Vampirbücher sind für mich immer so eine kleine Wundertüte. Entweder sie überraschen mich komplett – oder sie verlieren sich irgendwo zwischen Klischees, bekannten Mustern und derselben alten „gefährlicher Vampir verliebt sich“-Geschichte. Genau deshalb war ich unglaublich neugierig auf „Die Erhabenen – Liebe, so rot wie Blut“ von Sofia Mars.
Und ich muss sagen:
Dieses Buch hat mich definitiv positiver überrascht, als ich erwartet hätte.
Schon die Grundidee fand ich spannend. Eine Welt, in der Vampire – hier die sogenannten Erhabenen – indirekt die Macht innehaben, ihre Gefühle kontrollieren können und sich Menschen deutlich unterordnen müssen, bringt direkt eine interessante Dynamik mit.
Dazu dann noch dieses abgelegene Winter-Institut auf einer Insel in der Keltischen See, auf der plötzlich genau diese Fähigkeiten nicht mehr richtig funktionieren.
Allein dieses Setting hatte sofort etwas Düsteres, Kaltes und gleichzeitig Geheimnisvolles an sich.
Und genau diese Atmosphäre zieht sich durch das gesamte Buch.
Besonders gut gefallen hat mir dabei, dass die Geschichte nicht versucht, möglichst viele typische Vampir-Klischees abzuarbeiten. Stattdessen fühlt sich vieles angenehm anders an. Natürlich gibt es bekannte Elemente wie verbotene Gefühle, Machtgefälle und Geheimnisse – aber die Umsetzung wirkt deutlich eigenständiger, als ich zunächst erwartet hatte.Vor allem die Welt der Erhabenen fand ich unglaublich interessant.
Diese Vorstellung von Wesen, die Emotionen kontrollieren und unterdrücken können, sorgt automatisch dafür, dass Gefühle plötzlich etwas Gefährliches bekommen. Etwas, das nicht passieren sollte. Und genau dadurch wirken selbst kleine emotionale Momente plötzlich viel intensiver.
Amalia mochte ich als Protagonistin wirklich gern.
Obwohl sie selbst eine Erhabene ist, merkt man schnell, dass sie anders denkt als viele ihrer Mitschüler. Sie wirkt empathischer, reflektierter und hinterfragt Dinge, die andere einfach akzeptieren.
Gerade ihre Entwicklung fand ich deshalb besonders spannend.
Man merkt deutlich, wie sie beginnt, ihre Welt und alles, was sie gelernt hat, immer stärker infrage zu stellen. Diese Veränderung passiert nicht plötzlich oder überzogen, sondern entwickelt sich Schritt für Schritt – und genau dadurch wirkte sie für mich glaubwürdig.
Bei Caelan bin ich dagegen noch etwas unsicher.
Er bleibt lange schwer greifbar und vieles an ihm wirkt bewusst geheimnisvoll gehalten. Einerseits macht ihn das natürlich spannend, andererseits hatte ich manchmal das Gefühl, noch gar nicht richtig einschätzen zu können, wer er eigentlich ist.
Trotzdem mochte ich die Dynamik zwischen ihm und Amalia grundsätzlich.
Allerdings muss ich auch sagen, dass genau hier mein größter Kritikpunkt liegt.
Die Beziehung entwickelt sich für mein Empfinden viel zu schnell intensiv. Nach sehr kurzer Zeit fallen emotional schon unglaublich viele Mauern und genau dadurch fehlte mir etwas Tiefe. Vieles wirkte eher wie starke Neugier und körperliche Anziehung als wie wirklich gewachsene Gefühle.
Gerade weil die Welt und die Figuren eigentlich so viel Potenzial für eine langsame, intensive Entwicklung gehabt hätten, fand ich das etwas schade.
Ich hoffe deshalb sehr, dass die Beziehung der beiden im zweiten Band noch mehr emotionale Tiefe bekommt.
Der Schreibstil selbst hat mir dagegen wirklich gut gefallen. Flüssig, bildhaft und angenehm zu lesen, ohne dabei unnötig kompliziert zu wirken. Besonders die Atmosphäre des Winter-Instituts und der Insel wurde richtig gut eingefangen.
Diese Mischung aus Isolation, unterschwelliger Bedrohung und Geheimnissen hat perfekt zur Geschichte gepasst.
Auch die zusätzlichen Perspektiven zwischendurch fand ich gelungen, weil sie die Welt größer wirken lassen und weitere Einblicke ermöglichen, ohne den Fokus komplett von Amalia wegzunehmen.
Spannend fand ich außerdem die gesellschaftlichen Strukturen innerhalb der Geschichte. Dass die Erhabenen eigentlich Macht über die Menschen besitzen, die Inselbewohner sich dieser Kontrolle aber nicht einfach unterwerfen wollen, bringt eine interessante politische Ebene mit hinein.
Auch wenn dieser Aspekt im ersten Band noch eher im Hintergrund bleibt, steckt darin definitiv Potenzial für die Fortsetzung.
Und dann dieses Ende…
Ganz ehrlich?
Das war wirklich gemein.
Genau die Art Ende, die dafür sorgt, dass man sofort wissen möchte, wie es weitergeht.
Für mich ist „Die Erhabenen – Liebe, so rot wie Blut“ deshalb eine wirklich spannende Vampir-Romantasy, die mit einem atmosphärischen Setting, interessanten Ideen und einer starken Hauptfigur überzeugen konnte.
Nicht perfekt – vor allem die Liebesgeschichte hätte für mich langsamer und intensiver aufgebaut werden dürfen – aber definitiv eine Geschichte, die neugierig auf mehr macht.
4 von 5 Sternen ⭐️





