Manchmal gibt es Bücher, bei denen man schon nach wenigen Seiten weiß, in welche Richtung sie gehen werden. Und trotzdem liest man weiter. Nicht, weil einen jede Wendung komplett überrascht, sondern weil die Atmosphäre stimmt, die Chemie zwischen den Figuren funktioniert und man einfach wissen möchte, wohin die Reise am Ende führt. Genau so ging es mir mit What Lies Beyond the Veil von Harper L. Woods.
Der Einstieg fiel mir ehrlich gesagt nicht ganz leicht. Ich brauchte ein wenig, um mich in der Welt zurechtzufinden und mit Estrella warm zu werden. Die Geschichte nimmt sich zwar Zeit, ihre Ausgangssituation zu erklären, trotzdem hatte ich anfangs das Gefühl, dass mir noch ein paar Puzzleteile fehlen. Doch je weiter ich gelesen habe, desto mehr entwickelte das Buch einen richtigen Sog. Die düstere Atmosphäre, die ständige Gefahr und die vielen Geheimnisse haben dafür gesorgt, dass ich irgendwann gar nicht mehr aufhören wollte zu lesen.
Die Welt, in der Estrella lebt, ist alles andere als freundlich. Seit Jahrhunderten trennt ein magischer Schleier die Menschen von den Fae. Als diese Barriere plötzlich fällt, gerät Estrellas gesamtes Leben aus den Fugen. Ausgerechnet sie wird mit einem geheimnisvollen Mal gezeichnet und findet sich auf der Flucht wieder. Nicht nur die Wilde Jagd ist hinter ihr her, auch ihre eigenen Leute sehen in ihr plötzlich eine Gefahr. Allein diese Ausgangslage fand ich richtig spannend.
Unterwegs begegnet sie schließlich Caelum.
Und seien wir ehrlich… sobald ein geheimnisvoller, attraktiver Fae auftaucht, der ständig zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, weiß man eigentlich schon, dass es kompliziert wird. 😅
Caelum ist genau die Art von Figur, die wahrscheinlich viele Leserinnen sofort um den Finger wickeln wird. Geheimnisvoll, beschützend, schlagfertig und definitiv nicht auf den Mund gefallen. Seine Ausstrahlung ist von der ersten Begegnung an spürbar und die Anziehung zwischen ihm und Estrella lässt nicht lange auf sich warten.
Ja… seine Art ist stellenweise ziemlich besitzergreifend und teilweise auch leicht toxisch. Trotzdem muss ich gestehen, dass ich seine Schlagfertigkeit und sein loses Mundwerk wirklich gefeiert habe. Er sorgt immer wieder für kleine Momente, die mich zum Schmunzeln gebracht haben, obwohl ich gleichzeitig mehrfach dachte: “Eigentlich solltest du damit nicht durchkommen.” 🤭
Auch der Spice spielt in diesem Buch eine große Rolle. Wer hier eine klassische Fantasy mit einer kleinen Liebesgeschichte erwartet, sollte wissen, dass der Fokus ganz klar auf der Romance liegt. Die Chemie zwischen Estrella und Caelum ist intensiv und nimmt im Verlauf der Geschichte immer mehr Raum ein.
Genau hier liegt für mich aber auch einer der größten Kritikpunkte.
Ich mochte die Liebesgeschichte durchaus gerne, hatte aber immer wieder das Gefühl, dass Estrellas Wunsch nach Selbstbestimmung etwas in den Hintergrund rückt, sobald Caelum auftaucht. Gerade zu Beginn wirkt sie wie eine junge Frau, die für ihre Freiheit kämpfen möchte. Im weiteren Verlauf dreht sich allerdings vieles um ihre Beziehung zu ihm. Dadurch blieb ihre persönliche Entwicklung für mich etwas hinter meinen Erwartungen zurück.
Ähnlich ging es mir mit dem Worldbuilding.
Die Grundidee rund um die Fae, den Schleier und die Wilde Jagd fand ich richtig spannend. Man merkt schnell, dass diese Welt unglaublich viel Potenzial besitzt. Leider bleibt vieles eher an der Oberfläche. Ich hätte so gerne noch viel mehr über die Geschichte der Fae, ihre Kultur und die Magie erfahren. Immer wenn ich dachte, jetzt tauchen wir tiefer ein, rückte die Romance wieder stärker in den Mittelpunkt.
Das ist überhaupt nichts Schlechtes – man sollte nur mit der richtigen Erwartung an das Buch herangehen.
Wer eine komplex ausgearbeitete High Fantasy sucht, könnte hier vielleicht etwas enttäuscht werden. Wer dagegen Lust auf eine düstere Fae-Romance mit viel Chemie, Spannung und einer ordentlichen Portion Spice hat, dürfte hier ziemlich gut aufgehoben sein.
Der Schreibstil hat mir dagegen wirklich gut gefallen. Er liest sich angenehm flüssig, baut schnell Atmosphäre auf und sorgt dafür, dass die Seiten nur so dahinfliegen. Auch wenn ich einige Entwicklungen relativ früh kommen gesehen habe, hatte ich trotzdem Spaß beim Lesen.
Und dann kam dieser Cliffhanger…
Ich mag Cliffhanger eigentlich nicht besonders. Gleichzeitig haben sie genau den Effekt, den sie haben sollen. Denn natürlich möchte ich jetzt wissen, wie es weitergeht.
Fazit
What Lies Beyond the Veil ist für mich ein gelungener Auftakt, der vor allem durch seine düstere Atmosphäre, die intensive Dynamik zwischen Estrella und Caelum und den angenehm flüssigen Schreibstil punktet. Das Worldbuilding besitzt viel Potenzial, hätte für meinen Geschmack aber deutlich mehr Raum bekommen dürfen. Auch Estrellas Charakterentwicklung blieb stellenweise hinter meinen Erwartungen zurück.
Wer jedoch eine düstere Fae-Romance mit Spannung, viel Anziehung, reichlich Spice und einem Schreibstil sucht, der einen förmlich durch die Seiten fliegen lässt, sollte sich dieses Buch definitiv einmal anschauen.
Für mich waren es 3,5 von 5 schwarzen Herzen. 🖤

