Nachdem mich Band eins von All the Hidden Monsters schon so positiv überrascht hatte, war für mich völlig klar: Ich muss wissen, wie es mit Sage und Oren weitergeht. Und genau diese Vorfreude habe ich mit in „All the Lost Souls“ von Amie Jordan genommen – und wurde definitiv nicht enttäuscht.
Schon beim Einstieg war ich wieder direkt in der Geschichte drin. Dieses besondere Zusammenspiel aus Urban Fantasy, Crime-Elementen und einer Prise Humor hat für mich einfach einen ganz eigenen Reiz. Und genau das wird auch im zweiten Band wieder wunderbar aufgegriffen und sogar noch ein Stück weiter ausgebaut.
Sage hat sich ihren Platz als Ermittlerin hart erkämpft, und ich mochte es sehr, sie in dieser Rolle weiter zu begleiten. Sie ist klug, ehrgeizig und gleichzeitig immer noch dabei, ihren eigenen Weg zu finden. Dass sie nun einen neuen Fall übernehmen soll, der auf den ersten Blick fast harmlos wirkt, passt dabei perfekt ins Bild – denn natürlich bleibt es nicht bei einer simplen Schlichtung zwischen Werwölfen und Hexen.
Das Setting im Jura-Gebirge bringt nochmal eine ganz andere Atmosphäre in die Geschichte. Es wirkt abgeschiedener, rauer, fast schon bedrohlich – und genau das spiegelt sich auch in der Handlung wider. Die Spannungen zwischen den verschiedenen Spezies sind greifbar, und man merkt schnell, dass hier mehr im Verborgenen liegt, als zunächst sichtbar ist.
Und dann ist da natürlich Oren.
Ganz ehrlich – ich mochte ihn schon im ersten Band, aber hier hat er für mich nochmal deutlich gewonnen. Seine Entwicklung ist wirklich spürbar. Er wirkt weniger distanziert, weniger verschlossen, fast schon… zugänglicher. Gleichzeitig bleibt er sich aber treu, was ich sehr wichtig finde. Besonders spannend fand ich, wie er sich in dieser neuen Situation zurechtfinden muss – mitten im WG-Leben, umgeben von Menschen (und Wesen), die so ganz anders sind als er selbst. Diese Momente hatten nicht nur Charme, sondern auch einen schönen, oft humorvollen Unterton.
Die Dynamik zwischen Sage und Oren ist nach wie vor eines der Highlights der Reihe. Beruflich funktionieren die beiden unglaublich gut zusammen – sie ergänzen sich, gleichen sich aus, bringen jeweils ihre Stärken ein. Privat hingegen… ist es komplizierter. Und das ist wahrscheinlich noch freundlich formuliert.
Ich liebe Slow-Burn-Romance, wirklich. Aber bei den beiden hatte ich zwischendurch schon das Bedürfnis, sie ein kleines bisschen anzuschubsen. Es passiert einfach immer wieder irgendetwas, das sie voneinander fernhält. Gleichzeitig macht genau das aber auch einen großen Teil der Spannung zwischen ihnen aus. Dieses Knistern, diese unausgesprochenen Gefühle – das ist definitiv da.
Was mir in diesem Band besonders gefallen hat, war die insgesamt etwas düsterere, intensivere Atmosphäre. Der Fall selbst entwickelt sich nach und nach zu etwas deutlich Größerem, Gefährlicherem. Uralte Magie, verlorene Seelen und dieser tödliche Nebel – das alles sorgt für eine spürbare Bedrohung, die sich langsam aufbaut und immer weiter zuspitzt.
Der Crime-Anteil war für mich wieder richtig gelungen. Ich liebe es, wie sich die Ermittlungen organisch in die Geschichte einfügen und nicht nur Beiwerk sind. Man rätselt mit, stellt Vermutungen an, wird überrascht – genau so, wie ich es mir wünsche.
Auch die Nebenfiguren haben wieder ihren Platz gefunden und tragen viel zur Atmosphäre bei. Gerade diese Found-Family-Vibes, die sich immer mehr entwickeln, geben der Geschichte etwas Warmes, Vertrautes – einen schönen Kontrast zu den düsteren Elementen.
Insgesamt hat mir „All the Lost Souls“ wirklich richtig gut gefallen. Es ist eine gelungene Fortsetzung, die die Stärken des ersten Bandes aufgreift und weiterentwickelt. Mehr Spannung, mehr Tiefe, mehr Entwicklung – auch wenn ich mir bei der Romantik vielleicht ein kleines bisschen mehr Tempo wünschen würde.
Aber genau das macht ja auch den Reiz aus: zu wissen, dass da noch mehr kommt.
Für mich sind es 4 von 5 Sternen ⭐️
Und ich freue mich jetzt schon darauf, zu sehen, wohin die Reise für Sage und Oren noch geht.
