S.T. Abby – Blood – Du sollst bereuen (The Mindf*ck Series, Band 2)

Nach dem ersten Band war für mich ziemlich schnell klar, dass ich unmöglich lange mit der Fortsetzung warten würde. Wobei “lange” hier ohnehin relativ ist – der Schreibstil der Reihe ist so unglaublich flüssig, dass ich Band eins und zwei tatsächlich an einem einzigen Nachmittag verschlungen habe. Eigentlich wollte ich nur kurz weiterlesen. Ihr kennt das. Aus “nur noch ein Kapitel” wurden plötzlich mehrere Stunden und zwei gelesene Bücher. 😅

Genau das ist für mich auch die größte Stärke der Mindf*ck Series. Diese Bücher lesen sich unglaublich schnell. Kurze Kapitel, ein flüssiger Schreibstil und ständig kleine Cliffhanger sorgen dafür, dass man das Gefühl hat, immer noch eine Seite lesen zu können. Und ehe man sich versieht, ist das Buch beendet. Ein blutiger Snack eben…

Auch in Blood – Du sollst bereuen bleibt Lana Myers eine der faszinierendsten Figuren der Geschichte.

Nach außen führt sie ein scheinbar perfektes Leben. Sie ist erfolgreich, attraktiv und inzwischen glücklich mit FBI-Agent Logan Bennett zusammen. Dass ausgerechnet Logan zu dem Team gehört, das die meistgesuchte Serienmörderin des Landes jagt, macht die gesamte Situation natürlich nicht gerade unkompliziert.

Denn Logan weiß nicht, wer Lana wirklich ist.

Während sie weiterhin ihren Rachefeldzug verfolgt, arbeitet der Mann, den sie liebt, Tag für Tag daran, sie zu finden.

Allein diese Ausgangslage sorgt permanent für Spannung. Bei jeder Begegnung habe ich mich gefragt, ob diesmal alles auffliegt. Ob irgendein kleiner Fehler genügt, damit Lanas gesamtes Kartenhaus zusammenbricht.

Besonders gut gefallen hat mir, dass sich die Beziehung zwischen Logan und Lana diesmal weiterentwickelt.

Im ersten Band stand vor allem das Kennenlernen im Mittelpunkt. Vieles fühlte sich noch leicht und beinahe unbeschwert an – soweit das bei einer Serienkillerin überhaupt möglich ist.

Im zweiten Band holt die Realität die beiden allerdings langsam ein.

Logan arbeitet ständig, Lana führt ein Doppelleben und irgendwann bleiben Konflikte natürlich nicht aus.

Gerade dieser Schritt hat die Beziehung für mich glaubwürdiger gemacht.

Die beiden streiten sich zum ersten Mal ernsthaft, Missverständnisse entstehen und man merkt, dass eine Beziehung eben nicht nur aus den schönen Momenten besteht.

Mit der Auflösung dieses Konflikts war ich allerdings nicht ganz glücklich.

Für meinen Geschmack wurde der Streit etwas zu schnell wieder beendet. Gerade weil Lana zuvor so verletzt und wütend war, hätte ich mir gewünscht, dass dieser Konflikt etwas mehr Raum bekommt. Stattdessen hatte ich das Gefühl, dass Logan vergleichsweise leicht aus der Situation herauskommt. Das wirkte auf mich etwas zu einfach und nahm der Szene ein wenig ihre emotionale Wirkung.

Was mich dagegen wieder komplett überzeugen konnte, war Lana selbst.

Je mehr man über ihre Vergangenheit erfährt, desto schwieriger wird es, sie ausschließlich als Täterin zu sehen.

Natürlich sind ihre Taten grausam. Daran besteht überhaupt kein Zweifel. Und trotzdem schafft es S.T. Abby immer wieder, den Leser in einen moralischen Zwiespalt zu bringen.

Denn ihre Opfer haben selbst Schreckliches getan.

Immer wieder habe ich mich gefragt, wie ich handeln würde, wenn das Rechtssystem versagt hätte und die Verantwortlichen niemals zur Rechenschaft gezogen worden wären.

Natürlich rechtfertigt das keine Morde.

Aber genau diese Grauzonen machen die Reihe für mich so spannend.

Sie zwingt einen dazu, über Gerechtigkeit nachzudenken. Über Rache. Und darüber, wo eigentlich die Grenze zwischen beidem verläuft.

Besonders gelungen fand ich diesmal außerdem, dass auch das Umfeld stärker in den Mittelpunkt rückt.

Nicht nur Lana und Logan entwickeln sich weiter, sondern auch die Figuren um sie herum gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Vor allem Logans Kolleginnen und Kollegen haben mir gut gefallen. Sie wirken kompetent, aufmerksam und glaubwürdig.

Gerade in Thrillern stört es mich oft, wenn Ermittler offensichtliche Hinweise übersehen oder nur deshalb Fehler machen, damit die Handlung funktioniert.

Hier hatte ich dieses Gefühl überhaupt nicht. Im Gegenteil.

Vor allem Hadley fand ich unglaublich interessant. Sie beobachtet genau, stellt die richtigen Fragen und entwickelt sich langsam zu einer Figur, die Lana durchaus gefährlich werden könnte.

Genau dadurch entsteht zusätzliche Spannung.

Auch die Erzählgeschwindigkeit empfand ich diesmal als deutlich ausgewogener.

Im ersten Band ging vieles extrem schnell. Hier nimmt sich die Geschichte etwas mehr Zeit, ohne dabei an Tempo zu verlieren. Nach und nach erhalten wir neue Informationen über Lanas Vergangenheit, gleichzeitig bleibt aber genügend offen, um neugierig auf die nächsten Bände zu machen.

Der Cliffhanger hat das natürlich wieder perfekt geschafft. Kaum war ich auf der letzten Seite angekommen, wollte ich eigentlich direkt weiterlesen.

Ein kleiner Kritikpunkt bleibt für mich allerdings die Länge. Mit knapp über 200 Seiten ist auch dieser Band wieder sehr kurz.

Ehrlich gesagt hätte ich mir gut vorstellen können, Band eins und zwei als einen gemeinsamen Roman zu lesen. Einige Szenen hätten durchaus etwas mehr Raum vertragen, gerade was die Figurenentwicklung betrifft.

Auf der anderen Seite ist es wahrscheinlich genau diese Kürze, die den enormen Lesesog der Reihe ausmacht.

Ich bin deshalb selbst etwas hin- und hergerissen.

Mehr Seiten hätten den Figuren vermutlich gutgetan.

Vielleicht hätte die Geschichte dadurch aber auch einen Teil ihres Tempos verloren.

Blood – Du sollst bereuen knüpft nahtlos an den starken Auftakt an und entwickelt sowohl die Handlung als auch die Figuren gelungen weiter. Besonders die moralischen Grauzonen, die Dynamik zwischen Lana und Logan und die wachsende Gefahr, dass ihre beiden Welten jederzeit aufeinanderprallen könnten, haben mich wieder komplett an die Geschichte gefesselt.

Auch wenn ich mir stellenweise etwas mehr Raum für die Figuren und einzelne Konflikte gewünscht hätte, bleibt die Reihe für mich ein absoluter Pageturner.

Der Cliffhanger hat natürlich genau das geschafft, was er sollte. Ich musste einfach weiterlesen.

4 von 5 schwarzen Herzen. 🖤


Marie Graßhoff – I Am the Blade (House of Blades 1)

Es gibt Bücher, auf die freut man sich monatelang – und dann überraschen sie einen trotzdem komplett. Genau so ging es mir mit I Am the Blade.

Ich hatte das Buch schon länger auf meiner Wunschliste. Überall auf Bookstagram wurde davon geschwärmt und irgendwann konnte ich einfach nicht mehr daran vorbeigehen. Eigentlich hatte ich eine richtig gute Romantasy erwartet. Bekommen habe ich aber viel mehr als das.

Alles begann tatsächlich mit einem Bild. Beim Scrollen durch Instagram blieb ich an einer Illustration hängen – eine junge Frau mit violetten Haaren vor einer düsteren Kulisse. Je öfter ich das Buch anschließend in meinem Feed gesehen habe, desto neugieriger wurde ich. Die Begeisterung war riesig, die Erwartungen entsprechend auch. Und trotzdem hätte ich nicht damit gerechnet, wie sehr mich diese Geschichte am Ende packen würde.

Im Mittelpunkt steht Seren, eine Assassine, die dem sogenannten Haus dient. Ihre Aufgabe ist es, Menschen zu richten, die das Gleichgewicht der Welt bedrohen. Das Besondere dabei: Nach jedem Auftrag nimmt sie die Seele ihres Opfers in sich auf und kann diese später als Waffe einsetzen. Allein diese Idee fand ich schon unglaublich spannend und erfrischend anders.

Doch dann tötet sie den Rebellen Vale – oder zumindest glaubt sie das. Seine Seele wird zu ihrer mächtigsten Waffe, weigert sich jedoch hartnäckig, sich ihr zu unterwerfen. Stattdessen kommentiert Vale alles, stellt Seren infrage und macht ihr das Leben ordentlich schwer. Allein diese Dynamik zwischen den beiden hat mich unglaublich gut unterhalten.

Was ich überhaupt nicht erwartet hatte, war der Krimi-Anteil der Geschichte. Ich war fest davon ausgegangen, eine klassische Romantasy zu lesen. Stattdessen gibt es mysteriöse Mordfälle, Intrigen, Verrat und politische Machtspiele, die sich durch die gesamte Handlung ziehen. Ständig hatte ich neue Verdächtige, habe Theorien aufgestellt und war überzeugt, den Durchblick zu haben – nur um wenig später wieder komplett umdenken zu müssen. Genau solche Geschichten liebe ich.

Besonders begeistert hat mich außerdem das Worldbuilding. Anfangs musste ich mich zwar erst einmal orientieren. Marie Graßhoff erklärt ihre Welt nicht bis ins kleinste Detail, sondern wirft einen mitten hinein. Das hat mir die ersten Kapitel ehrlich gesagt etwas erschwert, weil ich mich erst an die Regeln, Begriffe und Zusammenhänge gewöhnen musste. Sobald dieser Knoten aber geplatzt war, wollte ich diese Welt gar nicht mehr verlassen.

Immer wieder musste ich an Anime wie Noragami oder Soul Eater denken. Nicht, weil sich die Geschichten ähneln, sondern wegen dieser besonderen Mischung aus Seelen, Waffen und übernatürlichen Kräften. Trotzdem hat I Am the Blade seinen ganz eigenen Stil und fühlt sich nie wie eine Kopie an.

Auch die Figuren konnten mich überzeugen. Seren ist stark, entschlossen und trotzdem alles andere als unfehlbar. Gerade ihre Zweifel und inneren Konflikte machen sie unglaublich greifbar. Und dann ist da Vale. Ich wusste bis zum Schluss nie so genau, ob ich ihn sympathisch finden oder ihm lieber misstrauen sollte. Genau das macht ihn aber so interessant.

Besonders gut gefallen hat mir außerdem, dass die Romance nie die eigentliche Handlung überlagert. Natürlich gibt es einen Hate-to-Love-Aspekt und natürlich knistert es zwischen Seren und Vale. Aber ihre Beziehung entwickelt sich langsam und glaubwürdig. Es geht nicht um Liebe auf den ersten Blick, sondern um Vertrauen, das sich erst nach und nach entwickelt. Genau das hat für mich hervorragend funktioniert.

Ein riesiger Pluspunkt ist für mich außerdem die Liebe zum Detail, die Marie Graßhoff in dieses Projekt gesteckt hat. Man merkt einfach, dass hier unglaublich viel Herzblut drinsteckt. Eine eigene Spotify-Playlist, Zusatzmaterial, eine Community auf dem Neon-Gang-Discord und dann natürlich die wunderschöne Gestaltung. Besonders beeindruckend finde ich, dass die Autorin viele grafische Elemente selbst gestaltet hat. Dieses Gesamtpaket macht das Buch noch einmal zu etwas Besonderem.

Mein einziger kleiner Kritikpunkt bleibt tatsächlich der Einstieg. Durch das komplexe Worldbuilding brauchte ich ein paar Kapitel, bis ich vollständig angekommen war. Rückblickend hat sich diese kleine Eingewöhnungszeit aber absolut gelohnt.

Fazit

I Am the Blade hat mich komplett überrascht. Ich habe eine spannende Romantasy erwartet und eine Geschichte bekommen, die Fantasy, Krimi, Intrigen, politische Machtspiele und eine langsam entstehende Liebesgeschichte auf unglaublich gelungene Weise miteinander verbindet. Das außergewöhnliche Magiesystem, die düstere Atmosphäre und die Dynamik zwischen Seren und Vale haben dafür gesorgt, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.

Für mich ist das einer der stärksten Fantasy-Auftakte, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Jetzt bleibt mir nur eines: sehnsüchtig auf Band 2 warten. Und ehrlich gesagt freue ich mich jetzt schon riesig auf die Rückkehr in diese Welt.

4,5 von 5 🖤


Saskia Calden – Ein dunkles Versteck (Evelyn-Holm-Thriller 4)

Es gibt Autorinnen, bei denen man irgendwann denkt: Jetzt kenne ich ihren Stil. Jetzt schaffe ich es bestimmt endlich, den Täter vor ihr zu entlarven.

Und dann kommt Saskia Calden.

Spoiler: Ich lag mal wieder komplett daneben. 😂

Eigentlich hätte ich es nach inzwischen vier Bänden der Evelyn-Holm-Reihe besser wissen müssen. Trotzdem war ich fest davon überzeugt, diesmal wenigstens ein paar Zusammenhänge früh zu erkennen.

Tja.

Keine Chance.

Saskia Calden hat mich wieder einmal auf sämtliche falschen Fährten geschickt und als der große Plottwist kam, saß ich einfach nur sprachlos da. Mit vielem hätte ich gerechnet – damit definitiv nicht.

Genau das liebe ich an ihren Büchern.

Sie überrascht mich jedes Mal aufs Neue, ohne dass die Auflösung konstruiert wirkt. Im Gegenteil: Rückblickend ergibt plötzlich alles Sinn und genau das macht für mich einen richtig guten Thriller aus.

Diesmal beginnt die Geschichte zunächst ganz harmlos.

Isabell lernt beim Einkaufen einen fremden Mann kennen. Erst wirkt das Gespräch völlig belanglos. Doch nach und nach häufen sich die merkwürdigen Begegnungen. Der Mann kennt ihren Namen, weiß erstaunlich viel über ihr Leben und scheint plötzlich überall aufzutauchen. Als schließlich ein geflochtenes Armband vor ihrer Haustür liegt, kippt dieses ungute Gefühl endgültig in Angst.

Parallel dazu ermittelt Evelyn Holm in einem Vermisstenfall. Zunächst deutet vieles darauf hin, dass eine Studentin freiwillig verschwunden ist. Doch als kurze Zeit später eine grausam zugerichtete Frauenleiche gefunden wird, nimmt der Fall eine völlig andere Richtung. Die einzige Verbindung zwischen beiden Frauen scheint ein geflochtenes Armband zu sein.

Allein dieser Einstieg hat mich sofort gepackt.

Vor allem die Stalker-Thematik hat bei mir eine unglaublich beklemmende Atmosphäre erzeugt. Dieses Gefühl, ständig beobachtet zu werden. Nicht mehr zu wissen, ob man sich etwas einbildet oder ob wirklich jemand da ist. Genau diese schleichende Angst transportiert Saskia Calden unglaublich authentisch.

Ich ertappe mich bei solchen Büchern immer dabei, dass ich plötzlich selbst misstrauisch werde.

Ist die Haustür wirklich abgeschlossen?

Wo habe ich eigentlich meinen Schlüssel hingelegt?

Und warum knackt es plötzlich genau jetzt im Flur? 😅

Wenn ein Buch solche Gedanken auslöst, dann macht es für mich etwas richtig.

Besonders gelungen fand ich erneut die Perspektivwechsel.

Gerade die Kapitel aus Sicht der Opfer gehen unglaublich unter die Haut. Man spürt ihre Angst, ihre Verzweiflung und diese völlige Hilflosigkeit. Dadurch entsteht eine emotionale Nähe, die den Thriller noch intensiver macht.

Man fiebert nicht nur mit den Ermittlern mit.

Man hofft einfach die ganze Zeit, dass sie nicht zu spät kommen.

Auch Evelyn Holm und ihr Team haben mir wieder richtig gut gefallen.

Diesmal liegt der Fokus allerdings etwas stärker auf den eigentlichen Ermittlungen als auf den privaten Geschichten der Figuren. Das hat mich überhaupt nicht gestört. Im Gegenteil – ich hatte sogar das Gefühl, dass genau dadurch die Spannung noch einmal angezogen hat.

Gleichzeitig bleibt genügend Potenzial, um den Nebenfiguren in den kommenden Bänden wieder mehr Raum zu geben.

Was ich an der gesamten Reihe inzwischen besonders schätze, ist ihre Entwicklung.

Viele Reihen schaffen einen guten Auftakt und halten danach ihr Niveau.

Saskia Calden gelingt für mein Empfinden etwas Schwierigeres.

Sie wird mit jedem Band stärker.

Schon Der Puppenwald hat mich damals begeistert und ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass die Reihe dieses Niveau noch einmal steigern kann.

Doch genau das ist passiert.

Ein dunkles Versteck ist für mich bisher der stärkste Band der gesamten Reihe.

Die Spannung beginnt früh, hält sich konstant auf einem hohen Niveau und lässt bis zur letzten Seite nicht nach. Immer wieder glaubt man, endlich verstanden zu haben, worauf alles hinausläuft.

Und jedes Mal beweist Saskia Calden das Gegenteil.

Genau deshalb verschlinge ich ihre Bücher inzwischen fast schon blind.

Ich weiß vorher nie, was mich erwartet.

Ich weiß aber ganz sicher, dass ich überrascht werde.

Und genau dieses Vertrauen in eine Autorin ist für mich etwas Besonderes.

Ein dunkles Versteck verbindet einen hochspannenden Kriminalfall mit einer beklemmenden Stalker-Thematik und einer Atmosphäre, die einem immer wieder eine Gänsehaut beschert. Die Perspektivwechsel sorgen für zusätzliche Intensität und die Ermittlungen bleiben bis zum Schluss unvorhersehbar.

Für mich ist dieser vierte Band gleichzeitig auch der bisher stärkste der gesamten Evelyn-Holm-Reihe.

Saskia Calden gehört inzwischen zu den wenigen Autorinnen, bei denen ich ein neues Buch nicht mehr lange überlege, sondern einfach zugreife. Weil ich weiß, dass mich spannende Ermittlungen, großartige Plottwists und mindestens ein Moment erwarten, in dem ich fassungslos das Buch anstarre.

Und ganz ehrlich?

Ich freue mich jetzt schon riesig auf Band fünf.

5 von 5 schwarzen Herzen. 🖤


Karen A. Moon – Shadowed Wings: A Court of Darkness and Shadows 1

Karen A. Moon ist für mich inzwischen einfach eine feste Größe, wenn es um Fantasy geht. Schon ihre Reihe „A Throne of Roses and Thorns“ hat mich komplett begeistert und genau deshalb war für mich sofort klar, dass ich auch ihren neuen Reihenauftakt lesen muss. Als dann noch Drachen, Fae und Magie ins Spiel kamen, war es ohnehin um mich geschehen. Ehrlich gesagt hätte es den Klappentext wahrscheinlich gar nicht mehr gebraucht. 😅

Meine Vorfreude auf „Shadowed Wings“ war entsprechend riesig. Umso gespannter war ich natürlich, ob mich Karen A. Moon auch dieses Mal wieder so in ihre Welt ziehen kann.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Ora, eine junge Fae, die als Heilerin in einem kleinen, friedlichen Dorf lebt. Ihr Leben gerät jedoch völlig aus den Fugen, als ihr Ziehvater ermordet wird. Alles deutet darauf hin, dass ein Drache hinter der Tat steckt. Für Ora gibt es deshalb nur ein Ziel: Sie will den Mörder finden und die Wahrheit herausfinden. Um diesem Ziel näherzukommen, beginnt sie die gefährliche Ausbildung zur Drachenreiterin – eine Entscheidung, die ihr Leben komplett verändern wird.

Schon diese Ausgangssituation hat mich neugierig gemacht. Drachen stehen bei mir ohnehin fast automatisch hoch im Kurs und ich liebe Geschichten, in denen sie nicht nur schmückendes Beiwerk sind, sondern wirklich eine tragende Rolle übernehmen.

Trotzdem brauchte ich ein paar Kapitel, bis ich richtig in der Geschichte angekommen war.

Ich kann gar nicht genau sagen, woran es lag. Es war eher dieses Gefühl, dass die Handlung ihren eigenen Rhythmus noch nicht gefunden hatte. Vieles wurde eingeführt, neue Begriffe, Figuren und Orte prasselten auf mich ein und ich musste mich erst einmal orientieren. Dadurch kam der Lesefluss für mich zu Beginn noch nicht ganz in Gang.

Zum Glück änderte sich das relativ schnell.

Je weiter die Geschichte voranschritt, desto mehr entwickelte sie ihren ganz eigenen Sog. Plötzlich wollte ich immer wissen, welche Geheimnisse als Nächstes ans Licht kommen und wie die vielen Puzzleteile am Ende zusammenpassen würden.

Besonders gefallen hat mir die Welt, die Karen A. Moon erschaffen hat. Brysalia wirkt groß, geheimnisvoll und steckt voller Möglichkeiten. Drachen, Fae, Gestaltwandler, Götter, verschiedene Reiche und eine geheimnisvolle Akademie – es gibt unglaublich viel zu entdecken.

Manchmal hatte ich allerdings das Gefühl, dass die Autorin ihrer Welt fast ein bisschen zu viel Gutes tun wollte.

Immer wieder kamen neue Elemente hinzu, sodass ich zwischendurch dachte: Okay, jetzt reicht es vielleicht erst einmal. Nicht, weil die Ideen schlecht gewesen wären – ganz im Gegenteil. Viele davon fand ich richtig spannend. Aber stellenweise wirkte es auf mich etwas überladen, weil ständig neue Aspekte dazukamen, bevor die vorherigen vollständig greifbar wurden.

Trotzdem verliert die Geschichte nie ihren Unterhaltungswert.

Das liegt vor allem am angenehm flüssigen Schreibstil. Karen A. Moon erzählt sehr leicht und bildhaft, sodass die Seiten trotz der vielen Informationen erstaunlich schnell verflogen sind. Gerade in der zweiten Hälfte konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen.

Mit Ora hatte ich dagegen ein kleines Auf und Ab.

Ich mochte ihren Mut und ihre Entschlossenheit. Sie gibt nicht auf, stellt sich Herausforderungen und kämpft für die Menschen, die ihr wichtig sind.

Gleichzeitig gab es aber immer wieder Situationen, in denen ich ihre Entscheidungen einfach nicht nachvollziehen konnte. Oft handelte sie sehr impulsiv und stürzte sich kopfüber in gefährliche Situationen, ohne lange nachzudenken. Das hat sie zwar authentisch wirken lassen, mich als Leserin aber mehr als einmal den Kopf schütteln lassen.

Dadurch blieb zwischen uns eine kleine emotionale Distanz bestehen.

Ganz anders ging es mir mit Lunara.

Ich glaube, spätestens seit Fourth Wing ist klar, dass Drachen in Büchern bei mir ohnehin einen kleinen Bonus haben. 😅 Aber Lunara hat mein Herz wirklich im Sturm erobert. Jede Szene mit ihr hat mir unglaublich viel Freude bereitet und ich freue mich jetzt schon darauf, im nächsten Band noch mehr von ihr zu lesen.

Natürlich darf auch Caelen nicht unerwähnt bleiben.

Er gehört definitiv in die Kategorie geheimnisvoll, gefährlich und schwer einzuschätzen. Lange wusste ich nicht, ob ich ihm vertrauen soll oder lieber nicht. Genau dieses Spiel mit den Grauzonen hat mir gut gefallen und ich bin gespannt, welche Rolle er im weiteren Verlauf der Reihe noch spielen wird.

Auch die Romance entwickelt sich angenehm langsam. Sie drängt sich nie in den Vordergrund, sondern wächst Stück für Stück mit der Handlung mit. Das mochte ich sehr, weil der Fokus dadurch weiterhin auf der eigentlichen Geschichte, den Geheimnissen und der Welt lag.

Das Finale war dann noch einmal ein echtes Feuerwerk.

Einerseits passiert unglaublich viel und einige Wendungen haben mich wirklich überrascht. Andererseits hatte ich das Gefühl, dass hier sehr viele Handlungsstränge gleichzeitig zusammenlaufen sollten. Für meinen Geschmack wäre an manchen Stellen etwas weniger tatsächlich mehr gewesen. Manche Entwicklungen hätten ruhig noch ein wenig Raum bekommen dürfen, um ihre volle Wirkung zu entfalten.

Gestört hat mich das am Ende aber nicht so sehr, dass es meinen Gesamteindruck verschlechtert hätte.

Denn trotz kleiner Schwächen hat Shadowed Wings genau das geschafft, was ein Reihenauftakt für mich schaffen sollte: Es hat mich neugierig gemacht.

Ich möchte wissen, wie Oras Geschichte weitergeht, welche Geheimnisse Brysalia noch bereithält und welche Rolle Caelen, Lunara und die Drachen künftig spielen werden.

Und genau deshalb freue ich mich schon jetzt auf die Fortsetzung.

Ein gelungener Auftakt für alle, die Drachen, Fae, Magie und geheimnisvolle Fantasywelten lieben. Der Einstieg braucht zwar etwas Zeit und die Fülle an Ideen wirkt stellenweise leicht überladen, dafür überzeugt die Geschichte mit einem flüssigen Schreibstil, spannenden Wendungen und einer Welt, in der es noch unglaublich viel zu entdecken gibt.

Nicht jede Entscheidung von Ora konnte ich nachvollziehen, dafür hat Lunara mein Herz im Sturm erobert und die zweite Hälfte des Buches konnte mich komplett mitreißen.

Ich bin auf jeden Fall gespannt, wohin Karen A. Moon ihre Figuren im nächsten Band führen wird.

4 von 5 schwarzen Herzen. 🖤