„Asrai – Der Schatten des Shetai“

Drachen. Ganz ehrlich – mehr braucht es manchmal gar nicht, um mich zu überzeugen.

Gebt mir Drachen, ein bisschen Magie und ich bin sofort dabei. Aber – und das hat mir die Asrai-Reihe ganz deutlich gezeigt – es gehört so viel mehr dazu, ein Buch zu schreiben, das nicht nur unterhält, sondern sich wirklich ins Herz schleicht. Eine Geschichte, die bleibt. Figuren, die man nicht mehr loslassen will. Und genau das schafft Liane Mars mit ihrer Asrai-Reihe immer wieder aufs Neue.

Mit „Asrai – Der Schatten des Shetai“ kehren wir zurück nach Arandor – und ich kann es nicht anders sagen: Es fühlt sich an wie nach Hause kommen. Zurück nach Riata, zurück zu vertrauten Orten, vertrauten Gefühlen, vertrauten Geschichten. Und obwohl es sich hier um eine Vorgeschichte handelt, hat mich das Buch von der ersten Seite an komplett abgeholt. Der Einstieg gelingt mühelos, der Schreibstil ist wie gewohnt flüssig und atmosphärisch – und ehe man sich versieht, ist man wieder mittendrin in dieser Welt.

Im Zentrum der Geschichte steht Nisha.

Und ich glaube, ich habe selten so intensiv mit einer Figur mitgefühlt.

Sie lebt ein Leben, das von Anfang an zum Scheitern verurteilt scheint. Als Spionin unter den Drachenreitern darf sie sich keinen einzigen Fehler erlauben – denn der Preis wäre nicht nur ihr eigenes Leben, sondern das ihrer Familie. Jeder Schritt, jede Entscheidung, jedes gesprochene Wort kann alles zerstören.

Und genau darin liegt die Stärke dieser Geschichte: Dieser ständige innere Konflikt.

Nisha steht zwischen zwei Welten. Zwischen Pflicht und Gefühl. Zwischen Loyalität und Wahrheit. Zwischen dem Wunsch, ihre Familie zu retten – und dem, was sie bei den Drachenreitern zu sehen beginnt.

Man spürt ihre Zerrissenheit in jeder Szene.

Man versteht ihre Angst.

Und man hofft mit jeder Faser, dass sie einen Ausweg findet, der vielleicht gar nicht existiert.

Was mich besonders berührt hat, war, wie viel Tiefe diese Geschichte Ian verleiht.

Wir lernen ihn nicht nur besser kennen – wir verstehen ihn. Seine Vergangenheit, seine Entscheidungen, seine Verbindung zu seinen Drachen. Und genau diese emotionale Ebene hat mich wirklich getroffen.

Die Momente zwischen ihm, Makon und Shy waren für mich einige der stärksten im ganzen Buch. So viel Gefühl, so viel Schmerz, so viel Hoffnung. Es sind genau diese Szenen, die zeigen, warum diese Reihe mehr ist als „nur“ Fantasy.

Und dann ist da noch Sean.

Warmherzig, hilfsbereit, jemand, den man eigentlich sofort ins Herz schließt – und gerade deshalb tut es umso mehr weh, wenn Misstrauen und Geheimnisse zwischen die Figuren treten. Diese unterschwellige Spannung hat mich beim Lesen ständig begleitet.

Ein kleines Highlight für mich war außerdem das Wiedersehen mit Makon und Manila – wenn auch in einer etwas anderen Form. Und ganz ehrlich: Manila hat es selbst im Ei geschafft, mir ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Diese kleinen, leisen Momente sind es, die das Buch so besonders machen.

Gleichzeitig zieht die Spannung immer weiter an. Stück für Stück verdichtet sich die Handlung, Geheimnisse kommen ans Licht, Entscheidungen werden unausweichlich. Und plötzlich ist man genau an diesem Punkt, an dem man sagt: Nur noch ein Kapitel.

(Spoiler: Es bleibt nie bei einem.)

Am Ende bleibt vor allem eine Frage zurück:

Wen rettest du? Deine Familie – oder das, woran du zu glauben beginnst?

Für mich war „Der Schatten des Shetai“ eine emotionale, intensive und absolut gelungene Rückkehr nach Arandor. Eine Geschichte voller Herz, voller Konflikte und voller Drachen – und genau deshalb hat sie mich wieder komplett überzeugt.

4 von 5 Sternen ⭐️

Und eine klare Empfehlung für alle, die Fantasy lieben, die nicht nur spannend ist – sondern auch unter die Haut geht.


Wenn Vertrauen zur Gefahr wird – „This Story Might Save Your Life“

Manchmal begegnet man Büchern, deren Grundidee sofort neugierig macht. Ein Podcast über Leben und Tod, zwei beste Freunde, die scheinbar alles miteinander teilen – und dann verschwindet plötzlich einer von ihnen. Genau diese Mischung aus Freundschaft, Geheimnissen und psychologischer Spannung hat mich bei „This Story Might Save Your Life“ von Tiffany Crum sofort angesprochen.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Joy und Benny, die gemeinsam einen erfolgreichen Podcast betreiben. Ihr Motto lautet: Was dich nicht umbringt, lässt dich überleben. In ihrem Format erzählen sie Geschichten über außergewöhnliche Erfahrungen, über Menschen, die dem Tod entkommen sind oder schwere Schicksalsschläge überstanden haben. Die beiden sind ein eingespieltes Team – und wirken nach außen hin unzertrennlich.

Doch eines Morgens ist plötzlich alles anders.

Joy ist verschwunden.

Und ihr Ehemann Xander ebenfalls.

In Joys Badezimmer finden sich zerbrochene Gegenstände und Spuren eines Kampfes. Schnell wird klar: Freiwillig ist sie ganz sicher nicht gegangen. Die Polizei beginnt zu ermitteln – und richtet ihren Verdacht ausgerechnet auf Benny, der doch angeblich Joys bester Freund ist.

Während die Ermittlungen laufen, versucht Benny selbst verzweifelt herauszufinden, was passiert ist. Doch dann stößt er auf etwas, das alles verändert: ein Manuskript von Joy. Ihre Memoiren.

Was darin steht, stellt vieles infrage, was Benny – und auch wir als Leser – bisher über sie geglaubt haben. Die Texte erzählen von Geheimnissen, von gefährlichen Begegnungen und von einer großen Liebe. Doch das Manuskript bricht plötzlich ab, mitten in der Geschichte.

Und damit beginnt ein Wettlauf mit der Wahrheit.

Der Einstieg in das Buch gelingt sehr leicht. Man ist schnell in der Handlung und lernt Joy und Benny zunächst als enge Freunde kennen, die gemeinsam ihren Podcast aufbauen und immer tiefer in diese besondere Welt der Geschichten über Leben und Tod eintauchen. Gleichzeitig erfahren wir auch mehr über Joys Privatleben – vor allem über ihre Beziehung zu Xander.

Ein wichtiger Bestandteil der Geschichte ist außerdem Joys Narkolepsie, also ihre Schlafkrankheit. Dieses Thema wird immer wieder aufgegriffen und beeinflusst auch einige entscheidende Momente in der Handlung.

Besonders interessant fand ich die Erzählstruktur. Die Geschichte wird einerseits aus Bennys Perspektive erzählt, während wir gleichzeitig über Auszüge aus Joys Manuskript immer mehr über ihre Gedanken und ihre Vergangenheit erfahren. Dadurch entsteht ein spannender Kontrast: Als Leser sind wir Benny in manchen Punkten einen Schritt voraus, während er selbst noch verzweifelt nach Antworten sucht.

Gleichzeitig sorgt diese Struktur dafür, dass sich nach und nach ein ganz neues Bild von Joy entwickelt. Die Frau, die wir am Anfang kennenlernen, scheint nicht die ganze Wahrheit über sich preisgegeben zu haben.

Neben den beiden Hauptfiguren tauchen im Laufe der Geschichte viele Nebencharaktere auf – und genau hier beginnt das große Rätselraten. Fast jede Figur wirkt auf ihre eigene Art verdächtig, und man fragt sich ständig, wer vielleicht etwas zu verbergen hat. Die Autorin spielt geschickt mit diesem Misstrauen und legt immer wieder falsche Fährten aus.

Trotzdem muss ich sagen, dass es im Mittelteil einige Längen gab. Die Handlung verliert dort kurzzeitig etwas an Tempo, bevor sie sich zum Ende hin wieder stärker verdichtet.

Was mir jedoch sehr gut gefallen hat, ist die Art, wie Tiffany Crum ihre Figuren gestaltet hat. Sie wirken vielschichtig, nicht eindeutig einzuordnen und oft widersprüchlich – genau das macht sie interessant. Niemand ist vollkommen durchschaubar, und gerade das hält die Spannung aufrecht.

Das Finale bringt schließlich eine Auflösung, die gut durchdacht wirkt und die wichtigsten Fragen beantwortet. Besonders positiv fand ich, dass am Ende keine großen offenen Handlungsstränge zurückbleiben.

Insgesamt hat mir „This Story Might Save Your Life“ als Debüt gut gefallen. Es ist ein spannender Roman über Freundschaft, Vertrauen und die Frage, wie gut man die Menschen wirklich kennt, die einem am nächsten stehen.

Allerdings würde ich das Buch eher als Spannungsroman denn als klassischen Thriller einordnen. Die Geschichte setzt mehr auf psychologische Entwicklungen und Geheimnisse als auf rasante Action.

Für mich ein solides Debüt mit einer interessanten Idee und viel Potenzial für zukünftige Bücher der Autorin.

⭐ 3,5 von 5 Sternen – und definitiv ein Autorinnenname, den ich im Auge behalten werde.


Zwischen Feuer, Schmerz und Hoffnung – In Fire and Rain – Feuerherz

Es gibt Bücher, bei denen man nach dem Lesen lange überlegt, wie man ihnen überhaupt gerecht werden soll. Geschichten, die einen so sehr berühren, dass Worte fast zu klein erscheinen, um das Gelesene zu beschreiben. Genau so ging es mir mit „In Fire and Rain – Feuerherz“ von Gesa Schwartz. Schon der erste Band dieser Reihe hat mich tief in seine Welt hineingezogen, und als ich nun zum zweiten Teil gegriffen habe, war es fast so, als würde ich in eine vertraute Welt zurückkehren, die mir dennoch wieder den Atem raubt.

Was mich sofort beeindruckt hat, war, wie lebendig meine Erinnerungen an den ersten Band noch waren. Ich musste nicht lange überlegen, was zuvor geschehen ist – die Bilder waren einfach wieder da. Orte, Figuren, Gefühle. Das spricht für einen Schreibstil, der so bildhaft und intensiv ist, dass sich die Geschichte regelrecht einprägt.

In dieser Fortsetzung begleiten wir Sira, die eigentlich zur Drachenreiterin ausgebildet werden soll. Doch genau darin liegt ihr größter innerer Konflikt: Drachen sind für sie nicht nur faszinierende Wesen – sie sind auch der Ursprung ihres tiefsten Schmerzes. Ein Drache hat ihren Bruder getötet, und dieser Verlust sitzt so tief, dass Vertrauen kaum möglich scheint.

Gerade dieser innere Kampf macht Sira zu einer unglaublich greifbaren Figur. Ihre Angst, ihre Wut und ihr Wunsch nach Rache sind jederzeit spürbar. Gleichzeitig beginnt sie im Laufe der Geschichte zu erkennen, dass Drachen vielleicht mehr sind als die Feinde, zu denen sie sie immer gemacht hat. Dass auch sie Schmerz empfinden. Dass sie ebenfalls Verluste kennen.

So treffen zwei Welten aufeinander – zwei traumatisierte Spezies, die im Grunde mehr gemeinsam haben, als ihnen zunächst bewusst ist.

Parallel dazu entwickelt sich auch die Beziehung zu Norik, dem Drachenreiter und Anführer der Rebellen gegen den König. Zwischen ihm und Sira liegt von Anfang an eine Spannung, die kaum zu übersehen ist. Doch Norik ist ein Mann, der seine Pflicht über alles stellt – selbst über seine eigenen Gefühle. Seine Strenge und seine Selbstdisziplin führen dazu, dass er Sira immer wieder auf Abstand hält, obwohl beide wissen, dass zwischen ihnen mehr ist.

Diese Dynamik hat mich beim Lesen besonders berührt. Die beiden lieben sich – und doch glauben sie, dass ihre Liebe eine Gefahr für das größere Ziel darstellen könnte. Jedes ihrer Treffen ist von einer Intensität geprägt, die beinahe schmerzt. Man spürt diese Anziehung zwischen ihnen so stark, dass man sich als Leser immer wieder wünscht, sie würden endlich ihren Gefühlen nachgeben.

Doch In Fire and Rain lebt nicht nur von seinen Hauptfiguren. Auch die Nebencharaktere sind außergewöhnlich vielschichtig gezeichnet. Jeder einzelne von ihnen trägt seine eigene Geschichte, seine eigenen Wunden und Hoffnungen mit sich. Selbst die Drachen wirken nicht nur wie mächtige Kreaturen, sondern wie eigenständige Persönlichkeiten mit Emotionen und Erinnerungen.

Was mich besonders beeindruckt hat, ist die Atmosphäre, die Gesa Schwartz erschafft. Ihr Schreibstil ist poetisch und voller Pathos, ohne dabei überladen zu wirken. Die Geschichte hat einen fast epischen Ton – mythisch, leidenschaftlich und voller Intensität. Gleichzeitig scheut sie sich nicht davor, auch die dunklen Seiten zu zeigen: Verlust, Schuld, Schmerz und Zorn ziehen sich wie ein roter Faden durch die Handlung.

Gerade diese Mischung aus Schönheit und Grausamkeit macht die Geschichte so eindringlich. Man liest sie nicht einfach nur – man fühlt sie. Seite für Seite. Mit jeder Emotion.

Für mich gehört diese Reihe inzwischen zu den eindrucksvollsten Drachen-Geschichten, die ich je gelesen habe. Die Verbindung aus dystopischen Elementen, Fantasy, emotionaler Tiefe und einer Welt voller Konflikte funktioniert hier unglaublich gut.

Am Ende bleibt eine Geschichte, die gleichzeitig düster und hoffnungsvoll ist. Eine Geschichte über Vertrauen, über Heilung und darüber, wie schwer es sein kann, alte Wunden loszulassen.

„In Fire and Rain – Feuerherz“ ist für mich eine intensive, atmosphärische Fortsetzung, die emotional tief berührt und gleichzeitig Lust auf mehr macht.

Der finale Band dieser epischen Romantasy-Dilogie vereint alles, was die Reihe so besonders macht: große Gefühle, gefährliche Magie und ein Schicksal, das sich nicht länger aufhalten lässt.


⭐ 4,5 von 5 Sternen – und eine ganz klare Empfehlung für alle, die Drachen, epische Welten und Geschichten voller Gefühl lieben.


Wenn ein Moment alles verändert – „I Am Watching You“

Manchmal sind es die kleinen Entscheidungen, die uns ein Leben lang verfolgen können. Ein kurzer Moment des Zögerns. Ein Gedanke, den man nicht ausspricht. Eine Situation, in der man sich entscheidet, nichts zu tun – obwohl ein Teil von einem genau weiß, dass man vielleicht hätte eingreifen sollen. Genau mit diesem unangenehmen Gefühl spielt Teresa Driscoll in ihrem Thriller „I Am Watching You – Schweigen ist tödlich“.

Die Geschichte beginnt mit einer scheinbar alltäglichen Szene. Ella Longfield sitzt im Zug und beobachtet zwei junge Männer, die sich mit einigen Teenagerinnen unterhalten. Anfangs wirkt alles harmlos – ein bisschen Flirten, ein bisschen Gelächter. Doch als Ella mitbekommt, dass die beiden Männer gerade erst aus dem Gefängnis entlassen wurden, meldet sich ihr Bauchgefühl. Ihr Instinkt sagt ihr, dass hier etwas nicht stimmt.

Für einen Moment überlegt sie, die Mädchen zu warnen.

Doch sie tut es nicht.

Am nächsten Tag verschwindet eines der Mädchen spurlos. Anna Ballard ist wie vom Erdboden verschluckt.

Ein Jahr später hat sich für Ella nichts beruhigt. Ganz im Gegenteil. Das Gefühl der Schuld lässt sie nicht los. Immer wieder denkt sie an diesen Moment im Zug zurück und fragt sich, ob sie etwas hätte verhindern können. Als dann plötzlich anonyme Drohbriefe bei ihr auftauchen, wird klar: Jemand weiß, was damals passiert ist – und jemand beobachtet sie.

Gleichzeitig rückt der Jahrestag von Annas Verschwinden näher. Die Medien greifen den Fall wieder auf, und plötzlich geraten auch Annas Familie und ihre Freunde stärker ins Blickfeld. Schnell wird deutlich, dass nicht jeder die ganze Wahrheit erzählt. Besonders Annas beste Freundin Sarah scheint mehr zu wissen, als sie zugibt.

Und irgendwo da draußen ist jemand, der genau weiß, was in jener Nacht wirklich passiert ist.

Zu Beginn war ich mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, ob mich das Buch wirklich packen würde. Die Geschichte hält den Leser zunächst ein wenig auf Distanz. Man fühlt sich fast wie eine Beobachterin am Rand – ähnlich wie Ella selbst damals im Zug. Vielleicht war genau das auch Absicht, denn diese gewisse Distanz erzeugt eine ganz eigene Spannung.

Der Schreibstil wirkt stellenweise ruhig und beinahe nüchtern, gleichzeitig liegt aber von Anfang an eine unterschwellige Anspannung in der Luft. Man merkt schnell: Hinter der Oberfläche lauert etwas Dunkles.

Immer wieder stellt man sich dieselben Fragen:

Was ist wirklich im Zug passiert?

Was geschah später im Club?

Und wer trägt letztlich Verantwortung für Annas Verschwinden?

Doch die Geschichte dreht sich nicht nur um die Aufklärung eines Verbrechens. Viel stärker geht es um Schuld und Schweigen – und darum, wie sehr ein einziges Ereignis das Leben vieler Menschen verändern kann. Die Auswirkungen von Annas Verschwinden sind überall spürbar: bei ihrer Familie, bei ihren Freunden und auch bei Ella, die sich selbst kaum verzeihen kann, dass sie damals nichts gesagt hat.

Die Handlung ist dabei sehr durchdacht aufgebaut. Teresa Driscoll arbeitet mit mehreren Perspektiven und streut immer wieder kleine Hinweise ein, die neue Verdachtsmomente wecken. Gleichzeitig werden immer wieder falsche Fährten gelegt, sodass man sich als Leser ständig fragt, wem man eigentlich noch trauen kann.

Besonders gelungen fand ich die Atmosphäre, die im Laufe der Geschichte immer dichter und beklemmender wird. Kapitel für Kapitel verdichten sich die Ereignisse, Geheimnisse kommen ans Licht und neue Fragen tauchen auf.

Ein Element, das mich allerdings nicht ganz überzeugen konnte, waren die kurzen Einschübe aus der Perspektive des „Beobachters“. Sie sollten vermutlich zusätzliche Spannung erzeugen, wirkten für mich aber eher etwas überflüssig.

Das ändert jedoch nichts daran, dass die Geschichte auf ein Finale zusteuert, das mich wirklich überrascht hat. Der Showdown kommt plötzlich, intensiv – und vor allem völlig anders, als ich es erwartet hatte.

Am Ende bleibt ein Thriller, der weniger durch rasante Action als durch psychologische Spannung überzeugt. Eine Geschichte über Schuldgefühle, über Geheimnisse und darüber, wie schwer es sein kann, die Wahrheit auszusprechen.

Für mich ist „I Am Watching You – Schweigen ist tödlich“ ein packender, atmosphärischer Thriller, der lange nachwirkt und zeigt, wie schnell ein einziger Moment das Leben vieler Menschen verändern kann.

⭐ 4 von 5 Sternen – und eine klare Leseempfehlung für alle, die psychologische Spannung und vielschichtige Geschichten lieben.


Stürmisch, düster und voller Emotionen – „Vows and Ruins“

Manche Reihen schaffen es schon mit dem ersten Band, sich einen festen Platz im Herzen zu sichern. Genau so ging es mir mit „Die Legenden von Thezmarr“ von Helen Scheuerer. Der Auftakt hat mich damals völlig mitgerissen – mit seiner Mischung aus Magie, Ausbildung, gefährlichen Prüfungen und dieser intensiven Dynamik zwischen den Figuren. Umso größer war natürlich meine Vorfreude auf Band zwei: „Vows and Ruins“.

Und das Schönste zuerst: Der Einstieg gelingt nahtlos.

Man wird sofort wieder in diese Welt gezogen, als hätte man das Buch nie aus der Hand gelegt. Keine lange Eingewöhnungsphase, kein mühsames Erinnern – plötzlich ist man wieder mitten in Thezmarr, mitten im Training, mitten im drohenden Krieg.

Für Althea hat sich seit dem ersten Band vieles verändert. Ihre Welt steht buchstäblich Kopf, seit sie herausgefunden hat, dass sie über magische Kräfte verfügt. Eine Erkenntnis, die nicht nur neue Möglichkeiten eröffnet, sondern auch neue Gefahren mit sich bringt. Denn plötzlich geht es nicht mehr nur darum, eine gute Kriegerin zu werden – sondern darum, ihre Magie zu verstehen, zu kontrollieren und gleichzeitig die Wahrheit über ihre Herkunft zu akzeptieren.

Als wäre das nicht schon genug, wird ausgerechnet Wilder Hawthorne offiziell zu ihrem Mentor.

Und wer Band eins gelesen hat, weiß: Wilder ist alles andere als ein sanfter Lehrer. Er verlangt Härte, Disziplin und absolute Hingabe. Er treibt Thea an ihre Grenzen – manchmal sogar darüber hinaus. Denn er ist überzeugt, dass nur diejenigen überleben, die bereit sind, zu zerbrechen und sich wieder neu zusammenzusetzen.

Was mir besonders gefallen hat, ist, wie sich die Beziehung zwischen Thea und Wilder weiterentwickelt. Die Spannung zwischen den beiden war schon im ersten Band spürbar – aber hier wird sie noch intensiver. Ihre Dynamik ist emotional, kompliziert und voller unausgesprochener Gefühle. In diesem Band wird sie außerdem deutlich leidenschaftlicher, was der Geschichte noch einmal eine zusätzliche Ebene gibt.

Trotzdem muss ich ehrlich sagen: Der Einstieg hat mich nicht ganz so stark gepackt wie der erste Band.

Gerade im Mittelteil gab es einige Szenen, die für mich etwas zu schnell erzählt wirkten. Manche Entwicklungen hätten ruhig mehr Raum bekommen dürfen, und auch das Magiesystem bleibt weiterhin eher vage. Gerade hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht – mehr Hintergrund, mehr Erklärung, mehr Verständnis für die Regeln dieser Welt.

Doch dann kommt der Punkt, an dem die Geschichte plötzlich wieder an Fahrt aufnimmt.

Die Spannung zieht spürbar an, neue Gefahren tauchen auf, Geheimnisse kommen ans Licht und die Handlung entwickelt eine ganz eigene Wucht. Besonders Theas Entwicklung hat mir dabei sehr gefallen. Sie wächst über sich hinaus, stellt sich Herausforderungen und beweist immer wieder Mut, Stärke und Intelligenz.

Gleichzeitig lernen wir auch mehr über die Welt außerhalb der Mauern von Thezmarr kennen. Die Landschaft, die unterschiedlichen Gegner, ihre Fähigkeiten und ihre Gefährlichkeit – all das erweitert die Geschichte und macht deutlich, wie groß die Bedrohung tatsächlich ist.

Der Schreibstil von Helen Scheuerer bleibt dabei gewohnt fesselnd.

Auch wenn ich persönlich die Ich-Perspektive oft lieber lese und mich hier erst wieder an die Erzählweise gewöhnen musste, hat mich die Geschichte doch schnell wieder in ihren Bann gezogen. Die Kapitel lesen sich flüssig, die Emotionen sind greifbar und die Spannung bleibt konstant präsent.

Und dann kommt dieses Ende.

Ich kann es nicht anders sagen: Es hat mich komplett überrascht.

Ein Plot Twist, den ich so absolut nicht habe kommen sehen. Ein Moment, der alles verändert und einen mit offenem Mund zurücklässt.

Und als wäre das noch nicht genug, endet das Buch mit einem wirklich fiesen Cliffhanger. Einer von denen, bei denen man das Buch zuschlägt und sofort denkt: Wie soll ich jetzt bitte auf den nächsten Band warten?

Auch wenn ich den zweiten Teil insgesamt minimal schwächer als Band eins empfunden habe – besonders im Mittelteil – hat mich das Finale wieder komplett abgeholt. Die Emotionen, die Spannung und die Entwicklungen der Figuren machen dieses Buch zu einer würdigen Fortsetzung.

Für mich bleibt „Vows and Ruins“ eine klare Leseempfehlung für alle, die epische Fantasy mit starken Figuren, intensiver Spannung und einer guten Portion Romantik lieben.

Jetzt bleibt mir nur noch eines:

Sehnsüchtig auf Band drei warten.

⭐ 4,5 von 5 Sternen – und definitiv eine Reihe, die ich jedem Fantasy-Fan ans Herz legen würde.


Trockener Humor, kluge Ermittlungen und ein Fall voller Überraschungen – „Die Witwe“

Nachdem meine letzte Lesewoche stark von Fantasy geprägt war, hatte ich plötzlich wieder Lust auf etwas Bodenständigeres. Kein Drachenfeuer, keine Magie, keine epischen Schlachten – sondern einen guten, clever konstruierten Kriminalroman. Genau deshalb griff ich zu „Die Witwe“ von M. W. Craven, dem vierten Band der Reihe rund um DS Washington Poe und die brillante Analytikerin Tilly Bradshaw.

Und was soll ich sagen: Es fühlte sich ein bisschen an wie ein Wiedersehen mit alten Bekannten.

Schon der Einstieg macht neugierig. Washington Poe wird zu einem Mordfall in ein Hinterhofbordell in Carlisle gerufen – eine eher ungewöhnliche Ausgangslage für ihn, denn normalerweise hat er es mit deutlich größeren Kalibern zu tun, meistens mit Serienmördern. Dieser Fall scheint zunächst fast banal: ein eskalierter Streit mit einem Zuhälter, ein Mord, der auf den ersten Blick relativ klar wirkt.

Doch Poe wäre nicht Poe, wenn er sich mit dem Offensichtlichen zufriedengeben würde.

Schon bald fällt auf, dass am Tatort etwas fehlt: eine kleine Keramikfigur in Form einer Ratte. Auf den Fotos der Spurensicherung ist sie noch deutlich zu erkennen, doch später ist sie verschwunden. Das bedeutet, dass jemand aus dem Ermittlerteam sie genommen haben muss. Ein Detail, das zunächst unscheinbar wirkt – und doch der Beginn einer Spur ist, die in eine ganz andere Richtung führt.

Hier kommt Tilly Bradshaw ins Spiel.

Mit ihrem unglaublichen Gedächtnis und ihrer analytischen Denkweise erinnert sie sich an einen alten, ungeklärten Banküberfall aus der Vergangenheit. Damals wurde nichts gestohlen – stattdessen wurde ebenfalls eine Keramikratte zurückgelassen. Eine merkwürdige Visitenkarte, die plötzlich eine Verbindung zwischen zwei völlig unterschiedlichen Ereignissen herstellt.

Je tiefer Poe und Tilly graben, desto komplizierter wird der Fall. Was zunächst wie ein isoliertes Verbrechen wirkt, entpuppt sich als Teil eines viel größeren Geflechts. Plötzlich taucht sogar der MI5 auf der Bildfläche auf, und aus einem scheinbar kleinen Mordfall wird eine Angelegenheit von internationaler Bedeutung.

Was ich an dieser Reihe besonders liebe, sind die Figuren.

Washington Poe ist kein klassischer Ermittlerheld. Er ist stur, unbequem und hat ein großes Talent dafür, sich mit Vorgesetzten anzulegen. Regeln betrachtet er eher als Vorschläge, und Machtspiele kann er überhaupt nicht ausstehen. Gleichzeitig ist er brillant, hartnäckig und besitzt ein Gespür für Zusammenhänge, das ihn immer wieder auf die richtige Spur bringt.

Seine Partnerin Tilly Bradshaw ist dabei der perfekte Gegenpol. Ein mathematisches Genie, eine brillante Analystin – und gleichzeitig jemand, der sich mit sozialen Feinheiten lange schwergetan hat. Gerade diese Mischung macht sie zu einer unglaublich spannenden Figur. In diesem Band merkt man außerdem, dass sie sich weiterentwickelt. Sie gewinnt mehr Sicherheit im Umgang mit Menschen, ohne dabei ihre einzigartige Art zu verlieren.

Die Dynamik zwischen Poe und Tilly ist für mich weiterhin das Herz dieser Reihe.

Sie vertrauen einander blind, ergänzen sich perfekt und stehen füreinander ein – selbst dann, wenn die Situation kompliziert wird.

Ein kleines bisschen schade fand ich allerdings, dass einige Nebenfiguren diesmal weniger Raum bekommen haben. DI Flynn fehlt leider komplett, und auch die von mir sehr geschätzte Rechtsmedizinerin Estelle Doyle taucht nur kurz auf. Dafür bekommen wir es mit neuen Figuren zu tun, darunter der Geheimdienstchef Alastair Locke, der eine interessante Rolle spielt und Poe mehr als einmal überrascht.

Der Schreibstil von M. W. Craven bleibt auch in diesem Band gewohnt flüssig und angenehm zu lesen. Besonders mag ich den trockenen britischen Humor, der immer wieder durchblitzt und selbst in ernsten Situationen für kleine, subtile Schmunzler sorgt.

Eine Besonderheit dieses Falls ist außerdem der militärische Hintergrund, der immer wieder auftaucht. Das entsprechende Fachvokabular wirkt anfangs etwas ungewohnt, wird aber gut erklärt – was vermutlich auch damit zusammenhängt, dass Craven selbst viele Jahre in der britischen Armee gedient hat.

Die Ausgangssituation unterscheidet sich zudem deutlich von den vorherigen Bänden. Dieses Mal geht es nicht darum, einen Serienmörder zu jagen, sondern zunächst darum, die Sicherheit eines internationalen Gipfels zu gewährleisten. Doch wie so oft entwickelt sich der Fall ganz anders als erwartet.

Besonders spannend fand ich die technischen Aspekte der Ermittlungen.

Die Fähigkeiten von Tilly – und auch die des Täters – im Bereich Technik und digitale Tricks waren faszinierend zu lesen. Obwohl ich mich selbst nicht als völligen Computer-Laien bezeichnen würde, gab es hier einige Dinge, die mich wirklich überrascht haben.

Der Spannungsbogen bleibt dabei konstant hoch und trägt die Geschichte bis zum Ende. Die Handlung schlägt mehrere unerwartete Richtungen ein, und genau das hat mir besonders gefallen: Nichts läuft so, wie man es zunächst vermutet.

Was Poes persönliche Geschichte betrifft, passiert in diesem Band allerdings nicht allzu viel. Seine eigene „Agenda“, die sich durch die Reihe zieht, tritt etwas in den Hintergrund. Dafür deutet sich am Ende eine neue Bekanntschaft an, die in zukünftigen Bänden durchaus noch wichtig werden könnte.

Für mich bleibt die Washington-Poe-Reihe von M. W. Craven eine der spannendsten Krimiserien der letzten Jahre. Auch „Die Witwe“ hat mich wieder bestens unterhalten – clever konstruiert, mit starken Figuren und einer Geschichte, die immer wieder überrascht.

Ein Krimi, der Spannung, Humor und intelligente Ermittlungsarbeit wunderbar miteinander verbindet.

⭐ 4 von 5 Sternen – und eine klare Empfehlung für alle, die britische Krimis mit Charakter lieben.