Der erste Band der Dorn-Reihe hatte mir schon richtig gut gefallen. Spannend, atmosphärisch, mit Figuren, die hängen bleiben. Aber – ganz ehrlich – da war noch Luft nach oben. Dieses Gefühl von: Da geht noch mehr.
Umso gespannter war ich auf Band 2. Und was soll ich sagen? Jan Beck hat diese Luft nicht nur gefüllt – er hat sie komplett weggesprengt.
Mit „Dorn: Zimmer 203. Ruf der Toten“ nimmt uns der Autor erneut mit in die düstere Welt von Simon Dorn und Lea Wagner. Und diesmal wird es nicht nur mörderisch spannend, sondern auch erschreckend aktuell.
Simon Dorn steht finanziell vor dem Abgrund, als ihn eine mysteriöse Klientin online kontaktiert. Ein Hilferuf. Dann plötzlich Funkstille. Als Lea nach dem Rechten sieht, findet sie die Frau tot in ihrer Wohnung – verdurstet. Wochenlang. Neben ihr: ein Computer. Darauf läuft eine KI, die noch immer im Namen der Toten mit Dorn kommuniziert.
Allein diese Vorstellung hat mir schon einen kalten Schauer über den Rücken gejagt.Schnell wird klar: Das ist kein Einzelfall. Es gibt Parallelen zu einem alten, ungelösten Mordfall. Ein Täter, der seine Opfer beim Sterben beobachtete. Ein Killer, der nie gefasst wurde. Und nun scheint er zurück zu sein.
Doch warum sucht er ausgerechnet Dorn heim? Warum wenden sich die Toten an ihn?
Ab hier gibt es kein langsames Lesen mehr. Der Schreibstil ist unglaublich flüssig, mitreißend und leicht. Die kurzen Kapitel sorgen dafür, dass man ständig denkt: Nur noch eins… – und plötzlich sind wieder fünfzig Seiten weg. Die Perspektivwechsel und Ortswechsel halten das Tempo hoch und lassen keine Langeweile aufkommen.
Ich war komplett drin. Mittendrin. Nicht nur Leserin, sondern gefühlt Teil des Teams.
Simon und Lea sind für mich längst mehr als bloße Ermittlerfiguren. Sie fühlen sich echt an.
Simon ist gebrochen, müde vom Leben, voller Narben – innerlich wie äußerlich. Er trägt so viel mit sich herum, dass man ihn am liebsten manchmal einfach in den Arm nehmen möchte. Gerade diese Verletzlichkeit macht ihn so besonders.
Lea ist seine perfekte Ergänzung: klar, stark, loyal. Und ihr Bruder? Der hat mir in diesem Band mehr als einmal ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.
Diese kleinen, menschlichen Momente zwischen all der Dunkelheit liebe ich an dieser Reihe.
Besonders beeindruckt hat mich das Thema Künstliche Intelligenz. Hier wird sie nicht als futuristisches Spielzeug dargestellt, sondern als etwas, das beängstigend realistisch wirkt. Während des Lesens habe ich mich mehrfach dabei ertappt, zu denken: Das ist gar nicht so weit weg von unserer Realität.
Was, wenn Technik eines Tages wirklich so weit ist?
Was, wenn wir ihr zu viel Macht geben?
Dieses Buch stellt genau solche Fragen – leise, aber eindringlich.
Jan Beck versteht es meisterhaft, Hinweise zu streuen, ohne sie sofort preiszugeben. Kleine Details, die man zunächst überliest, bekommen im Finale plötzlich eine enorme Bedeutung. Rückblickend sitzt man da und denkt: Wie konnte ich das übersehen?
Und dann… dieses Ende.
Dieser Cliffhanger.
Gemein. Brutal. Unverzeihlich gut.
Ich saß da, Buch zugeklappt, kurz sprachlos – und gleichzeitig voller Vorfreude auf den nächsten Band. Ich will sofort zurück. Wieder einchecken. Wieder eintauchen. Wieder mitfiebern.
„Dorn: Zimmer 203“ ist ein hochspannender, emotionaler, moderner Thriller mit starken Figuren, einem packenden Plot und einem Thema, das lange nachwirkt.
Hier stimmt einfach alles: Tempo, Atmosphäre, Charaktere, Spannung.
Ich habe nichts zu meckern. Wirklich nichts.
⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ 5/5 Sterne
So soll eine Fortsetzung sein.
Und ich kann es kaum erwarten, wieder ein Zimmer im Dornwald zu betreten. 🖤📖
