„Dungeon Crawler Carl“ von Matt Dinniman

Es gibt Bücher, bei denen man schon nach wenigen Seiten merkt, dass hier gerade kompletter Wahnsinn passiert – und zwar genau die gute Sorte Wahnsinn. „Dungeon Crawler Carl“ von Matt Dinniman war für mich genau so ein Fall.

Und ehrlich?
Ich hatte keine Ahnung, worauf ich mich da eigentlich eingelassen habe.

Der Klappentext klingt schon völlig drüber: Aliens übernehmen die Erde, die Menschheit wird in eine sadistische Reality-Show gezwungen und plötzlich muss ein Typ in Boxershorts gemeinsam mit einer Showkatze ums Überleben kämpfen.

Klingt absurd?

Ist es auch.
Aber genau das macht dieses Buch so genial.

Die Grundidee ist komplett irre – irgendwo zwischen Die Tribute von Panem, einem völlig eskalierten Videospiel und einer Gameshow, bei der niemand jemals die Sicherheitsbestimmungen gelesen hat. Die Erde wird buchstäblich zu einem Dungeon umgebaut und die Überlebenden müssen sich Level für Level durchkämpfen, während ein intergalaktisches Publikum dabei zusieht wie bei einer gigantischen Streaming-Show.

Und mitten in diesem Chaos stehen Carl und Princess Donut.

Ganz ehrlich: Princess Donut ist jetzt schon eine Legende.

Diese Katze hat mehr Persönlichkeit als manche komplette Fantasy-Casts. Diva, Showstar, Chaosmaschine – und gleichzeitig überraschend clever. Die Dynamik zwischen ihr und Carl war für mich definitiv eines der Highlights des Buches.

Überhaupt lebt die Geschichte unglaublich stark von ihren Figuren. Carl wirkt dabei angenehm bodenständig für jemanden, dessen Leben innerhalb weniger Stunden komplett eskaliert. Er reagiert nicht wie der typische übermächtige Held, sondern oft genauso überfordert und genervt, wie man es selbst vermutlich wäre.

Und genau dadurch funktioniert der Humor so gut.

Denn dieses Buch ist unfassbar witzig.

Nicht nur gelegentlich schmunzeln-witzig, sondern wirklich absurd-chaotisch-lachend-vor-dem-Buch-sitzend-witzig. Explodierende Goblins, drogendealende Lamas, komplett kaputte Spielmechaniken und ein System, das ständig versucht, alles noch schlimmer zu machen.

Aber – und das ist der Punkt, der mich wirklich überrascht hat – hinter all diesem Chaos steckt deutlich mehr Substanz, als ich erwartet hätte.

Denn Dungeon Crawler Carl ist nicht einfach nur „Haha, Gamer-Humor“. Hinter dem Wahnsinn steckt eine ziemlich bissige Gesellschaftskritik. Diese ganze intergalaktische Unterhaltungsshow fühlt sich an wie eine völlig eskalierte Version unserer eigenen Medienwelt, in der Einschaltquoten wichtiger sind als Menschenleben.

Und genau dadurch bekommen viele Szenen plötzlich eine ganz andere Wirkung.

Die Action selbst macht dabei unglaublich viel Spaß. Die Kämpfe sind kreativ, brutal und komplett unvorhersehbar. Gleichzeitig schaffen es die Spielmechaniken tatsächlich, sich wie ein echtes Game anzufühlen, ohne dass das Buch jemals trocken oder übertechnisch wird.

Gerade das fand ich beeindruckend.

Oft verlieren LitRPGs mich irgendwann mit endlosen Skilllisten oder Erklärungen. Hier dagegen bleibt alles dynamisch und unterhaltsam. Man versteht die Mechaniken, ohne dass sie den Lesefluss zerstören.

Und dann ist da dieses Tempo.

Dieses Buch kennt gefühlt keine Pause. Ständig passiert irgendetwas Neues, ständig eskaliert die Situation weiter und ständig denkt man sich: Okay, nur noch ein Kapitel.

Spoiler:
Es bleibt natürlich nie bei einem Kapitel.

Trotz des Humors funktionieren aber auch die emotionalen Momente überraschend gut. Hinter all der Action steht immer das Gefühl, dass echte Konsequenzen existieren. Dass Figuren tatsächlich verlieren können. Dass dieses System grausam ist.

Und genau deshalb fiebert man irgendwann viel stärker mit, als man anfangs erwartet hätte.

Natürlich lebt das Buch stark von seinem überdrehten Stil. Wer mit Gaming-Humor, absurden Situationen oder völlig eskalierenden Geschichten nichts anfangen kann, wird hier wahrscheinlich nicht glücklich. Aber wenn man sich darauf einlässt, bekommt man eine der unterhaltsamsten Fantasy/Sci-Fi-Mischungen, die ich seit Langem gelesen habe.

Und ja… natürlich endet das Ganze genau so, dass man sofort Band zwei braucht.

Zum Glück existieren schon mehrere Teile, denn ich bin definitiv noch nicht fertig mit diesem komplett verrückten Dungeon.

Für mich ein herrlich chaotischer, brutaler und überraschend cleverer Genre-Mix mit extrem hohem Suchtfaktor.

4,5 von 5 Sternen ⭐️