„Das Internat: Jeder hat ein Geheimnis. Niemand ist sicher“ von Hannah Richell

 Manchmal sind es genau diese Bücher, bei denen einen schon die Atmosphäre von der ersten Seite an einfängt. Ein abgelegenes Internat, dunkle Wälder, Geheimnisse hinter alten Mauern – „Das Internat: Jeder hat ein Geheimnis. Niemand ist sicher“ von Hannah Richell klang für mich genau nach dieser perfekten Mischung aus Spannung und Gänsehaut.

Und ich muss sagen: Der Einstieg hat mich tatsächlich sofort abgeholt.

Schon das Cover, die düstere Stimmung und vor allem die Karte des Internatsgeländes schaffen eine ganz besondere Atmosphäre. Ich liebe solche Details, weil sie das Gefühl verstärken, wirklich Teil dieser Welt zu sein. Gerade bei einem so weitläufigen Setting wie Thorncombe war die Karte für mich mehr als nur ein nettes Extra – sie hat mir geholfen, mich zu orientieren und noch tiefer in die Geschichte einzutauchen.

Die Ausgangssituation ist vielversprechend: Nach einer Halloween-Nacht wird ein Mädchen tot im Wald gefunden. Weißes Kleid, schwarze Vogelmaske, rätselhafte Worte auf ihrem Körper – ein Bild, das sofort Fragen aufwirft und eine fast schon unheimliche Faszination auslöst. Ist es ein Ritual? Ein Unfall? Oder steckt etwas ganz anderes dahinter?

Im Zentrum der Geschichte stehen mehrere Perspektiven.

Da ist Ellie, eine Schülerin, die sich im Internatsleben alles andere als wohlfühlt. Ihre Mutter Rachel arbeitet als Schulpsychologin an genau dieser Schule, während ihr Vater Ben als Ermittler in den Fall hineingezogen wird – und damit zwangsläufig auch wieder in das Leben seiner Exfrau.

Dieses Geflecht aus familiären Beziehungen, Konflikten und alten Spannungen zieht sich durch das gesamte Buch und nimmt viel Raum ein. Stellenweise fast mehr, als es die eigentliche Kriminalgeschichte tut.

Und genau hier beginnt für mich auch das Problem.

Denn so atmosphärisch der Einstieg ist, so schnell verliert die Geschichte danach an Zug.

Die Handlung tritt über weite Strecken auf der Stelle, verheddert sich in privaten Konflikten und zwischenmenschlichen Dramen, ohne dass die eigentlichen Ermittlungen wirklich vorankommen. Dabei waren gerade diese Ermittlungen durchaus interessant und wirkten auch authentisch – sie wurden nur leider oft zu schnell abgehandelt oder von Nebenschauplätzen überlagert.

Was mir ebenfalls gefehlt hat, war die Tiefe der Figuren.

Viele Charaktere blieben für mich schwer greifbar, ihre Motive wirkten nicht immer nachvollziehbar und ihre Emotionen konnten mich nur selten wirklich erreichen. Dadurch fiel es mir schwer, eine echte Verbindung aufzubauen oder wirklich mitzufiebern.

Dabei hätte gerade das Setting so viel Potenzial geboten.

Die altehrwürdige Schule, die dunklen Wälder, die unterschwellige Bedrohung – all das schreit förmlich nach einer intensiven, dichten Geschichte. Besonders die Legende rund um das Internat hätte eine viel größere Rolle spielen können. Sie war da, sie wurde angerissen – aber letztlich blieb sie eher im Hintergrund. Und genau das empfand ich als verschenkte Chance, gerade weil sie perfekt zur düsteren Halloween-Atmosphäre gepasst hätte.

Auch der Spannungsbogen konnte mich leider nicht durchgehend überzeugen.

Der Anfang macht neugierig, keine Frage. Aber im Mittelteil verliert die Geschichte deutlich an Tempo, und selbst der Plottwist am Ende konnte das für mich nicht mehr komplett ausgleichen. Er war solide, gut inszeniert – aber eben nicht überraschend genug, um wirklich Eindruck zu hinterlassen.

Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mit relativ hohen Erwartungen an das Buch herangegangen bin.

„Das Wochenende“ von Hannah Richell hatte mir damals unglaublich gut gefallen – intensiv, raffiniert, emotional packend. Im Vergleich dazu bleibt „Das Internat“ leider ein Stück zurück.

Es ist kein schlechtes Buch. Wirklich nicht.

Es hat eine tolle Atmosphäre, ein starkes Setting und eine interessante Grundidee. Aber es fehlt an Tiefe, an Spannung, an diesem gewissen Etwas, das eine Geschichte wirklich unvergesslich macht.

Am Ende bleibt für mich ein Thriller, der sich gut lesen lässt, der aber nicht lange nachwirkt. Einer von denen, die man liest – und dann relativ schnell wieder vergisst.

Ein atmosphärischer Thriller mit viel Potenzial, der dieses leider nicht ganz ausschöpft.

Spannend im Ansatz, aber zu wenig intensiv in der Umsetzung.

Für mich sind es 3 von 5 Sternen ⭐️ – ein Buch nach dem Motto: Kann man lesen, muss man aber nicht.


„Die Psyche des Bösen“ von Axel Petermann

Es gibt Bücher, die liest man einfach – und dann gibt es Bücher, die einen noch lange begleiten, weil sie etwas in einem auslösen. „Die Psyche des Bösen“ von Axel Petermann gehört für mich ganz klar zu letzterer Kategorie. Es ist kein Buch, das man einfach zuschlägt und sofort zur nächsten Geschichte übergeht. Es ist eines, das nachhallt. Das Fragen stellt. Und das einen zwingt, genauer hinzusehen.

Axel Petermann ist für mich schon lange kein Unbekannter mehr. Durch frühere Bücher, TV-Formate und auch seine Zusammenarbeit mit Petra Mattfeldt wusste ich bereits, mit welcher Präzision und welchem Blick für Details er arbeitet. Trotzdem hat mich dieses Buch nochmal auf eine ganz andere Weise beeindruckt. Vielleicht, weil es sich nicht nur mit den Taten selbst beschäftigt, sondern viel tiefer geht. Es geht um das Warum. Um die Gedanken hinter den Verbrechen. Um die Psyche der Menschen, die solche Taten begehen.

Im Zentrum stehen drei Fälle, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und genau das macht das Buch so spannend. Da ist das Verschwinden eines jungen Mädchens kurz vor der Wende, ein Fall voller Unsicherheiten, Spuren, die ins Leere laufen, und Fragen, die auch Jahrzehnte später nicht vollständig beantwortet sind. Dann ein Mordfall, der eigentlich längst aufgeklärt wurde, bei dem aber Zweifel bleiben. Und schließlich die Geschichte eines Jungen, der schon früh Gewalt zeigt und später tatsächlich zum Mörder wird. Drei Fälle, drei Perspektiven – und doch verbindet sie alle die Frage, was in einem Menschen vorgehen muss, damit er eine solche Tat begeht.

Was dieses Buch für mich so besonders gemacht hat, ist die Art, wie Petermann an diese Fälle herangeht. Er erzählt nicht einfach nach, was passiert ist. Er arbeitet. Er analysiert. Er hinterfragt. Und man merkt auf jeder Seite, dass hier jemand schreibt, der nicht nur theoretisches Wissen hat, sondern jahrzehntelange Erfahrung. Seine Herangehensweise ist ruhig, sachlich und respektvoll – und genau das macht die Wirkung so intensiv. Es geht nicht um Sensation oder Schockmomente, sondern um Verständnis. Um das genaue Hinsehen.

Besonders eindrücklich fand ich, wie viel Mühe er sich auch noch Jahre später mit den Fällen gibt. Er spricht mit Zeitzeugen, recherchiert in Archiven, lässt sich alte Akten zuschicken, besucht Tatorte und rekonstruiert Abläufe. Dabei erklärt er immer wieder, warum er bestimmte Schlüsse zieht, welche Gedanken ihn leiten und wo auch er an Grenzen stößt. Gerade das hat mir unglaublich gut gefallen, weil es die Ermittlungsarbeit so greifbar macht. Man fühlt sich beim Lesen nicht wie ein außenstehender Beobachter, sondern eher wie jemand, der selbst Teil dieses Prozesses ist.

Ein Beispiel, das mir besonders im Kopf geblieben ist, ist der Fall eines verschwundenen Mädchens, bei dem sogar eine mögliche Verbindung zur Stasi im Raum stand. Eine Theorie, die zunächst gar nicht so abwegig wirkt – zumindest, wenn man den historischen Kontext betrachtet. Doch durch gezielte Nachfragen und sorgfältige Recherche konnte Petermann diese Spur entkräften. Und genau solche Momente zeigen, wie wichtig es ist, Dinge nicht vorschnell als gegeben hinzunehmen. Wie wichtig es ist, immer weiterzufragen.

Auch der Fall eines bereits verurteilten Täters hat mich sehr beschäftigt. Gerade hier wird deutlich, wie schwierig es ist, objektiv zu bleiben – vor allem, wenn Emotionen im Spiel sind. Petermann gelingt genau das. Er betrachtet den Fall aus verschiedenen Blickwinkeln, ohne vorschnell zu urteilen. Und zeigt dabei auch, welche Rolle Fehler innerhalb von Ermittlungen oder Gutachten spielen können. Das war stellenweise wirklich erschreckend zu lesen.

Am meisten unter die Haut gegangen ist mir jedoch die Geschichte rund um Roger B.

Ein Junge, der schon früh auffällig wird. Der Gewalt zeigt, die man in diesem Alter kaum greifen kann. Und bei dem sich die Frage stellt: Hätte man etwas verhindern können? Hätte man früher eingreifen müssen? Petermann begegnet ihm später erneut – im Gefängnis. Allein diese Tatsache verleiht dem Buch eine zusätzliche Intensität. Es zeigt, dass hinter jeder Tat ein Mensch steht. Und dass es oft keine einfachen Antworten gibt.

Was dieses Buch für mich so eindringlich macht, ist nicht nur der Inhalt, sondern auch das, was es beim Lesen auslöst. Man beginnt automatisch, Dinge zu hinterfragen. Eigene Denkmuster. Eigene Vorurteile. Wie schnell man selbst urteilt, ohne alle Fakten zu kennen. Wie sehr man sich von Emotionen leiten lässt. Und wie schwierig es eigentlich ist, wirklich neutral zu bleiben.

Natürlich ist es schade, dass viele Namen aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geändert wurden. Dadurch wird es schwer, selbst weiter zu recherchieren. Aber gleichzeitig ist es absolut nachvollziehbar – und letztlich auch wichtig.

Am Ende bleibt für mich ein Buch, das weit mehr ist als „nur“ True Crime. Es ist eine intensive Auseinandersetzung mit der menschlichen Psyche. Mit Schuld, mit Motiven, mit Entscheidungen. Und mit der Erkenntnis, dass es selten einfache Antworten gibt.

„Die Psyche des Bösen“ ist kein Buch für nebenbei. Es ist eines, auf das man sich einlassen muss. Aber wenn man das tut, bekommt man eine unglaublich tiefgehende, durchdachte und beeindruckende Analyse, die noch lange nachwirkt.

Für mich ganz klar: 5 von 5 Sternen ⭐️

Und eine große Empfehlung für alle, die True Crime nicht nur konsumieren, sondern wirklich verstehen wollen.


Zwischen Geheimnissen, Moral und verbotener Liebe – „Society of Death. Von Rache verführt“

Manchmal entdeckt man Bücher, die sofort eine ganz bestimmte Atmosphäre versprechen. Düster, geheimnisvoll, ein Hauch von Geschichte und dazu eine gefährliche Studentenverbindung – genau diese Mischung hat mich bei „Society of Death. Von Rache verführt“ von Regina Meissner sofort neugierig gemacht. Ein Setting an der Yale University im Jahr 1875, eine geheimnisvolle Bruderschaft und zwei Figuren, die zwischen Loyalität, Wahrheit und Gefühlen zerrieben werden – das klang nach einer Geschichte voller Spannung und moralischer Konflikte.

Im Mittelpunkt steht Emery, ein junger Medizinstudent, der während der sogenannten Tap Night gefragt wird, ob er Teil der geheimen Studentenverbindung Skull & Bones werden möchte. Von diesem Moment an verändert sich sein Leben schlagartig. Als neues Mitglied erhält er den Namen Raven und wird in eine Welt eingeführt, die ebenso faszinierend wie gefährlich ist. Die Verbindung verspricht Einfluss, Macht und eine glanzvolle Zukunft – verlangt dafür aber absolute Loyalität.

Schon seine erste Aufgabe stellt Emery vor ein moralisches Dilemma: Er soll an einem Mord beteiligt sein, der wie ein Suizid aussehen muss.

Das Opfer ist Nathaniel, ein Stadtrat – und der Bruder von Victoria.

Victoria wiederum ist alles andere als eine gewöhnliche junge Frau ihrer Zeit. Sie weigert sich, die engen gesellschaftlichen Grenzen einfach hinzunehmen. Sie besucht Vorlesungen, obwohl Frauen offiziell nicht studieren dürfen, und schreibt unter einem Pseudonym Artikel über Depressionen, damals noch als Melancholie bezeichnet. Sie will verstehen, aufklären und Veränderungen anstoßen – ein für die damalige Zeit erstaunlich mutiger Weg.

Als ihr Bruder plötzlich stirbt und alles als Selbstmord dargestellt wird, spürt Victoria sofort, dass etwas nicht stimmt. Sie beginnt nachzuforschen – und ihre Suche nach der Wahrheit führt sie immer tiefer in ein Netz aus Geheimnissen, Machtstrukturen und dunklen Entscheidungen.

Der Roman wird aus zwei Perspektiven in der Ich-Form erzählt, abwechselnd aus Emerys und Victorias Sicht. Das hat mir besonders gut gefallen, weil man so beide Figuren sehr intensiv erlebt und ihre inneren Konflikte direkt nachvollziehen kann. Während Victoria immer entschlossener nach der Wahrheit sucht, kämpft Emery zunehmend mit dem, was er für die Bruderschaft tun muss.

Der Einstieg in die Geschichte fällt sehr leicht. Die Figuren werden schnell eingeführt, ihre Beziehungen zueinander werden deutlich und auch die Verbindung zwischen Victoria und Emery entsteht recht früh. Anfangs entwickelt sich ihre Beziehung relativ schnell, doch ein kleiner Zeitsprung sorgt dafür, dass sie sich trotzdem glaubwürdig anfühlt und der eigentlichen Handlung genug Raum bleibt.

Victoria hat mir als Figur besonders gefallen. Sie ist klug, neugierig und unglaublich mutig. In einer Zeit, in der Frauen kaum Möglichkeiten hatten, versucht sie trotzdem, sich Wissen anzueignen und gesellschaftliche Themen anzusprechen. Gerade ihr Engagement für das Thema Depression fand ich sehr eindrucksvoll umgesetzt.

Emery dagegen ist ein Charakter, bei dem sich meine Meinung während des Lesens mehrfach verändert hat. Am Anfang mochte ich ihn sofort – er wirkt sympathisch, ehrlich und engagiert. Doch je tiefer er in die Strukturen von Skull & Bones hineingezogen wird, desto mehr verändert er sich. Seine Loyalität zur Bruderschaft bringt ihn immer wieder in Konflikt mit seinen eigenen moralischen Vorstellungen. Gerade diese Entwicklung macht ihn zu einer sehr interessanten Figur.

Die Atmosphäre des Buches ist durchgehend düster und spannungsgeladen. Die geheimen Rituale der Studentenverbindung, die Prüfungen für neue Mitglieder und die Machtspiele innerhalb der Bruderschaft erzeugen eine beklemmende Stimmung. Gleichzeitig wird deutlich, wie groß der Einfluss solcher Verbindungen sein kann – und welche Opfer von ihren Mitgliedern erwartet werden.

Besonders gelungen fand ich auch, wie die Autorin ernste Themen wie Depression, Schuld und moralische Verantwortung in die Geschichte integriert hat. Diese Aspekte verleihen dem Roman eine zusätzliche Tiefe und machen ihn mehr als nur eine spannende Unterhaltung.

Natürlich spielt auch die Liebesgeschichte zwischen Victoria und Emery eine wichtige Rolle. Die beiden haben von Anfang an eine besondere Verbindung, doch ihre Beziehung wird immer wieder auf die Probe gestellt. Victorias Suche nach der Wahrheit bringt sie direkt auf die Spur der Bruderschaft – und damit auch auf eine gefährliche Spur, die Emery um jeden Preis geheim halten muss.

Das sorgt für viele emotionale Momente, Zweifel und Konflikte, die die Geschichte zusätzlich intensiv machen.

Das Ende bringt schließlich einige überraschende Wendungen und eine Auflösung, die ich so nicht erwartet hatte. Allerdings muss ich zugeben, dass mir der Abschluss insgesamt ein wenig zu einfach erschien. Die Verbindung wurde zuvor als äußerst brutal und mächtig dargestellt – dafür wirkte die endgültige Lösung etwas zu schnell und zu glatt.

Trotzdem hat mich das Buch insgesamt sehr gut unterhalten. Die Mischung aus historischem Setting, düsterer Atmosphäre, moralischen Konflikten und einer intensiven Liebesgeschichte funktioniert hervorragend.

„Society of Death. Von Rache verführt“ ist eine spannende Geschichte über Macht, Loyalität und die Frage, wie weit man für seine Überzeugungen gehen würde.

Für mich bekommt das Buch 4 von 5 Sternen – und eine klare Empfehlung für alle, die düstere historische Geschichten mit Geheimnissen, starken Figuren und einer Prise verbotener Liebe mögen.


„The Robin on the Oak Throne – Der Fluch des Rotkehlchens“ von K. A. Linde

Band 1 hatte mich schon richtig begeistert – also war für mich völlig klar: Ich muss zurück in diese Welt.

Und genau das habe ich mit „The Robin on the Oak Throne – Der Fluch des Rotkehlchens“ von K. A. Linde auch getan.

Schon beim Aufschlagen war ich wieder direkt drin. Diese Reihe hat einfach eine ganz eigene Atmosphäre – und ja, ich muss es sagen: Auch optisch sind die Bücher ein absolutes Highlight. Ich liebe die Gestaltung, diese verschnörkelten Details, die Farbgebung – und auch wenn der zweite Band im Englischen in Rot gehalten ist, bin ich mit der lila Ausgabe wirklich mehr als glücklich. Dazu kommt die Karte von New York City nach dem Monsterkrieg, die mir beim Lesen tatsächlich immer wieder geholfen hat, mich besser zu orientieren.

Inhaltlich knüpft die Geschichte nahtlos an Band 1 an.

Kierse wird von Albträumen geplagt – Erinnerungen, die keine sein sollten, und doch etwas in ihr auslösen. Auf der Suche nach Antworten gerät sie immer tiefer in die Welt des Kobold-Marktes, voller Magie, Intrigen und gefährlicher Wesen.

Der Plan klingt zunächst fast einfach: ein magisches Armband stehlen – ausgerechnet von der Nymphenkönigin.

Nur läuft natürlich nichts so, wie es sollte.

Und dann ist da wieder Graves.

Der Mann, dem sie eigentlich nie wieder begegnen wollte.

Was mir direkt positiv aufgefallen ist, war der Einstieg. Die verschiedenen Ortswechsel bringen Dynamik in die Geschichte, auch wenn New York weiterhin das zentrale Setting bleibt – und genau das macht für mich den Reiz dieser Reihe aus. Diese Version der Stadt, geprägt vom Monsterkrieg, mit all ihren Territorien und Regeln, wirkt lebendig und gleichzeitig gefährlich.

Auch die Erweiterung der Welt hat mir gut gefallen. Neue Wesen, neue Fähigkeiten, neue Konflikte – die Vielfalt an „Monstern“ ist wirklich spannend und sorgt dafür, dass es nie langweilig wird.

Besonders hervorheben möchte ich die Charakterentwicklung.

Graves, Lorcan, Gen und Ethan gewinnen in diesem Band deutlich an Tiefe, werden greifbarer, vielschichtiger. Ihre Beziehungen untereinander entwickeln sich weiter, und gerade diese sich langsam formende Found Family-Dynamik mochte ich sehr.

Mit Kierse hatte ich diesmal allerdings ein etwas zwiegespaltenes Verhältnis.

Ich begleite sie immer noch gerne, aber stellenweise fand ich sie etwas anstrengend. Manche Entscheidungen wirkten auf mich unüberlegt oder sogar irreführend, was es mir nicht immer leicht gemacht hat, komplett mit ihr mitzugehen.

Mein größter Kritikpunkt ist aber tatsächlich die Länge des Buches.

Die Handlung ist in mehrere Abschnitte unterteilt, die sich jeweils auf bestimmte Ziele konzentrieren – in diesem Band vor allem auf die Planung und Durchführung eines größeren Coups. Grundsätzlich eine super spannende Idee, aber die Umsetzung zieht sich stellenweise doch sehr.

Viele Nebenstränge, lange Dialoge, ausführliche Beschreibungen – all das führt dazu, dass das Tempo zwischendurch deutlich abfällt. Ich hatte tatsächlich Momente, in denen ich weniger Lust hatte weiterzulesen, was ich bei Band 1 so gar nicht hatte.

Wie so oft kommt dann im letzten Drittel wieder die Wende.

Plötzlich zieht die Spannung an, Ereignisse überschlagen sich und einige Entwicklungen konnten mich wirklich überraschen. Dieses Finale hat nochmal einiges rausgerissen und mich definitiv neugierig auf den nächsten Band gemacht.

Trotzdem bleibt dieses typische Gefühl eines „Zwischenbandes“ – gerade bei Reihen mit mehreren Teilen merkt man hier einfach, dass viel aufgebaut wird.

„The Robin on the Oak Throne – Der Fluch des Rotkehlchens“ ist eine solide Fortsetzung mit einer spannenden Welt, starken Figuren und einem richtig guten Setting – aber auch mit einigen Längen, die das Leseerlebnis etwas ausbremsen.

Ich bin weiterhin neugierig, wie sich die Geschichte entwickelt, auch wenn mich die Anzahl der kommenden Bände ein kleines bisschen abschreckt.

Für mich sind es 3,5 von 5 Sternen ⭐️ – und eine Empfehlung für alle, die Band 1 mochten und Urban Fantasy mit komplexer Welt und Found Family lieben.


„Der Fährmann“

Nachdem mir „Die Schwarzgeherin“ von Regina Denk schon so gut gefallen hatte, war für mich klar: Dieses Buch muss ich lesen.

Und manchmal gibt es diese Geschichten, bei denen man schon nach wenigen Seiten merkt, dass sie einen nicht mehr loslassen werden. „Der Fährmann“ ist genau so ein Buch.

Wir begleiten die Geschichte über viele Jahre hinweg – beginnend im Jahr 1894, als alles noch leichter scheint, als die Figuren noch Kinder sind und das Leben vor ihnen liegt. Doch schon früh liegt eine gewisse Schwere über allem, die sich im Laufe der Zeit immer weiter verdichtet.

Im Zentrum stehen Hannes, Elisabeth, Josef und Annemarie – vier junge Menschen, deren Leben untrennbar miteinander verbunden ist. Und doch stehen sie von Anfang an unter einem Stern, der nichts Gutes verheißt.

Hannes ist Fährmann. Ein Beruf, der nicht nur gefährlich ist, sondern auch mit einem strengen Brauch verbunden: Er darf keine Familie gründen, keine Frau heiraten, um im Falle seines Todes niemanden schutzlos zurückzulassen. Und doch gehört sein Herz längst Elisabeth.

Elisabeth wiederum ist Josef versprochen – nicht aus Liebe, sondern aus Pflicht. Eine Entscheidung, die nicht nur sie selbst betrifft, sondern auch Annemarie, ihre beste Freundin, die sich ebenfalls Hoffnungen gemacht hatte.

Schon hier beginnt ein Geflecht aus Gefühlen, aus unausgesprochenen Wünschen, aus Neid, Liebe und Enttäuschung – und man spürt sofort: Das kann nicht gut gehen.

Was Regina Denk hier erschafft, ist mehr als nur eine Geschichte. Es ist eine Atmosphäre.

Die beiden Orte Hohenwart und Siegering, getrennt durch die Salzach und doch durch den Fährmann verbunden, wirken so lebendig, als würde man selbst dort stehen. Man spürt die Enge dieser Gemeinschaft, die Abhängigkeiten, die unausgesprochenen Regeln, nach denen alle leben.

Und dann kommt der Krieg.

Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs verändert sich alles. Was vorher schon angespannt war, wird endgültig zerrissen. Nationalismus, Gewalt, Misstrauen – all das frisst sich in die Gemeinschaft hinein und lässt nichts mehr so, wie es einmal war.

Besonders eindringlich fand ich die Darstellung der Figuren.

Die Perspektivwechsel zwischen Hannes, Elisabeth, Annemarie und Josef geben der Geschichte eine unglaubliche Tiefe. Man versteht ihre Beweggründe, ihre Ängste, ihre Fehler – auch wenn man sie nicht immer nachvollziehen kann.

Hannes ist dabei für mich der emotionale Anker.

Ein ruhiger, beständiger Charakter, der versucht, für die anderen da zu sein, selbst wenn er selbst daran zerbricht. Seine Stärke liegt gerade in seiner Zurückhaltung, in dem, was er nicht sagt.

Elisabeths Leben auf dem Steiner-Hof hingegen ist geprägt von Unterdrückung. Der alte Steiner bestimmt alles, Josef steht ihm in nichts nach. Ihre Stimme zählt nicht, ihre Wünsche spielen keine Rolle.

Und genau hier zeigt sich eine der größten Stärken dieses Buches: Die schonungslose Darstellung der damaligen Gesellschaft.

Die Rolle der Frauen, die Abhängigkeit, das Patriarchat – all das wird nicht beschönigt. Es ist hart, oft schwer zu ertragen, und genau deshalb so eindringlich. Man liest Szenen, die weh tun, die wütend machen, die einen sprachlos zurücklassen.

Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – entwickelt die Geschichte eine unglaubliche Sogwirkung.

Man kann nicht aufhören zu lesen. Kapitel für Kapitel zieht einen tiefer hinein, selbst dann, wenn man merkt, dass es immer schlimmer wird.

Denn genau das ist es: Wenn man denkt, es kann nicht mehr schlimmer kommen – kommt es doch.

Und irgendwo dazwischen gibt es sie trotzdem: diese kleinen, leisen Momente. Augenblicke von Nähe, von Hoffnung, von Menschlichkeit. Sie sind selten, fast zerbrechlich – aber gerade deshalb so wertvoll.

Der Fährmann“ ist kein leichtes Buch.

Es ist düster, aufwühlend und stellenweise kaum auszuhalten. Aber es ist auch unglaublich kraftvoll, atmosphärisch dicht und sprachlich wunderschön erzählt.

Ein historischer Roman, der nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern eine ganze Welt lebendig macht – mit all ihren Schattenseiten.

Für mich ist es eine klare Empfehlung.

Ein Buch, das nachhallt.

Ein Buch, das man nicht einfach wieder vergisst.


„Dire Bound: Hast du das Herz eines Wolfs?“ von Sable Sorensen

Manche Bücher kündigen sich schon lange vorher an. Sie tauchen immer wieder auf, bleiben im Kopf hängen, werden immer wieder verschoben – und irgendwann ist dieser Moment da, in dem man denkt: Jetzt.

Genau so ging es mir mit „Dire Bound: Hast du das Herz eines Wolfs?“ von Sable Sorensen. Ich habe wirklich darauf hingefiebert. Und seien wir ehrlich: Ein Buch mit Wölfen? Da bin ich sowieso sofort dabei.

Drachen sind schon faszinierend, keine Frage. Aber Wölfe haben für mich nochmal eine ganz eigene Magie. Dieses Rudelgefühl, diese Verbindung, dieses Instinktive – das hat einfach etwas, das mich sofort anspricht. Und genau deshalb waren meine Erwartungen an dieses Buch entsprechend hoch.

Schon optisch ist Dire Bound ein absolutes Highlight. So ein Buch, das man in die Hand nimmt und sofort weiß: Das will ich lesen. Aber zum Glück bleibt es hier nicht nur bei der schönen Hülle.

Die Geschichte rund um Meryn Cooper beginnt stark. Sie lebt in den ärmeren Vierteln, geprägt von einem Leben voller Entbehrungen, während die sogenannte Elite – die Gebundenen – im Überfluss lebt. Menschen, die durch ein mentales Band mit mächtigen Schattenwölfen verbunden sind und dadurch nahezu unantastbar wirken. Kein Wunder also, dass Meryn genau diese Menschen verachtet.

Doch dann wird ihre kleine Schwester entführt – und plötzlich spielt all das keine Rolle mehr.

Um sie zu retten, trifft Meryn eine Entscheidung, die ihr gesamtes Leben verändert: Sie meldet sich freiwillig für die Armee. Und landet genau dort, wo sie nie sein wollte – mitten unter den Gebundenen.

Ab diesem Moment beginnt eine Geschichte, die viel Potenzial hat und immer wieder zeigt, wie spannend diese Welt eigentlich ist. Die Auswahlprüfungen, die Ausbildung, die Dynamik innerhalb der Rudel – all das hat mir wirklich gut gefallen. Auch wenn ich bei manchen Prüfungen ehrlich gesagt ein bisschen gezweifelt habe, wie sinnvoll sie sind, haben sie der Geschichte dennoch eine gewisse Intensität gegeben.

Was mich besonders abgeholt hat, war dieser starke Kontrast zwischen Arm und Reich. Meryns Perspektive macht diesen Unterschied greifbar. Ihr Staunen, ihre Irritation, ihr Unverständnis gegenüber dem Luxus und den Strukturen der Gebundenen – all das wirkt authentisch und sorgt dafür, dass man sich sehr gut in sie hineinversetzen kann.

Auch ihre ersten Erfahrungen mit Freundschaft mochte ich sehr. Kleine Momente, die zeigen, dass sie sich langsam öffnet, dass sie beginnt, Vertrauen aufzubauen – etwas, das ihr vorher nie wirklich möglich war.

Und dann sind da natürlich die Wölfe.

Das Konzept der Bindung, die Rudelstruktur, die Dynamiken – das hat mich wirklich fasziniert. Gerade deshalb hat es mich ein wenig enttäuscht, dass ausgerechnet die Beziehung zwischen Meryn und ihrer Schattenwölfin Anassa über weite Strecken eher oberflächlich bleibt.

Denn genau hier hätte für mich das emotionale Herz der Geschichte liegen können.

Stattdessen wirkt ihre Verbindung lange Zeit distanziert. Fast wie ein Zweckbündnis. Gespräche verlaufen im Kreis, Vertrauen entsteht nur sehr langsam – und oft hatte ich das Gefühl, dass hier viel mehr möglich gewesen wäre. Erst gegen Ende bekommt diese Beziehung mehr Gewicht, aber bis dahin hätte ich mir deutlich mehr Entwicklung gewünscht.

Ähnlich ging es mir mit Stark Therion.

Ein Charakter, der von Anfang an eine gewisse Präsenz hat, der wichtig wirkt – und trotzdem bleibt er lange Zeit schwer greifbar. Meryns Sicht auf ihn ist geprägt von Misstrauen und Ablehnung, und auch als Leser bekommt man zunächst nicht viel mehr als dieses Bild. Erst spät öffnet sich hier ein wenig Raum für mehr Tiefe.

Was die romantischen Elemente angeht, war ich ebenfalls etwas zwiegespalten. Für eine Romantasy war mir die emotionale Entwicklung in diesem ersten Band fast zu zurückhaltend – gleichzeitig nehmen die spicy Szenen einen recht präsenten Raum ein. Das hat für mich nicht immer ganz zusammengepasst.

Auch Meryn selbst hat mich im Verlauf ein wenig verloren.

Zu Beginn mochte ich sie wirklich sehr – ihre Stärke, ihre Entschlossenheit, ihre klare Haltung. Doch im Laufe der Geschichte entwickelt sie sich in eine Richtung, die man aus vielen Büchern kennt: impulsiv, manchmal leichtgläubig, trifft Entscheidungen, die nicht immer nachvollziehbar sind. Das hat mich stellenweise etwas frustriert.

Das Pacing war insgesamt in Ordnung, auch wenn sich die zweite Hälfte stellenweise etwas gezogen hat. Viele Entwicklungen waren vorhersehbar, große Überraschungen blieben eher aus. Und trotzdem – ich war nie wirklich gelangweilt. Dafür ist die Welt einfach zu interessant.

Das Bonuskapitel aus Starks Sicht war ein netter Abschluss, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass wir diese Perspektive vielleicht schon früher bekommen hätten. Es hätte der Geschichte definitiv gutgetan.

Und jetzt bleibt die wichtigste Frage:

Hat mir das Buch gefallen?

Ja.

Trotz aller Kritikpunkte hatte ich wirklich gute Lesestunden. Die Welt hat mich neugierig gemacht, die Grundidee hat mich überzeugt und ich sehe ganz klar das Potenzial, das in dieser Reihe steckt.

Ich glaube, das ist genau so ein Buch, bei dem der erste Band vor allem den Grundstein legt – und ich bin sehr gespannt, wie sich alles weiterentwickelt.

Dire Bound ist eine spannende, atmosphärische Romantasy mit einer starken Grundidee, faszinierenden Wolfskonzepten und viel Potenzial – auch wenn es in der Umsetzung noch Luft nach oben gibt.

Für mich sind es 4 von 5 Sternen ⭐️ – und ja, ich werde definitiv weiterlesen.