A Curse so Divine von Emily Bähr

Es gibt Reihen, die liest man – und dann gibt es diese Geschichten, die einen über mehrere Bände hinweg begleiten, wachsen lassen und Stück für Stück tiefer hineinziehen. A Curse so Divine von Emily Bähr gehört für mich genau in diese zweite Kategorie. Und mit „Der Fluch, der uns vereint“ ist nun der Abschluss dieser Trilogie gekommen – ein Moment, auf den ich mich gefreut habe und vor dem ich gleichzeitig ein wenig Respekt hatte.

Denn ein Finale muss so vieles leisten. Es soll Antworten geben, offene Fragen schließen, Emotionen auffangen – und gleichzeitig diesem Gefühl gerecht werden, das sich über die gesamte Reihe aufgebaut hat.

Der dritte Band setzt direkt dort an, wo der vorherige geendet hat. Ohne große Umwege geht es zurück in eine Welt, die sich im Laufe der Geschichte immer weiter verdichtet hat. Aethra wirkt düsterer, angespannter, gezeichnet von Hunger, Angst und den Konsequenzen der Vergangenheit. Man merkt sofort: Hier steht alles auf dem Spiel.

Ligeia ist wieder mittendrin. Ihre Reise hat sich über die Reihe hinweg stark verändert – und genau das macht sie zu einer so spannenden Figur. Sie ist nicht mehr dieselbe wie am Anfang. Ihre Entscheidungen tragen Gewicht, ihre Gefühle sind greifbarer, ihre Ziele klarer. Und doch bleibt sie sich in ihrer Art treu: entschlossen, emotional und bereit, alles zu riskieren.

An ihrer Seite Apsinthion – oder Thion – dessen Entwicklung ich über alle drei Bände hinweg besonders mochte. Die Verbindung zwischen den beiden ist es, die diese Geschichte trägt. Keine laute, überdramatisierte Liebe, sondern eine, die gewachsen ist. Die sich durch Zweifel, Schmerz und Distanz hindurch entwickelt hat. Eine Liebe, die nicht perfekt ist, aber genau deshalb so echt wirkt.

Was mir im Finale besonders gefallen hat, ist, wie viele Handlungsstränge zusammengeführt werden. Fragen, die sich über mehrere Bände aufgebaut haben, bekommen endlich Antworten. Zusammenhänge werden klarer, Entscheidungen verständlicher. Es entsteht ein Gesamtbild, das sich stimmig anfühlt und zeigt, wie durchdacht diese Geschichte eigentlich ist.

Der Schreibstil von Emily Bähr ist dabei wie gewohnt sehr einnehmend. Flüssig, atmosphärisch und voller Gefühl. Man gleitet durch die Seiten, taucht ein in diese Welt, ohne darüber nachdenken zu müssen. Gerade die emotionalen Szenen – vor allem die Dialoge zwischen Ligeia und Thion – haben mir wieder besonders gut gefallen. Sie geben der Geschichte trotz aller Dunkelheit immer wieder kleine, leise Momente, die berühren.

Trotzdem muss ich sagen, dass sich der Einstieg für mich etwas holprig angefühlt hat. Mir hat eine kleine Rückführung gefehlt – ein Moment des Ankommens, ein kurzes Auffangen der Ereignisse aus Band zwei. So musste ich mich erst wieder orientieren, bevor ich wirklich in die Geschichte zurückfinden konnte.

Auch im Verlauf gab es für mich ein paar Längen. Einige Passagen hätten etwas straffer sein dürfen, da sich das Tempo zwischendurch leicht gezogen hat. Das hat meinen Lesefluss zwar nicht komplett gestört, aber ich habe es gemerkt.

Der größte Knackpunkt für mich war jedoch tatsächlich das Ende.

Nicht, weil es schlecht gewesen wäre – ganz im Gegenteil. Es passt zur Geschichte, zu den Figuren, zu dem, was aufgebaut wurde. Aber emotional hat es mich nicht ganz so erreicht, wie ich es mir gewünscht hätte. Vielleicht lag es an meinen Erwartungen, vielleicht daran, dass ich mir einen anderen, etwas sanfteren Ausklang erhofft hatte.

Es ist eines dieser Enden, bei denen man versteht, warum es so gewählt wurde – aber es hinterlässt nicht dieses ganz tiefe Gefühl, das man sich nach einer so intensiven Reise wünscht.

Und trotzdem: Dieses Finale macht vieles richtig.

Es schließt die Geschichte ab, ohne sie zu überstürzen. Es gibt Antworten, ohne alles zu erklären. Und es bleibt sich selbst treu – in seiner Stimmung, in seiner Emotionalität, in seiner Welt.

Für mich ist „Der Fluch, der uns vereint“ ein starker Abschluss einer besonderen Reihe. Nicht perfekt, aber stimmig. Und vor allem getragen von zwei Figuren, die diese Geschichte zu etwas Eigenem gemacht haben.

4 von 5 Sternen ⭐️
Eine Reise, die ich gerne gegangen bin – auch wenn ich mir am Ende ein kleines bisschen mehr Gefühl gewünscht hätte.