Beneath Cursed Stars 2: Between Broken Hearts“ von Lexi Ryan

Endlich ging es weiter. Und gleichzeitig wusste ich: Das hier ist schon das Ende.

Ich liebe ja dieses Gefühl, wenn eine Geschichte fortgesetzt wird, auf die man sehnsüchtig gewartet hat – und ich hasse es ein bisschen, wenn man weiß, dass man sich danach verabschieden muss. Genau so ging es mir mit „Beneath Cursed Stars 2: Between Broken Hearts“ von Lexi Ryan, dem epischen Finale des Romantasy-Spin-offs zur Court-of-Sun-Dilogie.

Schon Band eins hatte mich komplett abgeholt. Die Mischung aus Magie, Intrigen, starken Heldinnen und emotionalen Verstrickungen war für mich ein echtes Highlight. Entsprechend groß war meine Vorfreude – und vielleicht auch meine Erwartungshaltung.

In diesem zweiten Band stehen erneut Jasalyn und Felicity im Mittelpunkt. Zwei junge Frauen, zwei völlig unterschiedliche Kämpfe – und doch sind ihre Schicksale enger miteinander verknüpft, als es zunächst scheint.

Jasalyn erwacht in einem Albtraum, der keiner zu sein scheint. Immer wieder verliert sie die Kontrolle über ihren eigenen Körper. Momente verschwimmen, Erinnerungen sind lückenhaft, und die Angst wächst: Hat der totgeglaubte Schattenkönig Mordeus bereits Besitz von ihr ergriffen? Dieses Gefühl des Kontrollverlusts zieht sich wie ein dunkler Schatten durch ihre Kapitel. Dazu kommt, dass Kendrick – ausgerechnet Kendrick, ihr sicherer Hafen – sie belogen hat. Vertrauen, das einst selbstverständlich war, ist plötzlich brüchig. Und inmitten politischer Spannungen zwischen zwei Reichen bleibt kaum Zeit, sich zu sortieren.

Parallel dazu kämpfen wir an Felicitys Seite. Die Gestaltwandlerin, die sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich sie selbst sein zu dürfen. Doch ausgerechnet jetzt gerät sie immer tiefer in die Machtspiele von Elora – und damit gefährlich nah an ihre leibliche Familie. Eine Familie, die seit Jahren Jagd auf sie macht. Als Misha schließlich ihre Täuschung durchschaut, bricht auch hier ein wichtiger Halt weg. Felicity steht vor der Frage, ob sie bereit ist, alles zu riskieren, um endlich frei zu sein.

Was mir besonders gefallen hat, war die Entwicklung der beiden Protagonistinnen. Jasalyn ist innerlich zerrissen, traumatisiert, voller Zweifel – und doch spürt man ihren Willen, sich nicht unterkriegen zu lassen. Auch wenn ich zugeben muss: Ihr Verhalten hat mich zwischendurch herausgefordert. Manche Entscheidungen wirkten impulsiv, beinahe selbstsabotierend. Ich konnte ihr Trauma nachvollziehen, aber nicht immer ihre Reaktionen. Einige Konflikte fühlten sich dadurch unnötig kompliziert an.

Felicity hingegen hat mich emotional sehr berührt. Ihre Sehnsucht nach Identität, nach Zugehörigkeit, nach einem Ort, an dem sie einfach sie selbst sein darf – das ging mir nahe. Besonders ihre familiären Hintergründe wurden hier vertieft, und ich mochte, wie sich nach und nach die Puzzleteile zusammenfügten. Ihre Entwicklung war für mich einer der stärksten Aspekte des Buches.

Der Plot insgesamt konnte mich nicht durchgehend so fesseln wie im ersten Band. Es gab Passagen, in denen ich mir mehr Dynamik oder klarere Konfliktlinien gewünscht hätte. Doch irgendwann zog die Geschichte wieder an, die Fäden verdichteten sich, und plötzlich war ich wieder mittendrin.

Lexi Ryans Schreibstil ist erneut sehr emotional, atmosphärisch und flüssig. Die wechselnde Ich-Perspektive von Jasalyn und Felicity sorgt dafür, dass man beiden Handlungssträngen gleichermaßen nah kommt. Gerade die inneren Kämpfe werden dadurch intensiv und greifbar.

Und dann das Finale. Ohne zu spoilern: Es ist rund. Es gibt Wendungen, die überraschen. Antworten, die lange offen waren. Und einen Abschluss, der sich verdient anfühlt. Keine losen Enden, keine hastigen Lösungen – sondern ein stimmiger, emotionaler Ausklang.

Besonders die beiden Liebesgeschichten haben mir gefallen. Sie sind unterschiedlich, entwickeln sich glaubwürdig und tragen viel Herz in diese ohnehin schon gefühlsgeladene Geschichte. Vielleicht ist genau das auch der Kern dieses Buches: weniger epische Schlachten, mehr emotionale Entscheidungen. Weniger Spektakel, mehr innere Entwicklung.

Unterm Strich mochte ich Band eins einen Hauch mehr – er hatte für mich den stärkeren Sog. Aber dennoch habe ich dieses Finale sehr gerne gelesen. Vor allem wegen der Charakterentwicklung, der emotionalen Tiefe und der gelungenen Abrundung dieser Dilogie.

Für mich ein würdiger Abschluss mit kleinen Schwächen, aber viel Herz.

4/5 Sterne ⭐️


‚The Knight and the Moth’ von Rachel Gillig

Manchmal gibt es diese Autor:innen, die etwas mit einem machen. Die nicht einfach nur Geschichten erzählen, sondern einen verschlucken. Die eine Atmosphäre erschaffen, die sich wie Nebel um die Gedanken legt und selbst Tage später noch nicht ganz verschwunden ist. Rachel Gillig ist für mich genau so eine Autorin. Ihre Sprache ist eigen, fast poetisch, immer ein wenig düster und doch voller Gefühl. Und ich muss es zugeben: Mein inneres Buch-Alarm-System hat komplett versagt – ich habe diese Neuerscheinung einfach nicht mitbekommen. Wie konnte das passieren?

Wenn ihr ‚One Dark Window‘ und ‚Two Twisted Crowns’ geliebt habt, dann werdet ihr mit ‚The Knight and the Moth’ wieder genau dieses besondere Gefühl erleben. Dieses leise Frösteln. Dieses Ziehen im Herzen. Dieses „Nur noch ein Kapitel“, obwohl es längst nach Mitternacht ist.

Sybil Delling lebt seit neun Jahren in der Kathedrale von Aisling. Neun Jahre voller Rituale, Omen, Weissagungen. Sie trägt ihren Schleier, ihre Nummer, ihre Rolle – wie eine zweite Haut. Sie glaubt an das, was man ihr beigebracht hat. An die Zeichen der Götter. An die Ordnung der Kirche. Und doch spürt man von Anfang an diese leise Sehnsucht in ihr. Nach Nähe. Nach echter Zuneigung. Nach einem Leben außerhalb der kalten Mauern.

Als der Ritter Rodrick „Rory“ Myndacious auftaucht, gerät dieses sorgfältig errichtete Weltbild ins Wanken. Er glaubt nicht an ihre Visionen. Er begegnet ihr mit Skepsis, mit Spott – und doch mit einer Intensität, die Sybil aus dem Gleichgewicht bringt. Und als sie in seiner Zukunft ein Omen sieht, das selbst sie nicht deuten kann, beginnt etwas zu bröckeln. Nicht nur in ihrer Welt, sondern auch in ihrem Glauben.

Dann verschwinden ihre Schwestern. Eine nach der anderen. Und mit ihnen Sybils letzte Sicherheit.

Was ich an dieser Geschichte so liebe, ist die Entwicklung. Sybil ist keine Rebellin von Anfang an. Sie ist geprägt, indoktriniert, fest verwurzelt im System. Und genau deshalb ist ihr innerer Wandel so kraftvoll. Man spürt jede Unsicherheit, jeden Zweifel, jeden Schritt in Richtung Freiheit. Ihr Mut wächst nicht laut – er wächst still. Und gerade das macht ihn so stark.

Rory ist anfangs alles, was sie nicht braucht. Arrogant. Ketzerisch. Provokant. Und doch zeigt sich unter dieser rauen Oberfläche eine Loyalität, die mich überrascht hat. Seine Gefühle für Sybil sind nicht großspurig oder dramatisch inszeniert – sie liegen in Blicken, in kleinen Gesten, in Momenten des Schutzes. Diese leise Intensität zwischen den beiden hat mich mehr berührt als jede laute Liebeserklärung.

Und dann das Setting. Das Land Traum mit seinen fünf Weilern, die jeweils einem Omen unterstehen. Die Kirche als allgegenwärtige Macht. Die Äbtissin, die alles lenkt wie eine unsichtbare Hand. Es ist düster, gotisch, bedrückend – aber nie überladen. Rachel Gillig versteht es, Atmosphäre zu weben. Wie Spinnfäden, die man erst bemerkt, wenn man längst darin gefangen ist.

Auch die Nebenfiguren tragen die Geschichte. Die Schwestern, die Sybils Herz bilden. Maude, die Ritterin, die ihr zum ersten Mal echte Wärme schenkt. Der junge König, dessen Entwicklung schmerzlich zu beobachten ist. Und der Gargoyle – trocken, respektlos, überraschend weise. Er brachte genau die richtige Portion Leichtigkeit in all die Dunkelheit.

Die Spannung bleibt konstant. Durch die Weissagungen, die Reisen, die Jagd nach den Omen, die ständige Gefahr, entdeckt zu werden. Und dann dieses Ende. Dieser Cliffhanger. Er kam nicht leise. Er kam wie ein Schlag. Und ließ mich mit offenem Mund zurück.

The Knight and the Moth’ ist düster, emotional, intensiv. Eine Geschichte über Glauben und Manipulation. Über Mut und Selbstbestimmung. Über Liebe, die sich langsam entfaltet und dabei umso stärker wirkt.

Für mich ein absolutes Highlight.

5/5 Sterne – und ich warte jetzt schon sehnsüchtig auf Band zwei.


Zwischen Helikoptermutter und „asi

Zwischen Helikoptermutter und „asi“ – warum wir als Eltern eigentlich nur verlieren können (und trotzdem lachen sollten)

Ich sag’s, wie es ist: Ich liebe Carolin Kebekus. Wirklich. Diese Mischung aus laut, direkt, unbequem und gleichzeitig so unfassbar treffend – genau mein Humor. Und als ich den Titel „8000 Arten, als Mutter zu versagen“ gesehen habe, wusste ich: Das wird wehtun. Aber auf die gute Art.

Denn mal ehrlich – heute kannst du als Eltern doch eigentlich nur verlieren.

Machst du zu viel, bist du die Helikoptermutter.

Machst du zu wenig, bist du verantwortungslos.

Stillst du zu lange – Problem.

Stillst du nicht – Problem.

Gehst du früh arbeiten – Rabenmutter.

Bleibst du zu Hause – nicht ambitioniert genug.

Es gibt kein Dazwischen. Also bleibt doch eigentlich nur eins: Humor.

Mein persönlicher Tiefpunkt als Mutter? Der Pekip-Kurs.

Ich bin reingegangen mit der naiven Vorstellung von Austausch, Gemeinschaft und vielleicht sogar netten Gesprächen.

Ich bin raus – innerlich schreiend.

Und ich laufe bis heute. Weg von Mütter-Wettbewerben, von Entwicklungsvergleichen, von „Meiner schläft schon durch“ und „Meine macht Baby-Yoga seit der dritten Woche“.

Kebekus packt genau diese gesellschaftliche Dauerbeobachtung bei den Hörnern. Sie zerlegt dieses perfekt inszenierte Mutterbild, das uns täglich aus Social Media entgegenlacht: makellose Frauen, die drei Tage nach der Geburt aussehen wie frisch aus dem Spa. Babys, die friedlich schlummern, während Mama mit Flat White und High-Waist-Leggings in die Kamera lächelt.

Und dann die Realität: Blut, Schweiß, Wochenbett, Schlafmangel, Zweifel.

Sie schreibt über Schwangerschaft, als wäre sie nicht dieses rosafarbene Wunderland, sondern das, was sie oft auch ist: überwältigend, absurd, körperlich extrem. Über Instagram-Körperbilder. Über das Konzept der „Belly-Only-Pregnancy“, bei der angeblich nur der Bauch wächst – während sie sich eher der „Ass-Only“-Fraktion zuordnet. Ich habe laut gelacht. Und gleichzeitig genickt.

Und dann dieser gesellschaftliche Chor der Besserwisser.

„Zu alt.“

„Zu unverantwortlich.“

„Im achten Monat noch auf der Bühne?“

Als dürfte eine Frau nicht gleichzeitig schwanger UND berufstätig sein. Als müsste sie sich rechtfertigen für ihre Existenz.

Was ich an diesem Buch so liebe, ist die Ehrlichkeit. Kebekus romantisiert nichts – aber sie verteufelt auch nichts. Sie zeigt beides: die unfassbare Liebe. Und die unfassbare Überforderung. Sie spricht über Geburten, die nicht nach Instagram-Ästhetik riechen, über Wochenbett-Realität, über blutige Brustwarzen und über das absurde Phänomen, dass Brüste im Internet gefeiert werden – solange sie keinen biologischen Zweck erfüllen.

Sie spricht über Druck.

Druck, perfekt auszusehen.

Druck, perfekt zu erziehen.

Druck, perfekt zu funktionieren.

Und sie sagt im Grunde: Ihr könnt euch eure Meinung sonst wohin stecken.

Dieses Buch hält der Gesellschaft einen Spiegel vor. Und vermutlich werden genau die, die ihn am dringendsten bräuchten, ihn nicht lesen. Aber für alle anderen ist es eine Befreiung. Eine Erinnerung daran, dass Mutterschaft kein Wettbewerb ist. Kein Hochglanzprojekt. Kein Leistungssport.

Kinder sind ein Geschenk.

Und gleichzeitig sind sie Arbeit, Schmerz, Chaos und Selbstzweifel.

Und vielleicht ist genau das die ehrlichste Wahrheit überhaupt.

Ich bin dreifachmutter. Und ich kann euch sagen: Jeder einzelne Abschnitt fühlte sich an wie ein Blick in mein eigenes Leben. Diese To-Do-Listen in der Schwangerschaft. Die Vorsätze. Die Vorstellung, was man alles „besser“ machen wird. Und dann kommt das echte Leben – und lacht laut. Der Druck beginnt schon mit dem positiven Test. Instagram zeigt durchtrainierte „Belly-only“-Bäuche, während man selbst eher zur „Alles-only“-Fraktion gehört. Ernährungsvorschriften. Sportprogramme. Rasur-Tipps für die Geburt – man könnte ja kommentiert werden. Ernsthaft?

Und dann diese Kommentare. „Zu alt.“ „Zu unverantwortlich.“ „Muss das jetzt sein?“ Die Dreistigkeit, mit der wildfremde Menschen glauben, ein Urteil über Körper, Alter oder Lebensentscheidungen fällen zu dürfen, ist beeindruckend. Kebekus kontert das brillant – mit Humor und einem feinen Gespür dafür, wie absurd das alles ist.

Besonders gefeiert habe ich ihre ehrliche Beschreibung von Geburt und Wochenbett. Kein weichgezeichneter Filter. Kein „Ich lag mit Baby im Arm im Bett und sah aus wie aus dem Katalog“. Sondern Schmerzen. Tränen. Überforderung. Und dieser enorme innere Druck, sofort alles perfekt machen zu wollen. Das Kind. Den Haushalt. Die Beziehung. Den eigenen Körper. Und bitte dabei lächeln.

Ich musste beim Lesen immer wieder an meinen ersten Pekip-Kurs denken. Mein persönlicher Tiefpunkt. Diese perfekt organisierten Mütter mit pädagogischem Überbau und selbstgemachter Quetschie. Ich bin gelaufen. Und ich laufe innerlich noch heute. Fort von diesem subtilen Wettbewerb, wer das beste Bio-Kind großzieht.

Kebekus spricht genau darüber: über diesen gesellschaftlichen Dauerkommentar. Wie man sein Kind schlafen legt. Wie lange man stillt. Ob man stillt. Warum man stillt. Warum man nicht stillt. Und ja – Männer dürfen Brüste feiern, aber bitte nicht, wenn sie ihren biologischen Zweck erfüllen. Willkommen im Paradox.

Dieses Buch ist keine Abrechnung mit Mutterschaft. Es ist eine liebevolle, ehrliche Umarmung für alle, die mittendrin stecken. Für die, die nachts wachliegen. Für die, die zweifeln. Für die, die lachen, obwohl sie weinen könnten.

Kinder sind ein Geschenk. Aber sie sind auch Arbeit. Schmerz. Chaos. Und unfassbar viel Verantwortung. Und ich habe großen Respekt vor jeder Frau, die diesen Weg geht – egal wie. Mit Make-up oder ohne. Mit Karriere oder ohne. Mit Pekip oder ohne.

Carolin Kebekus hält uns den Spiegel vor – und sagt dabei im Grunde nur: Du bist nicht allein. Und du darfst unperfekt sein.

Und vielleicht ist genau das der größte Trost von allen.


Ein stilles Buch mit gewaltiger Wirkung

Manchmal sind es nicht die laut beworbenen Neuerscheinungen, die einen am meisten berühren. Manchmal ist es dieses eine, unscheinbare Buch, an dem man fast vorbeigegangen wäre. Eines, das nicht schreit: „Lies mich!“, sondern eher leise flüstert. Und wenn man hinhört, merkt man plötzlich: Dieses Flüstern hat Kraft.

Genau so ging es mir mit Die Schwarzgeherin von Regina Denk.

Zum Glück habe ich diesem Roman eine Chance gegeben. Denn ich hätte sonst eine Geschichte verpasst, die mich tief bewegt, beeindruckt und lange begleitet hat.

Wir befinden uns in einem abgelegenen Tal in den Tiroler Alpen, Ende des 19. Jahrhunderts. Eine Zeit, in der Fortschritt und Aufklärung hier kaum angekommen sind. Das Leben ist hart, karg, entbehrungsreich. Wer nicht funktioniert, fällt durch. Wer anders ist, wird ausgegrenzt.

Im Mittelpunkt steht Theres. Als junges Mädchen wächst sie in dieser rauen Welt auf, geprägt von Armut, Strenge und emotionaler Kälte. Diese Kindheit macht sie hart – aber auch mutig, stolz und widerstandsfähig. Als der geheimnisvolle Xaver ins Tal kommt, verliebt sie sich. Doch diese Liebe endet abrupt, in einer Nacht voller Gewalt, Misstrauen und Angst. Xaver verschwindet. Theres bleibt zurück – schwanger, verstoßen, allein.

Was sie dann tut, ist mutig und radikal: Sie kehrt der Dorfgemeinschaft den Rücken und zieht sich in die Hochalpen zurück. Dort bringt sie ihre Tochter Maria zur Welt und lebt fortan in Einsamkeit, von dem, was die Berge ihr schenken. Frei. Unabhängig. Und doch niemals ganz losgelöst von ihrer Vergangenheit.

Der Roman begleitet Theres und später auch Maria über viele Jahre hinweg – etwa von 1850 bis 1883. Die Kapitel wechseln zwischen den beiden Perspektiven, ergänzt durch einzelne geheimnisvolle Einschübe einer unbekannten Erzählerin und durch poetische Zwischenspiele aus der Sicht eines Adlerweibchens. Was auf dem Papier vielleicht ungewöhnlich klingt, fügt sich beim Lesen erstaunlich harmonisch zusammen.

Regina Denks Schreibstil ist dabei eine große Stärke dieses Buches. Er ist bildhaft, intensiv, manchmal schonungslos, dann wieder leise und zart. Die Landschaft wird so lebendig beschrieben, dass man den Wind spürt, den Schnee knirschen hört und die Kälte fast selbst fühlt. Der eingesetzte Dialekt verleiht der Geschichte zusätzliche Authentizität und sorgt für eine ganz eigene, alpine Atmosphäre.

Schon das erste Kapitel – mit der kleinen Theres und den Kätzchen, die keine Chance bekommen – hat mich erschüttert. Es macht sofort klar, in welcher Welt wir uns hier bewegen: einer Welt ohne viel Platz für Mitgefühl. Und doch erzählt dieser Roman nicht nur von Härte, sondern auch von Liebe, Loyalität und stiller Hoffnung. Von Leopold. Von seinem Sohn. Von Menschen, die trotz allem füreinander einstehen.

Besonders gefallen hat mir die Spiegelung der Handlung durch das Leben des Steinadlers. Diese Passagen waren für mich wie kleine Atempausen. Fast meditativ. Naturbeobachtung als Gegenpol zum menschlichen Drama.

Die verschiedenen Zeitebenen sind klar gekennzeichnet, was die Orientierung erleichtert. Außerdem ist die Geschichte in eine Rahmenerzählung eingebettet, die zum Miträtseln einlädt. Immer wieder dachte ich: Jetzt habe ich es verstanden. Nur um später festzustellen: Vielleicht doch nicht. Diese kleinen Irreführungen haben mir großen Spaß gemacht.

Natürlich ist auch dieses Buch nicht vollkommen. Ein paar Fragen bleiben offen. Ich hätte zum Beispiel gern mehr darüber erfahren, woher Theres ihr medizinisches Wissen nimmt. Manche zeitlichen Abläufe wirken nicht ganz rund. Und gegen Ende werden die schroffen Kanten der Geschichte ein kleines bisschen geglättet.

Aber ehrlich? Das ist Jammern auf sehr hohem Niveau.

Ich war von der ersten bis zur letzten Seite gefangen. Gefangen in einer Welt voller Überlebenswillen, Stolz, Verletzlichkeit und innerer Stärke. In einer Landschaft, die wunderschön und gnadenlos zugleich ist. In einer Geschichte, die zeigt, wie sehr Herkunft, Umgebung und Erwartungen ein Leben prägen – und wie schwer es ist, sich davon zu befreien.

„Die Schwarzgeherin“ ist für mich ein kraftvoller, intensiver und atmosphärisch dichter Roman, der lange nachhallt. Einer, der nicht laut ist, aber tief trifft.

Für mich schon jetzt eines meiner Highlights des Jahres.

Ich empfehle dieses Buch allen, die starke Frauenfiguren lieben, sich von Bergpanoramen verzaubern lassen und Geschichten mögen, die nicht beschönigen, sondern ehrlich erzählen. Wer Lokalkolorit, historische Tiefe und emotionale Wucht schätzt, wird hier voll auf seine Kosten kommen.

So müssen Bergromane sein. 🏔️📚


Lost Place, Psychiatrie und ein Cold Case? Ja bitte. Sofort.

Manchmal liest man einen Klappentext und weiß sofort:

Das ist mein Buch.

Ein verlassener Ort?

Eine alte Psychiatrie?

Ein ungelöster Fall aus den Achtzigern?

Ganz ehrlich: Mehr muss man mir eigentlich nicht sagen.

Als ich von ‚Eisenblume: Ein Fall für Fredrika Storm‘ von Frida Skybäck gelesen habe, war ich direkt angefixt. Lost-Place-Setting plus skandinavischer Krimi plus Cold Case? Das klingt wie maßgeschneidert für mich. Und ja – ich habe mir schon beim Lesen des Titels gedacht: Mit den Namen werde ich mich bestimmt wieder anfreunden. Spoiler: Hat geklappt. 😄

Die Geschichte beginnt im Oktober 1987.

Aus der psychiatrischen Klinik St. Lars verschwinden zwei junge Menschen: Tommy Svensson und die 17-jährige Ann-Louise Sparre. Keine Spuren von Gewalt. Kein Abschiedsbrief. Keine Erklärung. Einfach weg.

35 Jahre später wird das alte Klinikgebäude – inzwischen eine verfallene Ruine – erneut zum Tatort. In einer Wand wird ein Leichnam gefunden. Eingemauert. Konserviert von der Zeit. Es ist Tommy. Gestorben an einer Überdosis Beruhigungsmittel. Angeblich.

Und damit beginnt für Fredrika Storm und Henry Calment ein Fall, der tiefer geht, als zunächst gedacht.

Schon der Einstieg hat mich abgeholt. Frida Skybäck schreibt ruhig, flüssig und gleichzeitig so fesselnd, dass man sehr schnell im Geschehen ist. Kein langes Vorgeplänkel, kein zähes Herantasten – man ist direkt mittendrin.

Als großer Lost-Place-Fan war ich von der Atmosphäre sofort begeistert. Diese alte Psychiatrie, dem Verfall überlassen, voller Geschichte, voller unausgesprochener Geheimnisse – allein dieser Ort trägt schon unglaublich viel Spannung in sich. Man spürt beim Lesen förmlich den Staub, die Kälte, die Stille in den verlassenen Fluren. Und gleichzeitig diese unterschwellige Frage: Was ist hier wirklich passiert?

Auch der Cold-Case-Aspekt hat mir sehr gefallen. Durch Rückblicke in die Vergangenheit bekommt man immer wieder neue Puzzlestücke. Man lernt das damalige Klinikleben kennen, die Hierarchien, die Machtverhältnisse, die Abhängigkeiten. Gleichzeitig bleibt der Fall in der Gegenwart spannend und präsent. Diese Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart ist sehr gelungen.

Im Mittelteil muss ich allerdings ehrlich sein: Da zieht sich die Handlung stellenweise etwas. Das ständige Befragen ehemaliger Mitarbeiter, das Wühlen in Erinnerungen, die oft lückenhaft oder widersprüchlich sind, wirkt manchmal etwas langatmig. Schade eigentlich, denn genau hier steckt so viel Potenzial. Vertuschung? Schweigen? Schuld? Wegsehen? All das schwebt ständig im Raum.

Trotzdem: Es lohnt sich, dranzubleiben. Denn es gibt einige wirklich gelungene Wendungen, mit denen ich so nicht gerechnet hätte.

Besonders spannend fand ich auch das Thema der psychiatrischen Behandlung in früheren Jahrzehnten. Dinge, die heute absolut undenkbar wären, galten damals als normal. Medikamente, Methoden, Umgang mit Patienten – das alles ist teilweise erschreckend und bedrückend. Das Buch wirft hier ganz nebenbei wichtige Fragen auf, ohne belehrend zu wirken.

Fredrika und Henry haben mir als Ermittlerduo sehr gut gefallen. Beide sind nicht perfekt, tragen ihre eigenen Päckchen mit sich herum und wirken dadurch sehr menschlich. Man lernt sie auch privat kennen, versteht ihre Motive und ihre Zweifel. Für mich waren sie greifbar, authentisch und sympathisch. Ich freue mich definitiv auf weitere Fälle mit ihnen.

Die Nebenfiguren bleiben dagegen etwas blasser. Gerade bei ehemaligen Mitarbeitern der Klinik hätte ich mir teilweise mehr Tiefe und Profil gewünscht. Hier wäre noch mehr möglich gewesen.

Unterm Strich ist „Eisenblume“ für mich ein typischer skandinavischer Krimi im besten Sinne: düster, ruhig, schwer, atmosphärisch – und mit einer Geschichte, die nachwirkt.

Kein schneller Action-Thriller.

Kein Dauerfeuer an Schockmomenten.

Sondern ein ruhiger, intensiver Fall, der sich langsam entfaltet.

Wer skandinavische Krimis liebt, Lost-Place-Settings mag und gerne in alte Geheimnisse eintaucht, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Die Atmosphäre ist stark, der Fall spannend, die Ermittler überzeugend. Trotz kleiner Längen im Mittelteil hat mich das Buch sehr gut unterhalten.

⭐️⭐️⭐️⭐️ 4/5 Sterne

Für mich ein gelungener Auftakt mit viel Potenzial – und ich bin definitiv bereit für den nächsten Fall von Fredrika Storm und Henry Calment. 📚🖤


Zurück nach Donkerbloem – und wieder mitten ins Grauen

Der zweite Band – und meine Güte, was habe ich mich darauf gefreut. Schon Band 1, Der Trailer, hatte mich komplett abgeholt. Und das, obwohl ihr mich mit Camping wirklich jagen könnt. Für mich gibt es kaum ein schlimmeres Urlaubs-Horror-Szenario als Zelt, Gemeinschaftsduschen und matschige Schuhe. Aber sobald ein Thriller in dunklen Wäldern, auf abgelegenen Campingplätzen und an Orten mit düsterer Vergangenheit spielt, bin ich sofort dabei.

Mit Das Camp (Donkerbloem 2) von Linus Geschke ging es also zurück nach Donkerbloem – an einen Ort, der eigentlich endlich zur Ruhe kommen sollte, es aber einfach nicht schafft, das Böse loszuwerden. Tief in den Ardennen gelegen, abgeschieden und voller dunkler Geschichte, bekommt der Campingplatz mit Wout einen neuen Besitzer und mit Tayfun einen neuen Verwalter, der alles daransetzt, hier einen friedlichen Ort zu schaffen. Doch wie so oft in dieser Reihe scheint Donkerbloem eine magische Anziehungskraft auf Abgründe zu haben.

Während dort langsam so etwas wie Normalität entstehen soll, treibt hunderte Kilometer entfernt ein verstörender Killer sein Unwesen. Eine Mordserie im Osten Deutschlands bringt Kommissarin Frieda Stahnke selbst in Gefahr. Sie fühlt sich verfolgt, manipuliert und kann bald niemandem mehr trauen. Schließlich sieht sie nur noch einen Ausweg: Sie flieht nach Donkerbloem. Ausgerechnet dorthin. Für Wout ist das eine Katastrophe, denn er mag Frieda nicht und ist überzeugt, dass sie mit ihrem Auftauchen alle in Gefahr bringt. Tayfun hingegen steht ihr zur Seite, auch weil er heimlich Gefühle für sie hat. Und so kehrt mit Frieda nicht nur eine alte Bekannte ins Camp zurück, sondern auch eine Bedrohung, die alles ins Wanken bringt.

Besonders gefallen hat mir wieder, wie lebendig die Figuren wirken. Wout, der sture, misstrauische Besitzer. Tayfun, der sanfte Riese mit großem Herzen. Frieda, die immer mehr unter Druck gerät und zwischen Stärke und Verzweiflung schwankt. Kathinka, die ebenfalls ihren Platz in dieser Geschichte hat. Man merkt, dass man diese Menschen schon kennt, dass sie sich weiterentwickeln und nicht einfach auf der Stelle treten. Genau das macht für mich den Reiz dieser Reihe aus.

Auch in diesem Band arbeitet Linus Geschke wieder mit mehreren Handlungssträngen, die sich zunächst getrennt anfühlen, sich aber nach und nach immer stärker verweben. Anfangs rätselt man noch, was genau zusammengehört, doch je weiter man liest, desto klarer wird das große Ganze. Ich liebe dieses Gefühl, wenn plötzlich alles Sinn ergibt und man merkt, wie geschickt die Fäden von Anfang an gelegt wurden.

Der Spannungsbogen bleibt von der ersten bis zur letzten Seite hoch. Es gibt kaum ruhige Momente, keine unnötigen Längen, kein Durchatmen. Stattdessen reiht sich Bedrohung an Bedrohung, Verdacht an Verdacht, und man liest immer weiter, weil man unbedingt wissen will, wie alles zusammenhängt. Dieses „nur noch ein Kapitel“-Gefühl ist hier wieder extrem stark.

Und dann dieses Ende. Wirklich. Ich war mental auf einen Cliffhanger vorbereitet – schließlich ist es der zweite Band. Aber das hier war noch einmal eine andere Liga. Gemein, fies, perfekt. Es fühlt sich an wie der direkte Startschuss für Band 3 und lässt einen mit offenen Fragen und großer Vorfreude zurück.

Für mich ist Das Camp ein rundum gelungener zweiter Band, der die Atmosphäre von Teil 1 aufgreift und noch intensiver macht. Düster, spannend, emotional und clever konstruiert. Die Figuren tragen die Geschichte, das Setting bleibt beklemmend, und die Handlung reißt nie ab.

Auch wenn ich im echten Leben niemals freiwillig campen würde – literarisch liebe ich Donkerbloem.

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ 5/5 Sterne

Ein starker Nachfolger, der die Reihe auf ein neues Level hebt und mich sehnsüchtig auf Band 3 warten lässt.