„Das Münster-Komplott“ von Simone Hausladen

Vor einigen Jahren hätte ich wahrscheinlich noch nicht gedacht, dass ich einmal freiwillig zu Regionalkrimis greifen würde. Heute sieht das ganz anders aus. Gerade Geschichten, die im Münsterland spielen, haben für mich inzwischen einen ganz eigenen Reiz. Vielleicht, weil ich selbst am Rande des Münsterlands lebe und viele Orte, Eigenheiten und Stimmungen sofort vor Augen habe. Münster hat einfach dieses besondere Flair – irgendwo zwischen Tradition, Gemütlichkeit, Fahrrädern an jeder Ecke und einer Atmosphäre, die sich perfekt für Krimis eignet.

Kein Wunder also, dass ich Formate wie die Münster-Tatorte mit Thiel und Boerne oder auch die Wilsberg-Krimis schon lange liebe. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich „Das Münster-Komplott“ von Simone Hausladen bei einer Verlosung von „Claudias Bücherregal“ gewonnen habe – sogar mit persönlicher Widmung der Autorin. Solche kleinen Details machen Bücher für mich ja immer direkt noch besonderer.

Und tatsächlich hat der Krimi genau das geliefert, was ich mir erhofft hatte: eine spannende Geschichte mit viel Münster-Atmosphäre, ohne dabei zu sehr in reine Lokalromantik abzudriften.

Die Handlung beginnt direkt mit einem Mord. In einem Waldstück bei Havixbeck wird die bekannte Psychiaterin Dr. Sophia Reus brutal ermordet aufgefunden. Hauptkommissar Konstantin Dietrich, der gerade erst aus Bayern nach Münster gewechselt ist, übernimmt den Fall – und landet damit sofort mitten in einem Netz aus Intrigen, Machtspielen und Geheimnissen der besseren Gesellschaft.

Besonders brisant wird der Fall dadurch, dass das Opfer nur wenige Tage zuvor beim traditionsreichen Kramermahl für einen handfesten Skandal gesorgt hat. Vor den Augen angesehener Kaufleute und Honoratioren hat sie mehrere ihrer Patienten öffentlich mit Details aus deren Behandlungsprotokollen unter Druck gesetzt. Ein absoluter Tabubruch – und plötzlich gibt es gleich mehrere Menschen mit einem sehr guten Motiv.

Genau dieser Ausgangspunkt hat mir unglaublich gut gefallen. Dieses Zusammenspiel aus Tradition, gesellschaftlichem Ansehen und persönlichen Abgründen sorgt direkt für Spannung. Man merkt schnell: Hinter den gepflegten Fassaden brodelt es gewaltig.

Hauptkommissar Konstantin Dietrich mochte ich dabei wirklich gern. Er ist keiner dieser überzeichneten Ermittler mit exzentrischen Eigenheiten, sondern wirkt angenehm bodenständig. Gleichzeitig bringt er genug persönliche Geschichte mit, um interessant zu bleiben. Seine gescheiterte Beziehung und der Neuanfang in Münster schwingen immer wieder mit, ohne zu dominant zu werden.

Besonders gut gefallen hat mir auch die Dynamik innerhalb des Ermittlerteams. Die Zusammenarbeit wirkte glaubwürdig, locker und nie künstlich dramatisch. Genau das hat dafür gesorgt, dass sich der Krimi angenehm authentisch lesen ließ.

Überhaupt schafft es Simone Hausladen sehr gut, Spannung aufzubauen, ohne dabei ständig auf spektakuläre Schockmomente setzen zu müssen. Stattdessen lebt die Geschichte von den Ermittlungen, den Verdächtigen und den vielen kleinen Hinweisen, die sich Stück für Stück zusammensetzen.

Zusätzliche Spannung entsteht durch die Perspektivwechsel. Immer wieder bekommt man kurze Einblicke in die Gedanken anderer Figuren – darunter auch potenzielle Opfer und der Täter selbst. Dadurch entwickelt die Geschichte stellenweise fast schon eine Thriller-artige Dynamik, weil man als Leser ständig das Gefühl hat, dass sich die Lage zuspitzt.

Und genau das mag ich bei Krimis besonders: dieses Miträtseln.

Wer lügt?
Wer spielt ein falsches Spiel?
Und wem kann man eigentlich wirklich trauen?

Ich muss ehrlich sagen: Ich hatte lange keine klare Ahnung, wer hinter allem steckt. Und genau das ist für mich immer ein gutes Zeichen. Viel zu oft erkennt man in Krimis den Täter schon nach wenigen Kapiteln – hier blieb die Spannung für mich bis zum Schluss erhalten.

Auch die Figuren insgesamt fand ich gelungen ausgearbeitet. Viele Charaktere hatten ihre eigenen kleinen Abgründe, Geheimnisse oder Motive, ohne dabei überladen zu wirken. Dadurch entstand ein sehr stimmiges Gesamtbild.

Besonders gefallen hat mir außerdem, wie präsent Münster und das Münsterland in der Geschichte sind. Nicht auf eine aufgesetzte Weise, sondern eher wie ein natürlicher Teil der Handlung. Wer die Region kennt, wird viele Dinge sofort wiedererkennen. Aber auch Leser ohne Münster-Bezug können problemlos in die Geschichte eintauchen.

„Das Münster-Komplott“ ist für mich ein klassischer, atmosphärischer Krimi mit sympathischen Ermittlern, spannenden Wendungen und genau der richtigen Mischung aus Lokalkolorit und Spannung.

Keine übertriebene Action, kein künstliches Drama – sondern solide Ermittlungsarbeit, interessante Figuren und eine Geschichte, die richtig Spaß macht.

Für mich bekommt der Krimi starke 4 von 5 Sternen ⭐️ Und definitiv eine Empfehlung für alle, die Krimis mit regionalem Flair lieben.


„Das Event“ von Antje Zimmermann

Es gibt Bücher, bei denen schon die Grundidee reicht, damit sofort dieses kleine Thriller-Kribbeln einsetzt. Ein verlassenes Hotel auf Helgoland, ein düsteres Live-Event, Influencer, Horrorfans und mysteriöse Ereignisse, bei denen irgendwann niemand mehr genau weiß, was noch Inszenierung ist – und was längst Realität geworden ist. Genau deshalb musste ich „Das Event“ von Antje Zimmermann unbedingt lesen.

Und ganz ehrlich: Dieses Buch hat mich wirklich gepackt.

Schon das Setting allein sorgt für eine Atmosphäre, die perfekt für einen Thriller gemacht ist. Helgoland wirkt hier gleichzeitig faszinierend und beklemmend. Diese kleine Insel mitten in der Nordsee, abgeschnitten vom Rest der Welt, bekommt fast etwas Surreales. Während des Lesens hatte ich ständig dieses Gefühl von Isolation im Kopf – dieses Wissen, dass man eben nicht einfach wegkann, wenn etwas schiefläuft.

Besonders spannend fand ich dabei, wie stark die Geschichte von der Insel selbst lebt. Antje Zimmermann nutzt nicht einfach nur einen außergewöhnlichen Schauplatz, sondern bindet auch die Geschichte und Eigenheiten Helgolands spürbar in die Handlung ein. Ich hatte vorher ehrlich gesagt nur ein ziemlich diffuses Bild der Insel im Kopf und habe während des Lesens selbst angefangen, nebenbei mehr darüber nachzulesen. Genau das liebe ich an Büchern: wenn sie nicht nur unterhalten, sondern gleichzeitig Neugier wecken.

Die Handlung bewegt sich dabei permanent an der Grenze zwischen Spiel und Realität. In einem leerstehenden Hotel findet ein Horror-Live-Event statt, das bewusst mit Ängsten, Inszenierungen und psychologischen Spielchen arbeitet. Was zunächst wie ein extremer Nervenkitzel für Influencer und Horrorfans wirkt, kippt nach und nach immer stärker ins Bedrohliche.

Und genau diese Unsicherheit trägt die gesamte Geschichte.

Was ist noch Teil der Show?
Wer spielt ein Spiel?
Und wann wird aus Unterhaltung plötzlich echter Horror?

Dieses ständige Schwanken zwischen Inszenierung und Realität sorgt dafür, dass man als Leser permanent angespannt bleibt. Ich hatte beim Lesen oft das Gefühl, niemandem wirklich trauen zu können – und genau das macht für mich einen guten Psychothriller aus.

Besonders gut gefallen haben mir auch die beiden Ermittlerinnen Leandra Kern und Maxi Adler. Beide könnten unterschiedlicher kaum sein und bringen gleichzeitig ihre ganz eigenen Probleme mit auf die Insel. Während Leandra eigentlich Ruhe sucht und Abstand von ihrem bisherigen Leben gewinnen will, wird Maxi von ihrer Vergangenheit eingeholt und muss sich familiären Konflikten stellen, die sie lieber hinter sich gelassen hätte.

Ich mochte vor allem, dass beide Figuren Ecken und Kanten haben. Sie wirken nicht geschniegelt oder perfekt, sondern greifbar und teilweise widersprüchlich. Genau dadurch fühlten sie sich für mich authentisch an.

Antje Zimmermann schafft es außerdem sehr gut, starke weibliche Figuren in den Mittelpunkt zu stellen, ohne dass sie dabei austauschbar wirken. Die Männer bleiben hier oft eher Nebenfiguren – und das bewusst. Gleichzeitig gab es allerdings auch Momente, bei denen ich kurz innehalten musste. Manche Darstellungen und Gedanken wirkten auf mich stellenweise sehr provokant, besonders in Bezug auf Sexualität und Objektifizierung. Das fiel definitiv auf und hat bei mir gemischte Gedanken ausgelöst.

Der Schreibstil selbst hat mich dagegen komplett abgeholt. Die Kapitel sind so aufgebaut, dass man ständig denkt: „Okay, noch eins.“ Und plötzlich sind wieder fünf vergangen. 😅
Ich bin wirklich nur so durch die Seiten geflogen. Gerade die Mischung aus spannungsgeladenen Szenen und ruhigeren Momenten, in denen die Figuren reflektieren oder ihre persönlichen Konflikte sichtbar werden, hat für mich richtig gut funktioniert.

Das Buch schafft es dabei konstant, diese unterschwellige Bedrohung aufrechtzuerhalten. Selbst in ruhigeren Szenen hatte ich das Gefühl, dass jederzeit etwas passieren könnte.

Und dann das Ende…

Hier muss ich ehrlich sagen: Das hat mich etwas zwiegespalten zurückgelassen. Nicht, weil es schlecht gewesen wäre – sondern weil manche Entwicklungen mich emotional wirklich getroffen haben. Einige Todesfälle wirkten auf mich unnötig hart und bei einer Figur hatte ich das Gefühl, dass ihr Ende ihr eigentlich nicht gerecht wurde. Gerade der letzte Mord beschäftigt mich im Nachhinein immer noch.

Trotzdem bleibt für mich ein unglaublich spannender Thriller mit einem außergewöhnlichen Setting, starken Figuren und einer Atmosphäre, die sich immer weiter zuspitzt.

„Das Event“ ist düster, intensiv und teilweise richtig unangenehm – aber genau das macht den Reiz dieser Geschichte aus.

Für mich starke 4 von 5 Sternen ⭐️
Und definitiv eine Empfehlung für alle, die Psychothriller mit isolierten Settings und konstantem Nervenkitzel lieben.


„Oxford Blood“ von Rachael Davis-Featherstone

Manchmal reicht ein einziger Blick – und man weiß: Dieses Buch muss man lesen. Genau so ging es mir mit „Oxford Blood“ von Rachael Davis-Featherstone. Erst das Cover, das für mich im ersten Moment in eine ganz andere Richtung ging, und dann der Klappentext, der plötzlich Dark-Academia-Vibes, Thriller-Spannung und ein gefährliches Setting versprochen hat. Eine Kombination, bei der ich einfach nicht widerstehen konnte.

Die Geschichte beginnt ohne Umwege – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Kaum ist man in Oxford angekommen, überschlagen sich die Ereignisse. Evas Traum, an einer der renommiertesten Universitäten der Welt zu studieren, wird innerhalb kürzester Zeit von einem Albtraum überschattet. Ihr bester Freund George stirbt – und für sie ist sofort klar: Das war kein Unfall.

Was mir besonders gefallen hat, ist diese unmittelbare Nähe zur Protagonistin. Man ist von Anfang an in Evas Gedankenwelt, spürt ihre Verzweiflung, ihre Wut, ihre Unsicherheit. Gerade in den ersten Kapiteln schafft es die Autorin, eine emotionale Intensität aufzubauen, die einen wirklich mitreißt. Man liest nicht einfach nur – man erlebt mit.

Gleichzeitig ist Eva keine Figur, die man einfach nur „mag“. Sie hat Ecken und Kanten. In manchen Situationen wirkt sie überheblich, fast schon trotzig gegenüber den Behörden, was sie nicht immer sympathisch macht – aber genau das gibt ihr auch etwas Echtes. Sie reagiert nicht perfekt, sie handelt impulsiv, sie macht Fehler. Und genau das passt zu der Situation, in der sie sich befindet.

Das Setting rund um Oxford hat mir ebenfalls richtig gut gefallen. Dieses Zusammenspiel aus altehrwürdigen Gebäuden, akademischem Druck und den unsichtbaren Machtstrukturen im Hintergrund erzeugt eine Atmosphäre, die perfekt zum Genre passt. Man spürt dieses elitäre Umfeld, diese unterschwelligen Hierarchien – und gleichzeitig die Konkurrenz unter den Studierenden.

Besonders spannend fand ich das Konzept rund um das anonyme Forum „Oxford Killers“. Dieses Spiel, in dem Bewerber gegeneinander ausgespielt werden, bringt eine zusätzliche Ebene in die Geschichte. Es geht nicht nur um die Aufklärung eines Mordes, sondern auch um Manipulation, um Druck und darum, wie weit Menschen gehen, wenn sie etwas unbedingt erreichen wollen.

Und genau hier zeigt sich auch eine der zentralen Stärken des Buches: die ständige Unsicherheit.
Wem kann man trauen?
Wer spielt ein doppeltes Spiel?
Und was ist eigentlich wirklich passiert?

Ich habe während des Lesens so oft meine Meinung geändert. Hinweise gab es genug – aber sie haben mich eher in die falsche Richtung geführt, als dass sie mir wirklich geholfen hätten. Und genau das liebe ich an einem guten Thriller.

Auch die Nebenfiguren tragen viel zur Spannung bei. Sie bleiben teilweise bewusst schwer greifbar, was das Misstrauen nur noch verstärkt. Selbst George, der von Anfang an nicht mehr lebt, wirkt durch Rückblicke und Erinnerungen lebendig – und gleichzeitig geheimnisvoller, als man zunächst denkt.

Natürlich merkt man an einigen Stellen, dass es sich um den Auftakt einer Reihe handelt. Nicht alle Fragen werden beantwortet, nicht alle Geheimnisse gelüftet. Das Ende fühlt sich weniger wie ein Abschluss an, sondern eher wie ein nächstes Puzzleteil. Und genau das macht neugierig auf mehr.

Für mich ist „Oxford Blood“ ein spannender, atmosphärischer Dark-Academia-Thriller, der mit einer starken Grundidee, emotionaler Nähe und vielen kleinen Wendungen überzeugt. Nicht perfekt, aber absolut fesselnd – und vor allem eines: schwer aus der Hand zu legen.

4 von 5 Sternen ⭐️
Und definitiv ein Auftakt, der Lust auf mehr macht.


„The Sword of Kaigen“ von M. L. Wang

Manche Bücher lesen sich wie eine Geschichte. Und manche fühlen sich eher an wie ein Sturm, der sich langsam zusammenbraut, nur um einen irgendwann mit voller Wucht zu treffen. „The Sword of Kaigen“ von M. L. Wang gehört für mich ganz klar zur zweiten Kategorie.

Ich bin ohne große Erwartungen hineingegangen – und habe etwas bekommen, das sich nur schwer in Worte fassen lässt. Kein klassisches Fantasy-Abenteuer, kein typisches „Gut gegen Böse“. Stattdessen eine Geschichte, die sich Zeit nimmt. Für ihre Figuren. Für ihre Konflikte. Für all das, was zwischen den Zeilen passiert.

Im Mittelpunkt steht die Familie Matsuda. Und schon nach wenigen Seiten wird klar: Hier brodelt es. Nicht laut, nicht dramatisch inszeniert – sondern leise. Fast unscheinbar. Wie Spannungen, die sich über Jahre aufgebaut haben und nur darauf warten, irgendwann zu explodieren.

Mamoru, der Sohn, wächst mit einem klaren Bild seiner Zukunft auf. Kämpfen. Dienen. Stark sein. So, wie es von ihm erwartet wird. Doch je mehr er hinter die Fassade seines Reiches blickt, desto mehr beginnt dieses Bild zu bröckeln. Zweifel schleichen sich ein, Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Seine Entwicklung ist ruhig erzählt, aber genau das macht sie so glaubwürdig.

Und dann ist da Misaki.

Ganz ehrlich: Sie ist das Herz dieses Buches.

Eine Frau, die versucht hat, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen. Die sich entschieden hat für ein Leben als Ehefrau, als Mutter, als Teil eines Systems, das sie eigentlich längst hinter sich gelassen hatte. Doch genau dieses System beginnt zu wanken. Und mit ihm alles, was sie sich aufgebaut hat.

Was mich an Misaki so beeindruckt hat, ist diese stille Intensität. Diese unterdrückte Wut, dieses ständige Funktionieren, dieses Gefühl, dass da noch so viel mehr ist. Sie ist keine klassische Heldin. Sie ist komplex, widersprüchlich, manchmal schwer greifbar – und genau deshalb so unglaublich stark.

Man spürt ihre Gedanken, ihre Zweifel, ihre Erinnerungen. Und irgendwann merkt man, dass man nicht nur über sie liest, sondern mit ihr fühlt.

Die Geschichte selbst ist dabei lange erstaunlich ruhig. Fast schon entschleunigt. Es passiert nicht ständig etwas Großes, Spektakuläres – und trotzdem fühlt sich jede Szene wichtig an. Weil sie etwas vorbereitet. Weil sie etwas aufbaut.

Und dann kommt die zweite Hälfte.

Ich wusste, dass dieses Buch intensiv sein soll. Aber ich war nicht darauf vorbereitet, wie sehr es mich treffen würde.

Plötzlich kippt alles. Die Spannung entlädt sich, die Emotionen brechen durch, und man sitzt da und merkt, wie sehr man eigentlich schon längst in dieser Geschichte steckt. Die Kampfszenen sind nicht nur actionreich – sie sind roh, direkt und oft schwer zu ertragen, weil sie nicht glorifizieren, sondern zeigen, was Krieg wirklich bedeutet.

Und genau das ist es, was dieses Buch so besonders macht.

Es geht nicht nur um Magie, um Kämpfe oder um ein Reich, das verteidigt werden muss. Es geht um Familie. Um Erwartungen. Um Traditionen, die hinterfragt werden müssen. Um ein System, das funktioniert, weil niemand es infrage stellt.

Und genau hier setzt die Geschichte an. Sie zeigt, wie gefährlich es sein kann, Dinge einfach hinzunehmen. Wie wichtig es ist, Fragen zu stellen. Und wie schwer es ist, sich gegen das zu stellen, was man sein ganzes Leben lang gelernt hat.

Natürlich gibt es auch Punkte, die mich kurz haben innehalten lassen. Manche Entwicklungen wirkten fast zu einfach, manche Kräfte zu mächtig, als dass sie nicht schon viel früher alles hätten verändern können. Auch das System selbst – die Art, wie wenig hinterfragt wird – hat mich stellenweise irritiert.

Aber das sind Gedanken, die erst im Nachhinein kommen.

Während des Lesens war ich einfach drin. Gefangen in dieser Welt, in diesen Emotionen, in dieser Geschichte.

„The Sword of Kaigen“ ist kein Buch, das man nebenbei liest. Es fordert Aufmerksamkeit, Geduld und die Bereitschaft, sich wirklich darauf einzulassen. Aber wenn man das tut, bekommt man eine Geschichte, die nachhallt.

Für mich ist es ein Roman, der mich überrascht, bewegt und stellenweise auch überfordert hat – im positiven Sinne.

Ein Buch, das nicht perfekt ist, aber unglaublich viel Gefühl und Wucht mitbringt.

4 von 5 Sternen ⭐️
Und eines dieser Bücher, bei denen man nach dem Zuklappen erstmal einen Moment braucht.


„Red as Royal Blood“ von Elizabeth Hart

Manchmal greift man zu einem Buch, ohne große Erwartungen zu haben – und genau diese Geschichten sind es dann, die einen am meisten überraschen. So ging es mir mit „Red as Royal Blood“ von Elizabeth Hart. Ich habe es beendet und saß erst einmal da… ein bisschen sprachlos, ein bisschen begeistert – und definitiv überrascht, wie sehr mich diese Geschichte gepackt hat.

Die Ausgangssituation klingt fast wie ein Märchen mit dunklem Twist: Eine einfache Dienstmagd wird plötzlich zur Königin ernannt. Doch was zunächst wie ein unerwartetes Geschenk wirkt, entpuppt sich schnell als gefährliches Spiel. Denn der König ist tot – und nicht nur das: Er wurde ermordet. Und ausgerechnet Ruby soll seinen Mörder finden… während sie selbst womöglich das nächste Ziel ist.

Was mir besonders gut gefallen hat, ist die Art, wie man als Leser gemeinsam mit Ruby in diese Welt hineingeworfen wird. Sie versteht genauso wenig wie wir, warum sie ausgewählt wurde. Es gibt keine klaren Antworten, nur Hinweise, Zweifel und dieses konstante Gefühl, dass hinter allem mehr steckt. Genau dieses Miträtseln hat für mich einen großen Reiz ausgemacht.

Ruby selbst war für mich ein echtes Highlight. Ich mochte sie von der ersten Seite an. Sie ist klug, aufmerksam und vor allem jemand, der nicht einfach aufgibt. Besonders ihr Talent fürs Schachspiel zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte – und ich fand es unglaublich spannend, wie sie viele Situationen tatsächlich wie ein Spiel betrachtet. Züge vorausdenkt, Strategien entwickelt, Risiken abwägt. Das hat perfekt zu dieser Welt voller Intrigen und Machtspiele gepasst.

Gleichzeitig bleibt sie aber bodenständig. Trotz der neuen Rolle verliert sie sich nicht in Macht oder Status, sondern versucht, das Richtige zu tun. Für sich, aber auch für das Land. Genau diese Mischung aus Stärke und Menschlichkeit hat sie für mich so greifbar gemacht.

Ein kleines, unerwartetes Highlight war übrigens das Kätzchen, das Ruby rettet. Diese kleine, leicht divenhafte Begleitung hat für einige Momente gesorgt, die mich wirklich zum Schmunzeln gebracht haben – gerade in einer ansonsten doch eher angespannten Atmosphäre.

Und genau diese Atmosphäre ist es, die das Buch so trägt.
Der königliche Hof wirkt wie ein Ort voller Masken. Jeder hat etwas zu verbergen, jeder könnte ein Verbündeter sein – oder eben nicht. Ich habe wirklich jeden irgendwann verdächtigt. Es gab Momente, in denen ich dachte: Jetzt hab ich’s. Nur um kurz darauf wieder alles zu hinterfragen. Dieses ständige Zweifeln, dieses Spiel mit Vertrauen und Misstrauen – das hat unglaublich viel Spaß gemacht.

Auch die Nebenfiguren haben ihren Teil dazu beigetragen. Einige waren mir sofort sympathisch, andere konnte ich von Anfang an nicht einschätzen – und genau das macht eine gute Murder Mystery für mich aus. Man weiß nie so ganz, woran man ist.

Zwischen all dem gibt es auch eine zarte Liebesgeschichte, die sich ganz leise entwickelt. Nichts Überstürztes, nichts Künstliches – sondern kleine Momente, Blicke, Annäherungen. Genau das hat es für mich so authentisch gemacht. Es war nie der Mittelpunkt der Geschichte, aber eine schöne Ergänzung, die das Ganze emotional abrundet.

Was mich am meisten überrascht hat, war aber wirklich die Auflösung.
Ich hatte eine Vermutung, was Rubys Herkunft angeht – und lag damit sogar richtig. Aber alles andere? Habe ich so nicht kommen sehen. Und genau das liebe ich. Wenn sich am Ende plötzlich alles zusammenfügt und man merkt, wie durchdacht die Geschichte eigentlich aufgebaut ist.

Die Wendungen waren gut gesetzt, die Auflösung schlüssig und für mich absolut stimmig. Nichts wirkte erzwungen, nichts überzogen – sondern einfach clever konstruiert.

Für mich ist „Red as Royal Blood“ eine dieser positiven Überraschungen, bei denen ich mich frage, warum so wenig darüber gesprochen wird. Es ist spannend, atmosphärisch, mit einer starken Protagonistin und einer Geschichte, die einen wirklich miträtseln lässt.

Ein Einzelband, der mich mehr als gut unterhalten hat – und definitiv im Gedächtnis bleibt.

4 von 5 Sternen ⭐️
Und eine klare Empfehlung für alle, die Intrigen, Geheimnisse und starke Heldinnen lieben.


„Bachelorette Party“ von Camilla Sten

Manchmal sind es genau diese Geschichten, die einen sofort neugierig machen: eine abgelegene Insel, eine Gruppe von Freundinnen, ein lang gehütetes Geheimnis – und das unterschwellige Gefühl, dass dieses Wochenende alles andere als harmlos verlaufen wird. Genau so ging es mir mit „Bachelorette Party“ von Camilla Sten.

Die Ausgangssituation klang für mich nach genau der Art Thriller, die ich eigentlich liebe. Ein Junggesellinnenabschied auf einer schwedischen Schäreninsel – das verspricht erst einmal Leichtigkeit, Sommer, Freundschaft. Doch schon bei der Ankunft liegt etwas in der Luft, das sich nur schwer greifen lässt. Diese feine, fast unmerkliche Gänsehaut, die sich durch die ersten Kapitel zieht, hat mir wirklich gut gefallen.

Vor allem das Setting konnte mich direkt abholen. Diese Abgeschiedenheit, das Gefühl, von der Außenwelt abgeschnitten zu sein, die Weite des Meeres – all das sorgt für eine Atmosphäre, die wie gemacht ist für einen Thriller. Eine Insel, von der man nicht einfach wegkommt, hat immer etwas Beklemmendes. Und genau dieses Gefühl schwingt hier immer wieder mit.

Besonders spannend wird es durch die Verbindung zur Vergangenheit. Vor zehn Jahren sind genau an diesem Ort vier Frauen spurlos verschwunden – ein Cold Case, der nie aufgeklärt wurde. Die Idee, diese beiden Zeitebenen miteinander zu verknüpfen, fand ich grundsätzlich richtig stark. Vergangenheit und Gegenwart greifen ineinander, und als Leser versucht man ständig, die Puzzleteile zusammenzusetzen.

Allerdings hat genau dieser Aufbau für mich nicht immer so gut funktioniert, wie ich es mir gewünscht hätte. Die Wechsel zwischen den Zeitebenen waren stellenweise eher verwirrend als spannend, gerade zu Beginn musste ich mich erst einmal orientieren. Dadurch ging für mich ein Teil der eigentlich möglichen Spannung verloren.

Im Mittelpunkt steht Tessa, eine Journalistin, die den alten Fall nicht vergessen kann. Sie bringt eine gewisse Grundspannung mit, weil sie Dinge hinterfragt und Zusammenhänge sieht, die andere vielleicht übersehen. Trotzdem ist sie mir emotional nicht wirklich nahgekommen. Auch ihre Entscheidungen konnte ich nicht immer ganz nachvollziehen, was es mir schwer gemacht hat, wirklich mit ihr mitzufiebern.

Ähnlich ging es mir mit den anderen Figuren. Die Dynamik innerhalb der Freundinnengruppe wirkte auf mich oft distanziert. Es fehlte dieses Gefühl von Vertrautheit, von echter Verbindung. Stattdessen hatte ich eher den Eindruck, dass zwischen ihnen vieles unausgesprochen bleibt – was zwar zur Geschichte passt, aber es gleichzeitig schwieriger macht, eine Bindung zu den Charakteren aufzubauen.

Der Schreibstil selbst ist dagegen sehr angenehm. Flüssig, klar und durch die eher kurzen Kapitel kommt man gut voran. Gerade zum Ende hin entwickelt das Buch auch eine gewisse Sogwirkung, die mich nochmal deutlich stärker gepackt hat.

Der Mittelteil hingegen zog sich für mein Empfinden etwas. Die Spannung bleibt lange eher auf einem unterschwelligen Niveau, ohne sich richtig zu entfalten. Dabei hätte gerade das Zusammenspiel aus Vergangenheit, Geheimnissen und der isolierten Insel so viel Potenzial gehabt, um noch intensiver zu wirken.

Erst im letzten Drittel zieht das Tempo spürbar an. Ereignisse überschlagen sich, die Bedrohung wird greifbarer und man merkt, dass die Geschichte auf ihren Höhepunkt zusteuert.

Die Auflösung hat mich dann mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Einige Entwicklungen waren für mich relativ früh absehbar, andere wirkten dagegen etwas konstruiert oder nicht ganz rund. Gerade nach dem eher langsamen Aufbau hätte ich mir hier einen stärkeren, vielleicht auch überraschenderen Abschluss gewünscht.

Trotzdem bleibt „Bachelorette Party“ ein solider Thriller. Die Grundidee ist spannend, das Setting atmosphärisch dicht und der Schreibstil macht es leicht, dranzubleiben. Für mich hat das Buch jedoch nicht ganz das Potenzial ausgeschöpft, das in dieser Geschichte gesteckt hätte.

Ein Thriller, der gut unterhält, aber nicht lange nachhallt.

3 von 5 Sternen ⭐️


A Curse so Divine von Emily Bähr

Es gibt Reihen, die liest man – und dann gibt es diese Geschichten, die einen über mehrere Bände hinweg begleiten, wachsen lassen und Stück für Stück tiefer hineinziehen. A Curse so Divine von Emily Bähr gehört für mich genau in diese zweite Kategorie. Und mit „Der Fluch, der uns vereint“ ist nun der Abschluss dieser Trilogie gekommen – ein Moment, auf den ich mich gefreut habe und vor dem ich gleichzeitig ein wenig Respekt hatte.

Denn ein Finale muss so vieles leisten. Es soll Antworten geben, offene Fragen schließen, Emotionen auffangen – und gleichzeitig diesem Gefühl gerecht werden, das sich über die gesamte Reihe aufgebaut hat.

Der dritte Band setzt direkt dort an, wo der vorherige geendet hat. Ohne große Umwege geht es zurück in eine Welt, die sich im Laufe der Geschichte immer weiter verdichtet hat. Aethra wirkt düsterer, angespannter, gezeichnet von Hunger, Angst und den Konsequenzen der Vergangenheit. Man merkt sofort: Hier steht alles auf dem Spiel.

Ligeia ist wieder mittendrin. Ihre Reise hat sich über die Reihe hinweg stark verändert – und genau das macht sie zu einer so spannenden Figur. Sie ist nicht mehr dieselbe wie am Anfang. Ihre Entscheidungen tragen Gewicht, ihre Gefühle sind greifbarer, ihre Ziele klarer. Und doch bleibt sie sich in ihrer Art treu: entschlossen, emotional und bereit, alles zu riskieren.

An ihrer Seite Apsinthion – oder Thion – dessen Entwicklung ich über alle drei Bände hinweg besonders mochte. Die Verbindung zwischen den beiden ist es, die diese Geschichte trägt. Keine laute, überdramatisierte Liebe, sondern eine, die gewachsen ist. Die sich durch Zweifel, Schmerz und Distanz hindurch entwickelt hat. Eine Liebe, die nicht perfekt ist, aber genau deshalb so echt wirkt.

Was mir im Finale besonders gefallen hat, ist, wie viele Handlungsstränge zusammengeführt werden. Fragen, die sich über mehrere Bände aufgebaut haben, bekommen endlich Antworten. Zusammenhänge werden klarer, Entscheidungen verständlicher. Es entsteht ein Gesamtbild, das sich stimmig anfühlt und zeigt, wie durchdacht diese Geschichte eigentlich ist.

Der Schreibstil von Emily Bähr ist dabei wie gewohnt sehr einnehmend. Flüssig, atmosphärisch und voller Gefühl. Man gleitet durch die Seiten, taucht ein in diese Welt, ohne darüber nachdenken zu müssen. Gerade die emotionalen Szenen – vor allem die Dialoge zwischen Ligeia und Thion – haben mir wieder besonders gut gefallen. Sie geben der Geschichte trotz aller Dunkelheit immer wieder kleine, leise Momente, die berühren.

Trotzdem muss ich sagen, dass sich der Einstieg für mich etwas holprig angefühlt hat. Mir hat eine kleine Rückführung gefehlt – ein Moment des Ankommens, ein kurzes Auffangen der Ereignisse aus Band zwei. So musste ich mich erst wieder orientieren, bevor ich wirklich in die Geschichte zurückfinden konnte.

Auch im Verlauf gab es für mich ein paar Längen. Einige Passagen hätten etwas straffer sein dürfen, da sich das Tempo zwischendurch leicht gezogen hat. Das hat meinen Lesefluss zwar nicht komplett gestört, aber ich habe es gemerkt.

Der größte Knackpunkt für mich war jedoch tatsächlich das Ende.

Nicht, weil es schlecht gewesen wäre – ganz im Gegenteil. Es passt zur Geschichte, zu den Figuren, zu dem, was aufgebaut wurde. Aber emotional hat es mich nicht ganz so erreicht, wie ich es mir gewünscht hätte. Vielleicht lag es an meinen Erwartungen, vielleicht daran, dass ich mir einen anderen, etwas sanfteren Ausklang erhofft hatte.

Es ist eines dieser Enden, bei denen man versteht, warum es so gewählt wurde – aber es hinterlässt nicht dieses ganz tiefe Gefühl, das man sich nach einer so intensiven Reise wünscht.

Und trotzdem: Dieses Finale macht vieles richtig.

Es schließt die Geschichte ab, ohne sie zu überstürzen. Es gibt Antworten, ohne alles zu erklären. Und es bleibt sich selbst treu – in seiner Stimmung, in seiner Emotionalität, in seiner Welt.

Für mich ist „Der Fluch, der uns vereint“ ein starker Abschluss einer besonderen Reihe. Nicht perfekt, aber stimmig. Und vor allem getragen von zwei Figuren, die diese Geschichte zu etwas Eigenem gemacht haben.

4 von 5 Sternen ⭐️
Eine Reise, die ich gerne gegangen bin – auch wenn ich mir am Ende ein kleines bisschen mehr Gefühl gewünscht hätte.