Wenn Götter fallen und Monster aufstehen – meine Gedanken zu „The Dawn of the Cursed Queen“

Es gibt diese Reihen, die einen von der ersten Seite an begleiten und einfach nicht mehr loslassen. Geschichten, in denen man sich verliert, Figuren, mit denen man mitfiebert, und eine Welt, die sich immer weiter entfaltet. Genau so eine Reihe ist für mich „Götter und Monster“ von Amber V. Nicole. Schon die ersten beiden Bände haben mich vollkommen gepackt – und jetzt bin ich tatsächlich schon bei Band drei, „The Dawn of the Cursed Queen“, angekommen. Und damit wieder mitten in einer Geschichte, die größer, dunkler und emotionaler wird.

Nach den dramatischen Ereignissen zuvor steht diesmal besonders Dianna im Mittelpunkt. Sie hat etwas geopfert, um Samkiel zu retten – ein Opfer, das sie vor ihm geheim hält. Während Samkiel versucht, sich von allem zu erholen, was passiert ist, wird schnell klar, dass er nicht mehr derselbe ist. Seine Macht hat ihn verlassen, seine Verbündeten sind zerbrochen, und der Verrat, den er erleben musste, hat tiefe Spuren hinterlassen. Während er noch versucht zu heilen, zieht sich der Schatten eines neuen Konflikts immer enger zusammen.

Denn währenddessen verfolgt Nismera, die grausame Göttin des Krieges, ihre eigenen Pläne. Ihr Ziel ist klar: der Thron. Und sie ist bereit, alles zu zerstören, was sich ihr in den Weg stellt. Die große Frage, die über allem schwebt, lautet also: Können Dianna und Samkiel sie aufhalten – oder werden sie selbst zu Opfern dieser Macht?

Was mich beim Einstieg dieses Bandes zunächst überrascht hat, war die Atmosphäre. Die Geschichte fühlt sich am Anfang anders an als zuvor. Ruhiger. Fast ungewohnt still. Wer hier sofort Blut, Rache und Chaos erwartet, wird vielleicht kurz stutzen. Stattdessen nimmt sich Amber V. Nicole Zeit für ihre Figuren, für ihre inneren Kämpfe und für die vielen Fäden, die sich inzwischen durch diese Welt ziehen.

Hinzu kommt, dass es inzwischen noch mehr Perspektiven gibt. Grundsätzlich liebe ich das – mehrere Blickwinkel machen Geschichten oft vielschichtiger und lebendiger. Gleichzeitig braucht es aber einen Moment, um wieder vollständig in alle Handlungsstränge hineinzufinden. Gerade am Anfang hatte ich das Gefühl, mich erst einmal neu orientieren zu müssen.

Rückblickend muss ich aber sagen: Dieser langsame Aufbau ist absolut notwendig. Denn all diese scheinbar ruhigen Momente legen die Grundlage für das, was später passiert.

Besonders spannend fand ich, dass wir diesmal auch tiefer in die Gedanken der sogenannten „Villains“ eintauchen. Figuren, die man bisher vielleicht einfach als böse eingeordnet hat, bekommen plötzlich mehr Tiefe. Motive werden greifbarer, Entscheidungen verständlicher. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen immer stärker – und plötzlich befindet man sich mitten in einer Welt voller moralischer Grauzonen.

Fast alle Figuren bewegen sich irgendwo zwischen Licht und Dunkelheit. Loyalität, Verrat, Liebe und Macht greifen ineinander und machen es unmöglich, jemanden eindeutig einzuordnen. Bis auf Samkiel natürlich. Er bleibt für mich der moralische Anker der Geschichte – auch wenn er selbst längst nicht mehr unverwundbar ist.

Und dann, ungefähr nach den ersten zweihundert Seiten, nimmt die Geschichte plötzlich Fahrt auf.

Ab diesem Punkt fühlt sich alles wieder vertraut an. Die Welt wird dunkler, brutaler, intensiver. Zerstörung, Wut, Rache, Blut und Magie kehren zurück – aber gleichzeitig auch die anderen Seiten dieser Geschichte: Liebe, Familie, Hoffnung, Loyalität und Stärke.

Die Handlung verdichtet sich, Geheimnisse kommen ans Licht, neue Fragen tauchen auf. Durch die vielen Perspektiven und die relativ kurzen Kapitel entsteht ein Gefühl von permanenter Bewegung. Man hat fast den Eindruck, ständig über die Schulter schauen zu müssen, weil überall gleichzeitig etwas passiert.

Und dann kommt das Ende.

Oder besser gesagt: dieser Moment, in dem man denkt, jetzt ist wirklich alles vorbei.

Mehr als einmal hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass die Geschichte an einen Punkt gekommen ist, an dem nichts mehr zu retten scheint. Die Ereignisse überschlagen sich, Entscheidungen werden getroffen, und plötzlich steht alles auf dem Spiel.

Als ich schließlich die letzte Seite umgeschlagen habe, saß ich erst einmal da – und wusste nicht so recht, wohin mit mir. Dieses typische „Buchloch“-Gefühl hat mich sofort erwischt. Obwohl der dritte Band für mich ganz knapp kein absolutes Highlight war, bin ich immer noch völlig überzeugt von dieser Welt, diesen Figuren und der Geschichte, die Amber V. Nicole hier erzählt.

Die Charaktere sind komplex, emotional und voller Widersprüche. Die Welt ist düster, gefährlich und faszinierend zugleich. Und genau deshalb will ich unbedingt wissen, wie alles endet.

Eines ist jedenfalls sicher:

Ich kann es kaum erwarten, das große Finale dieser Reihe endlich in die Hände zu bekommen.

Für mich bekommt „The Dawn of the Cursed Queen“ starke 4,5 von 5 Sternen – und eine ganz klare Leseempfehlung für alle, die düstere Fantasy mit moralisch grauen Figuren, intensiven Emotionen und einer epischen Geschichte lieben.


Beklemmend, düster und erschreckend nah an der Realität – Die Farm der Mädchen

Auf diesen Thriller habe ich mich wirklich gefreut. Hans Rosenfeldt steht für Spannung mit psychologischer Tiefe, für Figuren, die nicht glattgebügelt sind, sondern Ecken, Kanten und Narben tragen. Und genau das habe ich mir auch hier erhofft.

Schon die ersten Seiten ziehen einen hinein in eine Szene, die kaum beklemmender sein könnte: Mitten in der Nacht fliehen zwei hochschwangere Frauen durch die schwedischen Wälder. Panisch. Gehetzt. Ihre Verfolger sind ihnen dicht auf den Fersen. Diese Bilder setzen sich sofort fest – Dunkelheit, Kälte, Atem, der in der Nachtluft gefriert. Man spürt förmlich die Angst.

Kurz darauf wird Polizistin Hannah Wester mit einem Fall konfrontiert, der ihr alles abverlangen wird: Tief im Unterholz wird ein totes Baby gefunden. Von der Mutter fehlt jede Spur.

Hannah ist gerade erst zurück im Dienst. Ein Jahr zuvor hat sie ihren Mann verloren. Und als wäre das nicht genug, trägt sie selbst eine offene Wunde mit sich herum: Ihre eigene Tochter wurde vor Jahren entführt. Sie weiß bis heute nicht, was mit ihr geschehen ist. Dieser Schmerz ist nie verschwunden – er ist nur leiser geworden. Und genau deshalb trifft sie dieser Fall mit voller Wucht.

Als wenig später eine tote Frau gefunden wird, die vermutlich die Mutter des Babys ist, beginnen die Ermittlungen, sich zu verdichten. Und was zunächst wie ein tragischer Einzelfall wirkt, entwickelt sich nach und nach zu einem Netz aus Korruption, Babyhandel und Menschenhandel.

Ich muss sagen: Dieses Thema hat mich tief getroffen. Gerade als Mutter. Der Gedanke, ein Kind zu verlieren – oder nie zu wissen, was mit ihm passiert ist – ist kaum auszuhalten. Rosenfeldt schildert diese Abgründe nüchtern, beinahe sachlich, und genau das macht sie so erschreckend.

Hannah ist keine Superheldin. Sie ist müde. Verletzlich. Manchmal überfordert. Und trotzdem kämpft sie. Besonders ihre private Situation hat mich bewegt: Ein Vater, der an Demenz leidet und seine Erkrankung nicht wahrhaben will. Der sie plötzlich infrage stellt. Der behauptet, sie sei nicht seine Tochter. Diese Szenen waren leise – aber emotional unglaublich intensiv.

Zum Glück steht ihr Gordon zur Seite. Ihr Vorgesetzter, ihr Vertrauter, eine konstante Stütze in all dem Chaos. Ihre Verbindung ist geprägt von Respekt, Vertrauen und einer Nähe, die nicht kitschig wirkt, sondern gewachsen.

Atmosphärisch ist das Buch stark. Die Kälte Schwedens, die düsteren Wälder, das Gefühl von Isolation – all das trägt zur beklemmenden Stimmung bei. Man merkt, dass hier nichts zufällig konstruiert wurde.

Und dennoch: Ganz ohne Kritik komme ich nicht aus. Stellenweise zog sich die Handlung. Manche Ermittlungsstränge wirkten ausgedehnt, einige Namen und Perspektivwechsel haben mich kurzzeitig aus dem Lesefluss gebracht. Es ist kein Thriller, den man „mal eben“ nebenbei liest. Man braucht Konzentration – und Geduld.

Aber wer bereit ist, sich darauf einzulassen, bekommt einen vielschichtigen, psychologisch dichten Thriller mit einem Thema, das noch lange nachhallt.

„Die Farm der Mädchen“ ist kein reines Spannungsfeuerwerk. Es ist eine Geschichte über Verlust, Abgründe und die dunklen Seiten menschlicher Gier. Beklemmend. Intensiv. Und erschreckend realitätsnah.

Von mir gibt es 4/5 ⭐️

Eine klare Leseempfehlung – besonders für alle, die Thriller mit Tiefgang und emotionaler Wucht schätzen.


„A Sky Beyond the Storm“ von Sabaa Tahir

Abschied von einer Welt, die sich wie Zuhause angefühlt hat

Ich liebe diese Autorin. Und ich liebe diese Reihe. Nicht nur, weil die Bücher optisch jedes Regal verschönern – mit Farbschnitt, epischem Cover und dieser ganz eigenen Ausstrahlung. Sondern weil sie mich über Jahre begleitet haben. Weil sie mich mitgerissen, zerstört, wieder aufgebaut und emotional komplett auseinandergenommen haben.

Und jetzt? Jetzt heißt es Abschied nehmen.

Mit „A Sky Beyond the Storm“ von Sabaa Tahir endet die An Ember in the Ashes-Reihe. Ein Finale, auf das ich sehnsüchtig gewartet habe – und vor dem ich gleichzeitig Angst hatte. Denn wenn eine Geschichte so viel bedeutet, dann weiß man: Das wird wehtun.

Das Imperium ist gefallen. Doch Frieden bedeutet das noch lange nicht. Keris Veturia sitzt nun auf dem Thron – grausam, skrupellos, machtgierig. Mit dem Nachtbringer an ihrer Seite entfesselt sie eine Dunkelheit, die alles zu verschlingen droht. Laia, Helena und ihre Verbündeten stehen vor der letzten, alles entscheidenden Schlacht. Und Elias? Er ist an seinen Eid gebunden – als Seelenfänger, zerrissen zwischen Pflicht und Liebe.

Was ich an diesem Finale so bewundere: Es ist kompromisslos.

Sabaa Tahir schenkt uns kein bequemes Ende. Kein glattgebügeltes „Und dann wurde alles gut“. Sie zwingt ihre Figuren – und uns Leser:innen – durch Schmerz, Verlust und Opfer. Und ja, ich habe geweint. Mehr als einmal. Manche Verluste haben mich wirklich getroffen. Es sind Figuren gegangen, die ich über vier Bände hinweg ins Herz geschlossen habe. Und genau das zeigt, wie sehr diese Geschichte gewachsen ist.

Diese Reihe war nie nur Fantasy.

Sie war immer mehr.

Sie handelt von Unterdrückung und Widerstand. Von Freundschaft, die stärker ist als Angst. Von Loyalität. Von moralischen Grauzonen. Von Menschen, die Fehler machen und trotzdem kämpfen. Von starken Frauen, die nicht perfekt sind – aber mutig. Und von Liebe, die leise wächst, sich verändert, leidet und dennoch Bestand hat.

Gerade Helena und Laia haben für mich eine Entwicklung durchgemacht, die ich selten so intensiv erlebt habe. Zwei Frauen, so unterschiedlich, so geprägt von Schmerz – und doch bereit, alles für ihre Überzeugungen zu geben. Keine von beiden ist makellos. Und genau das macht sie so stark.

Und dann Elias. Seine innere Zerrissenheit, sein Opfer, sein Ringen mit sich selbst – das ging mir besonders nah. Dieses Finale fordert ihn – und uns – emotional bis zum Äußersten.

Was Sabaa Tahir meisterhaft beherrscht, ist diese Mischung aus epischen Schlachten und ganz stillen Momenten. Zwischen all dem Krieg gibt es Szenen voller Zärtlichkeit. Kleine Gesten. Blicke. Abschiede. Diese Kontraste machen das Buch so kraftvoll. So schmerzhaft schön.

„A Sky Beyond the Storm“ ist herzzerreißend. Mächtig. Und auf eine fast quälende Art wunderschön.

Ich lese inzwischen nicht mehr oft YA-Fantasy. Aber diese Reihe war für mich immer mehr als ein Genre. Sie war ein Wegbegleiter. Eine Reise. Eine Welt, in die ich immer wieder zurückkehren wollte.

Jetzt ist sie zu Ende.

Und ich sitze hier mit diesem bittersüßen Gefühl im Herzen. Dankbar für diese Geschichte. Traurig über den Abschied. Und ein kleines bisschen leer.

Wenn ihr epische Fantasy liebt, mit starken Charakteren, Found Family, Freundschaft, dunklen Themen, moralischen Konflikten und einer Prise Romance – dann ist diese Reihe ein absolutes Muss.

Und deshalb gibt es für dieses Buch – und für die gesamte Reihe – ohne jedes Zögern:

5/5 ⭐️ Ein Highlight. Eine Herzensreihe.

Und eine Geschichte, die ich niemals vergessen werde. Und manche Geschichten enden nicht wirklich. Sie bleiben einfach ein Teil von uns.


„Oxen. Interregnum“

Warum habe ich von dieser Reihe nicht früher gehört? Und wieso steige ich bitte erst bei Band 7 ein?

Manchmal frage ich mich wirklich, wo ich literarisch unterwegs war, während andere längst mitten in einer Reihe steckten, die inzwischen Kultstatus hat. Die Niels-Oxen-Reihe von Jens Henrik Jensen ist so ein Fall. Sieben Bände. Sieben! Und ich stolpere erst jetzt darüber. Spätzünderin? Offenbar.

Mit „Oxen. Interregnum“ bin ich also direkt im siebten Band gelandet. Ja, man kann ihn unabhängig lesen – aber man merkt natürlich, dass hier eine Geschichte mitschwingt, die über Jahre gewachsen ist. Beziehungen, alte Wunden, vergangene Kämpfe – all das schwingt zwischen den Zeilen mit. Und genau das macht es gleichzeitig reizvoll und herausfordernd.

Im Zentrum stehen erneut Niels Oxen und Margrethe Franck. Zwei Figuren, die man sofort als gezeichnet erkennt – nicht im Sinne von schwach, sondern im Sinne von geprägt. Oxen trägt Narben, sichtbar und unsichtbar. Franck ist klug, strategisch, entschlossen. Und gemeinsam geraten sie wieder in den Sog einer alten Verschwörung: Der Geheimbund Danehof, den sie einst zerschlagen glaubten, scheint zurück zu sein. Oder war er nie ganz verschwunden?

Axel Mossman, wieder im Amt als Geheimdienstchef, bittet die beiden erneut um Hilfe. Und plötzlich geht es nicht mehr nur um alte Rechnungen, sondern um ein internationales Geflecht aus Macht, Manipulation und Spionage. Als ein mutmaßlicher Anführer tot in einem schwedischen See auftaucht und gleichzeitig der mysteriöse Tod eines chinesischen IT-Studenten Fragen aufwirft, wird klar: Hier läuft etwas Größeres im Hintergrund. Und jede falsche Bewegung könnte eine Kettenreaktion auslösen.

Was mich besonders fasziniert hat, war der starke Realitätsbezug. Die Thematik rund um internationale Spionage, digitale Überwachung und der mögliche Druck auf chinesische Studierende, Informationen weiterzugeben – das ist kein überzogenes Thriller-Szenario, sondern erschreckend nah an unserer Gegenwart. Genau das macht das Buch so intensiv. Es geht nicht um fiktive Super-Schurken, sondern um Systeme, Strukturen und Machtmechanismen, die durchaus plausibel wirken.

Und trotzdem – ich muss ehrlich sein: Der Einstieg war für mich zäh. Sehr zäh. Die Handlung nimmt sich viel Zeit. Vielleicht bewusst. Vielleicht, um die Mühsal von Ermittlungsarbeit realistisch darzustellen. Aber ich habe gemerkt, dass ich Geduld brauchte. Viel Geduld. Es dauert lange, bis sich die Fäden sichtbar verbinden und das Tempo anzieht.

Doch dann kam dieses Ende.

Fulminant. Verdichtet. Spannend. Alles, was vorher langsam aufgebaut wurde, entlädt sich in einem Finale, das keine Fragen offenlässt und emotional nachhallt. Und plötzlich ergibt die Länge Sinn. Plötzlich merkt man, wie sorgfältig alles vorbereitet wurde.

„Interregnum“ ist kein schneller Pageturner für zwischendurch. Es ist ein komplexer, politischer Spionage-Thriller mit Tiefgang. Einer, der Aufmerksamkeit verlangt. Und einen langen Atem. Aber wer bereit ist, sich darauf einzulassen, wird belohnt.

Für mich ein intensiver Einstieg in eine Reihe, die ich definitiv weiterverfolgen möchte – auch wenn ich jetzt wohl ganz von vorne anfangen muss.

4,5 von 5 Sternen. Und die leise Erkenntnis: Manchmal lohnt es sich, auch spät noch einzusteigen.


„The Final Act“

Wenn das Rampenlicht dunkler ist als jeder Schatten

Hollywood. Allein dieses Wort löst Bilder aus. Roter Teppich. Blitzlichtgewitter. Perfekte Lächeln. Große Träume. Und irgendwo dazwischen Menschen, die an genau diesen Träumen zerbrechen.

Genau in diese Welt entführt uns Lisa Gray mit „The Final Act“ – und ich war vom ersten Moment an mittendrin.

Es sind zwanzig Jahre vergangen, seit Madison James zuletzt im Rampenlicht stand. Eine Schauspielerin, die einst kurz davor war, ganz groß zu werden – und dann plötzlich verschwand. Nicht von der Bildfläche, aber aus dem kollektiven Gedächtnis Hollywoods. Bis zu dem Tag, an dem ihre Handtasche in einem Park in Los Angeles auftaucht. Gefunden von einer TikTokerin. Gepostet. Geteilt. Kommentiert. Und innerhalb kürzester Zeit wird aus einem Fundstück eine nationale Sensation.

Plötzlich spricht ganz Amerika über Madison James. Über ihr Verschwinden. Über ihr Leben. Über Gerüchte.

Und genau hier setzt der Thriller an.

Die Detectives Sarah Delaney und Rob Moreno von der Missing Persons Unit übernehmen den Fall. Zwei Ermittler, die mir sofort sympathisch waren, weil sie nicht geschniegelt und geschniegelt wirken, sondern geerdet, klug und mit einem feinen Gespür für Zwischentöne. Besonders Sarah Delaney bringt eine ruhige, analytische Art mit, die perfekt in diese Geschichte passt.

Was mich sofort abgeholt hat, war das Setting. Dieses Hollywood jenseits des Glamours. Castings, die Karrieren zerstören. Produzenten mit Macht. Eitelkeiten. Abhängigkeiten. Der Druck, jung, schön und relevant zu bleiben. Lisa Gray zeigt sehr deutlich, dass hinter der glänzenden Fassade oft Risse verlaufen. Und genau diese Risse sind es, die hier spannend werden.

Der Einstieg fiel mir unglaublich leicht. Der Schreibstil ist klar, flüssig und besitzt genau diese Sogwirkung, die ich an Thrillern liebe. Man gleitet durch die Kapitel, ohne es zu merken – und jedes endet so, dass man sich sagt: „Nur noch eins.“ Und dann noch eins. Und noch eins.

Die Geschichte nimmt sich Zeit. Sie ist kein Action-Feuerwerk, sondern entfaltet ihre Spannung langsam, fast schleichend. Und das mochte ich sehr. Denn dieses Tempo passt zu einem Vermisstenfall. Zu einem Puzzle, das Stück für Stück zusammengesetzt wird. Zu einer Wahrheit, die sich nicht aufdrängt, sondern freigelegt werden muss.

Besonders gelungen fand ich, wie Vergangenheit und Gegenwart ineinandergreifen. Mit jeder Enthüllung wird klarer, dass Madison James mehr war als nur eine „ehemalige Schauspielerin“. Und dass ihr Verschwinden weit über ein mediales Spektakel hinausgeht. Ruhm, Macht, Manipulation – all das spielt hier eine Rolle.

Ich hatte zwar bei einigen Entwicklungen eine Ahnung, wohin die Reise gehen könnte. Aber selbst als sich meine Vermutungen bestätigten, blieb die emotionale Wucht bestehen. Vielleicht gerade deshalb. Weil man zusieht, wie sich die Schlinge immer enger zieht.

Und trotzdem – bei aller Spannung, bei aller Atmosphäre – hat mir am Ende dieses kleine, schwer greifbare Etwas gefehlt. Dieser letzte Schlag in die Magengrube. Dieser Moment, der alles noch einmal komplett dreht oder emotional zerreißt. Das Finale ist stimmig, logisch, gut aufgebaut – aber nicht ganz so überwältigend, wie ich es mir gewünscht hätte.

Unterm Strich ist „The Final Act“ ein dichter, atmosphärischer Thriller, der die Schattenseiten Hollywoods klug beleuchtet. Eine Geschichte über Ruhm und Vergessenwerden. Über Macht und Abhängigkeit. Über die Frage, wie gut wir Menschen wirklich kennen – besonders jene, die wir nur aus der Ferne bewundern.

Spannend, atmosphärisch und absolut lesenswert.

⭐️⭐️⭐️⭐️ 4/5 Sterne


Man liest immer das, was man gerade braucht – stimmt das wirklich?

 „Man liest immer das, was man gerade braucht.“

Dieser Satz ist mir schon so oft begegnet, dass ich ihn irgendwann kaum noch bewusst wahrgenommen habe. Er taucht auf Instagram auf, in Buchblogs, in Rezensionen, in Gesprächen mit anderen Leserinnen. Fast wie ein stilles Mantra unserer kleinen Buchbubble. Und lange habe ich darüber hinweggenickt, ohne groß darüber nachzudenken.

Ja ja, klingt schön. Klingt klug. Klingt ein bisschen poetisch.

Aber stimmt das wirklich?

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr merke ich: Ich glaube, da ist tatsächlich etwas dran. Und zwar mehr, als man auf den ersten Blick vermutet.

Wenn ich meine eigenen Lesephasen betrachte, erkenne ich oft erst im Nachhinein ein Muster. Zeiten, in denen ich nur leichte Romance verschlungen habe. Zeiten, in denen es plötzlich nur Thriller sein durften. Phasen voller Fantasy, Magie, Drachen und fremder Welten. Und dann wieder Monate, in denen ich kaum ein Buch beenden konnte.

Und fast immer hatte das etwas mit mir zu tun. Mit meinem Alltag. Meiner Stimmung. Meiner inneren Verfassung.

Gerade im Fantasy-Bereich fällt mir das extrem auf.

Wenn mein Kopf voll ist, wenn alles zu laut wird, wenn das echte Leben mir gerade zu viel abverlangt – dann greife ich fast automatisch zu Fantasy. Zu Geschichten, in denen andere Regeln gelten. In denen Magie existiert. In denen Probleme mit Schwertern, Zaubern oder Mut gelöst werden. In denen Gut und Böse oft klarer getrennt sind als im echten Leben.

Fantasy ist für mich dann keine Unterhaltung. Es ist Flucht. Rettungsboot. Atemholen.

Ich tauche ab in fremde Welten, weil meine eigene mir gerade zu eng ist.

Und plötzlich merke ich: Ich brauche gerade genau das.

An anderen Tagen wiederum habe ich Lust auf Thriller. Auf Spannung. Auf Rätsel. Auf dieses Miträtseln und Mitfiebern. Dann will mein Kopf beschäftigt werden. Ablenkung durch Adrenalin. Durch „Was passiert als Nächstes?“.

Manchmal greife ich zu emotionalen Liebesgeschichten. Meist dann, wenn ich selbst Nähe, Wärme oder Trost brauche. Wenn mein Herz ein bisschen angeschlagen ist. Oder einfach müde.

Und manchmal… lese ich fast gar nichts.

Auch das gehört dazu.

Dann sagt mein Inneres vielleicht: Ich brauche gerade Pause. Ruhe. Kein Input. Keine Geschichten. Nur Sein.

Früher habe ich mich dafür oft verurteilt. Habe gedacht: Warum liest du gerade so wenig? Was stimmt nicht mit dir?

Heute sehe ich das anders.

Vielleicht lese ich dann einfach gerade das, was ich brauche: nichts.

Was ich an diesem Spruch so schön finde, ist, dass er Lesen von Leistung befreit. Von Zahlen. Von Challenges. Von „Ich muss noch fünf Bücher diesen Monat schaffen“.

Er erinnert mich daran, dass Lesen etwas sehr Intimes ist. Etwas Persönliches. Etwas, das mit unserer Stimmung, unseren Sorgen, unseren Hoffnungen und unseren Bedürfnissen verknüpft ist.

Wir wählen unsere Bücher nicht zufällig. Sie wählen uns oft genauso.

Vielleicht greifen wir genau deshalb zu bestimmten Geschichten, ohne es bewusst zu planen. Weil irgendetwas in uns sagt: Das hier tut mir gerade gut. Oder: Das hier lenkt mich ab. Oder: Das hier hilft mir, Dinge zu fühlen, die ich sonst wegdrücke.

Und manchmal merken wir erst nach dem Lesen, warum genau dieses Buch jetzt richtig war.

Ich glaube, man liest nicht immer nur aus Lust.

Man liest aus Sehnsucht.

Aus Müdigkeit.

Aus Überforderung.

Aus Hoffnung.

Aus Neugier.

Aus dem Wunsch, für ein paar Stunden jemand anders zu sein.

Und vielleicht ist genau das der Zauber daran.

Wie ist das bei euch?

Habt ihr auch das Gefühl, dass eure Bücher oft zu eurer Lebensphase passen?

Greift ihr in stressigen Zeiten eher zu Fantasy?

In ruhigen Phasen zu anderen Genres?

Oder lest ihr einfach, worauf ihr Lust habt – ganz ohne Analyse?

Ich bin gespannt auf eure Gedanken. 📚💙


‚Bluttochter – Die Schwarzen Juwelen‘

Puh. Ich sag’s euch, ich musste nach diesem Buch erst mal durchatmen.

Mehr Dark Romantasy geht wirklich kaum.

Bluttochter – Die Schwarzen Juwelen‘ ist kein Buch, das man gemütlich nebenbei liest. Es ist kein sanfter Einstieg in eine magische Welt, kein zartes Herantasten. Es ist eher wie ein Schubs. Und plötzlich steht man mitten in einer düsteren, hierarchischen, gefährlich erotisch aufgeladenen Welt – ohne Anleitung.

Am Anfang war ich ehrlich gesagt komplett überfordert. Juwelenränge, Blut, Hierarchien, Regeln, Bezeichnungen – ich hatte das Gefühl, ich müsste erst ein Lexikon studieren, bevor ich verstehe, was hier eigentlich passiert. Anne Bishop erklärt nicht viel. Sie erwartet, dass man sich hineinwirft. Und entweder schwimmt – oder untergeht.

Aber dann passiert etwas.

Plötzlich begreift man: Es geht hier gar nicht in erster Linie um das System. Nicht um politische Strukturen oder sauber konstruiertes Worldbuilding. Es geht um Macht. Um Kontrolle. Um emotionale Abhängigkeiten. Um das, was passiert, wenn Magie und Begehren miteinander verschmelzen.

Und mittendrin: Jaenelle.

Ein Kind – und gleichzeitig etwas, das viel größer ist als ein Mensch sein dürfte. Ihre Präsenz allein verändert alles. Und um sie herum versammeln sich Figuren, die mich gleichzeitig abgestoßen und fasziniert haben.

Daemon.

Lucivar.

Saetan.

Das sind keine netten Fantasy-Bookboyfriends. Das sind keine moralisch einwandfreien Helden. Sie sind dunkel. Kaputt. Gefährlich. Und trotzdem voller Loyalität und auf ihre Art beschützend. Genau diese Mischung macht sie so intensiv. Man weiß beim Lesen oft nicht: Soll ich sie bewundern oder fürchten?

Anne Bishop geht dahin, wo andere Fantasy-Autorinnen stoppen. Gewalt, Manipulation, psychischer Schmerz – das ist hier nicht angedeutet, sondern Teil der Geschichte. Und das muss man aushalten können. Es gibt Szenen, die tun weh. Szenen, die triggern können. Szenen, bei denen ich dachte: Das ist heftig.

Und trotzdem konnte ich nicht aufhören.

Weil zwischen all der Dunkelheit etwas pulsiert. Eine emotionale Wucht. Eine fast obsessive Bindung zwischen den Figuren. Eine Intensität, die nicht auf „romantisch süß“ setzt, sondern auf „alles oder nichts“.

Dieses Buch ist nicht subtil. Es ist laut in seiner Dunkelheit. Dramatisch. Überzogen. Und genau deshalb wirkt es. Es fühlt sich fast ein bisschen wie guilty pleasure an – nur dass es gleichzeitig tief unter die Haut geht.

Handwerklich ist nicht alles glatt. Manche Übergänge sind holprig, manches wirkt fast zu viel. Aber genau dieses „zu viel“ macht auch den Reiz aus. Es ist exzessiv. Und kompromisslos.

Für mich war Bluttochter kein perfektes Buch. Aber ein intensives. Eines, das mich gepackt, verstört und neugierig gemacht hat. Ich wollte wissen, wie weit Anne Bishop noch geht. Wie dunkel es noch wird.

Wenn ihr klassische, sanfte Romantasy sucht, seid ihr hier falsch.

Wenn ihr moralische Grauzonen liebt, obsessive Dynamiken spannend findet und euch vor düsterer, erotisch aufgeladener Fantasy nicht scheut – dann könnte das euer Ding sein.

Für mich:

4/5 Sterne ⭐️

Nicht perfekt.

Aber definitiv der Beginn von etwas, das süchtig machen könnte.