Das Dornenkind – Ein Fall für Nils Trojan von Max Bentow

Es gibt Buchreihen, auf deren Fortsetzung ich mich freue.

Und dann gibt es die Nils-Trojan-Reihe.

Für mich gehört sie ganz klar zu meinen allerliebsten Lieblingsreihen. Jedes Mal, wenn ein neuer Band erscheint, weiß ich eigentlich schon vorher, dass ich alles andere liegen lassen werde. Denn Max Bentow schafft etwas, das für mich nur ganz wenige Thrillerautoren schaffen: Er packt mich von der ersten Seite an und lässt mich bis zum Schluss nicht mehr los.

So war es auch bei „Das Dornenkind“.

Schon der Prolog hat mich wieder komplett abgeholt. Dieses unangenehme Gefühl, dass gleich etwas Furchtbares passieren wird, war sofort da. Genau deshalb liebe ich Bentows Bücher so sehr. Er braucht keine langen Einleitungen. Er wirft einen mitten hinein und innerhalb weniger Seiten ist man gefangen.

Diesmal wird der Fall für Nils Trojan allerdings noch persönlicher als ohnehin schon.

Als plötzlich eine junge Frau behauptet, die Tochter des Federmanns zu sein, war bei mir sofort alles wieder präsent. Der Federmann gehört für mich bis heute zu den verstörendsten Serienmördern der Reihe und allein sein Name hat gereicht, um sofort wieder dieses mulmige Gefühl hervorzurufen.

Ich hatte beim Lesen ständig das Gefühl, dass sich ein Kreis schließt – oder vielleicht auch erst richtig öffnet.

Und genau diese Verbindung zu den vorherigen Bänden fand ich unglaublich gelungen.

Max Bentow versteht es einfach meisterhaft, alte Handlungsstränge wieder aufzugreifen, ohne dass es konstruiert wirkt. Stattdessen wird aus vergangenen Ereignissen plötzlich wieder eine reale Bedrohung, die nicht nur Nils Trojan verfolgt, sondern auch mich als Leserin sofort wieder in ihren Bann gezogen hat.

Was ich an Bentows Büchern besonders liebe, ist die Art, wie er Spannung aufbaut.

Es gibt kaum Verschnaufpausen.

Kaum hat man einen Schock verarbeitet, wartet schon der nächste. Trotzdem fühlt sich das Ganze nie überladen an. Ganz im Gegenteil. Die Handlung entwickelt sich in einem unglaublichen Tempo, ohne dabei den Überblick zu verlieren. Immer wieder passiert etwas, womit ich nicht gerechnet habe, und genau deshalb fliegen die Seiten jedes Mal nur so dahin.

Man nimmt sich eigentlich vor, nur noch ein Kapitel zu lesen.

Und plötzlich sind wieder hundert Seiten vorbei.

Auch diesmal spart Bentow nicht mit grausamen Details.

Die Tatorte, die in die Haut geritzten Botschaften und viele der beschriebenen Szenen sind unglaublich bildlich dargestellt. Gerade das macht seine Psychothriller für mich so intensiv. Beim Lesen entsteht alles direkt vor dem inneren Auge. Manche Szenen waren so eindringlich beschrieben, dass ich sie selbst nach dem Zuschlagen des Buches noch lange im Kopf hatte.

Natürlich muss man solche detaillierten Darstellungen mögen.

Ich persönlich finde aber genau das so faszinierend an seinen Büchern. Sie sind nichts für schwache Nerven und genau deshalb erzeugen sie diese permanente Anspannung.

Besonders spannend fand ich diesmal Wendy.

Ich wusste wirklich bis zur letzten Seite nicht, was ich von ihr halten sollte.

Ist sie Opfer?

Ist sie Täterin?

Spielt sie ein eigenes Spiel?

Mit jeder neuen Szene hatte ich eine andere Theorie und trotzdem war ich am Ende kaum schlauer als zu Beginn. Genau solche Figuren liebe ich. Sie bleiben geheimnisvoll und sorgen dafür, dass man ständig weiter rätselt. Ich hoffe wirklich sehr, dass Wendy auch in den nächsten Bänden noch eine Rolle spielen wird, denn ich habe das Gefühl, dass ihre Geschichte längst nicht zu Ende erzählt ist.

Etwas schade fand ich lediglich, dass Trojans Team dieses Mal ein wenig in den Hintergrund gerückt ist.

Vor allem Jana hätte ich mir häufiger an seiner Seite gewünscht. Nils ist diesmal oft auf sich allein gestellt, wodurch der Fokus sehr stark auf ihm und seinem persönlichen Kampf liegt. Das passt zwar hervorragend zur Geschichte, trotzdem habe ich die Dynamik innerhalb des Ermittlerteams stellenweise etwas vermisst.

Was ich Max Bentow allerdings jedes Mal aufs Neue hoch anrechne, ist seine Fähigkeit, persönliche Geschichten mit einem packenden Kriminalfall zu verbinden.

Es geht nie nur darum, einen Täter zu finden.

Es geht immer auch darum, welche Spuren diese Verbrechen bei den Ermittlern hinterlassen.

Gerade Nils Trojan muss wieder an seine Grenzen gehen und genau das macht ihn für mich seit Jahren zu einem der interessantesten Ermittler überhaupt. Er ist kein unnahbarer Superkommissar, sondern ein Mensch mit Ängsten, Fehlern und Narben. Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich ihn über mittlerweile so viele Bände hinweg immer noch unglaublich gerne begleite.

Und dann…

Dieses Finale.

Ich hatte ohnehin schon das Gefühl, dass das Tempo kaum noch gesteigert werden kann.

Doch Max Bentow schafft genau das.

Zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse regelrecht. Ich konnte das Buch überhaupt nicht mehr aus der Hand legen und wollte einfach nur wissen, wie alles ausgeht. Genau diese letzten Kapitel sind der Grund, warum ich seine Bücher regelmäßig in kürzester Zeit verschlinge.

Als ich die letzte Seite gelesen hatte, war für mich sofort klar:

Zum Glück liegt der nächste Band schon bereit.

Denn nach so einem Ende möchte man eigentlich gar keine Lesepause einlegen.

Für mich beweist „Das Dornenkind“ einmal mehr, warum die Reihe zu meinen absoluten Lieblingsreihen gehört. Max Bentow liefert wieder einen Psychothriller ab, der von der ersten bis zur letzten Seite unter Spannung steht, mit verstörenden Bildern, einem hochspannenden Fall und Figuren, die einem längst ans Herz gewachsen sind.

Wer intensive Psychothriller liebt und die Reihe bisher noch nicht kennt, sollte das unbedingt ändern.

Für mich war auch dieser Band wieder ein absoluter Pageturner.

🖤 5 von 5 Herzen


The Sea Spinner – Flutgeküsst von Julie Johnson

Manche Bücher wartet man sehnsüchtig herbei. Und dann gibt es Bücher, bei denen man schon Monate vorher weiß: Die müssen einfach sofort bei mir einziehen.

Genau so ging es mir mit „The Sea Spinner – Flutgeküsst“.

Schon „The Wind Weaver“ war für mich ein absolutes Highlight. Ich habe die Geschichte geliebt, mich in die Figuren verliebt und war nach diesem Ende einfach nur verzweifelt, weil ich unbedingt wissen musste, wie es weitergeht. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an Band zwei. Und was soll ich sagen?

Julie Johnson hat sie nicht nur erfüllt – sie hat sie sogar übertroffen.

Ich war keine zwanzig Seiten weit gekommen und hatte schon wieder dieses Gefühl, nach Hause zu kommen. Rhya war sofort wieder ganz die Figur, die ich im ersten Band so ins Herz geschlossen hatte. Nach allem, was passiert ist, trägt sie unendlich viel Trauer, Wut und Schuld mit sich herum. Trotzdem verliert sie nie ihre Stärke. Im Gegenteil. Gerade ihre verletzliche Seite macht sie für mich zu einer unglaublich greifbaren Protagonistin.

Doch nicht nur Rhya entwickelt sich weiter.

Auch die Welt wächst mit jeder Seite.

Und genau das liebe ich an guter Fantasy.

Während viele Fortsetzungen einfach nur die Geschichte weitererzählen, erweitert Julie Johnson ihre Welt Stück für Stück. Mit dem Water Court eröffnet sie einen völlig neuen Schauplatz, der mich vom ersten Moment an begeistert hat.

Ich konnte mir Hylios so unglaublich gut vorstellen. Eine Stadt mitten auf dem Wasser, durchzogen von Kanälen statt Straßen, bunte Märkte, gewaltige Leuchttürme, prachtvolle Gebäude, besondere Badehäuser und überall dieses Gefühl, dass das Meer alles bestimmt. Ich hatte beim Lesen ständig Bilder vor Augen und wollte am liebsten selbst durch diese Straßen laufen.

Julie Johnson schreibt einfach wahnsinnig bildhaft. Nie überladen, sondern genau so, dass Kopfkino entsteht.

Und dann ist da natürlich…

Soren.

Ganz ehrlich? Schon im ersten Band war er mein heimlicher Favorit.

Umso mehr habe ich mich gefreut, dass er diesmal eine viel größere Rolle spielt. Er ist ruhig, geheimnisvoll und strahlt eine unglaubliche Stärke aus, ohne ständig beweisen zu müssen, wie mächtig er ist. Genau solche Figuren liebe ich.

Zwischen ihm und Rhya knistert es von Anfang an. Nicht laut oder übertrieben, sondern langsam. Jeder Blick, jede Berührung und jedes Gespräch sorgt dafür, dass die Spannung zwischen ihnen immer größer wird.

Genau deshalb funktioniert der Slow Burn für mich hier so gut.

Man fiebert mit, hofft, leidet und wartet die ganze Zeit darauf, dass endlich etwas passiert. Und wenn es dann passiert… dann passt einfach alles.

Besonders schön fand ich übrigens, dass Julie Johnson beim Spice genau mein persönliches Maß getroffen hat. Es ist romantisch, intensiv und emotional, ohne jemals die eigentliche Geschichte zu überschatten. Fantasy bleibt hier ganz klar Fantasy – und genau das wünsche ich mir.

Neben der Romantik kommt aber auch die Spannung überhaupt nicht zu kurz.

Immer wieder gibt es überraschende Wendungen, emotionale Momente und actionreiche Szenen, sodass ich die knapp 600 Seiten regelrecht verschlungen habe. Eigentlich wollte ich immer nur noch ein Kapitel lesen… und plötzlich waren wieder hundert Seiten vorbei.

Für mich das beste Zeichen, dass mich ein Buch komplett gepackt hat.

Und dann kam dieses Ende…

Ich hätte es besser wissen müssen. Wirklich.

Trotzdem saß ich nach der letzten Seite einfach nur da und dachte: Das kann Julie Johnson doch jetzt nicht ernst meinen!

Jetzt heißt es also wieder warten.

Und ich bin jetzt schon sicher, dass sich auch das Warten auf Band drei wieder lohnen wird.

Für mich ist „The Sea Spinner – Flutgeküsst“ genau die Fortsetzung, die ich mir gewünscht habe. Größer, emotionaler und noch mitreißender als der Auftakt. Julie Johnson verbindet Magie, politische Intrigen, großartiges Worldbuilding, Slow Burn und emotionale Momente zu einer Geschichte, die mich von der ersten bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen hat.

Wenn euch schon „The Wind Weaver“ begeistert hat, dann werdet ihr „The Sea Spinner“ lieben.

Für mich ist es ganz klar wieder ein Jahreshighlight.

🖤 5 von 5 Herzen


A Forbidden Alchemy – Das Geheimnis der Alchemistin von Stacey McEwan

Fasziniert euch Alchemie genauso sehr wie mich?

Mich hat dieses Thema schon immer neugierig gemacht. Deshalb stand „A Forbidden Alchemy“ schon lange auf meiner Wunschliste. Magie, Alchemie, Rebellion, Geheimnisse und dann auch noch Slow Burn? Das klang einfach nach einem Buch, das genau meinen Geschmack treffen könnte.

Ganz so einfach war unser Start allerdings nicht.

Die ersten Kapitel haben mich ehrlich gesagt ein bisschen Geduld gekostet. Die Geschichte nimmt sich sehr viel Zeit, ihre Welt aufzubauen. Man lernt das Reich kennen, die gesellschaftlichen Unterschiede, die Magie und die Regeln, nach denen alles funktioniert. Das ist wichtig für die Handlung, aber für meinen Geschmack hätte dieser Einstieg ruhig etwas straffer sein dürfen. Ich habe zwischendurch schon gedacht: Wann geht’s denn jetzt endlich richtig los?

Zum Glück bin ich drangeblieben.

Denn irgendwann kam genau dieser Moment, in dem ich gemerkt habe, dass mich das Buch plötzlich komplett eingefangen hat. Ab da wollte ich immer weiterlesen. Aus einer ruhigen Einführung wurde auf einmal eine Geschichte voller Geheimnisse, Intrigen und einer Rebellion, die immer größere Kreise zieht.

Rückblickend verstehe ich sogar, warum Stacey McEwan sich so viel Zeit genommen hat. Diese Welt funktioniert nur deshalb so gut, weil sie Stück für Stück aufgebaut wird. Man wächst gemeinsam mit Nina in diese Geschichte hinein und entdeckt immer mehr von dem, was sich hinter der glänzenden Fassade des Reiches verbirgt.

Nina und Patrick begegnen sich bereits als Zwölfjährige. Gemeinsam stoßen sie auf ein Geheimnis, das ihr gesamtes Leben verändern wird. Jahre später stehen sie sich plötzlich auf unterschiedlichen Seiten gegenüber. Allein diese Ausgangssituation fand ich unglaublich spannend.

Am Anfang musste ich mich allerdings erst an die Sprache gewöhnen. Gerade Patrick spricht sehr umgangssprachlich und man merkt sofort, dass beide aus einfachen Verhältnissen stammen. Je weiter die Geschichte voranschreitet und Nina in eine völlig andere Gesellschaftsschicht aufsteigt, desto deutlicher werden diese Unterschiede. Genau das fand ich richtig gelungen, weil es die Entwicklung der Figuren zusätzlich unterstreicht.

Was mich aber wahrscheinlich am meisten begeistert hat, war die Atmosphäre.

Ich musste beim Lesen ständig an „Gangs of New York“ denken. Alles wirkt dreckig, staubig und rau. Die Straßen sind voller Elend, überall liegt dieser graue Schleier über der Welt und zwischen den Seiten konnte ich den Rauch der Fabriken und Zigaretten beinahe riechen. Nichts fühlt sich geschniegelt oder märchenhaft an. Stattdessen wirkt alles roh, hart und unglaublich lebendig. Genau diese Stimmung hat mich komplett abgeholt.

Und dann sind da natürlich Nina und Patrick.

Ich liebe Slow Burn. Wirklich. Aber schon lange hat mir keine Geschichte mehr dieses schöne Bauchkribbeln geschenkt. Zwischen den beiden knistert es ständig, obwohl sie sich ihre Gefühle selbst kaum eingestehen. Jeder Blick, jedes Gespräch und jede Begegnung hat etwas Besonderes. Diese Entwicklung wirkt nie überhastet, sondern genau richtig.

Und Patrick…

Ich glaube, er gehört jetzt offiziell zu meinen liebsten Bookboyfriends.

Er ist geheimnisvoll, unglaublich loyal, manchmal eiskalt und trotzdem steckt so viel mehr in ihm, als man zunächst vermutet. Mit jeder Seite wollte ich mehr über ihn erfahren. Für mich war er definitiv die spannendste Figur des gesamten Buches.

Überhaupt haben mir die Charaktere unglaublich gut gefallen. Keiner wirkt eindimensional und jeder bringt seine eigene Geschichte mit. Dadurch fiebert man nicht nur mit Nina und Patrick mit, sondern schließt nach und nach auch die Nebenfiguren ins Herz.

Nach dem großen Twist gab es dann endgültig kein Halten mehr.

Die zweite Hälfte habe ich fast in einem Rutsch verschlungen, weil ich unbedingt wissen musste, wie alles zusammenhängt. Genau solche Bücher liebe ich. Erst nehmen sie sich Zeit, alles vorzubereiten, und dann reißen sie einen plötzlich komplett mit.

Im Nachwort erzählt Stacey McEwan, dass sie sich unter anderem von „Peaky Blinders“ und „Six of Crows“ inspirieren ließ. Den Einfluss von Six of Crows konnte ich an einigen Stellen definitiv erkennen. Und ehrlich gesagt hat dieses Buch jetzt auch dafür gesorgt, dass Peaky Blinders endlich ganz oben auf meiner Watchlist gelandet ist.

Für mich ist „A Forbidden Alchemy“ eines dieser Bücher, bei denen sich das Durchhalten am Anfang absolut gelohnt hat. Wer Magie, Alchemie, politische Intrigen, Slow Burn und eine düstere Atmosphäre liebt, sollte diesem Auftakt unbedingt eine Chance geben.

Ich kann es kaum erwarten, den zweiten Band in die Hände zu bekommen.

🖤 5 von 5 Herzen


Das Haus des Exorzisten 2 – Nick Roberts

Ganz ehrlich? Band 1 hat mich damals komplett umgehauen.

Ich weiß noch genau, wie ich das Buch zugeschlagen habe und erst einmal einen Moment brauchte. Diese Atmosphäre, dieses ständige Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt, und vor allem die Frage, ob das alles wirklich passiert oder ob man selbst langsam anfängt, an der eigenen Wahrnehmung zu zweifeln – genau das hat den ersten Band für mich so besonders gemacht. Umso größer war natürlich die Vorfreude auf die Fortsetzung.

Und ich kann direkt sagen: Auch Band 2 macht unglaublich viel Spaß. Allerdings auf eine ganz andere Art.

Drei Jahre sind seit den Ereignissen im Haus des Exorzisten vergangen. Eigentlich versucht Daniels Familie endlich wieder ein normales Leben zu führen. Doch dann kommt ein Anruf, der alles verändert. Daniels Bruder möchte das alte Farmhaus kaufen und daraus eine Spukattraktion machen. Schon bei dieser Idee dachte ich nur: Bitte macht das nicht! 😅 Man ahnt sofort, dass das unmöglich gut ausgehen kann.

Und natürlich dauert es nicht lange, bis das Böse erneut erwacht.

Nick Roberts schreibt genau so, wie ich Horror liebe. Sein Schreibstil ist unglaublich flüssig, die Kapitel haben genau die richtige Länge und ständig passiert irgendetwas, das einen weiterlesen lässt. Ich wollte eigentlich immer nur noch ein Kapitel lesen und plötzlich waren wieder fünfzig Seiten vorbei. Genau so muss sich ein Horrorroman für mich anfühlen.

Besonders gut gefallen hat mir, dass die Geschichte diesmal zwischen Vergangenheit und Gegenwart wechselt. Dadurch erfährt man nach und nach immer mehr über Merle und gleichzeitig begleitet man Daniels Familie weiter. Nach und nach setzt sich alles zusammen und spätestens am Ende merkt man, wie gut beide Handlungsstränge miteinander verbunden sind.

Im Nachwort verrät Nick Roberts übrigens, dass ursprünglich gar keine Fortsetzung geplant war. Das hätte ich ehrlich gesagt nie vermutet. Für mich wirkte es am Ende so, als hätte die Geschichte genau so weitererzählt werden müssen. Alle Fäden greifen ineinander und ergeben ein rundes Gesamtbild.

Trotzdem gab es einen Punkt, der für mich nicht ganz an Band 1 herangekommen ist.

Im ersten Teil war es vor allem dieses ständige Ungewisse, das mich so gepackt hat. Man wusste nie, ob die Figuren wirklich etwas Übernatürliches erleben oder ob alles vielleicht doch eine andere Erklärung hat. Genau dieses Spiel mit den eigenen Gedanken hat mich völlig fertiggemacht und gleichzeitig dafür gesorgt, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte.

In Band 2 schlägt Nick Roberts dagegen eine andere Richtung ein.

Hier geht es deutlich brutaler zur Sache. Teilweise hatte ich das Gefühl, als wären sämtliche Horrorfilm-Klischees, die man so kennt, in dieses Buch eingeflossen. Dämonen, blutige Szenen, Wahnsinn, Besessenheit – es wird wirklich alles aufgefahren. Das ist zwar unglaublich unterhaltsam, aber für meinen Geschmack war es an manchen Stellen einfach ein bisschen zu viel. Ich hätte mir gewünscht, dass etwas mehr von diesem unterschwelligen Horror aus dem ersten Band geblieben wäre. Manchmal ist weniger eben doch mehr.

Das heißt aber nicht, dass das Buch harmlos wäre – ganz im Gegenteil.

Die Gewaltszenen sind schonungslos, teilweise richtig heftig und definitiv nichts für schwache Nerven. Wer empfindlich auf Horror oder Splatter reagiert, sollte wissen, worauf er sich hier einlässt. Ich persönlich mag genau solche Geschichten unglaublich gerne… solange sie sich bitte ausschließlich zwischen zwei Buchdeckeln abspielen und nicht vor meiner eigenen Haustür. 😅

Für mich bleibt Band 1 trotzdem der stärkere Teil der Reihe. Dieses permanente Gefühl der Unsicherheit hat mich einfach mehr gepackt als der sehr direkte Horror der Fortsetzung.

Trotzdem ist „Das Haus des Exorzisten 2“ ein verdammt starker Horrorroman, den ich innerhalb kürzester Zeit verschlungen habe. Wer Dämonen, Besessenheit, brutale Szenen und eine ordentliche Portion Wahnsinn liebt, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen.

🖤 4,5 von 5 Herzen




Das Stück – Rebekah Stoke

Es gibt Psychothriller… und dann gibt es Psychothriller.

Für mich gehören die Bücher von Rebekah Stoke ganz klar zur zweiten Kategorie. Es gibt viele Autorinnen und Autoren, die versuchen, ihre Leser zu schockieren, dabei aber entweder zu vorhersehbar bleiben oder sich in übertriebener Brutalität verlieren. Rebekah Stoke schafft für mich genau die richtige Balance. Wenn auf ihren Büchern Psychothriller steht, dann weiß ich inzwischen, dass auch wirklich einer drinsteckt – düster, verstörend, nervenaufreibend und definitiv nichts für schwache Nerven. Genau so mag ich dieses Genre.

Auch „Das Stück“ hat mich wieder komplett in seinen Bann gezogen.

Der Einstieg gelingt unglaublich leicht. Schon nach wenigen Seiten lernt man Jake und Robyn kennen. Eigentlich sollte ihr gemeinsamer Angelurlaub eine Chance sein, ihre Beziehung nach Jakes Seitensprung wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Doch statt Ruhe und Versöhnung wartet etwas ganz anderes auf sie.

Parallel dazu begegnen wir Brian.

Und genau ab diesem Moment war ich gefesselt.

Brian ist eine Figur, die mich gleichzeitig schockiert, abgestoßen und fasziniert hat. Er nimmt den Leser tief mit in seine Gedankenwelt, erzählt von seiner Vergangenheit und lässt einen Stück für Stück verstehen, warum er heute der Mensch ist, der er geworden ist. Verstehen bedeutet dabei natürlich nicht entschuldigen – ganz im Gegenteil. Trotzdem schafft Rebekah Stoke etwas, das ich an Psychothrillern besonders liebe: Sie zeichnet ihre Figuren nicht einfach schwarz oder weiß, sondern zeigt, wie zerstörerisch Erlebnisse aus der Vergangenheit einen Menschen prägen können.

Die Geschichte springt immer wieder zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Nach und nach setzen sich die einzelnen Puzzleteile zusammen und mit jeder Enthüllung wird deutlicher, wie grausam die Wahrheit tatsächlich ist.

Was mir besonders gefallen hat: Hier geht es nicht darum, den Täter zu erraten. Man weiß relativ früh, mit wem man es zu tun hat. Dadurch kann man sich vollkommen auf die eigentliche Geschichte konzentrieren – und genau die hat es in sich.

Teilweise war das, was passiert, selbst für mich wirklich heftig.

Grausam, psychisch extrem belastend und an manchen Stellen auch ziemlich ekelig. Es gibt Szenen, bei denen ich kurz schlucken musste und dachte: Okay… das ist gerade wirklich hart. Für meinen persönlichen Geschmack war die Grenze zum Ekel manchmal ganz leicht überschritten. Trotzdem hat es für die Geschichte funktioniert und nie wie reine Effekthascherei gewirkt.

Besonders mit Robyn habe ich unglaublich mitgefiebert. Was sie im Laufe der Handlung durchmachen muss, war teilweise kaum auszuhalten. Immer wieder hoffte ich, dass sich für sie endlich alles zum Guten wenden würde. Gleichzeitig konnte ich das Buch keine Sekunde aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen musste, wie alles zusammenhängt.

Rebekah Stoke versteht es einfach, Spannung konstant aufrechtzuerhalten. Obwohl die Kapitel meist etwas länger sind, hatte ich nie das Gefühl, dass sich die Geschichte zieht. Ihr Schreibstil liest sich flüssig und sorgt dafür, dass man komplett in die Handlung eintaucht. Besonders gelungen fand ich die wechselnden Ich-Perspektiven der Figuren. Dadurch bekommt man einen intensiven Einblick in ihre Gedanken und Gefühle – sogar in Brians verstörende Gedankenwelt.

Immer wieder gibt es Rückblicke, die sowohl Jakes und Robyns Beziehung als auch Brians Vergangenheit beleuchten. Genau diese Rückblenden machen die Figuren greifbar und verleihen der Geschichte noch mehr Tiefe.

Als ich schließlich dachte, dass nun alle Fragen beantwortet wären und das Buch zu einem runden Ende gefunden hätte, kam der Epilog.

Und ganz ehrlich?

Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet.

Der Epilog hat mich noch einmal komplett überrascht und dafür gesorgt, dass ich das Buch erst einmal einen Moment zuklappen musste, um alles zu verarbeiten.

Für mich beweist Rebekah Stoke erneut, warum sie inzwischen zu meinen liebsten Psychothriller-Autorinnen gehört. Sie schafft es, schockierende Szenen mit einer packenden Handlung und psychologisch interessanten Figuren zu verbinden. Ihre Bücher sind nichts für zartbesaitete Leser, aber genau das macht sie für mich so besonders.

Wenn ihr Psychothriller mögt, die nicht nur spannend sind, sondern euch auch schockieren, verstören und noch lange nach der letzten Seite beschäftigen, dann solltet ihr euch „Das Stück“ unbedingt ansehen.

🖤 4,5 von 5