Es gibt Thriller, die spannend sind. Und dann gibt es diese Bücher, bei denen man irgendwann merkt, dass man komplett in der Geschichte festhängt, weil das Kopfkino einfach keine Pause mehr macht. Genau so ging es mir mit „39 Grad“ von Quentin Peck.
Schon „Minus 22 Grad“ konnte mich richtig packen, aber mit diesem zweiten Band legt Quentin Peck für mich nochmal deutlich nach.
Und ja, theoretisch kann man „39 Grad“ auch unabhängig lesen. Aber ganz ehrlich? Wenn ihr Psychothriller liebt, solltet ihr euch Band eins definitiv nicht entgehen lassen.
Die Geschichte startet direkt mitten im Geschehen – ohne langes Vorgeplänkel. Eine brutal ermordete Frau wird gefunden, arrangiert wie eine makabre Inszenierung: weißes Kleid, ein unnatürliches Lächeln im Gesicht und rätselhafte Zahlen auf ihrer Haut.
Allein diese Bilder haben sich sofort in meinem Kopf festgesetzt.
Der Täter stalkt seine Opfer wochenlang, bevor er zuschlägt, und hinterlässt immer neue Botschaften. Schnell wird klar: Hier geht es längst nicht nur um die Morde selbst. Der Killer spielt ein perfides Spiel – und Kommissar Lukas Johannsen steht dabei längst persönlich im Fokus.
Was ich an Quentin Pecks Thrillern besonders mag, ist dieses permanente Gefühl von Unruhe. Man weiß nie, wann die nächste Wendung kommt oder welche Information plötzlich alles verändert. Genau wenn man denkt, man hätte verstanden, wohin die Geschichte läuft, zieht einem der Autor wieder komplett den Boden unter den Füßen weg.
Und genau das macht dieses Buch so unglaublich fesselnd.
Der Schreibstil ist direkt, schnell und unglaublich bildgewaltig. Viele Szenen waren so intensiv beschrieben, dass ich beim Lesen das Gefühl hatte, mitten in der Handlung zu stehen. Dieses Buch erzeugt wirklich Kopfkino – und zwar die Sorte Kopfkino, die man auch nach dem Lesen nicht direkt wieder loswird.
Besonders gelungen fand ich auch die Rückblicke in die Vergangenheit des Täters. Quentin Peck zeigt hier sehr schonungslos, wie psychische Abgründe entstehen können und welche Folgen traumatische Erlebnisse haben. Dabei wird nichts beschönigt und genau dadurch wirken viele Szenen umso intensiver.
Was mir diesmal außerdem deutlich besser gefallen hat als im ersten Band: Lukas Johannsen selbst.
Während er im Vorgänger für mich teilweise etwas blass geblieben ist, steht er hier viel stärker im Mittelpunkt. Man merkt deutlich, wie sehr ihn der Fall belastet und wie persönlich alles wird. Gemeinsam mit Profilerin Berit Pernstein trägt er die Geschichte unglaublich gut.
Die Dynamik zwischen den beiden funktioniert für mich inzwischen richtig stark.
Und dann dieses Ende…
Ich hatte tatsächlich eine Ahnung, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln könnte. Trotzdem hat mich die finale Wendung komplett sprachlos zurückgelassen. Genau diese Mischung aus Vorahnung und trotzdem völliger Eskalation macht für mich einen richtig guten Psychothriller aus.
„39 Grad“ ist düster, intensiv und unglaublich spannend. Ein Thriller voller falscher Fährten, psychologischer Abgründe und Szenen, die sich wirklich festsetzen.
Für mich definitiv eine große Empfehlung für alle, die intelligente und atmosphärische Psychothriller lieben.
4 von 5 Sternen ⭐️
