Es gibt Themen in der Buchbubble, die tauchen immer wieder auf. Ganz leise, fast unauffällig – und plötzlich sind sie überall. Eines davon ist für mich seit einiger Zeit die Frage: Sind Monatsrückblicke eigentlich Inspiration… oder schon Protzen?
Ich habe meine gelesenen Bücher am Monatsende lange Zeit sehr gern gezeigt. Für mich war das immer ein kleines Ritual. Ein Moment zum Innehalten. Zum Zurückblicken. Zum Sortieren. Welche Geschichten haben mich begleitet? Welche haben mich überrascht? Welche haben mich enttäuscht? Welche haben mich nicht mehr losgelassen? Diese Stapel waren für mich nie eine Trophäensammlung, sondern eher ein persönliches Lesetagebuch in Bildern. Ein „Das war mein Monat in Geschichten“.
Irgendwann bin ich dann immer häufiger über Beiträge gestolpert, in denen genau diese Stapel kritisiert wurden. Zu protzig. Zu viel. Zu leistungsorientiert. Zu sehr Vergleich. Und plötzlich saß ich da und habe mich gefragt, ob ich mit meinen Rückblicken vielleicht unbewusst genau das ausgelöst habe. Ob jemand mein Bild sieht und denkt: Warum schaffe ich das nicht? Warum bin ich so langsam? Warum bin ich nicht „gut genug“ als Leser?Das hat mich ehrlich beschäftigt.
Denn aus meiner Sicht waren diese Rückblicke immer das Gegenteil von Angeberei. Ich mochte sie, weil sie ehrlich, übersichtlich und nahbar sind. Man sieht auf einen Blick, was jemand gelesen hat, wie es gefallen hat, was man vielleicht selbst ausprobieren möchte. Oft sind sie hilfreicher als zehn Seiten Rezension, weil sie kompakt zeigen: Das war gut. Das eher nicht. Das lohnt sich. Das kannst du dir sparen.
Ich selbst liebe es, durch die Monatsrückblicke anderer zu scrollen. Ich speichere mir Bücher, entdecke Neues, erkenne Gemeinsamkeiten. Für mich ist das Austausch. Inspiration. Community.
Und trotzdem verstehe ich die andere Seite.
Ich verstehe, dass solche Stapel Druck machen können. Gerade, wenn man wenig Zeit hat, müde ist, mental ausgelaugt, vielleicht gerade gar nicht richtig lesen kann. Dann wirken zwanzig Bücher im Monat plötzlich wie eine Messlatte, die man nie erreichen wird. Und obwohl niemand sie bewusst setzt, ist sie auf einmal da.
Lesen sollte kein Wettbewerb sein. Kein Marathon. Kein „Wer war produktiver?“. Lesen ist Rückzug, Genuss, Pause, Zuflucht. Und manchmal ist ein Buch im Monat ein Erfolg. Manchmal ist ein Kapitel schon viel. Und manchmal ist es okay, monatelang gar nichts zu lesen.
Ich glaube, genau da liegt der Kern.
Es geht nicht darum, ob man seine Bücher zeigt oder nicht. Es geht darum, wie. Mit welchem Gefühl. Mit welcher Haltung. Ob man teilt, um zu inspirieren, um ins Gespräch zu kommen, um seine Freude zu zeigen. Oder ob man teilt, um sich selbst aufzuwerten.
Ich weiß für mich, wie ich es meine. Meine Stapel waren nie „Schaut, wie krass ich bin“. Sie waren immer „Schaut, was mich diesen Monat begleitet hat“. Geschichten, die mich zum Lachen gebracht haben. Zum Weinen. Zum Nachdenken. Zum Abschalten.
Und vielleicht dürfen beide Sichtweisen nebeneinander existieren. Die, die gerne Rückblicke posten. Und die, die sie lieber meiden. Die, die viel lesen. Und die, die wenig lesen. Die, die jeden Monat stapeln. Und die, die einfach still genießen.
Am Ende geht es doch darum, dass wir alle aus dem gleichen Grund hier sind: weil wir Bücher lieben. Auf unsere ganz eigene Art.
Und deshalb interessiert mich wirklich eure Meinung.
Wie fühlt ihr euch bei Monatsrückblicken?
Motiviert? Inspiriert? Gestresst? Gleichgültig?
Postet ihr selbst welche? Oder scrollt ihr lieber weiter?
Lasst uns darüber reden. Ehrlich. Ohne Vergleiche. Ohne Bewertung. Einfach als Menschen, die Geschichten lieben. 📚✨
