„Ein Thron aus Knochen und Schatten“ von Laura Labas

Manchmal gibt es diese Fortsetzungen, bei denen man schon beim Aufschlagen spürt: Das hier wird kein bloßes „Weiter so“. Das hier will tiefer gehen. Dunkler werden. Mehr verlangen.

Ein Thron aus Knochen und Schatten“ von Laura Labas ist genau so ein Buch.

Nach dem starken Auftakt war ich neugierig, wohin die Reise mit Alison Talbot führen würde – und ja, ich musste mich anfangs kurz sammeln. Die Welt ist komplex, die Verstrickungen zahlreich, die Figuren vielschichtig. Ich gebe zu: Mein Gehirn brauchte ein kleines Auffrischen. Wer wer war, wer wem was schuldet, wer wen hasst, liebt oder verraten könnte. Das Namensglossar am Ende war dabei Gold wert. Und dann? Dann hatte mich die Geschichte wieder. Vollständig.

Alison steht erneut vor Aufgaben, die sie eigentlich nicht stemmen können dürfte – und tut es trotzdem. Als Schlüsselträgerin soll sie das Tor öffnen, um die Dämonen zurück in ihre Welt zu verbannen. Eine Mission von globaler Tragweite, die sie Seite an Seite mit Gareth bestreitet. Und als wäre das nicht genug, schleicht sich Dorian Ascia immer tiefer in ihr Leben, ihre Gedanken, ihre Zweifel. Nähe wird gefährlich, Gefühle werden zur Schwachstelle, und über allem schwebt Alisons Wunsch nach Rache. Der Mord an ihrer Familie ist kein vergangener Schmerz – er ist ein offener, brennender Kern, der jede ihrer Entscheidungen beeinflusst.

Die Welt, die Laura Labas hier erschafft, wird größer, dunkler und bedrohlicher. Wahnsinnige Schattendämonen, menschliche Rebellen mit eigenen Interessen, skrupellose Machthaber und das Erwachen einer Dämonenkönigin – all das verdichtet sich zu einer Atmosphäre, die permanent unter Spannung steht. Dennoch muss ich ehrlich sein: Der Mittelteil hatte für mich seine Längen. Dieses klassische Trilogie-Phänomen – die Ruhe vor dem Sturm. Training folgt auf Training, Tag und Nacht, immer wieder. Ich verstehe den Gedanken dahinter: Niemand wird als Held geboren. Aber hier zog es sich für meinen Geschmack etwas zu sehr.

Was für mich jedoch durchgehend funktioniert hat, war Alison selbst. Sie ist keine makellose Heldin. Sie zweifelt, sie scheitert, sie trifft falsche Entscheidungen. Und genau das macht sie so stark. Als Anführerin wächst sie spürbar in ihre Rolle hinein, ihr Team rückt näher zusammen, und auch die Nebenfiguren bekommen Raum, Tiefe und Hintergrund. Besonders Ophelia, Bird und Hadley gewinnen deutlich an Kontur.

Und dann ist da natürlich die Romantik. Alison und Gareth. Dämon und Mensch. Verboten, kompliziert, gefährlich – und genau deshalb so intensiv. Das Knistern ist greifbar, die Gefühle entwickeln sich langsam, glaubwürdig und schmerzhaft schön. Ich habe mit ihnen gelitten, gehofft, gezweifelt. Diese Beziehung trägt das Buch emotional auf beeindruckende Weise.

Erzählt wird aus Alisons Ich-Perspektive, ergänzt durch mehrere weitere Blickwinkel. Dieser Perspektivwechsel bringt Dynamik und Tiefe, auch wenn er die Handlung stellenweise entschleunigt. Doch der Schreibstil von Laura Labas ist angenehm flüssig, atmosphärisch und deutlich gereift. Selbst die ruhigeren Passagen lesen sich leicht, und nach und nach fügen sich auch scheinbar nebensächliche Handlungsstränge zu einem größeren Ganzen zusammen.

Zum Ende hin zieht die Spannung spürbar an. Enthüllungen, Wendungen, Entscheidungen – nichts bleibt folgenlos. Alison wird gezwungen, sich zu entscheiden. Für Rache. Für Liebe. Für eine Welt, die vielleicht gar nicht gerettet werden will. Und dann dieser Cliffhanger. Gemein. Effektiv. Unverzeihlich gut.

Ein Thron aus Knochen und Schatten“ ist eine düstere, emotionale und intensive Fortsetzung, die mit starken Figuren, viel Atmosphäre und einer spannenden Weiterentwicklung der Geschichte überzeugt. Trotz kleiner Längen im Mittelteil bleibt die Handlung fesselnd, die Romantik glaubwürdig und das Worldbuilding eindrucksvoll. Der Cliffhanger macht große Lust auf das Finale.

⭐️⭐️⭐️⭐️ 4/5 Sterne

Jetzt heißt es warten. Und hoffen, dass das Finale genauso gnadenlos wird, wie es sich hier ankündigt. 🖤📚