Es gibt Autorinnen, bei denen man irgendwann gar nicht mehr groß überlegen muss. Man greift einfach – weil man weiß: Das wird gut. Genau so ist es für mich inzwischen bei Julia Dippel.
Und trotzdem hatte ich bei „Velvet Falls, but the Gods forgot to die“ erst mal diesen einen Gedanken:
Urban Fantasy… Neuzeit… okay, ich muss mich da immer noch ein bisschen reinfinden.
Ich liebe epische Welten, fremde Reiche, Drachen und Magie – aber wenn das Ganze plötzlich in unserer Welt spielt, brauche ich oft einen Moment, um anzukommen. Und genau deshalb war ich umso gespannter, wie mich dieses Buch abholen würde.
Und was soll ich sagen? Ich war schneller drin, als ich erwartet hätte.
Der Einstieg ist direkt, ohne große Erklärungen, ohne langes Worldbuilding am Anfang. Man wird einfach in die Geschichte geworfen – und genau das funktioniert hier erstaunlich gut. Stück für Stück setzt sich die Welt zusammen, man versteht die Regeln, passt seine eigenen Vorstellungen immer wieder an und ist dabei die ganze Zeit mittendrin.
Velvet als Protagonistin hat mich sofort überzeugt.
Sie ist stark, schlagfertig, unabhängig – und vor allem: Sie kann sich selbst verteidigen. Keine Figur, die gerettet werden muss, sondern eine, die selbst kämpft. Und das nicht nur einmal. Ich mochte ihre Energie unglaublich gerne, diese Mischung aus Härte und Verletzlichkeit, die sie so greifbar macht.
Bei Kash hingegen habe ich etwas länger gebraucht.
Er bleibt lange distanziert, kühl, schwer zu durchschauen. Man merkt schnell, dass zwischen ihm und Velvet eine Vergangenheit liegt, die alles andere als abgeschlossen ist. Diese unterschwellige Spannung zieht sich durch viele Szenen – aber seine Gefühle bleiben lange ein Rätsel. Erst nach und nach öffnet er sich, und genau dann konnte ich auch eine Verbindung zu ihm aufbauen.
Und dann… Monty.
Ganz ehrlich: Dieses kleine, schwarze, glibberige Chaoswesen hat mein Herz im Sturm erobert.
Er ist laut, anhänglich, völlig drüber – und gleichzeitig einfach nur liebenswert. Jede Szene mit ihm war für mich ein Highlight. Ich bin offiziell dafür, dass Marmeladenglas-Dämonen einen festen Platz in jedem Fantasybuch bekommen.
Die Geschichte selbst konnte mich wirklich fesseln.
Der Schreibstil ist extrem mitreißend, sodass ich nur so durch die Seiten geflogen bin. Gleichzeitig hatte ich aber auch das Gefühl, dass sich bestimmte Abläufe wiederholen. Gerade der Umgang mit Velvets Kräften folgt oft einem ähnlichen Muster, was irgendwann leicht vorhersehbar wird.
Dafür zieht das Tempo zum Ende hin extrem an.
So sehr, dass ich stellenweise kaum hinterherkam. Die Ereignisse überschlagen sich, Wendungen passieren Schlag auf Schlag – und obwohl ich einiges erahnen konnte, hat mich der Plot dennoch gut unterhalten.
Was ich mir persönlich etwas mehr gewünscht hätte, ist mehr Tiefe im Worldbuilding. Die Ansätze sind da, die Ideen spannend – aber ich hatte das Gefühl, dass da noch viel mehr möglich gewesen wäre.
Trotzdem: Ich habe dieses Buch wirklich gerne gelesen.
Es fühlt sich anders an als vieles, was ich zuletzt gelesen habe – frischer, moderner, dynamischer. Und auch wenn nicht alles perfekt war, hat mich die Geschichte gepackt und neugierig auf mehr gemacht.
Und dieses Ende…
Ja, dieser Cliffhanger ist wirklich fies.
Ich will definitiv wissen, wie es weitergeht – und bis dahin greife ich wahrscheinlich einfach nochmal zu einem anderen Buch von Julia Dippel, weil ihr Schreibstil mich einfach immer wieder abholt.
Ein spannender, moderner Fantasy-Auftakt mit starken Charakteren, einem süchtig machenden Schreibstil und einem kleinen Dämon, der allen die Show stiehlt.
3,5 von 5 Sternen ⭐️
Und ganz klar: Ich bin gespannt auf Band zwei.
