Böse Stunde von Catherine Shepherd

Manchmal entdeckt man eine Autorin erst ziemlich spät und fragt sich anschließend ernsthaft, wie sie einem so lange entgehen konnte.

Genau so geht es mir mit Catherine Shepherd. Vor noch gar nicht allzu langer Zeit habe ich mein erstes Buch von ihr gelesen, inzwischen gehört sie für mich aber längst zu den Autorinnen, bei denen ich eigentlich gar nicht mehr groß überlegen muss. Steht ihr Name auf dem Cover, bin ich sofort neugierig. Denn mittlerweile weiß ich: Mich erwartet nicht einfach nur ein spannender Thriller, sondern meistens auch eine richtig ungewöhnliche Idee, jede Menge falsche Fährten und mindestens ein Moment, in dem ich merke, dass ich mich mal wieder komplett in die falsche Richtung verrannt habe.

Bei „Böse Stunde“ kommt noch etwas hinzu, das ich an der Zons-Reihe besonders liebe: Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen. Während Kommissar Oliver Bergmann in der Gegenwart ermittelt, bekommen wir es im Jahr 1507 erneut mit Bastian Mühlenberg zu tun. Zwei unterschiedliche Zeiten, zwei Ermittler und Verbrechen, die auf den ersten Blick Jahrhunderte voneinander entfernt liegen – und sich trotzdem auf eine ganz besondere Weise ähneln.

Schon der Prolog hat mich wieder sofort gehabt.

Auf einem einsamen Parkplatz sitzt ein Mann reglos hinter dem Steuer seines Autos. Seine Hände umklammern noch das Lenkrad, doch er lebt längst nicht mehr. Der Wagen wurde luftdicht verschlossen, der Tote mit Kabelbindern fixiert und in seinem Mund befindet sich ein kleines Zahnrad. Alles wirkt sorgfältig vorbereitet. Fast wie eine Inszenierung.

Und schon da war dieses unangenehme Gefühl, das Catherine Shepherd so gut erzeugen kann. Man weiß, dass hinter diesem Mord viel mehr steckt. Dass der Täter nicht einfach nur töten will. Er möchte eine Botschaft hinterlassen – und Oliver Bergmann soll sie verstehen.

Wenig später erhält Oliver eine Audiodatei. Ein neues Opfer befindet sich bereits in der Gewalt des Täters und plötzlich beginnt ein gnadenloser Countdown. Eine Stunde läuft rückwärts. Eine Stunde, in der der Gefangene Reue zeigen soll. Eine Stunde, in der Oliver versuchen muss, einen Menschen zu finden, von dem er kaum etwas weiß.

Allein diese Idee fand ich unglaublich beklemmend.

Zeit spielt in diesem Buch eine riesige Rolle. Nicht nur als etwas, das unaufhaltsam vergeht, sondern als Druckmittel. Als Strafe. Als Erinnerung daran, dass man manche Entscheidungen nicht mehr rückgängig machen kann. Die Opfer haben Schuld auf sich geladen, zumindest aus Sicht des Täters. Doch wer entscheidet, was Vergebung verdient und was nicht? Und wer gibt einem Menschen das Recht, sich zum Richter über andere zu machen?

Während Oliver in der Gegenwart versucht, die Hinweise zu entschlüsseln, wird im Jahr 1507 am Rheinufer die Leiche der jungen Magd Agathe gefunden. Neben ihr liegt eine Sanduhr, gefüllt mit Sand, der so rot ist wie Blut. Auch in ihrem Mund steckt ein kleines Zahnrad.

Damit war sofort klar, dass beide Fälle zumindest thematisch miteinander verbunden sind.

Natürlich handelt es sich nicht einfach um denselben Täter. Zwischen den Morden liegen schließlich mehr als fünfhundert Jahre. Trotzdem entstehen immer wieder Parallelen, die mich neugierig gemacht haben. Die Zahnräder, die Sanduhren, die Schuld der Opfer und die Frage, wem die Zeit davonläuft – alles greift ineinander, ohne dass man sofort erkennt, wie das Gesamtbild aussehen wird.

Genau das macht diese Reihe für mich so reizvoll.

Catherine Shepherd wechselt in kurzen Kapiteln immer wieder zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Normalerweise besteht bei mehreren Zeitebenen schnell die Gefahr, dass man eine Handlung lieber liest als die andere. Hier ging es mir überhaupt nicht so. Kaum war ich bei Oliver angekommen und wollte unbedingt wissen, ob er das nächste Opfer noch rechtzeitig finden kann, wechselte die Geschichte zurück zu Bastian. Und plötzlich war ich genauso gespannt darauf, durch die engen Gassen des mittelalterlichen Zons zu folgen und herauszufinden, welches Geheimnis hinter Agathes Tod steckt.

Die kurzen Kapitel haben zusätzlich dafür gesorgt, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.

Man denkt sich: Nur noch ein Kapitel.

Dann endet dieses natürlich genau an der spannendsten Stelle, die Perspektive wechselt und schon muss man dort ebenfalls weiterlesen. Ehe man sich versieht, sind wieder hundert Seiten vorbei.

Auch die beiden Ermittler mochte ich erneut sehr gerne.

Oliver Bergmann steht in der Gegenwart enorm unter Druck. Der Täter spielt mit ihm, setzt ihn gezielt unter Zeitdruck und lässt keinen Zweifel daran, dass ein Fehler ein weiteres Menschenleben kosten könnte. Ich konnte seine Anspannung beim Lesen regelrecht spüren. Gleichzeitig musste er immer wieder überlegen, welche der zahlreichen Spuren tatsächlich wichtig sind und welche bewusst gelegt wurden, um ihn abzulenken.

Und davon gibt es einige.

Catherine Shepherd streut unzählige kleine Hinweise ein. Manche wirken zunächst nebensächlich, andere springen einem sofort ins Auge. Dazu kommen mehrere Verdächtige, unterschiedliche Motive und immer wieder neue Informationen, die das bisherige Bild verändern. Mehr als einmal war ich überzeugt, den Täter durchschaut zu haben.

Natürlich lag ich falsch.

Zumindest in der Gegenwart.

Den Täter im Jahr 1507 hatte ich tatsächlich früher im Verdacht. Dort setzte sich das Bild für mich nach und nach zusammen und irgendwann war ich ziemlich sicher, in welche Richtung es gehen würde. Trotzdem blieb die Handlung spannend, weil mir noch lange nicht klar war, warum alles passiert war und wie Bastian die Wahrheit ans Licht bringen würde.

In der Gegenwart sah es dagegen ganz anders aus.

Dort hat Catherine Shepherd ihre Spuren so geschickt gelegt, dass ich mich immer wieder von einer neuen Theorie überzeugen ließ. Kaum glaubte ich, endlich alles verstanden zu haben, tauchte ein weiteres Detail auf und brachte meine Überlegungen wieder durcheinander. Besonders gelungen fand ich, dass die falschen Fährten am Ende nicht einfach bedeutungslos waren. Sie standen durchaus mit der Geschichte in Verbindung, nur eben anders, als ich zunächst gedacht hatte.

Dadurch wirkte die Auflösung nicht konstruiert.

Im Gegenteil: Als schließlich alles zusammengeführt wurde, hatte ich dieses herrliche Gefühl, dass die einzelnen Puzzleteile die ganze Zeit vor mir gelegen hatten. Ich hatte sie nur nicht richtig zusammengesetzt.

Neben den grausamen Morden und dem Wettlauf gegen die Zeit gibt es auch wieder diese ganz besondere Verbindung zwischen Anna und Bastian.

Ihre Beziehung lässt sich kaum in normale Worte fassen. Es ist keine klassische Liebesgeschichte, sondern etwas, das Zeit und Raum überwindet. Eine tiefe, fast schon unerklärliche Nähe zwischen zwei Menschen, die eigentlich niemals aufeinandertreffen dürften. Gerade diese leisen und beinahe übernatürlichen Momente bilden einen schönen Gegenpol zu den düsteren Ermittlungen.

Ich mag diese Verbindung sehr.

Sie bringt eine emotionale Ebene in die Geschichte, ohne den Thriller auszubremsen. Und auch diesmal hat sich Catherine Shepherd etwas einfallen lassen, womit ich nicht gerechnet hatte. Ich war neugierig, berührt und gleichzeitig ein wenig sprachlos darüber, welche Richtung diese außergewöhnliche Beziehung genommen hat.

Überhaupt ist es beeindruckend, wie selbstverständlich die Autorin historische Elemente, moderne Ermittlungsarbeit und beinahe mystische Momente miteinander verbindet.

Das mittelalterliche Zons wirkt dabei wieder unglaublich lebendig. Die engen Gassen, die Stadtmauer, die einfachen Häuser und die gesellschaftlichen Unterschiede dieser Zeit sind nicht nur eine Kulisse. Sie beeinflussen die Ermittlungen, das Verhalten der Menschen und die Möglichkeiten, die Bastian überhaupt zur Verfügung stehen. Während Oliver auf moderne Technik, Audiodateien und kriminalistische Untersuchungen zurückgreifen kann, muss Bastian beobachten, zuhören und die richtigen Schlüsse aus dem Verhalten der Menschen ziehen.

Trotzdem begegnen beide Ermittler denselben menschlichen Abgründen.

Schuld, Angst, Gier und das verzweifelte Bedürfnis, Geheimnisse um jeden Preis zu schützen, haben sich offenbar auch nach Jahrhunderten kaum verändert.

Das Finale hat mir dann noch einmal genau das gegeben, was ich mir von einem Catherine-Shepherd-Thriller wünsche.

Das Tempo zieht an, die Ereignisse überschlagen sich und nach und nach werden die letzten offenen Fragen beantwortet. Alle losen Fäden werden miteinander verknüpft und die beiden Fälle bekommen einen schlüssigen Abschluss. Es bleibt nichts zurück, bei dem ich das Gefühl hatte, die Erklärung sei vergessen oder nur halbherzig abgehandelt worden.

Stattdessen fügt sich am Ende alles logisch zusammen.

Und genau das liebe ich bei Thrillern. Ich möchte überrascht werden, aber die Lösung muss im Nachhinein trotzdem Sinn ergeben. Ich möchte zurückdenken und erkennen können, an welchen Stellen die Hinweise bereits versteckt waren. Bei „Böse Stunde“ hat das für mich wieder hervorragend funktioniert.

Catherine Shepherd hat mit diesem Buch erneut bewiesen, warum ich ihre Geschichten inzwischen so gerne lese. Sie schafft es, spannende Fälle mit ungewöhnlichen Ideen zu verbinden, ihre Täter lange im Verborgenen zu halten und gleichzeitig Figuren zu erschaffen, denen ich gerne folge.

Dabei ist die Geschichte düster und stellenweise grausam, ohne sich nur auf blutige Einzelheiten zu verlassen. Die eigentliche Spannung entsteht durch den Zeitdruck, die rätselhaften Botschaften und die ständige Frage, ob das nächste Opfer noch gerettet werden kann.

Für mich war „Böse Stunde“ wieder ein kurzweiliges und fesselndes Leseabenteuer, das ich viel zu schnell beendet hatte.

Eine Autorin, die ich erst spät entdeckt, aber längst lieben gelernt habe – und von der hoffentlich noch sehr viele Thriller auf mich warten.

Von mir gibt es eine ganz klare Kauf- und Leseempfehlung.

🖤 5 von 5 Herzen


Keine Angst, Darling von Vera Buck

Wie ich zu Vera Buck stehe, wisst ihr inzwischen wahrscheinlich. Oder? 😅

Ich habe irgendwann völlig zufällig eines ihrer Bücher in die Hand genommen, wollte eigentlich nur kurz reinlesen und tja … seitdem bin ich ihr verfallen. Wenn Vera Buck draufsteht, muss ich inzwischen eigentlich gar nicht mehr lange überlegen.

Entsprechend gespannt war ich auf „Keine Angst, Darling“. Und allein der Klappentext hat bei mir schon sämtliche Alarmglocken klingeln lassen. Eine abgeschottete Luxussiedlung in Florida, eine nach außen perfekte Familie, Millionen Follower, die dieses Leben bewundern – und Frauen, die verschwinden, wenn sie sich nicht an die Regeln halten?

Ja. Bitte. Her damit.

Willkommen im perfekten Leben

Lea scheint genau das zu haben, was sich viele wünschen. Sie lebt mit ihrem Mann Matt und ihrer Tochter in Sancta Familia, einer luxuriösen, streng abgeschirmten Wohnanlage in Florida. Ihr Leben sieht aus wie aus einem Hochglanzmagazin. Ein wunderschönes Zuhause, ein erfolgreicher Ehemann, eine glückliche Familie – und Millionen Menschen verfolgen online begeistert ihren Alltag.

Zumindest ist das die Version, die Lea nach außen zeigt.

Ihre Schwester Paula lebt in Deutschland und betrachtet dieses perfekte Leben deutlich skeptischer. Als Lea plötzlich nicht mehr erreichbar ist, wird aus einem unguten Gefühl echte Sorge. Paula reist nach Florida, um herauszufinden, was mit ihrer Schwester passiert ist.

Doch Lea ist nicht da. Matt behauptet, sie sei in einem Retreat. Kein Grund zur Sorge. Natürlich.

Denn wenn ich in einem Thriller eines gelernt habe, dann wohl: Wenn alle behaupten, man müsse sich wirklich überhaupt keine Sorgen machen, sollte man sich wahrscheinlich sehr große Sorgen machen.

Paula beginnt nachzuforschen und je genauer sie sich Sancta Familia ansieht, desto mehr bekommt die makellose Fassade Risse.

Und was darunter zum Vorschein kommt, fand ich teilweise erschreckender als so manchen blutigen Thriller.

Wenn Kontrolle als Liebe verkauft wird

Ein großer Teil der Geschichte dreht sich um die Beziehung zwischen Lea und Matt – und genau diese fand ich unglaublich beklemmend.

In Sancta Familia herrscht ein sehr bestimmtes Bild davon, wie eine glückliche Ehe auszusehen hat. Der Mann führt, trifft die Entscheidungen und gibt die Regeln vor. Die Frau unterstützt ihn, kümmert sich um Familie und Haushalt und ordnet sich unter.

Ein Rollenbild, das eigentlich aus einer längst vergangenen Zeit stammen könnte und trotzdem erschreckend aktuell wirkt.

Besonders gut fand ich, dass Vera Buck Lea dabei nicht einfach als naive Frau darstellt, bei der man sich ständig fragt: Warum gehst du nicht?

Stattdessen zeigt sie Stück für Stück, wie Lea überhaupt an diesen Punkt gekommen ist.

Denn solche Strukturen entstehen eben nicht unbedingt von heute auf morgen.

Es beginnt mit kleinen Dingen. Entscheidungen werden einem abgenommen. Grenzen verschieben sich. Kontrolle wird als Fürsorge verkauft. Einschränkungen werden mit Sicherheit begründet. Und irgendwann ist aus all diesen kleinen Schritten etwas geworden, das von außen betrachtet vollkommen offensichtlich erscheint – für die Person mittendrin aber längst zur Normalität geworden ist.

Gerade diese Entwicklung fand ich erschreckend glaubwürdig.

Matt und Lea leben nicht irgendwo versteckt fernab der Zivilisation. Sie leben in einer luxuriösen Community, die Sicherheit, Wohlstand und Gemeinschaft verspricht.

Ein Paradies hinter hohen Zäunen.

Zumindest solange man sich an die Regeln hält.

Zwei Schwestern, die unterschiedlicher kaum sein könnten

Mindestens genauso wichtig wie die Ehe zwischen Lea und Matt ist die Beziehung zwischen Lea und Paula.

Auch die ist alles andere als unkompliziert.

Paula versteht viele Entscheidungen ihrer Schwester nicht. Gleichzeitig hat sie dieses starke Bedürfnis, Lea zu beschützen. Sie ist die große Schwester, die aufpassen möchte, selbst wenn Lea ihre Hilfe vielleicht gar nicht haben will.

Durch die Vergangenheit der beiden wird aber immer deutlicher, woher diese Dynamik kommt.

Genau das mochte ich unglaublich gerne. Vera Buck verteilt nicht einfach klare Rollen von Gut und Böse. Sie gibt ihren Figuren Vorgeschichten, Verletzungen und Gründe für ihr Verhalten.

Ich konnte nicht jede Entscheidung nachvollziehen, aber ich konnte verstehen, woher sie kam.

Und das ist für mich ein großer Unterschied.

Diese verdammten Wendungen!

Was die Spannung angeht, hatte mich Vera Buck wirklich von der ersten Seite.

Ich habe bei Thrillern inzwischen oft das Problem, dass ich ziemlich früh anfange, mögliche Auflösungen durchzuspielen. Und wenn man viel in diesem Genre liest, liegt man leider auch immer häufiger richtig.

Hier? Nope.

Ich hatte Theorien. Natürlich hatte ich Theorien.

Und Vera Buck hat sie mir teilweise mit einer einzigen neuen Information komplett zerlegt.

Mehr als einmal dachte ich, jetzt verstanden zu haben, worauf die Geschichte hinausläuft. Dann wird irgendwo ein Detail eingestreut und plötzlich sieht die ganze Situation vollkommen anders aus.

Genau DAS möchte ich bei einem Thriller!

Dabei bleibt die Geschichte durchgehend angenehm kompakt. Es gibt für mich keine unnötigen Nebenhandlungen, keine seitenlangen Erklärungen und keine Stellen, bei denen ich dachte: Jetzt komm doch bitte endlich zum Punkt.

Die Kapitel flogen nur so dahin.

Zusätzlich wird die klassische Erzählung immer wieder durch fiktive TikTok-Transkripte, Tagebucheinträge und andere Einschübe unterbrochen. Das passt nicht nur hervorragend zu Leas öffentlichem Leben, sondern zeigt auch wunderbar den Unterschied zwischen dem, was Millionen Menschen online sehen – und dem, was tatsächlich hinter verschlossenen Türen passiert.

Gerade dieser Gegensatz zwischen perfekter Social-Media-Welt und Realität hat für mich wahnsinnig gut funktioniert.

Ein Thriller, der unangenehm aktuell wirkt

Was mich an „Keine Angst, Darling“ besonders beschäftigt hat, ist die Tatsache, dass vieles eben nicht nach völlig überzogener Thrillerfantasie klingt.

Vera Buck greift Lebensmodelle und Vorstellungen auf, die auch heute wieder öffentlich propagiert und über soziale Medien teilweise regelrecht romantisiert werden.

Und natürlich darf jeder sein Leben so führen, wie er möchte.

Problematisch wird es dort, wo aus einer freiwilligen Entscheidung Erwartung wird. Wo Abhängigkeit entsteht. Wo Kontrolle als Schutz verkauft wird und eine Frau irgendwann kaum noch selbst entscheiden kann, wie ihr eigenes Leben aussehen soll.

Gerade deshalb fand ich auch das Nachwort unglaublich lesenswert.

Vera Buck erzählt dort mehr darüber, woher die Idee zur Geschichte stammt, und geht auf die problematischen Strukturen hinter solchen Lebenswelten, häusliche Gewalt und mögliche Folgen ein. Auch ihre Gedanken zum Ende des Buches fand ich sehr interessant.

Und dieses Ende …

Darüber sage ich natürlich nichts. Aber ich hatte Gesprächsbedarf. Sehr viel Gesprächsbedarf.

Mit „Keine Angst, Darling“ hat Vera Buck für mich endgültig bewiesen, dass mein zufälliges Reinlesen damals ziemlich gefährlich für meinen SUB war. 😅

Ich liebe, wie sie gesellschaftliche Themen in Thriller verpackt, ohne dass sich die Geschichte irgendwann wie eine Abhandlung darüber liest. Im Mittelpunkt steht immer noch ein verdammt spannender Plot.

Lea hat mich beschäftigt. Paula hat mich mitfiebern lassen. Sancta Familia hat mich von Anfang an misstrauisch gemacht und bei manchen Wendungen hat Vera Buck mir einfach mal gepflegt den Boden unter den Füßen weggezogen.

Dazu dieser Kontrast zwischen der makellosen Onlinewelt und dem, was hinter verschlossenen Türen passiert.

Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.

Spannend von Anfang bis Ende, unangenehm nah an der Realität und mit Wendungen, die mich tatsächlich überraschen konnten.

Vera Buck hat sich damit endgültig einen Platz auf meiner Liste der Autorinnen gesichert, deren Bücher ich wahrscheinlich lesen würde, ohne vorher auch nur den Klappentext anzuschauen.

Und jetzt verabschiede ich mich nur sehr ungern von Lea und Paula.

5 von 5 Herzen 🖤

Für diese Idee. Für die Umsetzung. Für die Wendungen.

Und dafür, dass Vera Buck es mal wieder geschafft hat, dass aus „Ich lese nur noch ein Kapitel“ plötzlich eine ziemlich kurze Nacht wurde.


Kissed by the Gods – Die ewigen Kriege von Caty Rogan

Kennt ihr diese Bücher, über die plötzlich gefühlt jeder spricht?

Überall tauchen sie auf. In Stories, auf Bookstagram und BookTok liest man nur “Highlight!”, “Jahreshighlight!” oder sogar “Die Romantasy des Jahres!”. Genau so ging es mir mit „Kissed by the Gods“.

Und ich gebe zu: Irgendwann war meine Neugier einfach größer als mein SuB.

Ich wollte unbedingt wissen, ob das Buch den ganzen Hype wirklich verdient.

Und was soll ich sagen?

Ich wurde positiv überrascht.

Schon nach den ersten Seiten war ich mitten in der Geschichte. Caty Rogan schreibt unglaublich angenehm. Der Schreibstil liest sich flüssig, ist bildhaft und schafft es, dass man sich schnell in Selencia und die Welt der Götter hineinversetzen kann. Erzählt wird alles aus Leinas Sicht, wodurch man ihre Gedanken, ihre Zweifel und vor allem ihren tief verwurzelten Hass hautnah miterlebt.

Gerade Leina fand ich als Hauptfigur richtig spannend.

Sie ist keine perfekte Heldin, die immer alles richtig macht. Im Gegenteil. Ihre Vergangenheit hat sie geprägt und viele ihrer Entscheidungen werden von Wut und Schmerz beeinflusst. Genau das macht sie für mich so authentisch. Sie handelt nicht immer vernünftig, aber meistens konnte ich ihre Beweggründe nachvollziehen.

Und dann ist da natürlich Ryot.

Über ihn erfährt man lange Zeit erstaunlich wenig. Genau das hat dafür gesorgt, dass ich ständig mehr über ihn wissen wollte. Seine geheimnisvolle Art hat mir richtig gut gefallen. Allerdings ging mir die Entwicklung zwischen ihm und Leina stellenweise etwas zu schnell. Die Gefühle waren für mich da, bevor ich sie selbst richtig fühlen konnte. Ich hätte mir gewünscht, dass sich ihre Beziehung noch etwas langsamer entwickelt und man mehr Zeit bekommt, dieses Knistern gemeinsam mit den beiden aufzubauen.

Richtig begeistert hat mich dagegen die Welt.

Die göttlichen Elemente, die Magie und die ganze Atmosphäre haben etwas Eigenes. Beim Lesen hatte ich ständig das Gefühl, eine völlig neue Welt zu entdecken. Genau solche Fantasywelten liebe ich. Man merkt, wie viel Herzblut in jedem Detail steckt, ohne dass man von endlosen Erklärungen erschlagen wird.

Ganz ohne Kritik kommt das Buch für mich trotzdem nicht aus.

Zwischendurch gab es immer wieder Abschnitte, in denen das Tempo etwas nachgelassen hat. Die Geschichte nimmt sich Zeit, ihre Welt und ihre Figuren zu entwickeln, was ich grundsätzlich mag. An manchen Stellen hätte ich mir aber gewünscht, dass die Handlung etwas schneller voranschreitet. Dadurch wurde ich immer mal wieder ein kleines bisschen aus meinem Lesefluss gerissen.

Trotzdem überwogen für mich ganz klar die positiven Eindrücke.

Je weiter ich gelesen habe, desto mehr wollte ich wissen, welche Geheimnisse diese Welt noch bereithält. Die Mischung aus Göttern, Magie, Schicksal und den vielen offenen Fragen hat dafür gesorgt, dass ich immer neugieriger wurde.

Ist „Kissed by the Gods“ für mich das Jahreshighlight, von dem überall gesprochen wird?

Nein.

Aber muss es das überhaupt?

Für mich war es einfach ein richtig starker Romantasy-Auftakt, der mich mit seiner besonderen Welt, einer spannenden Heldin und vielen offenen Fragen absolut überrascht hat. Manchmal muss ein Buch gar kein Highlight sein, um einen nachhaltig zu begeistern.

Und genau das hat „Kissed by the Gods“ bei mir geschafft.

🖤 4,5 von 5 Herzen