Es gibt Bücher, bei denen schon die Grundidee reicht, damit sofort dieses kleine Thriller-Kribbeln einsetzt. Ein verlassenes Hotel auf Helgoland, ein düsteres Live-Event, Influencer, Horrorfans und mysteriöse Ereignisse, bei denen irgendwann niemand mehr genau weiß, was noch Inszenierung ist – und was längst Realität geworden ist. Genau deshalb musste ich „Das Event“ von Antje Zimmermann unbedingt lesen.
Und ganz ehrlich: Dieses Buch hat mich wirklich gepackt.
Schon das Setting allein sorgt für eine Atmosphäre, die perfekt für einen Thriller gemacht ist. Helgoland wirkt hier gleichzeitig faszinierend und beklemmend. Diese kleine Insel mitten in der Nordsee, abgeschnitten vom Rest der Welt, bekommt fast etwas Surreales. Während des Lesens hatte ich ständig dieses Gefühl von Isolation im Kopf – dieses Wissen, dass man eben nicht einfach wegkann, wenn etwas schiefläuft.
Besonders spannend fand ich dabei, wie stark die Geschichte von der Insel selbst lebt. Antje Zimmermann nutzt nicht einfach nur einen außergewöhnlichen Schauplatz, sondern bindet auch die Geschichte und Eigenheiten Helgolands spürbar in die Handlung ein. Ich hatte vorher ehrlich gesagt nur ein ziemlich diffuses Bild der Insel im Kopf und habe während des Lesens selbst angefangen, nebenbei mehr darüber nachzulesen. Genau das liebe ich an Büchern: wenn sie nicht nur unterhalten, sondern gleichzeitig Neugier wecken.
Die Handlung bewegt sich dabei permanent an der Grenze zwischen Spiel und Realität. In einem leerstehenden Hotel findet ein Horror-Live-Event statt, das bewusst mit Ängsten, Inszenierungen und psychologischen Spielchen arbeitet. Was zunächst wie ein extremer Nervenkitzel für Influencer und Horrorfans wirkt, kippt nach und nach immer stärker ins Bedrohliche.
Und genau diese Unsicherheit trägt die gesamte Geschichte.
Was ist noch Teil der Show?
Wer spielt ein Spiel?
Und wann wird aus Unterhaltung plötzlich echter Horror?
Dieses ständige Schwanken zwischen Inszenierung und Realität sorgt dafür, dass man als Leser permanent angespannt bleibt. Ich hatte beim Lesen oft das Gefühl, niemandem wirklich trauen zu können – und genau das macht für mich einen guten Psychothriller aus.
Besonders gut gefallen haben mir auch die beiden Ermittlerinnen Leandra Kern und Maxi Adler. Beide könnten unterschiedlicher kaum sein und bringen gleichzeitig ihre ganz eigenen Probleme mit auf die Insel. Während Leandra eigentlich Ruhe sucht und Abstand von ihrem bisherigen Leben gewinnen will, wird Maxi von ihrer Vergangenheit eingeholt und muss sich familiären Konflikten stellen, die sie lieber hinter sich gelassen hätte.
Ich mochte vor allem, dass beide Figuren Ecken und Kanten haben. Sie wirken nicht geschniegelt oder perfekt, sondern greifbar und teilweise widersprüchlich. Genau dadurch fühlten sie sich für mich authentisch an.
Antje Zimmermann schafft es außerdem sehr gut, starke weibliche Figuren in den Mittelpunkt zu stellen, ohne dass sie dabei austauschbar wirken. Die Männer bleiben hier oft eher Nebenfiguren – und das bewusst. Gleichzeitig gab es allerdings auch Momente, bei denen ich kurz innehalten musste. Manche Darstellungen und Gedanken wirkten auf mich stellenweise sehr provokant, besonders in Bezug auf Sexualität und Objektifizierung. Das fiel definitiv auf und hat bei mir gemischte Gedanken ausgelöst.
Der Schreibstil selbst hat mich dagegen komplett abgeholt. Die Kapitel sind so aufgebaut, dass man ständig denkt: „Okay, noch eins.“ Und plötzlich sind wieder fünf vergangen. 😅
Ich bin wirklich nur so durch die Seiten geflogen. Gerade die Mischung aus spannungsgeladenen Szenen und ruhigeren Momenten, in denen die Figuren reflektieren oder ihre persönlichen Konflikte sichtbar werden, hat für mich richtig gut funktioniert.
Das Buch schafft es dabei konstant, diese unterschwellige Bedrohung aufrechtzuerhalten. Selbst in ruhigeren Szenen hatte ich das Gefühl, dass jederzeit etwas passieren könnte.
Und dann das Ende…
Hier muss ich ehrlich sagen: Das hat mich etwas zwiegespalten zurückgelassen. Nicht, weil es schlecht gewesen wäre – sondern weil manche Entwicklungen mich emotional wirklich getroffen haben. Einige Todesfälle wirkten auf mich unnötig hart und bei einer Figur hatte ich das Gefühl, dass ihr Ende ihr eigentlich nicht gerecht wurde. Gerade der letzte Mord beschäftigt mich im Nachhinein immer noch.
Trotzdem bleibt für mich ein unglaublich spannender Thriller mit einem außergewöhnlichen Setting, starken Figuren und einer Atmosphäre, die sich immer weiter zuspitzt.
„Das Event“ ist düster, intensiv und teilweise richtig unangenehm – aber genau das macht den Reiz dieser Geschichte aus.
Für mich starke 4 von 5 Sternen ⭐️
Und definitiv eine Empfehlung für alle, die Psychothriller mit isolierten Settings und konstantem Nervenkitzel lieben.
