Bookstagram Gedanken

Es ist irgendwie lustig, dass ausgerechnet bei 30 Grad auf der Terrasse, irgendwo zwischen Sonnenuntergang, völliger Erschöpfung durch die Hitze und diesem typischen „Ich denke nur kurz über etwas nach“-Moment plötzlich wieder so eine kleine Bookstagram-Existenzkrise entsteht. 😅

Aber genau da saß ich letztens und habe gemerkt, dass mir eine Frage immer häufiger im Kopf herumspukt: Machen Sternebewertungen eigentlich wirklich Sinn?

Und ich meine das völlig ernst.

Ich glaube nämlich, dass wir uns als Leser*innen mittlerweile so sehr an diese Sterne gewöhnt haben, dass man sie oft automatisch vergibt, ohne überhaupt noch groß darüber nachzudenken. Rezension fertig? Zack, irgendwo zwischen drei und fünf Sternen einsortieren und weiter geht’s.

Aber je länger ich Bücher bespreche, desto schwieriger fällt mir genau das.

Denn was sagen Sterne eigentlich wirklich aus?

Ist ein Buch automatisch „besser“, nur weil es 5 Sterne bekommt?
Oder schlechter, weil es nur 3 sind?

Und vor allem:
Kann man ein Leseerlebnis überhaupt so einfach in Zahlen pressen?

Wenn ich ehrlich bin: Eigentlich nicht.

Denn eine Rezension besteht doch aus so viel mehr als nur aus der Frage „gut oder schlecht“. Bücher treffen uns in völlig unterschiedlichen Momenten unseres Lebens. Unsere Stimmung beeinflusst das Lesen mehr, als wir oft zugeben wollen.

Lese ich einen brutalen Thriller an einem Abend, an dem mein Kopf sowieso schon voller Chaos ist, dann kann das Buch gar nicht düster, brutal oder verstörend genug sein. Da will ich Eskalation, Abgründe und maximalen Nervenzusammenbruch. 😅

Lese ich dagegen eine Romantasy an einem Tag, an dem mein Mann vielleicht mal wieder den Hochzeitstag vergessen hat, dann können die Protagonisten noch so perfekt geschrieben sein — ich sitze trotzdem da und denke mir: „Mädchen, FALL NICHT DARAUF REIN!“ 😂

Und genau das ist doch der Punkt:
Lesen ist emotional.
Lesen ist situativ.
Lesen hängt von uns selbst ab.

Manchmal lieben wir ein Buch genau wegen seiner Fehler.
Manchmal erwischt uns eine Geschichte zur richtigen Zeit und wird dadurch plötzlich zu einem Highlight.
Und manchmal lesen wir objektiv „gute“ Bücher, die uns trotzdem komplett kaltlassen.

Wie bewertet man sowas fair mit Sternen?

Ich merke immer mehr, dass mir der eigentliche Text meiner Rezension viel wichtiger geworden ist als die Zahl am Ende. Denn ich hoffe ehrlich gesagt nicht, dass jemand ein Buch nur liest, weil ich 5 Sterne vergeben habe.

Ich hoffe eher, dass meine Worte erklären können, warum mich etwas berührt hat.
Oder eben nicht.

Warum mich eine Atmosphäre gepackt hat.
Warum mich Figuren genervt haben.
Warum ich nachts weiterlesen musste.
Oder warum ich am liebsten alles gegen die Wand geworfen hätte. 😅

Denn genau DAS ist doch das Spannende an Rezensionen:

Nicht die Zahl.
Sondern die Emotion dahinter.

Und trotzdem erwische ich mich immer wieder dabei, wie ich nach dem Lesen überlege:
„Aber wie viele Sterne sind das jetzt?“

Als müsste ich das gesamte Gefühl am Ende doch wieder in irgendeine Kategorie pressen.

Vielleicht, weil wir Menschen Bewertungen mögen.
Vielleicht, weil Sterne Orientierung geben.
Vielleicht auch einfach, weil Bookstagram und Goodreads uns daran gewöhnt haben.

Aber aktuell bin ich wirklich an einem Punkt, an dem ich mich frage, ob ich Sternebewertungen überhaupt noch brauche.

Ob ich nicht lieber einfach nur erzählen möchte, was ein Buch mit mir gemacht hat.

Ohne Zahl.
Ohne Ranking.
Ohne dieses Gefühl, ein komplettes Leseerlebnis auf ein paar Sterne reduzieren zu müssen.

Und genau deshalb interessiert mich eure Meinung gerade wirklich sehr:

Braucht ihr Sternebewertungen bei Rezensionen?
Achtet ihr darauf?
Oder sind euch die eigentlichen Gedanken und Gefühle hinter einer Rezension wichtiger?