Können wir bitte kurz darüber sprechen, wie unfassbar underhyped dieses Buch eigentlich ist?
Wirklich. Ich verstehe es nicht.
Als ich das Buch das erste Mal gesehen habe, haben mich ehrlich gesagt vor allem das wunderschöne Cover und der Klappentext angesprochen. Ansonsten wusste ich so gut wie nichts darüber. Keine riesigen Hype-Wellen auf Bookstagram, keine hundert begeisterten Rezensionen, keine dauernden Empfehlungen.
Es war einer dieser seltenen Fälle, in denen ich ein Buch einfach aus dem Bauch heraus gelesen habe.
Und ganz ehrlich? Ich habe es geliebt.
Nicht auf die Art, dass ständig irgendetwas explodiert, alle drei Kapitel eine riesige Wendung kommt oder man völlig atemlos durch die Geschichte rast.Sondern auf diese leise Art.
Diese Bücher, die sich langsam entfalten. Die ihre Figuren atmen lassen. Die Atmosphäre aufbauen. Die einen irgendwann komplett eingefangen haben, ohne dass man überhaupt genau sagen kann, wann das eigentlich passiert ist.
Genau so war es für mich bei ‚Songbird of the’, von Braidee Otto
Schon die ersten Kapitel haben mich unglaublich schnell in die Geschichte hineingezogen. Der Schreibstil von Braidee Otto ist ruhig, flüssig und fast schon federleicht. Man gleitet regelrecht durch die Seiten und merkt dabei gar nicht, wie sehr man sich bereits in dieser Welt verloren hat.
Und was für eine Welt das ist. Besonders das Worldbuilding hat mich positiv überrascht.
Gerade in der Fantasy liest man oft ähnliche Konzepte, ähnliche Magiesysteme und ähnliche Kreaturen. Deshalb freue ich mich immer besonders, wenn mich ein Buch hier noch überraschen kann.
Und genau das ist der Autorin gelungen.
Die Magie basiert auf Talismanen und kunstvollen Gravuren, die unterschiedliche Kräfte entfalten können. Das fühlte sich für mich angenehm frisch an und unterschied sich deutlich von vielen anderen Fantasywelten, die ich in letzter Zeit gelesen habe.
Dazu kommen die mystischen Wesen, die immer wieder auftauchen und der Geschichte stellenweise einen leicht griechisch-mythologischen Einschlag verleihen.
Ich liebe solche Details.
Sie sorgen dafür, dass sich eine Welt lebendig anfühlt und nicht wie die hundertste Variation bereits bekannter Fantasykonzepte.
Im Mittelpunkt steht Aella.
Geboren als Prinzessin, wächst sie nach ihrer Verbannung in einem Waisenhaus auf. Dort kennt niemand ihre wahre Herkunft. Stattdessen wird sie gemeinsam mit anderen Kindern zu einer Spionin ausgebildet.
Und als wäre das nicht schon kompliziert genug, führt ihr erster großer Auftrag sie ausgerechnet zurück in die Rolle, die eigentlich ihr eigenes Leben hätte sein sollen.
Sie soll sich als Prinzessin ausgeben.
Allein diese Ausgangssituation fand ich unglaublich spannend. Denn Aella bewegt sich permanent zwischen zwei Identitäten.
Zwischen dem Leben, das sie verloren hat, und dem Leben, das sie sich selbst aufgebaut hat. Gerade diese innere Zerrissenheit macht sie als Figur so interessant.
Überhaupt mochte ich Aella wahnsinnig gern.
Sie ist loyal, mutig und kämpft sich durchs Leben, ohne dabei jemals unnahbar oder übermächtig zu wirken. Besonders ihre Freundschaft zu Nyssa hat mir unglaublich gefallen.
Man spürt auf jeder Seite, wie wichtig die beiden füreinander sind.
Und ich liebe es einfach, wenn Freundschaften in Fantasyromanen nicht nur nebenbei existieren, sondern wirklich Bedeutung haben.
Natürlich müssen wir auch über Raven sprechen.
Denn seien wir ehrlich: Sobald ein geheimnisvoller, loyaler und leicht gebrochener Mann auftaucht, bin ich ohnehin verloren. 😅
Raven hat mir als Figur wirklich gut gefallen.
Er ist beschützend, ohne kontrollierend zu sein. Er respektiert Aellas Entscheidungen und behandelt sie nicht wie jemanden, der ständig gerettet werden muss.
Das mochte ich sehr.
Trotzdem war die Beziehung der beiden tatsächlich der einzige Punkt, bei dem ich mir etwas mehr gewünscht hätte.
Nicht, weil die Chemie gefehlt hätte. Ganz im Gegenteil. Die Anziehung und die Gefühle waren absolut da.
Aber für mich lag der Fokus der Geschichte oft stärker auf den politischen Entwicklungen, den Geheimnissen und der Handlung selbst. Dadurch hatte ich manchmal das Gefühl, dass Aella und Raven etwas zu wenig gemeinsame Zeit bekommen.
Ich hätte einfach gerne noch mehr von ihnen gelesen.
Mehr Gespräche. Mehr gemeinsame Momente. Mehr Raum für ihre Entwicklung.
Allerdings ist das tatsächlich eher Jammern auf hohem Niveau und gleichzeitig genau der Grund, warum ich mich so sehr auf die Fortsetzung freue.
Denn hier steckt noch unglaublich viel Potenzial.
Und genau deshalb konnte ich das Buch am Ende mit einem sehr zufriedenen Gefühl zuschlagen.
Es ist nicht laut.
Es versucht nicht permanent, größer, dramatischer oder spektakulärer zu sein als alle anderen Fantasybücher.
Und vielleicht hat es gerade deshalb so gut funktioniert.
Songbird of the Sorrows lebt von seinen Figuren, seiner Atmosphäre, seiner wunderschönen Welt und einer Geschichte, die sich Zeit nimmt, sich zu entfalten.
Für mich war dieses Buch ein kleines, stilles Highlight.
Eines dieser Bücher, die vielleicht nicht überall gehypt werden, die aber genau deshalb umso schöner zu entdecken sind.
Und ehrlich?
Ich finde, viel mehr Bookies sollten darüber sprechen.
🖤 5 von 5 Sternen
