Nachdem mich Die Sprache der Drachen wirklich begeistert hat, habe ich mich riesig auf die Fortsetzung gefreut. Das Ende von Band 1 hatte schließlich einige Fragen offen gelassen und ich wollte unbedingt wissen, wie es mit Viv weitergeht.
Der Wiedereinstieg war für mich allerdings gar nicht so einfach.
Die Geschichte setzt zwar nach den Ereignissen des ersten Bandes an, nimmt einen aber ziemlich schnell wieder mit ins Geschehen. Das Problem war nur: Ich wusste ehrlich gesagt gar nicht mehr so genau, wer jetzt eigentlich wer war. 😅
Es tauchen direkt wieder jede Menge Namen, Orte und politische Gruppierungen auf und ich habe mich am Anfang mehr als einmal gefragt, ob ich vielleicht doch nochmal Band 1 hätte querlesen sollen. Eine kleine Zusammenfassung hätte mir hier wirklich geholfen, denn so brauchte ich erst einmal einige Kapitel, bis ich wieder komplett in der Geschichte angekommen war.
Als das geschafft war, hatte mich die Welt aber ziemlich schnell wieder.
Dieses Mal verbringen wir deutlich weniger Zeit in London. Stattdessen geht es gemeinsam mit Viv und der Rebellenbewegung hinaus auf verschiedene Dracheninseln. Ihr Ziel: eine uralte Wyvern-Art finden und sie davon überzeugen, sich dem Kampf anzuschließen.
Gerade dieser Teil hat mir grundsätzlich richtig gut gefallen.
Ich liebe Drachen einfach. Und noch mehr liebe ich Geschichten, in denen Drachen eben nicht alle gleich sind. Hier gibt es unterschiedliche Arten mit ganz eigenen Eigenheiten, Sprachen und Lebensweisen. Genau das macht diese Reihe für mich so besonders.
Überhaupt finde ich die Idee, Sprache zum wichtigsten Element der Fantasywelt zu machen, unglaublich spannend. Nicht Schwerter oder Magie entscheiden hier alles, sondern Kommunikation. Vertrauen entsteht über Sprache, Bündnisse entstehen über Sprache und manchmal scheitert eben auch alles daran.
Dieses Konzept hebt die Reihe für mich wirklich von vielen anderen Drachenfantasys ab.
Trotzdem muss ich sagen, dass sich die erste Hälfte des Buches für mich etwas gezogen hat.
Die Suche nach den Wyvern nimmt einen großen Teil der Handlung ein. Natürlich passiert immer wieder etwas und es gibt auch gefährliche Situationen, aber insgesamt fehlte mir zwischendurch einfach ein bisschen das Tempo.
Vor allem die politischen Verstrickungen konnten mich nicht immer komplett abholen.
Das liegt aber auch ein bisschen an mir. Ich merke immer wieder, dass mir zu viel Politik in Fantasy irgendwann etwas zu trocken wird. Andere werden genau das wahrscheinlich lieben, für mich hat es den Lesefluss stellenweise eher ausgebremst.
Zum Glück ändert sich das im letzten Drittel komplett.
Ab ungefähr den letzten 150 Seiten nimmt die Geschichte richtig Fahrt auf. Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse und ich wollte das Buch kaum noch aus der Hand legen. Genau dieses Gefühl hatte ich im ersten Band fast durchgehend.
Besonders gefallen hat mir außerdem, wie sich Viv entwickelt.
Sie trägt inzwischen unglaublich viel Verantwortung und wirkt deutlich reifer als noch zu Beginn der Reihe. Trotzdem bleibt sie sich selbst treu und genau das mag ich an ihr. Auch einige der neuen Nebenfiguren fand ich richtig gelungen und ich hoffe, dass sie im Finale noch eine größere Rolle spielen werden.
Ein paar Wendungen konnte ich leider schon recht früh vorhersehen. Das hat zwar etwas Spannung genommen, wirklich gestört hat es mich aber nicht.
Was ich an der Reihe nach wie vor liebe, ist einfach diese Welt.
Der Krieg zwischen Menschen und Drachen ist inzwischen allgegenwärtig und gleichzeitig zeigt die Geschichte sehr schön, dass es eben nicht nur Schwarz oder Weiß gibt. Auch innerhalb der Drachen gibt es Konflikte und unterschiedliche Interessen. Dadurch wirkt alles deutlich komplexer.
Und dann kam das Ende…
Bis zu diesem Buch war ich tatsächlich davon ausgegangen, dass die Reihe mit Band 2 abgeschlossen wird. Tja… falsch gedacht. 😅
Inzwischen wissen wir ja, dass Die Sprache der Drachen eine Trilogie wird und genau so fühlt sich dieser Band auch an. Viele Dinge werden vorbereitet, einiges bleibt bewusst offen und natürlich endet alles genau so, dass man sofort wissen möchte, wie es weitergeht.
Fazit
Für mich konnte Der Kodex der Drachen leider nicht ganz mit seinem Vorgänger mithalten. Der Einstieg war etwas holprig und gerade die erste Hälfte zog sich für meinen Geschmack stellenweise etwas.
Dafür punktet die Geschichte wieder mit ihrem außergewöhnlichen Sprachkonzept, den unterschiedlichen Drachenarten und einer Welt, die ich nach wie vor unglaublich spannend finde. Vor allem das letzte Drittel konnte mich dann wieder richtig packen und hat meine Vorfreude auf das Finale deutlich gesteigert.
Es ist für mich so ein typischer Mittelband einer Trilogie: Er bereitet vieles vor, entwickelt die Figuren weiter und erweitert die Welt, erreicht aber noch nicht ganz die Sogwirkung des ersten Bandes.
Trotzdem freue ich mich jetzt schon darauf zu erfahren, wie Vivs Geschichte am Ende ausgehen wird.
3,5 von 5 schwarzen Herzen. 🖤
