Band 1 hatte mich schon richtig begeistert – also war für mich völlig klar: Ich muss zurück in diese Welt.
Und genau das habe ich mit „The Robin on the Oak Throne – Der Fluch des Rotkehlchens“ von K. A. Linde auch getan.
Schon beim Aufschlagen war ich wieder direkt drin. Diese Reihe hat einfach eine ganz eigene Atmosphäre – und ja, ich muss es sagen: Auch optisch sind die Bücher ein absolutes Highlight. Ich liebe die Gestaltung, diese verschnörkelten Details, die Farbgebung – und auch wenn der zweite Band im Englischen in Rot gehalten ist, bin ich mit der lila Ausgabe wirklich mehr als glücklich. Dazu kommt die Karte von New York City nach dem Monsterkrieg, die mir beim Lesen tatsächlich immer wieder geholfen hat, mich besser zu orientieren.
Inhaltlich knüpft die Geschichte nahtlos an Band 1 an.
Kierse wird von Albträumen geplagt – Erinnerungen, die keine sein sollten, und doch etwas in ihr auslösen. Auf der Suche nach Antworten gerät sie immer tiefer in die Welt des Kobold-Marktes, voller Magie, Intrigen und gefährlicher Wesen.
Der Plan klingt zunächst fast einfach: ein magisches Armband stehlen – ausgerechnet von der Nymphenkönigin.Nur läuft natürlich nichts so, wie es sollte.
Und dann ist da wieder Graves.
Der Mann, dem sie eigentlich nie wieder begegnen wollte.
Was mir direkt positiv aufgefallen ist, war der Einstieg. Die verschiedenen Ortswechsel bringen Dynamik in die Geschichte, auch wenn New York weiterhin das zentrale Setting bleibt – und genau das macht für mich den Reiz dieser Reihe aus. Diese Version der Stadt, geprägt vom Monsterkrieg, mit all ihren Territorien und Regeln, wirkt lebendig und gleichzeitig gefährlich.
Auch die Erweiterung der Welt hat mir gut gefallen. Neue Wesen, neue Fähigkeiten, neue Konflikte – die Vielfalt an „Monstern“ ist wirklich spannend und sorgt dafür, dass es nie langweilig wird.
Besonders hervorheben möchte ich die Charakterentwicklung.
Graves, Lorcan, Gen und Ethan gewinnen in diesem Band deutlich an Tiefe, werden greifbarer, vielschichtiger. Ihre Beziehungen untereinander entwickeln sich weiter, und gerade diese sich langsam formende Found Family-Dynamik mochte ich sehr.
Mit Kierse hatte ich diesmal allerdings ein etwas zwiegespaltenes Verhältnis.
Ich begleite sie immer noch gerne, aber stellenweise fand ich sie etwas anstrengend. Manche Entscheidungen wirkten auf mich unüberlegt oder sogar irreführend, was es mir nicht immer leicht gemacht hat, komplett mit ihr mitzugehen.
Mein größter Kritikpunkt ist aber tatsächlich die Länge des Buches.
Die Handlung ist in mehrere Abschnitte unterteilt, die sich jeweils auf bestimmte Ziele konzentrieren – in diesem Band vor allem auf die Planung und Durchführung eines größeren Coups. Grundsätzlich eine super spannende Idee, aber die Umsetzung zieht sich stellenweise doch sehr.
Viele Nebenstränge, lange Dialoge, ausführliche Beschreibungen – all das führt dazu, dass das Tempo zwischendurch deutlich abfällt. Ich hatte tatsächlich Momente, in denen ich weniger Lust hatte weiterzulesen, was ich bei Band 1 so gar nicht hatte.
Wie so oft kommt dann im letzten Drittel wieder die Wende.
Plötzlich zieht die Spannung an, Ereignisse überschlagen sich und einige Entwicklungen konnten mich wirklich überraschen. Dieses Finale hat nochmal einiges rausgerissen und mich definitiv neugierig auf den nächsten Band gemacht.
Trotzdem bleibt dieses typische Gefühl eines „Zwischenbandes“ – gerade bei Reihen mit mehreren Teilen merkt man hier einfach, dass viel aufgebaut wird.
„The Robin on the Oak Throne – Der Fluch des Rotkehlchens“ ist eine solide Fortsetzung mit einer spannenden Welt, starken Figuren und einem richtig guten Setting – aber auch mit einigen Längen, die das Leseerlebnis etwas ausbremsen.
Ich bin weiterhin neugierig, wie sich die Geschichte entwickelt, auch wenn mich die Anzahl der kommenden Bände ein kleines bisschen abschreckt.
Für mich sind es 3,5 von 5 Sternen ⭐️ – und eine Empfehlung für alle, die Band 1 mochten und Urban Fantasy mit komplexer Welt und Found Family lieben.





