Und weiter geht’s mit Autoren, die viel mehr Aufmerksamkeit verdient haben
Kennt ihr diese Entdeckungen, bei denen man sich im Nachhinein fragt:
Warum habe ich von diesem Autor eigentlich nicht schon früher etwas gelesen?
Genau so ging es mir mit Arne M. Boehler.
„… und war tot.“ ist der zweite Band rund um Hauptkommissarin Svenja Paulus – und gleichzeitig mein erstes Buch des Autors. Und was soll ich sagen? Ich bin direkt hängen geblieben. Vom ersten Kapitel an. Ohne Umwege. Ohne langsames Reinkommen. Einfach: drin.
Schon der Einstieg hat mich kalt erwischt.
Eine Freundin, die aus dem Nachthimmel fällt. Ein Geräusch. Ein Moment. Ein Bild, das man nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Der Prolog ist verstörend, intensiv und gleichzeitig unglaublich fesselnd. Man weiß sofort: Das hier wird kein gemütlicher Nebenbei-Thriller. Das hier meint es ernst.
Arne Boehler schreibt mit einer Frische und Direktheit, die sofort wirkt. Der Stil ist klar, temporeich und sehr angenehm zu lesen. Die Kapitel haben genau die richtige Länge, um immer noch „eins mehr“ zu lesen. Und dann noch eins. Und noch eins. Ihr kennt das.
Ich war von Beginn an nah bei Svenja. Ihre Gedanken, ihre Zweifel, ihr Privatleben – all das fließt ganz selbstverständlich in die Geschichte ein. Nichts wirkt aufgesetzt oder unnötig. Beruf und Persönliches sind miteinander verwoben, ohne sich gegenseitig zu erdrücken. Genau so mag ich das.
Besonders ans Herz gewachsen ist mir Iska.
Was für eine Figur. Ecken, Kanten, Tiefe, Widersprüche. Keine glattgebügelte Nebenfigur, sondern jemand, der hängen bleibt. Ihre Geschichte, ihr Auftreten, ihre Verletzlichkeit und gleichzeitig ihre Stärke – ich hoffe sehr, dass sie auch in den nächsten Bänden eine größere Rolle spielen wird.
Die Handlung selbst ist extrem spannend konstruiert. Mehrere Fälle, verschiedene Ebenen, viele kleine Hinweise, die man beim Lesen sammelt wie Puzzleteile. Und obwohl man immer wieder Kapitel aus der Sicht des Täters bekommt, obwohl man glaubt, etwas zu ahnen – ich lag komplett daneben. Wirklich komplett.
Ich hatte Phasen, da habe ich innerlich jeden verdächtigt. Dann wieder niemanden. Dann wieder alle. Dieses ständige Rätseln, dieses Kribbeln, dieses „Moment, das passt doch nicht…“ – genau das liebe ich an guten Thrillern.
Die Wendungen kommen überraschend, aber nie unfair. Sie sind logisch, nachvollziehbar und rückblickend sogar clever platziert. Erst am Ende merkt man, wie sorgfältig alles aufgebaut wurde.
Auch emotional hat mich das Buch gepackt.
Es geht nicht nur um Verbrechen, sondern auch um Vertrauen, Vergangenheit, Schuld, Loyalität und darum, wie sehr Menschen an alten Verbindungen festhalten – selbst wenn sie gefährlich werden.
Besonders stark fand ich, dass sich der zweite Band problemlos auch ohne Kenntnis von Band 1 lesen lässt. Trotzdem: Ich werde den ersten Teil definitiv noch nachholen. Nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus echter Neugier.
Denn dieses Buch hat mich überzeugt. Von vorne bis hinten.
„… und war tot.“ ist ein Thriller, der Tempo, Atmosphäre, starke Figuren und einen intelligenten Plot vereint. Einer, der Spaß macht, der fordert und der lange im Kopf bleibt.
Für mich eine echte Entdeckung.
⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ 5/5 Sterne
Klare Leseempfehlung – und ein Autor, den ich ab jetzt definitiv im Blick behalte.
