Von Cleo Konrad hatte ich im Vorfeld schon die unterschiedlichsten Meinungen gehört. Die einen waren begeistert, die anderen konnten mit ihren Büchern überhaupt nichts anfangen. Umso neugieriger war ich auf „Home Story“. Und ganz ehrlich? Schon der Klappentext hatte mich sofort. Ein abgelegener Selbstversorgerhof mitten in der Natur, Menschen mit schweren Schicksalen, eine ermordete Journalistin und jede Menge Geheimnisse – das klang genau nach einem Thriller, der mich fesseln könnte. Gerade diese Mischung aus idyllischer Abgeschiedenheit und der unterschwelligen Frage, was hinter den Kulissen wirklich passiert, hat mich sofort angesprochen.
Der Steingruberhof ist kein gewöhnlicher Ort. Menschen, die viel durchgemacht haben, finden hier ein neues Zuhause und versuchen, fernab der Außenwelt noch einmal von vorne anzufangen. Doch als eine Journalistin tot aufgefunden wird, gerät diese scheinbar friedliche Gemeinschaft ins Wanken. Ausgerechnet Eva, die Tochter der Hofgründerin und selbst auf dem Hof groß geworden ist, kehrt zurück. Eigentlich wollte sie diesen Ort hinter sich lassen, doch plötzlich muss sie sich nicht nur mit einem Mordfall beschäftigen, sondern auch mit ihrer eigenen Vergangenheit.
Besonders gut gefallen hat mir, dass die Geschichte aus mehreren Perspektiven erzählt wird. Dadurch lernt man die Bewohner des Hofes nach und nach kennen und bekommt einen guten Eindruck davon, wie unterschiedlich jeder Einzelne diesen besonderen Ort erlebt. Vor allem Eva und Teddy haben mich durch die Geschichte getragen. Ihre Kapitel habe ich jedes Mal besonders gern gelesen, weil ich das Gefühl hatte, dass genau dort die eigentliche Spannung entsteht.
Auch Wilma fand ich unglaublich interessant. Ihre Alzheimer-Erkrankung bringt eine ganz besondere Dynamik in die Geschichte. Immer wieder habe ich mich gefragt, welche Erinnerungen noch zuverlässig sind und welchen man vielleicht nicht mehr trauen kann. Gerade dadurch entstand für mich eine zusätzliche Unsicherheit, die wunderbar zu einem Thriller passt.
Was mich allerdings am meisten fasziniert hat, war der Steingruberhof selbst. Er ist weit mehr als nur ein Schauplatz. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, als wäre der Hof eine eigene Figur. Der Wald, die Hitze des Sommers, die Einsamkeit und die ständige Ruhe erzeugen eine Atmosphäre, die gleichzeitig wunderschön und bedrückend ist. Ich mag solche abgeschiedenen Settings total, weil sie automatisch das Gefühl vermitteln, dass Hilfe weit weg ist und man niemandem so richtig entkommen kann.
Leider hat mich der Einstieg nicht ganz so abgeholt, wie ich gehofft hatte.
Ich hab einige Seiten gebraucht, bis ich wirklich in der Geschichte angekommen bin. Gerade am Anfang passiert für meinen Geschmack einfach zu wenig. Immer wieder hatte ich das Gefühl, dass die Handlung auf der Stelle tritt, obwohl eigentlich genügend spannende Ansätze vorhanden waren. Das fand ich etwas schade, denn das Potenzial war von Anfang an deutlich spürbar.
Mit der Perspektive von Toni bin ich ebenfalls nicht richtig warm geworden. Natürlich erfüllt sie ihren Zweck innerhalb der Handlung, trotzdem haben mich ihre Kapitel immer wieder ein wenig ausgebremst. Stattdessen hätte ich mir viel mehr Einblicke von Wilma oder auch von Blossom und Katja gewünscht. Gerade diese Figuren fand ich unglaublich spannend und hätte gerne noch mehr über sie erfahren.
Zum Glück nimmt die Geschichte irgendwann richtig Fahrt auf.
Ab etwa dem letzten Drittel wollte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen. Die Ereignisse überschlagen sich, immer neue Geheimnisse kommen ans Licht und plötzlich entwickelt sich genau die Spannung, auf die ich die ganze Zeit gewartet hatte. Besonders die Szenen im Wald, der Brand und alles rund um die Zisterne haben mich komplett gefesselt. Genau dort zeigt Cleo Konrad, welches Potenzial in dieser Geschichte steckt.
Deshalb fällt mir die Bewertung auch gar nicht so leicht.
Auf der einen Seite gab es viele Momente, die mich wirklich begeistert haben. Das Setting, die Grundidee, die Themen und das starke Finale haben mir richtig gut gefallen. Auf der anderen Seite waren die ersten Seiten für mich einfach zu langatmig. Und ich muss ehrlich sein: Hätte ich das Buch nicht als Rezensionsexemplar gelesen, hätte ich vermutlich deutlich früher überlegt, ob ich weiterlesen möchte.
Trotzdem bin ich froh, drangeblieben zu sein. Denn das Ende hat mich für vieles entschädigt und gezeigt, wie spannend „Home Story“ eigentlich sein kann.
Für mich ist „Home Story“ deshalb ein Thriller mit einer großartigen Grundidee, einer besonderen Atmosphäre und einem richtig starken Finale. Wer bereit ist, der Geschichte etwas Zeit zu geben, wird mit einem spannenden letzten Drittel belohnt. Mich hat das Buch zwar nicht durchgehend überzeugt, trotzdem werde ich Cleo Konrad definitiv im Blick behalten.
🖤 3,5 von 5 Herzen