„Tief“ von Rebekka Moser

Es gibt Bücher, die spannend sind. Bücher, die einen gut unterhalten, einen fesseln oder überraschen. Und dann gibt es Bücher, die etwas ganz anderes mit einem machen. Bücher, die nicht einfach nur gelesen werden, sondern sich irgendwo festsetzen. Die nachhallen. Die wehtun. Genau so ein Buch war „Tief“ von Rebekka Moser für mich.

Und ehrlich gesagt fällt es mir schwer, die richtigen Worte dafür zu finden.

Als ich den Thriller begonnen habe, dachte ich zunächst, mich würde einfach ein atmosphärischer Bodensee-Thriller erwarten. Ein spannender Fall, düstere Stimmung, Ermittlungen – all das eben, was ich an Thrillern normalerweise liebe.

Was ich stattdessen bekommen habe, war eine Geschichte, die mich emotional völlig überrollt hat.

Schon der Titel passt erschreckend gut zu diesem Buch. „Tief“ beschreibt nicht nur den Bodensee oder die Verbrechen, sondern vor allem die emotionale Wucht der Geschichte. Denn alles daran geht tiefer, als man zunächst erwartet.

Die Handlung beginnt mit einem grausamen Leichenfund am Bodensee. Ein Mann wurde ermordet und auf seinem Körper befindet sich eine verstörende Botschaft. Doch schnell wird klar, dass hinter diesem Fall viel mehr steckt als ein klassischer Thrillerplot.

Die Ermittlungen führen immer weiter hinein in Themen wie Flucht, Abschiebung, Radikalisierung, Verlust, Menschlichkeit und die Frage, wann ein Mensch an den Punkt kommt, an dem er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

Und genau das macht dieses Buch so besonders.

Es geht hier nicht nur um das Wer, sondern vor allem um das Warum.

Rebekka Moser erzählt diese Geschichte dabei mit einer sprachlichen Intensität, die mich wirklich beeindruckt hat. Selten habe ich einen Thriller gelesen, der gleichzeitig so brutal ehrlich und gleichzeitig so unglaublich feinfühlig geschrieben ist.

Die Autorin scheut sich nicht davor, weh zu tun.

Und genau deshalb funktioniert dieses Buch so gut.

Es gibt Szenen und Gedanken, die mich während des Lesens regelrecht getroffen haben. Immer wieder musste ich innehalten, weil bestimmte Themen oder Schicksale einfach unglaublich schwer auszuhalten waren.

Besonders die Passagen rund um Flucht und menschliche Verzweiflung gingen mir extrem nah. Nicht, weil das Buch moralisch belehren will – sondern weil es zeigt. Weil es Menschen sichtbar macht. Weil es Perspektiven öffnet.

Und genau das fand ich so stark.

Die Geschichte arbeitet dabei mit mehreren Zeitebenen, die sich nach und nach miteinander verweben. Anfangs wirkt vieles noch lose, fast fragmentiert – doch je weiter die Handlung voranschreitet, desto deutlicher erkennt man die Zusammenhänge.

Dabei entsteht nach und nach ein Gesamtbild, das emotional unglaublich intensiv ist.

Was mir besonders gefallen hat, ist, dass das Buch keine einfachen Antworten liefert. Es zwingt einen als Leser regelrecht dazu, die eigenen moralischen Vorstellungen zu hinterfragen.

Wann wird ein Mensch zum Täter?
Wie entstehen radikale Gedanken?
Wie viel Schuld trägt jemand wirklich?
Und wie oft schauen wir weg, obwohl wir eigentlich genauer hinschauen müssten?

Genau diese Fragen ziehen sich durch die gesamte Geschichte.

Die Figuren selbst tragen enorm viel zur Wirkung des Buches bei. Niemand wirkt glatt oder perfekt. Selbst die Ermittler haben Ecken, Kanten und teilweise Einstellungen, die unbequem sind. Aber genau dadurch wirken sie authentisch.

Sie spiegeln eine Gesellschaft wider, die voller Widersprüche ist.

Auch die Spannung kommt dabei keineswegs zu kurz. Trotz der emotionalen und gesellschaftskritischen Themen bleibt „Tief“ ein unglaublich packender Thriller. Die Geschichte entwickelt konstant Sogwirkung und ich wusste nie, was mich auf der nächsten Seite erwartet.

Besonders gelungen fand ich, dass nicht die reine Täterfrage im Mittelpunkt steht, sondern die Hintergründe und Beweggründe der Taten. Genau das macht die Geschichte so viel intensiver als viele klassische Thriller.

Gleichzeitig muss man aber auch sagen: Dieses Buch ist keine leichte Lektüre.

Die behandelten Themen sind hart, teilweise erschütternd und emotional belastend. Für empfindliche Leser wäre eine Triggerwarnung definitiv sinnvoll gewesen. Gerade bestimmte Szenen und Schicksale gehen extrem unter die Haut.

Und trotzdem halte ich genau solche Bücher für unglaublich wichtig.

Weil sie unbequem sind.

Weil sie zum Nachdenken anregen.
Weil sie nicht einfach nur unterhalten, sondern etwas auslösen.

Für mich war „Tief“ deshalb weit mehr als nur ein Thriller. Es war ein Buch, das mich emotional erschöpft, bewegt und gleichzeitig unglaublich beeindruckt zurückgelassen hat.

Ein Roman voller Schmerz, Menschlichkeit, Wut und der wichtigen Erinnerung daran, dass wir nicht wegschauen dürfen.

Für mich ein Meisterwerk an Atmosphäre, Tiefe und emotionaler Wucht.

4,5 von 5 Sternen ⭐️


„Dungeon Crawler Carl“ von Matt Dinniman

Es gibt Bücher, bei denen man schon nach wenigen Seiten merkt, dass hier gerade kompletter Wahnsinn passiert – und zwar genau die gute Sorte Wahnsinn. „Dungeon Crawler Carl“ von Matt Dinniman war für mich genau so ein Fall.

Und ehrlich?
Ich hatte keine Ahnung, worauf ich mich da eigentlich eingelassen habe.

Der Klappentext klingt schon völlig drüber: Aliens übernehmen die Erde, die Menschheit wird in eine sadistische Reality-Show gezwungen und plötzlich muss ein Typ in Boxershorts gemeinsam mit einer Showkatze ums Überleben kämpfen.

Klingt absurd?

Ist es auch.
Aber genau das macht dieses Buch so genial.

Die Grundidee ist komplett irre – irgendwo zwischen Die Tribute von Panem, einem völlig eskalierten Videospiel und einer Gameshow, bei der niemand jemals die Sicherheitsbestimmungen gelesen hat. Die Erde wird buchstäblich zu einem Dungeon umgebaut und die Überlebenden müssen sich Level für Level durchkämpfen, während ein intergalaktisches Publikum dabei zusieht wie bei einer gigantischen Streaming-Show.

Und mitten in diesem Chaos stehen Carl und Princess Donut.

Ganz ehrlich: Princess Donut ist jetzt schon eine Legende.

Diese Katze hat mehr Persönlichkeit als manche komplette Fantasy-Casts. Diva, Showstar, Chaosmaschine – und gleichzeitig überraschend clever. Die Dynamik zwischen ihr und Carl war für mich definitiv eines der Highlights des Buches.

Überhaupt lebt die Geschichte unglaublich stark von ihren Figuren. Carl wirkt dabei angenehm bodenständig für jemanden, dessen Leben innerhalb weniger Stunden komplett eskaliert. Er reagiert nicht wie der typische übermächtige Held, sondern oft genauso überfordert und genervt, wie man es selbst vermutlich wäre.

Und genau dadurch funktioniert der Humor so gut.

Denn dieses Buch ist unfassbar witzig.

Nicht nur gelegentlich schmunzeln-witzig, sondern wirklich absurd-chaotisch-lachend-vor-dem-Buch-sitzend-witzig. Explodierende Goblins, drogendealende Lamas, komplett kaputte Spielmechaniken und ein System, das ständig versucht, alles noch schlimmer zu machen.

Aber – und das ist der Punkt, der mich wirklich überrascht hat – hinter all diesem Chaos steckt deutlich mehr Substanz, als ich erwartet hätte.

Denn Dungeon Crawler Carl ist nicht einfach nur „Haha, Gamer-Humor“. Hinter dem Wahnsinn steckt eine ziemlich bissige Gesellschaftskritik. Diese ganze intergalaktische Unterhaltungsshow fühlt sich an wie eine völlig eskalierte Version unserer eigenen Medienwelt, in der Einschaltquoten wichtiger sind als Menschenleben.

Und genau dadurch bekommen viele Szenen plötzlich eine ganz andere Wirkung.

Die Action selbst macht dabei unglaublich viel Spaß. Die Kämpfe sind kreativ, brutal und komplett unvorhersehbar. Gleichzeitig schaffen es die Spielmechaniken tatsächlich, sich wie ein echtes Game anzufühlen, ohne dass das Buch jemals trocken oder übertechnisch wird.

Gerade das fand ich beeindruckend.

Oft verlieren LitRPGs mich irgendwann mit endlosen Skilllisten oder Erklärungen. Hier dagegen bleibt alles dynamisch und unterhaltsam. Man versteht die Mechaniken, ohne dass sie den Lesefluss zerstören.

Und dann ist da dieses Tempo.

Dieses Buch kennt gefühlt keine Pause. Ständig passiert irgendetwas Neues, ständig eskaliert die Situation weiter und ständig denkt man sich: Okay, nur noch ein Kapitel.

Spoiler:
Es bleibt natürlich nie bei einem Kapitel.

Trotz des Humors funktionieren aber auch die emotionalen Momente überraschend gut. Hinter all der Action steht immer das Gefühl, dass echte Konsequenzen existieren. Dass Figuren tatsächlich verlieren können. Dass dieses System grausam ist.

Und genau deshalb fiebert man irgendwann viel stärker mit, als man anfangs erwartet hätte.

Natürlich lebt das Buch stark von seinem überdrehten Stil. Wer mit Gaming-Humor, absurden Situationen oder völlig eskalierenden Geschichten nichts anfangen kann, wird hier wahrscheinlich nicht glücklich. Aber wenn man sich darauf einlässt, bekommt man eine der unterhaltsamsten Fantasy/Sci-Fi-Mischungen, die ich seit Langem gelesen habe.

Und ja… natürlich endet das Ganze genau so, dass man sofort Band zwei braucht.

Zum Glück existieren schon mehrere Teile, denn ich bin definitiv noch nicht fertig mit diesem komplett verrückten Dungeon.

Für mich ein herrlich chaotischer, brutaler und überraschend cleverer Genre-Mix mit extrem hohem Suchtfaktor.

4,5 von 5 Sternen ⭐️


„Kiss of the Broken“ von Julia Pauss

Manchmal gibt es Reihen, bei denen man nach dem ersten Band sofort weiß: Wenn ich hier nicht direkt weiterlesen kann, werde ich leiden. 😅 Genau so ging es mir nach dem Cliffhanger von „Kiss of the Broken“ von Julia Pauss. Und zum Glück hat der zweite Band genau dort weitergemacht, wo mein Nervenzusammenbruch ungefähr begonnen hat.

Schon der Einstieg gelingt unglaublich gut, weil man ohne lange Umwege direkt wieder mitten im Chaos steckt. Die Situation hat sich zugespitzt, die Dämonen haben triumphiert und Scarlett befindet sich plötzlich in einem erbarmungslosen Überlebenskampf hinter feindlichen Linien.

Und genau das merkt man der gesamten Geschichte an: Alles wirkt düsterer. Härter. Hoffnungsloser.

Während der erste Band noch stärker von dieser verbotenen Spannung und dem langsamen Aufbau der Beziehung gelebt hat, fühlt sich die Fortsetzung deutlich intensiver und emotional schwerer an. Die Atmosphäre ist fast durchgehend bedrückend und genau das passt perfekt zur Entwicklung der Handlung.

Besonders gefallen hat mir, dass das Worldbuilding in diesem Band noch einmal deutlich erweitert wird. Während wir zuvor hauptsächlich die Welt der Menschen kennengelernt haben, öffnet sich die Geschichte jetzt viel stärker in Richtung Tenebria und damit auch in die Welt der Dämonen.

Und ganz ehrlich?
Das war für mich eines der Highlights.

Diese düstere, brutale Welt bringt nochmal eine ganz andere Stimmung in die Geschichte. Man merkt deutlich, wie gefährlich alles geworden ist und dass hier längst nicht mehr nur persönliche Konflikte im Mittelpunkt stehen, sondern das Schicksal eines gesamten Königreichs.

Dabei schafft Julia Pauss es wieder sehr gut, Atmosphäre aufzubauen. Der Schreibstil ist flüssig, intensiv und unglaublich leicht zu lesen. Gerade emotionale Szenen wirken sehr bildhaft und ziehen einen schnell in die Geschichte hinein.

Allerdings hatte ich bei manchen Aspekten des Worldbuildings auch kleinere Schwierigkeiten. Besonders die verschiedenen Dämonenarten fand ich zwar spannend, aber nicht immer leicht greifbar. Teilweise hätte ich mir hier noch klarere Beschreibungen gewünscht, um mir alles besser vorstellen zu können.

Auch das Magiesystem rückt stärker in den Fokus und genau da gab es für mich Momente, in denen ich mir etwas mehr Erklärung gewünscht hätte. Die Grundideen fand ich richtig spannend, aber manche Abläufe blieben für mich eher vage.

Trotzdem hat mich die Geschichte emotional absolut abgeholt – vor allem wegen der Figuren.

Scarlett und Ren bleiben weiterhin das Herz der Reihe. Ihre Verbindung ist intensiv, kompliziert und ständig von Gefahr überschattet. Besonders Rens innerer Konflikt wurde für mich unglaublich gut dargestellt. Diese Mischung aus Wut, Enttäuschung, Schuld und Gefühlen sorgt dafür, dass er nie eindimensional wirkt.

Allerdings verändert sich die Dynamik zwischen den beiden im Vergleich zum ersten Band spürbar.

Während sie dort fast dauerhaft gemeinsam unterwegs waren und man jede Entwicklung direkt miterleben konnte, werden sie hier zeitweise getrennt. Dadurch verschiebt sich der Fokus etwas stärker auf die Gesamtgeschichte und die Nebenfiguren.

Das hat der Welt zwar mehr Tiefe gegeben, gleichzeitig fehlte mir dadurch stellenweise genau diese intensive Nähe zwischen Ren und Scarlett, die ich im Auftakt besonders geliebt habe.

Auch die romantischen Szenen sind deutlich intensiver geworden. Atmosphärisch kann die Autorin das wirklich unglaublich gut schreiben – emotional, düster und voller Spannung. Für meinen persönlichen Geschmack waren es allerdings an manchen Stellen fast etwas zu viele Szenen dieser Art, besonders wenn sie mitten in sehr angespannten Situationen auftauchten.

Was mir im ersten Band besonders gefallen hatte, war dieses langsame Annähern, dieses vorsichtige Entwickeln von Vertrauen. Genau dieser Aspekt tritt hier etwas stärker in den Hintergrund.

Spannend bleibt die Geschichte trotzdem durchgehend. Vielleicht gab es weniger große Überraschungen und schockierende Wendungen als im ersten Band, aber dafür funktioniert das Buch viel stärker über Atmosphäre, Emotionen und die Entwicklung der Figuren.

Und gerade gegen Ende zieht die Geschichte nochmal richtig an.

Ein neuer Handlungsstrang rund um Scarlett hat mich emotional komplett abgeholt und dafür gesorgt, dass ich das Buch kaum noch aus der Hand legen konnte.

Das Finale selbst fand ich dann wirklich gelungen. Die Geschichte bekommt einen runden Abschluss, ohne überhastet zu wirken. Man merkt, dass sich die Autorin Zeit genommen hat, die Handlung sauber zu Ende zu führen und den Figuren Raum zu geben.

Und genau so wünsche ich mir ein Finale.

Für mich ist „Kiss of the Broken“ ein würdiger Abschluss der Dilogie. Vielleicht hat mich der Auftakt emotional noch ein kleines bisschen stärker gepackt, aber die Fortsetzung überzeugt mit intensiver Atmosphäre, düsterem Worldbuilding und Figuren, die einen bis zum Ende mitfiebern lassen.

Starke 4 von 5 Sternen ⭐️
Und definitiv eine Reihe, die besonders Fans düsterer Romantasy begeistern dürfte.


„The Wolf King“ von Lauren Palphreyman

Werwolf-Romantasy klingt für mich erst einmal nach genau der Art Geschichte, die mich eigentlich ziemlich schnell abholen kann: düstere Atmosphäre, gefährliche Dynamiken, verbotene Gefühle und politische Spannungen zwischen zwei Welten. Genau deshalb war ich unglaublich neugierig auf „The Wolf King“ von Lauren Palphreyman.

Und ich muss ehrlich sagen: Dieses Buch hat mich ziemlich zwiegespalten zurückgelassen.

Dabei fing alles wirklich stark an.

Der Einstieg schafft sofort Atmosphäre. Eine Prinzessin, die sich nach Freiheit sehnt, eine arrangierte Ehe, ein gefährlicher Alpha und ein drohender Krieg zwischen Menschen und Werwolf-Clans – das bringt direkt Spannung mit. Auch das Setting funktioniert anfangs richtig gut. Diese wilde, bedrohliche Welt der Wölfe wirkt düster und reizvoll zugleich, während gleichzeitig ständig das Gefühl mitschwingt, dass die Situation jederzeit eskalieren könnte.

Besonders der Anfang hatte genau dieses Tempo und diese Spannung, die mich sofort weiterlesen lassen wollten.

Auch der Schreibstil hat mir grundsätzlich gut gefallen. Das Buch liest sich sehr flüssig, angenehm und schnell weg. Gerade atmosphärische Szenen oder emotionale Momente funktionieren sprachlich oft wirklich gut.

Und optisch muss man einfach sagen: Das Buch ist ein absoluter Hingucker. Die Gestaltung, das Hardcover, die Veredelung – all das macht schon etwas her und sorgt definitiv dafür, dass man das Buch gerne in die Hand nimmt.

Allerdings begann die Geschichte für mich mit fortschreitender Handlung immer mehr an Substanz zu verlieren.

Mein größter Kritikpunkt war dabei tatsächlich Aurora.

Anfangs wirkt sie wie eine Figur mit Potenzial: jemand, der sich gegen Erwartungen und Kontrolle auflehnen möchte und nach einem selbstbestimmten Leben sucht. Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto widersprüchlicher empfand ich ihre Darstellung.

Sie wird immer wieder als stark und unabhängig beschrieben, handelt aber oft sehr inkonsequent. Entscheidungen oder klare Ablehnung verlieren teilweise innerhalb weniger Seiten wieder an Bedeutung, oft nur durch Überredung oder körperliche Anziehung. Dadurch verlor die Figur für mich zunehmend an Glaubwürdigkeit.

Und genau das war schade, weil ich das Gefühl hatte, dass hier eigentlich viel Potenzial für eine starke Entwicklung vorhanden gewesen wäre.

Auch die Dynamik zwischen Aurora und Callum konnte mich auf Dauer nicht vollständig überzeugen.

Anfangs mochte ich diese gefährliche Spannung zwischen ihnen durchaus. Gerade das langsame Annähern und die unterschwellige Anziehung funktionieren zunächst gut. Doch irgendwann reduziert sich die Beziehung für mein Empfinden zu stark auf erotische Spannung und körperliche Anziehung.

Andere zwischenmenschliche Ebenen – Vertrauen, echte emotionale Tiefe oder gemeinsame Entwicklung – geraten dadurch teilweise in den Hintergrund.

Besonders problematisch fand ich einige Macht- und Konfliktdynamiken innerhalb der Beziehung. Emotionale Eskalationen werden immer wieder stark sexualisiert oder mit provozierenden Aussagen verbunden, was auf mich stellenweise eher konstruiert als natürlich wirkte.

Gerade bei Aurora hatte ich oft das Gefühl, dass bestimmte Reaktionen weniger ihrer Persönlichkeit entsprachen, sondern eher bewusst für zusätzliche Spannung oder Provokation eingebaut wurden.

Auch sprachlich gab es in diesen Szenen Momente, die mich etwas aus der Geschichte gerissen haben. Manche vulgären oder bewusst drastischen Formulierungen wirkten eher bemüht schockierend als organisch eingebunden. Dadurch ging für mich ein Teil der Atmosphäre verloren, die der Schreibstil an anderen Stellen eigentlich sehr gut aufbauen konnte.

Ein weiterer Punkt war für mich die Handlung selbst.

Nach dem starken Einstieg wurde vieles recht vorhersehbar. Einige Entwicklungen und Konflikte folgen bekannten Mustern, ohne wirklich neue Impulse zu setzen. Die Spannung, die anfangs sehr präsent war, verliert dadurch nach und nach an Wirkung.

Gerade das Setting rund um die Highlands und die Clans fand ich leider viel zu wenig ausgearbeitet. Dabei steckt darin eigentlich unglaublich viel Potenzial. Die Welt wirkt oft eher wie eine Kulisse, obwohl sie so viel mehr hätte sein können. Ich hätte wahnsinnig gerne mehr über die Geschichte der Werwolf-Clans erfahren, über ihre Strukturen, ihre Traditionen und die Hintergründe dieser Welt.

Auch die Werwolf-Thematik selbst bleibt für mich stellenweise zu oberflächlich. Da wäre definitiv noch Raum gewesen, die Lore deutlich tiefer und atmosphärischer auszubauen.

Und genau deshalb hatte ich immer wieder das Gefühl, dass hier vieles eher angerissen als wirklich ausgearbeitet wurde.

Trotz aller Kritik hatte das Buch aber definitiv seine starken Seiten. Der Einstieg funktioniert, die Atmosphäre ist stellenweise wirklich gelungen und der Schreibstil sorgt dafür, dass man schnell durch die Geschichte kommt.

Für mich bleibt „The Wolf King“ deshalb ein Buch mit viel Potenzial, das mich anfangs deutlich stärker überzeugen konnte als im späteren Verlauf.

Ein optisch wunderschöner Romantasy-Auftakt mit spannender Grundidee und atmosphärischem Einstieg, der für mich jedoch zunehmend an Tiefe verloren hat.

Trotzdem bin ich neugierig, was Band zwei noch aus der Geschichte herausholt.

3 von 5 Sternen ⭐️


„Meine tote Schwester“

Es gibt Autorinnen, bei denen ich inzwischen gar nicht mehr lange überlegen muss, ob ich ein neues Buch lesen möchte. Sobald ein neuer Thriller erscheint, wandert er automatisch auf meine Liste – einfach, weil ich inzwischen weiß, dass mich ihre Geschichten zuverlässig packen werden. Genau so ist es für mich mittlerweile bei Catherine Shepherd.

Mit „Meine tote Schwester“ hat sie wieder genau das geliefert, was ich mir von einem guten Psychothriller wünsche: Spannung, Geheimnisse, atmosphärische Gänsehaut und diese Art von Geschichte, bei der man ständig denkt, man hätte endlich alles verstanden – nur um wenige Seiten später wieder komplett an den eigenen Theorien zu zweifeln.

Schon die Ausgangssituation hat mich sofort abgeholt.
Ein verlassenes Haus. Eine tote Schwester. Elf Jahre alte Geheimnisse. Und dann zieht plötzlich ein neuer Nachbar ein, über den erschreckende Gerüchte kursieren.

Allein diese Kombination sorgt direkt für diese unterschwellige Spannung, die sich durch das gesamte Buch zieht. Zwischen Mias Fenster und der alten Villa liegen gerade einmal dreißig Meter – und trotzdem wirkt das Haus wie eine völlig andere Welt. Ein Ort voller Erinnerungen, Ängste und ungeklärter Fragen.

Besonders gelungen fand ich dabei die Atmosphäre. Catherine Shepherd schafft es unglaublich gut, dieses bedrückende Gefühl aufzubauen, dass hinter jeder Kleinigkeit mehr steckt. Das Haus selbst wird fast zu einer eigenen Figur innerhalb der Geschichte. Still, verlassen und gleichzeitig voller Geheimnisse.

Und genau diese Fragen treiben die Handlung konstant voran.

Was ist damals mit Jasmin passiert?
Warum stand das Haus so lange leer?
Und vor allem: Wer ist Lukas wirklich?

Mia als Protagonistin mochte ich dabei wirklich gern. Anfangs wirkt sie eher ruhig und zurückhaltend, fast unsicher. Doch je mehr sich die Ereignisse zuspitzen, desto deutlicher zeigt sich, dass deutlich mehr Stärke in ihr steckt, als sie selbst glaubt.

Gerade ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte fand ich sehr gelungen. Sie beginnt, Dinge zu hinterfragen, selbst nach Antworten zu suchen und sich nicht einfach mit dem zufrieden zu geben, was andere ihr erzählen wollen.

Und dann ist da Lukas.

Ganz ehrlich?
Er ist genau die Art Figur, bei der man die ganze Zeit schwankt.

Sympathisch oder gefährlich?
Verletzlich oder manipulativ?
Opfer oder Täter?

Durch seine Vergangenheit und die Gerüchte, die ihn begleiten, bleibt ständig dieses Misstrauen bestehen. Gleichzeitig schafft die Autorin es aber auch, ihn nahbar wirken zu lassen. Und genau diese Unsicherheit macht ihn als Figur so spannend.

Auch Nora, seine Mutter, bringt nochmal zusätzliche Dynamik in die Geschichte. Ihre Art, Lukas beschützen zu wollen, wirkt nachvollziehbar – gleichzeitig sorgt sie aber auch dafür, dass man sich ständig fragt, was sie vielleicht selbst verschweigt.

Besonders gut gefallen hat mir die Erzählweise mit den wechselnden Perspektiven. Dadurch bekommt man immer wieder neue Einblicke, entdeckt neue Hinweise und stellt seine bisherigen Vermutungen plötzlich wieder infrage.

Und genau das liebe ich an guten Thrillern.

Dieses permanente Miträtseln.

Dieses Gefühl, ständig kurz davor zu sein, die Wahrheit zu erkennen – und dann doch wieder überrascht zu werden.

Die Geschichte spielt dabei gekonnt mit falschen Fährten und Wendungen. Kaum dachte ich, ich hätte verstanden, wohin alles führt, kam der nächste Twist und hat wieder alles durcheinandergebracht.

Trotzdem wirkt die Handlung nie künstlich kompliziert. Alles fügt sich am Ende schlüssig zusammen und ergibt ein stimmiges Gesamtbild.

Ein kleiner Kritikpunkt bleibt für mich allerdings bestehen: Einige Nebenfiguren hätten für mein Gefühl einen runderen Abschluss verdient. Während die Hauptgeschichte sehr zufriedenstellend aufgelöst wird, bleiben bei manchen Figuren noch kleine offene Fragen zurück.

Das hat mein Leseerlebnis aber kaum geschmälert.

Denn insgesamt ist „Meine tote Schwester“ genau die Art Thriller, die ich unglaublich gerne lese: atmosphärisch, spannend und voller psychologischer Spannung, ohne dabei überladen zu wirken.

Ein Buch, das einen konstant im Ungewissen lässt und genau dadurch dafür sorgt, dass man immer weiterlesen möchte.

Für mich ganz klar starke 4 von 5 Sternen ⭐️

Und definitiv eine Empfehlung für alle, die Thriller mit düsterer Atmosphäre, Geheimnissen und vielen Wendungen lieben.