The Darkest Academy 1 – Bones von Beril Kehribar: Willkommen an einer Akademie, an der niemand unschuldig ist

Düstere Akademie, tödliche Prüfungen, eine Protagonistin auf Rachefeldzug, moralisch fragwürdige Charaktere und gleich mehrere Männer, bei denen man vermutlich besser einen ziemlich großen Sicherheitsabstand einhalten sollte?

Okay. Ich bin dabei.

„The Darkest Academy 1 – Bones“ von Beril Kehribar hatte schon vor dem Lesen ziemlich viele Zutaten, die genau meinen Geschmack treffen. Trotzdem war ich gespannt darauf, ob hinter den ganzen vielversprechenden Tropes auch eine Geschichte steckt, die mich wirklich packen kann.

Und ja – das konnte sie.

Vor allem Vorgoth hat es mir angetan. Denn wer bei einer Academy-Geschichte an gemütliche Unterrichtsstunden, Freundschaften fürs Leben und ein bisschen magisches Schulchaos denkt, dürfte hier ziemlich schnell eines Besseren belehrt werden.

Vorgoth ist düster. Brutal. Gefährlich.

Und genau das hat mir unglaublich gut gefallen.

Worum geht es in „The Darkest Academy – Bones“?

Lucinda Cross hat früh gelernt, dass sie sich auf niemanden verlassen kann.

Vor zehn Jahren wurden ihre Eltern brutal ermordet. Seitdem schlägt Luci sich in der Unterstadt durch und kämpft jeden Tag ums Überleben. Ihr treuester Begleiter ist Ash, ein Falke und ihr Familiar.

Dann erhält sie eine Einladung, die ihr Leben komplett verändert.

Luci soll nach Vorgoth kommen – eine Akademie der dunkelsten Künste, die jungen Hexen und Hexern einen Platz bietet, die in dieser Welt zu den Gejagten und Unterdrückten gehören.

Doch Vorgoth ist alles andere als ein sicherer Zufluchtsort.

Die Studierenden müssen lernen, mit mächtigen Familiaren umzugehen und dadurch ihre eigenen magischen Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Gleichzeitig warten gefährliche Prüfungen, Gewalt und Menschen auf Luci, denen sie besser nicht blind vertrauen sollte.

Und dann gibt es da noch Professor Ezra Aerion, der offenbar mehr über Lucis Vergangenheit weiß, als er ihr erzählen möchte.

Sowie Devriel Malkov und die Saints – eine Gruppe, die innerhalb der Akademie ihre ganz eigene Stellung einnimmt.

Während Luci versucht, in Vorgoth zu bestehen, verliert sie ihr eigentliches Ziel jedoch nie aus den Augen:

Sie möchte herausfinden, wer ihre Eltern getötet hat.

Und sie will Rache.

Vorgoth ist definitiv keine gemütliche Zauberschule

Einer der größten Pluspunkte des Buches war für mich ganz klar das Setting.

Ich mag Academy-Geschichten grundsätzlich sehr gerne, aber natürlich kennt man mittlerweile viele Varianten davon. Umso schöner finde ich es, wenn sich eine Geschichte nicht einfach auf dem bekannten Konzept ausruht.

Und Vorgoth ist alles andere als gemütlich.

Schon ziemlich schnell wird klar, dass man an dieser Akademie nicht unbedingt Freunde fürs Leben findet und anschließend gemeinsam fröhlich zum nächsten Unterricht spaziert. Die Atmosphäre ist rau, brutal und ständig von einem gewissen Misstrauen geprägt.

Hier kann praktisch jeder gefährlich werden.

Die Studenten sind keine harmlosen Nachwuchsmagier, sondern teilweise selbst Menschen mit einer ziemlich düsteren Vergangenheit. Dazu kommen tödliche Prüfungen und Machtverhältnisse, bei denen man schnell merkt, dass diese Welt ihre ganz eigenen Regeln besitzt.

Gerade dieses Gefühl, nie genau zu wissen, wem Luci wirklich vertrauen kann, mochte ich sehr.

Die Akademie fühlt sich dadurch tatsächlich gefährlich an und ist nicht nur eine hübsche Kulisse für die Romance.

Lucinda ist alles andere als eine strahlende Heldin

Und genauso gut passt Luci in diese Welt.

Sie ist keine klassische Fantasyheldin, die mit einem großen Herzen loszieht, um die Welt zu retten. Dafür hat sie in ihrem Leben viel zu viel erlebt.

Der gewaltsame Tod ihrer Eltern hat sie geprägt und die Jahre auf den Straßen der Unterstadt haben dafür gesorgt, dass sie gelernt hat, sich durchzuschlagen. Luci ist misstrauisch, kann sich behaupten und verfolgt ein sehr persönliches Ziel.

Sie will Antworten.

Und sie will die Menschen finden, die für den Tod ihrer Eltern verantwortlich sind.

Gerade diese Mischung aus Trauma, Wut und Rachegedanken fand ich bei ihr interessant. Luci ist nicht immer bequem und soll das meiner Meinung nach auch gar nicht sein. In einer Welt voller moralisch grauer Figuren hätte eine vollkommen makellose Protagonistin vermutlich sogar fehl am Platz gewirkt.

Stattdessen darf sie Ecken und Kanten haben.

Ihre Entwicklung hat mich bereits in diesem ersten Band überzeugen können und gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass bei ihr noch unglaublich viel möglich ist. Schließlich stehen wir erst am Anfang einer Trilogie und längst nicht alle Fragen über ihre Vergangenheit sind beantwortet.

Gerade deshalb bin ich sehr gespannt, wohin Beril Kehribar sie in den nächsten Bänden noch führen wird.

Ash und das Magiesystem

Sehr gefallen hat mir außerdem die Idee der Familiare.

Lucis Begleiter Ash ist ein Falke, doch innerhalb dieser Welt gibt es noch wesentlich außergewöhnlichere Wesen. Die Verbindung zwischen Hexen beziehungsweise Hexern und ihren Familiaren spielt eine wichtige Rolle, denn durch sie entstehen unterschiedliche magische Fähigkeiten.

Und wenn dabei unter anderem Drachen, Basilisken und Seraphim ins Spiel kommen, bin ich natürlich neugierig.

Das Magiesystem war für mich insgesamt schlüssig aufgebaut und ich hatte nicht das Gefühl, vollkommen mit Begriffen und Regeln erschlagen zu werden. Besonders hilfreich fand ich die zusätzlichen Einblicke zu Beginn der Kapitel. Dadurch bekommt man immer wieder Informationen über die Welt und ihre Regeln, ohne dass innerhalb der eigentlichen Handlung ständig lange Erklärungen eingeschoben werden müssen.

So konnte ich mich nach und nach in Vorgoth und dem Magiesystem zurechtfinden.

Für mich ein schöner Weg, Worldbuilding und Handlung miteinander zu verbinden.

Professor Ezra Aerion – gefährlich interessant

Natürlich wäre es keine spicy Dark Romantasy, wenn neben tödlichen Prüfungen und Rache nicht auch noch ein bisschen anderes Chaos auf Luci warten würde.

Und davon gibt es definitiv genug.

Professor Ezra Aerion fand ich direkt interessant.

Vor allem, weil ziemlich schnell klar wird, dass er mehr weiß, als er Luci erzählt. Gerade in Verbindung mit ihrer Vergangenheit entsteht dadurch automatisch dieses Misstrauen: Was weiß er? Warum sagt er es ihr nicht? Und welche Rolle spielt er wirklich?

Gleichzeitig ist da diese Anziehung zwischen den beiden.

Und die hat für mich funktioniert.

Ich konnte nachvollziehen, warum Luci sich zu ihm hingezogen fühlt, obwohl es genügend Gründe gäbe, bei diesem Mann lieber vorsichtig zu sein. Die Dynamik zwischen ihnen hat mich neugierig gemacht und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir hier längst noch nicht alles gesehen haben.

Zumal Ezra nicht der einzige Mann ist, der Lucis Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Die Saints bringen noch einmal eine ganz andere Dynamik hinein

Dann wären da nämlich noch die Saints.

Die Studenten-Elite besteht aus vier Charakteren, die ich allesamt auf ihre Art interessant fand. Sie haben innerhalb von Vorgoth eine besondere Stellung und passen wunderbar in diese moralisch graue Welt, in der man sowieso nie genau weiß, wem man trauen sollte.

Besonders Devriel Malkov spielt für Luci eine wichtige Rolle.

Zwischen den beiden besteht ebenfalls eine Verbindung, bei der ich unbedingt wissen möchte, wie sie sich weiterentwickelt. Gerade weil mit Ezra und Devriel unterschiedliche Dynamiken aufgebaut werden, lässt sich für mich momentan noch überhaupt nicht sicher sagen, in welche Richtung sich alles bewegen wird.

Und genau das gefällt mir.

Ich brauche in einem ersten Band noch keine endgültigen Antworten. Im Gegenteil: Bei einer Trilogie möchte ich am Ende neugierig sein, möchte Figuren hinterfragen und wissen wollen, welche Beziehungen sich noch verändern.

Das hat „Bones“ definitiv geschafft.

Düster, brutal und moralisch ziemlich grau

Was für mich insgesamt sehr gut funktioniert hat, ist die Atmosphäre.

„The Darkest Academy – Bones“ versucht gar nicht erst, Vorgoth oder seine Charaktere netter zu machen, als sie sind.

Es wird brutal. Menschen verfolgen ihre eigenen Ziele. Vertrauen ist gefährlich und selbst bei Figuren, die man langsam besser kennenlernt, bleibt immer ein gewisses Fragezeichen.

Das passt hervorragend zu Lucis Geschichte.

Auch die Spannung hat für mich funktioniert. Neben der Frage nach den Mördern ihrer Eltern gibt es an der Akademie genug andere Gefahren, Geheimnisse und Konflikte, sodass ich immer wissen wollte, was als Nächstes passiert.

Dabei lebt das Buch für mich nicht nur von der Romance.

Natürlich spielen die unterschiedlichen Anziehungen und Beziehungen eine wichtige Rolle – und bei den verschiedenen Love Interests dürfte in den nächsten Bänden noch einiges auf uns zukommen. Aber dahinter gibt es eine Welt und eine Geschichte, die mich ebenfalls interessieren.

Gerade diese Mischung ist mir bei Romantasy wichtig.

Ich möchte mit den Charakteren mitfiebern und das Knistern spüren, aber eben auch wissen wollen, was außerhalb ihrer Liebesgeschichte passiert.

Und hier möchte ich vor allem endlich erfahren, was wirklich hinter Lucis Vergangenheit steckt.

Und dann dieser Cliffhanger …

Ich wusste natürlich, dass ich hier den ersten Teil einer Trilogie lese.

Das bedeutet allerdings nicht, dass ich auf diesen Cliffhanger vorbereitet war.

Das Ende war emotional und hat dafür gesorgt, dass ich Band zwei am liebsten direkt hinterhergeschoben hätte.

Genau so darf ein erster Teil für mich enden.

Natürlich ist es gemein, wenn man anschließend warten muss. Gleichzeitig zeigt mir genau dieses Gefühl aber auch, dass die Geschichte etwas richtig gemacht hat. Wären mir Luci, ihre Vergangenheit und die Menschen um sie herum egal, würde mich schließlich auch ein Cliffhanger kaltlassen.

Tut er aber nicht.

Ganz im Gegenteil.

Ich möchte Antworten.

„The Darkest Academy 1 – Bones“ von Beril Kehribar ist für mich ein richtig gelungener Auftakt einer düsteren Romantasy-Trilogie und hat ziemlich genau die Atmosphäre getroffen, die ich mir von diesem Buch erhofft hatte.

Vorgoth ist keine gewöhnliche magische Akademie, sondern ein gnadenloser Ort voller gefährlicher Prüfungen, Gewalt, Geheimnisse und Menschen, denen man besser nicht vorschnell vertraut. Genau diese dunkle Grundstimmung hat mich sehr schnell in die Geschichte gezogen.

Mit Lucinda bekommen wir außerdem keine strahlende Heldin, sondern eine traumatisierte und vielschichtige Protagonistin, die ihre Vergangenheit mit sich herumträgt und von einem starken Wunsch nach Rache angetrieben wird. Gerade ihre moralisch grauen Seiten passen für mich hervorragend in diese Welt.

Auch das Magiesystem mit den Familiaren konnte mich überzeugen. Es ist interessant, nachvollziehbar aufgebaut und bietet für die kommenden Bände noch unglaublich viele Möglichkeiten.

Und natürlich dürfen wir über Ezra, Devriel und die Saints nicht schweigen.

Die verschiedenen Dynamiken haben mich neugierig gemacht und gerade weil noch überhaupt nicht klar ist, wem Luci wirklich vertrauen kann und wohin sich ihre Beziehungen entwickeln werden, möchte ich unbedingt weiterlesen.

Düsteres Academy-Setting, moralisch graue Charaktere, spannende Magie, gefährliche Prüfungen, mehrere interessante Love Interests und eine Protagonistin auf Rachefeldzug – für mich hat diese Mischung richtig gut funktioniert.

Und nach diesem emotionalen Cliffhanger bleibt eigentlich nur noch eine Frage:

Wann kann ich endlich Band zwei lesen?

★★★★½ 4,5 von 5 Sternen