Seit ich als Kind zum ersten Mal Die Mumie gesehen habe, lässt mich Ägypten nicht mehr los. Pharaonen, Pyramiden, Hieroglyphen, diese Mischung aus Geschichte, Mythos und uraltem Zauber – das hat mich schon immer fasziniert. Ägypten fühlt sich an wie ein Ort, an dem Geheimnisse nicht einfach vergangen sind, sondern nur schlafen. Und genau deshalb ist es doch eigentlich das perfekte Setting für eine Horrorgeschichte. Oder?
Mit „Cursed King TuT: (K)Ein Märchen aus Blut und Sand“ von Noira Händel bin ich genau mit dieser Erwartung gestartet – und dann ganz anders abgeholt worden, als gedacht.
Die Geschichte greift einen der bekanntesten Mythen der Welt auf: den Fluch des Pharaos. Tutanchamun, seine goldene Totenmaske, sein rätselhafter Tod – Unfall, Krankheit, Mord oder doch etwas Übernatürliches? Das Buch spielt mit all diesen Fragen und verwebt Vergangenheit und Gegenwart auf eine Weise, die neugierig macht. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die eher ungewollt zur Schlüsselfigur eines uralten Grauens wird – eines Fluchs, der weniger mit Mumien und mehr mit menschlichen Abgründen zu tun hat.
Der Einstieg ist ruhig, fast unscheinbar. Nora besucht gemeinsam mit ihrer besten Freundin Kat eine Ausstellung über das alte Ägypten. Viel Atmosphäre, viel Neugier, viel Vorfreude auf das, was noch kommen könnte. Lange Zeit fühlte sich das Buch für mich eher wie ein Drama-Abenteuer an als wie ein Horrorroman. Und das war tatsächlich sehr schön geschrieben. Ich bin gern mit den Figuren gegangen, habe die Stimmung genossen, die Bilder im Kopf entstehen lassen. Gleichzeitig musste ich aber auch feststellen: Meine Horror-Erwartung wurde zunächst nicht erfüllt.
Und dann kamen die letzten Seiten.
Plötzlich zieht die Geschichte brutal an. Erst ganz am Ende ändert sich der Ton radikal. Die letzten Seiten sind hart, unangenehm und gnadenlos. Hier zeigt sich der eigentliche Horror – nicht durch Flüche oder Mumien, sondern durch das, was Menschen einander antun können. Gewalt, Kontrollverlust und Vergeltung stehen plötzlich im Fokus und kippen die Geschichte in eine düstere, fast schon brutale Richtung. Dieser Teil hat mich eiskalt erwischt.
Gleichzeitig war das auch mein größter Kritikpunkt: Genau dort, wo es für mich richtig intensiv wurde, endet das Buch. Ich hätte mir gewünscht, diesen finalen Abschnitt weiter auszubauen und den Konsequenzen mehr Raum zu geben. Stattdessen bleibt ein Gefühl von „Da wäre noch so viel möglich gewesen“.
Das war für mich gleichzeitig Stärke und Schwäche des Buches. Ich hätte mir gewünscht, diesen finalen Teil noch weiter auszukosten, tiefer einzutauchen, zu sehen, was nach dem Ende passiert. Denn genau dort hätte der Horror für mich erst richtig begonnen.
Was mir jedoch sehr gefallen hat, ist der Stil der Autorin. Noira Händel schreibt klar, schnörkellos und mit einem guten Gespür für Dramaturgie. Ihre Sprache ist einfach, aber wirkungsvoll, sie verliert sich nicht in unnötigen Nebenhandlungen und behält ihre Geschichte stets unter Kontrolle. Das liest sich schnell, flüssig und ohne Längen – perfekt für zwischendurch.
Unterm Strich ist „Cursed King TuT“ für mich ein Horror-Mystery-Roman, der weniger auf klassischen Grusel setzt, sondern auf menschliche Abgründe, Schmerz und Konsequenzen. Nicht ganz das, was ich erwartet hatte – aber definitiv etwas Eigenständiges. Und vor allem ein Buch, das neugierig auf mehr macht.
Ich werde die Autorin auf jeden Fall im Auge behalten.
3,5 von 5 Sterne
