Nachdem mir „Dire Bound“ wirklich gut gefallen hatte, war ich unglaublich gespannt auf die Fortsetzung. Der erste Band hat mich mit seiner Mischung aus Romantasy, Schattenwölfen und Intrigen absolut neugierig gemacht und mich mit einigen offenen Fragen zurückgelassen. Umso größer war natürlich die Vorfreude auf „Fury Bound“.
Leider muss ich sagen, dass mich der zweite Band nicht ganz so begeistern konnte wie sein Vorgänger.
Bevor wir zur Geschichte kommen, muss ich aber kurz über die Gestaltung sprechen. Ich finde das Cover dieses Mal sogar noch schöner als das des ersten Bandes. Die kräftige blaue Farbgebung gefällt mir unglaublich gut und auch der Farbschnitt ist für meinen Geschmack deutlich gelungener. Besonders schön finde ich außerdem, dass es wieder einen Wendeumschlag gibt. Ich mag solche kleinen Extras total, weil man selbst entscheiden kann, welches Cover später im Regal zu sehen sein soll. Auch die Illustration von Meryn und Anassa auf dem Farbschnitt ist richtig gelungen und macht das Buch zu einem echten Hingucker.
Zum Glück konnte mich Meryn auch in diesem Band wieder überzeugen.
Sie hat bereits im ersten Teil eine starke Entwicklung durchgemacht und wächst hier noch einmal ein Stück weiter über sich hinaus. Sie übernimmt Verantwortung, lernt mit ihrer neuen Rolle umzugehen und kämpft kompromisslos für das, woran sie glaubt. Genau das macht sie für mich zu einer Protagonistin, die ich gerne begleite. Sie handelt nicht immer perfekt, aber sie bleibt ihren Überzeugungen treu und ist bereit, für das Richtige einzustehen.
Eine der schönsten Überraschungen war für mich, dass wir diesmal auch Kapitel aus Starks Perspektive bekommen.
Ich liebe es, wenn Romantasy-Geschichten beide Seiten einer Beziehung zeigen, weil dadurch viele Gefühle und Entscheidungen nachvollziehbarer werden. Gerade Stark hat mir als Figur in diesem Band wirklich gut gefallen und seine Gedanken haben die Geschichte für mich bereichert.
Leider konnte mich die eigentliche Handlung nicht durchgehend mitreißen.
Grundsätzlich passiert wieder eine ganze Menge. Die Geschichte entwickelt sich ständig weiter, es gibt Kämpfe, Intrigen und einige überraschende Wendungen. Trotzdem hatte ich immer wieder das Gefühl, dass vieles zu schnell abgehandelt wurde. Manche Szenen wären für mich deutlich emotionaler gewesen, wenn sie etwas mehr Raum bekommen hätten. Stattdessen sprang die Handlung häufig schon zum nächsten Ereignis weiter, obwohl ich das Gefühl hatte, dass wichtige Momente noch gar nicht richtig wirken konnten.
Einige Twists konnten mich zwar überraschen, andere wiederum waren für mich recht vorhersehbar. Dadurch fehlte mir stellenweise dieses Gefühl, unbedingt sofort weiterlesen zu müssen.
Richtig spannend fand ich dagegen die politischen Themen.
Besonders beeindruckt hat mich, wie die Autorin zeigt, wie leicht Menschen manipulierbar sein können. Wie bereitwillig viele einer einzelnen Person folgen, nur weil diese Macht besitzt. Diese Dynamik fand ich unglaublich interessant und erschreckend zugleich. Gleichzeitig wurde dadurch für mich noch einmal mehr deutlich, was für ein furchtbarer Mensch Alister eigentlich ist. Mit jeder Seite wurde meine Abneigung gegen ihn größer.
Leider war ausgerechnet der Teil, auf den ich mich am meisten gefreut hatte, meine größte Enttäuschung.
Die Liebesgeschichte.
Gerade im ersten Band mochte ich die Entwicklung zwischen Meryn und Stark sehr. Langsam entstand Vertrauen, die Gefühle entwickelten sich glaubwürdig und ich war gespannt, wohin sich ihre Beziehung entwickeln würde.
Hier hatte ich jedoch das Gefühl, dass genau diese emotionale Entwicklung immer mehr in den Hintergrund rückt.
Zu Beginn konnte ich ihre Gefühle noch gut nachvollziehen, doch mit der Zeit verlor sich dieses Knistern für mich immer mehr. Statt intensiver Gespräche, gemeinsamer Entwicklung oder emotionaler Momente rückten die Spice-Szenen deutlich stärker in den Fokus.
Grundsätzlich habe ich überhaupt nichts gegen Spice.
Im Gegenteil – wenn er sich organisch entwickelt und die Beziehung der Figuren unterstützt, lese ich ihn sogar sehr gerne. Hier konnte er mich allerdings leider nicht wirklich überzeugen. Mir fehlte die emotionale Verbindung zwischen den Figuren, sodass die expliziten Szenen bei mir kaum Wirkung entfalten konnten.
Ich hätte mir stattdessen gewünscht, dass Meryn und Stark mehr Zeit bekommen hätten, sich gemeinsam weiterzuentwickeln und ihre Gefühle füreinander noch intensiver auszubauen.
Dafür konnten mich die Nebencharaktere umso mehr begeistern.
Allen voran Lucien.
Ich hätte ehrlich gesagt nie gedacht, dass er sich zu einem meiner Lieblingscharaktere entwickeln würde. Doch genau das ist passiert. Mit jeder Szene wurde er für mich interessanter und inzwischen freue ich mich fast am meisten darauf, ihn im nächsten Band wiederzusehen.
Auch die Wölfe haben mein Herz erneut erobert.
Besonders Anassa hat mich dieses Mal positiv überrascht. Während ich im ersten Band mit ihrer Beziehung zu Meryn noch nicht ganz warm geworden bin, mochte ich ihre Entwicklung hier unglaublich gerne. Zwischen den beiden gab es einige richtig schöne Momente, die mir bis heute im Gedächtnis geblieben sind. Überhaupt sorgen die Wölfe immer wieder für Szenen, die dieser Reihe ihren ganz eigenen Charme verleihen.
Der Schreibstil von Sable Sorensen liest sich weiterhin angenehm und flüssig.
Man merkt stellenweise zwar noch, dass es sich um eine Debütreihe handelt. Manche Szenen hätten für meinen Geschmack mehr Tiefe vertragen und gerade die emotionalen Momente hätten stärker ausgearbeitet sein können. Trotzdem erzählt die Autorin ihre Geschichte so, dass ich jederzeit gerne weitergelesen habe.
Und dann kam dieses Ende.
Auch wenn mich der Mittelteil insgesamt nicht ganz so begeistern konnte, hat das Finale noch einmal ordentlich angezogen. Sable Sorensen beendet den zweiten Band mit einem Knall und sorgt dafür, dass ich den dritten Teil trotzdem unbedingt lesen möchte. Es bleiben genügend offene Fragen, sodass ich wirklich gespannt bin, wie die Geschichte weitergeht und welche Entwicklungen uns noch erwarten.
Für mich ist „Fury Bound“ der bisher schwächste Band der Reihe. Das bedeutet aber keineswegs, dass ich das Nachtfeuer-Quartett – pardon, die Dire-Bound-Reihe – nicht mehr gerne lese. Die Welt fasziniert mich weiterhin, viele Figuren sind mir ans Herz gewachsen und gerade die Wölfe machen diese Geschichte für mich zu etwas Besonderem.
Ich hoffe sehr, dass der dritte Band wieder mehr von dem zurückbringt, was mich am Auftakt so begeistert hat: starke Emotionen, eine mitreißende Romance und genau dieses besondere Knistern zwischen den Figuren.
Denn das Potenzial dafür ist definitiv da.
🖤 3 von 5 Herzen

