„… to Kill a Monster“ von Karolyn Ciseau

Es gibt Reihen, bei denen man nach dem ersten Band ganz entspannt denkt: Ja, irgendwann lese ich weiter.

Und dann gibt es Reihen, bei denen ein Cliffhanger dafür sorgt, dass man am liebsten SOFORT den nächsten Band hätte.

„… to Kill a Monster“ von Karolyn Ciseau gehört für mich definitiv zur zweiten Kategorie. Nach dem Ende von Band 1 war ich nämlich alles andere als entspannt. 😅 Entsprechend froh war ich, dass ich die Fortsetzung mit in den Urlaub genommen hatte – und dort habe ich sie dann auch ziemlich schnell verschlungen.

Eine Sache muss ich aber direkt vorwegnehmen:

Ihr müsst Band 1 unbedingt vorher gelesen haben!

Die Geschichte setzt praktisch dort wieder an, wo wir Lyra und Kael verlassen haben. Es gibt keinen großen Neustart und auch keine komplett neue Geschichte, sondern wir befinden uns unmittelbar wieder mitten im Geschehen. Genau deshalb möchte ich auch gar nicht zu viel über die eigentliche Handlung erzählen. Bei diesem Buch ist es nämlich verdammt schwer, darüber zu sprechen, ohne gleichzeitig irgendetwas aus dem ersten Band zu verraten.

Und Spoiler wollen wir schließlich nicht.

Nach diesem Cliffhanger musste ich einfach wissen, wie es weitergeht

Das Ende des ersten Bandes hatte mich damals ziemlich sprachlos zurückgelassen. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an die Fortsetzung.

Zum Glück brauchte ich überhaupt nicht lange, um wieder in die Geschichte hineinzufinden.

Nach wenigen Seiten waren die Dragonblood Academy, Lyra, Kael und all die Konflikte wieder präsent und ich war mittendrin.

Allerdings merkt man ziemlich schnell, dass die Ereignisse aus Band 1 Spuren hinterlassen haben.

Vor allem zwischen Lyra und Kael.

Und genau diese Entwicklung fand ich unglaublich spannend. Denn Gefühle verschwinden eben nicht einfach, nur weil Vertrauen zerstört wurde.

Wenn Gefühle allein plötzlich nicht mehr reichen

Lyra hat gelogen. Und diese Lügen haben zwischen ihr und Kael eine Mauer entstehen lassen, die sich nicht einfach mit ein paar schönen Worten wieder einreißen lässt.

Das Vertrauen, das zwischen den beiden einmal da war, ist beschädigt. Gleichzeitig sind ihre Gefühle füreinander aber immer noch genauso real.

Und was macht man bitte damit? Man kann jemanden lieben und ihm trotzdem nicht mehr vertrauen.

Man kann sich nach seiner Nähe sehnen und gleichzeitig wissen, dass viel zu viel zwischen einem steht.

Genau dieses Chaos zwischen den beiden mochte ich sehr.

Es wäre für mich viel zu einfach gewesen, wenn nach wenigen Seiten alles vergeben und vergessen worden wäre. Stattdessen müssen beide mit den Konsequenzen leben. Sie müssen herausfinden, ob zwischen all den Verletzungen überhaupt noch etwas existiert, auf dem sie neu aufbauen können.

Und als wäre das emotional nicht schon genug, steht nebenbei auch noch ein Krieg bevor.

Entspannte Voraussetzungen also. 😂

Lyra ist nicht mehr dieselbe

Besonders Lyra macht für mich in diesem Band eine große Entwicklung durch.

Sie muss sich mit ihren eigenen Entscheidungen auseinandersetzen und kann nicht einfach so tun, als wäre nichts passiert. Gleichzeitig wird sie immer wieder mit Situationen konfrontiert, in denen sie Verantwortung übernehmen und über sich hinauswachsen muss.

Ihre Gefühle wirkten dabei für mich sehr echt.

Sie ist nicht plötzlich die perfekte Heldin, nur weil wir inzwischen im zweiten Band angekommen sind. Sie zweifelt, macht Fehler, kämpft mit Schuld und versucht trotzdem weiterzumachen.

Genau solche Entwicklungen mag ich.

Ich möchte nicht, dass Figuren von Anfang an perfekt sind. Ich möchte sehen, wie sie fallen, Entscheidungen treffen, die vielleicht falsch sind, und anschließend mit den Konsequenzen leben müssen.

Und Lyra muss definitiv mit einigen Konsequenzen leben.

Und dann wäre da noch Kael …

Kael mochte ich bereits im ersten Band. Nach diesem Buch? Tja. Jetzt liebe ich ihn endgültig. 😂

Gerade seine Entwicklung und die Art, wie er mit seinen Gefühlen umgeht, haben mir unglaublich gut gefallen.

Er versteckt sich nicht dauerhaft hinter einer undurchdringlichen Fassade. Er steht zu dem, was er empfindet, obwohl ihn genau das verletzlich und angreifbar macht.

Und dieser Beschützerinstinkt …

Ja gut. Da braucht man mit mir eigentlich gar nicht mehr diskutieren. 😅

Trotz allem, was zwischen ihm und Lyra steht, spürt man ständig diese Verbindung. Gleichzeitig wird aber eben nicht vergessen, was passiert ist.

Das hat die Beziehung für mich viel interessanter gemacht als eine einfache Versöhnung.

Intrigen, Verrat und jede Menge Drachen

Natürlich besteht „… to Kill a Monster“ nicht nur aus dem Gefühlschaos zwischen Lyra und Kael.

Ganz im Gegenteil. Die Geschichte fährt ordentlich auf.

Intrigen, Verrat, Geheimnisse, überraschende Wendungen, Kämpfe und Verluste – zwischendurch hatte ich wirklich das Gefühl, dass Karolyn Ciseau ihren Figuren einfach keine fünf Minuten Ruhe gönnen möchte.

Kaum glaubte ich, wir könnten jetzt vielleicht einmal kurz durchatmen, kam schon das nächste Problem um die Ecke. Oder die nächste Enthüllung. Oder jemand traf eine Entscheidung, bei der ich am liebsten ins Buch gegriffen hätte.

Gerade die Wendungen haben mir richtig gut gefallen. Mehrmals entwickelte sich die Geschichte anders, als ich erwartet hatte, und genau dadurch blieb die Spannung für mich bis zum Ende erhalten.

Dazu kommen natürlich die Drachen.

Und ganz ehrlich: Mit Drachen bekommt man mich sowieso ziemlich schnell. 😂

Die Welt der Dragonblood Academy hat mir bereits im ersten Band gefallen und auch diesmal konnte ich sie mir durch den bildhaften Schreibstil unglaublich gut vorstellen. Die Kämpfe wirkten groß und episch, ohne dass ich irgendwann den Überblick verloren habe.

Gleichzeitig gibt es immer wieder ruhigere und emotionale Momente, sodass die Geschichte nicht nur von einer Actionszene zur nächsten hetzt.

Ein Trope, den ich normalerweise gar nicht mag

Und dann macht dieses Buch tatsächlich etwas, womit man mich normalerweise eher verscheuchen kann.

Es benutzt einen Trope, den ich in Büchern eigentlich überhaupt nicht gerne lese.

Ich werde natürlich nicht verraten, welchen – denn damit würde ich euch viel zu viel vorwegnehmen.

Aber hier? Hier hat er für mich funktioniert. Und das will wirklich etwas heißen. 😅

Er wurde für mich nicht einfach eingebaut, um künstlich Drama zu erzeugen, sondern ergab innerhalb der Geschichte Sinn. Deshalb konnte ich mich darauf einlassen und fand sogar, dass er an dieser Stelle zur Entwicklung der Handlung passte.

Vielleicht ist das auch der beste Beweis dafür, dass es manchmal gar nicht unbedingt schlechte Tropes gibt.

Vielleicht müssen sie einfach nur richtig eingesetzt werden.

Mein einziges Problem: Dieses Ende!

Und damit kommen wir zu dem Punkt, bei dem ich ein kleines bisschen meckern muss.

Das Ende. Versteht mich nicht falsch: Die Geschichte bekommt einen Abschluss und ja, es gibt ein Happy End.

Eigentlich könnte ich also zufrieden sein. Eigentlich. Denn da ist noch diese eine Kleinigkeit.

Der eigentliche Feind ist nicht endgültig besiegt.

Und das lässt mich ehrlich gesagt ziemlich unbefriedigt zurück.

Ich saß nach der letzten Seite da und dachte nur:

Moment. Das war’s jetzt? Aber … DA IST DOCH NOCH WAS?! 😂

Wenn eine Geschichte beendet ist, möchte ich normalerweise auch das Gefühl haben, dass der große Konflikt tatsächlich abgeschlossen wurde.

Hier hatte ich dieses Gefühl nicht vollständig.

ABER. Dann kam der Epilog. Und plötzlich keimte bei mir eine kleine Hoffnung auf.

Denn für mich fühlt sich das verdächtig danach an, als könnte diese Welt noch nicht vollständig auserzählt sein. Vielleicht nicht unbedingt mit Lyra und Kael im Mittelpunkt, aber mit neuen Figuren und einer Geschichte, die genau dort ansetzt, wo noch etwas offen geblieben ist.

Ein Spin-off? Karolyn … falls du das liest: Wir brauchen dieses Spin-off. Also gut. Ich brauche dieses Spin-off. 😂Aber bestimmt bin ich damit nicht allein.

Mein Fazit

„… to Kill a Monster“ war für mich eine richtig starke Fortsetzung und ein schöner Abschluss für Lyra und Kael.

Ich habe mit ihnen gehofft, gelitten, gekämpft und mich stellenweise wirklich gefragt, wie die beiden aus diesem ganzen Chaos jemals wieder herauskommen sollen.

Besonders die Entwicklung der Figuren hat mir gefallen. Lyra wächst an ihren Entscheidungen und Kael hat sich endgültig einen Platz in meinem Herzen gesichert.

Dazu kommen Drachen, Intrigen, Verrat, epische Kämpfe, schmerzhafte Verluste und Wendungen, mit denen ich nicht immer gerechnet habe.

Nur dieses letzte kleine Gefühl, dass der große Konflikt eben noch nicht vollkommen beendet ist, verhindert für mich die volle Punktzahl.

Vielleicht ist es aber auch Absicht.

Vielleicht wollte Karolyn Ciseau genau erreichen, dass ich jetzt hier sitze und dringend eine weitere Geschichte aus dieser Welt verlange.

Falls ja: Hat funktioniert. 😂

Für Drachenfans und alle, die bereits den ersten Band der Dragonblood Academy mochten, gibt es von mir definitiv eine Leseempfehlung.

Und noch einmal: Bitte nicht mit diesem Band anfangen. Lest unbedingt zuerst Band 1!

🖤 4 von 5 Herzen

Welches Buchfinale hat euch zuletzt mit dem Gefühl zurückgelassen: Das kann doch unmöglich schon alles gewesen sein – da MUSS noch etwas kommen?! 👀