Nachdem mir schon der erste Band der Redveil-Dilogie so gut gefallen hatte, war für mich klar: An diesem Finale komme ich nicht vorbei. Und mal ehrlich – sobald irgendwo Vampire auftauchen, bin ich emotional sowieso sofort investiert. Wahrscheinlich ein Überbleibsel aus meiner Buffy-Jugendzeit. Manche Dinge prägen einfach fürs Leben.
Umso größer war meine Vorfreude auf „Until the Light Destroys“ von Alessia Gold – und um es vorwegzunehmen: Dieses Finale ist kein sanftes Ausklingen, kein gemütliches Happy-End zum Durchatmen. Es ist intensiv, leidenschaftlich, dunkel und trifft mitten ins Herz. Vor allem, wenn man morally grey Charaktere liebt und keine makellosen Held:innen braucht.
Xara steckt weiterhin tief in einem gefährlichen Spiel aus Macht, Leidenschaft und Geheimnissen. Dorian, der Vampirfürst, und Juraj, sein charismatischer Diener, sehen in ihr die Reinkarnation einer verlorenen Liebe – und damit wird sie automatisch zum Mittelpunkt eines uralten Konflikts. Während Xara versucht, die Wahrheit hinter all dem aufzudecken, stößt sie auf immer neue Lügen, Halbwahrheiten und verborgene Motive. Besonders Juraj, dem sie sich emotional sehr nahe fühlt, entpuppt sich als deutlich komplizierter, als sie gedacht hätte. Und bevor sie wirklich Klarheit gewinnen kann, gerät sie in die Fänge eines verfeindeten Vampirclans – und wird zum Schlüssel eines Fluchs, der alles zu zerstören droht.
Was mir von Anfang an wieder sehr gefallen hat, ist der Schreibstil. Er ist angenehm, flüssig und zieht einen ohne große Umwege in die Geschichte hinein. Ich war schnell wieder drin und sofort emotional bei den Figuren. Erzählt wird erneut aus den Ich-Perspektiven von Xara, Juraj und Dorian, was ich unglaublich gelungen fand. Man ist nicht nur Beobachter, sondern steckt direkt in ihren Gedanken, Zweifeln, Ängsten und Sehnsüchten. Gerade bei einem so komplexen Beziehungsgeflecht ist das ein riesiger Pluspunkt.
Die Dynamik zwischen diesen drei Figuren ist für mich das Herzstück des Buches. Da ist Spannung, Nähe, Misstrauen, Anziehung, Macht – alles gleichzeitig. Nichts ist einfach, nichts eindeutig. Und genau das macht es so faszinierend. Ich mochte besonders, dass sich die Charaktere spürbar weiterentwickeln. Niemand bleibt stehen. Jeder wird mit Konsequenzen konfrontiert. Manche Entscheidungen haben mich überrascht, manche schockiert – aber sie fühlten sich immer logisch an.
Spannung und Tempo werden früh aufgebaut und bleiben konstant hoch. Die Kapitel sind angenehm kurz, was diesen typischen „Nur noch eins…“-Effekt auslöst. Die wechselnden Perspektiven verstärken das noch. Kaum ist man in einer Szene angekommen, will man sofort wissen, wie es bei den anderen weitergeht. So liest sich das Buch fast wie im Rausch.
Auch optisch und strukturell ist der Band wieder sehr gelungen. Die Symbolik aus Band eins wird aufgegriffen und weitergeführt, das Cover und der Farbschnitt greifen diese Motive schön auf. Die Namensübersicht am Anfang und das Glossar am Ende fand ich hilfreich, gerade in einer Welt mit vielen Begriffen und Hintergründen. Man merkt, dass hier mitgedacht wurde.
Inhaltlich hat mich der zweite Band sogar noch etwas mehr abgeholt als der erste. Die Geschichte ist düsterer, emotionaler und mutiger. Die Konflikte werden zugespitzt, die Masken fallen, und niemand kommt unversehrt davon. Es gibt keine einfachen Lösungen – nur schwierige Entscheidungen. Genau das mag ich an Dark Romantasy.
Emotionen spielen hier eine große Rolle. Liebe, Zweifel, Loyalität, Verrat, Angst, Hoffnung – alles fühlt sich sehr nah an. Manche Szenen haben mich wirklich berührt, andere haben mein Herz kurz zusammengezogen. Und ja, es wird auch spicy, aber immer eingebettet in die Handlung und nicht einfach nur Selbstzweck.
Das Finale ist intensiv, dramatisch und konsequent. Kein Wohlfühlende, sondern eines, das nachhallt. Eines, über das man noch nachdenkt, wenn das Buch längst zugeklappt ist.
Für mich ist „Until the Light Destroys“ ein sehr starker Abschluss dieser Vampir-Dilogie. Dynamisch, fesselnd, emotional und mit Figuren, die im Kopf bleiben. Wer dunkle Romantasy mit Tiefe, Spannung und morally grey Charakteren liebt, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen.
⭐️ 4,5/5 Sterne
Ein würdiges, intensives Finale – und eine Reihe, die ich sehr gern gelesen habe.




