Fearful – Kitts Schicksal

Wie steht ihr eigentlich zu Novellen?

Für die einen sind sie ein schönes Extra, ein Bonus für Fans, ein tieferer Blick hinter die Kulissen. Für andere eher ein unnötiges Anhängsel, das mehr kaputtmacht als ergänzt. Ich schwanke da ja immer – manchmal liebe ich sie, manchmal wünsche ich mir, ich hätte sie einfach ausgelassen. Und leider gehört Fearful – Kitts Schicksal für mich eindeutig zur zweiten Kategorie.

Eigentlich war ich neugierig. Eine Novelle, die sich um Kitt dreht? Nach allem, was in Powerless – Der Thron passiert ist? Da war Hoffnung. Wirklich. Vor allem, weil Kitt eine Figur ist, die so viel Potenzial hat – innerlich zerrissen, moralisch kompliziert, emotional aufgeladen. Genau deshalb hat mich diese Novelle auch so frustriert zurückgelassen.

Mara hatte sich geschworen, nie wieder einen Fuß nach Ilya zu setzen – und steht dann doch wieder mitten im Geschehen, ausgelöst durch eine Entscheidung von Kitt, die angeblich alles verändern soll. Klingt erstmal spannend. War es für mich leider nicht. Denn statt wirklich bei Kitt zu bleiben, statt sein Schicksal, seine Gedanken, seine Entwicklung in den Mittelpunkt zu stellen, verliert sich die Geschichte in Nebenschauplätzen, neuen Prioritäten und Entscheidungen, die ich emotional überhaupt nicht greifen konnte.

Mein größtes Problem: Es ging viel zu wenig um Kitt. In seinem eigenen Buch. Ich saß ständig da und dachte: Warum erzählst du mir das – und nicht das, was wirklich wichtig wäre? Sein Charakter fühlt sich an manchen Stellen fremd an, fast so, als hätte man ihn verbogen, damit er in eine bestimmte Richtung passt. Und Mara? Mit ihr bin ich leider gar nicht warm geworden. Vieles, was relevant sein sollte – Wahrheiten, Einordnungen, Bedeutungen – wird gefühlt in Klammern ausgelagert. Statt Klarheit gab es bei mir vor allem Verwirrung.

Dazu kam noch, dass ein weiblicher Nebencharakter plötzlich enorm viel Raum bekam. Einer, mit dem ich schon vorher meine Probleme hatte. Und auf einmal hatte ich das Gefühl, ich muss mich jetzt mit ihr versöhnen. Nein. Einfach nein. Für mich fühlte sich das respektlos an – vor allem gegenüber Adena. Das ging emotional für mich überhaupt nicht klar und hat mir beim Lesen ehrlich gesagt richtig Wut im Bauch gemacht.

Statt Antworten gab es neue Fragezeichen. Statt Abschluss eher das Gefühl eines halbfertigen Übergangs. Ich weiß, dass viele sagen werden: „Das ist Absicht, da kommt bestimmt noch mehr.“ Mag sein. Aber genau da liegt mein Problem. Wenn eine Novelle mehr Schaden anrichtet als Neugier, dann funktioniert sie für mich nicht. Ich habe mich schon über das Ende von Der Thron geärgert – auch wenn das Buch für mich trotzdem ein Highlight war. Fearful hat diese Enttäuschung leider verstärkt.

Und ja: Der Schreibstil ist nach wie vor gut. Lauren Roberts kann schreiben, das steht außer Frage. Selbst die Erzählung in der dritten Person, die ich sonst oft schwierig finde, hat grundsätzlich funktioniert. Nur konnte ich es diesmal nicht genießen, weil mich der Inhalt einfach zu sehr gestört hat.

Ich habe auch die Diskussionen mitbekommen, ob man Der Thron und Fearful im Tandem lesen sollte. Meine ehrliche Meinung: Bitte nicht. Wirklich nicht. Meiner Meinung nach tut man sich damit keinen Gefallen – im Gegenteil. Ich würde Band 3 ganz in Ruhe lesen und diese Novelle maximal dann anfassen, wenn tatsächlich noch ein weiteres Buch angekündigt wird. Und selbst dann nur mit sehr gedämpften Erwartungen.

Für mich war Fearful leider ein unbefriedigendes, seltsames und emotional frustrierendes Leseerlebnis. Eine Novelle, die mehr Fragen aufwirft als klärt und Figuren in ein Licht rückt, das ich nicht annehmen kann.

⭐️ 2,5 von 5 Sternen

Schade. Wirklich schade.