S.T. Abby – Blood – Du sollst bereuen (The Mindf*ck Series, Band 2)

Nach dem ersten Band war für mich ziemlich schnell klar, dass ich unmöglich lange mit der Fortsetzung warten würde. Wobei “lange” hier ohnehin relativ ist – der Schreibstil der Reihe ist so unglaublich flüssig, dass ich Band eins und zwei tatsächlich an einem einzigen Nachmittag verschlungen habe. Eigentlich wollte ich nur kurz weiterlesen. Ihr kennt das. Aus “nur noch ein Kapitel” wurden plötzlich mehrere Stunden und zwei gelesene Bücher. 😅

Genau das ist für mich auch die größte Stärke der Mindf*ck Series. Diese Bücher lesen sich unglaublich schnell. Kurze Kapitel, ein flüssiger Schreibstil und ständig kleine Cliffhanger sorgen dafür, dass man das Gefühl hat, immer noch eine Seite lesen zu können. Und ehe man sich versieht, ist das Buch beendet. Ein blutiger Snack eben…

Auch in Blood – Du sollst bereuen bleibt Lana Myers eine der faszinierendsten Figuren der Geschichte.

Nach außen führt sie ein scheinbar perfektes Leben. Sie ist erfolgreich, attraktiv und inzwischen glücklich mit FBI-Agent Logan Bennett zusammen. Dass ausgerechnet Logan zu dem Team gehört, das die meistgesuchte Serienmörderin des Landes jagt, macht die gesamte Situation natürlich nicht gerade unkompliziert.

Denn Logan weiß nicht, wer Lana wirklich ist.

Während sie weiterhin ihren Rachefeldzug verfolgt, arbeitet der Mann, den sie liebt, Tag für Tag daran, sie zu finden.

Allein diese Ausgangslage sorgt permanent für Spannung. Bei jeder Begegnung habe ich mich gefragt, ob diesmal alles auffliegt. Ob irgendein kleiner Fehler genügt, damit Lanas gesamtes Kartenhaus zusammenbricht.

Besonders gut gefallen hat mir, dass sich die Beziehung zwischen Logan und Lana diesmal weiterentwickelt.

Im ersten Band stand vor allem das Kennenlernen im Mittelpunkt. Vieles fühlte sich noch leicht und beinahe unbeschwert an – soweit das bei einer Serienkillerin überhaupt möglich ist.

Im zweiten Band holt die Realität die beiden allerdings langsam ein.

Logan arbeitet ständig, Lana führt ein Doppelleben und irgendwann bleiben Konflikte natürlich nicht aus.

Gerade dieser Schritt hat die Beziehung für mich glaubwürdiger gemacht.

Die beiden streiten sich zum ersten Mal ernsthaft, Missverständnisse entstehen und man merkt, dass eine Beziehung eben nicht nur aus den schönen Momenten besteht.

Mit der Auflösung dieses Konflikts war ich allerdings nicht ganz glücklich.

Für meinen Geschmack wurde der Streit etwas zu schnell wieder beendet. Gerade weil Lana zuvor so verletzt und wütend war, hätte ich mir gewünscht, dass dieser Konflikt etwas mehr Raum bekommt. Stattdessen hatte ich das Gefühl, dass Logan vergleichsweise leicht aus der Situation herauskommt. Das wirkte auf mich etwas zu einfach und nahm der Szene ein wenig ihre emotionale Wirkung.

Was mich dagegen wieder komplett überzeugen konnte, war Lana selbst.

Je mehr man über ihre Vergangenheit erfährt, desto schwieriger wird es, sie ausschließlich als Täterin zu sehen.

Natürlich sind ihre Taten grausam. Daran besteht überhaupt kein Zweifel. Und trotzdem schafft es S.T. Abby immer wieder, den Leser in einen moralischen Zwiespalt zu bringen.

Denn ihre Opfer haben selbst Schreckliches getan.

Immer wieder habe ich mich gefragt, wie ich handeln würde, wenn das Rechtssystem versagt hätte und die Verantwortlichen niemals zur Rechenschaft gezogen worden wären.

Natürlich rechtfertigt das keine Morde.

Aber genau diese Grauzonen machen die Reihe für mich so spannend.

Sie zwingt einen dazu, über Gerechtigkeit nachzudenken. Über Rache. Und darüber, wo eigentlich die Grenze zwischen beidem verläuft.

Besonders gelungen fand ich diesmal außerdem, dass auch das Umfeld stärker in den Mittelpunkt rückt.

Nicht nur Lana und Logan entwickeln sich weiter, sondern auch die Figuren um sie herum gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Vor allem Logans Kolleginnen und Kollegen haben mir gut gefallen. Sie wirken kompetent, aufmerksam und glaubwürdig.

Gerade in Thrillern stört es mich oft, wenn Ermittler offensichtliche Hinweise übersehen oder nur deshalb Fehler machen, damit die Handlung funktioniert.

Hier hatte ich dieses Gefühl überhaupt nicht. Im Gegenteil.

Vor allem Hadley fand ich unglaublich interessant. Sie beobachtet genau, stellt die richtigen Fragen und entwickelt sich langsam zu einer Figur, die Lana durchaus gefährlich werden könnte.

Genau dadurch entsteht zusätzliche Spannung.

Auch die Erzählgeschwindigkeit empfand ich diesmal als deutlich ausgewogener.

Im ersten Band ging vieles extrem schnell. Hier nimmt sich die Geschichte etwas mehr Zeit, ohne dabei an Tempo zu verlieren. Nach und nach erhalten wir neue Informationen über Lanas Vergangenheit, gleichzeitig bleibt aber genügend offen, um neugierig auf die nächsten Bände zu machen.

Der Cliffhanger hat das natürlich wieder perfekt geschafft. Kaum war ich auf der letzten Seite angekommen, wollte ich eigentlich direkt weiterlesen.

Ein kleiner Kritikpunkt bleibt für mich allerdings die Länge. Mit knapp über 200 Seiten ist auch dieser Band wieder sehr kurz.

Ehrlich gesagt hätte ich mir gut vorstellen können, Band eins und zwei als einen gemeinsamen Roman zu lesen. Einige Szenen hätten durchaus etwas mehr Raum vertragen, gerade was die Figurenentwicklung betrifft.

Auf der anderen Seite ist es wahrscheinlich genau diese Kürze, die den enormen Lesesog der Reihe ausmacht.

Ich bin deshalb selbst etwas hin- und hergerissen.

Mehr Seiten hätten den Figuren vermutlich gutgetan.

Vielleicht hätte die Geschichte dadurch aber auch einen Teil ihres Tempos verloren.

Blood – Du sollst bereuen knüpft nahtlos an den starken Auftakt an und entwickelt sowohl die Handlung als auch die Figuren gelungen weiter. Besonders die moralischen Grauzonen, die Dynamik zwischen Lana und Logan und die wachsende Gefahr, dass ihre beiden Welten jederzeit aufeinanderprallen könnten, haben mich wieder komplett an die Geschichte gefesselt.

Auch wenn ich mir stellenweise etwas mehr Raum für die Figuren und einzelne Konflikte gewünscht hätte, bleibt die Reihe für mich ein absoluter Pageturner.

Der Cliffhanger hat natürlich genau das geschafft, was er sollte. Ich musste einfach weiterlesen.

4 von 5 schwarzen Herzen. 🖤