Bücher - zwischen Liebe und Sucht

Eine Frage, die man sich vermutlich nur stellt, wenn man vor einem randvollen Bücherregal steht – und zwar nicht mit einem Buch in der Hand, sondern mit diesem leicht schuldbewussten Blick, den andere Menschen sonst nur aus dem Keller kennen, wenn sie ihre Weinvorräte zählen.

Was meint ihr: Haben wir alle ein kleines Suchtproblem?

Ich habe das jahrelang konsequent von mir gewiesen. Sucht? Ich bitte euch. Ich lese halt gern. Sehr gern. Überdurchschnittlich gern. Nächtelang gern. Mit „Nur noch ein Kapitel“-Selbstbetrug gern. Aber süchtig? Nein. Niemals.

Bis zu diesem einen Moment.

Ich saß da, ganz harmlos, ließ den Blick über meine Bücherregale schweifen – voll, doppelt belegt, in Reihen gestapelt, teilweise mit kreativer Querlagerung – und plötzlich kam dieses leise Grübeln. Nicht panisch. Eher so ein inneres Stirnrunzeln. Muss das alles sein? Brauche ich wirklich so viele?

Und dann kam er.

Mein Mann.

Mit diesem Satz.

„Du könntest mal wieder aussortieren.“

Natürlich sortiere ich aus. Regelmäßig sogar. Ich bringe Bücher in den Bücherschrank, verschenke sie, lasse sie weiterziehen. Aber – und das ist ein sehr wichtiges Aber – was bleibt, ist die Crème de la Crème. Die Herzensbücher. Die, die Nächte geraubt haben, die mich haben frieren, zittern, lachen oder weinen lassen. Bücher, bei denen ich beim Umblättern wusste: Das hier ist etwas Besonderes.

Und ganz ehrlich: Wie soll man so ein Buch weggeben?

Ein Buch, das dich fasziniert hat, das dich in fremde Welten getragen, dich begleitet, dich verändert hat – das ist doch unbezahlbar. Das ist kein Gegenstand, das ist eine Erinnerung. Ein Gefühl. Ein Stück von mir.

Manche dieser Bücher werde ich irgendwann wieder lesen. Andere vielleicht nicht. Aber allein ihr Anblick zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. Sie erinnern mich daran, wie ich mich gefühlt habe, als ich sie gelesen habe. Und manchmal reicht genau das.

Andere sammeln Handtaschen. Oder Schuhe. Oder Stoffe. Oder Deko, die niemand braucht, aber hübsch aussieht.

Ich sammle Geschichten.

Ich sammle Welten.

Ich sammle Nächte, in denen ich „nur noch eine Seite“ lesen wollte und plötzlich die Sonne aufging.

Wenn das eine Sucht ist – dann eine verdammt schöne.

Und ganz ehrlich: Es könnte schlimmer sein, oder? 📚✨