Manchmal stolpert man über ein Buch, dessen Grundidee einen sofort einfängt. So ging es mir mit „REM“ von Sebastian Fitzek und Annika Strauss.
Ein Thriller über Träume, die nicht einfach verschwinden, sondern aufgezeichnet werden können – und vielleicht mehr mit der Realität zu tun haben, als uns lieb ist? Allein dieser Gedanke hat bei mir direkt Neugier ausgelöst. Denn Träume sind ja ohnehin schon etwas Unfassbares, etwas, das wir kaum greifen können. Und genau damit zu spielen, fand ich unglaublich reizvoll.
Der Einstieg in die Geschichte gelingt auch wirklich gut.
Man wird direkt hineingezogen in diese düstere, beklemmende Atmosphäre. Die Szene aus Alysees Kindheit – dieser verzweifelte Vater, der sie anfleht, wach zu bleiben – hat sofort etwas in mir ausgelöst. Dieses Gefühl von Angst, von Kontrollverlust, von etwas, das man nicht versteht. Und genau diese Stimmung zieht sich zunächst sehr stark durch die ersten Kapitel.
Alysee selbst ist eine Figur, die viel Potenzial mitbringt. Ihre Vergangenheit, die Angst vor dem Einschlafen, dieses Trauma, das sie nie wirklich loslässt – all das macht sie interessant und greifbar. Auch die Verbindung zu Nico und ihre gemeinsame Geschichte hätten für mich eine noch tiefere emotionale Ebene bieten können.
Der Schreibstil ist dabei typisch packend und sehr zugänglich. Man kommt schnell voran, die Seiten fliegen nur so dahin. Gerade zu Beginn hatte ich wirklich das Gefühl, dass sich hier etwas Größeres aufbaut – eine komplexe Geschichte, die Realität und Traum geschickt miteinander verwebt.
Und genau hier liegt für mich auch der Knackpunkt.
Denn je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass viele dieser spannenden Ansätze nicht ganz ausgeschöpft werden. Die Idee rund um die Träume, ihre Bedeutung und die Auswirkungen auf die Realität bleibt zwar präsent, aber ich hätte mir gewünscht, dass sie noch konsequenter und tiefer ausgearbeitet wird.
Auch die Figuren bleiben für mich stellenweise ein wenig auf Distanz. Man begleitet sie, man versteht grob ihre Beweggründe – aber diese ganz tiefe emotionale Verbindung, dieses Mitfiebern, hat mir an einigen Stellen gefehlt.
Die Spannung ist definitiv da, aber sie hält sich nicht durchgehend auf dem gleichen Niveau. Es gibt immer wieder Momente, die wirklich fesseln, die einen kurz innehalten lassen – aber dazwischen gibt es auch Phasen, in denen die Geschichte etwas an Fahrt verliert.
Gerade zum Ende hin hatte ich mir noch einmal mehr Intensität gewünscht. Mehr Konsequenz. Mehr „Wow“. Stattdessen blieb bei mir eher das Gefühl zurück, dass hier noch mehr möglich gewesen wäre.
Und das ist eigentlich das, was dieses Buch für mich am besten beschreibt:
Eine richtig starke Idee, ein vielversprechender Anfang – aber eine Umsetzung, die nicht ganz das erreicht, was sie hätte sein können.
Trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen.
Es lässt sich gut weglesen, die Atmosphäre ist düster und interessant, und allein die Grundidee bleibt im Kopf.
Für mich ist „REM“ ein solider Thriller mit einem spannenden Konzept, der mich gut unterhalten hat, aber nicht komplett überzeugen konnte.
3 von 5 Sternen ⭐️
Ein Buch, das neugierig macht – aber sein volles Potenzial leider nicht ganz ausschöpft.






