Es gibt Bücher, auf die wartet man gefühlt eine Ewigkeit.
Und dann gibt es Fortsetzungen, bei denen man sich monatelang ausmalt, wie es endlich weitergeht. Genau so war es bei mir mit „The Ballad of Falling Dragons – Die Verdammten“.
Den ersten Band habe ich regelrecht verschlungen. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich das Buch nachts einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte. Jede freie Minute wollte ich wissen, wie es weitergeht. Als ich die letzte Seite gelesen hatte, war für mich klar: Band zwei wird ein absolutes Highlight.
Tja…
Manchmal kommt es eben ganz anders.
Ich weiß bis heute nicht genau, woran es lag.
Ich habe das Buch aufgeschlagen und sofort gemerkt, dass ich nicht mehr richtig in der Geschichte angekommen bin. Immer wieder musste ich zurückblättern, überlegen, wer welche Rolle gespielt hat und was genau am Ende von Band eins passiert war. Ich habe wirklich versucht, dieses Gefühl vom ersten Band wiederzufinden. Dieses Mitfiebern, diese Begeisterung, dieses “Ich muss unbedingt weiterlesen”.
Aber es wollte einfach nicht passieren.
Und das hat mich ehrlich gesagt richtig frustriert.
Vor allem, weil ich überall nur begeisterte Stimmen gelesen habe. Gefühlt hat jeder dieses Buch geliebt, während ich Seite für Seite darauf gewartet habe, dass auch bei mir endlich der berühmte Funke überspringt.
Dabei bringt die Geschichte eigentlich alles mit, was ich liebe.
Eine düstere Fantasywelt voller Geheimnisse. Figuren mit Ecken und Kanten. Alte Prophezeiungen, Magie, Drachen und emotionale Konflikte. Eigentlich genau mein Beuteschema.
Trotzdem hatte ich über weite Strecken das Gefühl, dass die Handlung nur langsam vorankommt. Immer wieder gab es Szenen, bei denen ich dachte: Jetzt geht’s los. Und kurz darauf wurde das Tempo wieder herausgenommen. Dadurch fiel es mir schwer, dauerhaft in der Geschichte zu bleiben.
Das hat mich wirklich überrascht.
Denn Sarah A. Parker schreibt nach wie vor wunderschön.
Daran gab es für mich keine Sekunde Zweifel.
Ihr Schreibstil ist unglaublich atmosphärisch. Bildhaft, poetisch und manchmal fast schon melancholisch. Viele Szenen fühlen sich an wie kleine Gemälde und man merkt einfach, wie viel Herzblut in dieser Welt steckt. Allein dafür hätte ich immer weiterlesen wollen.
Genau deshalb fällt mir diese Rezension auch so schwer.
Denn ich kann überhaupt nicht sagen, dass das Buch schlecht ist.
Ganz im Gegenteil.
Ich verstehe vollkommen, warum so viele Leserinnen und Leser diese Reihe lieben. Die Welt ist außergewöhnlich, die Figuren sind vielschichtig und Sarah A. Parker erschafft eine Atmosphäre, die man so nicht oft findet.
Nur… Mich hat sie diesmal emotional einfach nicht erreicht.
Und das ist wahrscheinlich das Schlimmste, was einem bei einem Buch passieren kann, auf das man sich so lange gefreut hat.
Erst ganz zum Schluss hatte ich plötzlich wieder dieses Gefühl, das ich aus Band eins kannte.
Die Spannung zog spürbar an, die Ereignisse überschlugen sich und endlich wollte ich unbedingt wissen, wie alles ausgeht. Genau in dem Moment, als ich dachte: Jetzt bin ich wieder komplett drin, war das Buch vorbei.
Natürlich.
Mit einem Cliffhanger.
Ich hätte das Buch am liebsten angeschrien. 😭
Vielleicht brauchte dieser Band einfach sehr viel Aufbau für das große Finale. Vielleicht war ich auch einfach nicht in der richtigen Lesestimmung. Manchmal passt ein Buch eben genau deshalb nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt, obwohl man eigentlich alles daran lieben müsste.
Deshalb möchte ich mich diesmal auch bewusst mit einer Sternebewertung zurückhalten.
Nicht, weil das Buch sie nicht verdient hätte, sondern weil ich das Gefühl habe, ihm im Moment einfach nicht gerecht werden würde.
Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass ich der Geschichte irgendwann noch einmal eine zweite Chance geben werde.
Denn manchmal ist einfach nicht das Buch falsch.
Sondern der Zeitpunkt.
