Können wir bitte kurz darüber reden, wie sehr dieses Buch nach mir geschrien hat?
Dämonen. Schattenengel. Dark Academia. Rivals to Lovers. Eine Eliteuniversität in den verschneiten Schweizer Alpen.
Und dann auch noch eine Geschichte, in der ausnahmsweise mal nicht die Guten lernen, die Welt zu retten, sondern die zukünftigen Vertreter der Hölle darauf vorbereitet werden, Chaos, Verderben und Tod über die Menschheit zu bringen.
Ganz ehrlich? Spätestens da hatte mich das Buch.
Und ich muss sagen: ‚Montcrest University – Lessons in Evil‘ von Laurie Harmening hat vieles von dem geliefert, was ich mir erhofft hatte.
Schon die Grundidee fand ich unglaublich spannend. Die Montcrest University liegt versteckt in den Schweizer Alpen und dient als Ausbildungsstätte für Dämonen und Schattenengel. Hier lernt man nicht, Menschen zu beschützen oder für das Gute einzustehen. Hier geht es darum, Macht zu erlangen, Schwächen auszunutzen und die Welt irgendwann mit den sieben Todsünden zu überziehen.
Allein dieses Konzept hebt sich für mich schon von vielen anderen Academy-Fantasys ab.
Denn seien wir ehrlich: Magische Universitäten gibt es inzwischen wie Sand am Meer.
Aber eine Schule für die Erben der Hölle?
Das hatte definitiv meinen Aufmerksamkeit.
Besonders gefallen hat mir die Atmosphäre.
Montcrest fühlt sich genau so an, wie eine Eliteakademie für zukünftige Dämonen aussehen sollte. Kalt. Prestigeträchtig. Grausam. Voller Machtspiele und Hierarchien.
Man spürt von Anfang an, dass hier nicht Fairness oder Leistung entscheiden, sondern Herkunft, Einfluss und Blutlinien.
Und genau dadurch entsteht ständig dieses Gefühl von Konkurrenz.
Von Misstrauen. Von unterschwelliger Bedrohung.
Die Universität selbst wurde für mich fast zu einer eigenen Figur.
Die verschneiten Berge, die alten Gemäuer, die gefährlichen Prüfungen und die ständige Rivalität zwischen den Studierenden sorgen dafür, dass man komplett in diese Welt eintaucht.
Im Mittelpunkt stehen Grace Blackmore und Isak Volstrom.
Und ich mochte beide deutlich mehr, als ich zu Beginn erwartet hätte.
Grace ist keine typische Heldin, die sofort alle um sich herum für sich gewinnt.
Im Gegenteil. Sie ist reserviert, misstrauisch und wirkt oft wie jemand, der lieber allein kämpft, als sich auf andere zu verlassen.
Man merkt schnell, dass sie ihr ganzes Leben darauf vorbereitet wurde, stark zu sein.
Vertrauen? Eher schwierig. Smalltalk? Noch schwieriger.
Gerade deshalb fand ich sie unglaublich interessant.
Denn hinter ihrer kühlen Fassade steckt deutlich mehr, als sie andere glauben lässt.
Isak dagegen gehört genau zu den Figuren, die eigentlich alles haben.
Macht. Ansehen. Einfluss. Die richtige Familie.
Und trotzdem wird schnell klar, dass auch er längst nicht so frei ist, wie es von außen wirkt.
Er trägt Erwartungen auf seinen Schultern, die ihn genauso gefangen halten wie Grace.
Je mehr man über beide erfährt, desto deutlicher werden die Parallelen zwischen ihnen.
Und genau daraus entsteht für mich die eigentliche Stärke ihrer Dynamik.
Denn ihre Beziehung basiert nicht nur auf Anziehung.
Sondern auf Verständnis.
Auf Konkurrenz. Auf Wut. Auf Respekt.
Und manchmal auf dem Wunsch, den anderen gleichzeitig zu küssen und von einer Klippe zu schubsen. 😅
Genau so muss Rivals to Lovers für mich funktionieren.
Besonders gut gefallen hat mir, dass die Entwicklung zwischen den beiden Zeit bekommt.
Nichts wirkt überstürzt.
Stattdessen baut sich die Spannung langsam auf und sorgt immer wieder für diese kleinen Momente, in denen man merkt, dass hinter den Drohungen und Wortgefechten längst etwas anderes steckt.
Neben den beiden Hauptfiguren mochte ich auch viele der Nebencharaktere.
Vor allem Tereza.
Ihre Freundschaft mit Grace war für mich eines der Highlights des Buches.
Die Dynamik der beiden hat mich tatsächlich mehrfach an Wednesday und Enid erinnert. Diese Mischung aus Chaos, Loyalität und völlig unterschiedlichen Persönlichkeiten hat einfach unglaublich gut funktioniert.
Auch die Sinners und die übrigen Studierenden sorgen dafür, dass die Welt lebendig bleibt.
Niemand wirkt vollkommen vertrauenswürdig.
Und genau das macht den Reiz aus.
Denn an dieser Schule hat jeder Geheimnisse.
Jeder verfolgt eigene Ziele.
Und niemand handelt vollkommen selbstlos.
Trotz all der positiven Punkte gab es aber auch etwas, das mich stellenweise etwas ausgebremst hat.
Das Worldbuilding.
Versteht mich nicht falsch: Die Ideen sind großartig.
Die sieben Todsünden. Die versiegelte Hölle. Die Magie. Die politischen Strukturen.
All das klingt wahnsinnig spannend.
Ich hätte nur gerne noch mehr darüber erfahren.
An vielen Stellen hatte ich das Gefühl, dass die Welt noch deutlich größer ist, als das, was wir im ersten Band sehen.
Gerade über die Magie und die Gegebenheiten der Unterwelt hätte ich gerne noch mehr Details bekommen.
Hier steckt unglaublich viel Potenzial, das hoffentlich in Band zwei noch weiter ausgeschöpft wird.
Auch einige Entwicklungen konnte man relativ früh erahnen.
Manche Verräter wirkten nicht allzu überraschend und gewisse Wendungen haben sich bereits lange vorher angekündigt.
Gestört hat mich das allerdings kaum.
Denn die Geschichte lebt viel stärker von ihren Figuren, den Machtspielen und der Atmosphäre als von schockierenden Enthüllungen.
Und dann kommt dieses Ende. Dieses absolut gemeine Ende. Dieses Ende, bei dem man das Buch zuklappt und sofort wissen möchte, wie es weitergeht.
Fragen. Verzweiflung. Wut. Neugier. Alles gleichzeitig.
Genau die Art Cliffhanger, die man hasst und liebt.
Lessons in Evil ist für mich ein unglaublich starker Auftakt voller Dämonen, Schattenengel, Machtspiele und Dark-Academia-Vibes.
Die Atmosphäre der Montcrest University, die Rivalität zwischen Grace und Isak und die düstere Welt der Todsünden haben mich schnell in ihren Bann gezogen.
Auch wenn ich mir beim Worldbuilding stellenweise noch etwas mehr Tiefe gewünscht hätte, konnte mich die Geschichte durch ihre Figuren, ihre Dynamik und die konstant spürbare Bedrohung vollkommen fesseln.
Wer düstere Academy Fantasy, moralisch graue Figuren, Rivalitäten mit ordentlich Spannung und eine Prise Hölle mag, sollte sich dieses Buch definitiv anschauen.
Und jetzt entschuldigt mich bitte, während ich ungeduldig auf Band zwei warte.
🖤🖤🖤🖤✨
4,5 von 5 Sternen
