Es gibt diese Bücher, um die man monatelang herumschleicht. Man liest den Klappentext. Speichert sie auf der Wunschliste. Schiebt sie in Gedanken immer wieder nach vorne. Und denkt trotzdem jedes Mal: „Ja… irgendwann.“
Genau so ging es mir mit Shield of Sparrows von Devney Perry.
Und ganz ehrlich?
Ich könnte mir heute in den Hintern beißen, dass ich es nicht früher gelesen habe.
Denn dieses Buch hat mich komplett abgeholt. Emotional. Atmosphärisch. Und mit einer Wucht, mit der ich so nicht gerechnet hätte. Für mich ist dieser Auftakt zur Shield-of-Sparrows-Reihe ein echtes Herzensbuch geworden.
Schon der Einstieg zieht einen sofort hinein in eine Welt, in der Götter Monster erschaffen haben, um die Menschen an ihre Bedeutungslosigkeit zu erinnern. Eine Welt, in der Angst zum Alltag gehört. In der Vogelwesen vom Himmel stürzen, bärenartige Kreaturen ganze Dörfer verwüsten und niemand jemals wirklich sicher ist.Und mittendrin: Odessa.
Eine Prinzessin, die nie wirklich eine war.
Nie im Rampenlicht. Nie im Mittelpunkt. Immer nur „die andere“. Die Schwester im Schatten. Während Mae die perfekte Königstochter spielt, wurde Odessa im Hintergrund zur Spionin ausgebildet, lernte mit Messern umzugehen und sich selbst zu behaupten – ohne je wirklich gesehen zu werden.
Bis zu dem Tag, an dem sich alles ändert.
Ein Prinz. Ein Vertrag. Ein Blutpakt. Eine arrangierte Ehe. Eine Reise in das gefährlichste Königreich des Kontinents. Und plötzlich wird Odessa zur Spielfigur in einem politischen Spiel, das sie sich nie ausgesucht hat.
Was ich an diesem Buch so sehr liebe, ist das Worldbuilding.
Die fünf Königreiche von Calandra fühlen sich lebendig an. Unterschiedlich. Eigenständig. Mit eigenen Regeln, Traditionen und Gefahren. Besonders das geheimnisvolle Turah hat mich sofort fasziniert. Verschlossen, düster, voller unausgesprochener Wahrheiten. Ein Ort, der seine Geheimnisse hütet wie Schätze – und genau deshalb so spannend ist.
Dazu kommen die Monster. Und zwar nicht als bloße Kulisse, sondern als echte Bedrohung. Crux, Bariwölfe, Knochenaale, Grizzur, Tarkin – jedes Wesen wirkt durchdacht und gefährlich. Die Kämpfe sind intensiv, teilweise brutal, und sorgen dafür, dass man als Leserin ständig mitfiebert.
Besonders interessant fand ich auch die mysteriöse Krankheit, die die Monster befällt. Stück für Stück erfährt man mehr darüber – und merkt schnell, dass hier etwas Größeres im Hintergrund brodelt.
Aber das Herzstück der Geschichte ist für mich Odessa.
Ihre Entwicklung ist einfach wunderschön erzählt.
Von der übersehenen Prinzessin zur Frau, die lernt, für sich einzustehen. Die trainiert, kämpft, scheitert, weitermacht. Die nicht perfekt ist – und genau deshalb so stark wirkt.
In Turah beginnt sie, sich selbst zu entdecken. Sie hinterfragt Befehle. Widerspricht. Geht Risiken ein. Und wächst an jeder Herausforderung.
An ihrer Seite: der Hüter.
Ein geheimnisvoller Krieger mit beinahe übermenschlichen Fähigkeiten. Beschützer. Wächter. Und natürlich: Herzklopfen-Garant.
Die Dynamik zwischen ihm und Odessa ist slow burn vom Feinsten. Keine überstürzten Gefühle. Kein künstliches Drama. Sondern vorsichtige Annäherung, gegenseitiges Misstrauen, wachsendes Vertrauen – und dieses leise, stetige Knistern, das man auf jeder Seite spürt.
Auch ihre Ehe mit Zavier ist spannend angelegt. Distanz. Unklarheit. Emotionale Spannung. Nichts ist hier einfach oder schwarz-weiß.
Die Handlung selbst ist durchgehend fesselnd.
Odessa wird unvorbereitet in eine Rolle geworfen, für die sie nie gedacht war. Sie muss sich in einer fremden Welt behaupten, politische Intrigen durchschauen und gleichzeitig lernen, sich selbst zu vertrauen. Ich mochte besonders, dass sie nicht einfach alles hinnimmt, sondern aktiv wird, Fragen stellt und Grenzen überschreitet.
Und ja – das Buch hat über 700 Seiten.
Aber keine davon hat sich für mich zu viel angefühlt. Ich war ständig neugierig, wollte wissen, wie es weitergeht, welche Geheimnisse noch gelüftet werden, wer wirklich auf welcher Seite steht.
Zum Ende hin zieht die Geschichte noch einmal richtig an. Einige Fragen werden beantwortet – aber mindestens genauso viele neue aufgeworfen. Und dieses Finale? Brutal. Emotional. Herzzerreißend. Genau so, wie ein guter Reihenauftakt enden sollte.
Ich habe das Buch zugeklappt und sofort gedacht:
Ich brauche Band zwei. Jetzt. Sofort.
„Shield of Sparrows“ ist für mich ein perfekter Auftakt.
Eine faszinierende Welt, gefährliche Monster, politische Intrigen, eine starke Heldin, eine wunderschöne Slow-Burn-Romance und ein Plot, der konstant trägt.
Ja, ein paar Wendungen lassen sich erahnen.
Aber das stört hier überhaupt nicht, weil das Gesamtpaket einfach stimmt.
Für mich:
⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ 5/5 Sterne
Highlight. Herzensbuch. Große Liebe.
Wenn ihr epische Fantasy mit Romance, starken Figuren und einer düsteren, spannenden Welt mögt – dann solltet ihr dieses Buch unbedingt lesen.
Ich freue mich riesig auf die Fortsetzung. 📚✨
