The Whispering Dead – Gravekeeper (Band 1) von Darcy Coates

Manchmal entdeckt man ein Buch eher zufällig – und plötzlich eröffnet sich einem ein ganz neues Genre.

Genau so ging es mir mit „The Whispering Dead“.

Ich wusste zwar, dass ich einen Thriller in den Händen halte, aber erst später ist mir aufgefallen, dass er als Gothic-Thriller eingeordnet wird. Ehrlich gesagt habe ich mich vorher nie bewusst in dieser Ecke der Buchhandlung umgesehen. Nach diesem Buch? Das könnte sich definitiv ändern.

Denn genau diese Mischung aus Thriller, Mystery und düsterer Gothic-Atmosphäre hat mich total begeistert.

Schon der Einstieg macht neugierig. Keira erwacht verletzt mitten im Wald, ohne zu wissen, was passiert ist. Sie erinnert sich nur noch an ihren Namen und daran, dass sie offenbar vor jemandem auf der Flucht war. Auf ihrer Suche nach Sicherheit landet sie ausgerechnet an einem Friedhof – und stellt dort fest, dass sie die Toten sehen und mit ihnen sprechen kann.

Allein diese Ausgangssituation hat mich sofort gepackt.

Darcy Coates nimmt sich Zeit, ihre Geschichte aufzubauen. Statt von der ersten Seite an auf Schockmomente zu setzen, erschafft sie eine Atmosphäre, die sich ganz langsam unter die Haut schleicht. Mit jeder Seite wird die Stimmung ein bisschen düsterer, ein bisschen unheimlicher und irgendwann hatte ich das Gefühl, als würde ständig etwas zwischen den Grabsteinen auf mich warten.

Genau das hat mir unglaublich gut gefallen.

Blighty ist dabei der perfekte Schauplatz.

Eigentlich wirkt die kleine Stadt ruhig, gemütlich und fast idyllisch. So ein Ort, an dem jeder jeden kennt und an dem man sich sofort willkommen fühlen könnte. Wäre da nicht dieser alte Friedhof, der ständig im Nebel liegt und mit seinen verwitterten Grabsteinen eine ganz eigene Stimmung ausstrahlt. Dieser Kontrast zwischen der friedlichen Kleinstadt und den unheimlichen Ereignissen macht einen großen Teil der Atmosphäre aus.

Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, selbst durch den Nebel zwischen den Gräbern zu laufen.

Auch die Figuren haben mir richtig gut gefallen.

Keira wirkt durch ihren Gedächtnisverlust zunächst eher zurückhaltend und vorsichtig. Das ist absolut nachvollziehbar, schließlich weiß sie selbst nicht einmal mehr, wer sie eigentlich ist. Gerade deshalb fiel es mir leicht, mit ihr mitzufühlen. Gemeinsam mit ihr entdeckt man Stück für Stück die Wahrheit und versucht herauszufinden, wem sie überhaupt noch vertrauen kann.

Mein heimlicher Liebling war allerdings Zoe.

Sie ist das komplette Gegenteil von Keira. Laut, chaotisch, herrlich schräg und überzeugt davon, dass hinter allem irgendeine Verschwörung steckt. Immer wieder musste ich über ihre Theorien schmunzeln. Gerade weil die Geschichte stellenweise ziemlich düster wird, sorgt Zoe immer wieder für kleine, humorvolle Momente, die alles wunderbar auflockern.

Während des Lesens musste ich übrigens ständig an die Serie Ghost Whisperer denken.

Nicht, weil die Geschichten identisch wären, sondern wegen der Grundidee. Keira hilft den Toten dabei, ihre letzten offenen Angelegenheiten zu klären, und genau diese Schicksale haben mich oft sehr berührt. Hinter jedem Geist steckt eine eigene Geschichte und nicht jede davon ist gruselig. Manche sind traurig, manche erschütternd und manche haben mich noch lange beschäftigt.

Obwohl der erste Fall am Ende vollständig aufgeklärt wird, bleiben genügend Fragen offen.

Vor allem Keiras eigene Vergangenheit interessiert mich unglaublich. Wer ist sie wirklich? Wer hat sie verfolgt? Und warum besitzt sie diese besondere Gabe?

Genau diese offenen Fragen sorgen dafür, dass ich unbedingt weiterlesen möchte.

Und wisst ihr, worüber ich mich im Nachhinein ein bisschen geärgert habe?

Dass ich das Buch mitten im Sommer gelesen habe.

Eigentlich schreit diese Geschichte nach einem regnerischen Herbstabend. Draußen Nebel, drinnen Kerzen, eine Tasse Pumpkin Spice Latte und vielleicht der Regen, der gegen die Fensterscheiben prasselt. Ich glaube, unter diesen Bedingungen wäre die Atmosphäre sogar noch intensiver gewesen.

Für mich war „The Whispering Dead“ eine richtig gelungene Mischung aus Thriller, Mystery und Gothic-Horror. Nicht übermäßig blutig, nicht auf billige Schockeffekte aus, sondern atmosphärisch, spannend und genau die richtige Portion unheimlich.

Ich freue mich jetzt schon darauf, wieder nach Blighty zurückzukehren.

🖤 4,5 von 5 Herzen


Steingladiole – Erde vergisst nie von Liza Grimm

Es gibt Reihen, bei denen ich mich jedes Mal frage, warum sie nicht viel mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Die Elementaria-Reihe von Liza Grimm gehört für mich ganz klar dazu.

Ich habe die ersten beiden Bände bereits verschlungen und beide waren echte Highlights für mich. Umso größer war natürlich die Vorfreude auf „Steingladiole“. Und zum Glück kann ich direkt sagen: Auch der dritte Band hat mich kein bisschen enttäuscht.

Was diese Reihe für mich so besonders macht, ist ihre Grundidee.

In einer Zeit, in der viele Fantasybücher vor allem über Romance und Spice definiert werden, erzählt Liza Grimm eine Geschichte, die komplett ohne auskommt – und trotzdem fehlt mir absolut nichts. Im Gegenteil. Hier stehen die Welt, die Magie, die Figuren und die Handlung im Mittelpunkt. Genau das wünsche ich mir von einer richtig guten High Fantasy.

Allein die Idee der Seelenbücher, der Buchbinder und der Elementarmagie hat mich vom ersten Band an begeistert. Man merkt einfach, wie viel Liebe und Kreativität in dieser Welt steckt. Es fühlt sich nicht wie eine Fantasywelt an, die man schon hundertmal gesehen hat, sondern wie etwas Eigenes.

Mit jedem Band entdeckt man neue Facetten und genau deshalb freue ich mich jedes Mal darauf, wieder nach Elementaria zurückzukehren.

Auch diesmal war ich sofort wieder mitten in der Geschichte.

Nara gehört inzwischen zu den Figuren, die ich einfach gerne begleite. Sie trägt unglaublich viel Verantwortung auf ihren Schultern und versucht trotzdem immer, das Richtige zu tun. Manchmal vertraut sie Menschen vielleicht etwas zu schnell und wirkt dadurch ein wenig naiv. Aber genau das macht sie für mich so sympathisch. Sie ist keine unfehlbare Heldin, sondern jemand, der Fehler macht und daran wächst.

Mindestens genauso gerne verfolge ich inzwischen Katsos Entwicklung.

Wenn ich daran denke, wie er zu Beginn der Reihe war, hätte ich nie gedacht, dass er mir einmal so ans Herz wachsen würde. Anfangs war er impulsiv, egoistisch und hat oft zuerst an sich selbst gedacht. Mittlerweile merkt man, wie sehr ihn seine Erlebnisse verändert haben. Er übernimmt Verantwortung, denkt an andere und entwickelt sich mit jedem Band weiter. Solche Figuren liebe ich, weil ihre Entwicklung glaubwürdig wirkt und nicht einfach plötzlich passiert.

Überhaupt sind die Charaktere eine der größten Stärken dieser Reihe.

Jeder bringt seine eigene Geschichte mit, jeder hat seine Ecken und Kanten und genau deshalb fühlen sie sich so lebendig an.

Der Schreibstil von Liza Grimm trägt seinen Teil dazu bei. Er liest sich unglaublich angenehm, erschafft wunderschöne Bilder im Kopf und sorgt dafür, dass man komplett in diese Welt eintaucht. Besonders gefallen hat mir wieder, dass die Geschichte abwechselnd aus der Sicht von Nara und Katso erzählt wird. Dadurch erlebt man viele Situationen aus unterschiedlichen Blickwinkeln und versteht beide Figuren viel besser.

Und dann wäre da natürlich noch die Handlung.

Ich hatte wirklich keine einzige Stelle, an der mir langweilig wurde.

Ganz im Gegenteil.

Mit jeder gelesenen Seite kommen neue Fragen dazu, alte Geheimnisse werden gelüftet und immer wieder gibt es Wendungen, mit denen ich überhaupt nicht gerechnet habe. Mehr als einmal musste ich das Buch kurz zur Seite legen, weil ich erst einmal verarbeiten musste, was gerade passiert ist.

Gerade die Enthüllungen rund um Naras Vergangenheit haben mich komplett überrascht. Nach und nach setzt sich alles zusammen und plötzlich ergibt vieles einen Sinn, was vorher nur lose Fäden waren. Genau solche Momente liebe ich beim Lesen.

Und obwohl in diesem Band schon unglaublich viel passiert, habe ich das Gefühl, dass die Geschichte noch längst nicht alles erzählt hat.

Das Ende hat mich deshalb vor allem mit einem Gefühl zurückgelassen:

Ich brauche den nächsten Band. Sofort.

Für mich gehört die Elementaria-Reihe zu den Fantasyreihen, über die viel mehr gesprochen werden sollte. Sie beweist, dass eine Geschichte weder Spice noch eine riesige Liebesgeschichte braucht, um zu fesseln. Stattdessen bekommt man eine fantastische Welt, außergewöhnliche Magie, Figuren, die einem ans Herz wachsen, und einen Plot, der einen immer wieder überrascht.

Wenn ihr High Fantasy liebt und nach einer Reihe sucht, bei der die Geschichte wirklich im Mittelpunkt steht, dann kann ich euch diese Bücher von Herzen empfehlen.

Für mich bleibt „Steingladiole“ ein weiteres Highlight und der beste Beweis dafür, dass diese Reihe viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

🖤 5 von 5 Herzen


The Ballad of Falling Dragons – Die Verdammten von Sarah A. Parker

Es gibt Bücher, auf die wartet man gefühlt eine Ewigkeit.

Und dann gibt es Fortsetzungen, bei denen man sich monatelang ausmalt, wie es endlich weitergeht. Genau so war es bei mir mit „The Ballad of Falling Dragons – Die Verdammten“.

Den ersten Band habe ich regelrecht verschlungen. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich das Buch nachts einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte. Jede freie Minute wollte ich wissen, wie es weitergeht. Als ich die letzte Seite gelesen hatte, war für mich klar: Band zwei wird ein absolutes Highlight.

Tja…

Manchmal kommt es eben ganz anders.

Ich weiß bis heute nicht genau, woran es lag.

Ich habe das Buch aufgeschlagen und sofort gemerkt, dass ich nicht mehr richtig in der Geschichte angekommen bin. Immer wieder musste ich zurückblättern, überlegen, wer welche Rolle gespielt hat und was genau am Ende von Band eins passiert war. Ich habe wirklich versucht, dieses Gefühl vom ersten Band wiederzufinden. Dieses Mitfiebern, diese Begeisterung, dieses “Ich muss unbedingt weiterlesen”.

Aber es wollte einfach nicht passieren.

Und das hat mich ehrlich gesagt richtig frustriert.

Vor allem, weil ich überall nur begeisterte Stimmen gelesen habe. Gefühlt hat jeder dieses Buch geliebt, während ich Seite für Seite darauf gewartet habe, dass auch bei mir endlich der berühmte Funke überspringt.

Dabei bringt die Geschichte eigentlich alles mit, was ich liebe.

Eine düstere Fantasywelt voller Geheimnisse. Figuren mit Ecken und Kanten. Alte Prophezeiungen, Magie, Drachen und emotionale Konflikte. Eigentlich genau mein Beuteschema.

Trotzdem hatte ich über weite Strecken das Gefühl, dass die Handlung nur langsam vorankommt. Immer wieder gab es Szenen, bei denen ich dachte: Jetzt geht’s los. Und kurz darauf wurde das Tempo wieder herausgenommen. Dadurch fiel es mir schwer, dauerhaft in der Geschichte zu bleiben.

Das hat mich wirklich überrascht.

Denn Sarah A. Parker schreibt nach wie vor wunderschön.

Daran gab es für mich keine Sekunde Zweifel.

Ihr Schreibstil ist unglaublich atmosphärisch. Bildhaft, poetisch und manchmal fast schon melancholisch. Viele Szenen fühlen sich an wie kleine Gemälde und man merkt einfach, wie viel Herzblut in dieser Welt steckt. Allein dafür hätte ich immer weiterlesen wollen.

Genau deshalb fällt mir diese Rezension auch so schwer.

Denn ich kann überhaupt nicht sagen, dass das Buch schlecht ist.

Ganz im Gegenteil.

Ich verstehe vollkommen, warum so viele Leserinnen und Leser diese Reihe lieben. Die Welt ist außergewöhnlich, die Figuren sind vielschichtig und Sarah A. Parker erschafft eine Atmosphäre, die man so nicht oft findet.

Nur… Mich hat sie diesmal emotional einfach nicht erreicht.

Und das ist wahrscheinlich das Schlimmste, was einem bei einem Buch passieren kann, auf das man sich so lange gefreut hat.

Erst ganz zum Schluss hatte ich plötzlich wieder dieses Gefühl, das ich aus Band eins kannte.

Die Spannung zog spürbar an, die Ereignisse überschlugen sich und endlich wollte ich unbedingt wissen, wie alles ausgeht. Genau in dem Moment, als ich dachte: Jetzt bin ich wieder komplett drin, war das Buch vorbei.

Natürlich.

Mit einem Cliffhanger.

Ich hätte das Buch am liebsten angeschrien. 😭

Vielleicht brauchte dieser Band einfach sehr viel Aufbau für das große Finale. Vielleicht war ich auch einfach nicht in der richtigen Lesestimmung. Manchmal passt ein Buch eben genau deshalb nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt, obwohl man eigentlich alles daran lieben müsste.

Deshalb möchte ich mich diesmal auch bewusst mit einer Sternebewertung zurückhalten.

Nicht, weil das Buch sie nicht verdient hätte, sondern weil ich das Gefühl habe, ihm im Moment einfach nicht gerecht werden würde.

Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass ich der Geschichte irgendwann noch einmal eine zweite Chance geben werde.

Denn manchmal ist einfach nicht das Buch falsch.

Sondern der Zeitpunkt.




Das Dornenkind – Ein Fall für Nils Trojan von Max Bentow

Es gibt Buchreihen, auf deren Fortsetzung ich mich freue.

Und dann gibt es die Nils-Trojan-Reihe.

Für mich gehört sie ganz klar zu meinen allerliebsten Lieblingsreihen. Jedes Mal, wenn ein neuer Band erscheint, weiß ich eigentlich schon vorher, dass ich alles andere liegen lassen werde. Denn Max Bentow schafft etwas, das für mich nur ganz wenige Thrillerautoren schaffen: Er packt mich von der ersten Seite an und lässt mich bis zum Schluss nicht mehr los.

So war es auch bei „Das Dornenkind“.

Schon der Prolog hat mich wieder komplett abgeholt. Dieses unangenehme Gefühl, dass gleich etwas Furchtbares passieren wird, war sofort da. Genau deshalb liebe ich Bentows Bücher so sehr. Er braucht keine langen Einleitungen. Er wirft einen mitten hinein und innerhalb weniger Seiten ist man gefangen.

Diesmal wird der Fall für Nils Trojan allerdings noch persönlicher als ohnehin schon.

Als plötzlich eine junge Frau behauptet, die Tochter des Federmanns zu sein, war bei mir sofort alles wieder präsent. Der Federmann gehört für mich bis heute zu den verstörendsten Serienmördern der Reihe und allein sein Name hat gereicht, um sofort wieder dieses mulmige Gefühl hervorzurufen.

Ich hatte beim Lesen ständig das Gefühl, dass sich ein Kreis schließt – oder vielleicht auch erst richtig öffnet.

Und genau diese Verbindung zu den vorherigen Bänden fand ich unglaublich gelungen.

Max Bentow versteht es einfach meisterhaft, alte Handlungsstränge wieder aufzugreifen, ohne dass es konstruiert wirkt. Stattdessen wird aus vergangenen Ereignissen plötzlich wieder eine reale Bedrohung, die nicht nur Nils Trojan verfolgt, sondern auch mich als Leserin sofort wieder in ihren Bann gezogen hat.

Was ich an Bentows Büchern besonders liebe, ist die Art, wie er Spannung aufbaut.

Es gibt kaum Verschnaufpausen.

Kaum hat man einen Schock verarbeitet, wartet schon der nächste. Trotzdem fühlt sich das Ganze nie überladen an. Ganz im Gegenteil. Die Handlung entwickelt sich in einem unglaublichen Tempo, ohne dabei den Überblick zu verlieren. Immer wieder passiert etwas, womit ich nicht gerechnet habe, und genau deshalb fliegen die Seiten jedes Mal nur so dahin.

Man nimmt sich eigentlich vor, nur noch ein Kapitel zu lesen.

Und plötzlich sind wieder hundert Seiten vorbei.

Auch diesmal spart Bentow nicht mit grausamen Details.

Die Tatorte, die in die Haut geritzten Botschaften und viele der beschriebenen Szenen sind unglaublich bildlich dargestellt. Gerade das macht seine Psychothriller für mich so intensiv. Beim Lesen entsteht alles direkt vor dem inneren Auge. Manche Szenen waren so eindringlich beschrieben, dass ich sie selbst nach dem Zuschlagen des Buches noch lange im Kopf hatte.

Natürlich muss man solche detaillierten Darstellungen mögen.

Ich persönlich finde aber genau das so faszinierend an seinen Büchern. Sie sind nichts für schwache Nerven und genau deshalb erzeugen sie diese permanente Anspannung.

Besonders spannend fand ich diesmal Wendy.

Ich wusste wirklich bis zur letzten Seite nicht, was ich von ihr halten sollte.

Ist sie Opfer?

Ist sie Täterin?

Spielt sie ein eigenes Spiel?

Mit jeder neuen Szene hatte ich eine andere Theorie und trotzdem war ich am Ende kaum schlauer als zu Beginn. Genau solche Figuren liebe ich. Sie bleiben geheimnisvoll und sorgen dafür, dass man ständig weiter rätselt. Ich hoffe wirklich sehr, dass Wendy auch in den nächsten Bänden noch eine Rolle spielen wird, denn ich habe das Gefühl, dass ihre Geschichte längst nicht zu Ende erzählt ist.

Etwas schade fand ich lediglich, dass Trojans Team dieses Mal ein wenig in den Hintergrund gerückt ist.

Vor allem Jana hätte ich mir häufiger an seiner Seite gewünscht. Nils ist diesmal oft auf sich allein gestellt, wodurch der Fokus sehr stark auf ihm und seinem persönlichen Kampf liegt. Das passt zwar hervorragend zur Geschichte, trotzdem habe ich die Dynamik innerhalb des Ermittlerteams stellenweise etwas vermisst.

Was ich Max Bentow allerdings jedes Mal aufs Neue hoch anrechne, ist seine Fähigkeit, persönliche Geschichten mit einem packenden Kriminalfall zu verbinden.

Es geht nie nur darum, einen Täter zu finden.

Es geht immer auch darum, welche Spuren diese Verbrechen bei den Ermittlern hinterlassen.

Gerade Nils Trojan muss wieder an seine Grenzen gehen und genau das macht ihn für mich seit Jahren zu einem der interessantesten Ermittler überhaupt. Er ist kein unnahbarer Superkommissar, sondern ein Mensch mit Ängsten, Fehlern und Narben. Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich ihn über mittlerweile so viele Bände hinweg immer noch unglaublich gerne begleite.

Und dann…

Dieses Finale.

Ich hatte ohnehin schon das Gefühl, dass das Tempo kaum noch gesteigert werden kann.

Doch Max Bentow schafft genau das.

Zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse regelrecht. Ich konnte das Buch überhaupt nicht mehr aus der Hand legen und wollte einfach nur wissen, wie alles ausgeht. Genau diese letzten Kapitel sind der Grund, warum ich seine Bücher regelmäßig in kürzester Zeit verschlinge.

Als ich die letzte Seite gelesen hatte, war für mich sofort klar:

Zum Glück liegt der nächste Band schon bereit.

Denn nach so einem Ende möchte man eigentlich gar keine Lesepause einlegen.

Für mich beweist „Das Dornenkind“ einmal mehr, warum die Reihe zu meinen absoluten Lieblingsreihen gehört. Max Bentow liefert wieder einen Psychothriller ab, der von der ersten bis zur letzten Seite unter Spannung steht, mit verstörenden Bildern, einem hochspannenden Fall und Figuren, die einem längst ans Herz gewachsen sind.

Wer intensive Psychothriller liebt und die Reihe bisher noch nicht kennt, sollte das unbedingt ändern.

Für mich war auch dieser Band wieder ein absoluter Pageturner.

🖤 5 von 5 Herzen


The Sea Spinner – Flutgeküsst von Julie Johnson

Manche Bücher wartet man sehnsüchtig herbei. Und dann gibt es Bücher, bei denen man schon Monate vorher weiß: Die müssen einfach sofort bei mir einziehen.

Genau so ging es mir mit „The Sea Spinner – Flutgeküsst“.

Schon „The Wind Weaver“ war für mich ein absolutes Highlight. Ich habe die Geschichte geliebt, mich in die Figuren verliebt und war nach diesem Ende einfach nur verzweifelt, weil ich unbedingt wissen musste, wie es weitergeht. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an Band zwei. Und was soll ich sagen?

Julie Johnson hat sie nicht nur erfüllt – sie hat sie sogar übertroffen.

Ich war keine zwanzig Seiten weit gekommen und hatte schon wieder dieses Gefühl, nach Hause zu kommen. Rhya war sofort wieder ganz die Figur, die ich im ersten Band so ins Herz geschlossen hatte. Nach allem, was passiert ist, trägt sie unendlich viel Trauer, Wut und Schuld mit sich herum. Trotzdem verliert sie nie ihre Stärke. Im Gegenteil. Gerade ihre verletzliche Seite macht sie für mich zu einer unglaublich greifbaren Protagonistin.

Doch nicht nur Rhya entwickelt sich weiter.

Auch die Welt wächst mit jeder Seite.

Und genau das liebe ich an guter Fantasy.

Während viele Fortsetzungen einfach nur die Geschichte weitererzählen, erweitert Julie Johnson ihre Welt Stück für Stück. Mit dem Water Court eröffnet sie einen völlig neuen Schauplatz, der mich vom ersten Moment an begeistert hat.

Ich konnte mir Hylios so unglaublich gut vorstellen. Eine Stadt mitten auf dem Wasser, durchzogen von Kanälen statt Straßen, bunte Märkte, gewaltige Leuchttürme, prachtvolle Gebäude, besondere Badehäuser und überall dieses Gefühl, dass das Meer alles bestimmt. Ich hatte beim Lesen ständig Bilder vor Augen und wollte am liebsten selbst durch diese Straßen laufen.

Julie Johnson schreibt einfach wahnsinnig bildhaft. Nie überladen, sondern genau so, dass Kopfkino entsteht.

Und dann ist da natürlich…

Soren.

Ganz ehrlich? Schon im ersten Band war er mein heimlicher Favorit.

Umso mehr habe ich mich gefreut, dass er diesmal eine viel größere Rolle spielt. Er ist ruhig, geheimnisvoll und strahlt eine unglaubliche Stärke aus, ohne ständig beweisen zu müssen, wie mächtig er ist. Genau solche Figuren liebe ich.

Zwischen ihm und Rhya knistert es von Anfang an. Nicht laut oder übertrieben, sondern langsam. Jeder Blick, jede Berührung und jedes Gespräch sorgt dafür, dass die Spannung zwischen ihnen immer größer wird.

Genau deshalb funktioniert der Slow Burn für mich hier so gut.

Man fiebert mit, hofft, leidet und wartet die ganze Zeit darauf, dass endlich etwas passiert. Und wenn es dann passiert… dann passt einfach alles.

Besonders schön fand ich übrigens, dass Julie Johnson beim Spice genau mein persönliches Maß getroffen hat. Es ist romantisch, intensiv und emotional, ohne jemals die eigentliche Geschichte zu überschatten. Fantasy bleibt hier ganz klar Fantasy – und genau das wünsche ich mir.

Neben der Romantik kommt aber auch die Spannung überhaupt nicht zu kurz.

Immer wieder gibt es überraschende Wendungen, emotionale Momente und actionreiche Szenen, sodass ich die knapp 600 Seiten regelrecht verschlungen habe. Eigentlich wollte ich immer nur noch ein Kapitel lesen… und plötzlich waren wieder hundert Seiten vorbei.

Für mich das beste Zeichen, dass mich ein Buch komplett gepackt hat.

Und dann kam dieses Ende…

Ich hätte es besser wissen müssen. Wirklich.

Trotzdem saß ich nach der letzten Seite einfach nur da und dachte: Das kann Julie Johnson doch jetzt nicht ernst meinen!

Jetzt heißt es also wieder warten.

Und ich bin jetzt schon sicher, dass sich auch das Warten auf Band drei wieder lohnen wird.

Für mich ist „The Sea Spinner – Flutgeküsst“ genau die Fortsetzung, die ich mir gewünscht habe. Größer, emotionaler und noch mitreißender als der Auftakt. Julie Johnson verbindet Magie, politische Intrigen, großartiges Worldbuilding, Slow Burn und emotionale Momente zu einer Geschichte, die mich von der ersten bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen hat.

Wenn euch schon „The Wind Weaver“ begeistert hat, dann werdet ihr „The Sea Spinner“ lieben.

Für mich ist es ganz klar wieder ein Jahreshighlight.

🖤 5 von 5 Herzen