‚Meertotfrau: Costa Ricos erster Fall‘ von Christoph Kastenbauer

Wenn eine vielversprechende Idee leider nicht ausreicht …

Kennt ihr diese Bücher, bei denen ihr euch schon nach dem Lesen des Klappentextes sicher seid, dass sie genau euren Geschmack treffen müssten? Die Geschichte klingt ungewöhnlich, das Cover macht neugierig und im Kopf entsteht bereits eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was einen auf den nächsten Seiten erwarten könnte.

Genau so ging es mir mit diesem Buch.

‚Meertotfrau: Costa Ricos erster Fall‘ von

Christoph Kastenbauer 

Ich war wirklich gespannt darauf, was mich erwarten würde. Besonders die Thematik hatte es mir angetan, denn die Ausgangsidee versprach eine Geschichte, die sich von vielen anderen abhebt. Und gerade solche Bücher mag ich eigentlich unglaublich gerne. Geschichten, die nicht einfach nur bekannte Muster wiederholen, sondern mich mit etwas Neuem überraschen.

Umso enttäuschender ist es natürlich, wenn man irgendwann feststellen muss, dass die eigenen Erwartungen und das tatsächliche Leseerlebnis ziemlich weit auseinanderliegen.

Und leider war genau das hier der Fall.

Aller guten Dinge sind drei?

Normalerweise merke ich relativ schnell, ob ich mit einem Buch warm werde. Natürlich gibt es Geschichten, die etwas Zeit benötigen, bevor sie richtig Fahrt aufnehmen. Damit habe ich grundsätzlich überhaupt kein Problem. Gerade bei komplexeren Handlungen oder ungewöhnlichen Themen bin ich durchaus bereit, mich auf einen langsameren Einstieg einzulassen.

Hier war es allerdings anders.

Ich habe das Buch angefangen, einige Seiten gelesen und irgendwann wieder zur Seite gelegt. Nicht, weil mich die Geschichte grundsätzlich nicht interessiert hätte, sondern weil ich einfach keinen richtigen Zugang gefunden habe.

Also habe ich es später erneut versucht.

Mit ungefähr demselben Ergebnis.

Erst beim dritten Anlauf gelang es mir schließlich, einigermaßen in die Handlung hineinzufinden.

Drei Versuche für ein einziges Buch sind bei mir wirklich keine Selbstverständlichkeit. Normalerweise hätte ich vermutlich schon vorher überlegt, ob meine Lesezeit nicht besser in einer anderen Geschichte aufgehoben wäre.

Aber irgendetwas hat mich trotzdem nicht losgelassen.

Ich wollte wissen, was hinter der ungewöhnlichen Ausgangssituation steckt. Welche Zusammenhänge sich noch ergeben würden und vor allem, wie am Ende alles miteinander verbunden sein könnte.

Die Neugier war also durchaus vorhanden.

Nur leider fehlte mir über weite Strecken die Begeisterung.

Wenn der Schreibstil zum größten Hindernis wird

Mein eigentliches Problem lag weniger in der Grundidee als vielmehr darin, wie die Geschichte erzählt wird.

Und das ist für mich besonders schade, denn der Schreibstil entscheidet unglaublich viel darüber, ob ich in einem Buch versinken kann.

Ich brauche keine besonders poetische Sprache und auch keine ausschweifenden Beschreibungen. Gerade bei spannenden Geschichten mag ich es durchaus direkt, manchmal rau und gerne auch etwas ungeschönt.

Aber es muss sich für mich natürlich anfühlen.

Bei diesem Buch hatte ich dagegen immer wieder Schwierigkeiten mit der Ausdrucksweise.

Vor allem die sprachliche Gestaltung rund um Rico hat mich nicht wirklich erreicht. Ich hatte den Eindruck, dass hier bewusst ein sehr lockerer, teilweise ziemlich salopper Ton gewählt wurde, um seine Persönlichkeit hervorzuheben und der Geschichte eine bestimmte Eigenständigkeit zu verleihen.

Ich kann durchaus nachvollziehen, was damit möglicherweise erreicht werden sollte.

Nur funktioniert hat es für mich leider nicht.

Immer wieder bin ich über Formulierungen gestolpert, die mich aus der Geschichte herausgerissen haben. Statt einfach weiterzulesen und mich von der Handlung mitnehmen zu lassen, blieb ich gedanklich an der Sprache hängen.

Und irgendwann wurde genau das anstrengend.

Dabei finde ich es grundsätzlich gut, wenn Figuren auch sprachlich eine eigene Persönlichkeit bekommen. Nicht jeder Charakter muss sich gleich ausdrücken und gerade ungewöhnliche Menschen dürfen gerne ihre ganz eigene Art haben.

Allerdings sollte diese Eigenheit für mich die Figur lebendiger machen und nicht dafür sorgen, dass ich mich beim Lesen immer wieder neu auf den Text einstellen muss.

Hier war leider Letzteres der Fall.

Eine interessante Geschichte, die mich trotzdem nicht packen konnte

Neben dem Schreibstil hatte ich auch mit dem Erzähltempo meine Schwierigkeiten.

Es gab durchaus Momente, in denen meine Neugier wieder geweckt wurde. Kleine Entwicklungen, neue Informationen oder Andeutungen, bei denen ich dachte, dass die Geschichte jetzt vielleicht endlich die Richtung einschlägt, auf die ich die ganze Zeit gewartet hatte.

Leider hielt dieses Gefühl selten besonders lange an.

Immer wieder folgten Abschnitte, die sich für mich unnötig in die Länge zogen. Ich hatte teilweise das Gefühl, dass die Handlung nicht richtig vorankam, obwohl die Geschichte eigentlich genügend Stoff für Spannung und interessante Entwicklungen mitgebracht hätte.

Und genau da liegt für mich der Unterschied zwischen einem Buch, das bewusst langsam erzählt wird, und einem Buch, das mich einfach nicht richtig erreicht.

Ich liebe beispielsweise Geschichten, die sich Zeit für ihre Figuren nehmen, Beziehungen entwickeln und nach und nach Geheimnisse offenlegen. Dafür brauche ich nicht auf jeder zweiten Seite eine spektakuläre Wendung.

Aber ich möchte beim Lesen etwas fühlen.

Neugier. Spannung. Mitgefühl. Vielleicht auch Wut oder Unbehagen.

Irgendetwas, das dafür sorgt, dass ich unbedingt wissen möchte, was auf der nächsten Seite passiert.

Dieses Gefühl hat mir hier über weite Strecken gefehlt.

Stattdessen habe ich eher weitergelesen, weil ich die Geschichte verstehen und endlich erfahren wollte, wie die einzelnen Elemente zusammenpassen.

Das ist natürlich ebenfalls eine Form von Interesse, aber eben nicht dieses Lesegefühl, das ich mir erhofft hatte.

Vielleicht waren meine Erwartungen einfach andere

Was die Enttäuschung für mich noch etwas größer macht, ist die Tatsache, dass ich die Grundidee nach wie vor interessant finde.

Ich kann also nicht einmal sagen, dass mich das Thema grundsätzlich nicht angesprochen hätte.

Ganz im Gegenteil.

Gerade deshalb habe ich dem Buch schließlich auch drei Chancen gegeben.

Ich hatte gehofft, dass irgendwann dieser eine Moment kommt, in dem es plötzlich Klick macht. Dass ich mich an die Sprache gewöhne, die Handlung mich doch noch richtig mitreißt und ich am Ende froh bin, nicht aufgegeben zu haben.

Solche Überraschungen habe ich beim Lesen schließlich schon häufiger erlebt. Bücher, mit denen ich anfangs Schwierigkeiten hatte und die mich später vollkommen begeistern konnten.

Hier blieb dieser Umschwung leider aus.

Und irgendwann musste ich mir eingestehen, dass es vermutlich einfach nicht die richtige Geschichte für mich war.

Das bedeutet natürlich nicht, dass der Schreibstil grundsätzlich schlecht ist oder die Geschichte bei anderen Leserinnen und Lesern nicht funktionieren kann. Gerade eine ungewöhnliche Ausdrucksweise ist schließlich Geschmackssache. Was mich beim Lesen stört, kann für jemand anderen genau das sein, was ein Buch besonders macht.

Für mich persönlich hat diese Art des Erzählens aber leider eine Distanz geschaffen, die ich bis zum Schluss nicht richtig überwinden konnte.

Es fällt mir immer ein bisschen schwer, eine Geschichte kritisch zu bewerten, wenn ich mich ursprünglich so sehr darauf gefreut habe.

Gerade bei diesem Buch hätte ich mir wirklich gewünscht, am Ende eine ganz andere Rezension schreiben zu können.

Das Cover hat mich angesprochen, die Beschreibung klang vielversprechend und die ungewöhnliche Thematik hatte definitiv das Potenzial, mich zu begeistern.

Leider konnte die Umsetzung für mich nicht mit dieser Ausgangsidee mithalten.

Mein größter Kritikpunkt bleibt der Schreibstil. Die sehr eigene, stellenweise betont lockere Ausdrucksweise hat meinen Lesefluss immer wieder unterbrochen und dafür gesorgt, dass ich nur schwer in der Geschichte angekommen bin. Hinzu kamen einige Längen, durch die sich das Lesen für mich zeitweise eher mühsam als unterhaltsam angefühlt hat.

Dabei wollte ich wirklich wissen, wie sich alles entwickelt und welche Verbindungen am Ende sichtbar werden. Diese Neugier war letztendlich auch der Grund, warum ich das Buch trotz meiner Schwierigkeiten nicht aufgegeben habe.

Aber manchmal reicht eine spannende Idee eben nicht aus.

Für mich muss auch die Art, wie eine Geschichte erzählt wird, funktionieren. Ich möchte in eine Handlung eintauchen, mich von den Figuren mitnehmen lassen und irgendwann vergessen, dass ich gerade ein Buch in den Händen halte.

Genau das ist mir hier leider nicht gelungen.

Eine ungewöhnliche und durchaus vielversprechende Ausgangsidee, die mich neugierig gemacht hat, deren Umsetzung mich persönlich aber nicht überzeugen konnte.

Schade, denn ich hätte dieses Buch wirklich gerne gemocht.


Bloom von Delilah S. Dawson – wenn Cottagecore plötzlich ziemlich düster wird

Bei einem Buch, das als Mischung aus Cottagecore und brutalem Horror beschrieben wird, hatte ich sofort ziemlich konkrete Bilder im Kopf. Eine idyllische Kleinstadtatmosphäre, ein hübscher Wochenmarkt, selbst gemachte Seifen und Kerzen – und irgendwo hinter dieser perfekten Fassade lauert etwas richtig Böses.

Ich war neugierig.

Allerdings kann ich direkt sagen: „Bloom“ von Delilah S. Dawson war ganz anders, als ich nach dem Klappentext erwartet hatte.

Wer hier einen klassischen Horrorroman erwartet, bei dem es von Anfang an düster und brutal zur Sache geht, sollte seine Erwartungen vielleicht ein wenig anpassen. Zumindest ging es mir so. Lange Zeit liest sich „Bloom“ nämlich eher wie eine intensive, zunehmend merkwürdige Liebesgeschichte, unter deren hübscher Oberfläche man zwar ständig etwas Unheilvolles vermutet, bei der der eigentliche Horror aber erstaunlich lange auf sich warten lässt.

Das meine ich allerdings gar nicht unbedingt negativ.

Denn obwohl ich ein völlig anderes Buch im Kopf hatte, konnte mich die Geschichte trotzdem gut unterhalten.

Worum geht es in „Bloom“?

Rosemary – oder Ro – versucht nach der schmerzhaften Trennung von ihrem Freund einen Neuanfang.

Sie zieht in eine andere Stadt, möchte Abstand zu ihrem bisherigen Leben gewinnen und endlich den Roman beenden, an dem sie schreibt.

Eigentlich könnte das der Beginn eines ziemlich ruhigen neuen Lebensabschnitts sein.

Bis Ro auf einem Wochenmarkt Ash begegnet.

Ash ist wunderschön, faszinierend und irgendwie anders als alle Menschen, denen Ro bisher begegnet ist. An ihrem Stand verkauft sie selbst hergestellte Seifen und Kerzen aus natürlichen Zutaten und Ro fühlt sich praktisch sofort zu ihr hingezogen.

Dabei ist diese Anziehung für sie selbst überraschend.

Bisher hatte Ro sich nicht zu Frauen hingezogen gefühlt, doch bei Ash ist plötzlich alles anders. Aus der anfänglichen Faszination entwickelt sich immer mehr und Ro beginnt, regelmäßig auf den Markt zurückzukehren.

Die beiden kommen sich näher.

Doch irgendetwas stimmt nicht.

Ash wirkt geheimnisvoll, es gibt Dinge in ihrem Leben, über die sie nicht spricht, und hinter der wunderschönen Cottagecore-Fassade verbirgt sich etwas, das Ro besser niemals entdeckt hätte.

Erst einmal überraschend wenig Horror

Ich glaube, mein größtes Problem mit „Bloom“ waren tatsächlich meine Erwartungen.

Denn nach der Beschreibung des Buches hatte ich mit einem deutlich klassischeren Horrorroman gerechnet.

Genau das bekommt man zunächst nicht.

Stattdessen nimmt sich Delilah S. Dawson ziemlich viel Zeit für Ro und Ash. Wir erleben, wie Ro sich immer stärker zu dieser Frau hingezogen fühlt, wie sich ihre Beziehung entwickelt und wie Ash langsam immer mehr Raum in ihren Gedanken einnimmt.

Über weite Strecken hatte ich deshalb eher das Gefühl, eine ungewöhnliche und zunehmend unheimliche Liebesgeschichte zu lesen.

Natürlich liegt die ganze Zeit etwas in der Luft.

Man weiß schließlich, welches Genre man aufgeschlagen hat. 😅

Und vielleicht ist genau das gleichzeitig Fluch und Vorteil dieser Geschichte. Denn selbst in den scheinbar harmlosen Momenten wartet man darauf, dass endlich etwas passiert.

Ein schöner Wochenmarkt.

Duftende Seifen.

Kerzen.

Essen.

Eine attraktive Frau, in die Ro sich immer mehr verliebt.

Eigentlich könnte alles so gemütlich sein.

Nur weiß man eben: Das hier ist ein Horrorroman.

Und plötzlich betrachtet man jedes noch so harmlose Detail ein bisschen misstrauischer.

Ro hat die Geschichte für mich getragen

Sehr gut funktioniert hat für mich Rosemary.

Die Geschichte wird durch ihre Gefühle unglaublich intensiv, weil man ihre Faszination für Ash so unmittelbar miterlebt.

Ro befindet sich ohnehin in einer verletzlichen Phase ihres Lebens. Die Trennung liegt hinter ihr, sie versucht, noch einmal neu anzufangen und ihren eigenen Weg zu finden. Dann taucht Ash auf und löst etwas in ihr aus, mit dem sie selbst nicht gerechnet hat.

Diese zunehmende Faszination konnte ich gut nachvollziehen.

Man erlebt, wie Ro immer tiefer in diese Beziehung hineingerät und wie wichtig Ash für sie wird. Gleichzeitig sitzt man als Leser natürlich da und möchte sie manchmal am liebsten an den Schultern packen und fragen:

Ro … bist du dir wirklich sicher, dass hier alles in Ordnung ist?

Denn während sie sich immer stärker verliebt, bleibt dieses ungute Gefühl.

Ich wusste zwar relativ früh, in welche Richtung sich das Geheimnis um Ash bewegen könnte, trotzdem wollte ich wissen, wann Ro endlich hinter die Fassade blickt.

Gerade dadurch entsteht eine ganz eigene Art von Spannung.

Bei Ash hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht

Ash selbst blieb für mich dagegen etwas schwieriger.

Natürlich gehört ihre geheimnisvolle Art zur Geschichte. Sie soll nicht sofort vollkommen durchschaubar sein. Schließlich lebt ein großer Teil der Handlung davon, dass Ro immer weiter in Ashs Welt hineingezogen wird, während man gleichzeitig spürt, dass dort irgendetwas überhaupt nicht stimmt.

Trotzdem hätte ich mir gerade im weiteren Verlauf mehr über sie gewünscht.

Vor allem ihre Vergangenheit hätte mich unglaublich interessiert.

Es gibt Hinweise und einzelne Informationen, die einen kleinen Blick darauf ermöglichen, was hinter Ash steckt. Für meinen Geschmack wurde dieser Teil allerdings nur angerissen.

Und das fand ich schade.

Gerade nachdem immer deutlicher wird, was für ein Mensch Ash tatsächlich ist, hatte ich so viele Fragen. Ich wollte verstehen, woher bestimmte Verhaltensweisen kommen, was sie geprägt hat und wie sie zu der Person geworden ist, die Ro kennenlernt.

Hier wäre für mich definitiv noch Potenzial gewesen.

Ein paar zusätzliche Einblicke hätten Ash vermutlich noch faszinierender und gleichzeitig verstörender gemacht.

Cottagecore trifft auf etwas ziemlich Hässliches

Was ich dagegen richtig gelungen fand, ist der Kontrast.

Denn optisch beziehungsweise atmosphärisch beginnt diese Geschichte fast schon gemütlich.

Der Wochenmarkt, handgemachte Produkte, natürliche Zutaten, Seifen, Kerzen – Ash verkörpert zunächst ziemlich genau diese wunderschöne Cottagecore-Ästhetik.

Alles wirkt weich, natürlich und irgendwie heimelig.

Und genau deshalb funktioniert die dunkle Seite der Geschichte umso besser.

Denn irgendwann bekommt diese perfekte Oberfläche Risse.

Das Geheimnis um Ash ist düster, brutal und definitiv nichts, was man hinter diesem hübschen Marktstand erwarten möchte. Gerade dieser Gegensatz hat für mich den Reiz von „Bloom“ ausgemacht.

Das Buch ist nicht über seine gesamte Länge hinweg ein brutaler Horrorroman.

Der Horror schleicht sich vielmehr in etwas hinein, das zunächst wunderschön aussieht.

Und plötzlich fühlt sich die Gemütlichkeit gar nicht mehr so gemütlich an.

Vorhersehbar – bis es das plötzlich nicht mehr war

Bei einem Teil der Handlung hatte ich relativ schnell eine Ahnung, worauf das Ganze hinauslaufen könnte.

Das hat mir allerdings nicht unbedingt die Spannung genommen.

Denn irgendwann war für mich weniger die Frage, ob mein Verdacht stimmt, sondern vielmehr, wann Ro die Wahrheit erkennen wird und was anschließend passiert.

Ich wollte wissen, wie weit die Geschichte gehen würde.

Und dann kam das Ende.

Tja.

Damit hatte ich wiederum überhaupt nicht gerechnet.

Nachdem ich mich während des Buches bei einigen Dingen ziemlich sicher gefühlt hatte, hat mir das Finale tatsächlich noch einmal den Teppich unter den Füßen weggezogen.

Und genau das fand ich großartig.

Plötzlich war dieses Gefühl da, das ich bei Horror und Thrillern so gerne habe: Man beendet die letzten Seiten, klappt das Buch zu und muss das Gelesene erst einmal kurz sacken lassen.

Das Ende hat meinen Gesamteindruck von „Bloom“ für mich noch einmal deutlich aufgewertet.

Mein Fazit zu „Bloom“

„Bloom“ von Delilah S. Dawson ist für mich kein klassischer Horrorroman und genau das sollte man meiner Meinung nach vor dem Lesen wissen.

Wer aufgrund der Beschreibung eine Geschichte erwartet, die von Anfang bis Ende brutal und erschreckend ist, könnte zunächst etwas irritiert sein. Mir ging es jedenfalls so.

Stattdessen beginnt „Bloom“ fast wie eine Liebesgeschichte.

Wir begleiten Ro dabei, wie sie nach einer schmerzhaften Trennung versucht, ihr Leben neu zu ordnen und dabei auf die faszinierende Ash trifft. Ihre Beziehung entwickelt sich intensiv und gleichzeitig liegt über allem dieses unangenehme Gefühl, dass hinter Ashs perfekter Fassade etwas nicht stimmt.

Ro konnte mich dabei als Protagonistin überzeugen. Ich habe mit ihr mitgefühlt, teilweise mit ihr gelitten und gleichzeitig darauf gewartet, dass sie endlich erkennt, was sich direkt vor ihren Augen abspielt.

Bei Ash hätte ich mir dagegen noch mehr Tiefe gewünscht. Gerade ihre Vergangenheit und die Hintergründe ihres Verhaltens hätten für meinen Geschmack ausführlicher erzählt werden dürfen.

Trotzdem funktioniert der Kontrast zwischen der wunderschönen Cottagecore-Atmosphäre und dem brutalen Geheimnis dahinter richtig gut.

Und dann ist da dieses Ende.

Nachdem ich einen Teil der Geschichte durchaus kommen gesehen hatte, hat mich das Finale komplett überrascht. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet – und genau deshalb blieb mir „Bloom“ nach der letzten Seite noch eine ganze Weile im Kopf.

Anders als erwartet? Definitiv.

Aber trotzdem faszinierend, intensiv und auf seine ganz eigene Weise ziemlich verstörend.

Und vielleicht ist die wichtigste Frage nach diesem Buch sowieso eine ganz andere:

Wie weit würdet ihr gehen, um euer eigenes Leben zu retten?

★★★★☆ 4 von 5 Sternen