Endlich ging es weiter. Und gleichzeitig wusste ich: Das hier ist schon das Ende.
Ich liebe ja dieses Gefühl, wenn eine Geschichte fortgesetzt wird, auf die man sehnsüchtig gewartet hat – und ich hasse es ein bisschen, wenn man weiß, dass man sich danach verabschieden muss. Genau so ging es mir mit „Beneath Cursed Stars 2: Between Broken Hearts“ von Lexi Ryan, dem epischen Finale des Romantasy-Spin-offs zur Court-of-Sun-Dilogie.
Schon Band eins hatte mich komplett abgeholt. Die Mischung aus Magie, Intrigen, starken Heldinnen und emotionalen Verstrickungen war für mich ein echtes Highlight. Entsprechend groß war meine Vorfreude – und vielleicht auch meine Erwartungshaltung.
In diesem zweiten Band stehen erneut Jasalyn und Felicity im Mittelpunkt. Zwei junge Frauen, zwei völlig unterschiedliche Kämpfe – und doch sind ihre Schicksale enger miteinander verknüpft, als es zunächst scheint.
Jasalyn erwacht in einem Albtraum, der keiner zu sein scheint. Immer wieder verliert sie die Kontrolle über ihren eigenen Körper. Momente verschwimmen, Erinnerungen sind lückenhaft, und die Angst wächst: Hat der totgeglaubte Schattenkönig Mordeus bereits Besitz von ihr ergriffen? Dieses Gefühl des Kontrollverlusts zieht sich wie ein dunkler Schatten durch ihre Kapitel. Dazu kommt, dass Kendrick – ausgerechnet Kendrick, ihr sicherer Hafen – sie belogen hat. Vertrauen, das einst selbstverständlich war, ist plötzlich brüchig. Und inmitten politischer Spannungen zwischen zwei Reichen bleibt kaum Zeit, sich zu sortieren.
Parallel dazu kämpfen wir an Felicitys Seite. Die Gestaltwandlerin, die sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich sie selbst sein zu dürfen. Doch ausgerechnet jetzt gerät sie immer tiefer in die Machtspiele von Elora – und damit gefährlich nah an ihre leibliche Familie. Eine Familie, die seit Jahren Jagd auf sie macht. Als Misha schließlich ihre Täuschung durchschaut, bricht auch hier ein wichtiger Halt weg. Felicity steht vor der Frage, ob sie bereit ist, alles zu riskieren, um endlich frei zu sein.
Was mir besonders gefallen hat, war die Entwicklung der beiden Protagonistinnen. Jasalyn ist innerlich zerrissen, traumatisiert, voller Zweifel – und doch spürt man ihren Willen, sich nicht unterkriegen zu lassen. Auch wenn ich zugeben muss: Ihr Verhalten hat mich zwischendurch herausgefordert. Manche Entscheidungen wirkten impulsiv, beinahe selbstsabotierend. Ich konnte ihr Trauma nachvollziehen, aber nicht immer ihre Reaktionen. Einige Konflikte fühlten sich dadurch unnötig kompliziert an.
Felicity hingegen hat mich emotional sehr berührt. Ihre Sehnsucht nach Identität, nach Zugehörigkeit, nach einem Ort, an dem sie einfach sie selbst sein darf – das ging mir nahe. Besonders ihre familiären Hintergründe wurden hier vertieft, und ich mochte, wie sich nach und nach die Puzzleteile zusammenfügten. Ihre Entwicklung war für mich einer der stärksten Aspekte des Buches.
Der Plot insgesamt konnte mich nicht durchgehend so fesseln wie im ersten Band. Es gab Passagen, in denen ich mir mehr Dynamik oder klarere Konfliktlinien gewünscht hätte. Doch irgendwann zog die Geschichte wieder an, die Fäden verdichteten sich, und plötzlich war ich wieder mittendrin.
Lexi Ryans Schreibstil ist erneut sehr emotional, atmosphärisch und flüssig. Die wechselnde Ich-Perspektive von Jasalyn und Felicity sorgt dafür, dass man beiden Handlungssträngen gleichermaßen nah kommt. Gerade die inneren Kämpfe werden dadurch intensiv und greifbar.
Und dann das Finale. Ohne zu spoilern: Es ist rund. Es gibt Wendungen, die überraschen. Antworten, die lange offen waren. Und einen Abschluss, der sich verdient anfühlt. Keine losen Enden, keine hastigen Lösungen – sondern ein stimmiger, emotionaler Ausklang.
Besonders die beiden Liebesgeschichten haben mir gefallen. Sie sind unterschiedlich, entwickeln sich glaubwürdig und tragen viel Herz in diese ohnehin schon gefühlsgeladene Geschichte. Vielleicht ist genau das auch der Kern dieses Buches: weniger epische Schlachten, mehr emotionale Entscheidungen. Weniger Spektakel, mehr innere Entwicklung.
Unterm Strich mochte ich Band eins einen Hauch mehr – er hatte für mich den stärkeren Sog. Aber dennoch habe ich dieses Finale sehr gerne gelesen. Vor allem wegen der Charakterentwicklung, der emotionalen Tiefe und der gelungenen Abrundung dieser Dilogie.
Für mich ein würdiger Abschluss mit kleinen Schwächen, aber viel Herz.
4/5 Sterne ⭐️
