Drachen. Ganz ehrlich – mehr braucht es manchmal gar nicht, um mich zu überzeugen.
Gebt mir Drachen, ein bisschen Magie und ich bin sofort dabei. Aber – und das hat mir die Asrai-Reihe ganz deutlich gezeigt – es gehört so viel mehr dazu, ein Buch zu schreiben, das nicht nur unterhält, sondern sich wirklich ins Herz schleicht. Eine Geschichte, die bleibt. Figuren, die man nicht mehr loslassen will. Und genau das schafft Liane Mars mit ihrer Asrai-Reihe immer wieder aufs Neue.
Mit „Asrai – Der Schatten des Shetai“ kehren wir zurück nach Arandor – und ich kann es nicht anders sagen: Es fühlt sich an wie nach Hause kommen. Zurück nach Riata, zurück zu vertrauten Orten, vertrauten Gefühlen, vertrauten Geschichten. Und obwohl es sich hier um eine Vorgeschichte handelt, hat mich das Buch von der ersten Seite an komplett abgeholt. Der Einstieg gelingt mühelos, der Schreibstil ist wie gewohnt flüssig und atmosphärisch – und ehe man sich versieht, ist man wieder mittendrin in dieser Welt.
Im Zentrum der Geschichte steht Nisha.
Und ich glaube, ich habe selten so intensiv mit einer Figur mitgefühlt.
Sie lebt ein Leben, das von Anfang an zum Scheitern verurteilt scheint. Als Spionin unter den Drachenreitern darf sie sich keinen einzigen Fehler erlauben – denn der Preis wäre nicht nur ihr eigenes Leben, sondern das ihrer Familie. Jeder Schritt, jede Entscheidung, jedes gesprochene Wort kann alles zerstören.
Und genau darin liegt die Stärke dieser Geschichte: Dieser ständige innere Konflikt.
Nisha steht zwischen zwei Welten. Zwischen Pflicht und Gefühl. Zwischen Loyalität und Wahrheit. Zwischen dem Wunsch, ihre Familie zu retten – und dem, was sie bei den Drachenreitern zu sehen beginnt.
Man spürt ihre Zerrissenheit in jeder Szene.
Man versteht ihre Angst.
Und man hofft mit jeder Faser, dass sie einen Ausweg findet, der vielleicht gar nicht existiert.
Was mich besonders berührt hat, war, wie viel Tiefe diese Geschichte Ian verleiht.
Wir lernen ihn nicht nur besser kennen – wir verstehen ihn. Seine Vergangenheit, seine Entscheidungen, seine Verbindung zu seinen Drachen. Und genau diese emotionale Ebene hat mich wirklich getroffen.
Die Momente zwischen ihm, Makon und Shy waren für mich einige der stärksten im ganzen Buch. So viel Gefühl, so viel Schmerz, so viel Hoffnung. Es sind genau diese Szenen, die zeigen, warum diese Reihe mehr ist als „nur“ Fantasy.
Und dann ist da noch Sean.
Warmherzig, hilfsbereit, jemand, den man eigentlich sofort ins Herz schließt – und gerade deshalb tut es umso mehr weh, wenn Misstrauen und Geheimnisse zwischen die Figuren treten. Diese unterschwellige Spannung hat mich beim Lesen ständig begleitet.
Ein kleines Highlight für mich war außerdem das Wiedersehen mit Makon und Manila – wenn auch in einer etwas anderen Form. Und ganz ehrlich: Manila hat es selbst im Ei geschafft, mir ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.
Diese kleinen, leisen Momente sind es, die das Buch so besonders machen.
Gleichzeitig zieht die Spannung immer weiter an. Stück für Stück verdichtet sich die Handlung, Geheimnisse kommen ans Licht, Entscheidungen werden unausweichlich. Und plötzlich ist man genau an diesem Punkt, an dem man sagt: Nur noch ein Kapitel.
(Spoiler: Es bleibt nie bei einem.)
Am Ende bleibt vor allem eine Frage zurück:
Wen rettest du? Deine Familie – oder das, woran du zu glauben beginnst?
Für mich war „Der Schatten des Shetai“ eine emotionale, intensive und absolut gelungene Rückkehr nach Arandor. Eine Geschichte voller Herz, voller Konflikte und voller Drachen – und genau deshalb hat sie mich wieder komplett überzeugt.
4 von 5 Sternen ⭐️
Und eine klare Empfehlung für alle, die Fantasy lieben, die nicht nur spannend ist – sondern auch unter die Haut geht.
