Kennt ihr diese Thriller, bei denen schon der Klappentext nach einem perfekten Leseabend klingt?
Ein abgelegener Wanderweg. Dichte Wälder. Drei Freundinnen. Ein ehemaliger Tatort eines Serienkillers. Und dann noch die Frage, ob der Mörder wirklich gefasst wurde.
Ganz ehrlich?
Damit hatte mich das Buch sofort.
Ich liebe Thriller, die fernab der Zivilisation spielen. Je einsamer das Setting, desto besser. Wälder, Berge, verlassene Hütten und das Gefühl, dass Hilfe kilometerweit entfernt ist – genau das sorgt bei mir für Gänsehaut. Deshalb war ich überzeugt, dass „Killer Trail“ genau mein Ding werden könnte.
Der Einstieg hat mich auch direkt abgeholt.
Der Schreibstil von Eliza Jabore liest sich angenehm und flüssig. Man fliegt förmlich durch die Seiten und merkt schnell, dass die Geschichte bewusst auf Tempo setzt. Gerade bei einem eher kurzen Thriller finde ich das grundsätzlich genau richtig. Lange Vorgeschichten braucht es hier nicht, stattdessen ist man schnell mitten im Geschehen.
Auch das Setting hat mir wirklich gefallen.
Der Bones Hollow Trail mit seiner düsteren Vergangenheit bringt eigentlich alles mit, was ich mir von einem Survival-Thriller wünsche. Dichte Wälder, ein abgelegener Wanderweg und das ungute Gefühl, dass hinter jedem Baum jemand stehen könnte. Leider hatte ich beim Lesen immer wieder das Gefühl, dass dieses Potenzial nicht vollständig genutzt wurde. Die Natur hätte für mich noch viel bedrückender, gefährlicher und präsenter sein dürfen. Ich wollte dieses Gefühl haben, gemeinsam mit den Figuren völlig verloren zu sein – genau das blieb für mich leider etwas auf der Strecke.
Was für mich allerdings deutlich schwieriger war, waren die Figuren.
Mit Jade konnte ich noch am ehesten etwas anfangen. Auch wenn ich manche ihrer Entscheidungen überhaupt nicht nachvollziehen konnte, war sie für mich noch die greifbarste der drei Freundinnen.
Steph blieb dagegen ziemlich blass.
Und dann war da noch Zoe.
Ich kann mich ehrlich gesagt kaum daran erinnern, wann mich eine Figur das letzte Mal so genervt hat.
Wirklich.
Jedes Mal, wenn sie den Mund aufgemacht hat, musste ich innerlich mit den Augen rollen. Ich habe selten eine Figur erlebt, die bei mir so konsequent für Frust gesorgt hat. Das Problem war dabei nicht einmal, dass sie unsympathisch ist – auch unsympathische Figuren können großartig geschrieben sein. Aber ihr Verhalten wirkte auf mich häufig so überzogen und teilweise so unüberlegt, dass es mir immer schwerer fiel, die Geschichte ernst zu nehmen.
Und genau das war letztlich mein größtes Problem.
Wenn man mit keiner Figur wirklich mitfiebert, verliert selbst ein spannender Plot einen Teil seiner Wirkung.
Ab ungefähr der Hälfte des Buches war ich tatsächlich an einem Punkt, an dem ich kurz überlegt habe, ob ich abbrechen soll. Nicht, weil die Geschichte langweilig gewesen wäre, sondern weil mich die Charaktere zunehmend aus der Handlung gerissen haben.
Am Ende hat dann doch meine Neugier gesiegt.
Ich wollte einfach wissen, ob meine Vermutungen stimmen.
Und leider… Sie haben gestimmt.
Als jemand, der sehr viele Thriller liest, waren die meisten Wendungen für mich relativ früh erkennbar. Immer wieder hoffte ich noch auf eine Überraschung oder einen Twist, der mich komplett auf dem falschen Fuß erwischt.
Dieser Moment kam leider nicht.
Das Ende konnte mich deshalb ebenfalls nicht vollständig überzeugen. Zwar werden die offenen Fragen beantwortet und die Geschichte findet einen Abschluss, dennoch wirkte das Finale auf mich etwas überhastet. Mir fehlte einfach dieser letzte Aha-Moment, bei dem ich das Buch zuklappe und denke: Damit hätte ich niemals gerechnet.
Eine Kleinigkeit ist mir außerdem noch aufgefallen.
Trotz aller Kritik möchte ich aber auch sagen, dass das Buch keineswegs schlecht ist.
Es liest sich schnell, ist kurzweilig und sorgt immerhin dafür, dass man wissen möchte, wie alles ausgeht. Gerade Thriller-Einsteiger oder Leserinnen und Leser, die noch nicht unzählige Bücher dieses Genres gelesen haben, könnten hier deutlich mehr Überraschungen erleben als ich.
Für mich persönlich blieb „Killer Trail“ allerdings hinter seinen Möglichkeiten zurück. Das spannende Grundkonzept, das atmosphärische Setting und die flotte Erzählweise konnten die für mich schwachen Figuren und die vorhersehbaren Wendungen leider nicht ganz ausgleichen.
Trotzdem werde ich Eliza Jabore definitiv im Auge behalten. Der Schreibstil hat mir gefallen und ich kann mir gut vorstellen, einem weiteren Buch der Autorin noch einmal eine Chance zu geben.
🖤 2,5 von 5 Herzen
