The Poison Daughter – Zum Sterben schön von Sheila Masterson: Giftige Küsse, Intrigen und ganz große Gefühle

Manchmal taucht ein Buch irgendwie auf meinem Radar auf, ohne dass ich vorher groß etwas darüber gehört habe. Genau so war es bei „The Poison Daughter – Zum Sterben schön“ von Sheila Masterson. Erst im Nachhinein habe ich gesehen, wie unglaublich gut das Buch im englischsprachigen Raum angekommen ist und wie viele begeisterte Bewertungen es bereits gesammelt hat.

Meine Erwartungen sind dadurch natürlich noch einmal ein kleines Stück nach oben gewandert.

Zum Glück konnte mich die Geschichte ziemlich schnell davon überzeugen, dass an der Begeisterung durchaus etwas dran ist.

Denn allein die Ausgangsidee ist schon herrlich düster: Eine Frau, deren Kuss für Männer tödlich endet. Ein Mann, bei dem genau diese Fähigkeit plötzlich nicht funktioniert. Eine arrangierte Ehe. Eine komplizierte Familie. Politische Intrigen. Gefährliche Kreaturen vor den schützenden Mauern und zwei Menschen, die sich eigentlich nicht vertrauen sollten.

Das klang nach meinem Geschmack.

Und tatsächlich hat mich dieser High-Fantasy-Einzelband ziemlich schnell gepackt.

Worum geht es in „The Poison Daughter“?

Harlow Carrenwell besitzt eine ziemlich außergewöhnliche und tödliche Fähigkeit: Ihr Kuss ist giftig.

Eine Gabe, die sie längst nicht nur zu ihrem eigenen Vorteil nutzt. Harlow hat es sich zur Aufgabe gemacht, gegen Männer vorzugehen, die anderen Gewalt antun und ihre Macht missbrauchen.

Bis einer ihrer Aufträge plötzlich vollkommen anders läuft als geplant.

Harlow küsst einen Mann, der eigentlich sterben müsste.

Doch er überlebt.

Und damit nicht genug: Ausgerechnet dieser Mann entpuppt sich später als Henry Havenwood – der Mann, den Harlow heiraten soll.

Statt ihres nächsten Opfers steht plötzlich ein Ehemann vor ihr, den sie mit ihrer gefährlichsten Waffe nicht töten kann. Und Henry hat mindestens genauso viele Geheimnisse wie Harlow selbst.

Als sie ihm schließlich in seine Heimat folgt, findet sie sich zwischen politischen Interessen, familiären Konflikten und einer ganz eigenen Bedrohung wieder. Außerhalb der schützenden Mauern lauern vampirähnliche Wesen und schnell wird klar, dass Harlow und Henry wesentlich größere Probleme haben als ihre unfreiwillige Verbindung.

Harlow hat mich immer mehr für sich eingenommen

Der Einstieg in die Geschichte hat mir unglaublich gut gefallen.

Es geht ziemlich schnell los und ich hatte früh das Gefühl, dass hinter den Figuren und den Ereignissen viel mehr steckt, als man zunächst erkennen kann. Genau dieses Gefühl mag ich bei Fantasy sehr gerne. Man bekommt genug Informationen, um neugierig zu werden, aber längst noch nicht alle Antworten.

Vor allem Harlow fand ich sofort interessant.

Nach außen ist sie stark, selbstbewusst und durchaus gefährlich. Schließlich trägt sie ihre tödlichste Waffe praktisch immer bei sich. Doch je mehr man über ihre Vergangenheit erfährt, desto deutlicher wird, dass hinter ihrer Stärke eine Geschichte steckt, die wesentlich tragischer und komplexer ist.

Und genau dadurch ist sie für mich immer weiter gewachsen.

Harlow ist wütend. Sie hat erlebt, wie Frauen benutzt, verletzt und zum Schweigen gebracht werden, und sie ist nicht bereit, das einfach hinzunehmen. Sie will nicht nur darauf warten, dass jemand anderes sie oder die Menschen beschützt, die ihr wichtig sind. Sie handelt selbst.

Dabei ist sie allerdings keineswegs unverwundbar.

Ihre Vergangenheit, ihre Familie und besonders die Beziehung zu ihren Eltern haben für mich viel dazu beigetragen, sie zu verstehen. Stück für Stück erfährt man mehr darüber, warum Harlow so geworden ist, wie sie heute ist. Aus der zunächst einfach sehr starken und kämpferischen Frau wurde dadurch für mich eine deutlich vielschichtigere Figur.

Besonders ihr Wunsch, ihre Schwester und andere Frauen zu beschützen, hat mir gefallen. Harlow hat Ecken und Kanten, trifft nicht immer bequeme Entscheidungen und ist sicherlich keine klassische strahlende Heldin.

Gerade deshalb mochte ich sie.

Henry ist endlich einmal ein Love Interest auf Augenhöhe

Natürlich braucht eine gute Enemies-to-Lovers-Geschichte einen entsprechenden Gegenpart.

Und Henry konnte mich ebenfalls überzeugen.

Bei der Ausgangslage hätte die Beziehung zwischen den beiden sehr schnell in eine dieser typischen Fantasy-Romance-Dynamiken abrutschen können, bei denen man eigentlich nach wenigen Kapiteln schon weiß, wie sich alles entwickeln wird.

Dieses Gefühl hatte ich hier nicht.

Harlow und Henry müssen sich ihre Beziehung tatsächlich erarbeiten.

Aus Feindschaft und Misstrauen entsteht nicht plötzlich innerhalb weniger Seiten die große Liebe. Zunächst müssen die beiden überhaupt lernen, miteinander auszukommen. Dann kommt langsam Verständnis hinzu. Aus Ablehnung wird Toleranz, aus Toleranz entsteht Nähe – und irgendwann entwickeln sich Gefühle, die beide so vermutlich nicht eingeplant hatten.

Diese Entwicklung hat sich für mich erstaunlich echt angefühlt.

Vor allem das Geplänkel zwischen Harlow und Henry hat mir richtig viel Spaß gemacht. Genau diese kleinen Wortgefechte, Provokationen und Momente, in denen man merkt, dass zwischen den beiden längst mehr passiert, als sie sich eingestehen wollen, haben die Geschichte für mich unglaublich unterhaltsam gemacht.

Und Henry steht Harlow dabei tatsächlich auf Augenhöhe gegenüber.

Das war mir wichtig.

Sie braucht keinen Mann, der plötzlich kommt und ihre gesamte Geschichte für sie löst. Und Henry wirkt auch nicht wie eine Figur, die ausschließlich erschaffen wurde, damit Harlow einen möglichst attraktiven Love Interest bekommt. Er bringt seine eigenen Probleme, Ziele und Geheimnisse mit.

Zusammen ergeben die beiden deshalb ein Paar, dessen Entwicklung ich wirklich gerne verfolgt habe.

Ja, es gibt ordentlich Spice

Wer bei „The Poison Daughter“ ausschließlich mit ein bisschen romantischem Knistern rechnet, dürfte allerdings überrascht werden.

Denn das Buch hat durchaus einiges an Spice.

Mich persönlich hat das nicht gestört. Im Gegenteil: Ich fand viele dieser Szenen überraschend originell und passend zur Dynamik zwischen Harlow und Henry. Sie wirkten für mich nicht einfach wahllos eingeschoben, sondern waren eng mit ihrer Beziehung und den Charakteren verbunden.

Trotzdem kann ich nachvollziehen, warum dieser Punkt bei anderen Leserinnen und Lesern unterschiedlich ankommt.

Denn es ist nicht wenig.

Und gerade im Mittelteil trägt der starke Fokus auf die Beziehung für mich dazu bei, dass die eigentliche Handlung ein bisschen an Tempo verliert. Nach dem sehr spannenden Einstieg hatte ich hier stellenweise das Gefühl, dass die Geschichte etwas auf der Stelle tritt.

Wer hauptsächlich wegen der High-Fantasy-Handlung zugreift und mit Spice eher wenig anfangen kann, könnte sich an dieser Stelle vermutlich deutlich mehr daran stören als ich.

Für mich war es kein großer Kritikpunkt, aber etwas straffer hätte dieser Teil trotzdem sein dürfen.

Die Nebenfiguren sind viel mehr als schmückendes Beiwerk

Was mich dagegen richtig positiv überrascht hat, waren die Nebencharaktere.

Bei einem Einzelband mit einer derart großen Welt besteht schnell die Gefahr, dass neben den beiden Hauptfiguren kaum noch jemand richtig ausgearbeitet wird.

Hier hatte ich dieses Gefühl überhaupt nicht.

Harlows große Familie, Henrys abgeschieden lebendes Volk und weitere wichtige Persönlichkeiten haben ihre eigenen Interessen, Überzeugungen und teilweise ziemlich brutalen Seiten. Viele Figuren verfolgen ihre eigene Agenda und genau dadurch entsteht immer wieder Unsicherheit.

Wem kann man wirklich vertrauen?

Wer hilft Harlow und Henry aus Überzeugung?

Und wer wartet vielleicht nur auf den richtigen Moment, um seine eigenen Ziele durchzusetzen?

Gerade dadurch wurde die Geschichte für mich lebendig. Die Nebenfiguren existieren nicht nur, damit sie Harlow und Henry an der richtigen Stelle irgendeine wichtige Information geben können. Sie haben eine eigene Präsenz und tragen tatsächlich etwas zur Welt und ihren Konflikten bei.

Und bei einigen war ich mir lange überhaupt nicht sicher, was ich von ihnen halten sollte.

Die Plottwists haben mich komplett bekommen

Mein eigentliches Highlight waren aber die Wendungen.

Ich liebe Bücher, bei denen ich irgendwann glaube, verstanden zu haben, wohin die Reise geht – nur damit meine schöne Theorie ein paar Kapitel später komplett auseinanderfällt.

Genau das ist hier mehrfach passiert.

Natürlich hatte ich meine Vermutungen. Ich dachte, bestimmte Figuren einschätzen zu können, glaubte Zusammenhänge erkannt zu haben und war mir bei einigen Entwicklungen schon ziemlich sicher, wohin sie führen würden.

Tja.

Nicht unbedingt. 😅

Immer wieder kamen neue Informationen hinzu, die meinen Blick auf Figuren oder Ereignisse verändert haben. Dabei hatte ich nicht das Gefühl, dass die Geschichte zwanghaft versucht, möglichst viele überraschende Wendungen unterzubringen. Vieles ergibt rückblickend Sinn und fügt sich nach und nach zu einem größeren Bild zusammen.

Genau solche Plottwists funktionieren für mich.

Ich möchte überrascht werden, aber am Ende trotzdem verstehen können, warum etwas passiert ist.

Auch die Fantasyhandlung bekommt genügend Raum

Trotz des starken Fokus auf Harlow, Henry und ihre Beziehung geht die eigentliche Fantasygeschichte zum Glück nicht unter.

Außerhalb der schützenden Mauern lauern vampirähnliche Kreaturen, während innerhalb der Gesellschaft verschiedene Familien und Gruppierungen ihre eigenen Interessen verfolgen. Politische Intrigen, Machtspiele und Kämpfe sorgen dafür, dass es neben der Romance genügend andere Konflikte gibt.

Besonders gut gefallen haben mir die unterschiedlichen magischen Fähigkeiten.

Fantasy braucht für mich einfach Magie. Natürlich gibt es großartige Fantasyromane, die vollkommen anders funktionieren, aber persönlich liebe ich es, besondere Fähigkeiten, Regeln und magische Elemente zu entdecken.

Und Harlows giftiger Kuss ist dafür natürlich die perfekte Grundlage.

Ihre Gabe ist nicht einfach irgendein cooles Extra, das gelegentlich erwähnt wird. Sie beeinflusst ihre Vergangenheit, ihre Beziehungen und ihre Möglichkeiten und stößt wichtige Situationen innerhalb der Geschichte überhaupt erst an.

Dadurch fühlt sich die Magie wirklich als Bestandteil dieser Welt an.

Auch das Worldbuilding konnte mich überzeugen. Die Hintergründe des Landes, seine Geschichte, die verschiedenen Familien und Völker sowie die Gefahren außerhalb der Mauern greifen immer stärker ineinander. Besonders zum Ende hin merkt man, dass viele Dinge nicht zufällig erwähnt wurden.

Für einen Einzelband finde ich das wirklich beeindruckend.

Und dann kommt dieses Finale …

Nach dem etwas ruhigeren Mittelteil zieht die Geschichte zum Ende hin noch einmal ordentlich an.

Und zwar richtig.

Die letzten Kapitel haben für mich vieles von dem eingelöst, was der Anfang bereits versprochen hatte. Plötzlich greifen verschiedene Handlungsstränge ineinander, die Spannung steigt und die ganzen Informationen und Wendungen ergeben immer mehr Sinn.

Aber überraschenderweise war es gar nicht nur die Spannung, die mich am Ende bekommen hat.

Es waren die Emotionen.

Ich musste tatsächlich ein kleines bisschen weinen.

Dabei würde ich das Finale nicht einmal als klassisch todtraurig bezeichnen. Es war vielmehr die Art, wie die Gefühle der Figuren beschrieben wurden. Der Schreibstil hat es geschafft, diese Momente so intensiv werden zu lassen, dass sie mich einfach erwischt haben.

Nach all den Intrigen, Kämpfen, Geheimnissen, giftigen Küssen und Plottwists plötzlich noch einmal auf dieser emotionalen Ebene getroffen zu werden, hatte ich überhaupt nicht erwartet.

Und genau deshalb ist mir das Ende besonders im Gedächtnis geblieben.

Was für ein Debüt.

„The Poison Daughter – Zum Sterben schön“ von Sheila Masterson verbindet für mich ziemlich viele Dinge, die ich bei Fantasy gerne lese: eine starke und gleichzeitig verletzliche Protagonistin, einen Love Interest auf Augenhöhe, eine Enemies-to-Lovers-Dynamik, Magie, politische Intrigen, gefährliche Kreaturen und vor allem richtig gute Wendungen.

Harlow war für mich eine unglaublich interessante Protagonistin. Je mehr ich über ihre Vergangenheit, ihre Familie und ihre Beweggründe erfahren habe, desto besser konnte ich sie verstehen. Und gemeinsam mit Henry entsteht eine Dynamik, die mir wirklich Spaß gemacht hat. Besonders das Geplänkel zwischen den beiden und die Entwicklung von Feindschaft über vorsichtige Annäherung bis hin zu echten Gefühlen haben mich überzeugt.

Der Spice nimmt durchaus einiges an Raum ein und dürfte vermutlich nicht jeden Geschmack treffen. Mich hat er größtenteils nicht gestört, weil ich ihn passend zu den Figuren fand. Trotzdem verliert die Handlung dadurch im Mittelteil ein wenig an Tempo.

Dafür haben mich die Plottwists umso mehr begeistert. Mehrfach wurden meine Vermutungen komplett über den Haufen geworfen und trotzdem ergab am Ende alles Sinn.

Dazu kommen ein durchdachtes Worldbuilding, interessante magische Fähigkeiten, starke Nebenfiguren und ein Finale, das nicht nur spannend war, sondern mich überraschenderweise auch emotional richtig erwischt hat.

Dass all das in einem High-Fantasy-Einzelband funktioniert, finde ich umso beeindruckender. Keine fünf Folgebände, auf die ich warten muss, sondern eine umfangreiche Fantasygeschichte, die tatsächlich innerhalb eines Buches erzählt wird.

Für mich hätte man einen Debüt-Einzelband kaum besser hinbekommen können.

★★★★½ 4,5 von 5 Sternen



Witch’s Gambit – Die Räume der Erfüllung von Jessica Wismar

Manchmal sind es genau diese etwas ungewöhnlicheren Fantasygeschichten, die mich neugierig machen. Hexen, Werwölfe und Feen allein sind natürlich noch nichts völlig Neues, aber kombiniert mit einer düsteren Unterwelt, einem geheimnisvollen Club, gefährlichen Spielen und einer ordentlichen Portion Romance klang „Witch’s Gambit – Die Räume der Erfüllung“ von Jessica Wismar definitiv nach einem Buch für mich.

Besonders gespannt war ich auf die Honor Games. Die Grundidee hat mich ein wenig an „Die Tribute von Panem“ erinnert – nur eben in einer vollkommen anderen, magischen Welt. Und tatsächlich steckt in diesem Buch ziemlich viel: Machtkämpfe, Intrigen, unterschiedliche übernatürliche Wesen, eine komplizierte Familie, gefährliche Entscheidungen und mittendrin eine Protagonistin, die sich eigentlich nur eines wünscht: selbst über ihr Leben bestimmen zu dürfen.

Worum geht es in „Witch’s Gambit“?

Mia ist die Erbin eines mächtigen Hexenclans, doch mit den Vorstellungen ihrer Mutter über ihre Zukunft kann sie herzlich wenig anfangen. Denn Hera hat bereits sehr genaue Pläne und möchte ihre Tochter mit einem Werwolf-Alpha verbinden. Mia dagegen will sich weder ihre Zukunft noch ihre Liebe vorschreiben lassen.

Mit ihrem eigenen Club und den geheimnisvollen Räumen der Erfüllung hat sie sich längst etwas Eigenes aufgebaut und versucht, außerhalb ihres Clans genügend Macht und Ansehen zu erlangen, um endlich frei entscheiden zu können. Doch ihre Mutter ist nicht bereit, Mia so einfach ziehen zu lassen. Ein alter Hexenschwur bringt sie schließlich in eine Situation, aus der es kaum einen Ausweg zu geben scheint.

Ihre Hoffnung liegt ausgerechnet auf den gefährlichen Honor Games. Der Gewinn könnte ihr die Chance geben, sich aus ihrem Schicksal zu befreien. Allerdings verlangen diese Spiele Dinge von Mia, die allem widersprechen, woran sie selbst glaubt.

Und als wären tödliche Spiele, Magie und Intrigen noch nicht kompliziert genug, gibt es da auch noch gleich mehrere Männer, deren Absichten nicht immer leicht zu durchschauen sind.

Meine Meinung

Mia war für mich ganz klar das Highlight dieser Geschichte.

Ich mochte sie wirklich gerne, weil sie eine Protagonistin ist, die ziemlich genau weiß, was sie will. Sie ist mächtig, rebellisch, selbstbewusst und nicht bereit, sich einfach dem Leben zu fügen, das andere für sie ausgesucht haben. Gerade ihr Wunsch nach Selbstbestimmung hat mir gefallen, denn im Grunde kämpft sie die ganze Zeit darum, endlich ihre eigenen Entscheidungen treffen zu dürfen.

Dabei bleibt sie aber nicht einfach nur „die starke Protagonistin“. Hinter ihrem Selbstbewusstsein steckt auch eine verletzliche Seite und gerade diese Kombination hat sie für mich interessant gemacht. Sie kann sich behaupten, sie kann kämpfen und sie lässt sich nicht so schnell einschüchtern – trotzdem gehen die Dinge, die um sie herum passieren, natürlich nicht spurlos an ihr vorbei.

Dadurch konnte ich mich gut auf sie einlassen und habe gerne verfolgt, welchen Weg sie geht.

Auch die Beziehungen innerhalb der Geschichte haben mir richtig gut gefallen. Denn natürlich bleibt es nicht nur bei Magie, Macht und gefährlichen Spielen. Die Romance nimmt ebenfalls ihren Raum ein – und da wird es durchaus ziemlich prickelnd.

Mia hat es gleich mit mehreren Männern zu tun, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Ein eher eiskalter Spielleiter, ein Feenprinz, dessen Absichten nicht unbedingt leicht zu durchschauen sind, und ein Werwolfkrieger bringen jeweils eine ganz eigene Dynamik in die Geschichte. Gerade dieses Spiel mit Vertrauen, Anziehung und der Frage, wer eigentlich welche Ziele verfolgt, fand ich spannend.

Und ja, die romantischen Momente haben mir definitiv gefallen.

Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass Mia plötzlich nur noch über ihre Beziehungen definiert wird. Ihr Wunsch nach Freiheit und einem selbstbestimmten Leben bleibt für mich der Kern ihrer Geschichte. Das war mir wichtig, denn bei mehreren potenziellen Love Interests kann eine Handlung schnell komplett in Richtung Romance kippen. Hier hatte ich dagegen das Gefühl, dass Mia selbst weiterhin im Mittelpunkt steht.

Sehr gut gefallen hat mir auch die Welt, die Jessica Wismar rund um ihre Figuren aufgebaut hat.

Der Schreibstil ist bildlich und detailreich und gerade dadurch konnte ich mir die düstere Unterwelt unglaublich gut vorstellen. Mias Club, die Räume der Erfüllung, die verschiedenen magischen Wesen und später natürlich auch die Honor Games ergeben zusammen eine Welt, die ihren ganz eigenen Charakter hat.

Ich hatte beim Lesen wirklich viele Bilder im Kopf und genau das mag ich bei Fantasy sehr gerne. Wenn ich nicht nur lese, dass ein Ort düster, gefährlich oder magisch ist, sondern irgendwann das Gefühl bekomme, selbst eine Vorstellung davon zu haben, dann funktioniert das Worldbuilding für mich.

Allerdings lag genau hier für mich gleichzeitig einer der kleinen Schwachpunkte der Geschichte.

Denn es gibt ziemlich viel zu entdecken – und entsprechend bekommt man auch viele Informationen und Charaktere präsentiert. Teilweise waren es mir tatsächlich etwas zu viele Personen und Zusammenhänge auf einmal. Zwischendurch musste ich überlegen, wer noch einmal wer war und wie einzelne Figuren zusammenhängen.

Dadurch wurde mein Lesefluss an einigen Stellen ein wenig ausgebremst. Ich hätte mir gewünscht, dass manche Charaktere und Informationen etwas nach und nach eingeführt worden wären, sodass man ein bisschen mehr Zeit bekommt, alles richtig einzuordnen.

Nichtsdestotrotz fand ich die Welt selbst richtig spannend und gerade die Mischung der unterschiedlichen Wesen hat für mich gut funktioniert.

Die Honor Games – tolle Idee, aber da wäre für mich noch mehr gegangen

Besonders neugierig war ich natürlich auf die Honor Games.

Schon die Ausgangslage hat etwas, das ich bei Fantasygeschichten einfach gerne mag: Ein gefährlicher Wettbewerb, viel Macht, unterschiedliche Interessen und eine Protagonistin, für die deutlich mehr auf dem Spiel steht als nur Sieg oder Niederlage.

Von der Grundidee her hatte ich dabei ein wenig „Tribute von Panem“-Vibes, auch wenn „Witch’s Gambit“ natürlich eine vollkommen eigene Geschichte erzählt und das Ganze mit Magie, Hexen, Werwölfen und Feen verbindet.

Gerade deshalb hatte ich an diesen Teil wahrscheinlich ziemlich hohe Erwartungen.

Und hier hätte ich mir tatsächlich noch etwas mehr Tempo gewünscht. Die Honor Games bieten so viel Potenzial für Spannung und Nervenkitzel, dass sie für meinen Geschmack stellenweise noch intensiver hätten sein dürfen. Ich wollte dieses Gefühl haben, nicht zu wissen, was auf der nächsten Seite passiert, und genau das hat mir zwischendurch ein bisschen gefehlt.

Langweilig fand ich die Geschichte deshalb aber keineswegs. Dafür passiert drumherum einfach zu viel und auch die Intrigen und Beziehungen sorgen dafür, dass man wissen möchte, wie es für Mia weitergeht. Trotzdem hätte gerade dieser Teil für mich noch einmal eine Schippe drauflegen können.

Vielleicht liegt es auch daran, dass mir die Grundidee der Honor Games so gut gefallen hat und ich deshalb einfach noch mehr davon wollte.

Ein Ende, das mich noch einmal richtig bekommen hat

Und dann kam das Ende.

Natürlich werde ich an dieser Stelle nichts darüber verraten, denn das würde definitiv einiges vorwegnehmen. Aber nachdem ich während der Geschichte hier und da kleinere Kritikpunkte hatte, konnte mich das Ende noch einmal richtig abholen.

Das war tatsächlich einer dieser Momente, bei denen meine Aufmerksamkeit sofort wieder komplett da war und ich dachte: Okay, damit hast du mich jetzt.

Und genau dieses Gefühl hat dafür gesorgt, dass ich das Buch am Ende noch einmal deutlich positiver zugeschlagen habe.

„Witch’s Gambit – Die Räume der Erfüllung“ von Jessica Wismar ist für mich eine spannende Urban-Fantasy-Geschichte, die vor allem durch ihre ungewöhnliche Welt und ihre starke Protagonistin lebt.

Mia war ganz klar mein Highlight. Ich mochte ihre rebellische und selbstbewusste Art, aber genauso ihre verletzlicheren Seiten. Ihr Kampf darum, ihr Leben endlich selbst bestimmen zu können, hat sie für mich zu einer Figur gemacht, deren Geschichte ich gerne verfolgt habe.

Dazu kommen eine düstere, sehr bildlich beschriebene Welt, Hexen, Werwölfe und Feen sowie einige ziemlich interessante Männer und eine Romance, bei der es ordentlich knistert.

Ganz perfekt war die Geschichte für mich allerdings nicht. Durch die vielen Charaktere und Informationen habe ich zwischendurch ein wenig den Überblick verloren und bei den Honor Games hätte ich mir noch mehr Tempo und Spannung gewünscht. Gerade weil die Idee dahinter so viel Potenzial bietet, wäre für mich an dieser Stelle noch ein bisschen mehr Nervenkitzel drin gewesen.

Trotzdem hatte ich mit dem Buch definitiv meinen Spaß. Die Welt konnte mich neugierig machen, Mia hat mir richtig gut gefallen und das Ende hat mich schließlich noch einmal ordentlich abgeholt.

Eine düstere Urban Fantasy für alle, die Lust auf Magie, Machtkämpfe, gefährliche Spiele, eine selbstbewusste Protagonistin und natürlich eine gute Portion prickelnde Romance haben.