Es gibt diese Reihen, die einen von der ersten Seite an begleiten und einfach nicht mehr loslassen. Geschichten, in denen man sich verliert, Figuren, mit denen man mitfiebert, und eine Welt, die sich immer weiter entfaltet. Genau so eine Reihe ist für mich „Götter und Monster“ von Amber V. Nicole. Schon die ersten beiden Bände haben mich vollkommen gepackt – und jetzt bin ich tatsächlich schon bei Band drei, „The Dawn of the Cursed Queen“, angekommen. Und damit wieder mitten in einer Geschichte, die größer, dunkler und emotionaler wird.
Nach den dramatischen Ereignissen zuvor steht diesmal besonders Dianna im Mittelpunkt. Sie hat etwas geopfert, um Samkiel zu retten – ein Opfer, das sie vor ihm geheim hält. Während Samkiel versucht, sich von allem zu erholen, was passiert ist, wird schnell klar, dass er nicht mehr derselbe ist. Seine Macht hat ihn verlassen, seine Verbündeten sind zerbrochen, und der Verrat, den er erleben musste, hat tiefe Spuren hinterlassen. Während er noch versucht zu heilen, zieht sich der Schatten eines neuen Konflikts immer enger zusammen.
Denn währenddessen verfolgt Nismera, die grausame Göttin des Krieges, ihre eigenen Pläne. Ihr Ziel ist klar: der Thron. Und sie ist bereit, alles zu zerstören, was sich ihr in den Weg stellt. Die große Frage, die über allem schwebt, lautet also: Können Dianna und Samkiel sie aufhalten – oder werden sie selbst zu Opfern dieser Macht?
Was mich beim Einstieg dieses Bandes zunächst überrascht hat, war die Atmosphäre. Die Geschichte fühlt sich am Anfang anders an als zuvor. Ruhiger. Fast ungewohnt still. Wer hier sofort Blut, Rache und Chaos erwartet, wird vielleicht kurz stutzen. Stattdessen nimmt sich Amber V. Nicole Zeit für ihre Figuren, für ihre inneren Kämpfe und für die vielen Fäden, die sich inzwischen durch diese Welt ziehen.
Hinzu kommt, dass es inzwischen noch mehr Perspektiven gibt. Grundsätzlich liebe ich das – mehrere Blickwinkel machen Geschichten oft vielschichtiger und lebendiger. Gleichzeitig braucht es aber einen Moment, um wieder vollständig in alle Handlungsstränge hineinzufinden. Gerade am Anfang hatte ich das Gefühl, mich erst einmal neu orientieren zu müssen.
Rückblickend muss ich aber sagen: Dieser langsame Aufbau ist absolut notwendig. Denn all diese scheinbar ruhigen Momente legen die Grundlage für das, was später passiert.
Besonders spannend fand ich, dass wir diesmal auch tiefer in die Gedanken der sogenannten „Villains“ eintauchen. Figuren, die man bisher vielleicht einfach als böse eingeordnet hat, bekommen plötzlich mehr Tiefe. Motive werden greifbarer, Entscheidungen verständlicher. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen immer stärker – und plötzlich befindet man sich mitten in einer Welt voller moralischer Grauzonen.
Fast alle Figuren bewegen sich irgendwo zwischen Licht und Dunkelheit. Loyalität, Verrat, Liebe und Macht greifen ineinander und machen es unmöglich, jemanden eindeutig einzuordnen. Bis auf Samkiel natürlich. Er bleibt für mich der moralische Anker der Geschichte – auch wenn er selbst längst nicht mehr unverwundbar ist.
Und dann, ungefähr nach den ersten zweihundert Seiten, nimmt die Geschichte plötzlich Fahrt auf.
Ab diesem Punkt fühlt sich alles wieder vertraut an. Die Welt wird dunkler, brutaler, intensiver. Zerstörung, Wut, Rache, Blut und Magie kehren zurück – aber gleichzeitig auch die anderen Seiten dieser Geschichte: Liebe, Familie, Hoffnung, Loyalität und Stärke.
Die Handlung verdichtet sich, Geheimnisse kommen ans Licht, neue Fragen tauchen auf. Durch die vielen Perspektiven und die relativ kurzen Kapitel entsteht ein Gefühl von permanenter Bewegung. Man hat fast den Eindruck, ständig über die Schulter schauen zu müssen, weil überall gleichzeitig etwas passiert.
Und dann kommt das Ende.
Oder besser gesagt: dieser Moment, in dem man denkt, jetzt ist wirklich alles vorbei.
Mehr als einmal hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass die Geschichte an einen Punkt gekommen ist, an dem nichts mehr zu retten scheint. Die Ereignisse überschlagen sich, Entscheidungen werden getroffen, und plötzlich steht alles auf dem Spiel.
Als ich schließlich die letzte Seite umgeschlagen habe, saß ich erst einmal da – und wusste nicht so recht, wohin mit mir. Dieses typische „Buchloch“-Gefühl hat mich sofort erwischt. Obwohl der dritte Band für mich ganz knapp kein absolutes Highlight war, bin ich immer noch völlig überzeugt von dieser Welt, diesen Figuren und der Geschichte, die Amber V. Nicole hier erzählt.
Die Charaktere sind komplex, emotional und voller Widersprüche. Die Welt ist düster, gefährlich und faszinierend zugleich. Und genau deshalb will ich unbedingt wissen, wie alles endet.
Eines ist jedenfalls sicher:
Ich kann es kaum erwarten, das große Finale dieser Reihe endlich in die Hände zu bekommen.
Für mich bekommt „The Dawn of the Cursed Queen“ starke 4,5 von 5 Sternen – und eine ganz klare Leseempfehlung für alle, die düstere Fantasy mit moralisch grauen Figuren, intensiven Emotionen und einer epischen Geschichte lieben.
