Es gibt diese Bücher, die gefühlt ewig im Regal stehen. Man nimmt sie immer wieder in die Hand, liest den Klappentext – und schiebt sie dann doch noch ein bisschen weiter nach hinten. Und dann kommt dieser Moment, in dem man endlich zugreift… und sich fragt, warum man so lange gewartet hat.
Genau so ging es mir mit „The Will of the Many“ von James Islington.
Ich hatte das Buch schon seit Monaten auf meinem SuB liegen – mit dem festen Plan, es irgendwann zu lesen, wenn ich „bereit“ dafür bin. Und rückblickend kann ich sagen: Ja, dieses Buch verlangt einem am Anfang wirklich einiges ab.
Denn man wird nicht sanft in die Welt eingeführt.
Man wird hineingeworfen. Direkt. Ohne große Erklärungen. Ohne Sicherheit.
Die Welt, die Islington hier erschafft, ist komplex, politisch aufgeladen und basiert auf einem faszinierenden System: Macht wird durch sogenannte Willensgabe verteilt. Je höher dein Rang, desto mehr „Willen“ kannst du von anderen nehmen – und desto mächtiger wirst du. Ein System, das nicht nur Ungleichheit schafft, sondern sie fest in der Gesellschaft verankert.
Und genau in dieser Welt begleiten wir Vis. Oder zumindest den Namen, den er vorgibt zu haben. Denn Vis spielt ein gefährliches Spiel. Er gehört nicht wirklich dazu. Er täuscht, manipuliert, passt sich an – alles mit einem Ziel: Antworten finden.
Seine Perspektive trägt die gesamte Geschichte, und genau das macht sie so intensiv. Man erlebt seine Zweifel, seine Entscheidungen und vor allem diesen ständigen Druck, nicht aufzufliegen. Denn ein einziger Fehler könnte alles beenden.
Das Akademie-Setting verstärkt diese Spannung noch einmal enorm. Prüfungen, Hierarchien, Machtspiele – nichts ist einfach, nichts ist sicher. Jeder verfolgt eigene Ziele, jeder hat etwas zu verlieren.
Was mir besonders gefallen hat, sind die Charaktere.
Sie wirken vielschichtig, glaubwürdig und vor allem nicht eindeutig gut oder böse. Jeder bewegt sich irgendwo in einer Grauzone, was perfekt zu dieser Welt passt.
Allerdings muss ich auch sagen: Die ersten 200 Seiten waren für mich die größte Herausforderung.
So viele Informationen, so viele Zusammenhänge – ich musste mich wirklich erst zurechtfinden. Aber sobald ich die Grundstrukturen verstanden hatte, hat mich die Geschichte komplett gepackt.
Ab diesem Punkt konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen.
Die Intrigen, die Entwicklungen, die moralischen Konflikte – all das zieht einen immer tiefer in die Geschichte hinein. Und gerade das Ende…
Ich sag nur so viel: Ich bin sehr froh, dass Band zwei schon bereitliegt.
„The Will of the Many“ ist komplex, anspruchsvoll und definitiv nichts für nebenbei – aber genau das macht es so besonders.
Eine Geschichte voller politischer Intrigen, moralischer Grauzonen und einer Welt, die man erst verstehen muss, um sie wirklich zu schätzen.
Für mich ein absolutes Highlight für alle, die tiefgründige Fantasy lieben. 4,5 von 5 Sternen ⭐️
Und jetzt heißt es: direkt weiter mit Band zwei.
