Saskia Calden – Ein dunkles Versteck (Evelyn-Holm-Thriller 4)

Es gibt Autorinnen, bei denen man irgendwann denkt: Jetzt kenne ich ihren Stil. Jetzt schaffe ich es bestimmt endlich, den Täter vor ihr zu entlarven.

Und dann kommt Saskia Calden.

Spoiler: Ich lag mal wieder komplett daneben. 😂

Eigentlich hätte ich es nach inzwischen vier Bänden der Evelyn-Holm-Reihe besser wissen müssen. Trotzdem war ich fest davon überzeugt, diesmal wenigstens ein paar Zusammenhänge früh zu erkennen.

Tja.

Keine Chance.

Saskia Calden hat mich wieder einmal auf sämtliche falschen Fährten geschickt und als der große Plottwist kam, saß ich einfach nur sprachlos da. Mit vielem hätte ich gerechnet – damit definitiv nicht.

Genau das liebe ich an ihren Büchern.

Sie überrascht mich jedes Mal aufs Neue, ohne dass die Auflösung konstruiert wirkt. Im Gegenteil: Rückblickend ergibt plötzlich alles Sinn und genau das macht für mich einen richtig guten Thriller aus.

Diesmal beginnt die Geschichte zunächst ganz harmlos.

Isabell lernt beim Einkaufen einen fremden Mann kennen. Erst wirkt das Gespräch völlig belanglos. Doch nach und nach häufen sich die merkwürdigen Begegnungen. Der Mann kennt ihren Namen, weiß erstaunlich viel über ihr Leben und scheint plötzlich überall aufzutauchen. Als schließlich ein geflochtenes Armband vor ihrer Haustür liegt, kippt dieses ungute Gefühl endgültig in Angst.

Parallel dazu ermittelt Evelyn Holm in einem Vermisstenfall. Zunächst deutet vieles darauf hin, dass eine Studentin freiwillig verschwunden ist. Doch als kurze Zeit später eine grausam zugerichtete Frauenleiche gefunden wird, nimmt der Fall eine völlig andere Richtung. Die einzige Verbindung zwischen beiden Frauen scheint ein geflochtenes Armband zu sein.

Allein dieser Einstieg hat mich sofort gepackt.

Vor allem die Stalker-Thematik hat bei mir eine unglaublich beklemmende Atmosphäre erzeugt. Dieses Gefühl, ständig beobachtet zu werden. Nicht mehr zu wissen, ob man sich etwas einbildet oder ob wirklich jemand da ist. Genau diese schleichende Angst transportiert Saskia Calden unglaublich authentisch.

Ich ertappe mich bei solchen Büchern immer dabei, dass ich plötzlich selbst misstrauisch werde.

Ist die Haustür wirklich abgeschlossen?

Wo habe ich eigentlich meinen Schlüssel hingelegt?

Und warum knackt es plötzlich genau jetzt im Flur? 😅

Wenn ein Buch solche Gedanken auslöst, dann macht es für mich etwas richtig.

Besonders gelungen fand ich erneut die Perspektivwechsel.

Gerade die Kapitel aus Sicht der Opfer gehen unglaublich unter die Haut. Man spürt ihre Angst, ihre Verzweiflung und diese völlige Hilflosigkeit. Dadurch entsteht eine emotionale Nähe, die den Thriller noch intensiver macht.

Man fiebert nicht nur mit den Ermittlern mit.

Man hofft einfach die ganze Zeit, dass sie nicht zu spät kommen.

Auch Evelyn Holm und ihr Team haben mir wieder richtig gut gefallen.

Diesmal liegt der Fokus allerdings etwas stärker auf den eigentlichen Ermittlungen als auf den privaten Geschichten der Figuren. Das hat mich überhaupt nicht gestört. Im Gegenteil – ich hatte sogar das Gefühl, dass genau dadurch die Spannung noch einmal angezogen hat.

Gleichzeitig bleibt genügend Potenzial, um den Nebenfiguren in den kommenden Bänden wieder mehr Raum zu geben.

Was ich an der gesamten Reihe inzwischen besonders schätze, ist ihre Entwicklung.

Viele Reihen schaffen einen guten Auftakt und halten danach ihr Niveau.

Saskia Calden gelingt für mein Empfinden etwas Schwierigeres.

Sie wird mit jedem Band stärker.

Schon Der Puppenwald hat mich damals begeistert und ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass die Reihe dieses Niveau noch einmal steigern kann.

Doch genau das ist passiert.

Ein dunkles Versteck ist für mich bisher der stärkste Band der gesamten Reihe.

Die Spannung beginnt früh, hält sich konstant auf einem hohen Niveau und lässt bis zur letzten Seite nicht nach. Immer wieder glaubt man, endlich verstanden zu haben, worauf alles hinausläuft.

Und jedes Mal beweist Saskia Calden das Gegenteil.

Genau deshalb verschlinge ich ihre Bücher inzwischen fast schon blind.

Ich weiß vorher nie, was mich erwartet.

Ich weiß aber ganz sicher, dass ich überrascht werde.

Und genau dieses Vertrauen in eine Autorin ist für mich etwas Besonderes.

Ein dunkles Versteck verbindet einen hochspannenden Kriminalfall mit einer beklemmenden Stalker-Thematik und einer Atmosphäre, die einem immer wieder eine Gänsehaut beschert. Die Perspektivwechsel sorgen für zusätzliche Intensität und die Ermittlungen bleiben bis zum Schluss unvorhersehbar.

Für mich ist dieser vierte Band gleichzeitig auch der bisher stärkste der gesamten Evelyn-Holm-Reihe.

Saskia Calden gehört inzwischen zu den wenigen Autorinnen, bei denen ich ein neues Buch nicht mehr lange überlege, sondern einfach zugreife. Weil ich weiß, dass mich spannende Ermittlungen, großartige Plottwists und mindestens ein Moment erwarten, in dem ich fassungslos das Buch anstarre.

Und ganz ehrlich?

Ich freue mich jetzt schon riesig auf Band fünf.

5 von 5 schwarzen Herzen. 🖤