe verleiht. Einer, der zeigt, wie viel Herz in dieser Reihe steckt.

Für mich bleibt die War of Lost Hearts-Trilogie etwas ganz Besonderes.

Ein echtes Highlight. 5 von 5 Sternen ⭐️

Und eine dieser Reihen, die man nicht einfach liest – sondern erlebt.


„All the Hidden Monsters 2: All the Lost Souls“ von Amie Jordan

 Manche Fortsetzungen haben es schwer. Gerade dann, wenn der erste Band ein absolutes Highlight war und die Erwartungen entsprechend hoch sind. Genau so ging es mir mit „All the Hidden Monsters 2: All the Lost Souls“ von Amie Jordan. Ich habe mich wirklich sehr auf dieses Buch gefreut – und hatte gleichzeitig ein kleines bisschen Angst, dass es vielleicht nicht ganz mithalten kann.

Aber ich kann direkt sagen: Diese Sorge war absolut unbegründet.

Was mich schon im ersten Band begeistert hat, war das Worldbuilding – und genau das ist auch hier wieder eine der größten Stärken der Geschichte. Die Aufteilung in das „Oben“, also die Welt der Menschen, und das „Unten“, in dem die übernatürlichen Wesen leben, ist einfach unglaublich spannend umgesetzt. Gleichzeitig existieren diese Welten nicht strikt getrennt voneinander, sondern greifen immer wieder ineinander. Diese Mischung aus versteckter magischer Gesellschaft und realer Welt hat für mich einen ganz besonderen Reiz.

Besonders gut gefällt mir, dass die Geschichte nicht „nur“ Fantasy ist.

Durch Sages Arbeit als Ermittlerin bekommt das Ganze eine zusätzliche Ebene. Diese Krimi-Elemente lockern die Handlung auf, bringen Struktur hinein und sorgen dafür, dass die Geschichte immer wieder neue Dynamik bekommt. Es ist genau diese Kombination, die die Reihe für mich so besonders macht.

Im Mittelpunkt steht wieder Sage, die sich ihren Platz als Ermittlerin erkämpfen muss. Sie ist eine Protagonistin, die ich unglaublich gerne begleite – nicht, weil sie perfekt ist, sondern weil sie sich weiterentwickelt. Ihre innere Zerrissenheit, gerade im Umgang mit ihrer Werwölfin, macht sie greifbar und authentisch. Man merkt, dass sie ihren Weg sucht – und ihn Schritt für Schritt auch findet.

An ihrer Seite ist wieder Oren, und ich liebe die Dynamik zwischen den beiden.

Dieses ständige Hin und Her, diese unausgesprochenen Gefühle, dieses „Wir wissen es eigentlich beide, aber sagen es nicht“ – es kann einen manchmal wirklich in den Wahnsinn treiben. Aber auf eine gute Art. Denn die Gründe dafür sind nachvollziehbar, nichts wirkt erzwungen oder künstlich in die Länge gezogen. Es ist ein klassischer Slow Burn, der sich genau richtig anfühlt.

Auch die Nebenfiguren haben mir wieder richtig gut gefallen. Sie sind nicht einfach nur Beiwerk, sondern bringen ihre eigenen Geschichten, Eigenheiten und Dynamiken mit, die die Welt lebendig machen. Gerade diese Found Family-Vibes geben dem Ganzen eine emotionale Tiefe, die über die eigentliche Handlung hinausgeht.

Der Schreibstil ist erneut unglaublich fesselnd.

Es ist eines dieser Bücher, bei denen man „nur noch ein Kapitel“ lesen will – und plötzlich sind drei Stunden vergangen. Die wechselnden Perspektiven, vor allem zwischen Sage und Oren, sorgen zusätzlich dafür, dass man beide Seiten der Geschichte erlebt und sich noch stärker mit den Figuren verbunden fühlt.

Inhaltlich wird es diesmal noch intensiver.

Der Einsatz im Jura-Gebirge bringt eine ganz neue Atmosphäre mit sich – rauer, düsterer, gefährlicher. Die Spannungen zwischen Hexen und Werwölfen, die uralte Magie, die verlorenen Seelen und dieser tödliche Nebel schaffen eine durchgehend bedrohliche Stimmung. Gleichzeitig gibt es emotionale Momente, Wendungen und Enthüllungen, die die Geschichte immer wieder in neue Richtungen lenken.

Und genau das habe ich geliebt: Diese Mischung aus Spannung und Emotion.

Es gibt Momente, die einen mitfiebern lassen, andere, die einen überraschen – und wieder andere, die einen einfach fühlen lassen. Besonders ein Geheimnis, das im Verlauf der Geschichte ans Licht kommt, hat für mich nochmal alles verändert und dem Ganzen eine zusätzliche Tiefe gegeben.

Der Fall, den Sage bearbeitet, wird zwar am Ende abgeschlossen, aber gleichzeitig bleiben genug offene Fragen, um die Neugier auf den nächsten Band sofort wieder zu entfachen. Und ganz ehrlich: Ich will unbedingt wissen, wie es weitergeht.

„All the Hidden Monsters 2: All the Lost Souls“ ist eine mehr als gelungene Fortsetzung, die sich definitiv nicht hinter Band 1 verstecken muss.

Starkes Worldbuilding, großartige Charaktere, eine fesselnde Handlung und genau die richtige Mischung aus Spannung, Emotion und Slow Burn machen dieses Buch zu einem echten Lesehighlight.

Für mich gibt es 4,5 von 5 Sternen ⭐️ – und eine ganz klare Empfehlung für alle, die Urban Fantasy mit Tiefe, Magie und starken Figuren lieben.


„Das Internat: Jeder hat ein Geheimnis. Niemand ist sicher“ von Hannah Richell

 Manchmal sind es genau diese Bücher, bei denen einen schon die Atmosphäre von der ersten Seite an einfängt. Ein abgelegenes Internat, dunkle Wälder, Geheimnisse hinter alten Mauern – „Das Internat: Jeder hat ein Geheimnis. Niemand ist sicher“ von Hannah Richell klang für mich genau nach dieser perfekten Mischung aus Spannung und Gänsehaut.

Und ich muss sagen: Der Einstieg hat mich tatsächlich sofort abgeholt.

Schon das Cover, die düstere Stimmung und vor allem die Karte des Internatsgeländes schaffen eine ganz besondere Atmosphäre. Ich liebe solche Details, weil sie das Gefühl verstärken, wirklich Teil dieser Welt zu sein. Gerade bei einem so weitläufigen Setting wie Thorncombe war die Karte für mich mehr als nur ein nettes Extra – sie hat mir geholfen, mich zu orientieren und noch tiefer in die Geschichte einzutauchen.

Die Ausgangssituation ist vielversprechend: Nach einer Halloween-Nacht wird ein Mädchen tot im Wald gefunden. Weißes Kleid, schwarze Vogelmaske, rätselhafte Worte auf ihrem Körper – ein Bild, das sofort Fragen aufwirft und eine fast schon unheimliche Faszination auslöst. Ist es ein Ritual? Ein Unfall? Oder steckt etwas ganz anderes dahinter?

Im Zentrum der Geschichte stehen mehrere Perspektiven.

Da ist Ellie, eine Schülerin, die sich im Internatsleben alles andere als wohlfühlt. Ihre Mutter Rachel arbeitet als Schulpsychologin an genau dieser Schule, während ihr Vater Ben als Ermittler in den Fall hineingezogen wird – und damit zwangsläufig auch wieder in das Leben seiner Exfrau.

Dieses Geflecht aus familiären Beziehungen, Konflikten und alten Spannungen zieht sich durch das gesamte Buch und nimmt viel Raum ein. Stellenweise fast mehr, als es die eigentliche Kriminalgeschichte tut.

Und genau hier beginnt für mich auch das Problem.

Denn so atmosphärisch der Einstieg ist, so schnell verliert die Geschichte danach an Zug.

Die Handlung tritt über weite Strecken auf der Stelle, verheddert sich in privaten Konflikten und zwischenmenschlichen Dramen, ohne dass die eigentlichen Ermittlungen wirklich vorankommen. Dabei waren gerade diese Ermittlungen durchaus interessant und wirkten auch authentisch – sie wurden nur leider oft zu schnell abgehandelt oder von Nebenschauplätzen überlagert.

Was mir ebenfalls gefehlt hat, war die Tiefe der Figuren.

Viele Charaktere blieben für mich schwer greifbar, ihre Motive wirkten nicht immer nachvollziehbar und ihre Emotionen konnten mich nur selten wirklich erreichen. Dadurch fiel es mir schwer, eine echte Verbindung aufzubauen oder wirklich mitzufiebern.

Dabei hätte gerade das Setting so viel Potenzial geboten.

Die altehrwürdige Schule, die dunklen Wälder, die unterschwellige Bedrohung – all das schreit förmlich nach einer intensiven, dichten Geschichte. Besonders die Legende rund um das Internat hätte eine viel größere Rolle spielen können. Sie war da, sie wurde angerissen – aber letztlich blieb sie eher im Hintergrund. Und genau das empfand ich als verschenkte Chance, gerade weil sie perfekt zur düsteren Halloween-Atmosphäre gepasst hätte.

Auch der Spannungsbogen konnte mich leider nicht durchgehend überzeugen.

Der Anfang macht neugierig, keine Frage. Aber im Mittelteil verliert die Geschichte deutlich an Tempo, und selbst der Plottwist am Ende konnte das für mich nicht mehr komplett ausgleichen. Er war solide, gut inszeniert – aber eben nicht überraschend genug, um wirklich Eindruck zu hinterlassen.

Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mit relativ hohen Erwartungen an das Buch herangegangen bin.

„Das Wochenende“ von Hannah Richell hatte mir damals unglaublich gut gefallen – intensiv, raffiniert, emotional packend. Im Vergleich dazu bleibt „Das Internat“ leider ein Stück zurück.

Es ist kein schlechtes Buch. Wirklich nicht.

Es hat eine tolle Atmosphäre, ein starkes Setting und eine interessante Grundidee. Aber es fehlt an Tiefe, an Spannung, an diesem gewissen Etwas, das eine Geschichte wirklich unvergesslich macht.

Am Ende bleibt für mich ein Thriller, der sich gut lesen lässt, der aber nicht lange nachwirkt. Einer von denen, die man liest – und dann relativ schnell wieder vergisst.

Ein atmosphärischer Thriller mit viel Potenzial, der dieses leider nicht ganz ausschöpft.

Spannend im Ansatz, aber zu wenig intensiv in der Umsetzung.

Für mich sind es 3 von 5 Sternen ⭐️ – ein Buch nach dem Motto: Kann man lesen, muss man aber nicht.


„Die Psyche des Bösen“ von Axel Petermann

Es gibt Bücher, die liest man einfach – und dann gibt es Bücher, die einen noch lange begleiten, weil sie etwas in einem auslösen. „Die Psyche des Bösen“ von Axel Petermann gehört für mich ganz klar zu letzterer Kategorie. Es ist kein Buch, das man einfach zuschlägt und sofort zur nächsten Geschichte übergeht. Es ist eines, das nachhallt. Das Fragen stellt. Und das einen zwingt, genauer hinzusehen.

Axel Petermann ist für mich schon lange kein Unbekannter mehr. Durch frühere Bücher, TV-Formate und auch seine Zusammenarbeit mit Petra Mattfeldt wusste ich bereits, mit welcher Präzision und welchem Blick für Details er arbeitet. Trotzdem hat mich dieses Buch nochmal auf eine ganz andere Weise beeindruckt. Vielleicht, weil es sich nicht nur mit den Taten selbst beschäftigt, sondern viel tiefer geht. Es geht um das Warum. Um die Gedanken hinter den Verbrechen. Um die Psyche der Menschen, die solche Taten begehen.

Im Zentrum stehen drei Fälle, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und genau das macht das Buch so spannend. Da ist das Verschwinden eines jungen Mädchens kurz vor der Wende, ein Fall voller Unsicherheiten, Spuren, die ins Leere laufen, und Fragen, die auch Jahrzehnte später nicht vollständig beantwortet sind. Dann ein Mordfall, der eigentlich längst aufgeklärt wurde, bei dem aber Zweifel bleiben. Und schließlich die Geschichte eines Jungen, der schon früh Gewalt zeigt und später tatsächlich zum Mörder wird. Drei Fälle, drei Perspektiven – und doch verbindet sie alle die Frage, was in einem Menschen vorgehen muss, damit er eine solche Tat begeht.

Was dieses Buch für mich so besonders gemacht hat, ist die Art, wie Petermann an diese Fälle herangeht. Er erzählt nicht einfach nach, was passiert ist. Er arbeitet. Er analysiert. Er hinterfragt. Und man merkt auf jeder Seite, dass hier jemand schreibt, der nicht nur theoretisches Wissen hat, sondern jahrzehntelange Erfahrung. Seine Herangehensweise ist ruhig, sachlich und respektvoll – und genau das macht die Wirkung so intensiv. Es geht nicht um Sensation oder Schockmomente, sondern um Verständnis. Um das genaue Hinsehen.

Besonders eindrücklich fand ich, wie viel Mühe er sich auch noch Jahre später mit den Fällen gibt. Er spricht mit Zeitzeugen, recherchiert in Archiven, lässt sich alte Akten zuschicken, besucht Tatorte und rekonstruiert Abläufe. Dabei erklärt er immer wieder, warum er bestimmte Schlüsse zieht, welche Gedanken ihn leiten und wo auch er an Grenzen stößt. Gerade das hat mir unglaublich gut gefallen, weil es die Ermittlungsarbeit so greifbar macht. Man fühlt sich beim Lesen nicht wie ein außenstehender Beobachter, sondern eher wie jemand, der selbst Teil dieses Prozesses ist.

Ein Beispiel, das mir besonders im Kopf geblieben ist, ist der Fall eines verschwundenen Mädchens, bei dem sogar eine mögliche Verbindung zur Stasi im Raum stand. Eine Theorie, die zunächst gar nicht so abwegig wirkt – zumindest, wenn man den historischen Kontext betrachtet. Doch durch gezielte Nachfragen und sorgfältige Recherche konnte Petermann diese Spur entkräften. Und genau solche Momente zeigen, wie wichtig es ist, Dinge nicht vorschnell als gegeben hinzunehmen. Wie wichtig es ist, immer weiterzufragen.

Auch der Fall eines bereits verurteilten Täters hat mich sehr beschäftigt. Gerade hier wird deutlich, wie schwierig es ist, objektiv zu bleiben – vor allem, wenn Emotionen im Spiel sind. Petermann gelingt genau das. Er betrachtet den Fall aus verschiedenen Blickwinkeln, ohne vorschnell zu urteilen. Und zeigt dabei auch, welche Rolle Fehler innerhalb von Ermittlungen oder Gutachten spielen können. Das war stellenweise wirklich erschreckend zu lesen.

Am meisten unter die Haut gegangen ist mir jedoch die Geschichte rund um Roger B.

Ein Junge, der schon früh auffällig wird. Der Gewalt zeigt, die man in diesem Alter kaum greifen kann. Und bei dem sich die Frage stellt: Hätte man etwas verhindern können? Hätte man früher eingreifen müssen? Petermann begegnet ihm später erneut – im Gefängnis. Allein diese Tatsache verleiht dem Buch eine zusätzliche Intensität. Es zeigt, dass hinter jeder Tat ein Mensch steht. Und dass es oft keine einfachen Antworten gibt.

Was dieses Buch für mich so eindringlich macht, ist nicht nur der Inhalt, sondern auch das, was es beim Lesen auslöst. Man beginnt automatisch, Dinge zu hinterfragen. Eigene Denkmuster. Eigene Vorurteile. Wie schnell man selbst urteilt, ohne alle Fakten zu kennen. Wie sehr man sich von Emotionen leiten lässt. Und wie schwierig es eigentlich ist, wirklich neutral zu bleiben.

Natürlich ist es schade, dass viele Namen aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geändert wurden. Dadurch wird es schwer, selbst weiter zu recherchieren. Aber gleichzeitig ist es absolut nachvollziehbar – und letztlich auch wichtig.

Am Ende bleibt für mich ein Buch, das weit mehr ist als „nur“ True Crime. Es ist eine intensive Auseinandersetzung mit der menschlichen Psyche. Mit Schuld, mit Motiven, mit Entscheidungen. Und mit der Erkenntnis, dass es selten einfache Antworten gibt.

„Die Psyche des Bösen“ ist kein Buch für nebenbei. Es ist eines, auf das man sich einlassen muss. Aber wenn man das tut, bekommt man eine unglaublich tiefgehende, durchdachte und beeindruckende Analyse, die noch lange nachwirkt.

Für mich ganz klar: 5 von 5 Sternen ⭐️

Und eine große Empfehlung für alle, die True Crime nicht nur konsumieren, sondern wirklich verstehen wollen.


Zwischen Geheimnissen, Moral und verbotener Liebe – „Society of Death. Von Rache verführt“

Manchmal entdeckt man Bücher, die sofort eine ganz bestimmte Atmosphäre versprechen. Düster, geheimnisvoll, ein Hauch von Geschichte und dazu eine gefährliche Studentenverbindung – genau diese Mischung hat mich bei „Society of Death. Von Rache verführt“ von Regina Meissner sofort neugierig gemacht. Ein Setting an der Yale University im Jahr 1875, eine geheimnisvolle Bruderschaft und zwei Figuren, die zwischen Loyalität, Wahrheit und Gefühlen zerrieben werden – das klang nach einer Geschichte voller Spannung und moralischer Konflikte.

Im Mittelpunkt steht Emery, ein junger Medizinstudent, der während der sogenannten Tap Night gefragt wird, ob er Teil der geheimen Studentenverbindung Skull & Bones werden möchte. Von diesem Moment an verändert sich sein Leben schlagartig. Als neues Mitglied erhält er den Namen Raven und wird in eine Welt eingeführt, die ebenso faszinierend wie gefährlich ist. Die Verbindung verspricht Einfluss, Macht und eine glanzvolle Zukunft – verlangt dafür aber absolute Loyalität.

Schon seine erste Aufgabe stellt Emery vor ein moralisches Dilemma: Er soll an einem Mord beteiligt sein, der wie ein Suizid aussehen muss.

Das Opfer ist Nathaniel, ein Stadtrat – und der Bruder von Victoria.

Victoria wiederum ist alles andere als eine gewöhnliche junge Frau ihrer Zeit. Sie weigert sich, die engen gesellschaftlichen Grenzen einfach hinzunehmen. Sie besucht Vorlesungen, obwohl Frauen offiziell nicht studieren dürfen, und schreibt unter einem Pseudonym Artikel über Depressionen, damals noch als Melancholie bezeichnet. Sie will verstehen, aufklären und Veränderungen anstoßen – ein für die damalige Zeit erstaunlich mutiger Weg.

Als ihr Bruder plötzlich stirbt und alles als Selbstmord dargestellt wird, spürt Victoria sofort, dass etwas nicht stimmt. Sie beginnt nachzuforschen – und ihre Suche nach der Wahrheit führt sie immer tiefer in ein Netz aus Geheimnissen, Machtstrukturen und dunklen Entscheidungen.

Der Roman wird aus zwei Perspektiven in der Ich-Form erzählt, abwechselnd aus Emerys und Victorias Sicht. Das hat mir besonders gut gefallen, weil man so beide Figuren sehr intensiv erlebt und ihre inneren Konflikte direkt nachvollziehen kann. Während Victoria immer entschlossener nach der Wahrheit sucht, kämpft Emery zunehmend mit dem, was er für die Bruderschaft tun muss.

Der Einstieg in die Geschichte fällt sehr leicht. Die Figuren werden schnell eingeführt, ihre Beziehungen zueinander werden deutlich und auch die Verbindung zwischen Victoria und Emery entsteht recht früh. Anfangs entwickelt sich ihre Beziehung relativ schnell, doch ein kleiner Zeitsprung sorgt dafür, dass sie sich trotzdem glaubwürdig anfühlt und der eigentlichen Handlung genug Raum bleibt.

Victoria hat mir als Figur besonders gefallen. Sie ist klug, neugierig und unglaublich mutig. In einer Zeit, in der Frauen kaum Möglichkeiten hatten, versucht sie trotzdem, sich Wissen anzueignen und gesellschaftliche Themen anzusprechen. Gerade ihr Engagement für das Thema Depression fand ich sehr eindrucksvoll umgesetzt.

Emery dagegen ist ein Charakter, bei dem sich meine Meinung während des Lesens mehrfach verändert hat. Am Anfang mochte ich ihn sofort – er wirkt sympathisch, ehrlich und engagiert. Doch je tiefer er in die Strukturen von Skull & Bones hineingezogen wird, desto mehr verändert er sich. Seine Loyalität zur Bruderschaft bringt ihn immer wieder in Konflikt mit seinen eigenen moralischen Vorstellungen. Gerade diese Entwicklung macht ihn zu einer sehr interessanten Figur.

Die Atmosphäre des Buches ist durchgehend düster und spannungsgeladen. Die geheimen Rituale der Studentenverbindung, die Prüfungen für neue Mitglieder und die Machtspiele innerhalb der Bruderschaft erzeugen eine beklemmende Stimmung. Gleichzeitig wird deutlich, wie groß der Einfluss solcher Verbindungen sein kann – und welche Opfer von ihren Mitgliedern erwartet werden.

Besonders gelungen fand ich auch, wie die Autorin ernste Themen wie Depression, Schuld und moralische Verantwortung in die Geschichte integriert hat. Diese Aspekte verleihen dem Roman eine zusätzliche Tiefe und machen ihn mehr als nur eine spannende Unterhaltung.

Natürlich spielt auch die Liebesgeschichte zwischen Victoria und Emery eine wichtige Rolle. Die beiden haben von Anfang an eine besondere Verbindung, doch ihre Beziehung wird immer wieder auf die Probe gestellt. Victorias Suche nach der Wahrheit bringt sie direkt auf die Spur der Bruderschaft – und damit auch auf eine gefährliche Spur, die Emery um jeden Preis geheim halten muss.

Das sorgt für viele emotionale Momente, Zweifel und Konflikte, die die Geschichte zusätzlich intensiv machen.

Das Ende bringt schließlich einige überraschende Wendungen und eine Auflösung, die ich so nicht erwartet hatte. Allerdings muss ich zugeben, dass mir der Abschluss insgesamt ein wenig zu einfach erschien. Die Verbindung wurde zuvor als äußerst brutal und mächtig dargestellt – dafür wirkte die endgültige Lösung etwas zu schnell und zu glatt.

Trotzdem hat mich das Buch insgesamt sehr gut unterhalten. Die Mischung aus historischem Setting, düsterer Atmosphäre, moralischen Konflikten und einer intensiven Liebesgeschichte funktioniert hervorragend.

„Society of Death. Von Rache verführt“ ist eine spannende Geschichte über Macht, Loyalität und die Frage, wie weit man für seine Überzeugungen gehen würde.

Für mich bekommt das Buch 4 von 5 Sternen – und eine klare Empfehlung für alle, die düstere historische Geschichten mit Geheimnissen, starken Figuren und einer Prise verbotener Liebe mögen.