Es gibt Reihen, bei denen ich nach jedem Band denke: Jetzt kann es eigentlich nicht mehr besser werden.
Und dann kommt Helen Scheuerer um die Ecke und beweist mir das Gegenteil.
Die Legenden von Thezmarr ist für mich längst zu einer absoluten Herzensreihe geworden. Seit dem ersten Band liebe ich diese Welt, ihre Figuren und die Mischung aus epischer Fantasy, actionreichen Kämpfen und einer Liebesgeschichte, die einem regelmäßig das Herz bricht. Nach diesem unfassbar gemeinen Cliffhanger aus Band zwei musste ich deshalb gar nicht lange überlegen. Das Buch war kaum bei mir angekommen, da hatte ich es auch schon aufgeschlagen.
Der Einstieg fiel mir unglaublich leicht. Ich war sofort wieder mittendrin und hatte das Gefühl, Thea und ihre Gefährten nie wirklich verlassen zu haben. Die Geschichte knüpft direkt an die Ereignisse des zweiten Bandes an. Thea verfolgt nur noch ein Ziel: Wilder finden. Den Mann, dem sie vertraut hat, den sie geliebt hat und von dem sie überzeugt ist, dass er sie und das gesamte Königreich verraten hat.
Was mir in diesem Band besonders aufgefallen ist: Thea wird von ihrer Wut regelrecht aufgefressen. Ich konnte ihre Gefühle absolut nachvollziehen. Nach allem, was passiert ist, wäre vermutlich niemand einfach zur Tagesordnung übergegangen. Trotzdem gab es immer wieder Momente, in denen ich sie am liebsten geschüttelt hätte. Ihr werden Hinweise gegeben, Wahrheiten liegen direkt vor ihr und trotzdem hält sie lange an dem fest, woran sie glauben möchte. Das hat sie für mich dieses Mal deutlich impulsiver und teilweise auch egoistischer wirken lassen als in den vorherigen Bänden.
Gerade dadurch merkt man aber auch, dass Helen Scheuerer ihren Figuren erlaubt, Fehler zu machen. Thea ist keine perfekte Heldin. Sie trifft Entscheidungen aus Schmerz, aus Enttäuschung und manchmal auch aus blindem Hass. Das macht sie menschlich, auch wenn ich nicht jede ihrer Entscheidungen gutheißen konnte.
Während Thea versucht, Wilder zur Strecke zu bringen, wird immer deutlicher, dass hinter allem viel mehr steckt als ein einzelner Verrat. Mit jeder neuen Enthüllung beginnt nicht nur Thea an allem zu zweifeln, sondern auch ich als Leserin. Irgendwann wusste ich selbst nicht mehr, wem ich eigentlich noch vertrauen soll. Genau dieses ständige Hinterfragen hat für mich einen riesigen Teil der Spannung ausgemacht. Kaum glaubte ich, endlich den Durchblick zu haben, kam die nächste Information, die wieder alles auf den Kopf gestellt hat.
Auch Wilder bleibt eine unglaublich spannende Figur. Nach Band zwei wollte ich unbedingt verstehen, warum er getan hat, was er getan hat. Einige Antworten bekommt man tatsächlich, gleichzeitig bleiben aber noch genug Geheimnisse offen, um die Spannung hochzuhalten. An einer Stelle ging mir allerdings etwas zu schnell, wie sich das Vertrauen zwischen ihm und Thea langsam wieder aufbaut. Nach allem, was zwischen ihnen passiert ist, hätte ich mir gewünscht, dass dieser Prozess etwas mehr Zeit bekommt. Die Chemie zwischen den beiden ist trotzdem nach wie vor spürbar und die romantischen Momente haben mir wieder richtig gut gefallen. Der Spice hält sich dieses Mal angenehm im Hintergrund und drängt die eigentliche Handlung nie in den Schatten.
Besonders gefreut habe ich mich darüber, dass Kipp und Cal wieder deutlich mehr Raum bekommen. Die beiden gehören für mich inzwischen zu den Highlights der gesamten Reihe. Sie bringen genau den Humor mit, den die Geschichte an vielen Stellen braucht, sprechen unbequeme Wahrheiten aus und stehen Thea trotzdem bedingungslos zur Seite. Solche Nebenfiguren machen eine Fantasywelt für mich erst richtig lebendig.
Auch die Handlung entwickelt sich in diesem Band noch einmal enorm weiter. Aus einer persönlichen Geschichte wird immer mehr ein Kampf um ganze Königreiche. Intrigen, politische Machtspiele, alte Geheimnisse und neue Bündnisse sorgen dafür, dass sich die Welt ständig erweitert. Gleichzeitig verliert Helen Scheuerer nie den Überblick. Trotz der vielen Figuren und Handlungsstränge wirkte nichts überladen, sondern alles sinnvoll miteinander verknüpft.
Besonders beeindruckt mich nach wie vor das Worldbuilding. Mit jedem Band entdeckt man neue Facetten dieser Welt und merkt, wie viel Arbeit und Liebe zum Detail darin steckt. Alles wirkt durchdacht und lebendig, ohne dass man von endlosen Erklärungen erschlagen wird.
Und dann kam dieses Ende.
Eigentlich sollte ich inzwischen wissen, dass Helen Scheuerer Cliffhanger liebt. Trotzdem saß ich nach der letzten Seite wieder sprachlos da und habe das Buch einfach nur angestarrt. Wie kann man eine Geschichte bitte genau an dieser Stelle enden lassen?
Jetzt bleibt mir nichts anderes übrig, als sehnsüchtig auf den nächsten Band zu warten.
Fate and Furies ist für mich ein unglaublich starker dritter Band, der die Geschichte konsequent weiterentwickelt und die Welt von Thezmarr noch einmal größer macht. Auch wenn ich nicht jede Entscheidung von Thea nachvollziehen konnte, haben mich die Handlung, die vielen Wendungen und die großartigen Nebenfiguren komplett mitgerissen. Für mich bleibt diese Reihe eine absolute Herzensreihe und ich freue mich jetzt schon darauf, endlich wieder nach Thezmarr zurückzukehren.
4,5 von 5 🖤

