Es gibt Bücher, auf die freut man sich monatelang – und dann überraschen sie einen trotzdem komplett. Genau so ging es mir mit I Am the Blade.
Ich hatte das Buch schon länger auf meiner Wunschliste. Überall auf Bookstagram wurde davon geschwärmt und irgendwann konnte ich einfach nicht mehr daran vorbeigehen. Eigentlich hatte ich eine richtig gute Romantasy erwartet. Bekommen habe ich aber viel mehr als das.
Alles begann tatsächlich mit einem Bild. Beim Scrollen durch Instagram blieb ich an einer Illustration hängen – eine junge Frau mit violetten Haaren vor einer düsteren Kulisse. Je öfter ich das Buch anschließend in meinem Feed gesehen habe, desto neugieriger wurde ich. Die Begeisterung war riesig, die Erwartungen entsprechend auch. Und trotzdem hätte ich nicht damit gerechnet, wie sehr mich diese Geschichte am Ende packen würde.
Im Mittelpunkt steht Seren, eine Assassine, die dem sogenannten Haus dient. Ihre Aufgabe ist es, Menschen zu richten, die das Gleichgewicht der Welt bedrohen. Das Besondere dabei: Nach jedem Auftrag nimmt sie die Seele ihres Opfers in sich auf und kann diese später als Waffe einsetzen. Allein diese Idee fand ich schon unglaublich spannend und erfrischend anders.
Doch dann tötet sie den Rebellen Vale – oder zumindest glaubt sie das. Seine Seele wird zu ihrer mächtigsten Waffe, weigert sich jedoch hartnäckig, sich ihr zu unterwerfen. Stattdessen kommentiert Vale alles, stellt Seren infrage und macht ihr das Leben ordentlich schwer. Allein diese Dynamik zwischen den beiden hat mich unglaublich gut unterhalten.
Was ich überhaupt nicht erwartet hatte, war der Krimi-Anteil der Geschichte. Ich war fest davon ausgegangen, eine klassische Romantasy zu lesen. Stattdessen gibt es mysteriöse Mordfälle, Intrigen, Verrat und politische Machtspiele, die sich durch die gesamte Handlung ziehen. Ständig hatte ich neue Verdächtige, habe Theorien aufgestellt und war überzeugt, den Durchblick zu haben – nur um wenig später wieder komplett umdenken zu müssen. Genau solche Geschichten liebe ich.
Besonders begeistert hat mich außerdem das Worldbuilding. Anfangs musste ich mich zwar erst einmal orientieren. Marie Graßhoff erklärt ihre Welt nicht bis ins kleinste Detail, sondern wirft einen mitten hinein. Das hat mir die ersten Kapitel ehrlich gesagt etwas erschwert, weil ich mich erst an die Regeln, Begriffe und Zusammenhänge gewöhnen musste. Sobald dieser Knoten aber geplatzt war, wollte ich diese Welt gar nicht mehr verlassen.
Immer wieder musste ich an Anime wie Noragami oder Soul Eater denken. Nicht, weil sich die Geschichten ähneln, sondern wegen dieser besonderen Mischung aus Seelen, Waffen und übernatürlichen Kräften. Trotzdem hat I Am the Blade seinen ganz eigenen Stil und fühlt sich nie wie eine Kopie an.
Auch die Figuren konnten mich überzeugen. Seren ist stark, entschlossen und trotzdem alles andere als unfehlbar. Gerade ihre Zweifel und inneren Konflikte machen sie unglaublich greifbar. Und dann ist da Vale. Ich wusste bis zum Schluss nie so genau, ob ich ihn sympathisch finden oder ihm lieber misstrauen sollte. Genau das macht ihn aber so interessant.
Besonders gut gefallen hat mir außerdem, dass die Romance nie die eigentliche Handlung überlagert. Natürlich gibt es einen Hate-to-Love-Aspekt und natürlich knistert es zwischen Seren und Vale. Aber ihre Beziehung entwickelt sich langsam und glaubwürdig. Es geht nicht um Liebe auf den ersten Blick, sondern um Vertrauen, das sich erst nach und nach entwickelt. Genau das hat für mich hervorragend funktioniert.
Ein riesiger Pluspunkt ist für mich außerdem die Liebe zum Detail, die Marie Graßhoff in dieses Projekt gesteckt hat. Man merkt einfach, dass hier unglaublich viel Herzblut drinsteckt. Eine eigene Spotify-Playlist, Zusatzmaterial, eine Community auf dem Neon-Gang-Discord und dann natürlich die wunderschöne Gestaltung. Besonders beeindruckend finde ich, dass die Autorin viele grafische Elemente selbst gestaltet hat. Dieses Gesamtpaket macht das Buch noch einmal zu etwas Besonderem.
Mein einziger kleiner Kritikpunkt bleibt tatsächlich der Einstieg. Durch das komplexe Worldbuilding brauchte ich ein paar Kapitel, bis ich vollständig angekommen war. Rückblickend hat sich diese kleine Eingewöhnungszeit aber absolut gelohnt.
Fazit
I Am the Blade hat mich komplett überrascht. Ich habe eine spannende Romantasy erwartet und eine Geschichte bekommen, die Fantasy, Krimi, Intrigen, politische Machtspiele und eine langsam entstehende Liebesgeschichte auf unglaublich gelungene Weise miteinander verbindet. Das außergewöhnliche Magiesystem, die düstere Atmosphäre und die Dynamik zwischen Seren und Vale haben dafür gesorgt, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.
Für mich ist das einer der stärksten Fantasy-Auftakte, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Jetzt bleibt mir nur eines: sehnsüchtig auf Band 2 warten. Und ehrlich gesagt freue ich mich jetzt schon riesig auf die Rückkehr in diese Welt.
4,5 von 5 🖤