Wenn es eine Krimireihe gibt, die meine Mutter und mich seit Jahren begleitet, dann sind es ganz klar die Bücher rund um Inspector Lynley und Barbara Havers von Elizabeth George. Wir sind seit Band eins dabei – und ja, inzwischen sind wir bei Band 22 angekommen. Allein das fühlt sich irgendwie verrückt an.
Elizabeth George – Wer Zwietracht sät (Band 22)
Ein Mord im eigentlich idyllischen Cornwall erschüttert die kleine Gemeinde Trevellas. Der angesehene Unternehmer Michael Lobb wird brutal getötet, und schnell wird klar: Hinter der hübschen Fassade brodelt es gewaltig. Ein umstrittenes Bauprojekt, familiäre Spannungen, eine deutlich jüngere Ehefrau mit neuem Vermögen – Verdächtige gibt es genug. Und dann führt eine Spur auch noch direkt zu Thomas Lynley selbst. Spätestens da war ich natürlich wieder voll dabei.
Oder sagen wir: Ich wollte es sein.
Denn der Einstieg hat mir ehrlich gesagt etwas Mühe gemacht. Es tauchen sehr viele Figuren auf, sehr viele Namen, sehr viele Nebenhandlungen – und Lynley und Havers lassen sich ziemlich lange Zeit, bis sie überhaupt auftreten. Und genau da liegt für mich der Knackpunkt: Ich lese diese Reihe wegen Lynley und Havers. Nicht wegen seitenlanger Ausflüge in das Drama diverser Nebenfiguren.
Elizabeth George verliert sich hier für meinen Geschmack wieder zu sehr im Drumherum. Es gibt einfach zu viele Personen, zu viele Verwicklungen, die die Geschichte nicht voranbringen, sondern eher ausbremsen. Das kennen wir leider schon aus den letzten Bänden. Immer wieder saß ich da und dachte: Worum geht es jetzt eigentlich gerade?
Positiv fand ich immerhin, dass gesellschaftspolitische Themen dieses Mal deutlich zurückhaltender eingebaut sind als zuletzt. Das tat der Geschichte gut. Trotzdem bleibt Lynley selbst erstaunlich blass. Er ist da, ja – aber eher am Rand. Lynley und Havers werden irgendwie zu Nebendarstellern und die gesamte Polizeiarbeit zu einer lieblos dargestellten Nebenhandlung degradiert. Zeitweise hatte ich den Eindruck, die Autorin habe sich nicht ganz entscheiden können, ob sie einen klassischen Kriminalroman oder ein psychologisches Familiendrama erzählen möchte.
Dazu kommen Wiederholungen. Viele Gedanken, Konflikte und Beobachtungen werden mehrfach durchgekaut, teilweise sogar mit sehr ähnlichen Formulierungen. Das hat bei mir leider immer wieder Langeweile erzeugt – und das tut weh, wenn man diese Reihe eigentlich so liebt.
Besonders enttäuschend fand ich die Auflösung. Schon relativ früh vor Schluss ist der Fall gelöst, ohne großen Knall, ohne Twist, ohne diesen typischen Aha-Moment. Nach so vielen Seiten hatte ich mir da deutlich mehr erhofft.
Was mir ebenfalls fehlt: eine echte Entwicklung bei Barbara. Ihr Privatleben tritt weiterhin auf der Stelle, und ich hätte mir so sehr gewünscht, dass sich hier endlich etwas bewegt.
Unterm Strich war ‚Wer Zwietracht sät’ für mich kein Highlight. Es war aber auch kein Totalausfall – und tatsächlich besser als einige der direkten Vorgänger. Trotzdem merkt man einfach, dass die Reihe ihre stärksten Zeiten hinter sich hat.
Und doch: Ich werde weiterlesen. Weil Lynley und Havers für mich dazugehören. Weil ich hoffe, dass da noch einmal ein Band kommt, der mich wirklich packt. Und weil man alte Buchliebe eben nicht so leicht aufgibt.
⭐️⭐️⭐️ / 5
Solide, stellenweise zäh – aber als Fan der Reihe bleibe ich trotzdem dabei.
