Es gibt Buchreihen, auf deren Fortsetzung ich mich freue.
Und dann gibt es die Nils-Trojan-Reihe.
Für mich gehört sie ganz klar zu meinen allerliebsten Lieblingsreihen. Jedes Mal, wenn ein neuer Band erscheint, weiß ich eigentlich schon vorher, dass ich alles andere liegen lassen werde. Denn Max Bentow schafft etwas, das für mich nur ganz wenige Thrillerautoren schaffen: Er packt mich von der ersten Seite an und lässt mich bis zum Schluss nicht mehr los.
So war es auch bei „Das Dornenkind“.
Schon der Prolog hat mich wieder komplett abgeholt. Dieses unangenehme Gefühl, dass gleich etwas Furchtbares passieren wird, war sofort da. Genau deshalb liebe ich Bentows Bücher so sehr. Er braucht keine langen Einleitungen. Er wirft einen mitten hinein und innerhalb weniger Seiten ist man gefangen.
Diesmal wird der Fall für Nils Trojan allerdings noch persönlicher als ohnehin schon.
Als plötzlich eine junge Frau behauptet, die Tochter des Federmanns zu sein, war bei mir sofort alles wieder präsent. Der Federmann gehört für mich bis heute zu den verstörendsten Serienmördern der Reihe und allein sein Name hat gereicht, um sofort wieder dieses mulmige Gefühl hervorzurufen.
Ich hatte beim Lesen ständig das Gefühl, dass sich ein Kreis schließt – oder vielleicht auch erst richtig öffnet.
Und genau diese Verbindung zu den vorherigen Bänden fand ich unglaublich gelungen.
Max Bentow versteht es einfach meisterhaft, alte Handlungsstränge wieder aufzugreifen, ohne dass es konstruiert wirkt. Stattdessen wird aus vergangenen Ereignissen plötzlich wieder eine reale Bedrohung, die nicht nur Nils Trojan verfolgt, sondern auch mich als Leserin sofort wieder in ihren Bann gezogen hat.
Was ich an Bentows Büchern besonders liebe, ist die Art, wie er Spannung aufbaut.
Es gibt kaum Verschnaufpausen.
Kaum hat man einen Schock verarbeitet, wartet schon der nächste. Trotzdem fühlt sich das Ganze nie überladen an. Ganz im Gegenteil. Die Handlung entwickelt sich in einem unglaublichen Tempo, ohne dabei den Überblick zu verlieren. Immer wieder passiert etwas, womit ich nicht gerechnet habe, und genau deshalb fliegen die Seiten jedes Mal nur so dahin.
Man nimmt sich eigentlich vor, nur noch ein Kapitel zu lesen.
Und plötzlich sind wieder hundert Seiten vorbei.
Auch diesmal spart Bentow nicht mit grausamen Details.
Die Tatorte, die in die Haut geritzten Botschaften und viele der beschriebenen Szenen sind unglaublich bildlich dargestellt. Gerade das macht seine Psychothriller für mich so intensiv. Beim Lesen entsteht alles direkt vor dem inneren Auge. Manche Szenen waren so eindringlich beschrieben, dass ich sie selbst nach dem Zuschlagen des Buches noch lange im Kopf hatte.
Natürlich muss man solche detaillierten Darstellungen mögen.
Ich persönlich finde aber genau das so faszinierend an seinen Büchern. Sie sind nichts für schwache Nerven und genau deshalb erzeugen sie diese permanente Anspannung.
Besonders spannend fand ich diesmal Wendy.
Ich wusste wirklich bis zur letzten Seite nicht, was ich von ihr halten sollte.
Ist sie Opfer?
Ist sie Täterin?
Spielt sie ein eigenes Spiel?
Mit jeder neuen Szene hatte ich eine andere Theorie und trotzdem war ich am Ende kaum schlauer als zu Beginn. Genau solche Figuren liebe ich. Sie bleiben geheimnisvoll und sorgen dafür, dass man ständig weiter rätselt. Ich hoffe wirklich sehr, dass Wendy auch in den nächsten Bänden noch eine Rolle spielen wird, denn ich habe das Gefühl, dass ihre Geschichte längst nicht zu Ende erzählt ist.
Etwas schade fand ich lediglich, dass Trojans Team dieses Mal ein wenig in den Hintergrund gerückt ist.
Vor allem Jana hätte ich mir häufiger an seiner Seite gewünscht. Nils ist diesmal oft auf sich allein gestellt, wodurch der Fokus sehr stark auf ihm und seinem persönlichen Kampf liegt. Das passt zwar hervorragend zur Geschichte, trotzdem habe ich die Dynamik innerhalb des Ermittlerteams stellenweise etwas vermisst.
Was ich Max Bentow allerdings jedes Mal aufs Neue hoch anrechne, ist seine Fähigkeit, persönliche Geschichten mit einem packenden Kriminalfall zu verbinden.
Es geht nie nur darum, einen Täter zu finden.
Es geht immer auch darum, welche Spuren diese Verbrechen bei den Ermittlern hinterlassen.
Gerade Nils Trojan muss wieder an seine Grenzen gehen und genau das macht ihn für mich seit Jahren zu einem der interessantesten Ermittler überhaupt. Er ist kein unnahbarer Superkommissar, sondern ein Mensch mit Ängsten, Fehlern und Narben. Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich ihn über mittlerweile so viele Bände hinweg immer noch unglaublich gerne begleite.
Und dann…
Dieses Finale.
Ich hatte ohnehin schon das Gefühl, dass das Tempo kaum noch gesteigert werden kann.
Doch Max Bentow schafft genau das.
Zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse regelrecht. Ich konnte das Buch überhaupt nicht mehr aus der Hand legen und wollte einfach nur wissen, wie alles ausgeht. Genau diese letzten Kapitel sind der Grund, warum ich seine Bücher regelmäßig in kürzester Zeit verschlinge.
Als ich die letzte Seite gelesen hatte, war für mich sofort klar:
Zum Glück liegt der nächste Band schon bereit.
Denn nach so einem Ende möchte man eigentlich gar keine Lesepause einlegen.
Für mich beweist „Das Dornenkind“ einmal mehr, warum die Reihe zu meinen absoluten Lieblingsreihen gehört. Max Bentow liefert wieder einen Psychothriller ab, der von der ersten bis zur letzten Seite unter Spannung steht, mit verstörenden Bildern, einem hochspannenden Fall und Figuren, die einem längst ans Herz gewachsen sind.
Wer intensive Psychothriller liebt und die Reihe bisher noch nicht kennt, sollte das unbedingt ändern.
Für mich war auch dieser Band wieder ein absoluter Pageturner.
🖤 5 von 5 Herzen




