Ganz ehrlich? Band 1 hat mich damals komplett umgehauen.
Ich weiß noch genau, wie ich das Buch zugeschlagen habe und erst einmal einen Moment brauchte. Diese Atmosphäre, dieses ständige Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt, und vor allem die Frage, ob das alles wirklich passiert oder ob man selbst langsam anfängt, an der eigenen Wahrnehmung zu zweifeln – genau das hat den ersten Band für mich so besonders gemacht. Umso größer war natürlich die Vorfreude auf die Fortsetzung.
Und ich kann direkt sagen: Auch Band 2 macht unglaublich viel Spaß. Allerdings auf eine ganz andere Art.
Drei Jahre sind seit den Ereignissen im Haus des Exorzisten vergangen. Eigentlich versucht Daniels Familie endlich wieder ein normales Leben zu führen. Doch dann kommt ein Anruf, der alles verändert. Daniels Bruder möchte das alte Farmhaus kaufen und daraus eine Spukattraktion machen. Schon bei dieser Idee dachte ich nur: Bitte macht das nicht! 😅 Man ahnt sofort, dass das unmöglich gut ausgehen kann.
Und natürlich dauert es nicht lange, bis das Böse erneut erwacht.
Nick Roberts schreibt genau so, wie ich Horror liebe. Sein Schreibstil ist unglaublich flüssig, die Kapitel haben genau die richtige Länge und ständig passiert irgendetwas, das einen weiterlesen lässt. Ich wollte eigentlich immer nur noch ein Kapitel lesen und plötzlich waren wieder fünfzig Seiten vorbei. Genau so muss sich ein Horrorroman für mich anfühlen.
Besonders gut gefallen hat mir, dass die Geschichte diesmal zwischen Vergangenheit und Gegenwart wechselt. Dadurch erfährt man nach und nach immer mehr über Merle und gleichzeitig begleitet man Daniels Familie weiter. Nach und nach setzt sich alles zusammen und spätestens am Ende merkt man, wie gut beide Handlungsstränge miteinander verbunden sind.
Im Nachwort verrät Nick Roberts übrigens, dass ursprünglich gar keine Fortsetzung geplant war. Das hätte ich ehrlich gesagt nie vermutet. Für mich wirkte es am Ende so, als hätte die Geschichte genau so weitererzählt werden müssen. Alle Fäden greifen ineinander und ergeben ein rundes Gesamtbild.
Trotzdem gab es einen Punkt, der für mich nicht ganz an Band 1 herangekommen ist.
Im ersten Teil war es vor allem dieses ständige Ungewisse, das mich so gepackt hat. Man wusste nie, ob die Figuren wirklich etwas Übernatürliches erleben oder ob alles vielleicht doch eine andere Erklärung hat. Genau dieses Spiel mit den eigenen Gedanken hat mich völlig fertiggemacht und gleichzeitig dafür gesorgt, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte.
In Band 2 schlägt Nick Roberts dagegen eine andere Richtung ein.
Hier geht es deutlich brutaler zur Sache. Teilweise hatte ich das Gefühl, als wären sämtliche Horrorfilm-Klischees, die man so kennt, in dieses Buch eingeflossen. Dämonen, blutige Szenen, Wahnsinn, Besessenheit – es wird wirklich alles aufgefahren. Das ist zwar unglaublich unterhaltsam, aber für meinen Geschmack war es an manchen Stellen einfach ein bisschen zu viel. Ich hätte mir gewünscht, dass etwas mehr von diesem unterschwelligen Horror aus dem ersten Band geblieben wäre. Manchmal ist weniger eben doch mehr.
Das heißt aber nicht, dass das Buch harmlos wäre – ganz im Gegenteil.
Die Gewaltszenen sind schonungslos, teilweise richtig heftig und definitiv nichts für schwache Nerven. Wer empfindlich auf Horror oder Splatter reagiert, sollte wissen, worauf er sich hier einlässt. Ich persönlich mag genau solche Geschichten unglaublich gerne… solange sie sich bitte ausschließlich zwischen zwei Buchdeckeln abspielen und nicht vor meiner eigenen Haustür. 😅
Für mich bleibt Band 1 trotzdem der stärkere Teil der Reihe. Dieses permanente Gefühl der Unsicherheit hat mich einfach mehr gepackt als der sehr direkte Horror der Fortsetzung.
Trotzdem ist „Das Haus des Exorzisten 2“ ein verdammt starker Horrorroman, den ich innerhalb kürzester Zeit verschlungen habe. Wer Dämonen, Besessenheit, brutale Szenen und eine ordentliche Portion Wahnsinn liebt, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen.
🖤 4,5 von 5 Herzen
