„Kiss of the Broken“ von Julia Pauss

Manchmal gibt es Reihen, bei denen man nach dem ersten Band sofort weiß: Wenn ich hier nicht direkt weiterlesen kann, werde ich leiden. 😅 Genau so ging es mir nach dem Cliffhanger von „Kiss of the Broken“ von Julia Pauss. Und zum Glück hat der zweite Band genau dort weitergemacht, wo mein Nervenzusammenbruch ungefähr begonnen hat.

Schon der Einstieg gelingt unglaublich gut, weil man ohne lange Umwege direkt wieder mitten im Chaos steckt. Die Situation hat sich zugespitzt, die Dämonen haben triumphiert und Scarlett befindet sich plötzlich in einem erbarmungslosen Überlebenskampf hinter feindlichen Linien.

Und genau das merkt man der gesamten Geschichte an: Alles wirkt düsterer. Härter. Hoffnungsloser.

Während der erste Band noch stärker von dieser verbotenen Spannung und dem langsamen Aufbau der Beziehung gelebt hat, fühlt sich die Fortsetzung deutlich intensiver und emotional schwerer an. Die Atmosphäre ist fast durchgehend bedrückend und genau das passt perfekt zur Entwicklung der Handlung.

Besonders gefallen hat mir, dass das Worldbuilding in diesem Band noch einmal deutlich erweitert wird. Während wir zuvor hauptsächlich die Welt der Menschen kennengelernt haben, öffnet sich die Geschichte jetzt viel stärker in Richtung Tenebria und damit auch in die Welt der Dämonen.

Und ganz ehrlich?
Das war für mich eines der Highlights.

Diese düstere, brutale Welt bringt nochmal eine ganz andere Stimmung in die Geschichte. Man merkt deutlich, wie gefährlich alles geworden ist und dass hier längst nicht mehr nur persönliche Konflikte im Mittelpunkt stehen, sondern das Schicksal eines gesamten Königreichs.

Dabei schafft Julia Pauss es wieder sehr gut, Atmosphäre aufzubauen. Der Schreibstil ist flüssig, intensiv und unglaublich leicht zu lesen. Gerade emotionale Szenen wirken sehr bildhaft und ziehen einen schnell in die Geschichte hinein.

Allerdings hatte ich bei manchen Aspekten des Worldbuildings auch kleinere Schwierigkeiten. Besonders die verschiedenen Dämonenarten fand ich zwar spannend, aber nicht immer leicht greifbar. Teilweise hätte ich mir hier noch klarere Beschreibungen gewünscht, um mir alles besser vorstellen zu können.

Auch das Magiesystem rückt stärker in den Fokus und genau da gab es für mich Momente, in denen ich mir etwas mehr Erklärung gewünscht hätte. Die Grundideen fand ich richtig spannend, aber manche Abläufe blieben für mich eher vage.

Trotzdem hat mich die Geschichte emotional absolut abgeholt – vor allem wegen der Figuren.

Scarlett und Ren bleiben weiterhin das Herz der Reihe. Ihre Verbindung ist intensiv, kompliziert und ständig von Gefahr überschattet. Besonders Rens innerer Konflikt wurde für mich unglaublich gut dargestellt. Diese Mischung aus Wut, Enttäuschung, Schuld und Gefühlen sorgt dafür, dass er nie eindimensional wirkt.

Allerdings verändert sich die Dynamik zwischen den beiden im Vergleich zum ersten Band spürbar.

Während sie dort fast dauerhaft gemeinsam unterwegs waren und man jede Entwicklung direkt miterleben konnte, werden sie hier zeitweise getrennt. Dadurch verschiebt sich der Fokus etwas stärker auf die Gesamtgeschichte und die Nebenfiguren.

Das hat der Welt zwar mehr Tiefe gegeben, gleichzeitig fehlte mir dadurch stellenweise genau diese intensive Nähe zwischen Ren und Scarlett, die ich im Auftakt besonders geliebt habe.

Auch die romantischen Szenen sind deutlich intensiver geworden. Atmosphärisch kann die Autorin das wirklich unglaublich gut schreiben – emotional, düster und voller Spannung. Für meinen persönlichen Geschmack waren es allerdings an manchen Stellen fast etwas zu viele Szenen dieser Art, besonders wenn sie mitten in sehr angespannten Situationen auftauchten.

Was mir im ersten Band besonders gefallen hatte, war dieses langsame Annähern, dieses vorsichtige Entwickeln von Vertrauen. Genau dieser Aspekt tritt hier etwas stärker in den Hintergrund.

Spannend bleibt die Geschichte trotzdem durchgehend. Vielleicht gab es weniger große Überraschungen und schockierende Wendungen als im ersten Band, aber dafür funktioniert das Buch viel stärker über Atmosphäre, Emotionen und die Entwicklung der Figuren.

Und gerade gegen Ende zieht die Geschichte nochmal richtig an.

Ein neuer Handlungsstrang rund um Scarlett hat mich emotional komplett abgeholt und dafür gesorgt, dass ich das Buch kaum noch aus der Hand legen konnte.

Das Finale selbst fand ich dann wirklich gelungen. Die Geschichte bekommt einen runden Abschluss, ohne überhastet zu wirken. Man merkt, dass sich die Autorin Zeit genommen hat, die Handlung sauber zu Ende zu führen und den Figuren Raum zu geben.

Und genau so wünsche ich mir ein Finale.

Für mich ist „Kiss of the Broken“ ein würdiger Abschluss der Dilogie. Vielleicht hat mich der Auftakt emotional noch ein kleines bisschen stärker gepackt, aber die Fortsetzung überzeugt mit intensiver Atmosphäre, düsterem Worldbuilding und Figuren, die einen bis zum Ende mitfiebern lassen.

Starke 4 von 5 Sternen ⭐️
Und definitiv eine Reihe, die besonders Fans düsterer Romantasy begeistern dürfte.