Kennt ihr diese Fortsetzungen, bei denen man das Ende des ersten Bandes noch so präsent im Kopf hat, dass man praktisch sofort wieder in der Geschichte steckt?
Genau so ging es mir mit ‚A Light Will Spark’ von Beril Kehribar.
Da zwischen den beiden Bänden nicht besonders viel Zeit vergangen ist, waren die Ereignisse aus dem ersten Teil noch erstaunlich präsent. Vor allem dieser fiese Cliffhanger hatte sich ziemlich hartnäckig in meinem Gedächtnis festgesetzt. Umso neugieriger war ich natürlich darauf, wie Beril Kehribar die Geschichte rund um Aurelia, Nathanael und die Geheimnisse der Hill Cove Boarding School zu Ende führen würde.
Eines kann ich direkt vorwegnehmen: Atmosphärisch hat mich die Autorin auch diesmal wieder absolut abgeholt.
Schon nach wenigen Seiten war ich zurück in dieser düsteren Welt voller Schatten, Geheimnisse und Bedrohungen. Gerade die Mischung aus Dark Academia, Internatssetting und übernatürlichen Elementen funktioniert für mich nach wie vor unglaublich gut. Die Hill Cove Boarding School hat etwas Unheimliches an sich, das sich durch beide Bände zieht und der Geschichte ihren ganz eigenen Charakter verleiht.
Auch der Schreibstil hat mir wieder gefallen. Er liest sich angenehm flüssig, sorgt für ein gutes Lesetempo und schafft es gleichzeitig, die eher dunkle Stimmung der Handlung einzufangen. Besonders die Szenen, in denen sich die Gefahr langsam zuspitzt oder die Bedrohung immer greifbarer wird, haben für mich sehr gut funktioniert.
Trotzdem gab es leider wieder einen Punkt, mit dem ich schon im ersten Band etwas gehadert habe: Aurelia.
Ich weiß, dass sie als Figur viel durchmacht. Ihre Kräfte entwickeln sich immer weiter, sie muss Entscheidungen treffen, die ihr Leben verändern können, und zusätzlich kämpft sie mit Ängsten, Zweifeln und Unsicherheiten. Vieles davon ist absolut nachvollziehbar. Trotzdem hatte ich während des Lesens immer wieder das Gefühl, dass sie sich gedanklich im Kreis dreht. Manche Konflikte wurden für meinen Geschmack etwas zu oft durchgekaut, wodurch sich die Handlung stellenweise langsamer anfühlte, als sie eigentlich hätte sein müssen.
Dabei muss ich fairerweise sagen, dass man durchaus eine Entwicklung bei ihr erkennen kann. Sie wirkt insgesamt reflektierter und beginnt nach und nach, mehr Verantwortung für ihre Fähigkeiten und ihre Entscheidungen zu übernehmen. Ich hätte mir nur gewünscht, dass dieser Prozess etwas klarer und konsequenter spürbar gewesen wäre.
Auch die Beziehung zwischen Aurelia und Nathanael entwickelt sich weiter. Gerade die verbotenen Aspekte ihrer Verbindung sorgen immer wieder für emotionale Momente und verleihen ihrer Dynamik mehr Tiefe als noch im ersten Band. Man merkt, dass die beiden inzwischen deutlich mehr miteinander verbindet als bloße Anziehung.
Und trotzdem fehlte mir persönlich dieses letzte Quäntchen Gefühl.
Ich mochte die beiden zusammen, ich konnte ihre Entwicklung nachvollziehen und ich habe verstanden, warum sie füreinander wichtig sind. Aber dieses komplette Mitfiebern, dieses emotionale Investiertsein, das mich manche Romantasy-Paare fühlen lassen, wollte sich bei mir leider nicht einstellen.
Gerade deshalb konnte mich die Geschichte emotional nie ganz so packen, wie ich es mir erhofft hatte.
Hinzu kommt, dass die Handlung im Mittelteil immer wieder kleine Längen hatte. Obwohl die Spannung grundsätzlich vorhanden ist und die Bedrohung im Hintergrund ständig spürbar bleibt, gab es einige Passagen, die sich für mich etwas gezogen haben. Nicht dramatisch, aber genug, um meinen Lesefluss gelegentlich auszubremsen.
Dabei finde ich die Grundidee der Dilogie nach wie vor wirklich gelungen. Das Zusammenspiel aus Dunkelheit, Magie, Geheimnissen und verbotenen Gefühlen bietet eigentlich alles, was ich an Dark-Academia-Fantasy mag. Umso mehr hätte ich mir gewünscht, emotional noch stärker mit den Figuren verbunden zu sein.
Trotzdem hatte ich insgesamt eine gute Lesezeit mit dem Buch. Die Atmosphäre stimmt, die Welt funktioniert und die Geschichte bekommt einen runden Abschluss. Auch wenn mich die Dilogie am Ende nicht vollständig überzeugen konnte, verstehe ich absolut, warum viele Leserinnen und Leser diese Reihe lieben.
A Light Will Spark schließt die School-of-Darkness-Dilogie atmosphärisch und spannend ab. Die düstere Internatsstimmung, die übernatürlichen Elemente und die stetig wachsende Bedrohung sorgen für eine fesselnde Kulisse, in die man gerne zurückkehrt.
Leider konnte mich Aurelia als Hauptfigur auch im zweiten Band nicht vollständig erreichen und einige Längen im Mittelteil haben meinen Lesefluss etwas gebremst. Dennoch bietet die Geschichte einen gelungenen Abschluss für alle, die bereits Band eins mochten und wissen möchten, wie Aurelias und Nathanaels Weg endet.
Für mich eine solide Fortsetzung mit starker Atmosphäre, die emotional aber hinter meinen Erwartungen geblieben ist.
🖤🖤🖤✨
3,5 von 5 Sternen


