Manchmal gibt es Bücher, bei denen man schon nach wenigen Seiten merkt, dass sie die Leserschaft spalten werden.
Und ganz ehrlich?
‚Royal Clair Club – Her First Hunt‘ von Ayla Dade gehört definitiv in diese Kategorie.
Ich glaube sogar, dass dieses Buch bei vielen entweder komplett zünden wird oder überhaupt nicht funktioniert.
Dazwischen gibt es vermutlich nicht viel.
Bei mir war es irgendwo zwischen absolut gefesselt und komplett sprachlos.
Und zwar nicht immer aus denselben Gründen. 😅
Schon der Einstieg macht deutlich, dass hier keine klassische Romantasy auf die Leser wartet. Die Atmosphäre ist von Anfang an düster, dekadent und irgendwie verstörend. Alles wirkt größer als das Leben selbst. Reicher. Gefährlicher. Exzessiver.
Und mittendrin steht Inez.
Sie stammt aus Westcliff, dem Armenviertel der Stadt, und hat sich mit einem Stipendium einen Platz am prestigeträchtigen St. Clair College erkämpft. Ein Ort, an dem Macht, Geld und Einfluss wichtiger sind als alles andere.
Natürlich weiß man als Leser sofort, dass sie dort nicht einfach studieren wird.
Denn St. Clair ist kein Ort, an dem man unauffällig bleibt. Vor allem nicht, wenn man die Aufmerksamkeit der berüchtigten X-Boys auf sich zieht.
Und damit wären wir auch schon bei Calix.
Oder besser gesagt: dem wandelnden Problem namens Calix. 😅
Ich glaube, es gibt kaum eine Figur in letzter Zeit, bei der ich so oft zwischen „Was stimmt eigentlich nicht mit dir?“ und „Warum bist du trotzdem interessant?“ geschwankt habe.
Calix ist manipulativ, arrogant, kontrollierend und definitiv keine Figur, die man als klassischen Bookboyfriend bezeichnen würde.
Er ist kaputt. Gebrochen. Moralisch irgendwo sehr weit von der nächsten roten Ampel entfernt.
Und trotzdem schafft Ayla Dade es, ihm genug Tiefe zu geben, damit man hinter die Fassade schauen möchte. Nicht um ihn zu entschuldigen. Sondern um ihn zu verstehen. Und genau das macht ihn so faszinierend.
Die Dynamik zwischen ihm und Inez lebt dabei weniger von Romantik als von Macht, Kontrolle, Anziehung und Besessenheit.
Das ist nicht gesund. Das soll es auch gar nicht sein. Und ich glaube, genau das muss man vor dem Lesen wissen.
Wer hier nach einer süßen Liebesgeschichte sucht, wird wahrscheinlich sehr schnell feststellen, dass er im falschen Buch gelandet ist.
Die Beziehung zwischen den beiden bewegt sich ständig auf einer Grenze zwischen Faszination und Gefahr. Manchmal war ich komplett gefesselt.
Manchmal saß ich einfach nur da und dachte:
„WTF lese ich hier eigentlich gerade?“
Und ich meine das weder ausschließlich positiv noch ausschließlich negativ. Es beschreibt mein Leseerlebnis vermutlich am besten. 😅
Besonders gefallen hat mir allerdings das Setting. Das St. Clair College ist genau die Art von Dark-Academia-Kulisse, die ich liebe. Eine abgelegene Insel. Alte Gemäuer. Düstere Geheimnisse. Machtspiele. Intrigen. Eine Elite, die ihre ganz eigenen Regeln hat.
Man spürt ständig, dass unter der Oberfläche etwas lauert. Dass niemand ganz ehrlich ist. Dass hinter jeder Tür ein weiteres Geheimnis warten könnte. Diese Atmosphäre hat mich wirklich durch das Buch getragen.
Was ich allerdings sagen muss: Wer wegen des Begriffs Romantasy zugreift, sollte die Erwartungen etwas anpassen. Denn der Fantasyanteil fiel für mich überraschend gering aus.
Natürlich gibt es fantastische Elemente und sie spielen auch eine Rolle für die Handlung. Aber für meinen Geschmack hätte dieser Aspekt deutlich stärker ausgebaut werden dürfen.
Gerade weil die wenigen Fantasyelemente neugierig machen.
Ich wollte mehr darüber erfahren. Mehr Hintergrund. Mehr Magie. Mehr Welt.
Stattdessen liegt der Fokus sehr deutlich auf den Figuren, ihren Dynamiken und den dunklen Machtstrukturen innerhalb des Colleges.
Das muss nichts Schlechtes sein.
Es war nur etwas anderes, als ich ursprünglich erwartet hatte.
Der Schreibstil selbst passt perfekt zur Geschichte.
Intensiv. Direkt. Düster. Teilweise fast schon berauschend.
Die Seiten fliegen nur so dahin und genau das hat dazu geführt, dass ich trotz aller Fragezeichen ständig weiterlesen wollte.
Denn langweilig wird dieses Buch definitiv nicht.
Niemals.
Ob man alles daran mag, ist eine andere Frage.
Aber Langeweile kommt hier garantiert nicht auf.
Deshalb fällt es mir auch schwer, eine klassische Bewertung abzugeben.
Es gab Dinge, die mich begeistert haben. Dinge, die mich irritiert haben. Und Dinge, bei denen ich bis heute nicht weiß, wie ich sie eigentlich finden soll.
Aber genau deshalb ist mir das Buch im Gedächtnis geblieben. Und manchmal ist das vielleicht sogar mehr wert als Perfektion.
Royal Clair Club – Her First Hunt ist düster, exzessiv, spicy, verstörend, faszinierend und definitiv nichts für jeden Geschmack.
Lest unbedingt die Triggerwarnungen.
Und wenn ihr Dark Academia, moralisch fragwürdige Figuren und Geschichten mögt, bei denen ihr regelmäßig eure eigenen Entscheidungen hinterfragt, könnte dieses Buch genau euer Ding sein.
Für mich war es ein absolut wilder Ritt.
🖤🖤🖤 3 von 5 Sternen




