Where the Night Falls von Beril Kehribar

Manchmal greift man zu einem Buch mit einer ganz bestimmten Erwartung. Weil man die Autorin schon kennt, weil man ihre bisherigen Werke mochte, weil man weiß: Das könnte genau mein Ding werden. 

So ging es mir mit Where the Night Falls von Beril Kehribar. Von ihr habe ich bereits das eine oder andere Buch gelesen, deshalb war ich entsprechend gespannt, wie sich diese neue Reihe entwickeln würde.

Ein Internat auf einer abgelegenen Insel, ein altes Kloster, Menschen und Nachtwesen unter einem Dach, Magie, Geheimnisse und verschwundene Schülerinnen – auf dem Papier klingt das nach einer perfekten Mischung aus Dark Academia, Fantasy und Romantasy. Genau mein Beuteschema. Also rein ins Buch.

Zuerst einmal das Positive: Der Schreibstil ist wirklich gut. Flüssig, angenehm, leicht zu lesen. So ein Stil, bei dem man automatisch immer noch ein Kapitel liest. Und noch eins. Und noch eins. Das Buch lässt sich sehr schnell „runterlesen“, ohne anstrengend zu werden. Das mochte ich sehr. Auch die Grundidee hat mir gefallen. Aurelia als Außenseiterin mit unkontrollierter Magie, die mysteriösen Vorfälle an der Schule, der düstere Unterton – das alles hat definitiv Potenzial.

Leider konnte mich das Setting nicht so mitnehmen, wie ich es mir gewünscht hätte. Wir befinden uns auf einer Insel, in einem alten Kloster, in einem Internat – eigentlich perfekte Voraussetzungen für eine dichte, atmosphärische Welt. Doch für mich blieb vieles erstaunlich blass. Ich hatte selten das Gefühl, wirklich dort zu sein. Die Umgebung wurde nicht so lebendig beschrieben, dass sie mich komplett in die Geschichte gezogen hätte. Oft wusste ich zwar, wo wir sind, habe es aber nicht wirklich gespürt.

Auch der Fantasy-Anteil war für mich überraschend zurückhaltend. Ja, es gibt magische Wesen und Kräfte, aber insgesamt fühlte sich das Buch eher wie ein Kriminalfall mit ein bisschen Magie an, statt wie eine echte High-Fantasy-Welt. Wer hier ein sehr ausgeprägtes Worldbuilding erwartet, könnte enttäuscht sein.

Mit etwa 480 Seiten ist das Buch nicht kurz, aber auch kein dicker Wälzer. Trotzdem gab es immer wieder Längen, vor allem im Mittelteil. Viel Aufbau, viele Gespräche, wenig Fortschritt. An einigen Stellen ist mein Interesse dadurch spürbar abgesackt, obwohl ich die Geschichte eigentlich mochte.

Was mich am meisten gestört hat, war jedoch die Liebesgeschichte. Ich mag Romance, wirklich – wenn sie gut geschrieben ist. Hier hat sie für mich leider nicht funktioniert. Nathanael ist der klassische mysteriöse, dunkle Typ, der emotional verschlossen ist und natürlich eine tragische Vergangenheit hat. Aurelia fühlt sich zu ihm hingezogen, was wenig überraschend ist. Das Problem war für mich weniger das Klischee, sondern die fehlende Chemie. Ihre Beziehung basiert vor allem auf Andeutungen aus der Vergangenheit, die man selbst kaum miterlebt. In der Gegenwart habe ich zwischen ihnen kaum Funken gespürt. Viele Dialoge wirkten mal authentisch, mal unnötig dramatisch, mal einfach seltsam. Dadurch konnte ich ihre Gefühle nicht richtig nachvollziehen – und weil ihre Beziehung so viel Raum einnimmt, zieht das leider einiges von der ansonsten guten Story herunter.

Positiv hervorheben möchte ich das Ende. Das Finale hat mir wirklich gefallen. Nach einem sehr langsamen Aufbau nimmt die Geschichte plötzlich Fahrt auf, die Spannung steigt, und auch wenn manches vorhersehbar war, war es gut umgesetzt. Ab etwa siebzig Prozent wurde das Buch für mich richtig interessant. Da hatte ich endlich das Gefühl, jetzt zeigt die Geschichte, was eigentlich in ihr steckt – fast ein bisschen zu spät, aber immerhin.

Insgesamt ist „Where the Night Falls“ für mich ein Buch mit viel Potenzial und einer soliden Grundlage, das sich aber nicht immer traut, dieses Potenzial voll auszuschöpfen. Der Schreibstil ist angenehm, die Grundidee spannend, das Finale gelungen. Gleichzeitig leidet das Buch unter schwachem Worldbuilding, einigen Längen und einer Liebesgeschichte, die mich emotional nicht abholen konnte.

Am Ende bin ich dem Buch gegenüber ziemlich neutral eingestellt. Es gibt genauso viel, was mir gefallen hat, wie Dinge, die mich gestört haben. Trotzdem hat mich das Ende neugierig genug gemacht, um Band zwei lesen zu wollen. Ich hoffe sehr, dass dort Welt, Spannung und Emotionen noch stärker ausgebaut werden.

3/5 Sterne.

Kein Highlight, aber auch kein Reinfall – ein solider Auftakt mit Luft nach oben.


Monatsrückblick Januar – Zwischen Highlights, Gänsehaut und ganz viel Leseglück

Der Januar ist für mich ja immer so ein besonderer Lesemonat. Draußen grau, kalt, irgendwie endlos dunkel – und drinnen? Bücher. Viele Bücher. Kuscheldecke, Tee, Hörbuch, E-Reader, Stapel neben dem Bett. Ihr kennt das. Während andere noch über Neujahrsvorsätze nachdenken, bin ich längst mitten in neuen Welten, Kriminalfällen, Herzschmerz und Drachenkämpfen versunken.

Und rückblickend kann ich sagen: Dieser Januar hatte es in sich.

Fangen wir direkt mit einem absoluten Herzenshighlight an.

Children of Fallen Gods“ von Carissa Broadbent habe ich nicht gelesen. Ich habe es verschlungen. Wirklich. Dieses Buch war alles: intensiv, düster, romantisch, episch. Eine Fortsetzung, die nicht nur mithält, sondern alles noch einmal steigert. Emotionen, Spannung, Weltaufbau, Figurenentwicklung – hier passt einfach alles. Für mich ein Paradebeispiel dafür, wie stark moderne High Fantasy sein kann.

5/5 – Highlight, ohne Diskussion. ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Ganz anders, aber genauso eindrucksvoll war „Die Besucher“ von Marcus Kliewer. Kein klassischer Horror mit Schockmomenten, sondern etwas viel Gemeineres: psychologischer Horror, der sich langsam in den Kopf schleicht. Dieses Buch bleibt. Es lässt einen nicht los. Es wird polarisieren – und genau das macht es spannend. Wer klare Antworten braucht, wird vielleicht verzweifeln. Wer Mindfuck liebt, wird es feiern.

4,5/5 Sterne ⭐️⭐️⭐️⭐️✨

Mit „Dorn: Zimmer 203 – Ruf der Toten“ von Jo Fischler hatte ich dann wieder einen Thriller, bei dem wirklich alles gestimmt hat. Tempo, Atmosphäre, Figuren, Plot – ich habe nichts gefunden, worüber ich meckern könnte. Und das passiert selten.

5/5 – ein rundum gelungenes Leseerlebnis. ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Blutwild“ von Saskia te Marveld war für mich ein solides Debüt. Düster, stellenweise sehr beklemmend, mit einer starken Protagonistin. Nicht perfekt, aber absolut respektabel. Und vor allem: ein Buch, das neugierig auf mehr macht.

3,5/5 – mit Luft nach oben ⭐️⭐️⭐️✨

A Reaper at the Gates“ von Sabaa Tahir… ach ja. Auch hier: inhaliert. Brutal, emotional, voller Wendungen. Hoffnung und Verzweiflung liegen so nah beieinander, dass es manchmal fast weh tut. Und dieses Gefühl nach der letzten Seite – schweres Herz, tausend Gedanken, sofort weiterlesen wollen – das kenne ich nur von richtig guten Reihen.

4,5/5 Sterne ⭐️⭐️⭐️⭐️✨

Das Finale der New-York-Magics-Dilogie, „How To Find A Fallen Star“ von Lily S. Morgan, war für mich eine schöne Mischung aus Magie, Spannung und Gefühl. Mein einziger Kritikpunkt: Das Ende ging mir etwas zu glatt durch. Nach all der Spannung hätte ich mir noch mehr Nachhall gewünscht. Trotzdem ein starkes Finale.

4/5 Sterne ⭐️⭐️⭐️⭐️

Sehr spannend fand ich auch den Thriller ‚Im

Kopf des Bösem’ von Petra Mattfeldt und Axel Petermann rund um den Happy Face Killer. Ruhig, analytisch, intensiv. Kein reißerischer True Crime, sondern psychologischer Druck, der sich langsam aufbaut. Klug konstruiert und sehr eindringlich.

4/5 Sterne ⭐️⭐️⭐️⭐️

Mit „Never Safe“ von Lisa Jackson hatte ich wieder dieses vertraute Gefühl: altbekannte Thriller-Autorin, solide Spannung, gute Unterhaltung. Nicht ihr stärkstes Buch, aber definitiv lesenswert.

3,5/5 Sterne ⭐️⭐️⭐️✨

Ein Thron aus Knochen und Schatten“ von Laura Labas hat mir gezeigt, wie sehr Fortsetzungen noch einmal tiefer gehen können. Düster, emotional, mit starken Figuren und toller Atmosphäre. Trotz kleiner Längen blieb ich dran.

4/5 Sterne ⭐️⭐️⭐️⭐️

Herzfluch“ von Andreas Gruber war so ein Buch, bei dem ich nach dem Zuklappen sofort wusste: Band 1 muss ich noch lesen. Starke Figuren, hohe Spannung, fieser Cliffhanger. Ja, der Mittelteil hatte kleine Längen – geschenkt.

4,5/5 ⭐️⭐️⭐️⭐️✨

Mit „Body Number One“ von Helen Fields ging es dann nach Edinburgh – Serienmörderjagd im Nebel. Genau mein Ding. Düstere Atmosphäre, kurze Einblicke in die Gedankenwelt des Killers, kaum Verschnaufpausen. Das Buch hat mich konstant unter Spannung gehalten.

4/5 Sterne. ⭐️⭐️⭐️⭐️

Dance of Stars and Ashes“ von Nisha J. Tuli war für mich wieder der Beweis, warum ich ihre Bücher so liebe. Emotionen, Magie, innere Konflikte, Slow-Burn-Romance. Ich war ab dem ersten Kapitel drin. Kein fieser Cliffhanger, aber genug offene Fäden für große Vorfreude.

4,5/5 Sterne. ⭐️⭐️⭐️⭐️✨

Und dann noch „Tannengrab“ von Ines Buck – ein ruhiger, atmosphärischer Krimi mit Substanz. Kein lauter Thriller, sondern ehrliche, solide Krimikost mit starken Figuren. Genau die Art Buch, die zeigt, wie wichtig es ist, auch abseits der großen Namen zu lesen. 4/5 Sterne ⭐️⭐️⭐️⭐️

Wenn ich auf diesen Januar zurückblicke, sehe ich vor allem eines: Vielfalt. High Fantasy, Romantasy, Psychothriller, True Crime, Krimi, Serienkiller-Stoffe. Herzklopfen, Gänsehaut, Tränen, Staunen. Alles dabei.

Und genau deshalb liebe ich Monatsrückblicke. Sie zeigen mir nicht nur, was ich gelesen habe – sondern auch, wie sehr Bücher mein Leben begleiten.

Ich bin gespannt, was der Februar bringt.

Aber eines weiß ich jetzt schon: Der Januar hat die Messlatte ziemlich hoch gelegt. 📚✨


Sophie L. von Matthew Blake

Manchmal liest man ein Buch wegen einer einzigen Frage. Einer Idee, die sich sofort im Kopf festsetzt und nicht mehr loslässt.

Bei Sophie L. von Matthew Blake war es genau diese:

Was, wenn eine Erinnerung dich das Leben kosten kann?

Allein dieser Gedanke hat mich neugierig gemacht. Eine Gedächtnisexpertin. Eine Großmutter, die plötzlich behauptet, sie habe vor Jahrzehnten einen Mord begangen. Paris. Ein berühmtes Hotel. Vergangenheit, die wieder an die Oberfläche drängt. Das klang nach psychologischem Thriller mit Tiefgang. Nach Spannung, Abgründen und großen Fragen rund um Schuld, Wahrheit und Erinnerung.

Also: gelesen. Und… gemischte Gefühle.

Im Mittelpunkt steht Olivia Finn, die in einem Londoner Krankenhaus als Gedächtnisexpertin arbeitet. Als sie erfährt, dass ihre Großmutter Josephine in Paris aufgetaucht ist und behauptet, eigentlich Sophie zu heißen und einen Mord begangen zu haben, reist sie sofort zu ihr. Doch noch bevor Olivia wirklich Antworten bekommt, wird Josephine ermordet. Und plötzlich steht nicht nur die Vergangenheit der Großmutter im Raum, sondern auch Olivias eigene Geschichte.

Die Grundidee ist wirklich stark. Sehr sogar. Der Roman spielt mit Erinnerung, Verdrängung, Schuld und Manipulation – Themen, die unglaublich viel Potenzial bieten. Besonders gefallen hat mir der Perspektivwechsel, der der Handlung Dynamik verleiht und verschiedene Blickwinkel eröffnet. Dadurch bleibt die Geschichte in Bewegung und wirkt nie statisch.

Allerdings hat sich das Buch für mich weniger wie ein klassischer Thriller gelesen, sondern eher wie ein ruhiger, atmosphärischer Krimi. Die Spannung ist da – aber sie ist leise. Subtil. Mehr unterschwellig als nervenzerreißend. Wer Hochspannung und ständige Cliffhanger erwartet, wird hier vermutlich enttäuscht.

Was mich am meisten gestört hat, war der Umgang mit Olivias Beruf. Eine Gedächtnisexpertin in einem Roman über Erinnerungen? Das ist eigentlich eine Steilvorlage. Ich hatte mir erhofft, dass genau dieses Fachwissen eine zentrale Rolle spielt. Dass Olivia analysiert, hinterfragt, Muster erkennt. Doch genau das passiert kaum. Ihr Know-how bleibt erstaunlich blass und wird für die Handlung nur oberflächlich genutzt. Das war für mich eine verpasste Chance.

Auch emotional blieb ich häufig auf Distanz. Die Enthüllungen rund um ihre Großmutter sind eigentlich erschütternd – und doch wirkt Olivia oft sehr kontrolliert, fast kühl. Obwohl ihre Beziehung als eng beschrieben wird, kam diese innere Erschütterung bei mir nicht immer an. Ich hätte mir mehr emotionale Tiefe, mehr innere Zerrissenheit gewünscht.

Ähnlich ging es mir mit einigen Nebenfiguren, vor allem mit Tom. Er bleibt über weite Strecken sehr blass, wirkt eher funktional als lebendig. Auch der familiäre Hintergrund – insbesondere das Schicksal von Olivias Mutter und ihre Schuldgefühle – wird zwar angeschnitten, aber nicht wirklich ausgearbeitet. Dabei hätte genau das der Geschichte viel mehr Gewicht geben können.

Einige Entwicklungen waren für mich relativ früh absehbar. Dadurch verlor das Finale ein wenig an Kraft. Die Auflösung kam mir zu knapp vor und psychologisch nicht so tiefgehend, wie ich es mir gewünscht hätte.

Und trotzdem: Ich habe das Buch gern gelesen.

Der Schreibstil ist angenehm, ruhig und atmosphärisch. Paris als Schauplatz ist schön eingefangen. Die Grundidee trägt die Geschichte. Und trotz meiner Kritikpunkte habe ich mitgerätselt und wollte wissen, wie alles zusammenhängt.

Sophie L.“ ist ein solides, gut lesbares Buch mit einer sehr starken Ausgangsidee, das für mich eher als Krimi denn als Thriller funktioniert. Es hätte an vielen Stellen mehr Tiefe, mehr Konsequenz und mehr psychologischen Mut vertragen können – bleibt aber dennoch unterhaltsam.

Meine Erwartungen waren nach dem Vorgänger höher. Enttäuscht bin ich nicht. Begeistert aber auch nicht.

⭐️⭐️⭐️ 3/5 Sterne

Ein Roman mit viel Potenzial, schöner Atmosphäre und interessanter Grundidee – der für mich leider nicht ganz ausgeschöpft wurde.


„Until the Light Destroys“ von Alessia Gold

Nachdem mir schon der erste Band der Redveil-Dilogie so gut gefallen hatte, war für mich klar: An diesem Finale komme ich nicht vorbei. Und mal ehrlich – sobald irgendwo Vampire auftauchen, bin ich emotional sowieso sofort investiert. Wahrscheinlich ein Überbleibsel aus meiner Buffy-Jugendzeit. Manche Dinge prägen einfach fürs Leben. 

Umso größer war meine Vorfreude auf „Until the Light Destroysvon Alessia Gold – und um es vorwegzunehmen: Dieses Finale ist kein sanftes Ausklingen, kein gemütliches Happy-End zum Durchatmen. Es ist intensiv, leidenschaftlich, dunkel und trifft mitten ins Herz. Vor allem, wenn man morally grey Charaktere liebt und keine makellosen Held:innen braucht.

Xara steckt weiterhin tief in einem gefährlichen Spiel aus Macht, Leidenschaft und Geheimnissen. Dorian, der Vampirfürst, und Juraj, sein charismatischer Diener, sehen in ihr die Reinkarnation einer verlorenen Liebe – und damit wird sie automatisch zum Mittelpunkt eines uralten Konflikts. Während Xara versucht, die Wahrheit hinter all dem aufzudecken, stößt sie auf immer neue Lügen, Halbwahrheiten und verborgene Motive. Besonders Juraj, dem sie sich emotional sehr nahe fühlt, entpuppt sich als deutlich komplizierter, als sie gedacht hätte. Und bevor sie wirklich Klarheit gewinnen kann, gerät sie in die Fänge eines verfeindeten Vampirclans – und wird zum Schlüssel eines Fluchs, der alles zu zerstören droht.

Was mir von Anfang an wieder sehr gefallen hat, ist der Schreibstil. Er ist angenehm, flüssig und zieht einen ohne große Umwege in die Geschichte hinein. Ich war schnell wieder drin und sofort emotional bei den Figuren. Erzählt wird erneut aus den Ich-Perspektiven von Xara, Juraj und Dorian, was ich unglaublich gelungen fand. Man ist nicht nur Beobachter, sondern steckt direkt in ihren Gedanken, Zweifeln, Ängsten und Sehnsüchten. Gerade bei einem so komplexen Beziehungsgeflecht ist das ein riesiger Pluspunkt.

Die Dynamik zwischen diesen drei Figuren ist für mich das Herzstück des Buches. Da ist Spannung, Nähe, Misstrauen, Anziehung, Macht – alles gleichzeitig. Nichts ist einfach, nichts eindeutig. Und genau das macht es so faszinierend. Ich mochte besonders, dass sich die Charaktere spürbar weiterentwickeln. Niemand bleibt stehen. Jeder wird mit Konsequenzen konfrontiert. Manche Entscheidungen haben mich überrascht, manche schockiert – aber sie fühlten sich immer logisch an.

Spannung und Tempo werden früh aufgebaut und bleiben konstant hoch. Die Kapitel sind angenehm kurz, was diesen typischen „Nur noch eins…“-Effekt auslöst. Die wechselnden Perspektiven verstärken das noch. Kaum ist man in einer Szene angekommen, will man sofort wissen, wie es bei den anderen weitergeht. So liest sich das Buch fast wie im Rausch.

Auch optisch und strukturell ist der Band wieder sehr gelungen. Die Symbolik aus Band eins wird aufgegriffen und weitergeführt, das Cover und der Farbschnitt greifen diese Motive schön auf. Die Namensübersicht am Anfang und das Glossar am Ende fand ich hilfreich, gerade in einer Welt mit vielen Begriffen und Hintergründen. Man merkt, dass hier mitgedacht wurde.

Inhaltlich hat mich der zweite Band sogar noch etwas mehr abgeholt als der erste. Die Geschichte ist düsterer, emotionaler und mutiger. Die Konflikte werden zugespitzt, die Masken fallen, und niemand kommt unversehrt davon. Es gibt keine einfachen Lösungen – nur schwierige Entscheidungen. Genau das mag ich an Dark Romantasy.

Emotionen spielen hier eine große Rolle. Liebe, Zweifel, Loyalität, Verrat, Angst, Hoffnung – alles fühlt sich sehr nah an. Manche Szenen haben mich wirklich berührt, andere haben mein Herz kurz zusammengezogen. Und ja, es wird auch spicy, aber immer eingebettet in die Handlung und nicht einfach nur Selbstzweck.

Das Finale ist intensiv, dramatisch und konsequent. Kein Wohlfühlende, sondern eines, das nachhallt. Eines, über das man noch nachdenkt, wenn das Buch längst zugeklappt ist.

Für mich ist „Until the Light Destroys“ ein sehr starker Abschluss dieser Vampir-Dilogie. Dynamisch, fesselnd, emotional und mit Figuren, die im Kopf bleiben. Wer dunkle Romantasy mit Tiefe, Spannung und morally grey Charakteren liebt, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen.

⭐️ 4,5/5 Sterne

Ein würdiges, intensives Finale – und eine Reihe, die ich sehr gern gelesen habe.


Shield of Sparrows von Devney Perry

Es gibt diese Bücher, um die man monatelang herumschleicht. Man liest den Klappentext. Speichert sie auf der Wunschliste. Schiebt sie in Gedanken immer wieder nach vorne. Und denkt trotzdem jedes Mal: „Ja… irgendwann.“

Genau so ging es mir mit Shield of Sparrows von Devney Perry.

Und ganz ehrlich?

Ich könnte mir heute in den Hintern beißen, dass ich es nicht früher gelesen habe.

Denn dieses Buch hat mich komplett abgeholt. Emotional. Atmosphärisch. Und mit einer Wucht, mit der ich so nicht gerechnet hätte. Für mich ist dieser Auftakt zur Shield-of-Sparrows-Reihe ein echtes Herzensbuch geworden.

Schon der Einstieg zieht einen sofort hinein in eine Welt, in der Götter Monster erschaffen haben, um die Menschen an ihre Bedeutungslosigkeit zu erinnern. Eine Welt, in der Angst zum Alltag gehört. In der Vogelwesen vom Himmel stürzen, bärenartige Kreaturen ganze Dörfer verwüsten und niemand jemals wirklich sicher ist.

Und mittendrin: Odessa.

Eine Prinzessin, die nie wirklich eine war.

Nie im Rampenlicht. Nie im Mittelpunkt. Immer nur „die andere“. Die Schwester im Schatten. Während Mae die perfekte Königstochter spielt, wurde Odessa im Hintergrund zur Spionin ausgebildet, lernte mit Messern umzugehen und sich selbst zu behaupten – ohne je wirklich gesehen zu werden.

Bis zu dem Tag, an dem sich alles ändert.

Ein Prinz. Ein Vertrag. Ein Blutpakt. Eine arrangierte Ehe. Eine Reise in das gefährlichste Königreich des Kontinents. Und plötzlich wird Odessa zur Spielfigur in einem politischen Spiel, das sie sich nie ausgesucht hat.

Was ich an diesem Buch so sehr liebe, ist das Worldbuilding.

Die fünf Königreiche von Calandra fühlen sich lebendig an. Unterschiedlich. Eigenständig. Mit eigenen Regeln, Traditionen und Gefahren. Besonders das geheimnisvolle Turah hat mich sofort fasziniert. Verschlossen, düster, voller unausgesprochener Wahrheiten. Ein Ort, der seine Geheimnisse hütet wie Schätze – und genau deshalb so spannend ist.

Dazu kommen die Monster. Und zwar nicht als bloße Kulisse, sondern als echte Bedrohung. Crux, Bariwölfe, Knochenaale, Grizzur, Tarkin – jedes Wesen wirkt durchdacht und gefährlich. Die Kämpfe sind intensiv, teilweise brutal, und sorgen dafür, dass man als Leserin ständig mitfiebert.

Besonders interessant fand ich auch die mysteriöse Krankheit, die die Monster befällt. Stück für Stück erfährt man mehr darüber – und merkt schnell, dass hier etwas Größeres im Hintergrund brodelt.

Aber das Herzstück der Geschichte ist für mich Odessa.

Ihre Entwicklung ist einfach wunderschön erzählt.

Von der übersehenen Prinzessin zur Frau, die lernt, für sich einzustehen. Die trainiert, kämpft, scheitert, weitermacht. Die nicht perfekt ist – und genau deshalb so stark wirkt.

In Turah beginnt sie, sich selbst zu entdecken. Sie hinterfragt Befehle. Widerspricht. Geht Risiken ein. Und wächst an jeder Herausforderung.

An ihrer Seite: der Hüter.

Ein geheimnisvoller Krieger mit beinahe übermenschlichen Fähigkeiten. Beschützer. Wächter. Und natürlich: Herzklopfen-Garant.

Die Dynamik zwischen ihm und Odessa ist slow burn vom Feinsten. Keine überstürzten Gefühle. Kein künstliches Drama. Sondern vorsichtige Annäherung, gegenseitiges Misstrauen, wachsendes Vertrauen – und dieses leise, stetige Knistern, das man auf jeder Seite spürt.

Auch ihre Ehe mit Zavier ist spannend angelegt. Distanz. Unklarheit. Emotionale Spannung. Nichts ist hier einfach oder schwarz-weiß.

Die Handlung selbst ist durchgehend fesselnd.

Odessa wird unvorbereitet in eine Rolle geworfen, für die sie nie gedacht war. Sie muss sich in einer fremden Welt behaupten, politische Intrigen durchschauen und gleichzeitig lernen, sich selbst zu vertrauen. Ich mochte besonders, dass sie nicht einfach alles hinnimmt, sondern aktiv wird, Fragen stellt und Grenzen überschreitet.

Und ja – das Buch hat über 700 Seiten.

Aber keine davon hat sich für mich zu viel angefühlt. Ich war ständig neugierig, wollte wissen, wie es weitergeht, welche Geheimnisse noch gelüftet werden, wer wirklich auf welcher Seite steht.

Zum Ende hin zieht die Geschichte noch einmal richtig an. Einige Fragen werden beantwortet – aber mindestens genauso viele neue aufgeworfen. Und dieses Finale? Brutal. Emotional. Herzzerreißend. Genau so, wie ein guter Reihenauftakt enden sollte.

Ich habe das Buch zugeklappt und sofort gedacht:

Ich brauche Band zwei. Jetzt. Sofort.


Shield of Sparrows“ ist für mich ein perfekter Auftakt.

Eine faszinierende Welt, gefährliche Monster, politische Intrigen, eine starke Heldin, eine wunderschöne Slow-Burn-Romance und ein Plot, der konstant trägt.

Ja, ein paar Wendungen lassen sich erahnen.

Aber das stört hier überhaupt nicht, weil das Gesamtpaket einfach stimmt.

Für mich:

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ 5/5 Sterne

Highlight. Herzensbuch. Große Liebe.

Wenn ihr epische Fantasy mit Romance, starken Figuren und einer düsteren, spannenden Welt mögt – dann solltet ihr dieses Buch unbedingt lesen.

Ich freue mich riesig auf die Fortsetzung. 📚✨


Good Night, Pretty Girl von Alex Finlay

 Manchmal gibt es Autor:innen, bei denen man nach einem Buch weiß: Wenn da etwas Neues erscheint, bin ich wieder dabei. Ohne langes Zögern. Ohne großes Abwägen. Einfach, weil man diesem Namen inzwischen vertraut.

Genau so ging es mir nach Allein gegen die Lüge – und deshalb musste auch Good Night, Pretty Girl von Alex Finlay sofort bei mir einziehen.

Schon die Grundidee hat mich gepackt. Zwei grausame Verbrechen, fünfzehn Jahre voneinander entfernt. Zwei Nächte, die sich erschreckend ähneln. Zwei Mal überlebt jeweils nur ein Mädchen. Und beide hören dieselben Worte:

„Good night, pretty girl.“

Allein dieser Satz hat mir beim Lesen regelmäßig eine Gänsehaut beschert.

Die Geschichte beginnt mit dem Überfall auf eine Videothek an Silvester 1999. Vier junge Mädchen, Nachtschicht, Routine – bis alles eskaliert. Nur Ella überlebt. Der mutmaßliche Täter verschwindet, der Fall bleibt ungelöst. Jahre später wiederholt sich das Grauen in einer Eisdiele. Drei Tote. Eine Überlebende: Jessie. Und plötzlich wird klar, dass die Vergangenheit nie wirklich abgeschlossen war.

Was mir an diesem Buch besonders gefallen hat, ist die Art, wie Finlay seine Figuren aufbaut. Im Mittelpunkt stehen vier Menschen, die alle auf ihre Weise mit den Taten verbunden sind:

Ella, die nie richtig loslassen konnte.

Jessie, die nicht nur Opfer sein will, sondern Antworten sucht.

Chris, der Bruder des damaligen Verdächtigen, der seit Jahren unter einem Schatten lebt, den er sich nie ausgesucht hat.

Und Sarah Keller, die FBI-Agentin, die versucht, Ordnung in all das Chaos zu bringen.

Alle vier tragen ihre eigene Geschichte mit sich herum. Ihre Perspektiven unterscheiden sich, ihre Motivationen auch – und genau das macht die Handlung so lebendig. Man bekommt nie nur eine Wahrheit serviert, sondern immer wieder neue Blickwinkel auf dieselben Ereignisse.

Erzählt wird auf zwei Zeitebenen: in der Gegenwart mit den neuen Morden und in Rückblicken auf 1999. Der Fokus liegt klar auf dem Jetzt, während die Vergangenheit eher dosiert eingestreut wird. Das hat mir gut gefallen, weil die Spannung dadurch konstant hoch bleibt, ohne dass man sich in endlosen Rückblenden verliert.

Typisch für Finlay sind auch hier wieder die kurzen, knackigen Kapitel. Kaum hat man sich in eine Perspektive eingelesen, wechselt sie – natürlich genau dann, wenn es gerade besonders spannend wird. Dieses kleine, fiese Spiel mit der Neugier beherrscht er einfach perfekt. „Nur noch ein Kapitel“ funktioniert hier leider überhaupt nicht. Man liest immer weiter. Und weiter. Und weiter.

Inhaltlich ist „Good Night, Pretty Girl“ sehr clever konstruiert. Hinweise werden gestreut, Spuren gelegt, falsche Fährten eingebaut. Man glaubt zwischendurch immer wieder, ein Stück weiter zu sein – nur um kurz darauf festzustellen, dass man sich vielleicht doch geirrt hat. Dieses Miträtseln hat mir großen Spaß gemacht.

Im direkten Vergleich zu „Allein gegen die Lüge“ bleibt dieses Buch für mich jedoch minimal zurück. Nicht, weil es schlechter geschrieben wäre – im Gegenteil. Sondern weil mich die Figuren dort emotional noch etwas stärker gepackt haben. Vor allem die Familiengeschichte aus dem ersten Buch hat mich tiefer berührt. Hier blieb ich zu manchen Charakteren ein kleines Stück auf Distanz, besonders zu Jessie. Ich mochte sie, aber sie ist mir nicht ganz so nah gekommen wie andere Figuren bei Finlay.

Das ist allerdings Kritik auf sehr hohem Niveau.

Denn unterm Strich ist „Good Night, Pretty Girl“ ein extrem spannender, sauber konstruierter Thriller mit starkem Tempo, interessanten Figuren und einer durchdachten Handlung. Finlay beweist erneut, dass er weiß, wie man Geschichten aufbaut, Spannung hält und Leser:innen bei der Stange lässt.

Für mich steht nach diesen beiden Büchern fest: Dieser Autor wandert auf meine „Blind-kaufen-Liste“. Umso mehr freue ich mich, dass bereits ein weiteres Buch auf Deutsch angekündigt ist.

Ein atmosphärischer, clever erzählter Thriller, der mit zwei Zeitebenen, starken Perspektiven und einem konstanten Spannungsbogen überzeugt. Auch wenn er für mich minimal hinter dem Vorgänger zurückbleibt, ist das hier ein sehr starkes Leseerlebnis.

⭐️⭐️⭐️⭐️ 4/5 Sterne

Und falls ihr „Allein gegen die Lüge“ noch nicht kennt: Unbedingt nachholen. Beide Bücher lohnen sich – und zeigen, warum Alex Finlay aktuell zu den spannendsten Namen im Thrillerbereich gehört. 📚🖤