Zwischen Helikoptermutter und „asi

Zwischen Helikoptermutter und „asi“ – warum wir als Eltern eigentlich nur verlieren können (und trotzdem lachen sollten)

Ich sag’s, wie es ist: Ich liebe Carolin Kebekus. Wirklich. Diese Mischung aus laut, direkt, unbequem und gleichzeitig so unfassbar treffend – genau mein Humor. Und als ich den Titel „8000 Arten, als Mutter zu versagen“ gesehen habe, wusste ich: Das wird wehtun. Aber auf die gute Art.

Denn mal ehrlich – heute kannst du als Eltern doch eigentlich nur verlieren.

Machst du zu viel, bist du die Helikoptermutter.

Machst du zu wenig, bist du verantwortungslos.

Stillst du zu lange – Problem.

Stillst du nicht – Problem.

Gehst du früh arbeiten – Rabenmutter.

Bleibst du zu Hause – nicht ambitioniert genug.

Es gibt kein Dazwischen. Also bleibt doch eigentlich nur eins: Humor.

Mein persönlicher Tiefpunkt als Mutter? Der Pekip-Kurs.

Ich bin reingegangen mit der naiven Vorstellung von Austausch, Gemeinschaft und vielleicht sogar netten Gesprächen.

Ich bin raus – innerlich schreiend.

Und ich laufe bis heute. Weg von Mütter-Wettbewerben, von Entwicklungsvergleichen, von „Meiner schläft schon durch“ und „Meine macht Baby-Yoga seit der dritten Woche“.

Kebekus packt genau diese gesellschaftliche Dauerbeobachtung bei den Hörnern. Sie zerlegt dieses perfekt inszenierte Mutterbild, das uns täglich aus Social Media entgegenlacht: makellose Frauen, die drei Tage nach der Geburt aussehen wie frisch aus dem Spa. Babys, die friedlich schlummern, während Mama mit Flat White und High-Waist-Leggings in die Kamera lächelt.

Und dann die Realität: Blut, Schweiß, Wochenbett, Schlafmangel, Zweifel.

Sie schreibt über Schwangerschaft, als wäre sie nicht dieses rosafarbene Wunderland, sondern das, was sie oft auch ist: überwältigend, absurd, körperlich extrem. Über Instagram-Körperbilder. Über das Konzept der „Belly-Only-Pregnancy“, bei der angeblich nur der Bauch wächst – während sie sich eher der „Ass-Only“-Fraktion zuordnet. Ich habe laut gelacht. Und gleichzeitig genickt.

Und dann dieser gesellschaftliche Chor der Besserwisser.

„Zu alt.“

„Zu unverantwortlich.“

„Im achten Monat noch auf der Bühne?“

Als dürfte eine Frau nicht gleichzeitig schwanger UND berufstätig sein. Als müsste sie sich rechtfertigen für ihre Existenz.

Was ich an diesem Buch so liebe, ist die Ehrlichkeit. Kebekus romantisiert nichts – aber sie verteufelt auch nichts. Sie zeigt beides: die unfassbare Liebe. Und die unfassbare Überforderung. Sie spricht über Geburten, die nicht nach Instagram-Ästhetik riechen, über Wochenbett-Realität, über blutige Brustwarzen und über das absurde Phänomen, dass Brüste im Internet gefeiert werden – solange sie keinen biologischen Zweck erfüllen.

Sie spricht über Druck.

Druck, perfekt auszusehen.

Druck, perfekt zu erziehen.

Druck, perfekt zu funktionieren.

Und sie sagt im Grunde: Ihr könnt euch eure Meinung sonst wohin stecken.

Dieses Buch hält der Gesellschaft einen Spiegel vor. Und vermutlich werden genau die, die ihn am dringendsten bräuchten, ihn nicht lesen. Aber für alle anderen ist es eine Befreiung. Eine Erinnerung daran, dass Mutterschaft kein Wettbewerb ist. Kein Hochglanzprojekt. Kein Leistungssport.

Kinder sind ein Geschenk.

Und gleichzeitig sind sie Arbeit, Schmerz, Chaos und Selbstzweifel.

Und vielleicht ist genau das die ehrlichste Wahrheit überhaupt.

Ich bin dreifachmutter. Und ich kann euch sagen: Jeder einzelne Abschnitt fühlte sich an wie ein Blick in mein eigenes Leben. Diese To-Do-Listen in der Schwangerschaft. Die Vorsätze. Die Vorstellung, was man alles „besser“ machen wird. Und dann kommt das echte Leben – und lacht laut. Der Druck beginnt schon mit dem positiven Test. Instagram zeigt durchtrainierte „Belly-only“-Bäuche, während man selbst eher zur „Alles-only“-Fraktion gehört. Ernährungsvorschriften. Sportprogramme. Rasur-Tipps für die Geburt – man könnte ja kommentiert werden. Ernsthaft?

Und dann diese Kommentare. „Zu alt.“ „Zu unverantwortlich.“ „Muss das jetzt sein?“ Die Dreistigkeit, mit der wildfremde Menschen glauben, ein Urteil über Körper, Alter oder Lebensentscheidungen fällen zu dürfen, ist beeindruckend. Kebekus kontert das brillant – mit Humor und einem feinen Gespür dafür, wie absurd das alles ist.

Besonders gefeiert habe ich ihre ehrliche Beschreibung von Geburt und Wochenbett. Kein weichgezeichneter Filter. Kein „Ich lag mit Baby im Arm im Bett und sah aus wie aus dem Katalog“. Sondern Schmerzen. Tränen. Überforderung. Und dieser enorme innere Druck, sofort alles perfekt machen zu wollen. Das Kind. Den Haushalt. Die Beziehung. Den eigenen Körper. Und bitte dabei lächeln.

Ich musste beim Lesen immer wieder an meinen ersten Pekip-Kurs denken. Mein persönlicher Tiefpunkt. Diese perfekt organisierten Mütter mit pädagogischem Überbau und selbstgemachter Quetschie. Ich bin gelaufen. Und ich laufe innerlich noch heute. Fort von diesem subtilen Wettbewerb, wer das beste Bio-Kind großzieht.

Kebekus spricht genau darüber: über diesen gesellschaftlichen Dauerkommentar. Wie man sein Kind schlafen legt. Wie lange man stillt. Ob man stillt. Warum man stillt. Warum man nicht stillt. Und ja – Männer dürfen Brüste feiern, aber bitte nicht, wenn sie ihren biologischen Zweck erfüllen. Willkommen im Paradox.

Dieses Buch ist keine Abrechnung mit Mutterschaft. Es ist eine liebevolle, ehrliche Umarmung für alle, die mittendrin stecken. Für die, die nachts wachliegen. Für die, die zweifeln. Für die, die lachen, obwohl sie weinen könnten.

Kinder sind ein Geschenk. Aber sie sind auch Arbeit. Schmerz. Chaos. Und unfassbar viel Verantwortung. Und ich habe großen Respekt vor jeder Frau, die diesen Weg geht – egal wie. Mit Make-up oder ohne. Mit Karriere oder ohne. Mit Pekip oder ohne.

Carolin Kebekus hält uns den Spiegel vor – und sagt dabei im Grunde nur: Du bist nicht allein. Und du darfst unperfekt sein.

Und vielleicht ist genau das der größte Trost von allen.


Ein stilles Buch mit gewaltiger Wirkung

Manchmal sind es nicht die laut beworbenen Neuerscheinungen, die einen am meisten berühren. Manchmal ist es dieses eine, unscheinbare Buch, an dem man fast vorbeigegangen wäre. Eines, das nicht schreit: „Lies mich!“, sondern eher leise flüstert. Und wenn man hinhört, merkt man plötzlich: Dieses Flüstern hat Kraft.

Genau so ging es mir mit Die Schwarzgeherin von Regina Denk.

Zum Glück habe ich diesem Roman eine Chance gegeben. Denn ich hätte sonst eine Geschichte verpasst, die mich tief bewegt, beeindruckt und lange begleitet hat.

Wir befinden uns in einem abgelegenen Tal in den Tiroler Alpen, Ende des 19. Jahrhunderts. Eine Zeit, in der Fortschritt und Aufklärung hier kaum angekommen sind. Das Leben ist hart, karg, entbehrungsreich. Wer nicht funktioniert, fällt durch. Wer anders ist, wird ausgegrenzt.

Im Mittelpunkt steht Theres. Als junges Mädchen wächst sie in dieser rauen Welt auf, geprägt von Armut, Strenge und emotionaler Kälte. Diese Kindheit macht sie hart – aber auch mutig, stolz und widerstandsfähig. Als der geheimnisvolle Xaver ins Tal kommt, verliebt sie sich. Doch diese Liebe endet abrupt, in einer Nacht voller Gewalt, Misstrauen und Angst. Xaver verschwindet. Theres bleibt zurück – schwanger, verstoßen, allein.

Was sie dann tut, ist mutig und radikal: Sie kehrt der Dorfgemeinschaft den Rücken und zieht sich in die Hochalpen zurück. Dort bringt sie ihre Tochter Maria zur Welt und lebt fortan in Einsamkeit, von dem, was die Berge ihr schenken. Frei. Unabhängig. Und doch niemals ganz losgelöst von ihrer Vergangenheit.

Der Roman begleitet Theres und später auch Maria über viele Jahre hinweg – etwa von 1850 bis 1883. Die Kapitel wechseln zwischen den beiden Perspektiven, ergänzt durch einzelne geheimnisvolle Einschübe einer unbekannten Erzählerin und durch poetische Zwischenspiele aus der Sicht eines Adlerweibchens. Was auf dem Papier vielleicht ungewöhnlich klingt, fügt sich beim Lesen erstaunlich harmonisch zusammen.

Regina Denks Schreibstil ist dabei eine große Stärke dieses Buches. Er ist bildhaft, intensiv, manchmal schonungslos, dann wieder leise und zart. Die Landschaft wird so lebendig beschrieben, dass man den Wind spürt, den Schnee knirschen hört und die Kälte fast selbst fühlt. Der eingesetzte Dialekt verleiht der Geschichte zusätzliche Authentizität und sorgt für eine ganz eigene, alpine Atmosphäre.

Schon das erste Kapitel – mit der kleinen Theres und den Kätzchen, die keine Chance bekommen – hat mich erschüttert. Es macht sofort klar, in welcher Welt wir uns hier bewegen: einer Welt ohne viel Platz für Mitgefühl. Und doch erzählt dieser Roman nicht nur von Härte, sondern auch von Liebe, Loyalität und stiller Hoffnung. Von Leopold. Von seinem Sohn. Von Menschen, die trotz allem füreinander einstehen.

Besonders gefallen hat mir die Spiegelung der Handlung durch das Leben des Steinadlers. Diese Passagen waren für mich wie kleine Atempausen. Fast meditativ. Naturbeobachtung als Gegenpol zum menschlichen Drama.

Die verschiedenen Zeitebenen sind klar gekennzeichnet, was die Orientierung erleichtert. Außerdem ist die Geschichte in eine Rahmenerzählung eingebettet, die zum Miträtseln einlädt. Immer wieder dachte ich: Jetzt habe ich es verstanden. Nur um später festzustellen: Vielleicht doch nicht. Diese kleinen Irreführungen haben mir großen Spaß gemacht.

Natürlich ist auch dieses Buch nicht vollkommen. Ein paar Fragen bleiben offen. Ich hätte zum Beispiel gern mehr darüber erfahren, woher Theres ihr medizinisches Wissen nimmt. Manche zeitlichen Abläufe wirken nicht ganz rund. Und gegen Ende werden die schroffen Kanten der Geschichte ein kleines bisschen geglättet.

Aber ehrlich? Das ist Jammern auf sehr hohem Niveau.

Ich war von der ersten bis zur letzten Seite gefangen. Gefangen in einer Welt voller Überlebenswillen, Stolz, Verletzlichkeit und innerer Stärke. In einer Landschaft, die wunderschön und gnadenlos zugleich ist. In einer Geschichte, die zeigt, wie sehr Herkunft, Umgebung und Erwartungen ein Leben prägen – und wie schwer es ist, sich davon zu befreien.

„Die Schwarzgeherin“ ist für mich ein kraftvoller, intensiver und atmosphärisch dichter Roman, der lange nachhallt. Einer, der nicht laut ist, aber tief trifft.

Für mich schon jetzt eines meiner Highlights des Jahres.

Ich empfehle dieses Buch allen, die starke Frauenfiguren lieben, sich von Bergpanoramen verzaubern lassen und Geschichten mögen, die nicht beschönigen, sondern ehrlich erzählen. Wer Lokalkolorit, historische Tiefe und emotionale Wucht schätzt, wird hier voll auf seine Kosten kommen.

So müssen Bergromane sein. 🏔️📚


Lost Place, Psychiatrie und ein Cold Case? Ja bitte. Sofort.

Manchmal liest man einen Klappentext und weiß sofort:

Das ist mein Buch.

Ein verlassener Ort?

Eine alte Psychiatrie?

Ein ungelöster Fall aus den Achtzigern?

Ganz ehrlich: Mehr muss man mir eigentlich nicht sagen.

Als ich von ‚Eisenblume: Ein Fall für Fredrika Storm‘ von Frida Skybäck gelesen habe, war ich direkt angefixt. Lost-Place-Setting plus skandinavischer Krimi plus Cold Case? Das klingt wie maßgeschneidert für mich. Und ja – ich habe mir schon beim Lesen des Titels gedacht: Mit den Namen werde ich mich bestimmt wieder anfreunden. Spoiler: Hat geklappt. 😄

Die Geschichte beginnt im Oktober 1987.

Aus der psychiatrischen Klinik St. Lars verschwinden zwei junge Menschen: Tommy Svensson und die 17-jährige Ann-Louise Sparre. Keine Spuren von Gewalt. Kein Abschiedsbrief. Keine Erklärung. Einfach weg.

35 Jahre später wird das alte Klinikgebäude – inzwischen eine verfallene Ruine – erneut zum Tatort. In einer Wand wird ein Leichnam gefunden. Eingemauert. Konserviert von der Zeit. Es ist Tommy. Gestorben an einer Überdosis Beruhigungsmittel. Angeblich.

Und damit beginnt für Fredrika Storm und Henry Calment ein Fall, der tiefer geht, als zunächst gedacht.

Schon der Einstieg hat mich abgeholt. Frida Skybäck schreibt ruhig, flüssig und gleichzeitig so fesselnd, dass man sehr schnell im Geschehen ist. Kein langes Vorgeplänkel, kein zähes Herantasten – man ist direkt mittendrin.

Als großer Lost-Place-Fan war ich von der Atmosphäre sofort begeistert. Diese alte Psychiatrie, dem Verfall überlassen, voller Geschichte, voller unausgesprochener Geheimnisse – allein dieser Ort trägt schon unglaublich viel Spannung in sich. Man spürt beim Lesen förmlich den Staub, die Kälte, die Stille in den verlassenen Fluren. Und gleichzeitig diese unterschwellige Frage: Was ist hier wirklich passiert?

Auch der Cold-Case-Aspekt hat mir sehr gefallen. Durch Rückblicke in die Vergangenheit bekommt man immer wieder neue Puzzlestücke. Man lernt das damalige Klinikleben kennen, die Hierarchien, die Machtverhältnisse, die Abhängigkeiten. Gleichzeitig bleibt der Fall in der Gegenwart spannend und präsent. Diese Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart ist sehr gelungen.

Im Mittelteil muss ich allerdings ehrlich sein: Da zieht sich die Handlung stellenweise etwas. Das ständige Befragen ehemaliger Mitarbeiter, das Wühlen in Erinnerungen, die oft lückenhaft oder widersprüchlich sind, wirkt manchmal etwas langatmig. Schade eigentlich, denn genau hier steckt so viel Potenzial. Vertuschung? Schweigen? Schuld? Wegsehen? All das schwebt ständig im Raum.

Trotzdem: Es lohnt sich, dranzubleiben. Denn es gibt einige wirklich gelungene Wendungen, mit denen ich so nicht gerechnet hätte.

Besonders spannend fand ich auch das Thema der psychiatrischen Behandlung in früheren Jahrzehnten. Dinge, die heute absolut undenkbar wären, galten damals als normal. Medikamente, Methoden, Umgang mit Patienten – das alles ist teilweise erschreckend und bedrückend. Das Buch wirft hier ganz nebenbei wichtige Fragen auf, ohne belehrend zu wirken.

Fredrika und Henry haben mir als Ermittlerduo sehr gut gefallen. Beide sind nicht perfekt, tragen ihre eigenen Päckchen mit sich herum und wirken dadurch sehr menschlich. Man lernt sie auch privat kennen, versteht ihre Motive und ihre Zweifel. Für mich waren sie greifbar, authentisch und sympathisch. Ich freue mich definitiv auf weitere Fälle mit ihnen.

Die Nebenfiguren bleiben dagegen etwas blasser. Gerade bei ehemaligen Mitarbeitern der Klinik hätte ich mir teilweise mehr Tiefe und Profil gewünscht. Hier wäre noch mehr möglich gewesen.

Unterm Strich ist „Eisenblume“ für mich ein typischer skandinavischer Krimi im besten Sinne: düster, ruhig, schwer, atmosphärisch – und mit einer Geschichte, die nachwirkt.

Kein schneller Action-Thriller.

Kein Dauerfeuer an Schockmomenten.

Sondern ein ruhiger, intensiver Fall, der sich langsam entfaltet.

Wer skandinavische Krimis liebt, Lost-Place-Settings mag und gerne in alte Geheimnisse eintaucht, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Die Atmosphäre ist stark, der Fall spannend, die Ermittler überzeugend. Trotz kleiner Längen im Mittelteil hat mich das Buch sehr gut unterhalten.

⭐️⭐️⭐️⭐️ 4/5 Sterne

Für mich ein gelungener Auftakt mit viel Potenzial – und ich bin definitiv bereit für den nächsten Fall von Fredrika Storm und Henry Calment. 📚🖤


Zurück nach Donkerbloem – und wieder mitten ins Grauen

Der zweite Band – und meine Güte, was habe ich mich darauf gefreut. Schon Band 1, Der Trailer, hatte mich komplett abgeholt. Und das, obwohl ihr mich mit Camping wirklich jagen könnt. Für mich gibt es kaum ein schlimmeres Urlaubs-Horror-Szenario als Zelt, Gemeinschaftsduschen und matschige Schuhe. Aber sobald ein Thriller in dunklen Wäldern, auf abgelegenen Campingplätzen und an Orten mit düsterer Vergangenheit spielt, bin ich sofort dabei.

Mit Das Camp (Donkerbloem 2) von Linus Geschke ging es also zurück nach Donkerbloem – an einen Ort, der eigentlich endlich zur Ruhe kommen sollte, es aber einfach nicht schafft, das Böse loszuwerden. Tief in den Ardennen gelegen, abgeschieden und voller dunkler Geschichte, bekommt der Campingplatz mit Wout einen neuen Besitzer und mit Tayfun einen neuen Verwalter, der alles daransetzt, hier einen friedlichen Ort zu schaffen. Doch wie so oft in dieser Reihe scheint Donkerbloem eine magische Anziehungskraft auf Abgründe zu haben.

Während dort langsam so etwas wie Normalität entstehen soll, treibt hunderte Kilometer entfernt ein verstörender Killer sein Unwesen. Eine Mordserie im Osten Deutschlands bringt Kommissarin Frieda Stahnke selbst in Gefahr. Sie fühlt sich verfolgt, manipuliert und kann bald niemandem mehr trauen. Schließlich sieht sie nur noch einen Ausweg: Sie flieht nach Donkerbloem. Ausgerechnet dorthin. Für Wout ist das eine Katastrophe, denn er mag Frieda nicht und ist überzeugt, dass sie mit ihrem Auftauchen alle in Gefahr bringt. Tayfun hingegen steht ihr zur Seite, auch weil er heimlich Gefühle für sie hat. Und so kehrt mit Frieda nicht nur eine alte Bekannte ins Camp zurück, sondern auch eine Bedrohung, die alles ins Wanken bringt.

Besonders gefallen hat mir wieder, wie lebendig die Figuren wirken. Wout, der sture, misstrauische Besitzer. Tayfun, der sanfte Riese mit großem Herzen. Frieda, die immer mehr unter Druck gerät und zwischen Stärke und Verzweiflung schwankt. Kathinka, die ebenfalls ihren Platz in dieser Geschichte hat. Man merkt, dass man diese Menschen schon kennt, dass sie sich weiterentwickeln und nicht einfach auf der Stelle treten. Genau das macht für mich den Reiz dieser Reihe aus.

Auch in diesem Band arbeitet Linus Geschke wieder mit mehreren Handlungssträngen, die sich zunächst getrennt anfühlen, sich aber nach und nach immer stärker verweben. Anfangs rätselt man noch, was genau zusammengehört, doch je weiter man liest, desto klarer wird das große Ganze. Ich liebe dieses Gefühl, wenn plötzlich alles Sinn ergibt und man merkt, wie geschickt die Fäden von Anfang an gelegt wurden.

Der Spannungsbogen bleibt von der ersten bis zur letzten Seite hoch. Es gibt kaum ruhige Momente, keine unnötigen Längen, kein Durchatmen. Stattdessen reiht sich Bedrohung an Bedrohung, Verdacht an Verdacht, und man liest immer weiter, weil man unbedingt wissen will, wie alles zusammenhängt. Dieses „nur noch ein Kapitel“-Gefühl ist hier wieder extrem stark.

Und dann dieses Ende. Wirklich. Ich war mental auf einen Cliffhanger vorbereitet – schließlich ist es der zweite Band. Aber das hier war noch einmal eine andere Liga. Gemein, fies, perfekt. Es fühlt sich an wie der direkte Startschuss für Band 3 und lässt einen mit offenen Fragen und großer Vorfreude zurück.

Für mich ist Das Camp ein rundum gelungener zweiter Band, der die Atmosphäre von Teil 1 aufgreift und noch intensiver macht. Düster, spannend, emotional und clever konstruiert. Die Figuren tragen die Geschichte, das Setting bleibt beklemmend, und die Handlung reißt nie ab.

Auch wenn ich im echten Leben niemals freiwillig campen würde – literarisch liebe ich Donkerbloem.

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ 5/5 Sterne

Ein starker Nachfolger, der die Reihe auf ein neues Level hebt und mich sehnsüchtig auf Band 3 warten lässt.


Wenn Geheimnisse langsam an die Oberfläche kommen

Manche Autorinnen begleiten einen über Jahre. Man kennt ihren Stil, ihre Art, Spannung aufzubauen, ihre typischen Themen. Und man greift fast automatisch zu, wenn ein neues Buch erscheint – auch dann, wenn der letzte Titel vielleicht nicht ganz überzeugen konnte.

Genau so geht es mir mit Megan Miranda.

Sie ist für mich längst keine Unbekannte mehr. Ich mag ihre ruhigen, psychologischen Thriller, ihre Kleinstadt-Settings und diese unterschwellige Spannung, die sich oft erst nach und nach entfaltet. Deshalb war für mich klar: Auch ihr neues Buch musste gelesen werden.

Schon beim Cover bleibt sie ihrem Stil treu. Düster, geheimnisvoll, ruhig – und gleichzeitig mit dieser leisen Warnung: Hier stimmt etwas nicht. Ich war gespannt, ob auch die Geschichte wieder dieses besondere Miranda-Gefühl mitbringt.

Und ja – sie hat mich diesmal wieder abgeholt.

In Die Tochter. Du dachtest, niemand würde es je erfahren kehrt Hazel nach Jahren in ihre Heimatstadt Mirror Lake zurück. Der Grund ist alles andere als leicht: Ihr Vater, der angesehene Detective des Ortes, ist verstorben. Die Kleinstadt trauert um ihn – und Hazel steht plötzlich vor vielen unbeantworteten Fragen.

Warum hat ausgerechnet sie das Haus am See geerbt? Warum nicht ihre Brüder?

Zwischen den Geschwistern wächst die Anspannung, alte Konflikte brechen wieder auf, und Hazel wird mit Erinnerungen konfrontiert, die sie eigentlich längst verdrängt hatte. Parallel dazu leidet die Stadt unter einer extremen Dürre. Der See zieht sich immer weiter zurück – und mit ihm kommen Dinge ans Licht, die jahrelang verborgen waren. Geheimnisse. Spuren. Wahrheiten.

Und irgendwann stellt sich unausweichlich die große Frage:

Was ist damals wirklich mit Hazels Mutter passiert?

Sie verschwand vor Jahren spurlos – und galt als Kriminelle. Doch je tiefer Hazel gräbt, desto brüchiger wird dieses Bild.

Was mir an diesem Buch besonders gefallen hat, ist die Art, wie sich die Spannung entwickelt. Hier gibt es keine Explosionen, keine wilden Verfolgungsjagden, keine pausenlose Action. Stattdessen baut Megan Miranda die Geschichte langsam und sehr bewusst auf.

Kleine Hinweise.

Merkwürdige Beobachtungen.

Unscheinbare Details.

Zwischenmenschliche Spannungen.

Unausgesprochene Wahrheiten.

All das fügt sich Stück für Stück zusammen und erzeugt eine konstante, leise Spannung, die nie komplett abreißt. Man spürt beim Lesen ständig: Irgendetwas stimmt hier nicht. Aber man kann lange nicht greifen, was genau.

Das Kleinstadt-Setting ist wieder einmal hervorragend umgesetzt. Mirror Lake fühlt sich lebendig an – mit seinen Gerüchten, seinen Loyalitäten, seinen alten Geschichten und seinen gut gehüteten Geheimnissen. Die Atmosphäre rund um den See, die Trockenheit, die Hitze, das Zurückweichen des Wassers – all das verstärkt dieses beklemmende Gefühl zusätzlich.

Auch die Figuren haben mir gut gefallen. Sie wirken glaubwürdig, menschlich und nicht perfekt. Niemand ist nur gut oder nur schlecht. Jeder trägt seine eigenen Fehler, Verletzungen und Geheimnisse mit sich herum. Und genau das macht die Geschichte so interessant.

Hazel selbst ist eine starke, aber auch verletzliche Protagonistin. Man spürt ihre innere Zerrissenheit, ihre Zweifel, ihren Wunsch nach Wahrheit – auch wenn diese vielleicht schmerzhaft sein wird.

Besonders mochte ich, dass Megan Miranda immer wieder Wendungen einbaut, die das Geschehen in ein neues Licht rücken. Man glaubt, etwas verstanden zu haben – und plötzlich wird diese Annahme wieder infrage gestellt. Dieses Spiel mit Erwartungen beherrscht sie einfach sehr gut.

Zwar ist das Buch kein klassischer Pageturner im Action-Sinne, aber es hat mich dennoch durchgehend bei der Stange gehalten. Die Spannung wächst stetig, fast unmerklich – bis man irgendwann merkt, dass man längst komplett drinsteckt.

Die Tochter. Du dachtest, niemand würde es je erfahren“ ist ein ruhiger, atmosphärischer Thriller mit starker Kulisse, glaubwürdigen Figuren und einer clever aufgebauten Handlung. Wer Hochtempo erwartet, wird hier nicht fündig. Wer aber psychologische Spannung, Kleinstadtgeheimnisse und langsames Miträtseln liebt, ist hier genau richtig.

Für mich eine gelungene Rückkehr zur alten Stärke der Autorin.

⭐️⭐️⭐️⭐️ 4/5 Sterne

Nicht laut. Nicht hektisch. Aber spannend bis zum Schluss. Ein Thriller, der sich Zeit nimmt – und genau dadurch wirkt. 📚✨


KI und Bookstagram

Manchmal sollte man wirklich einfach nicht zu lange nachdenken. Nicht alles zerdenken, nicht jedes kleine Ding sofort analysieren, sondern sich einfach mal treiben lassen. Genau so ging es mir mit diesen Karikatur-Bildern, die plötzlich überall waren. In meiner Timeline, in meinen Nachrichten, bei Freund:innen, bei Bekannten, bei Menschen, denen ich eigentlich nur wegen Büchern folge – und plötzlich waren alle als kleine Comic-Version unterwegs.

Ich war fest entschlossen, stark zu bleiben. Vernünftig. Erwachsen. „Brauche ich nicht“, dachte ich. „Ist mir egal.“ Und natürlich: Das hat genau so lange gehalten, bis ich es doch ausprobiert habe.

Die ersten Bilder? Katastrophe. Wirklich. Ich habe sie null gefühlt. Eher so: Wer ist diese Person und warum sieht sie mir entfernt ähnlich? Also habe ich es eigentlich schon wieder abgehakt. Bis ich mir irgendwann dachte: Komm, ein letzter Versuch. Einfach aus Neugier. Und dann… ja. Jetzt gibt’s sie. Meine Karikatur. Bitteschön. 😅

Natürlich habe ich auch die kritischen Stimmen gelesen. Thema Umwelt, Ressourcen, KI – alles absolut berechtigt. Und normalerweise bin ich da auch wirklich sehr bewusst unterwegs und mache mir viele Gedanken. Aber manchmal, ganz ehrlich, darf man auch einfach kurz den Kopf ausschalten. Nicht alles perfekt machen. Nicht alles abwägen. Sondern sich über etwas Albernes freuen, das gerade ein kleines Lächeln ins Gesicht zaubert.

Ich finde es im Moment einfach lustig. Ich liebe eure Bilder. Ich scrolle durch meine Nachrichten und denke ständig: Wie süß ist das bitte? Und genau das tut gerade gut. Dieses kleine bisschen Leichtigkeit zwischen Alltag, Terminen und To-do-Listen.

Deshalb: Nicht übertreiben. Mitdenken. Bewusst bleiben. Der Umwelt zuliebe. 🌱

Aber zwischendurch auch mal Spaß haben. Sich freuen. Und Dinge tun, nur weil sie gerade ein gutes Gefühl machen.

Wer von euch hat sich auch schon „verwandeln“ lassen? Ich schaue eure Versionen so gern an. 💙✨