Es gibt diese Bücher, bei denen man schon vor dem Lesen weiß, dass sie einen aus der eigenen Komfortzone holen.
So ging es mir mit dem Nachtfeuer-Quartett.
Orientalisch angehauchte Fantasywelten gehören eigentlich gar nicht zu meinen bevorzugten Settings. Ich kann bis heute nicht einmal genau sagen, warum. Irgendwie greife ich automatisch eher zu Geschichten mit nordischen, mittelalterlichen oder düsteren europäischen Einflüssen. Umso überraschter war ich damals, wie sehr mich der erste Band begeistern konnte.
Spätestens nach dem Ende von Band zwei war für mich klar, dass ich unbedingt wissen musste, wie es weitergeht. Dieser Cliffhanger hat mich wirklich fies zurückgelassen und entsprechend groß war die Vorfreude auf „Storm of Ink and Blood“.
Und eines muss ich direkt sagen: Ich liebe diese Welt nach wie vor.
Schon beim Aufschlagen des Buches habe ich mich wieder über die wunderschöne Karte gefreut. Ich gehöre zu den Leserinnen, die erst einmal ein paar Minuten damit verbringen, sich die Welt anzusehen und zu überlegen, wohin die Reise wohl diesmal führen wird. Genau deshalb fand ich es großartig, dass wir diesmal eine neue Stadt kennenlernen. Das hat der Geschichte noch einmal frischen Wind verliehen und gezeigt, wie viel diese Welt eigentlich noch zu bieten hat.
Auch der Schreibstil von Nisha J. Tuli hat mich wieder sofort abgeholt.
Er liest sich angenehm flüssig, erschafft wunderschöne Bilder im Kopf und fängt die orientalisch angehauchte Atmosphäre unglaublich gut ein. Obwohl dieses Setting eigentlich nicht zu meinen Favoriten gehört, habe ich mich wieder problemlos darin verloren.
Gerade das zeigt für mich, wie viel eine Autorin mit ihrem Schreibstil erreichen kann.
Auch die Handlung selbst konnte mich über weite Strecken wieder überzeugen.
Besonders die Entwicklungen rund um die Revolution fand ich unglaublich spannend. Der Kampf um Freiheit, die Unterdrückung der Vanshaj und die politischen Konflikte verleihen der Geschichte eine Tiefe, die weit über eine klassische Romantasy hinausgeht. Es passiert ständig etwas und trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass die Handlung überladen wirkt.
Vor allem Zarya entwickelt sich in diesem Band noch einmal deutlich weiter.
Sie wächst an ihren Aufgaben, beginnt ihre Magie besser zu verstehen und übernimmt immer mehr Verantwortung. Genau diese Entwicklung habe ich unglaublich gerne verfolgt. Sie wirkt inzwischen viel selbstbewusster als noch zu Beginn der Reihe und genau das macht sie für mich zu einer starken Protagonistin.
Natürlich habe ich mich auch gefreut, bekannte Figuren wiederzutreffen.
Allen voran Yasen.
Er gehört mittlerweile ganz klar zu meinen Lieblingscharakteren der Reihe und jedes Kapitel mit ihm habe ich besonders gerne gelesen.
Leider gab es aber auch einen Punkt, der meine Begeisterung deutlich gebremst hat.
Und das war ausgerechnet die Romance.
Gerade die Beziehung zwischen Zarya und Rabin war für mich in den ersten beiden Bänden eines der großen Highlights. Dieses Knistern, die Spannungen zwischen ihnen und all die unausgesprochenen Gefühle haben unglaublich gut funktioniert.
Davon war in diesem Band für mich leider kaum noch etwas übrig.
Statt dieser intensiven Dynamik hatte ich häufig das Gefühl, dass Rabin kaum noch als eigenständige Figur existiert. Fast jede seiner Entscheidungen schien nur noch darauf ausgerichtet zu sein, Zarya zurückzugewinnen. Dadurch wirkte er auf mich stellenweise erstaunlich blass.
Fast so, als hätte er seine eigene Persönlichkeit irgendwo unterwegs verloren.
Und genau das fand ich unglaublich schade.
Gerade weil Rabin zuvor so vielschichtig war.
Auch Zaryas Verhalten konnte ich diesmal nicht immer nachvollziehen. Anfangs begegnet sie ihm noch mit Misstrauen und hält verständlicherweise Abstand. Doch plötzlich scheinen viele ihrer Zweifel wie weggeblasen zu sein. Für mich ging dieser Wandel einfach zu schnell. Ich hätte mir deutlich mehr Zeit gewünscht, damit sich ihre Beziehung glaubwürdig wieder entwickeln kann.
Vielleicht hat mich genau das deshalb so enttäuscht, weil ich Romantasy vor allem wegen der Verbindung aus Fantasy und Romance liebe.
Für mich müssen beide Elemente miteinander harmonieren.
Die Fantasy war hier wieder richtig stark.
Die Romance leider nicht.
Hinzu kamen einige explizitere Szenen, mit denen ich ebenfalls nicht ganz warm geworden bin. Grundsätzlich habe ich überhaupt nichts gegen Spice, wenn er zur Geschichte passt. Hier wirkte er auf mich allerdings teilweise etwas fehl am Platz. Vor allem einige von Rabins Gedanken empfand ich als unangenehm formuliert und sie haben mich eher aus der Handlung herausgerissen, als die Beziehung zwischen den beiden zu vertiefen.
Das war wirklich schade, weil ich gerade ihre Dynamik zuvor so gerne gelesen habe.
Trotzdem möchte ich betonen, dass mich die Geschichte insgesamt weiterhin sehr gut unterhalten hat.
Die Welt fasziniert mich nach wie vor, die politischen Entwicklungen fand ich spannend und ich möchte unbedingt wissen, wie alles endet. Deshalb hat dieser Band für mich auch keineswegs die Reihe kaputt gemacht.
Ganz im Gegenteil.
Ich freue mich sogar sehr auf das Finale.
Vielleicht gerade deshalb, weil ich hoffe, dass die Romance wieder zu der Stärke zurückfindet, die sie in den ersten beiden Bänden für mich hatte. Das Potenzial ist definitiv da und ich wünsche mir sehr, dass Nisha J. Tuli diese Reihe mit einem Abschluss beendet, der mich noch einmal genauso mitreißt wie die Vorgänger.
Für mich bleibt das Nachtfeuer-Quartett trotz dieses kleinen Durchhängers eine Reihe, die ich sehr gerne lese und auch weiterhin empfehlen würde.
Die ersten beiden Bände haben mich persönlich etwas mehr begeistert, doch die Handlung, die Welt und Zaryas Entwicklung konnten mich auch diesmal wieder überzeugen.
Jetzt hoffe ich einfach auf ein Finale, das mich noch einmal komplett umhaut.
🖤 3 von 5 Herzen
