„Love, Mom – Kennst du ihr Geheimnis?“ von Iliana Xander

📚🖤 Stell dir vor, du bekommst auf der Beerdigung deiner Mutter plötzlich einen Brief in die Hand gedrückt – mit Seiten aus ihrem Tagebuch. Würdest du lesen? Würdest du weiter graben, auch wenn jede Antwort neue Fragen aufwirft? Genau mit dieser Situation beginnt „Love, Mom – Kennst du ihr Geheimnis?“ von Iliana Xander. 

Schon das Unboxing der exklusiven Bloggerbox war ein Erlebnis für sich. Die Briefe, die darin liebevoll verpackt waren, haben mich sofort neugierig gemacht. Es fühlte sich an, als dürfte ich selbst in Mackenzies Haut schlüpfen und diese geheimnisvollen Umschläge öffnen – ein kleines Stück Lese-Immersion, das die Geschichte für mich noch intensiver gemacht hat.

Doch beginnen wir von vorne: Mackenzie Casper lebt seit jeher im Schatten ihrer Mutter Elizabeth – einer gefeierten Thriller-Autorin, die für die ganze Welt eine Ikone war, für Mackenzie selbst aber eine komplizierte, fast unnahbare Mutterfigur. Als Elizabeth plötzlich stirbt, scheint es ein tragischer Unfall zu sein. Doch schon die Atmosphäre auf der Trauerfeier ließ mich als Leserin spüren: Da steckt mehr dahinter. Und dann kam dieser Brief. Unerwartet. Geheimnisvoll. Mit Tagebuchseiten von Elizabeth selbst. Ein Brief, der alles ins Rollen bringt – und Mackenzie auf eine gefährliche Suche nach der Wahrheit schickt.

Von da an war ich wie gefesselt. Iliana Xander erzählt Mackenzies Geschichte so eindringlich, dass ich sofort in ihre Zerrissenheit hineingezogen wurde. Einerseits Trauer und Leere, andererseits die ständige Frage: Wer war meine Mutter wirklich? Mit jedem weiteren Brief, der Mackenzie erreicht, zerbricht das Bild der gefeierten Autorin ein Stück mehr. Und während Mackenzie tiefer in die Geheimnisse eintaucht, merkt man: Hier kann man niemandem trauen. Am allerwenigsten der eigenen Familie.

Besonders faszinierend fand ich, wie die Autorin die Geschichte in drei Teile gliedert. Im ersten begleiten wir Mackenzie im Hier und Jetzt, wie sie mit ihren Zweifeln kämpft und Stück für Stück ein neues Bild ihrer Mutter zusammensetzt. Im zweiten Teil geht es zurück in die Vergangenheit – und hier, ich sag’s euch, habe ich selten so viel Abscheu gegenüber Figuren empfunden. Die Abgründe, die Xander hier aufmacht, haben mich sprachlos gemacht. Gleichzeitig hat sie mich aber auch gnadenlos durch Wendungen gejagt, die ich nicht kommen sah. Auf fast jeder Seite ein neuer Schockmoment, ein neuer Twist, und immer tiefer dieses Gefühl: Da stimmt etwas ganz und gar nicht.

Der dritte Teil schließlich bündelt alles. Man glaubt, man wüsste, wohin die Reise führt, man ist sich sicher, die Wahrheit schon erfasst zu haben – und dann kommt Xander mit einer weiteren Wendung um die Ecke, die alles verändert. Genau das macht für mich einen guten Thriller aus: dieses ständige Spiel zwischen Wissen, Zweifeln und Erschrecken.

Ja, es gab Momente, wo ich dachte: ein bisschen konstruiert. Auch der große Twist in der Mitte war für mich nicht völlig überraschend. Aber das hat der Spannung keinen Abbruch getan, weil die Art, wie die Geschichte erzählt wird, einfach grandios ist. Schnelles Tempo, kurze Kapitel, Cliffhanger, die einen zwingen, noch ein Kapitel – ach was, zehn Kapitel – weiterzulesen.

Und dann diese Briefe! Sie sind nicht nur ein Teil der Handlung, sie sind ein eigenes Erzählinstrument, das die Geschichte noch viel lebendiger macht. Ich hatte beim Lesen wirklich das Gefühl, selbst in Mackenzies Rolle zu stecken, die Umschläge in der Hand zu halten, jede Zeile zu entschlüsseln. Dass ich genau dieses Erlebnis durch die Bloggerbox selbst haben durfte – die Briefe tatsächlich herauszuziehen, zu lesen, zu fühlen – hat das Ganze für mich doppelt so intensiv gemacht. Ein cleverer Kniff und eine großartige Idee vom Bloggerportal.

Was mir besonders gefallen hat, ist Mackenzie selbst. Sie ist jung, Anfang 20, nicht perfekt, ein bisschen naiv vielleicht – aber absolut greifbar und echt. Man spürt ihre Unsicherheit, ihre Sehnsucht nach Antworten, und gleichzeitig bewundert man ihren Mut, weiterzumachen, auch wenn die Wahrheit schmerzhaft ist. Elizabeth, ihre Mutter, wird in den Rückblenden und Tagebuchseiten zu einer Figur, die man nie ganz durchschaut – und genau das macht den Reiz aus.

Am Ende habe ich das Buch mit einem tiefen Atemzug beendet. Zufrieden, weil die Geschichte rund war, weil die Auflösung mich abgeholt hat, und gleichzeitig nachdenklich, weil ich mich gefragt habe: Wie gut kennen wir eigentlich die Menschen, die uns am nächsten stehen? Welche Geheimnisse nehmen sie mit ins Grab?

Für mich ist „Love, Mom“ ein unglaublich starkes Debüt – spannend, klug konstruiert, manchmal unbequem, aber genau das macht es so besonders. Ich vergebe 4,5 von 5 Sternen und eine klare Leseempfehlung für alle, die psychologische Thriller lieben, die weniger mit Blut und Gewalt arbeiten, sondern mit den leisen, aber umso zerstörerischen Abgründen einer Familie.

📚🖤Würdet ihr die Briefe eurer Mutter lesen – auch wenn ihr befürchten müsst, dass ihr danach nie wieder dieselbe seid?


Powerless – Der Thron

 👉 Mit welchen Erwartungen geht man eigentlich an den letzten Band einer Reihe? 

Man wünscht sich ein großes Feuerwerk, viele Gefühle, am liebsten ein paar Herzstillstand-Momente – und gleichzeitig hofft man, dass es niemals endet. Genau so ging es mir mit der Powerless-Reihe von Lauren Roberts. Ich habe sie geliebt, verschlungen, in mein Herz geschlossen – und nun sitze ich hier wehmütig, weil alles vorbei ist.

Powerless – Der Thron

Paedyn kehrt nach Ilya zurück, und sofort ist klar: Hier geht es um alles. Ihr Entschluss wird nicht nur ihr eigenes Leben verändern, sondern auch das Schicksal eines ganzen Königreichs. Liebe, Loyalität, Verrat – wer wird am Ende die Oberhand behalten?

Ich muss gestehen, der Einstieg fiel mir gar nicht so leicht. Zwei, drei, vielleicht sogar vier Kapitel habe ich gebraucht, um wieder ganz in der Geschichte anzukommen. Aber dann war es so, als hätte ich Ilya nie verlassen – plötzlich war ich wieder mitten drin in Intrigen, Geheimnissen und diesem hochemotionalen Chaos, das Lauren Roberts so meisterhaft erschafft.

Und schnell wurde klar: Leicht macht sie es uns nicht. Vor allem die Dreiecksbeziehung zwischen Paedyn, Kai und Kitt hat mich innerlich zerrissen. Ich schwärme so sehr für Paedyn und Kai – ihre Dynamik, ihre Intensität, ihre unausgesprochene Verbindung. Aber dann ist da Kitt … und dieses Spannungsfeld hat mich während des Lesens regelrecht aufgefressen.

Die Geschichte lebt von Enthüllungen und Momenten, die man so nicht kommen sieht. Besonders Paedyns Herkunft hat mich umgehauen. Alles, was man bisher über sie zu wissen glaubte, wird hier noch einmal auf den Kopf gestellt – und genau solche Wendungen machen den Band so spannend. Gleichzeitig bleibt das Netz aus Vertrauen, Verrat und Loyalität bis zum Schluss eng verwoben, sodass man nie wirklich sicher sein kann, wem man gerade trauen darf.

Und ja – es gab Szenen, die mir das Herz gebrochen haben. Momente, in denen ich das Buch kurz schließen musste, weil ich innerlich einfach schreien wollte. Aber genau das macht diese Trilogie aus: Sie hält die Tension zwischen den Figuren konstant hoch und liefert trotzdem immer wieder emotionale Tiefschläge, die man so schnell nicht vergisst.

Spice? Hätte ich mir gewünscht. Aber hier heißt es: Fehlanzeige. Und trotzdem trägt die Dynamik zwischen Paedyn, Kai und Kitt die Geschichte auch ohne große „Spice-Szenen“.

Was mir besonders gefallen hat: Paedyns Charakterentwicklung. Sie ist in diesem Band gereift. Entschlossener, klarer, mutiger – und gleichzeitig verletzlich. Man spürt, wie schwer die Last auf ihren Schultern liegt und wie sehr sie darum kämpft, das Richtige zu tun. Das macht sie für mich zu einer Figur, die ich noch lange nicht loslassen kann.

Der Schreibstil? Wieder absolut gelungen. Flüssig, bildhaft, atmosphärisch dicht. Ich hatte die düstere Welt von Ilya sofort vor Augen, gleichzeitig lag über allem ein Hauch von Hoffnung, der mich bis zur letzten Seite getragen hat.

Powerless – Der Thron ist ein packendes, gefühlvolles Finale, das Paedyns Reise mit viel Spannung, Intrigen, Magie und Emotion zu einem würdigen Ende bringt. Ein Highlight für alle, die die Reihe von Anfang an verfolgt haben.

Und doch sitze ich jetzt hier mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Einerseits bin ich glücklich über diesen Abschluss, andererseits will ich einfach nicht loslassen. 4,5/5 Sterne und eine absolute Empfehlung für die ganze Trilogie!

👉 Jetzt meine Frage an euch:

Wie geht es euch bei Reihenfinales? Könnt ihr zufrieden loslassen – oder kämpft ihr genauso wie ich mit einem kleinen Bücherloch im Herzen?


Welcome Home von Arno Strobel

Habt ihr euch schon einmal monatelang auf ein Buch gefreut – und wurdet dann bitter enttäuscht?

Genau dieses Erlebnis hatte ich mit Welcome Home von Arno Strobel. Wer meinen Blog kennt, weiß: Ich lese Strobel schon seit Jahren, und viele seiner Bücher gehören für mich zu spannenden Highlights im Thriller-Bereich. Seine Geschichten sind oft packend, nervenaufreibend und schaffen es, mich innerhalb weniger Seiten in den Bann zu ziehen. Vielleicht waren meine Erwartungen deshalb so hoch. Doch so sehr ich mich auf diesen Titel gefreut habe – er konnte sie nicht erfüllen.

Worum geht es?

Ines und Marco Winkler ziehen gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter Emilia in ihr erstes eigenes Haus. Für die junge Familie ist es ein Traum, der endlich in Erfüllung geht. Das Haus steht in einer neugebauten Siedlung im Spessart – idyllisch, ruhig, ein perfekter Ort zum Ankommen. Auch die Nachbarschaft wirkt zunächst freundlich. Besonders das Ehepaar Mannstein nimmt die Winklers herzlich auf und scheint es ernst mit der neuen Freundschaft zu meinen.

Doch schon bald beginnen die Schatten. Ines hat das Gefühl, nachts beobachtet zu werden. Zunächst denkt sie, es sei Einbildung – schließlich ist ein Umzug stressig und die neue Umgebung ungewohnt. Doch die Situationen häufen sich. Ein Schatten im leerstehenden Nachbarhaus, seltsame Geräusche, das Gefühl von Präsenz, obwohl niemand da ist. Und eines Morgens wird ihr klar: Es war tatsächlich jemand im Haus – und dieser Jemand hat einen Mord begangen.

Die Frage nach Sicherheit wird plötzlich existenziell: Wer ist noch sicher in der Siedlung? Wem kann man trauen? Und wer ist als Nächstes an der Reihe?

Die ersten Kapitel haben mich sofort gepackt. Das Setting ist zwar vertraut – eine junge Familie zieht in eine Neubausiedlung, in der nichts so ist, wie es scheint –, aber Strobel versteht es, eine unheimliche Atmosphäre aufzubauen. Ich hatte sofort dieses beklemmende Gefühl, das man sich von einem Thriller wünscht: Der perfekte Ort zum Leben entpuppt sich als Ort des Schreckens.

Der Einstieg erinnerte mich ein wenig an bekannte Thriller-Filme oder Serien, aber das störte mich nicht. Ich war gespannt, wie Strobel seine eigene Note einbringt. Gerade die ersten Szenen im neuen Haus, kombiniert mit den ersten unheimlichen Momenten, waren atmosphärisch dicht und haben mir richtig gut gefallen.

Doch je weiter ich las, desto mehr verpuffte die Spannung.

Wo die Geschichte für mich schwächelte

Ungefähr ab der Mitte wurde das Buch für mich vorhersehbar. Das „Wer“ und das „Wie“ der Geschichte waren sehr früh zu erahnen – und sobald diese Spannung weg war, blieb wenig übrig. Statt überraschender Wendungen oder unerwarteter Entwicklungen wiederholten sich Situationen. Das anfängliche Gefühl von Bedrohung wich einer gewissen Langeweile.

Am meisten enttäuscht war ich aber vom Ende. Ein guter Thriller lebt für mich von einem packenden Finale, einem Showdown, der mich atemlos zurücklässt. Hier war das Gegenteil der Fall: Die Auflösung geschah auf wenigen Seiten, fast beiläufig, und konnte mich weder emotional noch inhaltlich überzeugen. Es wirkte hastig, fast unfertig, als hätte es nicht mehr die Aufmerksamkeit bekommen, die der Anfang noch hatte.

Figuren & Schreibstil

Ein weiterer Punkt, der mich gestört hat, waren die Figuren. Ines und Marco blieben für mich zu blass, zu distanziert. Ich konnte keine richtige Verbindung zu ihnen aufbauen, ihre Gefühle waren schwer greifbar, ihre Entscheidungen manchmal schwer nachzuvollziehen.

Dabei mag ich Strobel eigentlich für seine klaren, zugänglichen Figurenzeichnungen. Hier fehlte mir Tiefe.

Positiv hervorheben möchte ich dennoch den Schreibstil: Arno Strobel schreibt flüssig, leicht lesbar und mit kurzen Kapiteln, die das Lesen enorm erleichtern. Ich habe das Buch trotz meiner Kritik schnell beendet, weil man gut durch die Seiten fliegt. Für Leser:innen, die kurze, knackige Kapitel mögen und sich keine komplexe Sprache wünschen, ist das sicher ein Pluspunkt.

Fazit

Welcome Home begann stark, mit einem Setting, das ich spannend fand, und einer Atmosphäre, die sofort Beklemmung erzeugte. Leider konnte das Buch dieses Niveau nicht halten. Zu vorhersehbar, zu wenig Überraschungen, blasse Figuren und ein Finale, das mich sehr enttäuscht hat.

Ich hätte mir mehr Wendungen, mehr psychologische Tiefe und einen Showdown gewünscht, der mich richtig mitreißt. Stattdessen fühlte es sich an, als wäre die Geschichte mittendrin die Luft ausgegangen.

⭐️⭐️⭐️ (2,5 von 5 Sternen)

👉 Jetzt seid ihr dran:

Habt ihr Welcome Home schon gelesen? Ging es euch ähnlich oder hattet ihr ein ganz anderes Leseerlebnis? Und welches Buch von Arno Strobel würdet ihr mir als „Ausgleich“ empfehlen – vielleicht sogar euer Lieblingsbuch von ihm?


eBook oder echtes Buch? – Ein (nicht ganz ernst gemeinter) Seelenstriptease

Also, ich muss euch etwas beichten. Ich bin fremdgegangen. Und zwar nicht nur so ein kleiner harmloser Flirt im Vorbeigehen – nein, ich hab’s voll durchgezogen: Ich habe mir ein PocketBook gekauft. Und ich LIEBE es. Ja, da steht’s jetzt. Schwarz auf Weiß. Ich – Bücherregal-Liebhaberin, Schnüfflerin an Papierseiten, passionierte Seitenumblätterin – bin unter die eReader-Girls gegangen.

Aber sobald ich mit meinem Reader öffentlich lese (und sei es nur auf der Parkbank!), geht es los: „Ach, ich mag lieber echte Bücher.“

Ja. Ich auch. Natürlich. Ich meine: Was gibt es Schöneres, als die eigene Bibliothek zu bestaunen, die wie ein intellektueller Schrein im Wohnzimmer steht? Jedes Buch ein Trophäenmoment: Gelesen, verstanden, behalten! Oder na ja… wenigstens hübsch dekoriert.

Aber Hand aufs Herz:

Bücher sind schwer. Und sie leiden. Und ich bin pingelig. Richtig pingelig. Ein geknickter Buchrücken? Ich zucke. Ein Eselsohr? Ich hyperventiliere. Und wehe, es schleicht sich ein Kaffeefleck aufs Papier – da ist der Tag für mich gelaufen. In der Tasche? Zerquetscht. Am Strand? Versandet. Im Regen? Geschmolzen. Und da soll mir noch mal jemand erzählen, echte Bücher wären praktisch.

Deshalb: eBook-Reader. Punkt.

Auf Reisen? Mein PocketBook wiegt quasi nix, frisst keinen Platz und trägt 500 Bücher ohne zu jammern. Kann dein Taschenbuch das auch?

Und das Beste: Wenn ich mal zu faul bin, den Reader zu suchen (ja, kommt vor), zack, PocketBook App auf dem Handy – und weiter geht’s. Lese-Luxus auf allen Kanälen!

Aber! Ich wäre nicht ich, wenn ich nicht ein bisschen Sicherheitsfanatikerin wäre.

Denn: Ich habe panische Angst vor Datenverlust. Ich schaffe es wirklich, alles aus Versehen zu löschen. Immer. Unwiderruflich. Es ist eine Kunstform. Was, wenn mein PocketBook in Flammen aufgeht? Wenn der Strom ausfällt? Wenn ein globaler Blackout kommt und mein gesamter Leseschatz ins digitale Nirwana verschwindet?

Deshalb: Alles ab 4 Sternen wird nachgekauft fürs Regal. Sicher ist sicher. Man weiß ja nie. Und ich sag’s mal so – auch mein Bücherregal hat Gefühle. Es freut sich, wenn’s Zuwachs gibt.

Und ihr so? Seid ihr Team „Papier für immer“ oder doch schon heimlich auf den eBook-Reader-Zug aufgesprungen? Oder lebt ihr in wilder, polyamorer Lesebeziehung mit beiden Formaten? Erzählt mal – ich bin gespannt!






Slewfoot – Die Geschichte einer Hexe von Brom


Würdest du deine Freiheit verteidigen, selbst wenn die Welt dich dafür verbrennen will?

Genau mit dieser Frage möchte ich dich heute in meinen Blogbeitrag hineinziehen.

Denn wenn du beim Lesen eines Buches plötzlich merkst, dass du nicht mehr bequem in deinem Lesesessel sitzt, sondern angespannt die Kiefer mahlst, die Finger krampfig an der Tasse festhältst und innerlich nur denkst: „Das darf doch alles nicht wahr sein!“, dann weißt du, dass es dich erwischt hat.

Und genau das ist mir mit Slewfoot – Die Geschichte einer Hexe von Brom passiert.

Dieses Buch ist kein nettes Fantasy-Abenteuer für zwischendurch. Es ist düster, unbequem, manchmal brutal und definitiv nichts für schwache Nerven. Aber es ist auch ein Werk, das unter die Haut geht, das Fragen aufwirft und lange nachhallt. Fragen nach Freiheit, Macht, Unterdrückung – und danach, wie weit man gehen darf, um sich selbst zu verteidigen.

Connecticut, 1666 – ein Jahr, das schon Gänsehaut macht

Wir befinden uns mitten im 17. Jahrhundert, in einer puritanischen Kolonie in Connecticut. Und allein schon dieser Schauplatz ist wie eine Einladung zum Unbehagen. Dunkle Wälder, kalte Winter, karge Landschaften – eine Welt, in der Religion nicht nur Alltag, sondern alles ist. Wo Frauen ungefähr so viel zählen wie ein Sack Mehl (höchstens ein bisschen mehr, wenn sie viele Kinder kriegen).

Hierhin verschlägt es Abitha, eine junge Engländerin, die eigentlich nur eines tun sollte: Ehefrau sein. Doch kaum angekommen, stirbt ihr Mann unter mysteriösen Umständen, und sie bleibt allein zurück. Kein Schutz, kein Ansehen, kein Platz in dieser streng kontrollierten Gemeinschaft.

Und hier beginnt das eigentliche Grauen. Denn in einer Gesellschaft, die alles kontrolliert, was du denkst, sagst und tust, reicht schon ein kleiner Fehltritt – ein falsches Wort, ein zu freier Gedanke – und zack: Hexe.

Abitha – eine Frau, die nicht in die Schublade passt

Was mich an Abitha sofort fasziniert hat, ist, dass sie kein typisches „Fantasy-Mädchen“ ist, das rein zufällig in eine Hexengeschichte stolpert. Nein, sie ist eine Frau, die sehr genau weiß, wie hart das Leben ist. Sie zweifelt, sie hadert, sie verzweifelt – aber sie gibt sich nicht kampflos geschlagen.

Sie wächst in einer Gemeinschaft auf, die Frauen systematisch zum Schweigen bringt. Doch Abitha hat Wurzeln, die sie stärker machen. Ein Vater, tief gläubig, und eine Mutter, die mehr mit den alten Mythen verbunden war. Diese Mischung hat ihr etwas gegeben, das in dieser Welt fast schon revolutionär ist: einen freien Geist. Und genau dieser freie Geist macht sie gefährlich.

Denn während andere Frauen den Kopf senken und das Maul halten, wagt Abitha es, zu hinterfragen. Und das bringt sie in direkte Konfrontation mit einer Gesellschaft, die Frauen, die nicht spuren, sehr schnell zum Teufel wünscht.

Slewfoot – Retter, Monster oder beides?

Und dann tritt er auf den Plan: Slewfoot.

Allein die Art, wie Brom diese Figur einführt, ist grandios. Zuerst nur ein Schatten, ein Raunen, ein Gefühl im Nacken. Dann ein uralter Geist, halb Natur, halb Mythos, ein Wesen, das man nicht einfach in Schubladen pressen kann. Heiler oder Zerstörer? Retter oder Dämon? Mensch oder Tier? Die Antwort lautet: alles und nichts davon.

Für Abitha ist Slewfoot zunächst vor allem eins: der Einzige, der ihr zuhört. Der Einzige, der sie nicht sofort verurteilt. Und genau darin liegt der Zauber dieser Allianz. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Verbindung, die nicht klar definierbar ist – keine klassische Romanze, keine reine Feindschaft, sondern ein Bündnis, das auf Notwendigkeit, gegenseitiger Faszination und tiefem Misstrauen zugleich basiert.

Slewfoot ist eine dieser Figuren, die man nicht vergisst, weil er sich jeder Schublade verweigert. Er ist archaisch, roh, ungezähmt. Er erinnert an die unbändige Natur – heilend, zerstörerisch, gleichgültig gegenüber menschlichen Moralvorstellungen.

Düsterer Schauplatz – perfekte Atmosphäre

Ich sage es gleich: Wenn du Bücher suchst, die dich in eine heimelige, kuschelige Welt entführen, dann lies lieber etwas anderes.

Broms Connecticut ist frostig, kalt und gnadenlos. Dunkle Wälder, die fast selbst ein Monster sind. Eine Dorfgemeinschaft, die in religiösem Fanatismus erstickt. Ein Winter, der sich anfühlt, als würde er nie enden.

Die Atmosphäre ist so dicht, dass man beim Lesen unwillkürlich den Schal enger zieht. Man spürt die Angst, das Misstrauen, die ständige Bedrohung. Jeder Satz atmet Kälte, Gefahr und Beklemmung. Und genau das macht die Geschichte so eindringlich.

Gesellschaftskritik in Fantasy verpackt

Das Großartige an Slewfoot ist, dass es eben nicht „nur“ ein Hexenbuch ist. Brom erzählt hier keine nette Gruselgeschichte, sondern hält uns einen Spiegel vor.

  • Wie Fanatismus Menschen zerstört.
  • Wie Frauen systematisch zum Schweigen gebracht werden.
  • Wie Macht und Religion genutzt werden, um Angst zu säen.

Das Buch hat mich oft wütend gemacht – aber im positiven Sinne. Es hat Fragen aufgeworfen, die nicht bequem sind, sondern brennen. Fragen, die auch heute noch erschreckend aktuell sind.

Denn mal ehrlich: So weit weg von 1666 sind wir manchmal gar nicht.

Kein klassischer Horror – aber tief unheimlich

Viele erwarten bei einem Buch wie diesem vielleicht Schocker-Momente, Spukhaus-Szenen oder Monster, die einem direkt ins Gesicht springen. Aber Slewfoot funktioniert anders.

Es ist kein Roman, der dich mit lauten Effekten erschreckt. Er gruselt dich langsam, unterschwellig, stetig. Die Unheimlichkeit wächst Seite für Seite, wie ein Schatten, der sich ausbreitet, bis er alles verschluckt.

Es ist die bedrückende Stimmung, die dich festhält. Dieses Gefühl, dass etwas Dunkles im Wald lauert. Dass die Dorfgemeinschaft jederzeit gegen dich aufstehen könnte. Dass du, egal was du tust, nie sicher bist.

Und dann dieses Ende …

Ich verrate natürlich nichts Konkretes, aber: Dieses Ende hat es in sich.

Es ist blutig, intensiv, brutal – und gleichzeitig von einer fast poetischen Tragik. Es ist ein Ende, das dir Herzklopfen beschert, dich wütend macht, dich traurig zurücklässt. Aber auch eines, das absolut konsequent ist.

Brom dreht hier nicht kurz vor Schluss ab, um noch ein Happy End hineinzumogeln. Nein, er bleibt seiner düsteren Vision treu – und genau das macht das Buch so stark

Slewfoot – Die Geschichte einer Hexe ist kein Buch, das man „mal eben“ liest. Es fordert dich heraus, es konfrontiert dich, es macht dich wütend, es lässt dich zweifeln. Es ist düster, unheimlich, gesellschaftskritisch – und absolut faszinierend.

Für mich ist es ein Highlight. 5/5 Sterne, ohne Zögern.

Aber: Es ist nichts für alle, die leichte Kost suchen. Hier bekommst du Bitterkeit, Kälte, Dunkelheit – und genau das macht es so großartig.

👉 Jetzt bist du dran:

Würdest du deine Freiheit verteidigen, auch wenn alle anderen dich dafür verurteilen?

Liebst du düstere, kompromisslose Fantasy, die auch gesellschaftlich den Finger in die Wunde legt?

Oder greifst du lieber zu Geschichten, die ein bisschen mehr Hoffnung und Wärme versprühen?

Lass es mich in den Kommentaren wissen – ich bin gespannt, ob du den Mut hast, dich Slewfoot zu stellen.


The Wren in the Holly Library – Der Kuss des Zaunkönigs von K.A. Linde

Kannst du die Schatten lieben, wenn du weißt, was sich in ihnen verbirgt?

The Wren in the Holly Library – Der Kuss des Zaunkönigs von K.A. Linde

Das ist nicht nur die zentrale Frage in The Wren in the Holly Library, sondern auch der perfekte Startschuss für eine Geschichte, die alles andere als rosarote Fantasy ist. Wir reden hier nicht von einer romantischen Heldinnenreise mit Regenbögen, sondern von einer Welt, die vor Düsternis, Intrigen und Geheimnissen nur so strotzt. Und ja – genau das war mein Jam.

Willkommen in den Schatten von New York

K.A. Linde entführt uns nach New York. Aber nicht in das touristische „Times-Square-und-Liberty-Statue“-New York, sondern in ein dunkles, von Monstern beherrschtes Setting, das irgendwo zwischen Urban Fantasy und Dystopie liegt.

Vor 13 Jahren haben die Monster die Herrschaft übernommen. Für Menschen heißt das: überleben, improvisieren, beten, dass man nachts nicht im Schatten verschwindet.

Für Kierse heißt das: stehlen, tricksen, überleben. Sie ist eine Straßendiebin, die sich mit kleinen Gaunereien durchs Leben schlägt. Und wie das bei Fantasy-Diebinnen so ist: eines Nachts tappt sie direkt in die Falle. Sie bricht in eine Villa ein – ausgerechnet in die von Graves, einem der mächtigsten und gefährlichsten Wesen überhaupt.

Und statt sie einfach zu zerreißen (wäre ja auch zu einfach), macht Graves ihr ein Angebot: einen Deal, der so verführerisch wie tödlich ist. Damit setzt Kierse nicht nur ihr Leben aufs Spiel, sondern – Überraschung – auch ihr Herz.

Atmosphäre zum Reinfallen

Ich liebe es, wenn Bücher ein Setting haben, das einen sofort packt. Und hier war’s genauso.

  • Der Monster-Markt im Third Floor: ein Ort, der gleichzeitig absolut abstoßend und total faszinierend ist. Ein Markt voller Schrecken, Verbotenem, Kreaturen, die einem im echten Leben Albträume bescheren würden – und trotzdem wollte ich dort verweilen, jede Ecke erforschen, jedes Geheimnis lüften.
  • Die Holly Library: Eine Bibliothek, die von der legendären Trinity College Library in Dublin inspiriert sein soll. Da ich selbst schon dort war, konnte ich sofort ein klares Bild vor Augen haben – diese endlosen Gänge voller Bücher, dieser sakrale Vibe. Nur hier eben mit einer dunklen Note, passend zum düsteren Ton der Geschichte.

K.A. Linde hat es geschafft, bekannte Orte mit einer magisch-bedrohlichen Stimmung zu verweben, sodass man beim Lesen das Gefühl hat, direkt durch diese Schattenwelt zu streifen.

Figuren zwischen Licht und Dunkelheit

Kierse ist eine Protagonistin, wie ich sie mag: mutig, schlagfertig, aber auch realistisch genug, um nicht als „perfekte Heldin“ zu wirken. Sie weiß, wo ihre Stärken liegen, sie kennt ihre Schwächen, und trotzdem springt sie ins Ungewisse – ganz nach dem Motto „wird schon“. Ich mochte ihre Bodenständigkeit und ihre Art, sich nicht unterkriegen zu lassen.

Graves dagegen … hach, Graves. Fatal schön, gefährlich, charmant, unberechenbar. Er ist der Inbegriff von morally grey: nie klar Held, nie klar Bösewicht. Lange wusste ich nicht, ob er Kierse retten oder zerstören würde. Und genau das macht ihn so spannend.

Die Dynamik zwischen den beiden entwickelt sich langsam – erst geschäftlich, dann immer persönlicher, bis es schließlich knistert. Und ja, es ist diese Art von langsamer, gefährlicher Anziehung, die einen beim Lesen zum Schmunzeln bringt, weil man weiß: Das wird noch Ärger geben.

Ein kleiner Kritikpunkt: Die Nebenfiguren wie Gen und Ethan hätten ruhig mehr Raum verdient. Sie spielen eine wichtige Rolle, bleiben aber blasser als nötig. Da wäre Potenzial für Tiefe und zusätzliche Emotionen gewesen.

Story & Stimmung

Die Handlung ist spannend und voller Wendungen. Manche Twists habe ich erahnt, andere haben mich wirklich überrascht – und genau das liebe ich. Dazu kommen die unterschwelligen Vibes von Die Schöne und das Biest, die durch die Dynamik zwischen Kierse und Graves durchschimmern. Nur eben ohne Kitsch und mit deutlich mehr Dunkelheit.

Besonders cool fand ich, dass die Geschichte Elemente aus irischer Mythologie und Sagen einbindet: Druiden, Hohepriesterinnen, Gestaltwandler – eine Vielfalt, die den Urban-Fantasy-Teil deutlich bereichert.

Natürlich gibt es hier und da Längen, aber die Gesamtstimmung, diese Mischung aus Gefahr, Geheimnissen und moralischen Grauzonen, hat mich so gepackt, dass ich das Buch kaum weglegen wollte.

The Wren in the Holly Library ist düstere Urban Fantasy, wie ich sie mag: geheimnisvoll, atmosphärisch, mit einer toughen Protagonistin und einem Love Interest, der für stundenlange Diskussionen sorgen könnte.

⭐️⭐️⭐️⭐️ (4/5)

Eine klare Empfehlung für alle, die Lust haben, in eine Welt voller Schatten, Monster und moralischer Grauzonen einzutauchen.

👉 Und jetzt die Frage an euch:

Wie steht ihr zu „morally grey“-Charakteren? Seid ihr Team „rettet die Welt“ oder eher Team „ich nehm, was mir passt und der Rest ist mir egal“?