Manchmal sind es genau diese Geschichten, die einen sofort neugierig machen: eine abgelegene Insel, eine Gruppe von Freundinnen, ein lang gehütetes Geheimnis – und das unterschwellige Gefühl, dass dieses Wochenende alles andere als harmlos verlaufen wird. Genau so ging es mir mit „Bachelorette Party“ von Camilla Sten.
Die Ausgangssituation klang für mich nach genau der Art Thriller, die ich eigentlich liebe. Ein Junggesellinnenabschied auf einer schwedischen Schäreninsel – das verspricht erst einmal Leichtigkeit, Sommer, Freundschaft. Doch schon bei der Ankunft liegt etwas in der Luft, das sich nur schwer greifen lässt. Diese feine, fast unmerkliche Gänsehaut, die sich durch die ersten Kapitel zieht, hat mir wirklich gut gefallen.
Vor allem das Setting konnte mich direkt abholen. Diese Abgeschiedenheit, das Gefühl, von der Außenwelt abgeschnitten zu sein, die Weite des Meeres – all das sorgt für eine Atmosphäre, die wie gemacht ist für einen Thriller. Eine Insel, von der man nicht einfach wegkommt, hat immer etwas Beklemmendes. Und genau dieses Gefühl schwingt hier immer wieder mit.
Besonders spannend wird es durch die Verbindung zur Vergangenheit. Vor zehn Jahren sind genau an diesem Ort vier Frauen spurlos verschwunden – ein Cold Case, der nie aufgeklärt wurde. Die Idee, diese beiden Zeitebenen miteinander zu verknüpfen, fand ich grundsätzlich richtig stark. Vergangenheit und Gegenwart greifen ineinander, und als Leser versucht man ständig, die Puzzleteile zusammenzusetzen.
Allerdings hat genau dieser Aufbau für mich nicht immer so gut funktioniert, wie ich es mir gewünscht hätte. Die Wechsel zwischen den Zeitebenen waren stellenweise eher verwirrend als spannend, gerade zu Beginn musste ich mich erst einmal orientieren. Dadurch ging für mich ein Teil der eigentlich möglichen Spannung verloren.
Im Mittelpunkt steht Tessa, eine Journalistin, die den alten Fall nicht vergessen kann. Sie bringt eine gewisse Grundspannung mit, weil sie Dinge hinterfragt und Zusammenhänge sieht, die andere vielleicht übersehen. Trotzdem ist sie mir emotional nicht wirklich nahgekommen. Auch ihre Entscheidungen konnte ich nicht immer ganz nachvollziehen, was es mir schwer gemacht hat, wirklich mit ihr mitzufiebern.
Ähnlich ging es mir mit den anderen Figuren. Die Dynamik innerhalb der Freundinnengruppe wirkte auf mich oft distanziert. Es fehlte dieses Gefühl von Vertrautheit, von echter Verbindung. Stattdessen hatte ich eher den Eindruck, dass zwischen ihnen vieles unausgesprochen bleibt – was zwar zur Geschichte passt, aber es gleichzeitig schwieriger macht, eine Bindung zu den Charakteren aufzubauen.
Der Schreibstil selbst ist dagegen sehr angenehm. Flüssig, klar und durch die eher kurzen Kapitel kommt man gut voran. Gerade zum Ende hin entwickelt das Buch auch eine gewisse Sogwirkung, die mich nochmal deutlich stärker gepackt hat.
Der Mittelteil hingegen zog sich für mein Empfinden etwas. Die Spannung bleibt lange eher auf einem unterschwelligen Niveau, ohne sich richtig zu entfalten. Dabei hätte gerade das Zusammenspiel aus Vergangenheit, Geheimnissen und der isolierten Insel so viel Potenzial gehabt, um noch intensiver zu wirken.
Erst im letzten Drittel zieht das Tempo spürbar an. Ereignisse überschlagen sich, die Bedrohung wird greifbarer und man merkt, dass die Geschichte auf ihren Höhepunkt zusteuert.
Die Auflösung hat mich dann mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Einige Entwicklungen waren für mich relativ früh absehbar, andere wirkten dagegen etwas konstruiert oder nicht ganz rund. Gerade nach dem eher langsamen Aufbau hätte ich mir hier einen stärkeren, vielleicht auch überraschenderen Abschluss gewünscht.
Trotzdem bleibt „Bachelorette Party“ ein solider Thriller. Die Grundidee ist spannend, das Setting atmosphärisch dicht und der Schreibstil macht es leicht, dranzubleiben. Für mich hat das Buch jedoch nicht ganz das Potenzial ausgeschöpft, das in dieser Geschichte gesteckt hätte.
Ein Thriller, der gut unterhält, aber nicht lange nachhallt.
3 von 5 Sternen ⭐️
