Puh. Ich sag’s euch, ich musste nach diesem Buch erst mal durchatmen.
Mehr Dark Romantasy geht wirklich kaum.
‚Bluttochter – Die Schwarzen Juwelen‘ ist kein Buch, das man gemütlich nebenbei liest. Es ist kein sanfter Einstieg in eine magische Welt, kein zartes Herantasten. Es ist eher wie ein Schubs. Und plötzlich steht man mitten in einer düsteren, hierarchischen, gefährlich erotisch aufgeladenen Welt – ohne Anleitung.
Am Anfang war ich ehrlich gesagt komplett überfordert. Juwelenränge, Blut, Hierarchien, Regeln, Bezeichnungen – ich hatte das Gefühl, ich müsste erst ein Lexikon studieren, bevor ich verstehe, was hier eigentlich passiert. Anne Bishop erklärt nicht viel. Sie erwartet, dass man sich hineinwirft. Und entweder schwimmt – oder untergeht.
Aber dann passiert etwas.
Plötzlich begreift man: Es geht hier gar nicht in erster Linie um das System. Nicht um politische Strukturen oder sauber konstruiertes Worldbuilding. Es geht um Macht. Um Kontrolle. Um emotionale Abhängigkeiten. Um das, was passiert, wenn Magie und Begehren miteinander verschmelzen.
Und mittendrin: Jaenelle.
Ein Kind – und gleichzeitig etwas, das viel größer ist als ein Mensch sein dürfte. Ihre Präsenz allein verändert alles. Und um sie herum versammeln sich Figuren, die mich gleichzeitig abgestoßen und fasziniert haben.
Daemon.
Lucivar.
Saetan.
Das sind keine netten Fantasy-Bookboyfriends. Das sind keine moralisch einwandfreien Helden. Sie sind dunkel. Kaputt. Gefährlich. Und trotzdem voller Loyalität und auf ihre Art beschützend. Genau diese Mischung macht sie so intensiv. Man weiß beim Lesen oft nicht: Soll ich sie bewundern oder fürchten?
Anne Bishop geht dahin, wo andere Fantasy-Autorinnen stoppen. Gewalt, Manipulation, psychischer Schmerz – das ist hier nicht angedeutet, sondern Teil der Geschichte. Und das muss man aushalten können. Es gibt Szenen, die tun weh. Szenen, die triggern können. Szenen, bei denen ich dachte: Das ist heftig.
Und trotzdem konnte ich nicht aufhören.
Weil zwischen all der Dunkelheit etwas pulsiert. Eine emotionale Wucht. Eine fast obsessive Bindung zwischen den Figuren. Eine Intensität, die nicht auf „romantisch süß“ setzt, sondern auf „alles oder nichts“.
Dieses Buch ist nicht subtil. Es ist laut in seiner Dunkelheit. Dramatisch. Überzogen. Und genau deshalb wirkt es. Es fühlt sich fast ein bisschen wie guilty pleasure an – nur dass es gleichzeitig tief unter die Haut geht.
Handwerklich ist nicht alles glatt. Manche Übergänge sind holprig, manches wirkt fast zu viel. Aber genau dieses „zu viel“ macht auch den Reiz aus. Es ist exzessiv. Und kompromisslos.
Für mich war Bluttochter kein perfektes Buch. Aber ein intensives. Eines, das mich gepackt, verstört und neugierig gemacht hat. Ich wollte wissen, wie weit Anne Bishop noch geht. Wie dunkel es noch wird.
Wenn ihr klassische, sanfte Romantasy sucht, seid ihr hier falsch.
Wenn ihr moralische Grauzonen liebt, obsessive Dynamiken spannend findet und euch vor düsterer, erotisch aufgeladener Fantasy nicht scheut – dann könnte das euer Ding sein.
Für mich:
4/5 Sterne ⭐️
Nicht perfekt.
Aber definitiv der Beginn von etwas, das süchtig machen könnte.
