Gebrauchte Bücher?

Einer meiner guten Vorsätze für dieses Jahr? Der wurde erstaunlich erfolgreich umgesetzt – und das will bei mir wirklich etwas heißen. Weniger unkontrollierte Buchkäufe, mehr Rücksicht auf Portemonnaie und Umwelt. Und ja, auch ich habe dieses Jahr beschlossen: Gebrauchte Bücher dürfen mit einziehen.

Natürlich funktioniert das nicht immer. Bei brandneuen Erscheinungen liegt der Gebrauchtpreis oft so nah am Neupreis, dass man sich den Umweg eigentlich sparen kann. Aber bei älteren Titeln? Jackpot. Genau dort liegt für mich der Reiz – und deshalb möchte ich euch heute eine Entdeckung zeigen, die mich selbst überrascht hat.

Ich habe zum ersten Mal bei BookBot bestellt. Und ich sage es gleich vorweg: Ich war skeptisch. Sehr sogar. Ich bin pingelig, was Bücher angeht. Leserillen, Eselohren, angestoßene Ecken – mein innerer Bücher-Monk schlägt da sofort Alarm. Aber wie heißt es so schön: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Also habe ich mich durch das Angebot geklickt, gestaunt, gehadert, Bücher in den Warenkorb gelegt und wieder rausgeworfen (ihr kennt das) – und dann bestellt.


Als das Paket ankam, war ich ehrlich gespannt. Die Auswahl auf der Website ist riesig, die Preise verlockend – fast zu verlockend. Aber wie würden die Bücher wirklich aussehen? Und dann: große Erleichterung. Die Bücher waren genau so, wie sie beschrieben waren. Kein Schönreden, kein „naja, mit viel Wohlwollen noch okay“. Sondern fair, transparent und absolut nachvollziehbar.

Besonders gut gefällt mir, dass man bei BookBot den Zustand mit auswählen kann. Gegen einen kleinen Aufpreis entscheidet man selbst, ob „gut“, „sehr gut“ oder „exzellent“ reicht. Für mich als Bücherliebhaberin ein riesiger Pluspunkt. Ich weiß, worauf ich mich einlasse – und werde nicht überrascht.

Und das Ergebnis? Soo viele tolle Bücher, in einem Zustand, der mein Herz erfreut, und zu Preisen, bei denen mein Portemonnaie nicht leise weint. Ganz im Gegenteil. Ich hatte eher das Gefühl, einen kleinen literarischen Schatz gehoben zu haben.

Fazit: Bei BookBot werde ich definitiv öfter bestellen. Es fühlt sich gut an, Büchern ein zweites Leben zu schenken, dabei Geld zu sparen und trotzdem nicht auf Qualität verzichten zu müssen.

Und jetzt bin ich neugierig: Kauft ihr auch gebrauchte Bücher – oder seid ihr eher Team „nur neu“? 📚💚


Mein SuB - pure Bücherliebe

Es gibt diesen ganz speziellen Moment, den vermutlich nur Menschen kennen, die Bücher nicht einfach lesen, sondern fühlen. Dieser Moment, in dem ein Gedanke plötzlich laut wird: Das Buch muss ich haben. Unbedingt. Sofort. Jetzt. Keine Diskussion, keine Vernunft, kein Blick auf den SuB, der irgendwo im Hintergrund leise hustet. Das Buch zieht ein – feierlich, voller Vorfreude, mit diesem kleinen Kribbeln, das nur neue Geschichten auslösen können. Und dann? Dann steht es da. Im Regal. Auf dem SuB. Und wartet. Wochen. Monate. Manchmal länger.

Wer kennt es? Ich bin mir ziemlich sicher: Das versteht nur ihr. Die, die ähnlich ticken. Die, für die das keine Büchersucht ist, sondern pure, ehrliche Bücherliebe.

Natürlich gibt es diese Stimmen. „Was? Du hortest doch einfach nur Bücher!“ Nein. Ganz klares Nein. Ich horte keine Bücher. Ich sammle Möglichkeiten. Gefühle. Zukünftige Abende, an denen ich genau diese Geschichte brauchen werde. Denn Bücher sind nicht einfach Papier zwischen zwei Deckeln. Sie sind Orte. Zufluchten. Manchmal Rettungsboote.

Habt ihr schon einmal ein Buch gelesen – oder eine ganze Reihe – bei der ihr euch wünschtet, sie würde niemals enden? Dieses Gefühl, wenn man merkt: Das hier ist mehr als eine Geschichte. Es fühlt sich an wie Zuhause. Wie Familie. Wie ein sicherer Ort, in den man fliehen kann, wenn draußen im echten Leben alles zu laut, zu schnell, zu viel wird. Genau diese Bücher sind gefährlich. Und kostbar. Und genau deshalb liest man sie nicht einfach so nebenbei weg.

Bei mir steht zum Beispiel die Throne of Glass-Reihe brav im Regal. Wunderschön. Vollständig. Und ich habe… drei Bände gelesen. Drei. Der Rest wartet. Absichtlich. Ganz bewusst. Ich spare sie mir auf. Wie ein gutes Dessert. Wie einen besonderen Moment, den man nicht verschwenden will. Und von dieser Sorte Bücher habe ich einige. Geschichten, bei denen ich weiß: Wenn ich sie anfange, will ich nichts anderes mehr. Also warte ich. Nicht aus Desinteresse – sondern aus Respekt.

Und irgendwann wird dieser Moment kommen. Der richtige. Ich habe davon einige Bücher.

Geschichten, von denen ich weiß: Wenn ich sie lese, will ich nichts anderes mehr. Und deshalb warte ich. Auf den richtigen Moment. Auf die richtige Stimmung. Wie der letzte Urlaubstag. Wie ein Versprechen an mich selbst.

Auf den Tag, an dem ich genau dieses Zuhause brauche.

Und irgendwann wird dieser Moment kommen.

Dann ziehe ich das Buch aus dem Regal.

Mache es mir gemütlich.

Und tauche ein.

Nicht hastig. Nicht nebenbei.

Sondern voller Genuss.

Und genau deshalb dürfen manche Bücher warten.

Weil sie es wert sind. 📚✨





Never Safe – Wann wirst du sicher sein?

Es gibt Autorinnen, zu denen greift man fast automatisch. Nicht, weil jedes Buch perfekt ist – sondern weil man weiß, was einen grundsätzlich erwartet. Spannung. Dunkle Abgründe. Dieses unterschwellige Gefühl, dass gleich etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist.

Lisa Jackson gehört für mich genau in diese Kategorie. Seit Jahren lese ich ihre Thriller immer wieder gern, und auch wenn nicht jeder Titel ein Highlight ist, bin ich doch jedes Mal neugierig genug, mich erneut darauf einzulassen.

Never Safe – Wann wirst du sicher sein?“ ist ein Stand-alone-Thriller, der mit einem extrem starken Ausgangspunkt beginnt – und mich genau damit sofort hatte.

Heiligabend. Ein Datum, das für Wärme, Familie und Sicherheit stehen sollte. Für Kara markiert es den Beginn eines lebenslangen Albtraums. Mit sieben Jahren entkommt sie knapp einem Mörder, der einen Großteil ihrer Familie brutal auslöscht. Ihre ältere Schwester Marlie zwingt sie damals, sich zu verstecken – und verschwindet selbst spurlos. Zwanzig Jahre später ist nichts wirklich verheilt. Und als Karas Halbbruder Jonas, der einst für die Morde verurteilt wurde, plötzlich freikommt, beginnen alte Wunden erneut zu bluten. Gleichzeitig erhält Kara rätselhafte Nachrichten, die sie unweigerlich zu Marlie zurückführen. Zu Fragen, die nie beantwortet wurden. Zu Erinnerungen, die sie lieber verdrängt hätte.

Und dann geschieht erneut ein Mord.

Plötzlich ist klar: Die Vergangenheit ist nicht abgeschlossen. Und Kara könnte selbst das nächste Opfer sein.

Lisa Jackson erzählt die Geschichte aus mehreren Perspektiven. Wir begleiten Kara und Wesley – den Sohn des Mannes, der ihr damals das Leben rettete. Wesley ist Journalist, getrieben von dem Wunsch, die Wahrheit ans Licht zu bringen, und bildet einen interessanten Gegenpol zu Karas verschlossener, misstrauischer Art. Gemeinsam graben sie sich immer tiefer in die Geschehnisse von damals ein. Parallel dazu verfolgt man ein Ermittlerduo bei der Polizeiarbeit – ein Handlungsstrang, der für mich leider der schwächste war. Die Ermittler bleiben blass, fast klischeehaft, und wirken weder besonders kompetent noch wirklich greifbar. Insgesamt kommt die Polizei hier nicht gerade gut weg.

Dafür punktet der Thriller klar mit seinem zentralen Rätsel. Lisa Jackson versteht es, Hinweise zu streuen, Verdächtige aufzubauen und die Neugier ihrer Leser:innen konstant zu kitzeln. Immer wieder glaubt man, eine Spur erkannt zu haben – nur um kurz darauf wieder ins Zweifeln zu geraten. Dieser Thriller lebt weniger von Action als von der Frage: Wem kann man trauen? Und was ist damals wirklich passiert?

Allerdings muss ich ehrlich sagen: Zwischendurch gab es Längen. Gerade im Mittelteil verliert die Spannung stellenweise an Schärfe. Dazu kommen Nebenfiguren, die sehr eindimensional bleiben. Besonders Tante Faiza wirkte auf mich eher wie eine Funktion im Plot als wie ein echter Mensch. Auch die übrigen Nebencharaktere sind recht simpel gezeichnet, was schade ist – vor allem, weil ich weiß, dass Lisa Jackson das durchaus besser kann.

Kara hingegen ist gelungen. Sie ist die einzige Figur, die wirklich Tiefe bekommt. Ihre traumatische Vergangenheit, ihre Angst, ihre Isolation – all das ist nachvollziehbar und emotional greifbar. Ihretwegen bleibt man dran, leidet mit, hofft mit und fürchtet sich mit ihr. Die angedeutete Liebesgeschichte hätte es für mich übrigens nicht gebraucht. Sie bleibt oberflächlich, fast beiläufig, und trägt kaum etwas zur Handlung bei.

Unterm Strich ist „Never Safe – Wann wirst du sicher sein?“ ein spannender Thriller mit einer starken Grundidee und einer überzeugenden Hauptfigur. Der Plot funktioniert, die Atmosphäre ist düster, und der psychologische Druck ist spürbar. Abzüge gibt es für die schwachen Ermittler, die flachen Nebenfiguren und einige Längen. Trotzdem: Für Fans von Lisa Jackson und für Leser:innen, die gerne rätseln und sich von alten Familiengeheimnissen in den Bann ziehen lassen, ist das Buch definitiv einen Blick wert.

⭐️⭐️⭐️✨ 3,5/5 Sterne

Spannend, aber mit Luft nach oben – und ein Thriller, der zeigt, warum ich Lisa Jackson trotz allem immer wieder gern lese.


„Ein Thron aus Knochen und Schatten“ von Laura Labas

Manchmal gibt es diese Fortsetzungen, bei denen man schon beim Aufschlagen spürt: Das hier wird kein bloßes „Weiter so“. Das hier will tiefer gehen. Dunkler werden. Mehr verlangen.

Ein Thron aus Knochen und Schatten“ von Laura Labas ist genau so ein Buch.

Nach dem starken Auftakt war ich neugierig, wohin die Reise mit Alison Talbot führen würde – und ja, ich musste mich anfangs kurz sammeln. Die Welt ist komplex, die Verstrickungen zahlreich, die Figuren vielschichtig. Ich gebe zu: Mein Gehirn brauchte ein kleines Auffrischen. Wer wer war, wer wem was schuldet, wer wen hasst, liebt oder verraten könnte. Das Namensglossar am Ende war dabei Gold wert. Und dann? Dann hatte mich die Geschichte wieder. Vollständig.

Alison steht erneut vor Aufgaben, die sie eigentlich nicht stemmen können dürfte – und tut es trotzdem. Als Schlüsselträgerin soll sie das Tor öffnen, um die Dämonen zurück in ihre Welt zu verbannen. Eine Mission von globaler Tragweite, die sie Seite an Seite mit Gareth bestreitet. Und als wäre das nicht genug, schleicht sich Dorian Ascia immer tiefer in ihr Leben, ihre Gedanken, ihre Zweifel. Nähe wird gefährlich, Gefühle werden zur Schwachstelle, und über allem schwebt Alisons Wunsch nach Rache. Der Mord an ihrer Familie ist kein vergangener Schmerz – er ist ein offener, brennender Kern, der jede ihrer Entscheidungen beeinflusst.

Die Welt, die Laura Labas hier erschafft, wird größer, dunkler und bedrohlicher. Wahnsinnige Schattendämonen, menschliche Rebellen mit eigenen Interessen, skrupellose Machthaber und das Erwachen einer Dämonenkönigin – all das verdichtet sich zu einer Atmosphäre, die permanent unter Spannung steht. Dennoch muss ich ehrlich sein: Der Mittelteil hatte für mich seine Längen. Dieses klassische Trilogie-Phänomen – die Ruhe vor dem Sturm. Training folgt auf Training, Tag und Nacht, immer wieder. Ich verstehe den Gedanken dahinter: Niemand wird als Held geboren. Aber hier zog es sich für meinen Geschmack etwas zu sehr.

Was für mich jedoch durchgehend funktioniert hat, war Alison selbst. Sie ist keine makellose Heldin. Sie zweifelt, sie scheitert, sie trifft falsche Entscheidungen. Und genau das macht sie so stark. Als Anführerin wächst sie spürbar in ihre Rolle hinein, ihr Team rückt näher zusammen, und auch die Nebenfiguren bekommen Raum, Tiefe und Hintergrund. Besonders Ophelia, Bird und Hadley gewinnen deutlich an Kontur.

Und dann ist da natürlich die Romantik. Alison und Gareth. Dämon und Mensch. Verboten, kompliziert, gefährlich – und genau deshalb so intensiv. Das Knistern ist greifbar, die Gefühle entwickeln sich langsam, glaubwürdig und schmerzhaft schön. Ich habe mit ihnen gelitten, gehofft, gezweifelt. Diese Beziehung trägt das Buch emotional auf beeindruckende Weise.

Erzählt wird aus Alisons Ich-Perspektive, ergänzt durch mehrere weitere Blickwinkel. Dieser Perspektivwechsel bringt Dynamik und Tiefe, auch wenn er die Handlung stellenweise entschleunigt. Doch der Schreibstil von Laura Labas ist angenehm flüssig, atmosphärisch und deutlich gereift. Selbst die ruhigeren Passagen lesen sich leicht, und nach und nach fügen sich auch scheinbar nebensächliche Handlungsstränge zu einem größeren Ganzen zusammen.

Zum Ende hin zieht die Spannung spürbar an. Enthüllungen, Wendungen, Entscheidungen – nichts bleibt folgenlos. Alison wird gezwungen, sich zu entscheiden. Für Rache. Für Liebe. Für eine Welt, die vielleicht gar nicht gerettet werden will. Und dann dieser Cliffhanger. Gemein. Effektiv. Unverzeihlich gut.

Ein Thron aus Knochen und Schatten“ ist eine düstere, emotionale und intensive Fortsetzung, die mit starken Figuren, viel Atmosphäre und einer spannenden Weiterentwicklung der Geschichte überzeugt. Trotz kleiner Längen im Mittelteil bleibt die Handlung fesselnd, die Romantik glaubwürdig und das Worldbuilding eindrucksvoll. Der Cliffhanger macht große Lust auf das Finale.

⭐️⭐️⭐️⭐️ 4/5 Sterne

Jetzt heißt es warten. Und hoffen, dass das Finale genauso gnadenlos wird, wie es sich hier ankündigt. 🖤📚


Herzfluch von Andreas Gruber

Manchmal tappt man als Leser in Fallen, von denen man im Nachhinein nicht mal weiß, wie man sie übersehen konnte. Meine persönliche Lieblingsfalle: „Ich lese mal eben Band zwei“. Ganz harmlos, ganz unschuldig. Cover gefällt, Klappentext klingt spannend, kein fetter Hinweis auf Reihe. Zack – drin. Erst mittendrin dämmert es: Moment … da gibt es Vorgeschichten. Menschen mit Vergangenheit. Beziehungen, die schon atmen, bevor man sie überhaupt kennt. Tja. Passiert mir. Regelmäßig.

Neulich habe ich in einer Buchhandlung gesehen, dass Reihen dort ganz dezent mit „Band 1“, „Band 2“ und so weiter markiert waren. Ich hätte vor Rührung fast applaudiert. Warum das nicht überall Standard ist, bleibt mir ein Rätsel. Denn Herzfluch von Andreas Gruber ist genau so ein Fall: gelesen, verschlungen – und direkt beschlossen, Band 1 definitiv nachzuholen. Und zwar nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus ehrlicher Lust.

Schon die Ausgangslage hat mich gepackt. Eine verschwundene Frau. Eine junge Urlauberin, zuletzt gesehen auf einer glamourösen Party der Athener High Society. Parallel dazu eine Wiener Privatdetektivin, Elena Gerink, die einem zu Unrecht freigesprochenen Mörder hinterherjagt, der seit fünfzehn Jahren untergetaucht ist. Zwei Fälle, zwei Richtungen – und dieses unterschwellige Gefühl, dass sie irgendwann kollidieren müssen. Spoiler: Sie tun es. Und zwar mit Wucht.

Als sich die Spuren auf einer kleinen griechischen Privatinsel kreuzen, wird aus Neugier pure Anspannung. Elena, ihr Mann Peter und Dino Scatozza, Entführungsspezialisten des österreichischen BKA, geraten gemeinsam in einen Strudel aus alten Geheimnissen, verdrängter Schuld und einer Vergangenheit, die alles andere als ruhen will. Die Insel selbst ist dabei mehr als nur Schauplatz – sie ist ein geschlossener Raum, fast ein eigener Charakter. Bedrückend schön, klaustrophobisch, gefährlich. Ein Ort, der flüstert, droht und schließlich schreit.

Der Schreibstil? Tückisch gut. Einmal angefangen, gibt es kein Zurück. Man fliegt durch über 600 Seiten, weil alles so leichtfüßig geschrieben ist und gleichzeitig eine enorme Dichte hat. Die Perspektiven wechseln, die Spannung bleibt konstant hoch, und jedes neue Puzzleteil klickt mit einem leisen, befriedigenden Ja, genau so. Ich war nicht nur Leserin – ich war Teil des Teams. Elena, Peter, Dino: Figuren mit Ecken, Eigenheiten und Geschichte, ohne überladen zu wirken. Genau richtig dosiert.

Der Fall selbst entwickelt sich von einer vermeintlich „klassischen“ Entführung zu etwas viel Größerem. Fast Mythologischem. Fantasievoll, grausam, verstörend genial. Man merkt richtig, wie das Tempo anzieht – nicht abrupt, sondern unaufhaltsam. Und dann dieses Finale. Groß. Brutal. Emotional. Ich war mir sicher, ich hätte es durchschaut. Hatte ich nicht. Überhaupt nicht. Ich musste nach der letzten Seite erst einmal Luft holen und das Buch beiseitelegen. Diese Art von Ende, die nachhallt und einen leicht fassungslos zurücklässt.

Ja, der Mittelteil hatte für mich ein paar Längen. Aber ehrlich? Geschenkt. In der Gesamtbetrachtung fällt das kaum ins Gewicht, weil alles andere so stark ist. Die letzten Kapitel explodieren förmlich, voller Bilder, detailreich, grausam, intensiv. Grubers Fantasie ist nichts für zarte Gemüter – aber beeindruckend in ihrer Konsequenz.

Herzfluch ist ein spannender, temporeicher, harter Thriller mit Sogwirkung, starken Figuren und einem fiesen Cliffhanger. Ideenreich konstruiert, atmosphärisch dicht und absolut lesenswert. Ich habe das Buch geliebt, verschlungen, inhaliert – und werde Band 1 definitiv nachholen.

4,5/5 ⭐️

Und jetzt beginnt das Warten auf Band 3. Herr Gruber, bitte keine zehn Jahre Pause. Wirklich nicht.


Bücher - zwischen Liebe und Sucht

Eine Frage, die man sich vermutlich nur stellt, wenn man vor einem randvollen Bücherregal steht – und zwar nicht mit einem Buch in der Hand, sondern mit diesem leicht schuldbewussten Blick, den andere Menschen sonst nur aus dem Keller kennen, wenn sie ihre Weinvorräte zählen.

Was meint ihr: Haben wir alle ein kleines Suchtproblem?

Ich habe das jahrelang konsequent von mir gewiesen. Sucht? Ich bitte euch. Ich lese halt gern. Sehr gern. Überdurchschnittlich gern. Nächtelang gern. Mit „Nur noch ein Kapitel“-Selbstbetrug gern. Aber süchtig? Nein. Niemals.

Bis zu diesem einen Moment.

Ich saß da, ganz harmlos, ließ den Blick über meine Bücherregale schweifen – voll, doppelt belegt, in Reihen gestapelt, teilweise mit kreativer Querlagerung – und plötzlich kam dieses leise Grübeln. Nicht panisch. Eher so ein inneres Stirnrunzeln. Muss das alles sein? Brauche ich wirklich so viele?

Und dann kam er.

Mein Mann.

Mit diesem Satz.

„Du könntest mal wieder aussortieren.“

Natürlich sortiere ich aus. Regelmäßig sogar. Ich bringe Bücher in den Bücherschrank, verschenke sie, lasse sie weiterziehen. Aber – und das ist ein sehr wichtiges Aber – was bleibt, ist die Crème de la Crème. Die Herzensbücher. Die, die Nächte geraubt haben, die mich haben frieren, zittern, lachen oder weinen lassen. Bücher, bei denen ich beim Umblättern wusste: Das hier ist etwas Besonderes.

Und ganz ehrlich: Wie soll man so ein Buch weggeben?

Ein Buch, das dich fasziniert hat, das dich in fremde Welten getragen, dich begleitet, dich verändert hat – das ist doch unbezahlbar. Das ist kein Gegenstand, das ist eine Erinnerung. Ein Gefühl. Ein Stück von mir.

Manche dieser Bücher werde ich irgendwann wieder lesen. Andere vielleicht nicht. Aber allein ihr Anblick zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. Sie erinnern mich daran, wie ich mich gefühlt habe, als ich sie gelesen habe. Und manchmal reicht genau das.

Andere sammeln Handtaschen. Oder Schuhe. Oder Stoffe. Oder Deko, die niemand braucht, aber hübsch aussieht.

Ich sammle Geschichten.

Ich sammle Welten.

Ich sammle Nächte, in denen ich „nur noch eine Seite“ lesen wollte und plötzlich die Sonne aufging.

Wenn das eine Sucht ist – dann eine verdammt schöne.

Und ganz ehrlich: Es könnte schlimmer sein, oder? 📚✨


Neues Jahr, neue Buchvorsätze.

Neues Jahr, neue Buchvorsätze.

Oder wie ich es nenne: dieselben guten Absichten, nur mit frischem Kalenderblatt und minimaler Selbstlüge.

Kaum ist das neue Jahr da, schleichen sie sich an – die großen literarischen Pläne. Weniger kaufen, mehr lesen. Den SuB abbauen. Endlich. Spoiler: Mein SuB hat dazu noch keine Stellungnahme abgegeben, aber ich vermute, er fühlt sich sehr sicher. Zu sicher.

Vielleicht wollen wir dieses Jahr ja auch mutig sein. Neue Genres ausprobieren. Endlich mal zu den Büchern greifen, die wir seit Jahren „irgendwann bestimmt“ lesen wollten. Science-Fiction, obwohl wir bei Raumschiffen sonst sofort aussteigen. Romance, obwohl wir schwören, dass wir „eigentlich gar nicht so romantisch sind“. Oder Fantasy, obwohl wir uns immer noch nicht sicher sind, ob wir uns Drachen-Namen merken können.

👉 Wollt ihr 2026 weniger Bücher kaufen und dafür mehr lesen?

👉 Oder gehört ihr zu denen, die tapfer versuchen, den SuB abzubauen – wissend, dass er meist schneller wächst, als man „nur noch ein Kapitel“ sagen kann?

👉 Plant ihr, neue Genres auszuprobieren? Vielleicht endlich mal Science-Fiction, obwohl ihr sonst lieber in Fantasywelten versinkt? Oder Romance, obwohl ihr euch immer wieder schwört, dass euer Herz das eigentlich nicht aushält?

👉 Oder gibt es Genres, von denen ihr euch endgültig verabschiedet habt?

Und dann gibt es die andere Fraktion: Genres endgültig abschwören. Weil man gelernt hat, dass manche Bücher einfach nicht das eigene Herz treffen – und das ist auch völlig okay.

Ein weiterer Klassiker unter den Vorsätzen: bewusster kaufen. Vielleicht öfter gebraucht. Vielleicht mit Patina, Eselsohren und dem leisen Gefühl, dass dieses Buch schon einmal geliebt wurde. Oder gezielt kleine Buchhandlungen unterstützen, statt reflexartig bei den großen Ketten zu landen. Bücher kaufen als kleine Liebeserklärung – nicht als Klick aus Gewohnheit.

👉 Kauft ihr lieber gebraucht – mit Eselsohren, Geschichte und dem Gefühl, dass dieses Buch schon einmal geliebt wurde?

👉 Oder wollt ihr dieses Jahr bewusster kleine Buchhandlungen unterstützen, statt bei den großen Ketten zu landen?

👉 Lest ihr eher schnell, weil ihr wissen müsst, wie es ausgeht – oder nehmt ihr euch vor, langsamer zu lesen, um länger in einer Geschichte zu bleiben?

👉 Und ganz ehrlich: Wollt ihr euer Leseherz öfter schützen oder euch auch 2026 wieder hemmungslos in Bücher verlieben?

Und dann wären da noch die emotionalen Vorsätze. Das Herz nicht so schnell verschenken. Nicht jedem Hype blind hinterherlaufen. Bücher nicht nur zu verschlingen, sondern sie wirklich zu lesen. Langsamer. Aufmerksamer. Damit man länger etwas davon hat. Damit Geschichten nachhallen dürfen, statt direkt vom nächsten Stapel verdrängt zu werden.

Vielleicht geht es am Ende gar nicht um Regeln oder Zahlen. Nicht um „x Bücher pro Jahr“ oder „y Seiten pro Tag“. Vielleicht geht es darum, Lesen wieder als das zu sehen, was es sein soll: Zuflucht, Abenteuer, Pause, Zuhause. Ohne Druck. Ohne Vergleich. Ohne schlechtes Gewissen.

Kein richtig, kein falsch.

Nur Neugier, Buchliebe und ganz viele unterschiedliche Wege, Geschichten zu erleben.

Ich bin gespannt: Welche Buchvorsätze begleiten euch ins neue Jahr? 📚✨


‚Body Number One‘ von Helen Fields

 Serienmörderjagd in Edinburgh?

Ganz ehrlich: Setz mir dieses Stichwort vor, und ich bin sofort dabei. Neblige Straßen, dunkle Gassen, das Gefühl, beobachtet zu werden – genau mein Terrain. Und mit ‚Body Number One‘ hat Helen Fields mich einmal mehr genau dort abgeholt, wo Thriller für mich am besten funktionieren: mitten im Unbehagen.

Schon die Ausgangslage ist verstörend. Mehrere Todesfälle in Edinburgh, brutal, scheinbar willkürlich, ohne erkennbares Muster. Ein junger Mann, erschlagen im Park. Ein Obdachloser, erstochen im Gewerbegebiet. Eine Mutter, totgefahren. Keine Verbindung, kein roter Faden – nur das nagende Gefühl, dass all das kein Zufall sein kann. Diese Ungewissheit zieht sich wie ein kalter Nebel durch die ersten Kapitel und lässt einen nicht mehr los.

Die Mordkommission um Detective Sergeant Sam Lively steht vor einem Rätsel – und genau hier kommt Dr. Connie Woolwine ins Spiel. Sie ist keine laute, dominante Profilerin, sondern eher das Gegenteil: ruhig, sensibel, beinahe zerbrechlich wirkend. Und doch besitzt sie diese besondere Gabe, Menschen zu lesen, Abgründe zu erkennen, ohne sich darin zu verlieren. Gerade diese leise Art hat mich fasziniert. Connie drängt sich nicht auf, sie beobachtet – und trifft damit oft schmerzlich ins Schwarze.

Sam Lively wiederum ist ein Ermittler, der mehr mit sich herumträgt, als er zeigt. Zwischen den Zeilen spürt man seine innere Zerrissenheit, seine Müdigkeit, vielleicht auch Schuld. Er ist kein klassischer Held, sondern jemand mit Ecken, Kanten und Narben. Genau das macht ihn für mich greifbar – und interessant.

Eine zweite, sehr intensive Ebene eröffnet die Geschichte um Dr. Beth Waterfall. Ihre Vergangenheit ist geprägt von Angst, Verlust und einem Stalker, der nie gefasst wurde. Als sie plötzlich Zeichen entdeckt, dass dieser Albtraum vielleicht doch nicht vorbei ist, wird die Bedrohung erschreckend real. Beths Kapitel haben mich emotional besonders getroffen, weil sie so nah am Alltag bleiben. Diese Form von Angst kennt keine Actionmusik, keine großen Effekte – sie schleicht sich leise an und setzt sich fest. Und genau deshalb wirkt sie so beklemmend.

Die Handlung entwickelt sich rasant und gnadenlos. Die Brutalität der Morde ist nichts, was man einfach wegliest – sie hinterlässt Spuren. Besonders stark fand ich den Moment, in dem eine scheinbar zufällige Beobachtung im St. Columba Hospital plötzlich eine neue Perspektive eröffnet. Ab da beginnt sich das Puzzle langsam zusammenzusetzen, und man merkt: Jetzt wird es gefährlich. Für alle Beteiligten.

Helen Fields’ Schreibstil ist direkt, präzise und erzeugt eine konstant düstere Atmosphäre. Es gibt kaum Atempausen. Besonders effektiv sind die kurzen Einblicke in die Gedankenwelt des Killers. Szenen wie die Beobachtung der Parkhauseinfahrt der Klinik haben mir einen regelrechten Schauer über den Rücken gejagt. Dieses Gefühl, dass jemand immer zusieht – egal, wo man ist – zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch.

Body Number One‘ ist ein harter, atmosphärisch dichter Thriller, der weniger auf Effekthascherei setzt, sondern auf psychologischen Druck und stetig wachsende Bedrohung. Die Mischung aus Ermittlungsarbeit, emotionalen Nebensträngen und der beklemmenden Nähe zum Täter hat mich überzeugt. Kein Wohlfühlbuch, aber ein sehr intensives Leseerlebnis.

4/5 ⭐️ – düster, spannend und absolut lesenswert für alle, die Serienkiller-Thriller mit Tiefgang mögen.


‚Local Woman Missing – Du wirst sie nicht finden‘ von Mary Kubica

Manche Thriller ziehen einen langsam in ihren Bann. Andere packen dich am Kragen und lassen nicht mehr los.

‚Local Woman Missing – Du wirst sie nicht finden‘ gehört für mich ganz klar zur zweiten Kategorie.

Mary Kubica ist für mich ohnehin eine Autorin, zu der ich immer wieder greife, wenn ich Lust auf psychologischen Nervenkitzel habe. Umso gespannter war ich auf diesen Titel – und was soll ich sagen: Ich war vom ersten Moment an gefangen. Kein langsames Herantasten, kein vorsichtiges Warmwerden. Dieses Buch wirft dich direkt mitten hinein in eine scheinbar perfekte Vorstadtidylle, die innerhalb weniger Seiten Risse bekommt. Tiefe, dunkle Risse.

Als Delilah und ihre Mutter spurlos verschwinden, kippt die vertraute Welt der Nachbarschaft. Angst macht sich breit, Misstrauen wächst, und nichts ist mehr so sicher, wie es vorher schien. Elf Jahre später taucht Delilah plötzlich wieder auf. Einfach so. Lebendig. Und mit ihr kehren all die Fragen zurück, die nie beantwortet wurden. Wo war sie all die Jahre? Was ist mit ihrer Mutter passiert? Und viel beunruhigender: Ist das Böse vielleicht nie verschwunden?

Mary Kubica erzählt diese Geschichte in zwei Zeitebenen und aus wechselnden Perspektiven. Anfangs musste ich mich dabei etwas konzentrieren, um alles richtig einzuordnen – die Sprünge sind häufig, die Blickwinkel wechseln schnell. Doch nach wenigen Kapiteln hatte mich der Rhythmus gepackt. Ab diesem Punkt wurde aus aufmerksamen Lesen ein regelrechtes Verschlingen. Ich wollte verstehen. Ich wollte wissen. Und ich war dankbar für jedes kleine Puzzlestück, das mir hingeworfen wurde.

Besonders gelungen fand ich die Atmosphäre, die Kubica von Beginn an aufbaut. Diese unterschwellige Bedrohung, dieses Gefühl, dass etwas ganz gewaltig nicht stimmt – es ist ständig präsent. Im Zeitstrang „vor elf Jahren“ lernen wir Meredith, ihre Familie und die Nachbarschaft kennen. Alles wirkt normal, fast banal, und gerade das macht es so unheimlich. Zwischen den Zeilen schleichen sich erste Ahnungen ein, Verdachtsmomente, ein leises Unbehagen. Im „Heute“-Strang erleben wir Delilahs Rückkehr und beobachten, wie alte Wunden wieder aufreißen – und wie wenig Sicherheit Wahrheit manchmal bietet.

Meredith war mir von Beginn an sympathisch. Eine Frau mit Überzeugungen, mit Herz, mit dem Wunsch zu helfen – und doch nicht frei von blinden Flecken. Besonders ihr Sohn Leon hat mich emotional sehr berührt. Seine Geschichte, sein Verlust, sein stilles Leiden gingen mir nah. Mary Kubica schafft es hier, Schmerz nicht laut auszuschlachten, sondern ihn leise, aber eindringlich wirken zu lassen.

Die kurzen Kapitel, der stetige Perspektivwechsel und die wechselnden Stimmen treiben die Spannung konstant voran. Ich hatte beim Lesen immer wieder das Gefühl, selbst Teil dieser Wohnsiedlung zu sein, hinter Gardinen hervorzuschauen, Nachbarn zu beobachten und mich zu fragen, wem man eigentlich trauen kann. Jede neue Information stellte alte Annahmen infrage.

Irgendwann hatte ich das Gefühl, ich könnte das große Ganze erahnen. Und genau in diesem Moment begann das Buch, mit mir zu spielen. Theorien wurden aufgebaut, verworfen, neu zusammengesetzt. Ich lag richtig. Dann wieder völlig daneben. Es gab Stellen, an denen sich die Handlung für mich minimal zog – doch selbst da ließ die Spannung nicht wirklich nach.

Und dann dieses Ende.

Ganz ehrlich: Damit hätte ich niemals gerechnet. Ich musste das Buch kurz zur Seite legen und einfach nur dasitzen. Dieses Gefühl, wenn einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird und man merkt, wie geschickt man die ganze Zeit gelenkt wurde – genau dafür liebe ich Thriller.

Local Woman Missing‘ ist ein intensiver, psychologisch ausgefeilter Pageturner, der mit Atmosphäre, Emotionen und überraschenden Wendungen punktet. Kein Buch für nebenbei, sondern eines, das Aufmerksamkeit fordert – und sie reich belohnt. Für mich ein Thriller, der unter die Haut geht und noch lange nachhallt.

⭐️⭐️⭐️⭐️✨ 4/5 Sterne

Eine klare Leseempfehlung für alle, die Nervenkitzel, psychologische Tiefe und dieses ganz besondere „Ich muss wissen, was passiert“-Gefühl lieben.